Der Totalitarismus ist bereits da

Symbolbild Überwachung oder Totalitarismus
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Totalitäre Dystopien gelten vielen als düstere Zukunftsvision. Dabei übersehen sie, wie weit der Verlust an Freiheit längst fortgeschritten ist.

Caitlin Johnstone hat im Westend Verlag ein »Kleines Erste-Hilfe-Büchlein gegen Propaganda« herausgebracht. Es hilft dabei, gegen den Schwachsinn unserer Zeit gewappnet zu sein.

Ich hatte einen Albtraum, in dem ich geheime Informationen durchsickern ließ und von Reportern der New York Times verhaftet und gefoltert wurde.

Das Ziel ist es, uns mit so viel Feindseligkeit wie möglich über Themen streiten zu lassen, die für unsere Machthaber so wenig Konsequenzen wie möglich haben. Es ist wirklich erstaunlich, wie erfolgreich sie damit sind.

Neulich habe ich ein Video gesehen, in dem ein Typ wütend eine Kiste Budweiser mit einem Monstertruck überfährt, aus Gründen, die mir nicht einleuchten, und alle schrien aufgeregt ihre Meinung dazu, und ich dachte nur: O mein Gott, wir sind total am Ende. Sie haben uns total eingewickelt.

Die Menschen verstehen nicht, wie unfrei wir schon jetzt sind

Eine effektivere totalitäre Dystopie als die, in der wir uns gerade befinden, kann man nicht entwerfen. Eine, in der jeder durch Propaganda einer Gehirnwäsche unterzogen wird, ohne es zu wissen, in der jeder genau so denkt, handelt, wählt und einkauft, wie seine Herrscher es wollen, und dabei denkt, er sei frei.

Die Menschen machen sich Sorgen über technokratische Eskalationen wie zunehmende Überwachung, digitale Ausweise, digitale Zentralbankwährungen und so weiter und das zu Recht; diese Maßnahmen verleihen den Mächtigen ein größeres Maß an Macht über die Bevölkerung. Aber viele stellen sich fälschlicherweise vor, dass eine künftige technokratische Dystopie, die durch diese Maßnahmen geschaffen wird, ganz anders aussehen würde als die Dystopie, in der wir uns jetzt befinden, und das ist einfach nicht der Fall. Diese Maßnahmen würden dazu beitragen, das derzeitige System zu erhalten, nicht aber, ein neues zu schaffen.

Die Menschen stellen sich totalitäre Dystopien als eine dunkle Bedrohung der Zukunft vor, weil sie nicht verstehen, wie zutiefst unfrei wir schon jetzt sind. Sie glauben, dass wir frei sind, weil wir selbst auswählen, was wir im Supermarkt kaufen, und den Präsidenten »Brandon« nennen können, aber das sind wir nicht. Sie stellen sich vor, dass unsere Herrscher eine große Verschwörung planen, um eine Dystopie zu schaffen, in der sie uns alle zwingen können, das zu tun, was sie wollen, und merken nicht, dass wir uns bereits in einer Dystopie befinden, in der wir genau das tun, was sie wollen. Diese Vorgehensweise kann wirklich nicht mehr verbessert werden. Sie müssen nur daran festhalten.

Die Hauptwaffe ist Propaganda

Mal im Ernst: Was könnten die Machthaber der westlichen Gesellschaft aus uns herausholen, was sie nicht schon haben? Es gibt keine nennenswerte politische Opposition, keine Antikriegsbewegung, keine antikapitalistische Bewegung, sehr wenig kritisches Denken – sie haben die totale Kontrolle. Alles, was wir in dieser Dystopie tun, ist darauf ausgerichtet, den Profit in die Kassen der Oligarchen und die Macht in die Hände der Imperialisten zu lenken, und alle Bemühungen, sich diesen Trichtersystemen zu widersetzen und sie zu ändern, wurden durch weitreichende psychologische Manipulation erfolgreich unterdrückt.

Diese totalitäre Dystopie sieht wie Freiheit aus, weil wir mehr oder weniger tun können, was wir wollen, während das, was wir tun wollen, durch weitreichende Manipulation kontrolliert wird. Das wird noch verstärkt, indem Systeme geschaffen werden, in denen das, was wir tun, wenig oder gar keine Auswirkungen hat. Selbst wenn wir eine tatsächliche Software in unseren Gehirnen hätten, die unseren Herrschern die totale und vollständige Kontrolle über unsere Gedanken gäbe, würden sie die Massen dazu bringen, mehr oder weniger so zu denken und sich so zu verhalten, wie sie es jetzt tun.

Die Hauptwaffe unserer totalitären Herrscher sind nicht Überwachung, Polizeiroboter, digitale IDs oder CBDCs (digitales Zentralbankgeld) – ihre Hauptwaffe ist Propaganda. Das System der massenhaften psychologischen Konditionierung, das sie geschaffen haben, ist mit nichts zu vergleichen, was es in der Geschichte je gegeben hat. Die Fähigkeit, eine sich anbahnende Revolution aufzuspüren und zu unterdrücken, ist der Fähigkeit, die Menschen durch psychologische Konditionierung davon abzuhalten, überhaupt an eine Revolution zu denken, weit unterlegen. So sieht echte Macht aus. Das ist totale Kontrolle.

Es handelt sich um eine Dystopie, deren Bewohner sich ganz nach dem Willen ihrer Herrscher richten, ohne jemals daran zu denken, dass sie nicht frei sind oder versuchen sollten, es zu werden.

Versuchen Sie, eine effektivere totalitäre Dystopie als diese zu entwerfen.

Es geht nicht. Sie ist perfekt.

Wie stellen Sie sich einen antiautoritären Helden vor?

Propaganda ist der eigentliche Mechanismus der Kontrolle, und den müssen wir bekämpfen, wenn wir uns jemals befreien wollen. Der einzige Weg aus dieser gigantischen Matrix psychologischer Kontrolle besteht darin, den Menschen zu zeigen, wie unfrei wir sind, wie sie getäuscht werden und wie viel besser die Dinge sein könnten. Öffnen Sie den Menschen die Augen für die Lügen, für die wahre Natur der politischen, bildenden und medialen Institutionen, die uns versklaven sollen, schwächen Sie das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Propagandamaschine, und wir haben vielleicht den Anfang der Möglichkeit einer echten Veränderung. Bis dahin sind wir eingesperrt.

Wer für Sie ein antiautoritärer Held ist, sagt viel über Sie als Person aus. Wenn ich Sie bitte, sich jemanden vorzustellen, der gegen die Macht kämpft, und Sie an Tank Man oder Nawalny oder irgendeine historische Figur denken, anstatt an die lebenden Menschen, die gegen die Machtstruktur kämpfen, unter der Sie tatsächlich leben, dann bedeutet das, dass Sie die Lüge geschluckt haben, dass Ihre eigene Regierung und ihre Verbündeten im Hier und Jetzt gut und tugendhaft sind und dass der »Kampf gegen die Macht« etwas ist, das nur aus edlen Gründen in anderen Ländern oder zu anderen Zeitpunkten in der Geschichte geschehen konnte.

In Wirklichkeit ist die Notwendigkeit, »die Macht zu bekämpfen«, größer unter dem zentralisierten US-Imperium, das über jeden herrscht, der diese Worte liest, denn das zentralisierte US-Imperium ist derzeit die mörderischste und tyrannischste Machtstruktur der Welt.

Wenn ich Sie also bitte, sich eine antiautoritäre Figur vorzustellen, die Ihnen bei der Frage in den Sinn kommt, dann werden Sie, wenn Sie bei klarem Verstand sind, nicht an jemanden wie Tank Man, Nawalny, Gandhi, Mandela oder Martin Luther King denken. Sie werden sich jemanden wie Julian Assange vorstellen: jemanden, der die wahre Macht hier und jetzt bekämpft.

Caitlin Johnstone

Caitlin Johnstone ist eine unabhängige Journalistin, die sich auf amerikanische Politik, Finanzen und Außenpolitik spezialisiert hat. Johnstone studierte Journalismus an der Royal Melbourne Institute of Technology. Auf ihrem Blog schreibt sie unermüdlich und furchtlos zu den wichtigen Themen der Zeit und liefert dort scharfsinnige wie scharfzüngige Analysen, die – da ausnahmslos durch ihre Leser finanziert – erfrischend unbeeinflusst von Staat und Industrie sind. Ihre Artikel wurden u. a. in Inquisitr, Zero Hedge, New York Observer, MintPress News, The Real News und International Policy Digest veröffentlicht. Johnstone lebt in Melbourne.
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12 Kommentare

  1. Leider sehr viel Wahrheit hier. Bereits Erich Fromm hatte sinngemäß erläutert, dass es beinahe unmöglich ist, Fesseln zu trennen, derer sich die Gefesselten nicht bewusst sind, weil sie sich frei wähnen…

    Bereits in „Haben oder Sein“ von vor Jahrzehnten greift er gaji dieses Thema für die westlichen Gesellschaften auf, aus einer sozialpsychologischen Perspektive.

    Die derart beherrschten Menschen können nicht von außen befreit werden, da griftbaicb des Höhlengleichnis sehr gut….

    Wozu also soll der Leser seine Energie verschwenden im Versuch, Menschen zu befreien, die nicht befreit werden wollen, weil ihnen ihre Gefangenschaft nicht klar, bzw. teils sogar vorsätzlich unbewusst ist?

    Was hat er zu gewinnen bei dem Versuch? Eine bessere Welt? Ist das vage Versprechen derselben für den Einsatz als Aufklärer nicht ebenso reine Propaganda?

  2. „Das System der massenhaften psychologischen Konditionierung, das sie geschaffen haben, ist mit nichts zu vergleichen, was es in der Geschichte je gegeben hat.“

    Wie kommt ein gebildeter Mensch zu so einem erstaunlichen Fehlurteil? So:

    „Öffnen Sie den Menschen die Augen für die Lügen, für die wahre Natur der politischen, bildenden und medialen Institutionen, die uns versklaven sollen – “

    Tja, Caitlin, wenn das geht, wenn das viabel sein soll, worin besteht dann „Unfreiheit“ und „Sklaverei“?
    Genau.
    Darin, daß Du unter dem Eindruck stehst, du stündest „mehr oder weniger allein“ da, darin, daß nicht Massen über Massen genauso „drauf“ seien, wie Du.
    Inwieweit das überhaupt stümpt, oder eine selbsterfüllende Prophezeiung ist, lasse ich dahin gestellt.

    Doch damit ist noch nicht die Frage beantwortet, warum Caitlin zu so einem zirkulären Urteil kommt, aber das sagt sie auch noch hin:

    „Die Hauptwaffe unserer totalitären Herrscher sind nicht Überwachung, Polizeiroboter, digitale IDs oder CBDCs (digitales Zentralbankgeld) – ihre Hauptwaffe ist Propaganda.“

    Nicht die ubiquitäre militärische Gewalt einer spätkapitalistisch – imperialistischen Herrschaft, welche zur systemischen Hälfte in die Zugriffsmacht von Dollares und Euronen und die Bedingungen ihres Erwerbs eingesenkt ist, soll der Skandal sein, sondern … na, das sagt Caitlin ja zur Genüge.

    Folglich fühlt sie sich „recht eigentlich“ pudelwohl in ihrer Lebensumgebung, wenn sie denn darin nur mehr „zu sagen“ hätte, statt unentwegt unter dem Beifall ihres speziellen Publikums „in den Wind“ reden zu sollen.
    Verstehe ich. Kann ich nachvollziehen. Aber laß doch bitte das Publikum mit dieser persönlichen Nicklichkeit in Frieden.

    1. es steht ja allen frei, zu lesen, oder es sein zu lassen. wenn Sie, wie Sie den anschein erwecken, c.j. bereits kennen, warum tun Sie sich dann die lektüre überhaupt an. ist doch in Ihren augen nur dummes zeug.
      wieso soll es ein fehlurteil sein, dass es noch nie raffiniertere methoden der massenbeeinflussung gegeben hat? tagesschau u tictoc sind für Sie die realität? aber klar, wer dkp wählt und monitor f eine kritische medienproduktion hält, wie soll so jemand was mit c.j. anfangen können.

      1. Ich teile den Standpunkt von n.b nicht, der in seine Rede von „erlernter Ohnmacht“ kodiert ist (was ich nicht begründen will, das wäre ein neues Thema), aber auf deine Verteidigung Caitlins („noch nie so raffinierte Methoden der Massenbeeinflussung“), hat er die korrekte Antwort gegeben. Die „Raffinesse“ ist lupenrein selbstreferentiell für die Zünfte der politischen Klasse und ihrer Multiplikatoren in der veröffentlichten Meinung. Und ich will noch leicht spekulativ eines drauf setzen: Wenn einer da von „Raffinesse“ reden will, so besteht die ziemlich präzise darin, daß man sich die sichtbare Organisation von „consent“, daß man sich Massenaufmärsche und entsprechende Großveranstaltungen spart … die wären in Europa höchst unpopulär. Im Unterschied zu den USA.

  3. Ich nehme immer das Gegenteil von dem an was propagiert wird und das seit 1974 und ich immer gut damit gefahren.
    Es gibt ab und an ein paar Ausnahmen, die man mit gesundem Affenverstand herauslesen kann und es lebt sich völlig einvernehmlich.
    Kein Smartphone, keine Kreditkarten, kein Google, kein Amazon, kein TV, nicht wählen und den kapitalistischen Betrieb sabotieren wo es einem möglich erscheint.
    Viel Fleisch, Linux, Homöopathie, wo es geht, kein Fußball keine öffentlichen Veranstaltungen, die Geimpften Maskenträger bloßstellen wo immer es durchführbar ist.
    Keine Aktiengeschäfte immer Bargeld, aber kein Edelmetall, kein E10, oder gar Elektrokarren versteht sich wohl von selbst.
    Einfach nicht mehr mitmachen, damit diese Gesellschaft endlich den Bach runtergeht und nicht vergessen !
    „Trau keinem Geimpften“!

    1. @Adel verpflichtet

      Sie haben recht: einfach nicht mitmachen in dieser düsteren Zeit! Und da spielt es keine große Rolle, ob Frau Johnstone nun etwas übertrieben hat oder nicht.

      Obwohl ich so manches, was Sie schreiben und was schon früher von Ihnen gelesen habe, überhaupt nicht teilen kann,
      so imponiert mir doch ab und an Ihre konsequente Verweigerungshaltung. Und ja, in diesem Sinne ist Ihr hiesiger Name gut gewählt: Adel verpflichtet. Sie bewahren Ihre Würde. Gut so!

      Ich halte es daher für möglich, dass Sie mit dem hier nachfolgend verlinkten Text eines anderen Unangepassten etwas anfangen können: https://www.youtube.com/watch?v=abFIsqwU4hw
      Lassen Sie sich nicht vom Namen abschrecken, sondern hören Sie wirklich mal rein. Es geht ums Aussteigen. Bei Wikipedia wird es der Inhalt so zusammengefasst: „Darin geht es um die Frage: Wie verhält sich der Mensch angesichts und innerhalb der Katastrophe?“

    2. Es schränkt zwar das Leben ein, aber das kann man machen. Da möchte meinereiner nicht widersprechen.

      Die Tragik dabei ist: Es löst leider keine gesellschaftlichen und sozialen Probleme. Wenn alles den Bach runtergeht, dann sterben auch viele unschuldige 🐟 🐬 🐠 🐟 🐡 🐠 🐠 ☠️ 🪦 und die meisten 🦈 🦈 💰 🥂 🏰 überleben.

      Besser wäre es, bei der nächsten 📄 ✍️ Wahl 🗳️ zu wählen, aber keine Partei, die im Deutschen Bundestag oder einem Landesparlament vertreten ist und selbstverständlich keine alternative Partei, die Politik für die 🦈 🦈 macht.

      Man stelle sich vor, die Hälfte der Nichtwähler hätten bei der letzten BT-Wahl 2025 die Partei „Demokratie&Diplomatie“ gewählt, dann wären das ceteris paribus über 9 Prozent der Zweitstimmen gewesen und damit fast so viel wie die Grünlinge. Wenn alle Nichtwähler die Partei „Demokratie&Diplomatie“ gewählt hätten, dann wären es fast 18 Prozent gewesen und fast so viel wie die AfD, aber auf jeden Fall mehr als die SPD oder die Grünlinge.

  4. c.j. hat recht damit, dass es dem kapital besser dient, revolutionäre gelüste gar nicht erst aufkommen zu lassen, statt revolution mit polizei-u militärgewalt zu bekämpfen. wir im „freien wertewesten“ (ebenfalls ein propagandakonstrukt) wären schön bescheuert, wenn wir gegen unsere gemütliche behaglichkeit revolutionierten. na gut, brennt grad allüberall. klimawandel gibts, dann brennts, aber nicht in düsseldorf. und in hh auch nicht. außerdem wirds auch wieder winter. wenn der muselmann, der bekloppte, mit dem auto in die menge steuert, dann weiß doch gleich jeder, also alle, woher die gefahr kommt. also mal so ganz grob gesagt: aus dem osten. da regieren die regime u da ist alles schei.ß.e (ich frag mich ernsthaft, warum fast alle attentäter in der letzten zeit in europa immer gleich so ganz tot geschossen werden. aber das wird schon keine propaganda sein.)
    fraglich bleibt freilich, ob aufklärung überhaupt noch möglich ist, und, wenn sie möglich wäre, ob sie denn zur freiheit führte. in gaza sind die menschen schon glücklich, wenn es medikamente für ihre zerschossenen körper gibt. gaza? wo is dat nomma?

  5. Der Begriff „Totalitarismus“ mag historisch zu groß sein. „Postdemokratie“ trifft den heutigen Zustand vermutlich genauer.

    Denn das eigentliche Problem ist längst nicht mehr, dass niemand merkt, was falsch läuft. Im Gegenteil: Noch nie wurde so laut über Regierung und Politik geschimpft. Aber wo bleiben die großen Demonstrationen gegen Sozialabbau, Militarisierung, Überwachung und den fortschreitenden Verlust demokratischer Einflussmöglichkeiten? Es geschieht kaum etwas.

    Stattdessen hört man immer wieder denselben Satz: „Können wir etwas ändern? Nein.“ Genau diese erlernte Ohnmacht stabilisiert das System. Kritik ist erlaubt, solange sie folgenlos bleibt. Man darf schimpfen, fluchen und sich empören – nur der Gedanke, tatsächlich etwas verändern zu können, macht einen plötzlich zum Spinner, Extremisten oder Feind.

    Dabei sind politische Verhältnisse keine Naturgesetze. Sie wurden von Menschen geschaffen und können von Menschen verändert werden. Doch genau dieser Gedanke scheint inzwischen verdächtig geworden zu sein.

    Die demokratische Fassade steht noch: Wahlen, Parlamente, Parteien, Gerichte. Aber die tatsächliche Gestaltungsmacht der Bevölkerung schrumpft. Gleichzeitig baut der Staat seine autoritären Instrumente aus: Überwachung, biometrische Erfassung, digitale Identitäten und immer weitergehende Polizeibefugnisse.

    Eine zukünftige autoritäre Regierung müsste diese Infrastruktur nicht erst errichten. Sie müsste sie nur noch benutzen.

    Der gefährlichste Zustand ist deshalb nicht, dass die Menschen nichts erkennen. Viele sehen sehr genau, was geschieht. Der gefährlichste Zustand ist, dass sie es erkennen und trotzdem überzeugt sind, nichts ändern zu können.

    1. @n.b

      Ich finde, dass Ihr Kommentar die Situation gut beschreibt. Stimmt, „Totalitarismus“ wäre heute ein unpassender Begriff. Auch fehlt es trotz aller Dauerpropaganda doch an einer in sich stimmigen Ideologie. Das heißt nicht, dass die Propaganda keine ideologischen Anteile hätte, aber verglichen mit den Ideologien des mittleren 20. Jahrhunderts ist die heutige Ideologie weniger umfassend.

      Damit kommen wir zu der bedrückenden Einsicht, dass die Mächtigen sich heute ihrer Macht so sicher wähnen, dass sie an einer echten Gleichschaltung gar nicht interessiert sind. Die Machtfrage ist aus ihrer Sicht längst entschieden. Vermutlich wird die Existenz einer abweichenden und ausgegrenzten Minderheit sogar für nützlicher gehalten als eine Gleichschaltung wie im 20. Jahrhundert. Man lässt die Abweichler also durchaus wirken, bestraft bei Bedarf den einen oder anderen, vertraut aber ansonsten auf die gefestigte eigene Machtposition.

      Ja, man kann das gewiss als „Postdemokratie“ bezeichnen.
      Man könnte sich aber auch fragen, wie der altgriechischen Denker Aristoteles und der Historiker Polybios, denen wir ja eine Reihe von Begriffen für die politische Ordnung eines Staates verdanken, die Gegenwart charakterisieren würden.

  6. „Diese totalitäre Dystopie sieht wie Freiheit aus, weil wir mehr oder weniger tun können, was wir wollen, während das, was wir tun wollen, durch weitreichende Manipulation kontrolliert wird. Das wird noch verstärkt, indem Systeme geschaffen werden, in denen das, was wir tun, wenig oder gar keine Auswirkungen hat. Selbst wenn wir eine tatsächliche Software in unseren Gehirnen hätten, die unseren Herrschern die totale und vollständige Kontrolle über unsere Gedanken gäbe, würden sie die Massen dazu bringen, mehr oder weniger so zu denken und sich so zu verhalten, wie sie es jetzt tun.“

    Damit ist nahezu alles gesagt. Die Frau hat recht.
    Leider erkennen viel zu wenig Menschen, dass wir längst in einem totalitären System leben.

  7. Leider ist der Artikel weitgehend zutreffend.

    Die Methoden sind perfide. Ein Beispiel: Die Warnung vor einer kommenden Diktatur, angeblich durch eine zukünftige AfD- Regierungsbeteiligung, wird schamlos dazu benutzt, selbst totalitäre Maßnahmen einzuführen, wie zB die AfD Opposition zu verbieten.

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