System- und Medienkritik

Der Systemfeind Jim Baker meldet sich aus seinem Exil und berichtete über jene, die Watte produzieren.

 „Dann bist Du ja ein Systemfeind“, sagte einer meiner besten Freunde, als ich ihm in der Hochphase der Pandemie meinen Standpunkt erläuterte.

Mit etwas Abstand möchte ich ironisch bemerken: Ich dachte, ich hätte ein paar gute Argumente auf meiner Seite, aber dass sie so gut waren, dass ich direkt zum Feind deklariert wurde, damit hätte ich nicht gerechnet. Von einer persönlichen Feindschaft immerhin konnte mein Freund absehen – aber seine Wortwahl war bezeichnend für die gesellschaftliche Stimmung in diesen Zeiten: „Wir befinden uns in einem Krieg, in dem Fall gegen einen Virus, und wer nicht mit uns ist, ist gegen uns.“ Eigentlich ja ganz einfach.

Meine Erfahrungen als Medienschaffender passten ins Bild: In den mir bekannten journalistischen Werkstätten man hat man gar nicht mehr miteinander gesprochen. Zum einen begegnete man sich kaum noch in der wirklichen Welt, sondern nur noch im digitalen Raum. Zum anderen gab es so etwas wie eine Schweigeübereinkunft bzw. ein Zweifelverbot. Die Kritiker, die es gab, wurden in Misskredit gebracht oder haben selber schnell gemerkt, dass mit ihrer Position kein Blumentopf zu gewinnen ist. Medienanstalten waren mit Corona vollends zu Wahrheitsmaschinen geschrumpft, die vor allem Watte produzieren.

Nachrichten sind ein Geschäft, in dem der eine nicht selten einfach nur vom anderen abschreibt – ungeprüft. Wenn Sie sich jetzt noch die Redaktionsstube als Mikrokosmos mit Geschacher um Posten und Pöstchen vorstellen, in der der vorauseilende Gehorsam fast schon Einstellungsbedingung ist, dann wissen Sie, dass Sie die Wahrheit getrost in der Pfeife rauchen können.

Immerhin gibt es inzwischen eine beachtliche alternative Szene – natürlich ist auch da Vorsicht geboten, auch hier müssen sie alles doppelt und dreifach prüfen und immer wieder mit ihrer Alltagswirklichkeit vergleichen. Aber: die Vielfalt bleibt gewahrt. Und irgendwo da draußen im Dschungel der Meinungen, Einschätzungen und Prognosen, lässt sie sich immer noch finden – die Wahrheit

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13 Kommentare

  1. Ich hab den Podcast nicht gehört – nichts gegen Jim Baker, Videos und Podcasts lasse ich fast grundsätzlich links liegen – aber dies könnte trotzdem passen:
    https://www.nzz.ch/wissenschaft/je-freier-frauen-bei-der-partnerwahl-werden-desto-mehr-maenner-bleiben-allein-ist-daran-unsere-biologie-schuld-ld.1723071?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

    Der letzte Schrei des „Feminismus“: Es sei ein Naturgesetz, daß Weiber sich für ihren Nachwuchs an männlich-„sozialen Status“ verhuren.

    Andersherum gebe ich zu Protokoll:‘
    Jawohl, daß die Patriarchate der vergangenen 4 bis 6 Tausend Jahre sukzessive und systematisch die „Damenwahl“ teils umgelenkt, teils ausgehebelt haben, ist ein Kapitalschaden eurer Gattung. Eine Exfreundin von mir meinte gar der Kapitalschaden, und in den 15 Jahren, die darüber vergangen sind, neige ich mehr und mehr dazu, ihr Urteil für tauglicher zu halten, als mein „Geschwurbel“ zu dem Thema.

    Allerdings habe ich hinzu zu fügen: So richtig katastrophisch wurde es erst mit der Monopolisierung der Promiskuität abseits generativer Begattung zugunsten der Hurenböcke.
    Und nein, nicht „sozialer Status“ bevorzugt tribale Kerle unter Damenwahl, sondern Schönheit, und deren primäres Kennzeichen war einmal Geist. Nein, nicht „Intelligenz“. Die ansehnlichsten und bewundertsten Jäger bestechen durch ihren Geist, der Leib folgt demselben – so gut es halt von Fall zu Fall geht. So sind die „Affen“ einst zu ihrem Hirn gekommen, das ihr systematisch ‚runterwirtschaftet – wirtschaftet, ja, buchstäblich.

    (Schlaf flieht mich erneut.)

    1. Echt jetzt, Mansplaining?

      Dieses Wort bezeichnet die meist herablassenden, besserwisserischen Erklärungen eines Mannes, der fälschlicherweise davon ausgeht, mehr über einen Sachverhalt zu wissen als sein meist weibliches Gegenüber.

      Deine Beträge sind „Incels“ Schreie nach Liebe und Anerkennung!

      Oder Opa Hardrock stimmt sich mit der Luftgitarre emotional auf den letzten Schwanengesang ein

      Schlaf flieht mich erneut 🦄

      1. Zu „Deine Beträge sind „Incels“ Schreie nach Liebe und Anerkennung!“:

        Ich kann im Beitrag von TomGard nichts finden, was auf „Incel“ schließen ließe.
        Er mag manches sein, z. B. manchmal sehr verletzend, aber Misogynie kann ich in dem, was er schreibt, nicht erkennen.

        Stattdessen denke ich, seine obige Grundaussage könnte zutreffen: Vielleicht hätte sich unsere Spezies im Jahrtausendverlauf erfreulicher entwickelt, wenn andere Männchen-Typen die meisten Nachkommen gehabt hätten anstelle der materiell Privilegierten.

        1. “ … wenn andere Männchen-Typen die meisten Nachkommen gehabt hätten …“

          Dieser Auslegung wollte ich entschieden widersprechen, obgleich ich sie mutwillig berufen habe. Just das ist das „Problem“ aller meiner Texte, sie sind bis auf Schlüssel- oder Zentralpassagen („basics“) auf Widerspruch und einen „Diskurs“ gezogen, den es schon lange nicht mehr in der Gestalt gibt, in der er in meinem Hirn figuriert. Und deshalb funzen auch die „basics“ nicht länger.
          Du kennst die Einleitung zu meinem Begriff von Gender:

          „Es dürfte einleuchten, daß der soziale Geschlechtsdimorphismus in allen denkbaren Gesellschaften ein Bündel kultureller Dimensionen hat, von denen stets einige nah, andere fern des physiologischen Dimorphismus stehen. „Gender“ ist folglich eine populationsspezifische Feldstruktur über diese Dimensionen, in welche sich die Individuen einerseits einzuordnen haben, die sie andererseits sowohl einzeln für sich wie kooperativ füreinander erfinden.“

          Die stammt aus dem Jahr 2008, und ich dachte seinerzeit, in dem „Polyamore“-Forum, in dem ich sie gepostet habe, wären genügend Voraussetzungen da, sie aufzugreifen.
          Sie wurde aber nie aufgegriffen, jedenfalls nicht verbal, die Debatte brach mit einem Hin und Her zu Verständnisfragen ab. Immerhin wurde nicht einfach zurück gewiesen, lächerlich gemacht oder sonstwas in der Preisklasse.
          Aber zum Thema.
          Um „Nachkommen“, und folglich eine biologistische Deutung, ging es mir just so, daß ich ihr im Begriff des „Schönen“ und eines „Geistigen“, im Unterschied und Gegensatz zu „Intellekt“, einen Riegel vorschieben wollte. Die Gegenthese dazu wäre: Die generative Reproduktion menschlicher Populationen ist ein kristallin reiner Kulturprozess, der selbstredend beide Geschlechter einbegreift, und ebenso fast selbstredend, „Männer“ und „Weiber“ in zwei unterschiedlichen, auch gegensätzlichen, aber komplementär aufeinander bezogenen Separatkulturen, weil die generative Arbeitsteilung die bleibende Grundlage aller Arbeitsteilungen ist.
          Es gibt also „Männchen-Typen“ und „Weibchen-Typen“, ja, aber es sind Modelle in dem, was ich „Feldstruktur“ genannt habe, weil es etwas ist, das Dynamik aufnimmt, die von jedem „Individuum“ im Feld (das ist in diesem Fall eine Paarung!!) einen Ausgang nehmen kann. Könnte.
          Wenn nicht Herrschafts- und Eigentumsformen PLUS Veränderung derselben die Paarungen in (gewalt-igen) Blöcken zusammenfassten und präformierten.
          (Die „Hippies“ haben seinerzeit mit bedingtem und rasch zunichte werdenden Erfolg gesucht, solche Blöcke aufzulösen. Das war ein genuin revolutionäres Moment, welches das Bürgertum in seine Dynamik der Erschließung von Kapitalressourcen eingemeindet hat.)

          1. Zu „Dieser Auslegung wollte ich entschieden widersprechen (…)“:

            Tut mir leid, dann habe ich Ihre Aussage wohl missverstanden.
            Was ich durch Ihren Beitrag und den von Ihnen dazu verlinkten Artikel glaube, endlich begriffen zu haben, kann ich auch noch gar nicht klar in Worte fassen.
            Ich denke nicht, dass es so gegensätzlich zu dem ist, was Sie schreiben, jedenfalls wüsste ich nicht, an welchem Punkt ich widersprechen wollte.
            Aber ich habe einen anderen Blickwinkel und eine andere Herangehensweise, weil ich ein anderer Mensch mit einem ganz anderen Erfahrungshintergrund bin.

        2. Deshalb schickt mir „Ball and Chain“ bis heut Schauer über den Rücken.
          Der hoch sexualisierte TomGard hat sich mit 12 Jahren in die Schulsprecherin verknallt, indem er anhand einiger Texte, die sie geschrieben hatte, ein grauslich idealisiertes Sehnsuchtsbild von ihr entworfen hat.
          Dann mußte TomGard auf rüde Weise erfahren, das Kind unterschied sich bei weitem nicht in dem Umfang von seiner Mutter, wie er das gesponnen hatte.
          Janis Joplin beruft die Erschütterung und Verzweiflung darüber, die der kleine TomGard allerdings augenblicklich, binnen Sekunden, „abgewickelt“ hat. Er wollte doch schließlich sich, und jemandem, der nicht länger Heide hieß, auch nicht länger eine Heide sein konnte, aber dann halt jemand und etwas anderes, „die Welt“ zu eigen machen.

          Ein wesentlicher Unterschied zwischen mir und einer Mehrheit meiner Zeitgenossen besteht offenbar darin, daß solche „Abwicklung“ bei mir nie vernichtend ist. Ich hebe sie auf – von Jahrzehnt zu Jahrzehnt stets von Neuem, bis sie in dem, worin sie aufgenommen ist, so gut wie restlos aufgegangen ist.
          Auf diese Weise habe ich Janis Auftrag angenommen und erfüllt. So gut ich vermag.
          https://www.youtube.com/watch?v=X1zFnyEe3nE

    2. @TomGard
      Vielen Dank für diesen Beitrag.
      Zunächst war ich im „Hä?“-Modus, aber jetzt beginne ich nachträglich, was zu kapieren über „Privateigentum – Patriarchat – marxistischer Feminismus“ und warum den jungen Leuten, mit denen ich am „Welttag Gewalt gegen Frauen“ fröhlich für die Abschaffung des Kapitalismus demonstriert habe, dieser Zusammenhang so wichtig ist.

  2. „Redaktionsstube als Mikrokosmos mit Geschacher um Posten und Pöstchen“, „vorauseilende Gehorsam fast schon Einstellungsbedingung“

    Vor 15/20 Jahren überraschten ehrliche Journalisten noch mit der Aussage, dass wenn sie den Politikern/Regierungen zu kritisch kommen, sie von den nächsten „vertraulichen“ Informationen einfach ausgeschlossen werden. Was sich besonders jene Journalisten nicht leisten wollten, bei denen die Karriere bis dahin wunderbar funktionierte. Das war ernüchternd und passte verheerend gut zu anderen gesellschaftlichen „freien“ Kräften im Kapitalismus.

    Der traditionelle Journalismus in Redaktionen ist zu einem äußerst prekären Beruf geworden, der kaum noch eine Basis für Vertrauen von Seiten aufmerksamer Nachrichtenkonsumenten bietet. Das Gesteche und Gehaue gegen ausbrechende Kollegen aus dem System, die sich als Einzelkämpfer oder Kleingruppen im Internet versuchen, wird daher immer mehr zunehmen.

    Bisherige Höhepunkte wie die Kampagnen gegen Ken Jebsen oder aktuell die Nachdenkseiten, die von einer Grünen-nahen Stiftung bekämpft werden, die ihrerseits große Beträgen von der Regierung erhält, oder auch die diversen „Faktenchecker“ die im Grunde aber Meinungspolizisten sind und von staatlicher Seite und von sehr reichen Menschen und deren Meinungsbildungs-Organisationen bezahlt werden, sind die neue Wahrheitkampfschauplätze, wo die Mächtigen, deren Gatekeeper-Funktionäre durch die an Bedeutung verlierenden etablierten Redaktionen schwächeln, neue Hebel suchen (und bereits finden), um die Deutungshoheit nicht zu verlieren.

    Die Regierung hat schon vor Längerem mit dem Netzwerkdurchsetzunggesetz sichergestellt, dass jeder größere Versuch, neue, die Deutungshoheit gefährdende Geschäftsmodelle schnell niedergekämpft werden können. Die Nachdenkseiten sind aktuell dabei, ihren Status als gemeinnütziger Verein zu verlieren, wie es auch schon Attac geschah.

  3. Es ist bedauerlich öde, wenn ich oben sage, „eh, Leute, ich spinne grad ein bißchen, aber mir erscheint, was ich spinne, von Belang für mich und für euch“, und dann kommen Detlef et al angelaufen und sagen, „Weißt du was, du spinnst ganz schön!“
    Was ist das Gesponnene.
    Ich habe oben eine Antithese hervor gehoben, grob gesagt stellt sie „Status“ gegen „Schönheit“, und damit eine Trasse für jeden Leser aufgemacht, angelaufen zu kommen und zu sagen: „Hehehe, Höhöhö, und ‚Schönheit‘, was immer du dir dazu zusammen spinnst, soll nix mit ‚Status‘ zu tun haben?!“
    Tschä, genau, touché, aber mit dieser Antithese zur Antithese ist, rein intellektuell – im Unterschied und Gegensatz zu „geistig“ – eine Basis gelegt, von ihr zurück zu treten, das eine linker Hand, das andere rechter Hand, und zu befinden, die Entgegensetzung ist blödsinnig weil UND GENAU weil die beiden Sachen im Verhältnis von Oberbegriff und Unterbegriff stehen. „Status“ kann nix anneres „sein“, als wie formeller Oberbegriff für eine Fülle von Bestimmungen, für die „Status“ zum Ordnungsbegriff genommen wird, obgleich jede einzelne dieser Bestimmungen voraussetzungsgemäß individuell ist.
    Wo also soll diese „Ordnung“ herkommen?
    Die „offiziellen Antworten“ kennt ihr, sie laufen allesamt darauf hinaus, solche Art „Ordnung“ als „kosmische“, „Natur“- , quasi- oder konkre monotheistische Konstante in die Individuen zu legen, was rein gar nichts erklärt, was eine reinrassig tautoloische Tanzfigur ist.
    Der intellektuelle Ausweg daraus: Differenz und Identität von „Status“ und „Individualität“ muß geklärt werden. Ja, Leute, ihr lest richtig: Das Festhalten eines Oberbegriffes von „Individualität“ gegen den Oberbegriff „Status“, ist die geistige ERKRANKUNG, die ich hier angesprochen habe.
    Ich hätte Material für 2 Bücher zu dem Thema, die niemand lesen wollte, denn ich spinne ja, gelle?
    Und hätte ich sie trotzdem geschrieben und veröffentlicht, wäre ich ebenso tatsächlich auf die eine Individualität des Spinners geistig fest gelegt, indem das eine „Ecke“ im intellektuellen Geschäft darstellte, die ich auszufüllen und zu verteidigen gehabt hätte. Oder den Status eines „Losers“ in diesem Geschäft einnehmen. Oder den eines stoischen Philosophen. Ich war und bleibe lieber alles zusammen und nix davon. Ein Spinner eben.

    1. @TomGard
      Nur falls Sie’s nicht gesehen haben:
      „xyz“ lässt Ihnen unterm Artikel „Britische Regierung…“ Grüße ausrichten und bedauert, Ihnen aus momentanen Zeitgründen Antworten schuldig bleiben zu müssen.

      Hier gibt es nicht nur „Detlev et al“.

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