Den politischen Gegner erreicht man nicht, indem man all die »richtigen« Meinungen vertritt

Woke liest Buch vor.
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Für linke Ideen zu werben wird nicht erfolgreich sein, indem man all die »richtigen« Meinungen vertritt und all die »richtigen« Bücher liest und sich selbst in einer Diskussion nach der anderen als Vertreter der besten Meinung erweist.

Ein Auszug aus Caitlin Johnstones »Kleines Erste-Hilfe-Büchlein gegen Propaganda«.

Man könnte auch meinen, dass die Linke der Identitätspolitik zu viel oder zu wenig Aufmerksamkeit schenkt oder dass sie zu viel oder zu wenig Wert auf die Wahlpolitik legt oder dass sie mit den Feinden des US-Imperiums zu sympathisch oder nicht sympathisch genug ist oder dass diese oder jene Fraktion alles falsch versteht – aber das ist nicht der Fall. Das größte Problem ist, dass es nicht einmal annähernd genug Linke gibt, um im Westen heute etwas zu erreichen.

Und mit Linken meine ich natürlich nicht Demokraten oder »Progressive« oder irgendjemanden, der sich nur ein paar Anpassungen im kapitalistischen Imperium wünscht, damit er sich Medikamente oder einen Hochschulabschluss oder was auch immer leisten kann. Ich meine echte Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten, die den Kapitalismus und den Imperialismus ablehnen und die drastischen, revolutionären Veränderungen anstreben, die diese Zivilisation dringend braucht. Diejenigen, die verstehen, dass das System nicht kaputt und reparaturbedürftig ist, sondern genau so funktioniert, wie es beabsichtigt ist, und dass es vollständig auseinandergenommen werden muss.

Entweder eine kontrollierte Opposition oder ein verherrlichtes Online-Nachrichtenbrett

Die letztgenannte Kategorie hat in der westlichen Welt kaum noch eine Bedeutung. Die »westliche Linke« in der heutigen Zeit ist entweder eine kontrollierte Opposition oder läuft auf ein verherrlichtes Online-Nachrichtenbrett hinaus. Das ist nicht unsere Schuld; das Imperium hat massiven Reichtum und Aufwand in diese Entwicklung gesteckt. Aber wir müssen uns darüber im Klaren sein und wir müssen es ändern.

Es ist für mich einfach unfassbar, dass dies nicht immer im Zentrum jeglichen linken Diskurses steht. Die Tatsache, dass die westliche Linke eine winzige, politisch ohnmächtige Minderheit ist, die bei Weitem nicht die nötigen Zahlen hat, um ihre Ziele zu erreichen, ist mit großem Abstand das Bemerkenswerteste an der westlichen Linken.

Ich meine, wenn Sie ein General wären, der in den Krieg zieht und nur eine Handvoll Soldaten hat, um gegen eine ganze feindliche Nation zu kämpfen, dann wäre das bei Weitem Ihre größte Sorge. Sie würden Ihre Zeit nicht damit verbringen, über militärische Strategien oder die Geschichte des Reiterkampfes zu diskutieren, und Sie würden sicherlich nicht Ihre Energie darauf verschwenden, gegen diejenigen zu kämpfen, die im Grunde auf Ihrer Seite sind. Im Mittelpunkt Ihrer Gedanken stünde, dass Sie nicht genug Truppen haben, um diesen Krieg zu führen, und die Frage, woher Sie Nachschub kriegen können.

Wenn Sie ein Architekt wären, der mit dem Bau eines Wolkenkratzers beauftragt wurde, Ihre Arbeitskräfte kämen und da stünde nur ein Typ mit einem Plastikspielzeughammer, dann würden Sie sich primär darauf konzentrieren. Sie würden nicht über Ihren Plänen und Architekturtheorie-Büchern brüten und über die Feinheiten der Fundamentintegrität nachdenken, sondern Sie würden versuchen, herauszufinden, wie Sie mehr Arbeiter dazu bringen können, das verdammte Ding zu bauen.

Das erreicht man nicht, indem man all die »richtigen« Meinungen vertritt …

Man sollte also meinen, dass dies auch bei der westlichen Linken der Fall wäre, weil wir uns mehr oder weniger in der gleichen Situation befinden. Aber das ist nicht der Fall. Wenn man sich die Schriften vieler westlicher Linker anschaut, könnte man meinen, dass der beste Weg, seine Ideologie in der Welt durchzusetzen, darin besteht, seine Zeit damit zu verbringen, mit anderen Linken unter Verwendung eines esoterischen marxistischen Jargons über obskure Punkte zu streiten, die niemand außerhalb ihrer winzigen Blase kennt oder sich für sie interessiert. Oder sich selbstgefällig zurückzulehnen und mit besserwisserischer Miene darauf zu warten, dass die dem Kapitalismus innewohnenden Widersprüche seinen Untergang herbeiführen.

Was das Organisieren und Demonstrieren angeht, sieht es nicht viel besser aus. Da gibt es spärlich besuchte Versammlungen mit zunehmend atomisierten Sekten, Antikriegsproteste mit einer Handvoll Menschen und einem Banner und ein paar schwarz gekleidete LARPer (Live-action-role-player), die hier und da auf Rassisten und Transphobe einschlagen, um so zu tun, als wären sie Teil einer echten Revolution gegen eine reale Macht. Also im Grunde gar nichts.

Das erste und wichtigste Ziel der westlichen Linken sollte es sein, dafür zu sorgen, dass es mehr westliche Linke gibt. Das erreicht man nicht, indem man all die »richtigen« Meinungen vertritt und all die »richtigen« Bücher liest und sich selbst in einer Diskussion nach der anderen als Vertreter der besten Meinung erweist, man erreicht es auch nicht, indem man darauf wartet, dass sich die materiellen Bedingungen im Westen verschlechtern wie ein Haufen Fundamentalisten, die auf die Entrückung warten. Man schafft es, indem man auf Menschen zugeht, ihre Herzen und ihren Verstand für sich gewinnt, ihnen zeigt, dass alles, was ihnen über ihre Nation und ihre Welt beigebracht wurde, Lügen sind, und ihnen zeigt, dass es besser werden kann.

Natürlich habe ich nicht alle Antworten darauf, wie dieses Dilemma gelöst werden kann, ich weise nur auf ein massives, eklatantes Problem hin, das nicht einmal den kleinsten Bruchteil der Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient hat. Ich gehe dieses Problem mit meiner eigenen Arbeit an, so gut ich kann, aber ich bin nur eine Person mit einer Meinung. Ich hoffe, dass sich in Zukunft noch viel mehr Menschen mit diesem Problem befassen werden, damit wir uns alle zusammen Wege ausdenken können, um es zu lösen.

Caitlin Johnstone

Caitlin Johnstone ist eine unabhängige Journalistin, die sich auf amerikanische Politik, Finanzen und Außenpolitik spezialisiert hat. Johnstone studierte Journalismus an der Royal Melbourne Institute of Technology. Auf ihrem Blog schreibt sie unermüdlich und furchtlos zu den wichtigen Themen der Zeit und liefert dort scharfsinnige wie scharfzüngige Analysen, die – da ausnahmslos durch ihre Leser finanziert – erfrischend unbeeinflusst von Staat und Industrie sind. Ihre Artikel wurden u. a. in Inquisitr, Zero Hedge, New York Observer, MintPress News, The Real News und International Policy Digest veröffentlicht. Johnstone lebt in Melbourne.
Mehr Beiträge von Caitlin Johnstone →

Ähnliche Beiträge:

46 Kommentare

  1. Ein hervorragender Artikel. Vielen Dank! Die Grundwerte der globalistischen Weltlinken aus der „well educated, urban middle class“ werden auch gleich mitgeliefert, damit es keine Missverständnisse gibt

    1) „Feminismus und Klima und Geerechtigkeit für alle“
    .
    2) „Kein Planet, keine Zukunft“

    3) „Love is Love“

    4) „Menschenrechte statt rechte Menschen“

    1. „Man schafft es, indem man auf Menschen zugeht, ihre Herzen und ihren Verstand für sich gewinnt, ihnen zeigt, dass alles, was ihnen über ihre Nation und ihre Welt beigebracht wurde, Lügen sind, und ihnen zeigt, dass es besser werden kann.“
      Ich glaube, für Caitlin Johnstone sind die Zeugen Jehovas das Vorbild.

      1. In der Tat, diese Vorstellung ist bei den westlichen Rest-Linken weit verbreitet: Überzeugungsarbeit leisten, eine Mission erfüllen – von Dialektik nicht die Spur.

  2. „Für linke Ideen zu werben wird nicht erfolgreich sein, indem man all die »richtigen« Meinungen vertritt und all die »richtigen« Bücher liest und sich selbst in einer Diskussion nach der anderen als Vertreter der besten Meinung erweist.“

    Klingt wie: „Alle Macht den Doofen“

    1. „Klingt wie: „Alle Macht den Doofen““

      Nein, das klingt wie „faschistoide Gesinnungsdiktatur“ oder nach George Orwell:

      „Krieg ist Frieden! Freiheit ist Sklaverei! Unwissenheit ist Stärke!“
      „Die drei Parolen der inneren Partei prangen am Ministerium für Wahrheit. Ozeanien wird mit harter Hand regiert. Die Bevölkerung unterdrückt und kontrolliert. Die Gedankenpolizei überwacht jeden Schritt der Bevölkerung. Neusprache, die von der Partei eingeführte Amtssprache, ersetzt oder streicht schädliche Begriffe wie „Gerechtigkeit“, „Moral“, „Demokratie“. Fernsehgeräte, die den ganzen Tag den Staatssender zeigen, können sämtliche Wohnzimmer akustisch und visuell überwachen – zur Erinnerung steht „Big Brother is watching you“ auf Plakaten überall in Ozeanien. Kunst wird zensiert oder verboten. Die Geschichte neu geschrieben. Freie Meinungsäußerung und Bürgerrechte gibt es schon lange nicht mehr. Das bloße Denken an Widerstand gegen die Partei und den Staat wird als „Gedankenverbrechen“ mit dem Tode bestraft.“

      https://kulturwerkstatt.de/krieg-ist-frieden-freiheit-ist-sklaverei-unwissenheit-ist-starke-2/

  3. So sieht es fach schon aus in der „Idiokratie Deutschland“!

    „Krieg ist Frieden! Freiheit ist Sklaverei! Unwissenheit ist Stärke!“
    „Die drei Parolen der inneren Partei prangen am Ministerium für Wahrheit. Ozeanien wird mit harter Hand regiert. Die Bevölkerung unterdrückt und kontrolliert. Die Gedankenpolizei überwacht jeden Schritt der Bevölkerung. Neusprache, die von der Partei eingeführte Amtssprache, ersetzt oder streicht schädliche Begriffe wie „Gerechtigkeit“, „Moral“, „Demokratie“. Fernsehgeräte, die den ganzen Tag den Staatssender zeigen, können sämtliche Wohnzimmer akustisch und visuell überwachen – zur Erinnerung steht „Big Brother is watching you“ auf Plakaten überall in Ozeanien. Kunst wird zensiert oder verboten. Die Geschichte neu geschrieben. Freie Meinungsäußerung und Bürgerrechte gibt es schon lange nicht mehr. Das bloße Denken an Widerstand gegen die Partei und den Staat wird als „Gedankenverbrechen“ mit dem Tode bestraft.“

    https://kulturwerkstatt.de/krieg-ist-frieden-freiheit-ist-sklaverei-unwissenheit-ist-starke-2/

    P.S.
    Gedankenpolizei: siehe HateAid, diverse weitere NGOs / „Meldestellen“, ÖRRs, …

  4. Ich glaube nicht, das wahrhaft linke Politik keine Chance hätte!
    Den Menschen geht es schlecht:
    -Wohnungsnot
    -zu hohe Preise, v.a. Energie und Lebensmittel
    -Sozialstaatsdemontage
    -katastrophal zu niedrige Renten
    -Kinderarmut
    -Kriegsgefahr
    Diese Punkte alleine reichen doch, um die Menschen zu erreichen, wenn,…..ja wenn eine linke Kraft sich auf DIESE Probleme zunächst konzentrieren würde!
    Da die Menschen existentielle Probleme haben, die von den Mainstreammedien und dem ÖRR nicht wegdiskutiert werden KÖNNEN. da ja nun real vorhanden, wäre das der Punkt, an dem man ansetzen müsste.
    Und die Autorin hat völlig recht, man muss auf die Menschen zugehen, zu den Menschen hingehen.
    Bei uns in Gelsenkirchen war früher alles SPD, nach Schröders Verrat an der eigenen Klientel wurde es merklich ruhiger
    im Bereich der kommunalen SPD, diese zog sich mehr und mehr zurück, vergreiste in Teilen, sprach junge Menschen nicht mehr an und hinterließ eine Lücke, die nun nach und nach von der AfD ausgefüllt wurde.
    DIE sind jetzt in den Stadtteilen, DIE haben nun überall ihre Info-Tische und nicht mehr die SPD.
    Das ist mit ein Grund, warum die AfD in den meisten Stadtteilen die Mehrheit haben, drei von fünf Bezirksvorsitzende stellen und momentan nichts danach aussieht, als würde sich das ändern können.
    Trotzdem sind die Menschen für die Systemfrage nicht zu gewinnen. Im Grunde wünscht man sich den Kapitalismus mit menschlichem Antlitz.
    Karl Jaspers hat die Situation schon 1969 vorher gesehen. In seinem Buch, „Wohin geht die Bundesrepublik?“ legt er den Finger in die Wunde der systemischen Schwächen, hinterfragte das Prinzip der sog. „repräsentativen Demokratie“, nannte die Wahlen „Akklamationsveranstaltungen zur Parteienoligarchie, ja prägte den Begriff geradezu und warnte, das sich die Parteien den „Staat zur Beute machen“ würden.
    Unserem ganzen System liegt eine Herrschaftslegende zugrunde, die das Volk von möglichst viel politischer Einflussnahme fernhalten soll. Diese Legende behauptet, das deutsche Volk hätte, auch von Volksabstimmungen beeinflußt (bspw. Young-Plan), Hitler durch ihr Wahlverhalten an die Macht gebracht.
    Das ist natürlich vollkommener Unsinn, zum einen wurde Hitler von Hindenburg ernannt, einem militaristischen, monarchistischem Reichspräsidenten, der ein Exponent des rechtskonservativen, chauvinistischen-nationalen Milieus der Weimarer Zeit war. Zum anderen hatten die Nazis trotz Koalition mit der DNVP nie die parlamentarische Mehrheit, versagt hatten die Politiker, von denen ein großer Teil, obwohl für das Ermächtigungsgesetzt stimmend (z.B. Heuß), dann im parlamentarischen Rat saß und derlei Legenden verbreiteten. Ein System, das durchsetzt war von alten Nazis, das es gestattete, das Alt-Nazis in höchste politische Ämter gelangen konnten ( Kiesinger/Carstens/Filbinger u.v.a.m..).
    Da Autorin hat recht, wenn sie schreibt, das und warum das System weg muss.
    Das sehe ich keinen Deut anders!
    Aber hier sehe ich Probleme, das genau den Menschen nahe zu bringen.
    Eine Partei, die im System eine linke Politik postulieren würde, hätte parlamentarisch Chancen, da bin ich mir sicher!
    Aber mehrheitsfähig? Da habe ich dann doch meine Zweifel!
    Die Meinungsbildung ist in den Händen der Oligarchie, glasklar, am Ende der Weimarer Zeit war die Zeitung das Hauptmedium und die befanden sich fast ausnahmslos in den Händen Alfred Hugenbergs, dem Vorsitzenden der DNVP.
    Hinzu kommt hier eine schleichende Erosion der Meinungsfreiheit, die Hand in Hand mit der veröffentlichten Meinung den politischen Diskurs verengt, das Sagbare verringert und Existenzängste erzeugt.
    Jeder Journalist, der dem Mainstream zuwider berichtet, lebt inzwischen gefährlich!
    Man muss nicht nur sagen können was ist, sondern benötigt auch Reichweite, die unabdingbar ist, um Menschen erreichen zu wollen! Und damit sieht es immer düsterer aus!
    Klar, man kann in die Stadtteile und die Communitys gehen, das wäre gut und richtig und würde auf fruchtbaren Boden fallen, aber einer echten Linken, die sich über die Menschen konstituiert, läuft, so wie ich die Lage einschätze, die Zeit davon. Hinzu kommt, das, sobald man ein Mindestmaß an Organisation benötigt, man im Grunde nur analog und langsam agieren könnte, da die Oligarchie mit ihren Überwachungssystemen, sonst sofort Einblicke erhält.
    Das System muss weg, das sehe ich wie die Autorin, allerdings sehe ich enorme Schwierigkeiten!

  5. Als ich studierte, gab es viele Linke (mich eingeschlossen), und man glaubte, dass es einen demokratischen Sozialismus gäbe, den Dubcek in der Tschechoslowakei durchzusetzen versuchte, worauf die Russen kamen.
    Schließlich löste Gorbatschow die Sowjetunion und den Warschauer Pakt auf, und die nun selbständigen Staaten hätten einen marktwirtschaftlichen Sozialismus oder einen demokratischen Sozialismus oder irgendwas anderes Sozialistisches ausprobieren oder umsetzen können. Stattdessen wählten die Leute (einschließlich Ostdeutschland) Parteien, die alles verramschten, was wertvoll war, so dass diese Staaten dann nicht mal mehr in der Lage waren, die eigene Bevölkerung zu versorgen, was ein gigantische Auswanderungswelle auslöste.
    Alle Linken wollen, dass der Kapitalismus beseitigt wird. Aber was dann? Es gibt kein Modell des Sozialismus, und selbst in China, über das man in Deutschland nicht viel erfährt, scheint vom Sozialismus nur der Einparteienstaat übrig geblieben zu sein.
    Also fordern die Linken eine gerechte Gesellschaft. Das gab und gibt es bisher nur in ganz einfachen Gesellschaften, z. B. in der Form des Langhauses im Dschungel.
    Und sie fordern, dass man den Reichen nehmen und den Armen geben soll. Der sagenhafte Reichtum von Elon Musk z. B. besteht in seinen Firmen. Soll man ihm Tesla oder SpaceX oder am besten X wegnehmen, damit der sozialistische Staat die allgemeine Meinung beeinflussen kann. Die Leute glauben nicht mehr an Verstaatlichung. Das ist leider total gescheitert.
    Für mich ist “links”, wer nicht nur die Herrschaft des Proletariats (was ist das heutzutage eigentlich ?) sondern die Herrschaft des Volkes fordert, Arbeiter und Angestellte und alle anderen auch, also die Direkte Demokratie, in der das Volk die Sachentscheidungen trifft, und das Parlament als Verwaltungsorgan fungiert. Dann können auch Fragen der Kontrolle der Wirtschaft und Eigentumsfragen angegangen werden, wann immer es dem Volk als notwendig und sinnvoll erscheint.

    1. Gut gesprochen! Der Mensch, also der Homo Sapiens, ist zu derlei ‚unterm Strich‘ unfähig, weil er eine Fehlentwicklung der Evolution ist.

      Beweis: In etwas mehr als 100 Jahren nach 1914 steht die Welt bereits wieder vor einem militärischen Weltkrieg, wissend, dass dieser noch fürchterlicher als die vorausgegangenen insgesamt ausfallen wird! Der wirtschaftliche hat niemals nach 1914 aufgehört.

      Wie nenne ich das? Idiotie pur mit gravierenden psychopathologischen. Schauen Sie sich die Diskussionen in Deutschland an … Idiokratie Deutschland!

    2. Die Leute glauben nicht mehr an Verstaatlichung. Das ist leider total gescheitert.

      Nun, das ist in seiner Absolutheit sicher nicht korrekt, obschon es sehr viele Beispiele dafür gibt. Wenn ich mir als Betroffener andererseits die Deutsche Bahn ansehe oder diverse PPPs, aus denen die glorreiche Einsicht „Gewinne privatisieren, Kosten und Verantwortung vergesellschaften“ übrig bleibt, so ist das dann wohl fallabhängig.
      Energie, Transport und Gesundheitswesen sind wohl drei Beispiele, die aus „linker Sicht“ in staatliche Obhut gehören, was nicht heißen soll, dass man gelegentlich bei der privaten Effizienz mal etwas abschaut oder sich inspirieren lässt.

      Es sollte aus „linker Sicht“ gar keine Formen von „Herrschaft“ im Gemeinwesen geben, die ein Individuum erreichen könnte. Alles jenseits einer Funktionshierarchie – welche Instanz entscheidet an welcher Stelle über was – führt zu Begehrlichkeiten, Unterwerfung und Korruption, ferner sollte eine neuralgische Funktion immer nur temporär vergeben werden, egal ob eine betreffende Person es gut oder nicht so gut gemacht hat. Wenn ein Vorgänger etwas sehr kompetent und mit guten Ergebnissen durchgezogen hat, könnte diese Person bei Bedarf um Rat gefragt werden.

      Doch das alles würde ein intelligentes und vorausschauendes Miteinander voraussetzen, das den Gegenstand im Fokus hat und nicht eine Person und deren Aura; und die Vorstellung eines solchen Miteinanders wird tagtäglich so weit diskreditiert, dass Menschen für die Perversion des Miteinanders sogar Eintritt zahlen, um Eitelkeit, Selbstgefälligkeit und irrationale Heldenverehrung zu bejubeln.

  6. Ich bin ja nun bekanntlich kein Linker, aber da der Artikel nicht übermäßig lang war und es draußen im Garten schon zu warm ist, habe ich ihn dann doch gelesen.

    Bezogen auf ihre eigene linksextreme und anscheinend schon beinahe neokommunistische Gedankenwelt ist der Artikel schon schlüssig und plausibel.
    In der Tat: Die geringe Anzahl in diesem Sinne linker politischer Aktivisten dürfte ein Problem sein.

    Wobei ich hinzufügen möchte: Gut, dass es so ist.

    Was mir nun aber auffällt, dass ist der Umstand, dass Frau Johnstone sich noch nicht mal ansatzweise darüber Gedanken macht, WARUM es denn heute sehr viel weniger systemfeindliche Sozialisten, Kommunisten und Anarchos gibt als etwa 1940 oder selbst noch 1970!

    Es scheint mir doch recht realitätsfremd, das lediglich auf zu wenig eigene Werbung oder auf die gedankliche Lufthoheit der gegnerischen Medien zurückzuführen.
    Gab es da nicht eine Reihe von ziemlich eindrucksvollen Lehrstücken … ?!

    1. Achgott, einem Kriegsgewinner der ausgeweiteten Kampfzone ist es im Garten zu warm. Dann lässt er sich herab und fragt doch tatsächlich vor der Pfingsttorte oder dem späteren Grillfleisch die auf der Strecke gebliebenen nach Ereignissen und Jahreszahlen der Annihilation des Humanismus.

      Da kommen einem die Tränen bei so viel Anteil-Nahme – und antizipierend dahingesagt: auch dafür braucht es keine Argumente.

  7. „Die Herrschaft des Volkes“ ist im Adenauer-Staat doch vollumfänglich durch Wahlen sichergestellt.

    Frag mal deinen für dich zuständigen Politiker, einen x-beliebigen Richter oder anderen Beamten oder die vielen Aktionäre. Die werden dir das gerne bestätigen.

    Und komm mir jetzt nicht damit, dass das alles Angehörige der herrschenden Klasse wären. Es gibt nämlich gar keine Klassen. Frag mal deinen…

  8. Der Artikel spricht ein echtes Problem an, aber aus meiner Sicht liegt der blinde Fleck noch tiefer. Die moderne Linke erreicht viele Menschen nicht mehr, weil sie das System, in dem sie Politik machen will, selbst nicht versteht.

    Die zentrale Illusion besteht darin, zu glauben, dass die Verteilung von Geld nach unten automatisch bedeutet, dass Leistung nach unten verteilt wird. Genau das ist aber nicht der Fall. Geld ist nicht die Leistung selbst. Geld ist nur ein Intermediär. Es ist ein Durchlaufmedium, durch das Leistung organisiert, Verhalten gesteuert und am Ende abgeschöpft wird.

    Das Problem ist nicht, dass unten zu wenig ankommt. Das wäre noch ein Mengenproblem. Es geht aber nicht um die Menge. Selbst wenn man oben alles abzapfen und unten verteilen würde, wäre das Problem nicht gelöst, solange die Struktur dieselbe bleibt. Wenn das Geld unten nicht akkumulieren kann, sondern automatisch wieder nach oben zurückfließt, dann landet am Ende alles wieder dort, wo es herkam. Nur mit Marge.

    Genau darin liegt die Perfidie dieser Kreditordnung. Oben entsteht der eigentliche Vorteil nicht erst beim späteren Rückfluss, sondern bereits am Anfang. Wer oben sitzt, wer Assets, Sicherheiten, Zugang und Bonität hat, kann Kredit erzeugen oder Kredit zu Bedingungen nutzen, die unten gar nicht existieren. Dieser Akteur bekommt die neue Kaufkraft zuerst. Er kann damit Vermögen kaufen, Preise setzen, Märkte besetzen, Mieten erhöhen, Unternehmen übernehmen, Infrastruktur kontrollieren und Forderungen gegen andere aufbauen.

    Erst danach wandert dieses Geld nach unten. Genau das ist der Cantillon-Effekt. Wer nahe an der Geld- und Kreditschöpfung sitzt, nutzt die neue Kaufkraft zuerst. Wer weiter unten steht, bekommt sie später, wenn Preise, Mieten, Vermögenswerte und Lebenshaltungskosten bereits angepasst wurden. Oben hat man den Vorteil. Unten trägt man die Last.

    Darum ist Umverteilung in dieser Ordnung oft keine Befreiung, sondern Teil des Kreislaufs. Unten kommt Geld an, aber es bleibt dort nicht. Es läuft über Mieten, Energie, Konsum, Zinsen, Gebühren, Versicherungen, Plattformen und Preise wieder nach oben. Dort, wo die Assets liegen, dort sammelt es sich. Unten bleibt kein Vermögensaufbau. Unten bleibt nur Zahlungsfähigkeit für den nächsten Abschöpfungsschritt.

    Diese vermeintlichen sozialen Leistungen sind deshalb nicht einfach echte soziale Leistungen. Sie sind Teil eines Mechanismus, der die unteren Schichten im System hält. Sie bekommen Geld nicht, damit sie unabhängig werden. Sie bekommen Geld, damit sie weiter zahlen, weiter konsumieren, weiter mieten, weiter arbeiten, weiter funktionieren und weiter im Hamsterrad bleiben.

    Es wurde eine künstliche Knappheit erzeugt, die in dieser Form gar nicht notwendig wäre. Die Gesellschaft ist produktiv genug. Die Technik ist vorhanden. Die Ressourcen sind nicht einfach verschwunden. Aber die unteren Schichten werden dauerhaft so gestellt, dass sie nicht zur Ruhe kommen, nicht ansammeln, nicht ausbrechen und keine echten Forderungen stellen können.

    Denn wer Vermögen hat, kann Nein sagen. Wer nur Durchfluss hat, muss weitermachen.

    Das ist der Punkt, den die moderne Linke nicht versteht. Sie glaubt, sie helfe den Menschen, wenn sie immer neue Geldströme nach unten fordert. Aber solange diese Geldströme durch dieselbe Kreditordnung laufen, werden sie wieder nach oben gezogen. Die unteren Schichten werden nicht stärker. Sie werden nur als Durchleitungsstelle benutzt.

    Deshalb ist die Österreichische Schule nicht der Feind der Linken. Eigentlich wäre sie ihr größter Freund. Denn sie zeigt, dass Geldordnung, Eigentum, Sparfähigkeit, Kapitalbildung und reale Akkumulation entscheidend sind. Eine linke Politik, die den unteren Schichten wirklich helfen will, müsste ein System wollen, in dem sich unten tatsächlich etwas sammeln kann.

    Nicht nur kurzfristige Kaufkraft. Nicht nur Entlastung für den nächsten Monat. Nicht nur Transfer, der direkt wieder in Miete, Preise und Zinsen verschwindet. Sondern Eigentum, Rücklagen, Sicherheit, Verhandlungsmacht und echte Unabhängigkeit.

    Solange das nicht passiert, ist die ganze Umverteilung nur ein Kreislauf zugunsten derer, die oben bereits die Vermögenspositionen halten. Oben wird Kredit geschaffen oder genutzt. Unten wird das Geld verteilt. Dann fließt es über die bestehenden Eigentums- und Preisstrukturen wieder nach oben zurück. Am Ende steht oben nicht nur das ursprüngliche Vermögen, sondern zusätzlich der Gewinn aus dem Kreislauf.

    Das ist keine linke Ordnung. Das ist Rechtssozialismus.

    Rechts der Brandmauer mag die AfD stehen. Links davon steht aber nicht automatisch links. Links davon steht ebenfalls ein System, das Eigentums- und Vermögensverhältnisse nicht aufbricht, sondern verwaltet. Es verteilt Geld, aber nicht Macht. Es verteilt Zahlungsfähigkeit, aber keine Akkumulationsfähigkeit. Es verteilt Beruhigung, aber keine Freiheit.

    Besonders entlarvend ist dabei der Satz, ohne Keynesianismus würden die Leute nicht arbeiten. Das sagt im Grunde alles. Arbeit wird nicht mehr als Mittel verstanden, um ein gutes Leben zu ermöglichen. Arbeit wird zum Selbstzweck erklärt. Die Menschen sollen arbeiten, weil das System Bewegung braucht. Weil Kredite bedient werden müssen. Weil Mieten gezahlt werden müssen. Weil Konsum laufen muss. Weil der Apparat nicht stillstehen darf.

    Eine echte linke Politik müsste genau dagegen stehen. Sie müsste nicht fragen, wie man Menschen im Hamsterrad hält. Sie müsste fragen, wie Menschen genug Eigentum, Sicherheit und Freiheit bekommen, um nicht mehr jede Zumutung akzeptieren zu müssen.

    Solange das nicht geschieht, bleibt die sogenannte linke Politik nur die soziale Verwaltungsabteilung einer rechten Vermögensordnung.

    1. Dass die Linke „glaubt, sie helfe den Menschen, wenn sie immer neue Geldströme nach unten fordert.“ dürfte ein Missverständnis deinerseits sein.
      Um bei deiner Ausdrucksweise zu bleiben, möchte sie eigentlich eher die Geldströme nach oben bremsen. Mehrwert und so…

      1. Das ist mir zu sehr Selbstbeschreibung statt Mechanik.

        Dass die Linke angeblich die Geldströme nach oben bremsen will, geschenkt. Die entscheidende Frage ist: womit?

        Welche Instrumente benutzt die reale Linke denn tatsächlich? Sie fordert doch gerade am lautesten keynesianische Politik: mehr Transfers, mehr Subventionen, mehr schuldenfinanzierte Nachfrage, mehr staatlich organisierte Zahlungsfähigkeit.

        Genau das ist mein Punkt. In der bestehenden Kreditordnung bremst das den Strom nach oben nicht. Es speist ihn.

        Wenn unten Geld ankommt, aber Eigentum, Mieten, Preise, Zinsen, Bonität und Asset-Strukturen unverändert bleiben, dann läuft dieses Geld wieder nach oben. Unten bleibt Durchfluss. Oben bleibt Akkumulation.

        „Mehrwert und so“ wäre also nur dann ein Gegenargument, wenn die Linke tatsächlich die Mechanik angreifen würde, durch die Lebenszeit und Kaufkraft nach oben verwertet werden. Das sehe ich aber nicht. Ich sehe vor allem die Forderung nach noch mehr Keynesianismus.

        Und genau deshalb sage ich: Die reale Linke bekämpft den Mechanismus nicht. Sie verwaltet ihn.

  9. „Was mir nun aber auffällt, dass ist der Umstand, dass Frau Johnstone sich noch nicht mal ansatzweise darüber Gedanken macht, WARUM es denn heute sehr viel weniger systemfeindliche Sozialisten, Kommunisten und Anarchos gibt als etwa 1940 oder selbst noch 1970!“

    Bin zwar nicht der Addessat, Frau Johnstone, die Frage kann trotzdem leicht beantwortet werden, werter Herr @Wirth: Weil die neoliberale Revolution sie alle aufgesaugt hat, die „alten“ linken Positionen und Grundwerte wie die „Menschnrechte“ ihrer ursprünglichen Bedeutung entkernt, mit einem neuen Spin versehen und in die eigene neoliberale Agenda implementiert hat -so wird z.B. die sog. „Zuwanderung“ und die westliche „Refugees Welcome!“ -Politik gar nicht als ein rechtes, neoliberales Projekt wahrgenommen, sondern unter dem Deckmäntelchen „Menschenrechte“ als Umsetzung eines (angeblich) links-gutmenschlichen Programms verkauft. Nicht unerwähnt sollte dabei ein wichtiges Element: zu allen „linken“ Mitläufern im Dienste des globalistischen Neoliberalsmus ist der Neoliberalismus selbst so gnädig, dass es den vordersten Frontsoldaten in den urbanen Weltmetropolen von New York über Sydney über Berlin nach Paris und London ein gut organisiertes Leben im middle class- Wohlstand gestattet.

    1. @cromwell

      Ich will Ihrer Antwort nicht widersprechen. Dieses „Aufsaugen“ und insbesondere das Korrumpieren der Linken spielt gewiss eine Rolle und Sie haben das auch sehr prägnant und nett auf den Punkt gebracht. Das ist soi gewiss richtig.

      Allerdings bin ich fest überzeugt, dass es – außer in naturwissenschaftlichen Experimenten – nur sehr selten monokausale Erklärungen gibt. Anders gesagt: Ich denke, dass da noch andere Ursachen hinzu kommen.
      So könnte man z.B. fragen, warum dieses „Aufsaugen“ und Korrumpieren nach 1990 so verblüffend gut gelungen ist und warum es in den 1920er oder auch 1950er und 1960er Jahren weit weniger gut gelang?

      Auch könnte man sagen, dass nur derjenige sich relativ leicht kaufen und instrumentalisieren lässt, der selber schon ein Stück weit vom Glauben abgefallen ist …

      Man sollte nicht vergessen, dass der Kommunismus der Zeit vor – sagen wir mal – 1970 eine Art Glaubenssystem war. Die Anhänger glaubten bestimmten Dunge und ähnelten damit den religiös Gläubigen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit.
      Eben dieser Glaube gelingt nach 1990 nicht mehr. DAS ist der Punkt!!
      Es gibt keine Glaubensbereitschaft, dass eine sozialistische Ordnung es besser könnte.

      Man kann die heutige Schwäche der Linken – auch nach 35 Jahren – also nicht zur Gänze verstehen und Einordnen, ohne das epochale und das desaströse Scheitern des real existierenden Sozialismus des Ostblocks mit einzubeziehen: Versorgungsmängel, Freiheitsverluste, Diktatur, Gleichschaltung usw. Dieses Scheitern hat sich den Menschen ähnlich tief eingebrannt wie davor der Zweite Weltkrieg oder noch früher der Dreißigjährige Krieg.
      Ein epochales Desaster.

      Dass Linke eben das gerne vergessen bzw. verdrängen, ist psychologisch gesehen nur all zu menschlich.

  10. Ich frage mich, wer diesen Ausschnitt zur Veröffentlichung gewählt hat und ob Caitlin überhaupt davon weiß. Vielleicht ist Ralf Streck in der Position, sie zu fragen?
    Ich bin nun wahrlich kein Freund von Caitlin, aber es würde mich doch überraschen, wenn sie selbst einen Ausschnitt aus ihrem Buch veröffentlichen ließe, der mir augenblicklich die „Feuerzangenbowle“ assoziiert hat: … da stelle wir uns mal janz dumm. Gegen eine derartige Aufbereitungstechnik eines Themas hab ich auch nichts Grundsätzliches einzuwenden, wenn ihr eine kalibrierte Fortsetzung angefügt ist – aber derart abgebrochen?
    Wie dem auch immer sei, wenn eine nationalkonservative Redaktion die Absicht hat, einen „irgendwie linken“ Autoren lächerlich zu machen, vorzuführen, und ihre Gefolgschaft sich auf solchen Pappkameraden einschießen zu lassen, dann könnte sie das kaum wirksamer anstellen.

    1. @ Qana:

      … da stelle wir uns mal janz dumm.

      Eigentlich sagt sie doch in Richtung der zu gewinnenden Hirne & Herzen: „Nun seid ihr systemseitig ganz dumm und schwindelig gemacht, was eure gegenwärtige Situation angeht, und euch sei gesagt, ihr könnt euch da nicht herauskaufen.“ Doch niemand ist dergestalt verdummt und hat auch noch Spaß daran, sowas zwischen die Ohren gestopft zu bekommen, und das weiß sie auch. Also treibt sie die Frage umher, „wie ist das zu vermitteln?“, und das ist nun wirklich nicht easy.

      Dein »aber derart abgebrochen?« ist ja irgendwie Quatsch, denn der Auszug soll offensichtlich ein Anreiz sein, das Buch zwecks weiterer Ideen & Information zu erwerben, und sicherlich nicht, dass »eine nationalkonservative Redaktion die Absicht hat. […] Autoren […] vorzuführen.« „Die Linke“ hatte noch nie ein gutes Händchen für erfolgreiche Promotion, da hast Du Recht, was daran liegen könnte, dass effektive Werbung eigentlich immer mit der Lüge arbeitet.

      Vermutlich hat Dir das »Verwendung eines esoterischen marxistischen Jargons« auch alles andere als zugesagt. Und deswegen kurz zu Deinem ergänzenden 40 Jahre Panorama unter dem Varwick-Video: Das war richtig gut, danke dafür.

  11. Viele Beiträge hier im Forum knüpfen an das Zita an:
    „Das erreicht man nicht, indem man all die »richtigen« Meinungen vertritt und all die »richtigen« Bücher liest und sich selbst in einer Diskussion nach der anderen als Vertreter der besten Meinung erweist“
    Zu recht, denn da liegt der Pfeffer im Hasen begraben. Wobei eines allerdings nicht hinreichend gewürdigt wurde: Das in dem Zitat sehr zentrale Wort „Meinung“. Hat ein Physiker eine „Meinung“ zum Hebelgesetz? Nein, er kennt es, und wenn er es einem Anderen erklärt, vertritt er damit nicht „seine Meinung“. Im Wort „Meinung“ steckt das Personalpronomen „mein“. Eine Meinung ist eine persönliche Sicht auf die Welt. Wenn man es dabei belässt, kann jeder seine Meinung sagen und jeder andere kann dagegen halten, dass seine persönliche Sicht auf die Welt eben anders ist. Leider laufen so die meisten Gespräche in unserer Gesellschaft ab, und darum ist es auch nicht überraschend wenn dabei keiner geistig vom Fleck kommt und sich in solcherart Debattieren kein bestimmter Standpunkt – sei er nun links oder nicht – weiter verbreiten kann. Dabei sind viele gerade darauf stolz: Sie erklären ihre „eigene Meinung“ zu haben, was etwas anderes ist, als richtige Erklärungen zu kennen, denn die würden ja unabhängig von der Person gelten. (nebenbei bemerkt sind solche „eigenen Meinungen“ gewöhnlich in der trostlosesten Weise konform mit dem was einem tagtäglich in den Mainstream-Medien gesagt wird.)
    Von dieser Art des bloßen Meinens kommt man nur weg, wenn man nach Gründen und Erklärungen fragt, und diese nur gelten lässt, wenn sie in sich schlüssig sind und mit den Tatsachen übereinstimmen.
    Und ja, es gibt Bücher, in denen man zu manchen wichtigen Themen schlüssige Erklärungen findet. Warum soll es verkehrt sein, solche „richtigen“ Bücher zu lesen? Dann kann man mit tatsächlichen Argumenten gewappnet dazu schreiten, andere zu überzeugen.
    Ob das gelingt, hängt vom Gegenüber ab: Das heutige geistige Klima ist nämlich dadurch gekennzeichnet, das „Meinen“ für die einzige mögliche Form der Stellungnahme zu nehmen. Da wird dann jeder, der sich um eine schlüssige Argumentation bemüht, mit dem Vorwurf konfrontiert, er wolle dem Anderen „nur“ seine Meinung „überstülpen“ oder gar „aufzwingen“. So kann sich jeder in jedem beliebige Unsinn einrichten und gegen Argumente immunisieren.

    1. @ rhytidiadelphus:

      Mit vielem Ihres Posts gehe ich d’accord, auch ist es oft hilfreich, Begriffe in Ihre Teilbedeutungen zu zerlegen, doch bei Ihrer recht kurzen Behandlung und Ihrer Ableitung bezüglich »Meinung« habe ich dann doch gezuckt.

      Meinung Etymologie (aus dwds.de):

      meinen · Meinung · vermeinen · vermeintlich
      meinen Vb. ‘eine bestimmte Ansicht haben, annehmen, denken’, ahd. meinen (8. Jh.), mhd. meinen ‘sinnen, (nach)denken, seine Gedanken auf etw. richten, (feindlich oder freundlich) gesinnt sein, einem etw. angenehm machen’, asächs. mēnian, mnd. mēnen, mnl. mēnen, mienen, meinen, nl. menen, afries. mēna, aengl. mǣnan, auch ‘klagen’, engl. to mean (germ. *mainjan) sind verwandt mit air. mīan ‘Wunsch, Verlangen’, aslaw. měniti ‘meinen, glauben, erwähnen, halten für’, poln. mienić ‘meinen, glauben’. Erschließbar ist ie. *mein-, *moin- ‘Meinung, Absicht, meinen’. Die Bedeutung ‘seine Gedanken auf etw. richten, (freundlich) gesinnt sein’ entwickelt sich im Mhd. weiter zu ‘lieben’, die in Prosatexten bis ins 17. Jh., in der gereimten Dichtung bis ins 19. Jh. (Freiheit, die ich meine, Schenkendorf) bewahrt wird. –
      Meinung f. ‘Ansicht, Gesinnung’, ahd. meinunga (um 1000), mhd. meinunge ‘Sinn, Bedeutung, Gedanke, Gesinnung, Absicht, freundliche Gesinnung, Liebe’.
      vermeinen Vb. ‘(fälschlich) annehmen’, ahd. firmeinen ‘darlegen, beweisen’ (9. Jh.), mhd. vermeinen ‘denken, wollen, hoffen, zudenken, zurückweisen’.
      vermeintlich Adj. ‘(irrtümlich) angenommen, angeblich’ (16. Jh.).

      Und für interessierte Leser die große Packung aus dem Grimmschen Wörterbuch.

      Da findet sich nichts Expizites zum »Personalpronomen«, sorry.

      1. Und die Kritik ist jetzt welche genau? – Dass Sie gezuckt haben.
        Seine Gedanken auf etwas richten nennt sich „konzentrieren“ nicht „meinen“.

        1. Im Wort „Meinung“ steckt das Personalpronomen „mein“.

          schrieb @rhytidiadelphus. Das extrahierte Graphem ist hier nicht das distinktive Merkmal, da »Meinung« die Substantivierung von meinen ist und nicht von »mein« im Sinne von besitzen oder haben – semantisch betrachtet. Deutlich wird das bei den Synonymen „Ansicht, Auffassung, Blickwinkel, Haltung, Position“. Doch das ändert gar nichts an der Kritik und richtigen Sichtweise von @rhytidiadelphus über »die meisten Gespräche in unserer Gesellschaft«, die beim Gegeneinanderstellen von Meinungen verharren: „Affirmation oder Tod“.

          Lustig ist, dass das, was ich hier gerade getan habe, genau das ist, was im Artikel als »esoterisch« und »obskur« kritisiert wird – und Sie in Ihrem anderen Post bestreiten –, nämlich einen Diskurs auf eine (scheinbar?) akademische Ebene zu heben, die den meisten fremd ist. Das macht die inhaltliche Auseinandersetzung nicht falsch, aber für viele schlicht schwerer zugänglich.

          Oder anders gesagt: Wenn „die Linke“ bei der Vermittlung ihrer Anliegen bei der Sprache von Marx bleibt, dann versucht sie mit Skiern an den Füßen auf einem Parkplatz zu tanzen.

          Zugegeben, zudem wollte ich auch das Grimmsche Wörterbuch „verkaufen“, ich mag es nunmal sehr und hatte deshalb meinen fünften Kommentar hergegeben.

          1. Wer erzählt nur immer den Blödsinn, dass die Sprache von Marx schwer zugänglich sei. Marx ist ein Großmeister der Wissensvermittlung. Niemand macht das bis heute besser. Es liegt nicht an der Sprache. Es liegt daran, dass der Inhalt etwas komplizierter ist als ein Bilderbuch. Für Bürger ohnehin, die immer in affirmativen Kategorien denken und die nur interessiert, was ihnen beim Zurechtkommen im Kapitalismus nutzt. Und Marx nutzt nichts beim Zurechtkommen, der nutzt nur was für die Analyse und Kritik dieser Scheiße.

      2. Mag schon sein; dann ist die Erklärung mit dem Personalpronomen eben so eine Art „Volksethymologie“. Aber das ändert nichts daran, dass die Assoziation mit „mein“ genau das trifft, in welchem Sinn das Wort Meinung heutzutage gebraucht wird.

  12. Noch was:
    „unter Verwendung eines esoterischen marxistischen Jargons über obskure Punkte zu streiten“
    Das sind Plattheiten, die allerorten Marxisten vorgeworfen werden. Dennoch sei ein Blick darauf geworfen. Also der Reihe nach:
    1) „esoterisch“: Esoteriker sind solche, die an übersinnliche Kräfte glauben (und sich dabei nicht im Rahmen der Lehren anerkannter Religionsgemeinschaften bewegen). An was denkt Frau C.J., wenn sie so etwas in marxistischen Debatten beobachtet haben will? Ich weiß es nicht.
    2) Jargon: Umfangreichere theoretische Erklärungen (dafür gibt es den Fachbegriff „Wissenschaft“) kommen nicht aus ohne neue Begriffe und Termini einzuführen. Wenn dann zwei Wissenschaftler aus dem selben Fachgebiet über die betreffenden Gegenstände sprechen, verwenden sie solche Fachbegriffe, und Außenstehenden erscheint das als „Jargon“. Ja, Marx, Engels und andere, die deren Erkenntnisse fortgeführt haben, haben solche Fachbegriffe eingeführt. Deren Bedeutung ist aber kein Geheimnis, sondern wird in den einschlägigen Publikationen erklärt. – Und nein: Nicht immer wenn ein unverständliche Jargon gesprochen wird, handelt es sich um solchen guten wissenschaftlichen Usus, sondern oft steckt auch pseudowissenschaftliche Großtuerei dahinter. Das kommt mitunter auch bei solchen vor, die sich als Marxisten verstehen; viel öfter – und geradezu charakteristischerweise – erlebt man das aber in den Gefilden der bürgerlichen Geisteswissenschaften.
    3) „obskur“: Na gut, wenn jemand ein Gespräch nicht versteht, weil es in einem „Jargon“ stattfindet, dann kann der Gegenstand natürlich als „obskur“ erscheinen. So what?

    1. Also, nach einigen Jahren praktischer Erfahrung mit Anarchismus/Anarchosyndikalismus war mir klar, dass da vieles extrem widersprüchlich war, deshalb habe ich in den letzten 7 Jahren so ca 10000 Seiten MEW plus mehrere Bände Eric Hobsbawm gelesen, um mal an der Quelle zu studieren, was eigentlich Sache war mit Marx, Engels und Bakunin.und dem historischen Kontext. Ich habe noch kein komplettes Bild, speziell zu Lenin und seiner Schule fehlt mir noch eine Menge, aber der Zwischenstand reicht schon mal für einige kritische Bewertungen. Der Knackpunkt bei Marx war, dass er eben kein Ideologe sein wollte wie viele andere „Sozialisten“ der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und späterer Zeiten. „Ideologie“ bezeichnet dabei eine Weltansachauung, die es für möglich und erstrebenswert hält, die Welt nach einer idealen Vorstellung zu formen um wahrgenommene Unvollkommenheiten de rmenschlichen Gesellschaft in Richtung eines Idealzustands zu überwinden. So gut wie alle Arbeit von Marx seit Anfang der 1840er Jahre zielte darauf, dem einen wissenschafltichen Ansatz entgegenzusetzen, der aus der Beobachtung der realen Welt und des menschlichen Verhaltens eine Strategie entwickeln wollte, eine realistische revolutionäre Strategie zu entwickeln, die eine echte Chance auf Verwirklichung hatte. Deshalb die exterm detaillierte, jahrzehntelange Auseinandersetzung mit den praktischen Details der aufstrebenden Industrialisierung und der Funktionsweise des Geldes. Diese Arbeit blieb unvollendet, das Fundament erlaubt aber noch immer erstaunlich gute Vorhersagen über das Verhalten aktueller kapitaistischer Wirtschaftsakteure.
      Dann kommt Lenin ins Bild. Lenin hatte auch eine Menge marx gelesen, aber meine Hypothese derzeit ist, dass er mehr daran interessiert war, ein theoretisches Fundament für seinen eigenen revolutionären Ansatz füdas rückständige, wenig industrialisierte russische Zarenreich zu finden, und hat sich deshalb aus Versatzstücken von Marx seine eigene Ideologie gebastelt. Soweit ich weiss, riet ihm Stalin mit Bezug auf Marx davon ab, in Russland eine kommunistische Revolution zu veranstalten, das muss ich aber auch noch nachforschen. In den folgenden siebzig Jahren vermischte sich dann der Marx’sche wissenschaftliche Ansatz in der Rezeption mit der Lenin’schen Ideologie, so dass heute in Diskussionen beides wild durcheinandergeworfen wird, während man es wieder trennen müsste, um nach dem Scheitern des Marxismus-Leninismus noch ernsthaft über Ansätze für die sich ankündigende Ära des Postkapitalismus zu finden. Für Marx war beispielsweise die Internationale nur ein taktisches Mittel für eine konkrete Phase der Entwicklung der Arbeiterbewegung, während die Bakunisten in ihr so eine Art ewiges Organisationsprinzip sahen, das es zu erobern galt. Deshalb versuchebnn auch heute noch die Anarchosyndikalisten wieder und wieder neue Internationalen aufzubauen, wenn grad ihre letzte aufgrund eigentlich offensichtlicher praktischer Gründe wieder auseinandergebröselt ist. Die Intonierung von aus dem Kontext gerissenen Zitaten von Grössen des 19. oder 20. Jahrhunderts hat da manchmal schon religiöse Züge, vor allem auch wen gleichzeitig behauptet wird, der Anarchismus wär so flexibel, dass er sich immer wieder in der Aktualität neu erfindet. In Wahrheit stagineren sowohl Marxismus-Leninismus als auch Anarchismus seit Jahrzehnten und finden keine echten massentauglichen Antworten auf die gegenwärtigen Zustände, die einen echten alternativen Ansatz dringend notwendig hätten, um der Menschheit noch eine menschenwürdige Zukunft zu geben. Das ist, es, worum es den Kommunisten um Marx und Engels ursprünglich ging. Im Jargon hat sich wohl traditionell der von Marx‘ akuten Leberbeschwerden verursachte verkrampfte Ton der ersten Kapitel des „Kapital“ durchgesetzt. Besser wäre die Sprache des Vorworts von Friedrich Engels für den abgebrochenen ersten Versuch der „Kritk der politischen Ökonomie“ 1859 gewesen, der konnte wesentlich besser fürs Publikum schreiben und hat auch ein bisschen das Warum und Wozu erklärt.
      Warum gibt es überhaupt linke Politiker? Weil aus der Erfahrung der Revolution von 1848 und den folgenden Niederlagen von Volksmilizen gegen das mehr und mehr industrialisierte Militär Marx und Engels die Folgerung zogen, dass militärische Volksaufstände ein Ding der Vergangenheit waren. Stattdessen sollte die arbeitende Bevölkerung die Möglichkeiten des bürgerlichen Staates gegen ihn wenden und mit einer eigenen Partei die Parlamente erobern. Nicht weil sie Parteien und Politiker so toll fanden, sondern weil das ein taktisches Mittel auf dem Weg zur politischen Macht war, das existierte und genutzt werden konnte, und es närrisch gewesen wäre, darauf zu verzichten. Was sie wahrscheinlich unterschätzt hatten war, dass die Politiker irgendwann der Kontrolle der Basis entgleiten und sich als eine weitere bürgerliche Partei verselbständigen würden. Heute sind so ziemlich alle „Sozialisten“-Partein reine Folkloreveranstaltungen die nicht mal mehr brauchbare Lippenbekenntnisse zu Marx hinbekommen. Das haben die Anarchisten bei aller theoretischer Schwäche hingegen schon früh erkannt, das ist ihr grosses Verdienst. Leider ohne ein wirklich brauchbares, nachhaltig funktionierendes Gegenkonzept entwickeln zu können. Warum sind Anarchisten eine derart verschwindende Minderheit, wenn doch ihr Konzept einer Gesellschaftsordnung ohne Unterdrückung derart verlockend sein sollte? Die Antwort findet man bereits bei Marx, wenn man sucht. Warum ist der Marxismus-Leninismus gescheitert? Wegen seiner ideologischen Verblendung. Wenn heute noch mal ein brauchbarer Ansatz entwickelt wird, dan wird der nicht aus Europa oder USA kommen, sondern aus den neuen Zentren kapitalistischer Produktion in Asien, wo die Bedingungen auf die Spitze getrieben sind. Im Wertewesten taugt das alles nur noch für impotentes intellektuelles Gequake im Feulleton zwischen Leuten, die Sozialismus für ein ästhetisches Problem halten. So wie dies hier 😉

      1. „und finden keine echten massentauglichen Antworten auf die gegenwärtigen Zustände,“

        Warum sind die Antworten nicht massentauglich. Weil die Massen sie nicht kennen oder zum Zurechtkommen im Kapitalismus nicht für tauglich erachten. Also wird das Urteil der Massen zur Eigenschaft der Argumente gemacht.

        Im Jargon hat sich wohl traditionell der von Marx‘ akuten Leberbeschwerden verursachte verkrampfte Ton der ersten Kapitel des „Kapital“ durchgesetzt.

        Von einem verkrampften Ton konnte ich beim besten Willen nichts bemerken. Das halte ich für reine Erfindung.

        der konnte wesentlich besser fürs Publikum schreiben und hat auch ein bisschen das Warum und Wozu erklärt.

        Ein Glück das deiner Einschätzung nicht gefolgt wurde. Und Marx hat das „Warum und Wozu“ nicht erklärt?

        Stattdessen sollte die arbeitende Bevölkerung die Möglichkeiten des bürgerlichen Staates gegen ihn wenden und mit einer eigenen Partei die Parlamente erobern.

        Der Marsch durch die Institutionen kommt aus den 60ern, aber nicht von Marx und Engels. Was hast du denn gelesen auf deinen 10 000 Seiten MEW? „Namentlich hat die Kommune den Beweis geliefert, daß ,,die Arbeiterklasse nicht
        die fertige Staatsmaschine einfach in Besitz nehmen und sie für ihre eignen Zwecke
        in Bewegung setzen kann.““ Vorwort Manifest der Kommunistischen Partei 1872

      2. Nachdem hier im Forum auch Fragen der Wortherkunft debattiert werden, hier ein Kommentar zu:
        “ Der Knackpunkt bei Marx war, dass er eben kein Ideologe sein wollte wie viele andere „Sozialisten“ der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und späterer Zeiten. „Ideologie“ bezeichnet dabei eine Weltanschauung, die es für möglich und erstrebenswert hält, die Welt nach einer idealen Vorstellung zu formen um wahrgenommene Unvollkommenheiten der menschlichen Gesellschaft in Richtung eines Idealzustands zu überwinden. “
        Für das Wort „Ideologie“ muss man nicht bei Grimm nachschauen, damals gab es dieses Wort noch nicht. Seine Herkunft ist mit dem Namen Marx verknüpft und da bezieht es sich ursprünglich auf die Philosophie von Hegel und den Junghegelianern. Hegel wollte die Welt als Emanation aus geistigen Ideen erklären, so dass sich seine Lehre als Lehre von den Ideen, also „Ideologie“, bezeichnen lässt; ditto für die Junghegelianer, die das fortgeführt haben, indem sie jeweils einzelne der Ideen als besonders zentral heraushoben, und daraus dann eine jeweils spezielle Art der Weltanschauung basteln wollten. Marx und Engels haben das in unvollendeten, posthum veröffentlichten Manuskripten unter dem Titel „Die deutsche Ideologie“ kritisiert. Schon bei Marx und Engels selbst wird dann der Begriff „Ideologie“ in dem allgemeineren Sinn als einer nicht wissenschaftlich auf die Analyse der Realität gegründeten Welterklärung gebraucht. Später verflacht der Begriff zum reinen Schimpfwort, indem ein jeder jede Theorie, die ihm persönlich nicht passt, als „ideologisch“ denunziert. So wird nun gerade Marx selbst von den Vertretern der bürgerlichen Wissenschaft als „Ideologie“ abgetan. Aber auch andere kann es ganz unvermutet treffen: Wenn es erlaubt ist, hier ins Anekdotische zu gehen, so will ich erzählen, dass sich der Vorsitzende eines Naturschutzverbandes unlängst darüber wunderte, dass ihm von Politikern und Wirtschaftsführern neuerdings immer öfter „Ideologie“ vorgeworfen werde, und er wisse nicht, warum. Hier kommt die nächste Nuance in der Bedeutungsentwicklung des Worts zum Ausdruck: Wirtschaftsbosse und Politiker lassen sich allein von der Frage leiten, was für ihre Profite bezw. für die Stärkung von Staat und Nation im internationalen Gerangel von Vorteil ist. Das nennt sich dann: Pragmatismus. Und der Gegenbegriff zu Pragmatismus ist in dieser Sprechweise eben „Ideologie“.
        Aber zurück zu @pk: In keiner dieser Stufen der Bedeutungsentwicklung meint Ideologie so etwas wie das Streben nach einem Idealzustand.

    2. Ich hatte Rhyti etwas Sachdienliches mitzuteilen, aber das überschritt offenkundig sämtliche Roten Linien des Zensurbots, es landete nicht mal in der Mod-Schleife. Daraufhin habe ich noch drei Worte ersetzt, die man „Reizworte für Antikommunisten“ nennen könnte – selbes Resultat. Damit bin ich aus Overton raus – ein für alle Mal.

  13. In besonders schweren Fällen erreicht man den politischen Durchbruch allenfalls mit Kriegstreiberei und in letzter Konsequenz mit einem finalen Atombombenhagel. Zum Glück wird es der Planet schon nicht überleben und wenn die Rendite stimmt, kann es ihm (dem Planeten) auch egal sein wenn er vernichtet wird. Der Planet ist sowieso doof. Trump, Merz und Musk sind wesentlich klüger als dieser blöde Planet, den wir eigentlich gar nicht brauchen.

  14. mit anderen Linken unter Verwendung eines esoterischen marxistischen Jargons über obskure Punkte zu streiten, die niemand außerhalb ihrer winzigen Blase kennt oder sich für sie interessiert. Oder sich selbstgefällig zurückzulehnen und mit besserwisserischer Miene darauf zu warten, dass die dem Kapitalismus innewohnenden Widersprüche seinen Untergang herbeiführen.

    Hm. Was ist denn jetzt der Vorwurf? 1. Die Verwendung esoterischen Jargons? Ist marxistischer Jargon esoterisch? Ist Marxismus eine Geheimlehre? Ich meine die Bücher existieren in zig Millionen Exemplaren, da kann man wohl kaum von Geheimlehre sprechen. 2. Oder dass man über Punkte streitet, die die Autorin, wohl weil überhaupt gestritten wird für „obskur“ hält. 3. Oder ist der Vorwurf der Misserfolg, der sich durch „winzige Blasen“ äußert. Sind die Linken jetzt selbst schuld, dass sie marginalisiert worden sind? Als hätten die beschlossen, wir organisieren uns jetzt in winzigen Blasen. – Ja ihr Intelligenzbestien hättet ihr euch doch lieber in einer Massenbewegung organisiert, statt in einer „winzigen Blase“ die niemand außerhalb kennt. – Schwerer Fehler ich blöden Linken. 4. Was ist jetzt die Kritik? Das selbstgefällige Zurücklehnen und die besserwisserische Miene oder das Warten auf den Untergang des Kapitalismus? Und was soll man stattdessen machen, denn Bücher lesen und streiten ist ja offenbar auch tabu.

    Das erste und wichtigste Ziel der westlichen Linken sollte es sein, dafür zu sorgen, dass es mehr westliche Linke gibt.

    Ach tatsächlich? – Eine bahnbrechende Erkenntnis. Den Linken mit ihren winzigen Blasen ist wirklich nicht mehr zu helfen.

    Man schafft es, indem man auf Menschen zugeht, ihre Herzen und ihren Verstand für sich gewinnt, ihnen zeigt, dass alles, was ihnen über ihre Nation und ihre Welt beigebracht wurde, Lügen sind, und ihnen zeigt, dass es besser werden kann.

    Aber um Himmels willen nicht streiten, keine Bücher lesen und keine richtigen Meinungen vertreten. Seltsam. Also Herzen und Verstand gewinnen, aber die Mittel dazu, Bücher mit Argumenten lesen, streiten, Meinungen kritisieren, die sie bäh! pfui Teufel! Weiche Satanas!

    Natürlich habe ich nicht alle Antworten darauf, wie dieses Dilemma gelöst werden kann,

    Aha – „nicht alle Antworten“. Die Übertreibung des Jahres. Eigentlich gar keine Antworten, denn die Antworten, die da stehen sind wissensfeindlich, linksfeindlich, eine Diskreditierung des Marxismus als esoterischen Jargon. Der Artikel ist Propaganda.

  15. Ja, und?
    Die Bildung und Motivation des Kollektivs scheint ja wohl nicht zu greifen. Zu sehr sind die Möchtegernlinken an die Annehmlichkeiten des Kapitalismus gefesselt und niemals werden sie bereit sein für einen imaginären Zugewinn ihre erworbenen Meriten aufzugeben. Sozialismus, Kommunismus sind Irrlehren, deswegen, weil sie den Menschen, der sich aus der Komfortzone, dem Kollektiv herausbewegt, misstrauen. Aber es sind eben genau diese Charaktere, die etwas Neues schaffen, die Welt verändern. Aus diesem Herdeninstinkt heraus sind die Linken dazu verdammt, immer wieder die gleichen Fehler zu begehen, sich im Kreis zu drehen, Bonzenklassen zu entwickeln und am eigenem Erfahrungsmaßstab gemessen es Gutes für die Armen zu tun. und Armut grassiert unter diesen Ideen.

    1. Sozialismus, Kommunismus sind Irrlehren, deswegen, weil sie dem Menschen, der sich aus der Komfortzone, dem Kollektiv herausbewegt, misstrauen.

      Der Mensch ist in einer Komfortzone? Im Kapitalismus? – Ok. – Und Kommunisten, deren Politik aus nichts anderem besteht, Menschen davon zu überzeugen den Kapitalismus zu überwinden, sollen misstrauisch gegenüber Menschen sein, die ihre „Komfortzone“ verlassen? – Entschuldigung aber das ist ein selbstgebasteltes Narrativ ohne Realitätsbezug.

      1. Das Kollektiv bietet die Komfortzone. Die Antipode des Kommunismus ist der Libertarismus, nicht der Kapitalismus.
        Es geht um mentale Losllösung des Individuums aus dem Kollektiv, um traditionelle Verhaltensweisen, umgesetzt durch Gruppendynamik, zurückzudrängen.

        1. Der Libertarismus gründete auf den Liberalismus, dieser berief sich auf den Humanismus.
          Gegenüber diesem vollzieht er eine180 Grad Wende.
          Liberale Formen ded Zusammenlebens sind nicht anders als im Rahmen sozialistischer Gesellschaftsmodelle denkbar.

          1. Gibt’s auch Substanz, oder nur übernommene Stanzen?
            Die Freiheit des Einzelnen steht doch diametral zur Dynamik der Gruppe. Siehe Impfzwang, Klimapanik, Russophobie und Kriegsdienst… Was ist denn mit den Helden wie Guerot, Habig, Kohn, Bakhdi, Dettmar, Füllmich, etc. Das sind alles Opfer des rasenden Kollektivs. Und ein Kollektiv ist auch eine Nation. Der Unterschied zwischen Kommunismus und Kapitalismus ist die Breite der Oberschicht – unterm Strich bedienen sich alle Formen der faktisch entmündigten Sklavenschicht. Dagegen hilft ausschließlich die Stärkung der Einzelnen zu Lasten des Kollektivs.
            Schaut doch mal raus, wie das Leben so geht, wenn man die Fesseln abwerfen will, wenn Menschen für sich selbst Verantwortung tragen wollen. Das ist nicht gewollt, sie werden zu Tode besteuert.

  16. If it’s broken, it can be fixed. Die erste Frage, gibt es ein Manual. Ja natürlich, Karl Marx – General Information and Troubleshooting.
    Ist Caitlin Johnstone eigentlich Amerikanerin.

  17. Wenn jemand eine Veranstaltung von oppositionellen politischen Organisationen besuchen sollte: Das Kriterium, ob nach dem Vortrag:

    1. Eine Diskussion stattfindet
    2. Ein Versuch gestartet wird, Interessenten anzusprechen und für weitere Kontakte zu interessieren,

    ist meiner Meinung nach ein guter Hinweis darauf, ob die betreffende Organisation und ihre Vertreter es ernst meinen, oder nicht. Wenn sie noch nicht einmal das versuchen, sind es Fensterredner und Schaumschläger – ganz so wie es Johnstone beschreibt.

    1. Ist @Routard eigentlich klar, was für eine hübsche Persiflage auf das demokratische Prozedere er da abgeliefert hat?
      Oder hat er noch nie eine Wahlveranstaltung beobachtet?
      — Eine Diskussion? Wenn ja, dann höchstens hinterher und nur zum Schein, nämlich um die Toleranz und Schlagfertigkeit des sich bewerbenden Personals vorzuführen, aber doch nicht um Inhalte genauer zu besprechen.
      — „Ein Versuch gestartet wird, Interessenten anzusprechen und für weitere Kontakte zu interessieren“: Wozu denn das? Es genügt doch, wenn die Leute am Wahltag das Kreuzchen an der „richtigen“ Stelle machen.
      — Fazit: „ein guter Hinweis darauf, ob die betreffende Organisation und ihre Vertreter es ernst meinen, oder nicht.“

      1. Sie können es als Persiflage verstehen, voll und ganz. Ich könnte Ihnen einige Beispiele aus der letzten Zeit anführen, die ich selbst erlebt habe (geht hier leider nicht).
        Der Hinweis oben auf die Zeugen Jehovas passt: die meinen es wirklich ernst, sie wollen wachsen. Dass man sich über sie lustig macht, stört sie nicht.
        Zu Kolonialzeiten auch die Christen, Papisten, Baptisten, Quäker, Jesuiten -nicht umsonst verbot ihnen Japan das Missionieren. Diese christlichen Kolonialisten verstanden sehr gut, dass sie nur mit einer erheblichen Anzahl von Anhängern das Zielland übernehmen konnten.
        Davon könnte man lernen – wenn man etwas erreichen wollte. Das betrifft auch Internetforen. Die Nachdenkseiten organisieren immerhin Gesprächskreise, während BSW-Wagenknecht ihr Projekt „Aufstehen“ schmählich im Stich ließ: Zuviel Aufwand, zu anstrengend.

        1. Da ich mindestens noch einen Kommentar frei habe, möchte ich hinzufügen, dass meine Beispiele nicht auf oppositionelle Gruppen passen – denn hier sollte es Debatten geben, die, wie Sie richtig sagen, dazu dienen, Inhalte zu besprechen, Überblick zu gewinnen, klarer zu sehen, auch mental stärker zu werden (nur die wenigsten schaffen das alleine).
          Ich sehe es genauso, wie Sie es oben gesagt haben, es kommt nicht darauf an, etwas zu glauben:
          „Von dieser Art des bloßen Meinens kommt man nur weg, wenn man nach Gründen und Erklärungen fragt, und diese nur gelten lässt, wenn sie in sich schlüssig sind und mit den Tatsachen übereinstimmen.“

  18. Ulrike Guérot beispielsweise sagst du, ist Opfer des Kollektivs – wie kommst du darauf? Ich wüsste kaum jemand, der so sehr eine Lanze brechen würde, für das Kollektiv.
    Verantwortung kannst du ja leider auch nicht übernehmen, weil dich das Kollektiv dann Tode besteuern würde.
    Da kann man glaube ich nichts machen.

Schreibe einen Kommentar

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln : Bleiben Sie sachlich, respektvoll und beim Thema. Wir behalten uns vor, insbesondere Kommentare zu entfernen, die Beleidigungen, Spam oder persönliche Angriffe enthalten.

Pro Beitrag sind maximal 5 Kommentare (inklusive Antworten auf andere Kommentare) zulässig.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte schreiben Sie mindestens 100 und höchstens 10000 Zeichen.

0 / 10000 Zeichen