
Die Traumatisierten nach dem »Prozess gegen Deutschland« wollen gesehen werden – wie jene, die bei Stalins Aufbahrung weinten.
Tränen seien geflossen: Die Mitarbeiter des Thalia-Theaters, in dem jener »Prozess gegen Deutschland« stattfand, bei dem verschiedene Perspektiven auf die AfD und ein Verbotsverfahren eine Bühne bekommen haben, fühlten sich verletzt – »Eindringlinge« habe man ihnen aufgehalst. Rassisten habe man eine Bühne gegeben. Die Kulturveranstaltung scheint etliche Traumatisierte hinterlassen zu haben. Die Mitarbeiter seien gewissermaßen fassungslos. Fühlen sich missbraucht und gedemütigt. Sie beanstanden die vermeintlich unterlassene Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Ist man in der Kulturbranche gut aufgehoben, wenn man den Spannungsbogen zwischen verschiedenen Positionen, Geisteshaltungen und Vorstellungswelten nicht aushält?
Handelt es sich um dieselben Mitarbeiter, die kurze Zeit später Alice Schwarzer die Bühne versagen wollten? Wegen einer Transfeindlichkeit, die man Schwarzer ohne Beleg unterstellt, sei kein Platz in deren gesegneten Hallen. Freilich werden diese Hallen von der Öffentlichkeit finanziert, das Theater gehört der Hansestadt Hamburg, weswegen ein Anspruch auf ein vielfältiges Programm besteht: Vielfalt – wer könnte was dagegen haben? In einem offenen Brief äußerten die Mitarbeiter außerdem, dass Schwarzer »seit Jahren gegen Selbstbestimmung, Arbeitsrechte und soziale Teilhabe von […] Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern« polarisiert habe. Ist Prostitution nun ein Beruf, den man aus Leidenschaft verrichtet, weswegen kein kritisches Wort mehr erlaubt sein sollte? Steckt nicht auch Zwang im Prostitutionssystem?
Perfomative Emotionen: Alle sollen es sehen!
Die Inszenierung der eigenen Verletzlichkeit, die tiefe Verwundung, die man erlitten hat, auch für jedermann gut sichtbar darzustellen: Das kann einem mitunter bekannt vorkommen – wenn auch in einem gänzlich anderen Setting. Um nur eine Szene zu nennen, die performative Emotionen zeigte, lohnt es sich kurz in den März 1953 zurückzuspringen. Stalin ist gestorben. Während seine Diadochen sich gegenseitig ausstachen und zusetzten, trauerte das sowjetische Volk – und dies noch bevor Lautsprecher die Öffentlichkeit anwiesen, sich bestürzt zu zeigen. Frauen weinten laut, Bildaufnahmen zeigen, wie sie ins Kameraobjektiv blicken und ihre Trauer schamlos vor aller Welt anschaulich machen. Auch Männer weinen, halten den Kopf gesenkt – und nicht wenige umklammern ein Foto des »Stählernen«, küssen es, behandeln es wie ein religiöse Ikone. Allen gemein ist, dass sie ihre Traurigkeit nicht verbergen wollen, sondern ganz im Gegenteil: Ihnen ist es ein Anliegen, das jeder deutlich erkennen kann, wie sehr sie der Tod des sowjetischen Staatenlenkers mitnimmt.
Sahen wir echte Trauer? Oder verordnete? Gemeinhin deutete man im Verlauf der Geschichte jene Bilder aus der UdSSR auf beide Weisen, wirkliche und befohlene Trauer hätten sich quasi vermischt. Vermutlich muss man aber noch einen Aspekt im Sinn haben: Die große Schar der Trauernden mag aus reinem Kalkül so exzessiv ihrer Trauer Ausdruck verliehen haben. Als Individuum seine Bestürzung kenntlich zu machen, keinen Zweifel offen zu lassen, dass einen dieser Tod untröstlich macht, war ein politisches Statement. Jede Zurückhaltung hätte als Ausdruck der Freude oder wenigstens Genugtuung gelten können. Stalins Personenkult griff freilich in jeden Lebensbereich hinein, aber die Sowjetbürger waren ja nicht dumm, sie wussten, dass ihr Führer ein Diktator war, dass es in seinem Reich brutal zuging und man schnell von der Oberfläche gewischt werden konnte. Da ging also einer von dannen, der die Sowjetunion kriegstüchtig und letztlich zu einer Siegermacht des Zweiten Weltkrieges gemacht hab – aber ein guter Mensch war dieser Stalin deswegen noch lange nicht. Diese kollektive Trauer nach seinem Ableben muss also fast zwangsläufig ihre Ursache im Performativen suchen.
Kenntlich zu machen, dass man sehr mitgenommen ist durch diesen Schicksalsschlag, bedeutete eines ganz wesentlich: Man zeigte an, dass man mit dem Regime nicht haderte, dass man sein eigenes kleines Dasein der großen Sache unterordnete – kurz und gut: So konnte man beweisen, dass man voll und ganz auf Linie ist. Trauerte man nur ein wenig reservierter, geriet man unter Umständen schnell in den Verdacht, ein Abweichler zu sein. Die Traumata, die nun offenbar Millionen erfassten, waren als Signal an die Öffentlichkeit gedacht. Sie sollten anzeigen, dass man nicht auf dumme Gedanken komme, nicht plötzlich Trotzkist sei oder den roten Staat ablehne. Man darf davon ausgehen, dass eine große Mehrheit dieser Trauergemeinde einen Selbstverrat aus Kalkül vollzog – und wenn man sich selbst gut genug zuredete, konnte man vielleicht sogar ausblenden, dass man aus reiner Planbarkeit so handelte und sich synchron dazu noch einreden, man tue es aus wahrhaftiger Traurigkeit heraus. Letzteres stützte die Selbstachtung, die jedem Menschen immanent ist.
Das Trauma als Affirmationsritual für das Gute
Nun ist zugegeben in jenem Thalia-Theater in Hamburg kein Führer, kein Woschd, den Weg allen Irdischen gegangen. In der Postdemokratie hat man es lediglich mit einer banalen Inszenierung zu tun, mit einem Stück Kulturbetrieb, der sich – was selten genug vorkommt – etwas getraute, was viel zu selten vorkommt. Denn Ziel war freilich die Polarisierung und das Spiel mit den Gegensätzen. Ob das nun gelungen ist oder nicht, soll an dieser Stelle nicht weiter kümmern. Die Reaktion der Mitarbeiter allerdings, erinnert an solcherlei Ereignisse, wie das Beklagen dieses Toten aus dem März 1953. Beim Tode Mao Tse-Tungs war es übrigens nicht so viel anders – man ahnte zwar, dass Maos Linie, die im Wesentlichen aus Kulturrevolution und Selbstkasteiung bestand, ohnehin an ein Ende geraten wäre. Aber sinnvoll schien es in jedem Falle, die Trauer gut sichtbar zu vollziehen.
Die Inszenierung der Gefühlslage und die überdeutliche Zurschaustellung von Emotionen müssen als Affirmationsritual betrachtet werden. Man will den Leuten, die in der eigenen Gesellschaftsgruppe zu finden sind, ganz deutlich signalisieren: Seht her, uns geht es schlecht, man hat uns übel mitgespielt – und das geht nun wirklich nicht spurlos an uns vorüber. Wir leiden, wir sind bestürzt und fassungslos.
Vielleicht sorgten sich die Mitarbeiter jenes Theaters in Hamburg ja, dass andere Personen, die in der Kulturbranche arbeiten und die stark an der strikten Umsetzung der sogenannten »richtigen Haltung« orientiert sind, sie plötzlich als Abtrünnige sehen könnten, weil sie ohne Widerrede Menschen auf die Bühne ließen, die bei bestimmten Themen der Gesellschaft anders denken. Was, wenn »die Guten« im Lande plötzlich denken, dass diese Belegschaft in Hamburg wirklich zu allem bereit sei, selbst zum Dialog mit Andersdenkenden? Mit dem Todfeind? Muss man da nicht ein Zeichen setzen, dass man immer noch solidarisch mit den Ideen ist, die man sich als die einzig richtigen auserkoren hat? Wäre es da nicht ratsam, Emotionen zu zeigen, um klarzumachen, dass man immer noch Teil der Community ist, die in Deutschland nach wie vor die Deutungshoheit beansprucht und ihre Gegner zu Gefährdern verklärt? Tränen können an dieser Stelle helfen, diesem Kalkül eine menschliche Facette zu verleihen. Denn wer weint, wer leidet, der macht physisch glaubhaft, dass er im Innersten gebrochen ist.
Verletzlichkeit als Überlebensstrategie
Die plakativ präsentierte Verletzlichkeit darf man gleichermaßen als Solidaritätsbekundung wie als Statement begreifen. Solidarität zeigt sie an, indem sie darlegt, dass man den Kontakt zur eigentlich Peer-Group, die Gesellschaft über verletzte Gefühle und Safe Spaces definiert, eben nicht aufgegeben hat. Man sei überrumpelt und den Löwen zum Fraß vorgeworfen worden. Außerdem sei man Opfer einer feindlichen Übernahme geworden; der Feind sei in die erhabenen Hallen eingedrungen, unter Mitwirkung abtrünniger Helfershelfer im eigenen Hause. Die gesundheitliche Verfassung der Belegschaft habe man dabei gewissermaßen übergangen und kalkuliert gefährdet. Als Statement dient die Performance von Verletzlichkeit, weil sie nochmal unterstreicht, dass man weiterhin die »richtige Haltung« verinnerlicht habe – sie sei nur im Angesicht diktatorischer Entscheidungen nicht praktizierbar gewesen. Kurz und gut: Liebe Kulturschaffenden, wisset: wir sind weiterhin auf Linie!
Und auch, wenn natürlich nicht jede Emotionalisierung sofort performativ einzuordnen ist, weil der eine oder andere ja vielleicht wirkliche Gefühle zum Ausdruck bringt, so lässt sich die Konstante instrumentalisierter Emotionen im öffentlichen Streit um die Deutungshoheit wohl nur schwerlich leugnen. Seit jeher werden Gefühle auf einer primitiven Ebene als Instrument der Kontrolle des Gegenübers eingesetzt. Das Impression Management der Hamburger Angestellten des Thalia-Theaters sollte als Flucht nach vorne, als Bekenntnis zur Linientreue und Ausdruck politischer Zuverlässigkeit interpretiert werden. Aus Zwecken der Anschaulichkeit wird das nun hochgekocht – aber mit etwas gesunden Menschenverstand kann man wohl festhalten: niemand ist traumatisiert, weil er Menschen zuhören muss, die anders denken als man es selbst tut. Wer dies ernstlich zu Protokoll gibt, ist im eigentlichen Sinne ein Verdachtsfall für den Verfassungsschutz wie für andere Ermittlungsbehörden. Denn Andersdenkende auszublenden, das gelingt besonders gut in diktatorischen Systemen. Wollen die Zartbesaiteten also die Grundordnung aufheben? Und was, wenn man Andersdenkende so sehr ausschließen will, dass man ihnen nirgends mehr begegnen kann? Liegt da nicht sogar nahe, dass man zu jeder Gewalttat bereit wäre?
Den Trauergemeinden am Sarg der beiden oben genannten historischen Diktatoren und den Kulturschaffenden aus Hamburg mag ein entscheidender Faktor gemeinsam sein: In den jeweiligen Massen gibt man sich der exzessiven Zurschaustellung einer vermeintlichen Emotionalität nur hin, weil man sich vor dem sozialen Ausschluss fürchtet. Der Mensch will nicht von seiner Gruppe verstoßen werden – das ist Teil der conditio humana. Es ist also eine Überlebensstrategie, die sicherstellen soll, dass man einer etwaigen Verstoßung zuvorkommt, indem man sich richtig in Szene setzt und die richtige Seite wählt. Das ganze Konstrukt beruht auf Angst und Angstmache – einige wenige Ideologen, die offenbar an ihre Sache glauben oder es für sinnvoll erachten, einer Ideologie Glauben zu schenken, führen die Masse am Nasenring vor und nutzen die Schwächsten einer jeden Gesellschaft, um durch deren Bereitschaft zur performativen Emotionalität den öffentlichen Debattenraum zu tyrannisieren. Die Theaterleitung in Hamburg sollte sich auf gar keinen Fall einreden lassen, sie habe ihre Fürsorgepflicht verletzt. Arbeitgeber können Arbeitnehmern durchaus zumuten, sich auch mal die Ansichten und Meinungen von Menschen anzuhören, mit denen man privat vielleicht nicht verkehren will. Ein Arbeitsplatz ist am Ende auch keine Glaubenssache und kein Ort der Bekenntnis. Und niemand ist an einen Arbeitsplatz gekettet.
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Die tief betrübten Volksmassen gab es auch bei den Beerdigungen der beiden nordkoreanischen Regierungsschefs. Vielleicht war die Trauer ja auch echt. Die Leute dachten sicherlich, daß es mit den folgenden Führer noch schlimmer wird. – Ein Augenzeuge von Stalins Beerdigung schreibt übrigens, daß abseits der Kameras die Trauer schnell vorbei war. Die Miliz rauchte ihre Papirossy und die Leute stiegen in die Metro und fuhren nach Hause.
Theaterdarbietung als politische, wohlfeile Ware
Zur Darbietung in Hamburg lässt sich mit Schiller sagen: „Das war kein Heldenstück, Octavio!“ ( Wallensteins Tod, III,9 )
Auch in Hamburg gibt es nunmehr wieder ein Staatstheater, das seinem Name alle Ehre macht. Schließlich fließen Gelder vom Staat. Das verpflichtet. – Oder sollte ich besser von Gesinnungsterror-Theater à la DDR sprechen?
Ich nenne das Betroffenheitsindustrie.
Etwas Gutes hat es. Die „Kriegstüchtigkeit“ kann sich unser G….äh Pistorius abschminken.
Das lässt sich nicht erreichen in einer Gesellschaft die bei jeder nichtigen Gelegenheit heult (zb wenn irgendjemand eine „falsche“ Meinung äußert) und wo jeder einzelne sich für den Nabel der Welt hält.
@ Jasmina : War das nicht auch 1933 ff
so, dass sich viele Teutsche, vor allem
die Oberen, für den Nabel der Welt hielten ?
Die heiligen Hallen sind entweiht ! Martenstein, der Unhold, mit frechen Worten ! Alle Buhrufe haben nicht geholfen !
Was nun ? Es bleibt nur Heulen und Zetern ! Wird jemals wieder die reine Wokeness des Wokismus verkündet werden ?
Oder bleibt der Ort entweiht und es hilft nur die Abrissbirne ?
Fragen über Fragen !
Bietet der Psychologenverband wenigstens Notfallhilfe ? Wieviele mussten schon in die geschlossene eingeliefert werden ? Wer hat aus Verzweiflung seinem miserablen Dasein ein Ende gesetzt ?
Eine Staatskrise sondergleichen !
Und Banausen wie der IEA Chef beschäftigen sich stattdessen mit profanen Dingen und lassen ab: „Ich habe nicht den Eindruck, dass die politischen Entscheider die Tragweite des Problems verstanden haben“. Pfui, er hat die Wokeness nicht verstanden !
Es bleibt nur noch, in Sack und Asche, Woki, die Göttin des Wokismus mit vierundsechzig Geschlechtsteilen, fünfundzwanzig Stunden am Tag um Hilfe zu bitten !
Hinweis für Wesen geringer Intelligenz: Kunstfreiheit
Klasse!
👍
Hier nochmal die Rede für alle die diese nicht kennen.
Die Blicke des Publikums sprechen Bände. 😁
https://www.youtube.com/watch?v=uNHf8FQzWy4&list=WL&index=65
Wie immer gut getroffen, aber klammert Mensch mal beide deutsche Diktaturen – den NS-Staat ebenso wie die Ex-DDR – aus.
Haben wir in Deutschland nicht sowieso immer eine sehr spezielle, oft sogar demokratiefeindliche, Debattenkultur gehabt?
Es wäre mal interessant etwas über Deutschland in Vorkrisen/Krisen-Zeiten zu lesen – so seit 1866….
Bin mir fast sicher es kommt, auf das hinaus was Roberto über die mangelnde Toleranz Andersdenkenden gegenüber hier geschrieben hat – seit Corona….und davor schon….. 😉
Rosa Luxemburg hat ja nicht umsonst – vor bald nunmehr 100 Jahren den Satz geprägt:
„Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“….
Übrigens sogar im Antikriegs-Roman „Im Westen nichts Neues“ kommt jene spezielle deutsche Debattenkultur zum Vorschein, die Erich Maria Remarque sehr gut auf’s Korn nimmt…..satirisch wohlgemerkt….aus der Hautpdarsteller des Romans einen heimatlichen Stammtisch mit damaligen „Sofakriegern“ besucht….. 😉
Gruß
Bernie
Schon klar, die beiden deutschen Diktaturen, das faschistische Massenmörderregime und der realsozialistische Rumpfstaat, herrlich. Das schöne an der Agitprop ist ihre Überschaubarkeit.
Vorher war da son supi Kaiserreich und am Ende des Weltengemetzels eins da wollt man endlich mal Demokratie haben, eine die den Namen verdient. Das wurde dann in Blut ersäuft, war sowieso gerade so schön gewesen.
Der demokratische Gedanke war allerdings auch in der bürgerlichen Kapitalrepublik Weimar, auch genannt Weimarer Republik nicht so recht tot zu kriegen, also mußten die Faschisten, Kettenhunde des Kapitals, ran mit all den schönen Sachen und das Weltengemetzel zwei wurde absolviert.
Danach wollt man wieder Demokratie und man wandte wieder Bewährtes zur Abwehr an. Das war dann 1948. Und was die sog. BRD für ein Staat werden sollte war schon klar, mit einem Faschistenspezi als Kanzler und einem ersten Bundestag der mehrheitlich aus „ehemaligen“ NSDAP“ Mitgliedern bestand.
Aber zum Glück waren es ja nur „zwei“ Diktaturen. Es ist und bleibt herrlich. Wann genau war der Zeitpunkt als es mal eine Demokratie war?
Ich hänge mal noch etwas Empirie an:
„Westliche Demokratie“ ist hohl: Reichtum regiert
02. April 2018 Paul Schreyer
Gedanken zu einer wenig beachteten und explosiven Regierungsstudie, die auf den Widerspruch zwischen Demokratie und konzentriertem Reichtum hinweist
Manche Zusammenhänge sind so simpel und banal, dass sie leicht übersehen werden. Louis Brandeis, einer der einflussreichsten Juristen der USA und von 1916 bis 1939 Richter am Obersten Gerichtshof, formulierte es so: „Wir müssen uns entscheiden: Wir können eine Demokratie haben oder konzentrierten Reichtum in den Händen weniger – aber nicht beides.“
(…)
Regierungsstudie untersucht Einfluss von Armen und Reichen
Forscher vom Institut für Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück sind 2016 dieser Frage in einer aufwendigen empirischen Untersuchung nachgegangen. Ihre 60 Seiten lange Antwort lautet auf den Punkt gebracht: leider nein.
Das Besondere daran: Die Studie wurde nicht von der Linkspartei, Attac oder den Gewerkschaften in Auftrag gegeben, sondern von der Bundesregierung selbst. Arbeitsministerin Andrea Nahles hatte 2015 den Anstoß gegeben. Sie wünschte sich eine solide Faktengrundlage für den damals in Vorbereitung befindlichen 5. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, in dem auch der politische Einfluss der Vermögenden wissenschaftlich untersucht werden sollte.
Hinter dieser Aussage stehen Erfahrung und Beobachtung, aber auch eine innere Logik: Wenn in einer Gesellschaft die meiste Energie darauf verwandt wird, Geld und Besitztümer anzuhäufen, dann sollte es niemanden überraschen, dass die reichsten Menschen an der Spitze stehen. Was wir als führendes Prinzip akzeptieren, das beschert uns auch entsprechende Führer. Und wo sich Erfolg an der Menge des privaten Vermögens bemisst, da können die Erfolgreichen mit gutem Grund ihren politischen Einfluss für recht und billig halten.
Logisch erscheint es auch, wenn in einer solchen Gesellschaft die Regierung immer wieder gegen die Interessen der breiten Masse entscheidet. Vereinfacht gesagt: Wo reiche Menschen an der Spitze stehen, da herrscht nun mal nicht die Mehrheit. Private Bereicherung und Allgemeinwohl passen ungefähr so gut zusammen wie ein Krokodil in den Goldfischteich. An diesem Widerspruch ändert sich auch dann nichts, wenn die Goldfische und das Krokodil gemeinsam demokratisch eine Regierung wählen, die dann eindringlich an das Krokodil appelliert, doch bitte, im Interesse aller, seinen Appetit zu zügeln.
(…)
So wurde etwa bei einer Deutschlandtrend-Umfrage im Jahr 1999 danach gefragt, ob Vermögende stärker zum Abbau der öffentlichen Verschuldung herangezogen werden sollten. 70 Prozent der Armen stimmten dem Vorschlag zu, aber nur 46 Prozent der Reichen. Die Regierung orientierte sich an Letzteren. Im Jahr 2000 wurde gefragt, ob das Rentenniveau gesenkt werden sollte. Nur 43 Prozent der Armen stimmten zu, jedoch 64 Prozent der Reichen. Ergebnis: Das Rentenniveau wurde per Gesetz gesenkt.
2003, während der Diskussion um die Einführung der Hartz-Reformen, wurde gefragt, ob die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes gekürzt werden solle. Insgesamt gesehen war eine Mehrheit von 54 Prozent der Bevölkerung dafür. Betrachtete man aber die Einkommen getrennt, dann zeigte sich, dass zwar 69 Prozent der Reichen der Kürzung zustimmten, doch nur 44 Prozent der Armen. Gekürzt wurde trotzdem. Ein ähnliches Bild ergab sich bei der 2012 gestellten Frage, ob die Rente mit 67 rückgängig gemacht werden solle: 65 Prozent der Armen wollten das, aber bloß 33 Prozent der Reichen. Die Regierung folgte wieder dem Mehrheitswunsch der Wohlhabenden.
Wie die Studie zeigt, existieren die zweitgrößten Meinungsunterschiede zwischen Armen und Reichen in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Noch stärker sind die Differenzen bloß in der Außenpolitik. Als 2007 danach gefragt wurde, ob die Bundeswehr möglichst schnell aus Afghanistan abziehen solle, stimmten 75 Prozent der Armen zu, gegenüber 43 Prozent der Reichen. Die Regierung überging auch diesmal die Geringverdiener, der Militäreinsatz wurde zunächst sogar noch intensiviert.
Je mehr Arme dafür sind, desto eher ist die Regierung dagegen
Dass solche Beispiele, die man in der Studie nachlesen kann, keine Einzelfälle oder Ausnahmen sind, fanden die Forscher in akribischer Kleinarbeit heraus. Die Ergebnisse sind eindeutig. So heißt es in der Untersuchung:
Je höher das Einkommen, desto stärker stimmen politische Entscheidungen mit der Meinung der Befragten überein. (…) Was Bürger mit geringem Einkommen in besonders großer Zahl wollen, hatte in den Jahren von 1998 bis 2013 eine besonders niedrige Wahrscheinlichkeit, umgesetzt zu werden.
Mehr noch: Eine politische Regelung wurde nicht nur umso eher von der Regierung umgesetzt, je mehr Reiche sie unterstützten. Das hatte man ja fast schon erwartet. Nein, ein Vorschlag wurde von der Regierung auch umso eher abgelehnt, je mehr Arme dafür waren! Die Forscher sprechen hier von einem „negativen Zusammenhang“. Sie schreiben wörtlich, dass „die Wahrscheinlichkeit auf Umsetzung sogar sinkt, wenn mehr Menschen aus der untersten Einkommensgruppe eine bestimmte politische Entscheidung befürworten.“ Das bedeutet, dass die Regierung die Armen nicht einfach nur ignoriert, sondern praktisch aktiv gegen sie arbeitet.
Bei der Berücksichtigung der Ansichten der Mittelschicht sieht es laut der Studie ähnlich aus. Deren Forderungen werden von der Regierung annähernd im gleichen Maße ignoriert wie die der Armen. Das heißt konkret: Es ist für die Politik praktisch egal, wie viele Menschen aus der Mittelschicht eine bestimmte Veränderung wünschen. Es existiert jedenfalls so gut wie kein messbarer Zusammenhang zwischen der Zustimmungsrate für eine Forderung in der Mittelschicht und deren Umsetzung. Ein solcher Zusammenhang ist allein für die Wünsche der Einkommensstärksten nachweisbar, dort jedoch sehr deutlich.
https://web.archive.org/web/20230114151707/https://www.telepolis.de/features/Westliche-Demokratie-ist-hohl-Reichtum-regiert-4009334.html?seite=all
„…beide deutsche Diktaturen -…“ ist das zu fassen angesichts unserer Geschichte?
@Bernie
„Wie immer gut getroffen, aber klammert Mensch mal beide deutsche Diktaturen – den NS-Staat ebenso wie die Ex-DDR – aus.“
Die Deutschen brauchen immer einen starken FÜHRER der für Ruhe (Hauptsache Ruhe) und Ordnung sorgt und ihnen den Weg in den Untergang zeigt.
Selbstständiges Denken und Handeln liegt dem Deutschen fern, er will für immer Mitläufer sein und ansschließend immer von NICHTS etwas gewußt haben.
Gibt es genetisch veranlagte Unterwürfigkeit???
@Otto0815
Ist wohl leider so, da kann ich Ihnen nur beipflichten.
Übrigens, ich kann ja im deutschen Sprachraum auch etwas früher ansetzen die spezielle antidemokratische Debattenkultur gibt es seit Niederschlagung der „Deutschen Revolution“ anno 1848/49 – da setzte die reaktionäre bürgerlich konservative Gegenaufklärung ein – was das spätere deutsche Kaiserreich angeht, und was daraus alles spätere antidemokratische lernte – inkl. beider Diktaturen auf deutschem Gebiet.
Zusätzlich wuchsen neue Generationen heran, die nur eine sehr eingeschränkte Kenntnis von wirklicher Demokratie hatten… Deutschland eben 😓👎👎
Tja, Genetik würde ich nicht sagen eher antidemokratisches „Mem“ (Zitat der Evolutionsbiologie Richard Dawkins)
Gruß
Bernie
Es geht nur um öffentliche Selbstinszenierung als Leuchtturm der Moral und Rechtschaffenheit. „Opfer“ oder „Unterdrückte“ sind nur Mittel zum Zweck, völlig egal, benutzt als Trittbrett auf dem Woke in den rosa Sonnenuntergang der Moralischen Reinheit reitet. Ein endloser Werbefeldzug der Selbstbeweihräucherung.
„Wir sind gekommen die Welt zu verbessern.“ ist das „Persil wäscht weißer“ von heute. Nur daß das Waschmittel noch zu irgendwas gut war. Die Woke-innen kümmern sich nicht um die echte Welt oder echte Probleme und sie würden ihren Lieblingsopfern und -unterdrückten mit Garantie nicht bei einem Umzug helfen oder einer Autopanne. Höchstens, wenn sie sicher sind, daß ganz ganz viel Clicks und Likes ihre Show begleiten. Ohne Publikum existieren sie nicht.
@Vera Meißner
+++++
Gelernte Theatermacher machen Theater. So what?
Ein guter und etwas in die Tiefe gehender Artikel.
Hier nur zu einem Aspekt:
Diese komische neue Empfindsamkeit – teils offen inszeniert und skandalisiert, teils still „erduldet“ – ist für jeden etwas älteren Menschen wirklich eines der besonderen Merkmale unserer Gegenwarts-„Kultur“. Die Leute wollen zwar austeilen, nehmen den Mund viel zu voll, können aber nicht mehr einstecken.
Dabei war das doch früher mal ein regelrechtes Sprichwort: „Wer austeilt, muss auch einstecken können!“
Das Lustige ist, dass solche Menschen überhaupt nicht mehr selbst begreifen, in welch krassem Maße sie selber austeilen – etwa gegen die AfD.
Einstecken können viele aber nicht mehr, wollen es auch gar nicht mehr, denn zugleich inszeniert man sich ja selbst als moralische Heldenperson. Und moralische Übermenschen dürfen einfach gar nicht kritisiert werden. Wäre ja wider die woke Weltordnung! Das betrifft dann diese Leute vom politisch extrem ausgerichteten Thalia-Theater ebenso wie viele andere.
—
Das alles ist schon seltsam und verrät eine komische, nein eher unrealistische Wahrnehmung der Dinge und Selbsteinschätzung. Etwa das oben schon genannte Nichterkennen, wie sehr sie selbst austeilen. Wir haben es also mit einem extremen Empathiemangel zu tun, der schon in den klinischen Bereich weist.
Einerseits wird dies als Masche betrieben – auch Kinder wissen schon um die Wirksamkeit von ein paar Tränchen – andererseits sind verblüffend viele Leute heute anscheinend wirklich so zart besaitet – nein, besser gesagt: so schwach und labil(!) – dass das nicht bloß gespielt ist. Wie hätten sie in früheren Zeiten überlebt … ?? Wie konnten die Menschen früher nur überleben?
Funktionieren tut dieser Unsinn natürlich nur deshalb, weil es genug Naive bzw. genug Unterstützer gibt, die sich beeindruckt zeigen, wenn da irgendwelche Leute rumheulen.
Lasst sie heulen, wenn sie merken, dass das nicht zieht, dann hören sie auch wieder auf damit – so wie vierjährige Kinder.
Na, zum Glück ist der Herr Westentaschendiktator schon fünf, mit seinem Wunsch nach Zensur und Diktatur:
Wolfgang Wirth
04.01.2025 16:51 Uhr
Erster Gedanke:
Oh, da lässt De Lapuente einen DDR-Kommunisten zu Wort kommen. Muss das sein?
(…)
Und was sind für Domke-Schulz die entscheidenden Gründe?
Aha, dass man im Westen die Kommunisten verfolgt hat.
Oh, böse, ganz böse.
Na und, das war doch richtig und notwendig ! !
https://overton-magazin.de/dialog/die-brd-hat-die-ursachen-fuer-faschismus-und-krieg-nie-beseitigt/#comment-195028
Ihre Analyse übergeht eine Sache: dass die die Austeilen vor allem Instrumente sind. Instrumente der PR-Industrie.
Es ist heute alles PR. ALles ist mehr oder minder inszeniert. Nicht nur dort im Theater, sondern hier, in diesem allgemeinen Affentheater das uns als „souveräner Staat“, als „Demokratie“, als „freie WIrtschaft“ verkauft wird.
Alles Verarsche. Heute ALLES!
There ist no business like PR-Business.
@ratzefatz
Hmm?
Muss ich drüber nachdenken.
Sie würden dann also z.B. selbst das wehleidige Herbeiwünschen von sog. sicheren Räumen („safe spaces“) an Universitäten oder die Forderung nach sog. „Trigger-Warnungen“ als letztlich propagandistisch motivierte Masche betrachten?
Ja, das mag sehr oft so sein: propagandistische Inszenierung.
Aber immer?
Immer m.E. nicht, denn ich glaube wirklich, dass es heute mehr schwache, labile und wehleidige Menschen gibt als – sagen wir mal – vor 40 oder 50 Jahren. Und erst recht mehr als etwa vor 70 Jahren.
Hinzu kommt, dass gerade die Wehleidigen am meisten davon überzeugt(!!) sind, selbst zu den moralischen Helden zu gehören, die über Kritik erhaben sind.
Apropos historische Diktatoren. Zum Glück gibet es noch echte Trauer, so für besonders verdiente Kapitalschergen:
MARGARET THATCHER’S CEREMONIAL FUNERAL
https://www.youtube.com/watch?v=c2AmgZSIFY4
Wer wollte hier noch eine Diktatur erkennen.
Der Autor dieses Artikels kann wieder mal keinen Hehl aus seinem Kommunistenhass machen. Bei allen Fehlern und Verbrechen sowie dem Personenkult von Stalin hat die Kommunistische Partei der Sowjetunion unter seiner Führung die SU erfolgreich gegen das faschistische Hitler-Deutschland verteidigt. Ob man die SU als Siegermacht bezeichnen kann bei 17 Millionen Toten? Ohne diesen Erfolg wäre Russland heute sicherlich eine deutsche Sklavenkolonie. Und nein, die US-Amerikaner, die vorher mitgeholfen haben, Hitler aufzubauen, sind erst in den 2. Weltkrieg eingeschritten, weil die Hitler-Armee schon am Bodem lag und Deutschland sonst komplett von der Roten Armee überrannt worden wäre. Auch Mao hat durch die Kulturrevolution versucht, China vor der Wiedereinführung des Kapitalismus zu bewahren. Wenn die Wachstumsraten in China ausbleiben und auch dort die Wirtschaft stagniert, werden sie die selben Probleme bekommen wie im kapitalistischen Westen.
Alter Schwede …
Gut das solche noch zu lesen sind 2026, wenigstens ein kleiner Lichtblick heute hier und da … :-p
Das ist das schöne an diesem Forum, es bringt immer wieder verborgene Talente in Sachen Satire hervor. Du hast wirklich Talent, Dieter Nuhr würde vor Neid erblassen. Eine Gedenktafel auf dem Roten Platz ist dir so gut wie sicher.
Müller-Lüdenscheidt und Dr. Klöbner …
Bist schon ein wenig abgehoben o))))
Da spreche ich schon mal ein Lob aus, schon gilt man als abgehoben. Der alte Schwede ist mir bestimmt zutiefst dankbar…
An was Sie bei diesem Artikel Kommunistenhass festmachen bleibt wohl Ihr unergründliches Geheimnis.
Immerhin schreiben Sie den Sieg über die Naziarmee wenigstens der Kommunistischen Partei zu und nicht ausschließlich deren damaligem Chef. Der Hauptgrund für den Sieg über Hitlerdeutschland dürfte allerdings in dem absoluten Vernichtungswillen der der Nazis gegenüber den sowjetischen Völkern begründet liegen. Im Übrigen schätzen die meisten Historiker den Blutzoll der Sowjetunion auf annähernd 27 Millionen Tote.
Geflissentlich verschweigen Sie, dass unter der Säuberungswelle Stalins die Rote Armee enthauptet und marginalisiert wurde, was den schnellen Vormarsch der Wehrmacht erst ermöglicht hatte und womöglich einer der Hautgründe für den Nichtangriffspakt zwischen Hitler und Stalin war, neben der Verweigerung der Unterstützung der späteren Alliierten.
Ob man unter diesen Umständen Stalin der Sieg der Roten Armee zuschreiben sollte lasse ich mal dahingestellt. Der Schaden den dieser Diktator angerichtet hat, war meines Erachtens größer als der mögliche Nutzen. Da halte ich es lieber mit einem, der die sozialistische Idee glaubwürdiger vertrat, Betrolt Brecht:
Fragen eines lesenden Arbeiters
Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
Und das mehrmals zerstörte Babylon –
Wer baute es so viele Male auf? In welchen Häusern
Des goldstrahlenden Lima wohnten die Bauleute?
Wohin gingen an dem Abend, wo die Chinesische Mauer fertig war
Die Maurer? Das große Rom
Ist voll von Triumphbögen. Wer errichtete sie? Über wen
Triumphierten die Cäsaren? Hatte das vielbesungene Byzanz
Nur Paläste für seine Bewohner? Selbst in dem sagenhaften Atlantis
Brüllten in der Nacht, wo das Meer es verschlang
Die Ersaufenden nach ihren Sklaven.
Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte
Untergegangen war. Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg. Wer
Siegte außer ihm?
Jede Seite ein Sieg.
Wer kochte den Siegesschmaus?
Alle zehn Jahre ein großer Mann.
Wer bezahlte die Spesen?
So viele Berichte.
So viele Fragen.
Was hier in Hamburg oder jeder größeren Stadt abgeht, das ist die psychopathologische Ausprägung eine infantil- narzisstischen Gesellschaft. Ein Narzissmus, der nur destruktiv sein kann. Und einen imaginierten Feind braucht.
Martenstein hat mit seinem Redebeitrag klar gemacht, wo hierzulande die Feinde der Demokratie stehen.
Wenn diese dann ihnen unliebsame Meinungsäußerungen in öffentlichen Räumen nicht verbieten können, dann fangen sie an zu heulen und führen sich als bemitleidenswerte Opfer auf.
Zu bemitleiden sind sie freilich, weil sie so wenig geistig erwachsen sind, dass sie nicht mal die Äußerung einer anderen Meinung vertragen.
Wie heißt es so schön in der heiligen Schrift?
„Selig sind die geistig Armen“.
Wahrscheinlich fühlen sie sich ganz wohl in ihrer gefühlsseligen „Trauer“ und ihrem „Trauma“, das sie davon erhalten haben, dass jemand eine ihnen nicht genehme Meinung geäußert hat.
Echte Trauma-Opfer, wie z.B. traumatisierte Bombenopfer, sollten diesen Menschen mit Pipi Langstrumpf Identität mal beibringen, was sie da für eine lächerliche egozentrische Bauchnabelschau verantstalten.
„Stalins Personenkult griff freilich in jeden Lebensbereich hinein, aber die Sowjetbürger waren ja nicht dumm, sie wussten, dass ihr Führer ein Diktator war, dass es in seinem Reich brutal zuging und man schnell von der Oberfläche gewischt werden konnte. “
Der Stalin der da sagt “ Wer Gefangene tötet, muss vor einem Kriegsgericht sich verantworten? “
Stalin ist ein schlechtes Beispiel in diesem Kontext, Verantwortung über Millionen von Menschen zu tragen und dann auch noch unter solchen Umständen, davon sind Schauspieler 2026 weit entfernt, und Ihr Wissensstand heute, ist ein ganz anderer ..
Viele Menschen damals hatten noch nicht einmal elektrisches Licht in Ihren Buden.. o)
Man muss Stalin nicht mögen, aber solche Vergleiche hinken..
Und ein Theater auf „Arbeitsplatz“ zu reduzieren, auch ein wenig schräg.
Wer, wenn nicht ein Theater sollte eigene weltanschauliche Ansichten in eine Öffentlichkeit bringen dürfen?
Sie müssen es sogar, denn das ist die Aufgabe von Kunst zu provozieren, zu hinterfragen, mit Emotionen von Menschen zu spielen, Sie damit zum Nachdenken anzuregen ..
Mir gefällt es auch nicht, wenn man einseitige Sichtweisen projiziert, gerade im Kontext AfD. Aber meine Sichtweise auf eine Sache kann nicht alleiniger Maßstab sein, zumindest wenn man objektiv sein möchte.
Der letzte Satz ist der einzig brauchbare in deiner stalinistischen Propaganda, er adelt dich geradezu. Man sollte dich zukünftig mit Durchlaucht anreden, der große Vaterländische Verdienstorden gebührt dir ohnehin.
„in deiner stalinistischen Propaganda“
Der Unterschied zwischen Uns beiden, ich habe damals auch zu meinen persönlichen Ansichten gestanden, und ehrlich, „einige“ haben damals fast das gleiche zu mir gesagt wie Du hier, und eben nicht nur gesagt.
Sie konnten das, Sie verfügten über reale Macht, Du zum Glück aber nicht o(
„Historischer Kontext“ …. Warum sind so viele Menschen heute damit geistig überfordert?
👍. Vielleicht ergänzend: „Aber meine Sichtweise auf eine Sache kann nicht alleiniger Maßstab sein, zumindest wenn man – annähernd – objektiv sein möchte.“
Ach auch ein Dialektiker .. Gut zu sehen o))
OT
Vermutlich im Zusammenhang mit der Energiekrise tauchen alte Fragen wieder auf. Ob das so stimmt???
„Schadet Lesen bei Schummerlicht wirklich den Augen?
„Wer bei schlechtem Licht liest, riskiert keine langfristigen Augenschäden. „Dadurch entstehen weder Augenerkrankungen noch verschlechtern sich die Sehwerte“, sagt Seleman Bedar, ärztlicher Leiter des OSG Augenzentrums Siegburg. “
Quelle: ntv
Ich weiß nicht, ob ich die Analogie zur (massen)hysterischen Staatstrauer genau so sehe. Diese als Akt performativer Unterwerfung zu deuten, greift m. E. zu kurz. Auf jeden Fall ist anzunehmen, dass es dem Spiel gleicht, das angesichts des leibhaftigen „Führers“ in Berlin oder Wien gespielt wurde. Zur Trauer ob seines Todes dann nicht mehr. Man hatte zuviel sonst zu betrauern.
Die bedauernswert Ieidenden Hamburger Kulturschaffenden kenne ich nicht und vermag daher den Grad ihres Leidens nicht zu beurteilen. Aber es steht zu vermuten, dass der Part Martensteins im „Stück“ ursächlich war. Sein „Auftritt“ wurde öffentlich wahrgenommen. Vermutlich mehr als die Inszenierung selbst. Agitprop aber funktioniert wie Kasperltheater. Selbstverständlich darf der Teufel oder das Krokodil seinen Auftritt haben. Aber ebenso klar ist, dass er unter dem Jubel der zuschauenden Kinder Prügel zu beziehen hat und jeder weiß dann, dass der böse ist und die Strafe wohlverdient ist. Das aber ist außerhalb dieses Theaters – drinnen werden wohl nur die Verständigen und richtig Guten einen Platz gefunden haben – offenkundig nicht gelungen. Bestimmt gab es auch Versuche, sich argumentativ mit Martenstein auseinanderzusetzen. Gefunden habe ich leider keinen. Aber eben die Forderung, dass man ihn als Teufel zu benennen habe.
Da wir ja von Theaterleuten sprechen, kalauer ich noch mal mit einem Klassiker: “ Kinder sind es und kindisch ist ihr tun.“
Bei uns stand früher im „grossen Zimmer“ ein Schrank, dick mit irgendeinem beigen Lack gestrichen, in dem der Vater, neben einer alten Foto-Ausrüstung, seine „guten Kleider“ hatte. Darunter waren ein paar Sakkos, Hosen, Sonntags-Hüte und einigen Mäntel aus schwerer Wolle, einer mit einem Fischgrat-Muster. Wenn ich als Kind diesen Schrank öffnete, war das der gleiche Geruch, der mir immer wieder beim Lesen der (sonntäglichen) Artikel von R.d.L in der Nase zu schweben scheint.
Komisch..
Es ist ja nicht nur, wenn der Führer stirbt. Regimes, in denen keine Wahlen stattfinden, müssen mit Massenveranstaltungen demonstrieren, dass sie nennenswerte Teile der Bevölkerung hinter sich haben. Dem Dritten Reich ist das stets gelungen. Aber, wie Roberto richtig feststellt, spielte da die Angst eine maßgebliche Rolle. In einem Staat, in dem man einfach abgeholt werden konnte, um dann in ein „Lager“ gepfercht zu werden, ist diese permanent gegeben. Ich bin in der Nähe des ersten KZs, dem Lager Heuberg, aufgewachsen. Die Alten hatten immer noch eine Riesenangst vor dem „Heuberg“
https://de.wikipedia.org/wiki/Lager_Heuberg#Konzentrationslager_Heuberg_(1933)
Richtigerweise kann man annehmen, dass die Teilnehmer an diesen Massenkundgebungen mindestens zum Teil von Angst getrieben waren. Deshalb ist es immer wichtig, diese Ereignisse zu beobachten. Der Iran beispielsweise bekommt die Demonstranten nicht mehr auf die Straße. Letzter Anlass war die Ermordung General Soleimanis im Jahr 2020. Aber danach nicht mehr, obwohl das Regime diese nach dem 7. Oktober 2023 dringend gebraucht hätte.
Was ist in Kuba? Etwas besser als im Iran. Aber jetzt, wo Trump den Generalangriff plant, müsste mehr kommen. Man kann schon resümieren, dass eine wirklich starke Bewegung innerhalb Kubas, die für den Erhalt des Sozialismus kämpfen will, nicht mehr vorhanden ist. Sage ich ungern.
Das in Hamburg ist etwas anderes. Was sehen wir da? Wenn ihr mich fragt eine gefestigte Jammerkultur der LGBT-Gemeinde. Jammern über angeblich fehlende Rechte und fiese Mitmenschen, die nicht die richtigen Pronomen verwenden. Das ist quasi Selbstzweck. Die Schwarzer ist nun diejenige, die an dieser Stelle das Mitjammern verweigert. Warum nur sie?
Die Prediger der Vielfalt, von Vielfalt traumatisiert – das muß diese Ironie sein, von der immer alle reden.