»Ist eine Bahncard 100 heute noch ein Grund zur Freude?«

Überwuchertes Gleis
Velvet, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Bahn kommt – nicht. Sie streikt. Wenn der Streik beendet ist, kommt die Bahn unter Umständen – auch nicht. Was ist eigentlich los mit der Deutschen Bahn?

Einer der es weiß: Arno Luik. Sein Buch »Schaden in der Oberleitung« rechnet gnadenlos mit dem maroden Staatsunternehmen ab

Roberto De Lapuente hat sich mit dem Bahnkritiker Arno Luik unterhalten.

 

De Lapuente: Haben Sie mal zusammengezählt, wieviel Zeit sie letzten Monat wartend auf dem Bahnsteig verbracht haben, Herr Luik?

Luik: Nicht allzu viele. Bei mir hat das rücksichtslos-konsequente Umerziehungsprogramm der Bahn wider Willen funktioniert. Das Umerziehungsprogramm: Notorische Unzuverlässigkeit, Zugausfälle, Vollsperrungen, verschmutzte, ungepflegte Bahnsteige. Unlängst wollte ich von Hamburg nach Köln – fast jeder zweite Zug fiel aus. Die Sonne schien, kein Schnee weit und breit, doch weit und breit kein Zug. Den Termin in Köln habe ich abgesagt.

De Lapuente: Wenn sich heute ein neues Umweltbewusstsein ausprägen würde, das dazu führt, dass nur zehn Prozent der Autofahrer auf das Auto verzichten würden, dann bräche der Betrieb wohl endgültig zusammen. Für wann prognostizieren Sie denn endgültigen Niedergang der Bahn?

Luik: Der Kipppunkt ist erreicht. Die Bahn ist heute in einem irreparablen Zustand. Ein Disponent der Bahn, also ein Mitarbeiter, der dafür sorgt, dass die Züge ordentlich fahren, sagte mir unlängst: »Über das Gleisnetz schaffen wir noch zwei Drittel der Züge, beim Rest müssen wir gucken, wo wir den reinkriegen.« Im Klartext: strukturelle Verspätung ist zwangsläufig. Fahrpläne Makulatur.

»Bei Geschwindigkeiten über 230 ist der Energieverbrauch immens«

De Lapuente: Dafür ist sie umweltfreundlich …

Luik: Das ist ein liebevoll gepflegter Mythos. Zufahren wird da suggeriert, rettet den Eisbären auf seiner schmelzenden Eisscholle. Schön wär’s. Doch grüne Streifen auf den ICEs machen keinen ökofreundlichen Zug. Bei Geschwindigkeiten über 230 ist der Energieverbrauch immens. Klima ade. Außerdem fahren, weltweit einmalig, diese Züge auf Betonplatten. Klima ade. Denn: Beton ist einer der größten Umweltverschmutzer. Und noch etwas: Fast alle Rennstrecken führen durch ewig lange Tunnel. Das kostet sehr viel Energie. Beim Bau von einem Kilometer Eisenbahntunnel wird so viel CO2 freigesetzt, wie 26.000 Autos, die im Schnitt (was der Bundesbürger tut) 13.000 Kilometer fahren, in die Luft schleudern. Und noch etwas: Diese Bahn ist ein Dieseljunkie: Fast 2 500 Triebwagen und Lokomotiven mit Dieselmotoren rollen durch Deutschland, das ist ein Drittel des DB-Fuhrparks, und die meisten von ihnen sind mit einer Uralt-Abgastechnik ausgestattet, die sich an den Schadstoffwerten von 1999 orientiert: echte Dreckschleudern. Diese Loks müssten – wie die Dieselautos – nachgerüstet werden, modernisiert, am besten abgeschafft werden, aber da geschieht nichts. Gerade mal 61 Prozent der Strecken hierzulande sind elektrifiziert, peinlich für eine angeblich so moderne Industrienation.

De Lapuente: Die GDL streikt derzeit. Sind Sie auch verwundert, dass es weitaus weniger öffentliche Kritik am Streikkurs gibt als in den vielen Jahren zuvor? Woran glauben Sie liegt das?

Luik: Dieses Gefühl habe ich nicht. Als die Bauern mit ihren großen Rädern Autobahnen und Innenstädte stilllegten, klopften ihnen nicht nur Aiwanger und Söder auf die Schultern, viele Politiker fanden sehr freundliche Worte. Worte, die sie für die Klimakleber nicht fanden und für die GDL auch nicht. Da ist primär die Rede davon, wie viele Milliarden Euro Schaden dieser Streik an der Volkswirtschaft anrichtet. Neulich fiel ja ein bisschen Schnee, was im Winter passieren kann, die Folge: Für zwei Tage lag der Bahnverkehr um München und in weiten Teilen Bayerns komplett still. Überall in Europa fegen Züge durch Schnee – warum wird hierzulande fatalistisch hingenommen, was bei einer ordentlichen Betriebsführung nicht passieren würde. Ich staune.

De Lapuente: Es ist ja nicht alles schlecht bei der Bahn. Die Boni für die Führungsetage sind vorbildlich und es gibt auch mehr Frauen in der Chefetage, die einen solchen Bonus erhalten: Ist es da nicht kleinlich, auf so Parameter wie Pünktlichkeit zu achten?

Luik: Quatsch. Es ist ja schön, wenn mehr Frauen mitmachen dürfen. Nur: Was hilft das mir das als Bahnkunde, wenn sie genauso stümpern wie ihre männlichen Kollegen? Wenn ich Zug fahre, will ich pünktlich losfahren und pünktlich in einem sauberen Zug ankommen. Ohne Angst haben zu müssen, ob ich den Anschlusszug erreiche. Früher konnte man seine Uhr nach der Bahn stellen. Das war ein geflügeltes Wort. Heute sind die geflügelten Worte in Sachen Bahn: »Schaden in der Oberleitung«.  »Störung im Betriebsablauf«. Worte, Dinge, die früher kein Mensch kannte. Das sagt alles aus über diese Bahn. Und die Boni? Eine Frechheit. Die neun Bahnvorstände bekamen zu ihren überaus üppigen Gehältern rund neun Millionen Boni ausgeschüttet, rund zwei Millionen für den Bahnchef. Für was?

»Im Koalitionsvertrag umfasst das Thema Bahn gerade mal eine knappe Seite«

De Lapuente: Für Verspätungen, für Zugausfälle, versiffte ICE-Toiletten …

Luik: Ja, nur durch Zynismus ist der herrschende Irrsinn zu ertragen. Traurig, das. Unter der Regentschaft von Bahnchef Richard Lutz hat die Bahn acht Milliarden Schulden angehäuft, so dass nun die Bahn mit 35 Milliarden Euro in den Miesen ist. Also: faktisch pleite. Doch die Täter für dieses nicht nur volkwirtschaftliche Desaster beziehen Gehälter, die durch ihre Leistung nicht zu rechtfertigen sind. Mir stellt sich ohnehin seit langem die Frage, warum der leitende Angestellte eines maroden Staatsunternehmens das dreifache Grundgehalt bezieht wie der Kanzler. Früher hatte der Bahnchef das Gehalt eines Staatssekretärs. Und es gab keinen Bonus. Doch die Züge waren pünktlich. Und die Bahnhöfe ordentlich mit beheizten Warteräumen. Und wenn Schnee fiel, und früher fiel viel mehr Schnee, fuhren die Züge problemlos.

De Lapuente: 2250 Bahnhöfe hat die Deutsche Bahn seit 1999 verkauft. Nun wollte die Bundesregierung 40 Milliarden (bis 2027) in die Sanierung der Bahn stecken. Alles abgeblasen, Sparkurs ist angesagt. 40 Milliarden: Sind das nicht Peanuts im Vergleich zu dem, was vorher verbrannt, verkauft und verscherbelt wurde?

Luik: Bahnchef Heinz Dürr, ein Mann der Autoindustrie, hat in den frühen 90ern versprochen, Milliarden in die Verbesserung, Verschönerung der Bahnhöfe zu stecken. Er wolle Bahnhöfe in neuer »Pracht« aufblühen lassen, »Empfangssalon der Städte« sollten sie werden, eine »urbane Visitenkarte«. Er versprach mit seinem Programm »Freundlicher Bahnhof« die »5179 Bahnhöfe und Haltestellen, davon rund 260 große Bahnhöfe« ordentlich zu sanieren. Was ist dabei herausgekommen? Tristesse brutale – vor allem auf dem Land. Bahnhöfe, die keine Bahnhöfe mehr sind, triste Orte, die schon vor dem Einstieg in den Zug einem die Lust aufs Bahnfahren rauben.

De Lapuente: Sie sind ja ein Bahnromantiker, Herr Luik! Woher kommt das?

Luik: Ich verkläre nicht die Vergangenheit. Ich ärgere mich nur, dass Gutes zerstört wurde. Wir Steuerzahler investieren in diese Bahn viele Milliarden, es ist »unsere« Bahn, ein »Volkseigener Betrieb« (VEB). Und da möchte ich schon, dass wir gut behandelt werden.

De Lapuente: Ganze Landstriche sind von der Bahn befreit. Für wie realistisch halten Sie es, dass man Deutschland wieder »rebahnisiert«? Sprich: Ist an vielen Stellen nicht längst alles versiegelt und bebaut, um die Sünde des Abbaus rückgängig machen zu können?

Luik: Ein Ding der Unmöglichkeit. Dort, wo früher Gleise war, sind heute Fabriken, Logistikzentren, Supermärkte. Ich glaube auch nicht, dass in diesem autoverrückten Land der politische Wille herrscht, die Bahn zu einer echten Konkurrenz zum umweltzerstörenden Individualverkehr zu machen. Im Koalitionsvertrag umfasst das Thema Bahn, also diese vorgebliche Wunderwaffe für die Verkehrswende, gerade mal eine knappe Seite. So richtig wichtig scheint den Regierenden das Thema Bahn nicht zu sein.

»Stuttgart 21 ist der Meilenstein im Niedergang der Bahn«

De Lapuente: Ich trau mich gar nicht mit Stuttgart 21 anzufangen, Herr Luik. Sie springen mir dann sicher ins Gesicht …

Luik: Ihnen nicht. Das müsste man, wenn es möglich wäre und es etwas bringen würde, bei den Tätern für diesen Unfug tun. S21 ist längst zur Chiffre für den strukturellen Irrsinn der Bahn geworden: wie überehrgeizige Bahnmanager und ignorante Politiker sich ein unfassbar teures Denkmal setzen wollen. Auf Kosten des Bahnverkehrs. Auf Kosten der Bürger. Auf Kosten der Sicherheit. Auf Kosten der Umwelt. Bei S21 findet sich alles, was den Bahnverkehr zerstört. S21 ist der Meilenstein im Niedergang der Bahn. Wie konnte das alles bloß geschehen? Wie konnte die Bahn, Deutschlands größter Staatskonzern, bloß so verkommen?

De Lapuente: Ich habe natürlich Ihr Buch gelesen – wenn ich Sie recht verstanden habe, ist Stuttgart nicht nur für ein Milliardengrab prädestiniert, sondern irgendwann auch dafür, ein Massengrab für Bahnreisende zu werden. Warum lässt man einen derart gefährlichen Bahnhof zu?

Luik: Ich stehe dem fassungslos gegenüber. Für mein Buch habe ich einen international renommierten Brandschutzexperten zu den Gefahren in dem Tiefbahnhof befragt, Hans-Joachim Keim. Als ich ihn traf, rief er: »Es ist Wahnsinn, was die da machen! Das darf man nicht bauen!« Er sagte: »Es ist ein Staatsverbrechen, was hier geschieht.«

Ein kurzer Auszug aus dem Gespräch mit ihm, ich fragte ihn:

Meinen Sie das im Ernst, Herr Keim? Staatsverbrechen?

Ich wäre froh, wenn ich übertreiben würde, das tue ich aber nicht. Schreiben Sie: Staatsverbrechen. Die Leute, die so etwas planen, für die habe ich kein Verständnis. Sie haben kein Gefühl für Paniksituationen, sie können sich nicht vorstellen, wie Personen unter Stress und Angst reagieren.

Was halten Sie denn für besonders gefährlich?

Ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen soll?

Zum Beispiel bei den Tunneln.

Die sind unterdimensioniert, ziemlich eng und oft recht steil. Im Brandfall breitet sich Rauch daher besonders schnell aus. Außerdem gibt es in den Tunneln viele Engstellen. Die Fluchtwege sind an diesen Stellen gerade mal 90 Zentimeter breit. Ein Fluchtweg ist aber nur so gut wie an der engsten Stelle. Wie wollen Sie da, vor allem wenn Sie aufgeregt sind, mit einem Rollstuhl durchkommen? Es wird dort Staus geben, Panik. Sie werden zerquetscht.

Die Bahn sagt: Was wir hier machen, entspricht den Normen, wir erfüllen die geforderten Sicherheitsstandards!

Ja, ja, ich weiß, dass die das sagen. Aber bei diesem Bau bewegt sich sicherheitstechnisch vieles unverantwortbar am äußersten Rand des Erlaubten. Manches wurde ja auch nur durch Sondergenehmigungen möglich – und noch unter das Vertretbare gedrückt! Es ist bizarr.

De Lapuente: Wenn ich im Bahnvorstand wäre, würde ich Ihnen die Bahncard 100 schenken, damit Sie endlich aufhören mit dieser leidigen fundierten Kritik. Hat man das noch nicht versucht bei Ihnen?

Luik: Nein. Ist eine Bahncard 100 heute noch ein Grund zur Freude? Oder schafft sie bloß Ärger – bei dieser notorisch unzuverlässigen Bahn.

 

Arno Luik war Reporter für Geo, Chefredakteur der taz, langjähriger Autor der Zeitschrift Stern. Für seine Enthüllungen in Sachen Stuttgart 21 erhielt er den „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen“ des Netzwerks Recherche. Sein Buch „Schaden in der Oberleitung – Das geplante Desaster der Bahn“ stand wochenlang auf den Bestsellerlisten. Zuletzt erschien von ihm bei Westend: „Als die Mauer fiel, war ich in der Sauna. Gespräche über den Wahnsinn unserer Zeit“

Ähnliche Beiträge:

22 Kommentare

  1. Wäre Sinnvoll die Bahn wieder zu einem Staatsbetrieb mit Beamten zu machen. Das Geld für Flaschen in Nadelstreifen könnte man sich dann sparen.

  2. Wie war doch der Spruch: Die Privatisierung macht alles besser. Ich muss instinktiv an ein anderes Privatisierungsgroßprojekt denken: Gesundheitswesen, Krankenhäuser.
    „Wehe, wehe, wenn ich an das Ende sehe.“

  3. Die DB ist ein Paradebeispiel für den neoliberalen Irrsinn, der unsere Gesellschaften immer weiter zersetzt. Sie sind angetreten um den Staat zu ersäufen damit die Allgemeinheit besser ausgeplündert werden kann (wie jemand bei einem anderen Thema schrieb; Dafür gab es Nobelpreise). Nun haben wir den Salat, während die Parasiten sich selbst dafür bereichern einen einst funktionierenden Betrieb demoliert zu haben.

    Ich ging lange (seit dem Börsengang) davon aus, dass die DB in naher Zukunft filetiert wird. Heute frage ich mich mehr was es da, von den Immobilien abgesehen, überhaupt noch gross zu holen gibt?

    PS: Herr Luik wird in der Einleitung als Bahnkritiker, nicht als Deutsche Bahn-Kritiker, vorgestellt. Semantik, aber die Unterscheidung ist in dem Fall wichtig.

      1. Ich bin kein Öko und besitze trotzdem kein Auto.

        Wenn man etwas missversteht könnte man auch nochmal nachfragen anstatt plump zu pöbeln.

  4. Noch in den Siebzigern stand der Mann mit der Kelle unter der großen Uhr und wenn der Zeiger auf 12 sprang, hob er die Kelle und blies in die Trillerpfeife.
    Die Privatisierung bringt einigen Leuten Profit. Aber dafür wird überhaupt etwas gemacht.
    Voll staatlich würde nichts funktionieren. Die Leute sind alle zu dumm geworden. Die glauben, sie sind ganz schlau, aber warten nur auf ihr Gehalt. Hat sie der Staat im Stich gelassen oder sind sie der Staat, der uns im Stich lässt?
    Die Motivation für die Bürger etwas zu tun, ist überall verloren gegangen.

  5. Herr Luik wirkt sehr verbittert und das ist nun auch keine Lösung. Als Problem sehe ich eher, dass viele Menschen in unserer Gesellschaft sich angewöhnt haben, empört mit dem Finger auf andere zu zeigen und dann resigniert ihr eigenes Leben wie gewohnt fortführen. Die Bahnvorstände zeigen auf die GDL, die GDL zeigt auf die Bahnvorstände und Herr Luik zeigt auf alle anderen.

    Ich fahre oft mit der Bahn und es ist deutlich anstrengender als früher. Wenn man einen Termin hat, dann nimmt man besser einen Zug früher oder nimmt eben in Kauf, während der Fahrt zu zittern, ob man einen Anschluss noch erreicht. Andererseits ist es aber auch nicht so katastrophal, wie Herr Luik es beschreibt, denn die Mehrheit der Züge fährt schon noch pünktlich (zumindest in meiner Region) und man kommt meistens von A nach B. Wenn Herr Luik seine Reise abgesagt hat, weil fast jeder zweite Zug ausgefallen ist, dann kann ich das nur auf seine Verbitterung zurückführen.

    Ich wüsste eigentlich auch nicht, wo man anfangen sollte für Verbesserungen weil sich eben eine Verantwortungslosigkeit und Resignation auf allen Ebenen der Gesellschaft eingeschlichen hat. Vermutlich müsste man mal die ganzen Lügen der letzten Jahre zu Flüchtlingskrise, Bankenkrise, Coronakrise und angeblicher Klimakrise aufarbeiten, damit die Menschen wieder Vertrauen schöpfen. Anfangen könnte man allerdings mit einem Gesetz wie in Italien, dass Streiks in der öffentlichen Infrastruktur begrenzt werden und gesetzliche Regelungen für einen Notbetrieb geschaffen werden, so dass Bahnvorstand und Gewerkschaftsbosse nicht immer die Bevölkerung in Geiselhaft für ihre Egokämpfe nehmen können.

      1. Ich kann nur empfehlen, aus dem Schwarz-Weiß-Denken auszusteigen. Nur weil man nicht alles schwarz sieht, heißt das nicht dass man alles weiß sieht.

        Solche Polemisierungen mit denen versucht wird jede Differenzierung zu verhindern sind Teil des Problems.

    1. Egokämpfe der GDL? Ich habe eben bei Fefe, also in seinem Blog, gelesen, dass zum Angebot, dass die Bahn der Gewerkschaft machte in der Presse mitgeteilt wurde, die hätte 13% plus Arbeitszeitverkürzung als nicht verhandlungsfähig abgelehnt . Ich fand das auch unerhört. Aber wie immer, man weiß es doch eigentlich, stimmt es nicht.
      Angeboten wurden 13% aufgeteilt auf 36 Monate und keine Verkürzung der Arbeitszeit oder eine Stunde weniger und zehn Prozent bei einer Laufzeit, die nicht mehr im Kopf habe.
      das liegt unterhalb der 9% Reallohnverlust.
      Anstatt auch zu streiken, lassen wir uns gegen die GDL aufhetzen.
      Ich weiß nicht, ob das sehr klug ist.

      1. Aber das war doch klar, dass die prozentualen Erhöhungen auf die gesamte Laufzeit gerechnet werden müssen. So ist es bei allen Tarifverhandlungen. Dieses „13% sind den Lokführern nicht genug“ war doch nur die Propaganda der Bahn.

        Ich denke eher, dass es bei den Elitenkämpfen darum geht, sich auf keine Seite zu schlagen und die Egokämpfe der Eliten auf Kosten der kleinen Leute zu verurteilen. Die Bahn und der Staat wollen die GDL vernichten. Die GDL-Führung nimmt aber die Bahnkunden als Geisel, um im Konkurrenzkampf mit der EVG einen besseren Abschluss vorweisen zu können und so weitere Bahn-Mitarbeiter der anderen Gewerkschaft abwerben zu können.

        Es gab einen guten Artikel in der Berliner Zeitung zu dem staatlich verpflichteten Notangebot in Italien bei Streiks in der öffentlichen Infrastruktur. Dass die Bevölkerung von verschiedenen Seiten der Eliten in Geiselhaft genommen wird für deren Kämpfe geht einfach nicht.

  6. Na ja….. Einmal schön ausgekotzt, aber sonst?
    Da ist ja viel Richtiges dabei, aber das ausgelutschte CO2-Argument bei Betonschwellen? Man kann es auch übertreiben! Die Bahn ist vor allem im Zuge des geplanten Börsenganges komplett kaputtgespart worden! Alles wurde irgendwie „effizienter“ gemacht, was in der Gedankenwelt der Neoliberalen bedeutete: Weniger Menschen, weniger Infrastruktur. Deshalb wurden die vielen kleinen Bahnhöfe zu Haltepunkten ohne Weichen und Personal umgebaut. Da hat man natürlich auch weniger Reserven für den Fall, daß etwas nicht normal läuft. Und verkaufen konnte man die Gebäude meist auch nicht, da niemand direkt an der Bahn wohnen will. Also stehen sie jetzt leer und verfallen, während die Fahrgäste auf dem zugigen Bahnsteig stehen und frieren, weil mal wieder nichts kommt.

    Konnte man alles kommen sehen! Man wollte nicht!

    Und übrigens, Herr De Lapuente: Die Einzahl von „Boni“ lautet „Bonus“.

  7. Wer faktenreich in die Tiefe gehen will, dem sei das Interview »Die Gründe für die Misere der Bahn sind teils 120 Jahre alt« auf Spektrum.de mit einem Verkehrswissenschaftler empfohlen.
    https://www.spektrum.de/news/wie-wird-die-deutsche-bahn-wieder-zuverlaessiger/2203916
    „Unpünktlich, überlastet, veraltete Technik – die Deutsche Bahn macht keine gute Figur. Woran das liegt und warum nun selbst Tricksereien nicht mehr helfen, erklärt Verkehrswissenschaftler Ullrich Martin.“

    1. Tja! Aber auch dass sind nur Teile des Puzzle! Wenn man diesen „gordischen Knoten“ weitestgehend „aufknüppert“, bleibt eins; PROFIT machen!
      Da ich selbst bei der Bahn arbeitete, jedoch im Bereich der Versorgung der Mitarbeiter, hab ich egal ob im ICE Reperatur Werk Elbgaustrasse oder den Reperatur Werken von U und Hochbahn immer wieder die gleichen Töne gehört; einerseits Einsparung im Personalbereich, AUSLAGERUNG von allen nur denkbaren Bereichen und zum Jahresende ‚die dicken Bonuszahlungen‘. Als „DB- Gastronomie“ (zuständig nur für die Versorgung der DB- Mitarbeiter in den Betriebskantinen) standen wir permanent unter dem Druck des „Outsourcing“. Von der, sehr modernen Kantine in der Elbgaustrasse weiß ich, dass sie verpachtet wurde.
      Aber wie es da auch schon Anklang: politische und andere Interessen sind das eigentliche Problem, bei der Modernisierung und….. das würde auch angesprochen, „neolieberale Gleichgültigkeit“- KEINER wollte und will, im politischen Berlin, VERANTWORTUNG übernehmen! Über alles andere zu reden, ist doch reine Makulatur!!!!!

  8. Ergänzend: Die Bahn ist Produkt des neoliberalen Paradigmas in Deutschland. Wie der Energiemarkt 1996, folgte die DB 1994 der Liberalisierung von Telekommunikation, Briefen und Paketen, der Post (1989).

    Das Verkehrsministerium unter verschiedenen Bezeichnungen war seit 1998 bis 2009 bei der SPD. Darauf folge die CSU, wer könnte Andy Scheuer vergessen, nun ist die FDP dran. Eines der Kernprobleme, ist das neben Verkehr auch Bau- und Wohnungswesen, oder Infrastruktur die Aufgaben des Ministeriums verändert wurden und nichts davon hat im internationalen Vergleich geklappt.

    Innerhalb der EU gab es 2021 nur 2 Länder, deren öffentliche Investitionen in die Infrastruktur gemessen an ihrem Bruttoinlandsprodukt (BIP) geringer waren als die Deutschlands: Portugal und Irland.

    Der deutsche Staat investierte im Zeitraum von 2011 bis 2021 lediglich eine Summe, die zwischen 2,10% (2014) und maximal 2,69% (2020) des BIP betrug. EUweit waren es ~3,25%: https://ec.europa.eu/eurostat/databrowser/view/tec00132/default/map?lang=de – viel Spass beim rumklicken.

    Ähnlich siehts bei der Bundeswehr im NATO-Vergleich aus, wo wir auch hinten dran sind. Dafür das wir der wirtschaftliche Motor der EU sind, investieren wir zu wenig in Infrastruktur. Ergo, Deutschland spart sich arm.

    Nur für denn Fall dass jemand gute Laune am Freitagabend hatte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert