Die Institutionalisierung der Unfähigkeit

Staffelstab Bundeskanzler, KI-generiert
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Unfähigen Politikern folgen in der Regel noch unfähigere dieses Typs. Gibt es etwa ein Gesetz der kumulativen Unfähigkeit?

Sie war die alternativlose Abrissbirne, der politisch gewordene Stillstand: Angela Merkel. Ihre Amtszeit war eine bleierne Zeit – vier Legislaturperioden stand sie durch, man muss sagen: standen die Bürger mit ihr durch. Einen schlechteren Kanzler, so glaubten viele im Moment ihrer Ablösung, kann es so schnell für dieses Land nicht mehr geben. Dann kam Olaf Scholz. Erinnert sich noch einer an ihn? Was für eine klägliche Figur dieser Mann doch abgab! Beispielhaft jene Szene im Februar 2022, einige Tage vor Beginn des Ukrainekrieges, als er dümmlich lächelnd neben dem damaligen US-Präsidenten Joe Biden stand, als dieser erklärte, dass die Vereinigten Staaten dazu in der Lage wären, Nord Stream ein Ende zu setzen. Scholz sah in dem Moment viel älter aus als Biden – und das will was heißen.

Merkel, dann Scholz: Egal wer den beiden folgte, schlechter konnte es jetzt nicht mehr kommen – oder? Die Talsohle musste doch durchschritten sein – irgendein mittelmäßiger Nachfolger wird sich doch finden lassen. Und dann fand man Friedrich Merz. Einen arroganten, mit der Finanzwirtschaft verbandelten, hyperempfindlichen und unbeliebten Mann, der eine geradezu lausige Kanzlerschaft abliefert. Wenn man denkt, schlimmer geht es nicht mehr, findet der deutsche Politbetrieb immer noch jemanden, der die Misere vertieft und dem Tiefstand einen neuen Begriff gibt. Warum ist das so? Wie lässt sich eine solche Serie potenzierter Unfähigkeit erklären?

Bozo Explosion

Es muss doch irgendeinen Erklärungsansatz geben, der darlegt, wie eine solche negative Kontinuität entsteht. Ein Gesetz quasi – oder ein Prinzip. Leider findet man recht wenig über dieses Phänomen. Mit diesem Mechanismus der Steigerung der Unfähigkeit in politischen Ämtern hat sich jedoch kaum jemand befasst. Dabei ist offenkundig, dass es eine solche Entwicklung an vielen Stellen des politischen Betriebes gibt – nicht nur im deutschen Kanzleramt. Auch in Ministerien lässt sich dergleichen nachvollziehen. In Parlamenten ohnehin – oder glauben Sie, vor zwanzig Jahren hätte auch nur ein Abgeordneter im Traum daran gedacht, seine politischen Vorstellungen zu tanzen und dann irgendwo – Social Media in der heutigen Form gab es ja noch nicht – zu vermarkten?

Hat sich wirklich nur der amerikanische Unternehmer Guy Kawasaki damit befasst? Der erklärte bereits vor vielen Jahren, dass erstklassige Leute sind gerne mit erstklassigen Leuten umgehen. Die Zweitklassigen jedoch bevorzuge drittklassige Partner an ihrer Seite, damit sie sich überlegen fühlen können – und damit sie auf diese Weise ihre Unfähigkeit kaschieren. Drittklassige suchen sich viertklassige – Viertklassige fünftklassige. Wo ist die Grenze der Unterklassigkeit? Kawasaki nannte das eine Bozo Explosion, man könnte dieses Prinzip mit einer nicht ganz wundersamen Idiotenvermehrung übersetzen.

Dieses Erklärungsmodell ist ein Ansatz – erfasst aber vielleicht nicht jeden Aspekt, der das Phänomen der Unfähigkeitspotenzierung nachvollziehbarer macht. Es braucht etwas, was man vielleicht als Gesetz der kumulativen Unfähigkeit bezeichnen könnte. Einen Dreisatz, der sich dann vertiefen lässt. Vielleicht so? Erstens: Je unfähiger die Führung, desto bedrohlicher scheint ihr die Fähigkeit anderer. Zweitens: Je bedrohlich ihr die Fähigkeit anderer erscheint, desto unfähiger fällt ihre Personalauswahl aus. Drittens: Je unfähiger die Personalauswahl ausfällt, desto wahrscheinlicher wird eine noch unfähigere nächste Führung. Aber wie genau spielt sich dieses Wachstum der politischen Unfähigkeit ab? Welche Mechaniken sind am Werk?

Kumulierte Unfähigkeit

Derjenige, der ein politisches Gemeinwesen herunterwirtschaftet, beschädigt zugleich die Voraussetzungen dafür, dass ein fähiger Nachfolger an seine Stellen treten kann. Schließlich steigen in der Amtszeit eines Unfähigen auch Leute auf, machen Karriere, die dann als Personalbestand auch dann erhalten bleiben, wenn sich die Mandatszeit des Unfähigen verstrichen ist. Zurück bleibt Personal – in Parteien, parteinahen Stiftungen, in Abgeordnetenbüros, Parlament und Ministerien –, das im Klima der schieren Unfähigkeit seine Meriten verdiente. Dass das solche begünstigt, die keinen Elan zum Widerspruch an den Tag legen, die – ganz im Gegenteil – sogar ein ausgeprägtes Faible dafür aufweisen, der Unfähigkeit so gut es geht keine Kompetenz entgegenzusetzen, scheint hierbei fast zwangsläufig.

Ein unfähiger Amtsinhaber oder Mandatsträger hat nun mal wenig Anlass, sich mit starken Persönlichkeiten zu umgeben. Solche stellen unangenehme Fragen, pflegen eigene Vorstellungen und – ehe man sich versieht – läuft einem ein solch begabter Mitarbeiter als Konkurrent für ein politisches Amt über den Weg. Wenn aber die größte Begabung eines Mitarbeiters im direkten Umfeld darin besteht, die Begabung des Vorgesetzten – auch wenn sie nicht vorhanden ist; ja, gerade dann! – je und je zu bestätigen, lässt sich viel entspannter das Werk der Unfähigkeit bestellen. Stattlich ist es für einen Politiker von unfähiger Erscheinung, wenn er neben sich nur Leute gelten lässt, die ihm nicht nur seine Unfähigkeit nicht vorhalten, sondern daneben noch viel unfähiger sind. Neben solchen Leuchten steigt sein Marktwert gleich beträchtlich – der Einäugige wird nur König, wenn er sich ein Volk der Blinden unterhält.

Man könnte also sagen, dass die Erbfolge im politischen Betrieb so gestaltet ist, dass die Unfähigkeit immer noch größere Unfähigkeit heranzieht. Täte sie das nicht, würde sie sich ihr eigenes Wasser abgraben – sie muss es tun, um politisch überleben zu können. Die Befähigten werden aufgerieben, man hält sie von den Hebeln der politischen Machtausübung fern, weil man sie gnadenlos aussortiert. Mit jeder politischen Generation sinkt das Niveau gewissermaßen automatisch. Kommt erst einmal ein Zweitklassiger an eine bedeutsame Position, stehen die Chancen günstig, dass sich die Unfähigkeit im Verlaufe der Zeit kumuliert. Die Unfähigkeit fördert angepasste Charaktere, die obendrein nie gelernt haben, Widerspruch zu formulieren. Die Abwärtsspirale nimmt ihren Lauf.

Der schlechteste Bundeskanzler kommt erst noch

Die kumulative Unfähigkeit verändert nicht nur die Personalauswahl, sondern sie verschiebt auch die Maßstäbe, die man anlegt, um politische Befähigung überhaupt beurteilen zu können. Gestern noch als politisches Versagen wahrgenommen, kann diese Vorgehensweise plötzlich gewöhnliche Regierungsarbeit sein. Im Laufe der Zeit sinken die Erwartungen, man gewöhnt sich an Zumutungen – auch intellektueller Art – und ehe man sich versieht, fällt es einem kaum noch auf, wie sehr sich die Ansprüche schier von Geisterhand zurückentwickelt haben. Die Unfähigkeit schafft sich also ihre eigene Normalität.

Ja, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Unfähigkeit darüber hinaus zu einer institutionellen Eigenschaft wird. Parteiapparate, Ministerien und politische Netzwerke entwickelt Routinen, die die Zweit-, Dritt- oder gar Viertklassigkeit begünstigen, um der Unfähigkeit am Schalthebel ein Umfeld zu gewährleisten, in dem sie unbehelligt wirken kann. So wird aus der Unfähigkeit einzelner Personen schrittweise die Unfähigkeit einer ganzen Organisation.

Dieser Kreislauf kann auch nicht durch Wahlentscheidungen seitens des Bürgers durchbrochen werden. Schließlich kann der Wähler nur wählen, was ihm zur Wahl vorgesetzt wird. Da sich aber parteiübergreifend derselbe Mechanismus etabliert hat, stehen fähige Kandidaten nicht oder doch zumindest immer seltener zur Auswahl. Der Bürger bekommt es zunehmend mit politischen Köpfen zu tun, die ein Bedürfnis haben, ihre eigene Befähigung zu inszenieren, um ihren Makel zu verschleiern. Deswegen glänzen sie mit Haltung und moralischer Selbstgewissheit, deswegen lieben sie Symbolpolitik und Kommunikation: Das sind die Ablenkungsmanöver der Unfähigkeit. Schlussendlich wird nicht derjenige befördert, der wirklich etwas könnte, sondern derjenige, der am überzeugendsten seine Unfähigkeit kaschiert. Die Quintessenz des Gesetzes der kumulativen Unfähigkeit lautet also: Wenn Sie glauben, wir haben jetzt den schlechtesten Bundeskanzler, den es je gab, dann bleiben Sie gelassen, denn wir können uns niemals sicher sein, ob wir den wirklich schlechtesten Bundeskanzler bereits gehabt haben.

Dieser Artikel erschien erstmals bei Berlin 24/7.

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
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24 Kommentare

  1. Das beschränkt sich nur leider nicht auf die Politik. Auch in der Wirtschaft sind ähnliche Entwicklungen zu erkennen. Immer mehr Manager folgen nur noch Ideen bzw. Strömungen die die dieser Kaste offensichtlich von vermeintlich berufener Seite eingeflüstert werden. Diese Trends werden dann durchgezogen bis zum absoluten geht-nicht-mehr und dann ist das Managerlein plötzlich weg und die nächste Sau wird durchs Dorf getrieben. Man kann sich geradezu darauf verlassen, dass der nächste C-irgendwas-Hampelmann dann noch beschränkter im Geiste daher kommt.

  2. Einspruch – Euer Ehren! Seit Schröder („Genosse der Bosse“) waren doch alle Bundeskanzler*innenden sehr effektiv im Sinne der Umverteilung von unten nach oben. Aus der Perspektive der Profiteure waren und sind die sehr fähig (Die Armutsrate ist gerade wieder gestiegen). Und Merz und Pistolius sind unübertroffen in der Verschwendung von Steuergeldern für Rüstungsschrott (analoge Funkkeräte – Stückpreis 67000 €, Fregatten für 45 Milliarden, Hubschrauber, die immerhin abheben, aber nicht kämpfen können etc.) Ich fürchte, diese Höchstleistung lässt sich mangels Masse nicht mehr steigern.

  3. Die Theorie müsste, so sie denn wahr ist, nicht nur den Verfall Merkel=>Scholz=>Merz (oder noch prägnanter Steinmeier=>Gabriel=>Maas=>Baerbock=>Wadepul) erklären, sondern auch erläutern warum sie vorher ungültig gewesen sein soll. Wenn ich den o.g Verfall auf 1945 extrapoliere, müsste Adenauer ein Genie gewesen sein. Dabei war der bloß skrupellos und hinterhältig.

    Ceterum censeo intellegentiam artificialem vestram in cloacam demergendam esse.

    1. Nein, dieses Prinzip ist erst da wirklich ins Rollen gekommen, wo lebensferne, opportunistische, aalglatte und korrupte Parteifunktionäre immer mehr nach oben gespült wurden, die wirklich nichts anderes gelernt haben, als sich hochzuschlafen. Deswegen tritt auch keiner mehr zurück, denn das würde ja das Scheitern des gesamten Lebensmodells bedeuten.

      Die vorherigen Generationen waren viel mehr geprägt durch Lebenserfahrung, Ethik und damit einem gewissen Rückrat. Das macht sie nicht automatisch in irgendeiner Weise ‚gut‘, aber immerhin waren sie – in Grenzen – noch Prinzipientreu.

  4. in der Organisationslehre gibt es das Peterprinzip, d.h. jemand wird solange befördert, bis er seine Stufe der Inkompetenz erreicht hat. Da kann aber das übergeordnete Management gegensteuern. In der Politik ist das nicht gegeben. Da muss man sich nur beliebt machen, um gewählt zu werden. Welch kluger Mensch will sich schon so verbiegen. Ich finde, das hat auch was mit Charakter zu tun.
    Die Negativauslese hat in den letzten 20 Jahren enorm zugenommen. Das ist der Scherbenhaufen den wir jetzt haben.

  5. Ja, dass die Reihe der deutschen Kanzler mit bemerkenswerter mathematischer Getreulichkeit eine seit Willy Brandt monoton fallende Reihe ist, ist auch mir schon aufgefallen. Robertos Ansatz erklärt das ganz gut, aber ich glaube trotzdem, dass noch gesellschaftliche Faktoren hinzukommen: Im Kapitalismus häufen sich immer größere Vermögen an, so dass sich die Macht von der politischen Sphäre in die wirtschaftliche verlagert. Intelligente Leute gehen (sofern nicht in die Wissenschaft) in die Wirtschaft; mediokre Persönlichkeiten, die weder zur Wissenschaft noch zur Wirtschaft taugen, versuchen ihr Glück in der Politik und lassen sich dort kaufen.

  6. Welch ein zutreffender Artikel wieder mal! 😉
    Ein gängiges Sprichwort, das ich neulich hier las lautet ja “ Wenn ein Clown in einen Palast einzieht, wird er nicht zum König, aber der Palast wird zum Zirkus“ (türkisches Sprichwort). Und genau das passt perfekt auf das Kasperletheater in Berlin und Brüssel. Wobei ein Clown die primäre Aufgabe hat, das zahlende Publikum zum lachen zu bringen. Die Clowns in Berlin und Brüssel tun dies als Kollateraleffekt und wenn man sieht, was die fabrizieren, kann einem schlagartig das Lachen im Hals stecken bleiben….

    Ach ja, gestern war ja wieder Gedenktag:
    Remember, remember, the 5th of November

  7. Eigentlich trifft es die Beurteilung des Autoren nicht und die erteilten Zensuren sind ungerecht. Die grundlegende Fähigkeit, um ein bedeutendes politisches Amts zu bekleiden, ist es, sich durchzusetzen und schließlich gewählt zu werden. Dazu muss er von sich durch die Parteien und Organisationen durchkämpfen. Muss schleimen, Allianzen schließen, bereit diese jederzeit zu verraten, muss beißen, hauen, intrigieren. Muss Stimmungen erkennen und erfühlen, die für seinen Aufstieg bedeutsam sind. Er muss die richtigen Leute kennen und denen verlässlich erscheinen. Er sollte nie irgendwelche Formen von Überzeugungen entwickeln, die seinem Fortkommen schädlich werden könnten. Oder diese zum richtigen Zeitpunkt wechseln. Das mal so als Andeutung der Fähigkeiten, über die politisches Personal zwingend verfügen muss und in diesem Sinne kann man wirklich nicht sagen, dass Menschen, die bedeutende Staatsämter bekleiden, unfähig sind. Die Tatsache, dass sie das erstrebte Amt erreichten, ist gerade der Beweis für das Gegenteil. Der Rest ist Folklore, Erinnerung an längst vergangene Zeiten und natürlich der Wunsch, dass die, in deren Händen unser Schicksal liegt, mehr können sollten. Aber so läuft das nicht.

    1. Die Frage ist halt: sind all diese aufgezählten Fähigkeiten, die ein Politiker in der Tat haben muss, wenn er erfolgreich aufsteigen will und in Verantwortung gewählt werden will relevant für das Amt, das er eigentlich bekleidet?
      In einer sogenannten Demokratie sollten gewählte VOLKSVERTRETER die Interessen der Wähler (nicht der Sponsoren im Hintergrund) umsetzen und zum Nutzen der Bürger des eigenen Landes agieren.
      All das ist leider damit gemeint, dass sie komplett unfähig sind, weil sie diesem Amtseid nicht nachkommen.

    2. 1211: In Filmen gibt es immer wieder diesen Gag, wo ein Freiwilliger vortreten soll und
      dann alle zurücktreten, nur der Trottel bleibt stehen. So ist es wahrscheinlich mit Merz
      gelaufen, als ein Kanzler gesucht wurde. Merz ist von seinem Ehrgeiz und der Russophobie
      so besessen, dass er das Meißte was um ihn herum passiert gar nicht registriert. Er hat es
      wahrscheinlich auch gar nicht kapiert, dass er erst in 2. Wahlgang Kanzler wurde. Das es
      geschieht war ihm klar, weil wirklich keiner wollte und er hatte schon das Billionen Euro
      Paket vorbereitet um Krieg zu führen. Das hat er schnell durchgezogen, noch bevor er den
      Kanzlereid überhaupt abgelegt hatte. Ich gehe fest davon aus, dass er einen Auftrag hat.
      Von wem?? Das kann Blackrock sein, aber auch aus einer anderen Richtung kommen.

  8. Ja, so ist es wohl. Begleitet vom Peter-Prinzip für untergeordnete Hierarchiestufen und begleitende Hierarchien in Medien, Verwaltung und Vorfeld bietet das System Partei in Deutschland ordentlich Potenzial Schrott nach oben zu spülen.

    Allerdings ist es doch ein wenig zu simpel den Wähler hier zu entlasten, da er schließlich nur wählen könne, was ihm vorgestzt wird. Es scheint mir doch eher so zu sein, dass der Wähler ganz bewusst eine Entscheidung für die Förderung von Inkompetenz trifft. Und zwar aus Angst vor Veränderung. Der Wähler protestiert nicht auf der Straße. Er meckert vielleicht hier und da. Grundsätzlich aber zahlt er brav seine Steuern und hält das Maul. Und er lässt sich durch Gelaber einlullen. Mich fasziniert besonders, dass Anhänger der Grünen nach wie vor Baerbock und Habeck für super und kompetent halten. Für Habeck gab es sogar diese Petition.

    Die Wähler wollen ideologieüverschreitend inkompetente Vortänzer. Und sie wollen Verantwortung abgeben. Fakt ist aber, dass wir schlussendlich alle Verantwortung für die Inkompetenz der politischen Eliten tragen. Wir alle zusammen haben es zugelassen und lassen weiter zu, dass das System dieses Personal nach oben spült.

    Und Frau Merkel? Frau Merkel war ja nicht von ungefähr 16 Jahre Kanzlerin und wäre wahrscheinlich noch heute Kanzlerin. Sie hat die Wahl nicht verloren. Es war Laschet. Jetzt wird sie mit Preisen überhäuft und darf unwidersprochen, nein, unter Applaus den gleichen Quark erzählen, den sie jahrzehntelang von sich gegeben hat. Und es scheint mir sicher, dass sie wieder Kanzlerin würde, stünde sie als Spitzenkandidatin zur Wahl

    1. Ich würde in der Argumentation über das Warum einen Schritt weitergehen: dem Wäher ist wohl dunkel klar, dass wir im Westen nach wie vor in einer privilegierten Position sind den anderen Ländern gegenüber. Deshalb die Unterstützung einer Politik des ‚Weiter so‘.

  9. Fragen hierzu:

    Hängt die kumulative Unfähigkeit des Politkastensystems mit der sozialen Größe eines Staates zusammen? – auch und vor allem eines Staatengebildes wie das der Europäische Union?

    Gebiert sich in Konstrukten wie z.b der europäischen Kommission, mit über 30.000 Beamten, oben beschriebenes Dilemma schneller und nachhaltiger?

    Gibt es Untersuchungen, respektive Ergebnisse aus der Sozialforschung, die einen Zusammenhang herstellen?

  10. Wenn ein Idiot die Macht bekommt, seine erste Handlung ist, die Weisen und Fähigen zum Schweigen zu bringen- dann umgibt er sich mit noch mehr Idioten und Inkompetenten und dann erfolgt die komplette Zerstörung einer Nation –

  11. Klingt komisch, ist aber so:Wer kann (es sich)erklären,weshalb sich der urbane Mythos über „Unfähigkeit“ nicht nur noch immer hält, sondern inflationär gepflegt und kultiviert wird?
    Denn die solcher bezichtigt werden, tun fähigst genau das, was sie sollen.
    Diskussionswürdig wäre (max.) für WEN, aber keineswegs das DASS!

  12. -Klingt komisch, ist aber so:Wer kann (es sich)erklären,weshalb sich der urbane Mythos über „Unfähigkeit“ nicht nur noch immer hält, sondern inflationär gepflegt und kultiviert wird?
    Denn die solcher bezichtigt werden, tun fähigst genau das, was sie sollen.
    Diskussionswürdig wäre (max.) für WEN, aber keineswegs das DASS!

  13. Auch ein Roberto De Lapuente hat höchstwahrscheinlich ein passives Wahlrecht in Deutschland und kann damit uns allen zeigen das er es besser kann und nicht nur ein passives Konsumschaf ist.

  14. Eine einleuchtende Beschreibung der augenscheinlichen Negativauslese im Politikbetrieb. Entweder finden die Kräfte, die das Casting unserer Politikdarsteller organisieren, keine begabteren Freiwilligen oder aber sein eigentlicher Sinn ist das Eliminieren von Intelligenz im Politikbetrieb.
    Ich denke da an das sogenannte Young Global Leaders-Programm des WEF, dem wir so fähige Politikdarsteller wie A. Baerbock, J. Spahn, K. T. zu Gutteberg, international E. Macron, J. Trudeau, um einige zu nennen, verdanken. Außerdem gehören Figuren wie M. Zuckerberg, L. Page, S. Altman u. v. a. zu den Alumni dieser Organisation.

  15. Wenn man denkt, schlimmer geht es nicht mehr, findet der deutsche Politbetrieb immer noch jemanden, der die Misere vertieft

    Was keineswegs nur ein Merkmal des „deutschen Politbetriebs“ ist. Man schaue nach Frankreich, nach GB oder in die USA, wo die Leute vom Demokraten Obama die Nase voll hatten und einen Clown wie Trump wählten, danach einen dementen Biden und dann wieder den Clown, der nun auch mit Demenz zu kämpfen hat.

    Offensichtlich handelt es sich hier nicht um ein deutsches oder ein individuelles Phänomen, sondern um ein systemisches. Es ist ein aktuelles Merkmal des neoliberalen transatlantischen Regimes.

    Man darf gespannt sein wie es weitergeht mit diesem Regime. Meine Vermutung: Wenn die politische Führung schon nicht durch KI ersetzt wird, so wird sich die Politik doch durch KI leiten lassen – weil sie selbst unfähig ist. Was dazu führen wird, dass moralisierende Politik durch technokratische politische Führung ersetzt wird. Damit würde erst einmal eine alternativlose Politik zum Kapitalismus gesichert werden.

  16. Hm… äh, tja, also nur zum Teil, würde ich meinen.
    Ich nehme mal die drei jetzigen Minister für Wirtschaft, Außenbeziehungen und Umwelt,
    bekanntlich Reiche, Wadephul und Schneider…
    sicher etwas unfair von mir, da die Ämter ausgesucht zu haben, die vorher von Grünen besetzt waren, aber so unterirdisch wie Habeck, Baerbock und Lemke agieren die drei erstgenannten nun mal nicht, im Lääbe nit.
    Vielleicht sollte man da sogar mal ein Stück weit (zumindest mal ganz kurz) etwas zufrieden(er) sein, dass
    Frau Reiche nicht alles endlos zerlabert (und wenn sie es täte, würden viele Medien wohl kaum ihre „unkonventionelle Kommunikation“ lobpreisen); Herr Wadephul hat meines Wissens noch nichts à la „Länder, die 100.000e von km entfernt liegen, Panzerschlachten zu Zeiten Napoleons oder einer (vermeintlichen) Totalwende von 360°“ fabuliert und bei einer irgendwie nach verwegener Expedition auf See wirken wollender Fahrt mit einem Kutter derart pseudovisionär-betroffen ins Leere starren, dürfte vom recht unauffälligen Herrn Schneider auch nicht zu erwarten sein.
    Seien wir also froh, dass wenigstens die absurden Ampelrituale vorbei sind.

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