Die erschöpfte Republik und ihre Komiker

Kerkeling und Söder, 2025
Amrei-Marie, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Anzeichen spätbundesrepublikanischer Dekadenz sind frappierend. Jetzt trat sogar ein Komiker als »Staatsrechtler« auf – andere handeln ihn gar als möglichen Bundespräsidenten. Und die Eliten feiern abgeschottet eine Einheit inmitten der Spaltung.

Hans-Peter Kerkeling, genannt Hape, hat einen sensationellen Aufstieg hingelegt. Frech war der Komiker noch in den Achtzigern und Neunzigern, anfangs bei Radio Bremen tätig, stieg er mit seiner Sendung Total Normal in der Gunst des Publikums – sein Humor war damals neu, unverbraucht, scherte sich nicht um Autoritäten. Verkleidet als Königin Beatrix fuhr er auf das Gelände des Schlosses Bellevue – irgendwo war übrigens mal zu lesen, dass sein Chauffeur seinerzeit Jörg Pilawa war, der heute mit der Bundestagspräsidentin liiert ist; mittlerweile gilt das aber als Gerücht –, um dort ein »lecker Mittagessen« zu ergattern. Der Sicherheitsdienst trieb ihn vom Gelände. 35 Jahre ist das nun her, die Aktion stammt aus einer völlig anderen Zeit, an die sich kaum noch jemand zu erinnern scheint – heute würde man einen solchen Akt als Provokation wahrnehmen, ihn als rechte Frechheit klassifizieren. Kerkeling war natürlich kein subversiver Künstler, aber er lotete die Grenzen aus, zeigte keinen Respekt vor Bürgertum und staatlichen Stellen. Dafür liebte ihn das Publikum.

Dann wechselte er ins Privatfernsehen, Darüber lacht die Welt hieß seine Sendung, mit der er Ende der Neunzigerjahre weiterhin hohe Einschaltquoten erreichte. Einige Jahre danach war der Bestsellerautor geboren, sein Bericht über den Jakobsweg, den er gegangen war – ein recht abgeschmacktes Buch übrigens, ohne Anspruch auf Tiefgang –, katapultierte ihn in die Riege der erfolgreichsten Autoren der Berliner Republik. In jener Zeit trat er häufig in seiner Rolle als Horst Schlämmer auf, einem versoffenen Lokalredakteur, der nur noch ein Abziehbild früherer Gewitztheit des Komikers bot. Kerkeling war ab 2010 immer öfter im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen, er moderierte gelegentlich auch Galaabende – nun war er Teil des Establishments geworden, einer in Moralsuppe badender Medienkamarilla, die den Anspruch hegte, den Menschen im Lande »ein richtiges Leben« vorzuexerzieren und die Haltungen, die politisch gerade en vogue waren, vorzuleben. So stieß er in Sphären vor, die ihn im Laufe der Zeit wohl begünstigten, auch ins Politische vorzustoßen – seit einigen Jahren sitzt er hin und wieder in Talkformaten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, er glänzt dort durch gallige Aussagen, die zwar für sachliche politische Auseinandersetzungen wenig geeignet sind, sich aber von Haltungsaktivisten glänzend ausschlachten lassen.

Maßstäbe aus dem Unterhaltungsbetrieb

Das Thema AfD ist nun zu seinem Lebensinhalt geworden – die Linkspartei lud ihn in den Thüringer Landtag, dort sollte er über die Gefahren durch den Rechtspopulismus sprechen. Kerkeling monologisierte hemmungslos, allerdings übte er sich in Themenverfehlung, er sprach über eine völlig andere Partei, die es zudem nicht mehr gibt – über die NSDAP. Sein Großvater sei Opfer der Nationalsozialisten gewesen. Der war »katholischer Kommunist«, wie Kerkeling erklärte – und er, der Enkel, sei kein Experte für Verfassungsrecht, aber »ein Nachfahre eines Opfers des Nationalsozialismus«. Ohne das Martyrium seines Großvaters kleinreden zu wollen, greift der ehemalige Komiker zu einer Vereinfachung, die seine Erklärung offenbar abfedern soll. Hermann Anton Kerkeling, der Großvater, war Mitglied der KPD, die nicht anders als die Nazis damit beschäftigt waren, die Weimarer Demokratie zersetzen zu wollen. Bei Kerkeling hört sich das jedoch so an, als seien die von Moskau und Stalin finanzierten und instruierten Kommunisten seinerzeit wahre Vorzeigedemokraten gewesen, die sich gegen die nationalsozialistische Tyrannei stellten.

Kerkelings Ausführungen im Thüringer Landtag sind zu keinem Moment satisfaktionsfähig, ein Höhepunkt der Peinlichkeit ist seine Abrechnung mit dem AfD-Wahlkampfslogan »Alles ist möglich«. Wenn der zutreffe, so meint er, dann sei ja auch Buchenwald möglich – da mag er auf einer ontologischen Ebene richtig liegen. So gesehen hätte er auch schlussfolgern können, dass eine Mondlandung im Bereich des Möglichen läge. Ebenso ein Ministerium für alberne Gangarten nach Vorbild einer englischen Komikertruppe. Auch das wäre zumindest vorstellbar. Die Grünen verwendeten übrigens im Wahlkampf 2021 genau jenen Spruch, wonach alles möglich sei. Hatten sie Buchenwald im Sinn? Kerkeling schweigt dazu, vermutlich war ihm nicht bewusst, dass auch andere schon allerlei für möglich hielten, ohne dabei die Errichtung eines Konzentrationslagers in Erwägung zu ziehen.

Schon vor Kerkelings Landtagsauftritt erfreute sich der alternde Komödiant hoher Beliebtheit, wenn man auch nicht weiß, ob sie nur Produkt einer rührigen Aktivistentruppe ist oder doch tatsächlich in der Bevölkerung messbar. Bundespräsident sollte er werden, fordern viele seit geraumer Zeit.  Ob sich die politischen Chargen ein lukratives Pöstchen am Rande der Tagespolitik von einem Kunstschaffenden wegnehmen lassen, ist natürlich mehr als fraglich. Aber wie zum Henker kann man auf die Idee kommen, dass diesen Hans-Peter Kerkeling in irgendeiner Weise etwas dazu befähigen könnte, Tag für Tag »lecker Mittagessen« in Bellevue zu sich zu nehmen? Reicht es jetzt schon als Qualifikation, den Jakobsweg gegangen zu sein?

Vermutlich sollte man all das – und noch viel mehr – als Ausdruck spätbundesrepublikanischer Dekadenz begreifen: Ein Komiker, der der politischen Klasse aus dem Herzen spricht, gilt mittlerweile ohne viel Federlesens als potenzieller Staatsmann. Der Ausweis seiner Befähigung: Haltung – und zwar die richtige. Der römische Historiker Ammianus Marcellinus beschrieb 4. Jahrhundert nach Christus ganz ähnliche Dekadenzprozesse: Die römische Oberschicht umgab sich lieber mit Sängern als mit Philosophen, Bühnenkünstler traten an die Stelle von Rednern. Als wegen Missernten und Dürren Lebensmittelknappheit drohte, wurden fremde Gelehrte aus Rom vertrieben, doch Tausende Tänzerinnen samt ihrem Anhang durften bleiben. Seine Schilderung spätrömischer Dekadenz handelt von einer Elite, die ganz offensichtlich jedes Gespür dafür verloren hatte, was ein Gemeinwesen braucht. Die Berliner Republik gibt diesem alten Motiv eine zeitgenössische Form: Ihr genügt ein Unterhaltungskünstler, der ihre Überzeugungen mit dem gebotenen Pathos vorträgt, um ihn für höhere Weihen zumindest empfehlen zu wollen. Wer den hohen Herren und Herrinnen die richtigen Stichworte liefert, darf im besten Deutschland aller Zeiten darauf hoffen, selbst zum Herrn oder zur Herrin gezählt zu werden.

Solche und andere Komiker

Komiker, die in westlichen Demokratien – wir nennen den Komplex mal aus guter alter Tradition heraus so – nach politischer Macht greifen: Das gab es doch hin und wieder bereits, nicht wahr? In jenen Fällen wurde ja auch nicht gleich das Geschütz der Dekadenz aufgefahren. Ist es also eine Übertreibung, die Causa Kerkeling, die die Berliner Republik im Jahre 2026 beschäftigt, als einen solchen Niedergang zu beschreiben? Ziehen wir daher zum Vergleich zwei vergleichbare Fälle heran – auch wenn wir gleich sehen werden, dass sie gar nicht zu vergleichen sind. Da hätten wir einmal die Geschichte des Komikers Coluche im Angebot, der in den Achtzigerjahren kurzzeitig damit liebäugelte, Präsident der Französischen Republik zu werden – und der durchaus eine begeisterte Anhängerschaft fand. Und dann wäre da noch, so lange ist es noch gar nicht her, der italienische Komiker Beppe Grillo, dessen Partei Movimento 5 Stelle in Italien zu einem ernstzunehmenden Machtaspiranten wurde.

Coluche, mit bürgerlichem Namen Michel Colucci, war den Franzosen als respektloser Bühnen- und Radiokomiker bekannt, ehe er seine politischen Ambitionen kundtat. Seine Markenzeichen waren eine Latzhose – und eine derbe Ausdrucksart, die sich mit gesellschaftlichen Zumutungen und bürgerlichen Selbstgerechtigkeiten beschäftigte. Dem deutschen Publikum blieb er als tollpatschiger Sohn des Gastrokritikers Duchemin – gespielt von Louis de Funès – im Film Brust oder Keule in Erinnerung. Im Oktober 1980 verkündete er seine Präsidentschaftsinitiative, er wolle all denen, die für etablierten Politikbetrieb nicht zählten, eine Stimme verleihen. Er sei – so lautete auch seine Wahlwerbung – der einzige Kandidat, der keinen Grund habe, die Bürger anzulügen. Coluche war der Anti-Politiker, der mit dem Establishment politisch brechen wollte, von dem immer mehr Franzosen enttäuscht waren. Eine im Dezember 1980 veröffentlichte Umfrage bescheinigte ihm, dass 16 Prozent der Wahlberechtigten ihn unterstützen würden. Unter politischem Druck und angesichts von Drohungen zog er sich im Frühjahr 1981 zurück – zudem brachte er die erforderlichen 500 Unterstützerunterschriften gewählter Amtsträger nicht zusammen. In seiner Rückzugserklärung schrieb er, zahlreiche Bürgermeister hätten ihre Zusagen auf Weisung ihrer Parteien zurückgenommen. Der Schauspieler und Komiker starb einige Jahre danach bei einem Motorradunfall – er prallte aus voller Fahrt in einen Lastwagen.

Beppe Grillo wiederum kam aus dem italienischen Fernsehbetrieb, wo er seit den späten Siebzigerjahren mit bissiger Satire bekannt geworden war. Sein Spott über Ministerpräsident Bettino Craxi und die Korruption der Sozialisten brachte ihn in Konflikt mit der Sendeanstalt RAI. Auf der Bühne beschäftigte er sich zunehmend mit Verbrauchertäuschung, Umweltzerstörung und der Verflechtung wirtschaftlicher und politischer Interessen. Der Komiker wurde zum Ankläger eines Betriebes, den er für korrupt und gegenüber den Bürgern abgeschottet hielt. Seine Einschätzung lautete, dass die Italiener in einer Parteienherrschaft lebten, nicht aber in einer Demokratie. Gemeinsam mit Gianroberto Casaleggio gründete er 2009 das Movimento 5 Stelle, das die etablierte Politik durch Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie herausfordern sollte. 2018 wurden seine Partei mit knapp 33 Prozent stärkste Kraft des Landes und war anschließend Teil der Regierung. Grillo wurde im Laufe der Jahre danach entmachtet. Im Streit mit Giuseppe Conte verteidigte er die ursprünglichen Regeln der Bewegung, insbesondere die Begrenzung auf zwei Mandate. Doch die Bewegung vollzog den Bruch mit ihren ursprünglichen Werten – und ihrem Mitgründer. Der Komiker hatte den politischen Betrieb aufbrechen wollen, aber am Ende war seine eigene Bewegung Teil dieses Betriebs geworden.

Zwei Komiker, die gegen den politischen Betrieb ihrer Nationen aufstanden und ihre Beliebtheit beim Publikum nutzen wollten – und im Falle Grillos auch nutzten –, um sich als Alternative anzudienen: Hier zeigt sich schon der deutliche Unterschied zu jenem Komiker, der nun in Deutschland hochgejubelt wird. Kerkeling hat gar kein Problem mit der hiesigen Politik, er beanstandet nicht – wie Coluche einst –, dass es Enttäuschte gibt, die zu kurz kommen. Sein Engagement ist nicht das eines Mannes, der in der Opposition zum Regierungsbetrieb und der Parteienherrschaft steht, ganz im Gegenteil: Er dient sich der Sache der Mächtigen an, möchte, dass alles so bleibt wie es ist – anders als seine Fachkollegen aus Frankreich und Italien, die diesen Betrieb als Ursache bürgerlicher Unzufriedenheit zu identifizieren glaubten, stellt sich Kerkeling gegen jene, die – in weiten Teilen zumindest – ihre Unzufriedenheit damit besiegeln, eine gewisse Partei zu wählen. Kerkeling fordert den Betrieb nicht heraus, er will ihm Glaubwürdigkeit verschaffen und dessen katastrophales Versagen letztlich von der Agenda wischen – für Coluche und Grillo sollte es kein »Weiter so!« geben, der in die Politik gezogene Kerkeling gibt sich aber als Jünger dieser Parole zu zeigen.

Das allerletzte Aufgebot einer erschöpften Ordnung

Ja, man muss es wohl so polemisch wie möglich sagen, alles andere lässt der befremdliche Auftritt Kerkelings in Thüringen gar nicht mehr zu: Der ehemalige Komiker, der urplötzlich irgendeine nicht näher definierte Expertise in Sachen Parteiverbotsverfahren haben soll, muss als das letzte Aufgebot »unserer Demokratie« und ihrer Apologeten betrachtet werden – als allerletzter Hoffnungszipfel, nachdem das Ancien Régime in Spe greift, um doch noch irgendwie heil aus der Transformation der Parteienlandschaft herauszutreten. Denn die parteipolitische Ordnung, die diese Republik kennt, ist erschöpft – das konnte man auch recht eindringlich am Wochenende beobachten, als die Granden des Landes zusammenfanden, um bei bester Laune und unter Anwendung der altbekannten Beschwörungsformeln, den Tag der Deutschen Einheit zu begehen. In diese illustre Runde passt freilich auch ein Komiker hinein, der längst seinen Frieden mit den politischen Herren und ihrer Hofschranzen geschlossen hat – und der sich bereithält, ihnen Gefälligkeitsdienste in Form eines moralischen Gewährsmannes zu erweisen.

Dekadenz äußerte sich zu jeder Zeit insbesondere darin, dass die Führungsschicht ihre eigene Bestätigung für eine gesellschaftliche Notwendigkeit hält – parallel dazu wird die Kritik an ihr, das Zuwiderhandeln gegen die Vorstellungen, die diese Schicht vertritt, zu einem rebellischen Akt, der bitte zu unterlassen sei. Zusammen bescheinigt man sich in diesen elitären Zirkeln einander Verantwortungsbewusstsein – und man lauscht ergriffen den Bekenntnissen, die am besten wortgetreu einfach wiederholt werden, um eingängig zu werden. Ob man die erreicht, die außerhalb stehen – vulgärdemokratisch und fast schon völkisch angehaucht als »das Volk« bezeichnet –, gerät zur Nebensache. Fortwährend donnernder Applaus ist notwendig, um jeden Zweifel zu verdrängen. Eine Schauspielerin – am Samstag war es Katja Riemann – sagte so beispielsweise den Bundespräsidenten in einer orgiastischen Anmoderation an, ganz so wie damals Michael Buffer im Boxring Henry Maske ankündigte, nur mit dem Zusatz, dass Frank-Walter Steinmeier »der Höhepunkt« sei – und die versammelte Gemeinde, ausgewähltes Publikum aus Politik, Medien und Kunst, suhlt sich in der Gewissheit, hier alles richtig zu machen und es klatschte frenetisch.

Hier zeigt sich der dekadente Kreislauf, in dem moralische Autorität kultiviert und gegen jeden ins Feld geführt wird, der Zweifel an der systemischen Inszenierung vorbringt. Wer moniert, dass es gewisse Figuren in diesem Dekadenzspiel gibt, die plötzlich zu Eunuchen – zu Wächtern, die gar nicht die Potenz haben, um über den Einlass zu wachen – eines System umgeschult werden, das in einer tiefer Legitimationskrise steckt, disqualifiziert sich und muss sich am Ende von Komikern belehren lassen, die sich dazu entschieden haben, sich selbst zu Staatskünstlern herabzuwürdigen.

Welchen Anteil die Entscheidungen dieser abgeschotteten Klasse an der Unzufriedenheit haben, bleibt unreflektiert – Kerkeling bezeichnete AfD-Mitglieder auch schon als Idioten, der Antrieb dieser Leute interessiert ihn keinen Moment. Er sehnt sich nach einem Land, in dem er einfach so weitermachen kann wie bisher. Und die Unzufriedenen, die können ja auch die Sozialdemokraten wählen, also die »eingebaute Alternative«, die so völlig alternativlos ist, dass sie anwachsend bedeutungslos wird. Natürlich kann und muss man Zweifel haben, ob diese AfD die politische Landschaft wirklich verändern will. Aber die Grundfrage ist doch, warum so viele Menschen sie mittlerweile wählen – mit dekadenten Auftritten von willfährigen Komikern und Inszenierungen wie zur Deutschen Einheit gewinnt man diese Menschen nicht zurück, sondern sorgt dafür, dass der Niedergang beschleunigt wird. Kerkeling ist insofern eine passende Figur für diese Phase der elitären und arroganten Selbstgenügsamkeit, denn über den Horizont seiner Einsichten blickt er nicht, will er gar nicht blicken. Früher spielte er der Republik als falsche Königin noch Streiche, mittlerweile könnte er jedoch als richtiger Präsident in eben jenes Lustschlösschen einziehen, wenn es nach einigen Dekadenzbeauftragten im Lande ginge. Seine Qualifikation ist die pure, die reine, die absolute Haltung. Dass da nicht mehr dahintersteckt, konnte man bei seinem Auftritt in jenem Landtag sehen. Es ist also tatsächlich so, dass nach dem jetzigen Katastrophenpräsidenten – Frank-Walter »der Höhepunkt« Steinmeier – nochmal Niveaulimbo getanzt werden kann. Wie tief kann man so eine Latte eigentlich hängen?

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
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35 Kommentare

    1. Was heißt gier wollen, das tun sie doch, oder vielleicht nicht. Hape, der Florian – so wie heute auf den NDS ebtsetzt fesrtgestellt. Außerdem fällt mir auf, das diese andere Sahra – die mit dem „h“ auf dem rechten, ansonsten blinden Fleck, eine gewisse … egal, ihr wisst ja von wem ich rede, fängt mit dem großen ‚B“ an und endet mi dem kleinebn „i“ auf. Der nächste Frühstücksdirektor in der Pension zur Schönen Aussicht soll – so heißt es doch schon des Längeren – eine Frau werden, nein, nicht dieKlo-Frau wie sonst. Die Julia, sowieso schon die Zweite im Staate, oder die Ilse vom Markus promotet. Warte schon lamge darauf, dass endlich dann doch die B*****i aufs Ticket kommt. Als Supergau-in, was anderes darf in Großdeutschland seit Annabella doch gar keine Karrieee mehr machen. Hätte aber einen besseren Vorschlag. Nein, nicht die Sevim, die brauchen wir noch anderswo. Aber der Harald, der Kujat wäre doch geradezu prädestiniert dafür. Vom Alter her schon mal, der Bundespastor war auch nicht viel jünger, Und im Vergleich mit dem Werdegand des einstigen Reichspräsidenten hätte er eindeutig drei Pluspunkte für sich. Zum einen hat er nicht „gedient“, zumindest nicht im WK1, auch einen WK3 dürfte er wohl kaum verantworten wollen und drittens, er würde bestimmt keinen GröFaz 2.0 ans Ruder gieven,. Das ist doch was, oder? Ein Vorschlag zur Güte!

  1. Lieber ein Komiker als Bundespräsidenten als ein Geheimdienstler als Diktator. Aber beides möglich, in einer Welt in der Industriemechaniker zum Journalisten mutieren.
    Wer wollte diese Entwicklung schon kritisieren.

    1. haben sie mitbekommen, wie seit dem ‚mauerfall‘ transatlantisch geschulte journalisten massenhaft zu mitläufern mutiert sind? – da ist mir ein zu einem guten journalisten gewordener wie roberto lapuente bei weitem lieber –

  2. Bei den aufgezählten Politclowns fehlt ein ganz großer: Pimmelpiano Selensky. DAS war komisch. dagegen ist doch Beatrix Kerkeling wirklich nur lauwarm.

  3. Ich verstehe nicht ganz, da sitzt doch bereits ein Komiker im Schloss Bellevue (lustig ist auch der nicht)?

    AfD-Fan RDL konnte sich den Seitenhieb auf die KPD nicht verkneifen?

    1. Ist mir auch aufgefallen.
      Ist er beim Neuen Deutschland im Streit rausgeflogen?

      Daneben:
      Das der Hape im Staats- und Oligarchenfunk als „Sachverständiger“ verkauft wurde, war lustig.
      Allerdings wurde ja auch der Gegenspieler Maaßen so bezeichnet. Das gleicht sich also aus.

  4. Welche Alternative gibt es noch? Das ist die Frage. Jede Partei kann es unmöglich sein. Denn die mutiert auf dem Weg zur Macht. Oder sie wird unterwandert oder wird zerstritten.

  5. Ist denn sicher, dass das nicht eine Inszenierung von Kerkeling ist?
    Irgendwann sehen wir dann die Sendung, in der alles aufgelöst wird, und lachen furchtbar.

      1. Der gehört dann einfach mal weg! Hat er ja selbst gesagt, gar ein Buch darüber geschrieben.
        Oder habe ich da was mißverstanden?

        Übrigens … offensichtlich ist „man“ gerade auch dabei alle Widerborste – irgendwie und – die mal auffällig geworden sind zu Corona-Zeiten oder gar noch danach contra Weltrkrieg III (das geht schließlich gar nicht) im Nasenring cora publico durch die Manege zu ziehen. Neulich – in der Endloskette ‚BB‘ (Babyl……), nein habd nur mal kurz reingezappt. Und da kam er, jener Protagonist aus der ersten Serie, fürchterlich zugerichtet im Strafkerker, man konnte ihn kaum erkennen. „Mutmaßlich“ wurde wohl das script dieser letzten Serie extra für ihn geschrieben. Ja, sicher, sie kennen keine Gnade mehr. Jetzt heißt es Flagge zeigen! Würde vorschlagen die deutsche Fahne endlich an die Realität anzupassen. Das Rot muß endlich weg – aus mehreren Gründen, stattdessen Schwarz, blau, und vielleicht doch mal wieder gelb, falls es für Blau/Schwarz nicht reichen sollte. Gelb, die sind doch weg vom Fenster? Ja sicher, aber nur um sicher zu stellen, dass beim nächsten Kreuzerl-Machen, der Phönix aus der Asche – der Lazarus – umso strahlender zurückkehren wird. Jetzt wo Rot – egal welches, ob Himbeer bzw, Orangsch , Apfel oder Brombeer – kurz vor Toreschluss steht!

    1. andreas h: Über Kerkeling konnte ich noch nie wirklich lachen. Seinen Kollegen die
      seine Shetsche begleiteten auch nicht zum Lachen zu mute. Wirklich gute Komiker
      sind in Deutschland nicht Systemkonform. Zum Glück trifft man auf die noch in Province-
      Bühnen.

  6. •Wie tief kann man so eine Latte eigentlich hängen?
    An diesem allgemeinen Vergleich müsste, der Logik und Realität folgend, dringend gearbeitet werden.
    Die Latte muss, anwendbar auf viele Bereiche mehr, sehr hoch gehängt werden, damit ein jeder, der sich berufen/auserwählt fühlt, „aufrecht, mühelos und ohne sich verbiegen“ zu müssen, problemlos drunter durch passt.

  7. Man Sagt doch wir leben in der absoluten Spass Demokratie frei nach Wunsch und Fähigkeiten .Jeder darf sich glücklich schätzen auf das Schmierentheater .

  8. Tja, Witzischkeit kennt keine Grenzen, Witzischkeit kennt kein Pardon und wer witzisch ist, der hat gut lachen und darum geht’s in diesem Song……..
    In diesem Film hat er ja vorgemacht wie man zum Schleimer wird.

  9. Irgendwelche Prominente auf öffentliche Ämter zu hieven gehört zum kleinen Einmaleins der Oligarchie. Warum sollten denn beliebte Sportler, Schauspieler usw. nicht als Aushängeschild für ihr Stillhalten (nihct dass sie irgendwie kompetent wären) ein bisschen abkassieren während im Hintergrund die großen Batzen verschoben werden.

  10. »Hermann Anton Kerkeling, der Großvater, war Mitglied der KPD, die nicht anders als die Nazis damit beschäftigt waren, die Weimarer Demokratie zersetzen zu wollen.«

    Dass die Weimarer KPD, nicht anders als die Nazis, damit beschäftigt war, die Weimarer Demokratie zersetzen zu wollen, war aber auch das einzige, das die Weimarer KPD mit den Nazis gemein hatte,
    Sonst besteht aber ein himmelweiter Unterschied zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus.

    In dem Ziel einer klassenlosen Gesellschaft, in der

    jedem ein menschenwürdiges Einkommen garantiert wird
    niemand unbegrenzt viel Eigenvermögen zusammenraffen darf

    sehe ich nichts schlechtes, im Gegensatz zur Ideologie der NSDAP, in der

    Teile der BevTeilölkerung ihrer Menschenrechte beraubt werden.
    das Recht beansprucht wird, andere, als minderwertig bezeichnete Völker, zu berauben und zu versklaven

    Mit solchen Gleichsetzungen rereicht man nur Diskreditierung Linker Überzeugungen und Reinwaschung des Nationalsozialismus, was ich aber dem Autor NICHT unterstelle.

    1. Aha, jetzt kann ich es endlich versstehen, warum der Globke u.a. in den fünfziger Jahren endlich die Kommis verbieten konnte. Die anderen Sozialisten – die National-Sozialisten – waren ja alle längst zu den Christen konvertiert. (Vorsicht, nicht maulen! Durfte einen kennelernen, der Anfang der 30er Mitglied wurde um dann im letzten Drittel der 1000 Jahre als juristischer Assistent des gefühlt schlimmsten Gau-Leiters – der mit seinem eigens für ihn geschaffenen KZ auch noch – auftreten zu dürfen. Während sein Vorturner berechtigterweise von den Franzmännern zuerst einmal an die Wand gestell wurde, sobald sie seiner habhaft geworden waren, konnte er in Deckung gehen und Anfang der Fuffziger als Stern (nein, nicht von Betlehem) mit der tollen Europa-Idee im Hohen Hause zu Bonn wieder auftauchen). So geht Bewußtwerdung!

      Ja, und jetzt gehen die Nachkommen von diesen nicht ganz so schwarzen NEO-Christen eben wieder zurück – heim ins blaue Reich. Wo sein Problähm?

  11. WP schreibt „Gleichwohl beinhaltet das Amt des Bundespräsidenten das Recht und die Pflicht zum politischen Handeln und ist nicht auf rein repräsentative Aufgaben beschränkt“.

    Ein Satiriker der Deutschland tatsächlich voranbringen könnte als Bundespräsidenten wäre Martin Sonneborn.
    Der letzte gute BP den ich erlebt habe war übrigens Richard von Weizsäcker. Schon ne Weile her.

  12. Er schwurbelt eben. Die Erfahrungen seines Großvaters sind an dieser Stelle nicht relevant. Beziehungsweise, die Eliten fürchteten einen Umsturz nach sowjetischem Vorbild, worauf die NSDAP dann den Kapitalismus gerettet hat. Aber selbst das ist Kerkeling zu hoch.
    Wer schwurbelt denn nicht? Einer der ganz Wenigen ist Hans-Georg Maaßen. Dem gilt es zuzuhören, denn, um es vorweg zu nehmen, ich halte Maaßen für den Repräsentanten des Tiefen Staates. Da erfährt man, was abgeht.
    https://www.youtube.com/watch?v=QlUjJPbMkKg

    Bei der NPD sei die Wesensverwandtschaft zur NSDAP offensichtlich gewesen, insofern der Verbotsantrag begründet. Ja, aber die NPD ist dann ja doch nicht verboten worden. Weil sich herausstellte, dass sie zu 80 Prozent aus sogenannten V-Männern bestand. Die also beobachten sollten, was die wirklich gefährlichen 20 Prozent da trieben. Quatsch natürlich. Diese 20 Prozent waren nicht die Hellsten. Die Parteirbeit wurde von den 80 Prozent geleistet und die waren nicht V-Männer, sondern Vollzeitbeamte des Verfassungsschutzes. Die also auf Staatskosten Nsazi-Propaganda ventilierten. Wofür Maaßen verantwortlich war. Nicht wahr, Hans-Georg? Es ist ein Skandal, dass er das unbeschadet überstanden hat.
    Nun vergleicht er das mit der AfD und stellt fest, dass diese durchaus auf dem Boden des Grundgesetzes steht. Es sei denn, man unterstelle ihr eine „zweite Agenda“. Was er kategorisch verwirft. Ich sag mal so: eben weil er das so vehement abstreitet, ist das alles andere als ausgeschlossen.
    Der Verfassungsschutz pusht die AfD, wo es geht. Aber er hat doch festgestellt, dass diese in NRW gesichert rechtsextrem sei? Das hat Nancy Faeser dann sofort veröffentlicht und als Tatsache ausgegeben. Das Gericht hat sich dann den Verfassungsschutzbericht angesehen und kam zu dem Ergebnis, die Ministerin dürfe das nicht behaupten. Womit sie maximal blamiert war. Dann dasselbe nochmal mit dem Compact-Magazin. Eben so war das gedacht. Was hammwer gelacht.
    Weil nun jener Bericht des BfV über NRW alle Verbindungen zu gewalttätigen Gruppen einfach außen vorließ. Die es aber gibt, zum Hanibal-Netzwerk, zu Nordkreuz, zu den Banditos. Weil das alles fehlte, konnte das Gericht natürlich nicht anders.

    1. Normalerweise äußere ich mich bei diesem Kommentar-Kollegen ja nicht mehr. Aber heute – bei der Info, dass die Nancy ihre fake-news vom „teilweise gesicherten rechtsextrem“ vom Gericht hat verbieten lassen, höre ich zum ersten Male. Guck an!!! Was ja alle, die inflationär vom „t-g-r“ rumplärren – vom ÖRR in den news bis zu den Stuhlrunden sowieso – einen feuchten Kehrricht juckt. Hat eigentlich dieses widerborstige Gericht nicht wenigstens mal seine Blitze geschleudert? Nee, nech? Nein, ich bin kein Feeeen von den Blauen, kann es nur nicht leiden, wenn …

  13. Kerkeling ist übrigens alles andere als ein Linker.
    Kurzzeitig hatte er im ÖRR eine Serie namens „Hapes Helden“, eine Art Geschichtsdoku für geistig minderbemittelte.
    Hier wurde einiges über seine Weltanschauung deutlich. Unter anderem rechtfertigte er (gänzlich unironisch) die Kreuzzüge.
    Der Mann ist ein religiöser Rechter alter Schule.

  14. „Woanders“ war am 27. Okt. 2023 über den komischen Kerkeling zu lesen:

    Die bekannte FDP-Bundestagsabgeordnete und Rüstungslobbyistin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist am Donnerstag von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf mit der Josef-Neuberger-Medaille geehrt worden.

    Als Grund für die Auszeichnung nannte die Gemeinde das Engagement der Frau mit den zwei Doppelnamen „für die jüdische Gemeinschaft und im Kampf gegen Antisemitismus“. Die Laudatio hielt der Entertainer und Autor Hape Kerkeling, der in den frühen 90ern mit der Fernsehsendung „Total Normal“ Bekanntheit erlangte.

    Kerkeling wetterte in seiner Rede gegen „Hass, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit“, die das Land plagten, prangerte die „bestialischen Angriffe der Hamas in Israel“ an und beklagte den zunehmenden Antisemitismus. Dabei zitierte er ausgerechnet die KZ-Überlebende Esther Bejarano, die wegen ihrer Kritik am Umgang mit den Palästinensern aus Israel nach Deutschland zurückkehrte und mit der BDS-Bewegung sympathisierte.

    Der Entertainer sieht nicht nur bei der Kritik an Israel Antisemitismus am Werk, sondern auch hinter den Protesten gegen das Corona-Regime:

    „Unser Wille zum Erhalt der Demokratie muss stärker sein, als der der Feinde. Die Corona-Pandemie und die Querdenker auf deutschen Straßen haben furchtbaren Antisemitismus und Demokratiefeindlichkeit offengelegt.“

    Deshalb brauche es Menschen wie die klagefreudige Politikerin, die er dann ausgiebig lobte:

    „Ihre sympathische Art, macht Sie einzigartig und unterscheidet Sie von so manchem konservativen Sauerländer.

    Sie haben eine klare Haltung, eine klare Meinung, äußern diese auch und machen sich dadurch vielleicht nicht bei allen beliebt. Doch Ihre Schlagfertigkeit, Ihre Offenheit und auch Ihre Sachkenntnis machen Sie nicht nur zu einer angesehenen und starken Politikerin, sondern zu einem großartigen Menschen, den ich sehr bewundere.“

    Der erste Kommentar unter dem Post der Jüdischen Allgemeinen zur Preisverleihung zitierte einen Kerkeling-Streich aus „Total Normal“:

    „Hurz!“

    Ein anderer Nutzer meinte:

    „Kriegstreiber werden ausgezeichnet? Was darf Satire?“

    Ein weiterer Kommentator schrieb:

    „Ok, der kann also auch weg. Danke für die Info!“

    1. Mach Sachen! Sogar die Josef-Neuberger-Medalje – ein Wahnsinn? Für die Agnes auch noch? Donnerschlach! Die wird doch nicht beim Armin, dem Pappberger aus D’dorf einen Sonderrabatt – einen dreistelligen vielleicht ? – rausgefuchst haben für die Sonderlieferung von ‚Morgensternen‘ an die Fremdenlegion zum Freizeitpark in Gaza-al-Mare? Da haben sich bestimmt auch die vom indigenen Stamm – auf dem frisch vor fast 60 Jahren eroberten Landstrich unberechtigerweise hausenden Mietnomaden – gefreut, wo sie jetzt doch sicherlich demnächst neue Wohn-Klos bekommen werden.

  15. Hape Kerkeling in einer Laudatio auf Strack-Zimmermann (nur damit das nicht in Vergessenheit gerät):

    „Am 7. Oktober wurden durch die bestialischen Angriffe der Hamas in Israel diese Werte mit Füßen getreten. Viele von ihnen hier in der Synagoge haben wahrscheinlich Freunde oder Verwandte in Israel. Vielleicht kennen Sie sogar Betroffene, der Attentate oder der Geiselnahmen. Ihnen gilt heute unser Mitgefühl.
    Wir trauern um die unschuldigen Opfer dieses Krieges.“

    https://www.juedische-allgemeine.de/unsere-woche/sie-haben-eine-klare-haltung/

    Gut, das war Ende Oktober 2023, da war Gaza noch nicht ganz so platt und viele palästinensische Kinder haben noch gelebt. Aber im Januar 2026 meinte er immer noch aus Anlass des Euro Song Contest, Netanyahu&co verteidigen zu müssen. Kein Wort zu Gaza.

    »Das gehört einfach nicht auf die ESC-Tagesordnung, darüber zu sprechen. Israel wurde angegriffen, das steht zweifelsfrei fest. Nicht Israel hat angegriffen, sondern Israel wurde angegriffen und hat sich zur Wehr gesetzt«, erklärte Kerkeling. »Ob man diese Mittel gerechtfertigt findet oder nicht, darüber kann man sicher streiten, aber es war zunächst erst mal die Defensive.«

  16. Bemerkungen über jenen gealterten Komiker und dessen Weltbild verkneife ich mir jetzt,
    aber der Begriff der Dekadenz lohnt doch ein paar Zeilen, zumal wir heute wirklich eine ganze Reihe von Merkmalen beobachten können, die gemeinhin als „dekadent“ gelten:

    Eine kulturelle und intellektuelle Erschöpfung – bei gleichzeitig hohem Niveau materiellen Wohlstands und technischer Entwicklung. Ein Verlust von geistigen Fundamenten, Überzeugungen und Zielen.

    Aus der Erschöpfung folgen Schwäche und die Tendenz, sich in Gedankenwelten zu verlieren. Das Sichverlieren in Träumereien und Wahnvorstellungen begünstigt wiederum eine nicht mehr recht gelingende Wahrnehmung der Realität – was zu weiterem Scheitern angesichts nicht wegzuwünschender realer Herausforderungen führt.

    Aus diesem Scheitern folgen wiederum Wehleidigkeit, wütende Irrationalität und erneut unpassende Lösungsversuche.
    Usw. usf.
    —

    Dekadenz, das ist ja ein unbeliebter und sperriger Begriff.
    Den einen dient er (lächerlicherweise) schon als ausreichender Hinweis dafür, das jene, die diesen Begriff benutzen, selbst einen an der Waffel haben. Dass es aber tatsächlich so etwas wie Dekadenz gibt, wollen sie nicht wahrhaben.
    Und dass gar jemand wie Oswald Spengler diesen Begriff auch schon verwendete, gilt dann solchen Banausen witzigerweise schon als Argument, dass es das Dekadenzphänomen in Wahrheit gar nicht geben könne. George Lukács verwendete den Begriff aber auch.

    Andere verwenden diesen Begriff hingegen etwas inflationär, sobald sie auf Phänomene wie „Überheblichkeit der Macht“ oder „kulturellen Niedergang“ stoßen oder auch nur, sobald es ihnen darum geht, die Welt und Werteordnung ihrer politischen Gegner zu diskreditieren.

    Wieder andere meinen, dass im Grunde in fast jeder Epoche Dekadenzphänomene zu beobachten seien, weil eben immer einige ältere Strukturen an ihr Ende kommen.
    —

    Der Begriff ist vermutlich hauptsächlich deshalb unbeliebt, weil er davon ausgeht, dass auch menschliche Strukturen – ähnlich wie die Gebilde der biologischen Welt – einem Aufstieg und Abstieg ausgesetzt sind, den wir als Menschen kaum steuern können. Dass wir also mit unseren Werken und Erscheinungen auch bloß größeren Kräften unterliegen und eingebettet sind in gleichsam natürliche Prozesse, auch in Alterungsprozesse. Das verträgt sich nicht mit menschlichen Allmachtsfantasien.
    —

    Bei Wikipedia findet sich ein überraschend ausführlicher Artikel zum Begriff „Dekadenz“:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Dekadenz
    Daraus zitiert:

    „Eine von moralischen Werturteilen unabhängige Definition bietet der Historiker Jacques Barzun (1907–2012) in seinem 2000 erschienenen Bestseller „From Dawn to Decadence – A survey of 500 years of Western cultural life“ an.

    Demnach sind Dekadenzperioden Zeiten, in denen „Lebens- und Kunststile erschöpft scheinen, die Entwicklungsstufen durchlaufen sind und Institutionen mühsam funktionieren“. Barzun betont, dass er den Begriff „dekadent“ nicht als Verunglimpfung („slur“), sondern als Fachbegriff („technical label“) verwendet.

    Unter Berufung auf Barzun charakterisierte der New-York-Times-Kolumnist Ross Douthat im Februar 2020 Dekadenz als einen Zustand der ökonomischen Stagnation, des Verfalls von Institutionen sowie kultureller und intellektueller Erschöpfung – bei hohem Niveau materiellen Wohlstands und technischer Entwicklung. Douthat sieht den Westen im 21. Jahrhundert in einem von Blockade und Stillstand gekennzeichneten „Zeitalter der Dekadenz“. Er ist Autor des 2020 bei Simon & Schuster in New York erschienenen Buches „The decadent society“. Dem US-amerikanischen
    Nachrichtenportal Vox zufolge ist „Douthats Definition einer ‚dekadenten Gesellschaft‘ (…), dass wir in einem abgestandenen System gefangen sind, das sich fortwährend auf der Stelle dreht und die immergleichen Debatten und Verdrossenheiten reproduziert“. “

    Hier finden sich nun in der Tat Merkmale unserer Gegenwart …
    —

    Wenn man in die Geschichte blickt, so bemerkt man mit gewisser Beunruhigung, dass als „dekadent“ charakterisierte Zeiten meist nicht all zu langlebig waren, und dass man eine gewisse Tendenz beobachten kann, nach der relativ bald ein Zusammenbruch der dekadenten alten Ordnung erfolgte.

    1. An der Stelle darf Emmanuel Todd nicht fehlen mit seinem Buch „Der Westen im Niedergang“.

      Er knüpft den Niedergang oder die Dekadenz des Westens an den Verlust traditioneller Strukturen, von Familie und Religion bis zum Nationalstaat. Das Resultat sei ein säkularer Nihilismus, der keinen langen Bestand haben könne. Die Menschen im Westen, vereinfacht ausgedrückt, glauben an nichts mehr.

      Empfehlenswert (das Buch, meine ich).

  17. Früher haben Künstler wie Alice Cooper ihre Zeit in der Klapsmühle mit einer LP verarbeitet, daraus konnten wir was lernen. Heute senden Künstler denen ihrer Kreativität abhandengekommen ist ihre Selbsthassprojektion direkt „aus dem inneren“ der Einrichtung.

  18. Das mit dem Limbo ist fehlleitend, denn der Anspruch beim Limbo steigt, je tiefer die Latte hängt. Sonst fällt mir dazu nichts ein.

    Wie auch angesichts des herrschenden Irrsinns – und der Herrschaft der Irrsinnigen.

    Ach, interessant waren die Ausführungen über „Coluche“ und Grillo. Komisch, dass man (Gesellschaften) aus solchen Geschichten nie was lernt. Gute Absichten werden immer angegriffen, und oft genug von Seiten, von denen man es gar nicht erwartet (zB von „linker“ Seite, siehe Stuttgart, Friedens-Demo). Man könnte meinen, Korruption wäre das Markenzeichen des Mensch-Seins. Dabei ist es nur die Folge unzählbaren Reichtums (und damit unglaublicher Macht) ganz, ganz weniger (und Idioten, die sich von denen benutzen lassen).

    1. Komisch. Eine Beobachtung hier in letzter Zeit, dass auch manchmal (immer öfter) keine Rückmeldung von der Seite kommt, sondern nach Absenden des Kommentars der Bildschirm auf den Seitenanfang springt und keine Spiegelung des Kommentars zu sehe ist – sondern erst nach Neuladen der Seite. So ging es auch damit:

      Das mit dem Limbo ist fehlleitend, denn der Anspruch beim Limbo steigt, je tiefer die Latte hängt. Sonst fällt mir dazu nichts ein.

      Wie auch angesichts des herrschenden Irrsinns – und der Herrschaft der Irrsinnigen.

      Ach, interessant waren die Ausführungen über „Coluche“ und Grillo. Komisch, dass man (Gesellschaften) aus solchen Geschichten nie was lernt. Gute Absichten werden immer angegriffen, und oft genug von Seiten, von denen man es gar nicht erwartet (zB von „linker“ Seite, siehe Stuttgart, Friedens-Demo). Man könnte meinen, Korruption wäre das Markenzeichen des Mensch-Seins. Dabei ist es nur die Folge unzählbaren Reichtums (und damit unglaublicher Macht) ganz, ganz weniger (und Idioten, die sich von denen benutzen lassen).

      Ob wohl alle das Gleiche sehen wenn sie diese Seite aufrufen? Oder ist nur die Forensoftware so kaputt?

  19. Es spricht für Kerkeling, dass in seiner Familie über die NSDAP gesprochen wurde.

    In 40 Millionen deutschen Familien wurde darüber geschwiegen. „Ich war’s nicht. Der Höcke, ae Hitler war’s gewesen.“

  20. Es spricht für Kerkeling, dass in seiner Familie über die NSDAP gesprochen wurde.

    In 40 Millionen deutschen Familien wurde darüber geschwiegen. „Ich war’s nicht. Der Höcke, ae Hitler war’s gewesen.“

  21. Wir haben eine groteske Situation hierzulande.
    Hinter dem vorgehaltenen Schild „Kampf gegen Rechts (dh gegen die AfD) versammeln sich allerlei Scharlatane und Harlekins, welche angeblich eine erneute NS-
    Diktatur verhindern wollen.

    Währenddessen bereitet die Regierung mit großer Unterstützung der Medien ein neues Unternehmen Barbarossa gegen Russland vor.

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