Ist die Kunst wirklich frei?

Moshe Zuckermann im Gespräch mit Markus J. Karsten: Über die Freiheit der Kunst und die Rettung derselbigen.

Was Kunst darf: Diesem Gedanken begegnen wir in den letzten Jahren häufig. Nämlich immer dann, wenn Künstlerlinnen und Künstler etwas »Empörendes« schufen. Darf man Corona-Maßnahmen künstlerisch hinterfragen? Mit Rollen chargieren, wie es Lisa Eckhart und andere tun? Ob es noch als Kunstfreiheit gilt, wenn es schicklich wird, sich vorab selbst zu zensieren, darf indes bezweifelt werden.

Die Forderung nach einer freien und unabhängigen Kunst kennen wir seit dem 19. Jahrhundert. Dieses Streben nach Kunstautonomie fußt auf der Überzeugung, dass der Bereich des Ästhetischen eigenen Regeln folgt, dass Kunst frei sein muss von fremden Ansprüchen, seien diese politischer oder moralischer Natur.

Heute scheint es nicht sonderlich gut um dieses Ideal bestellt: Stichworte wie Cancel Culture sowie die oft schrill geführten Debatten darüber, wer eigentlich noch etwas sagen oder zeigen darf, zeugen davon, dass die Autonomie der Kunst mehr denn je gefährdet ist. Kenntnisreich und mit stilistischer Brillanz zeichnet Moshe Zuckermann dieses Spannungsfeld nach. Er fragt nach dem Verhältnis von Kunst und Fortschritt, Politik, Elitarismus sowie kulturindustriellem Kitsch. Dabei steht nicht weniger auf dem Spiel als die Rettung der Kunstfreiheit.

Moshe Zuckermann wuchs als Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender in Tel Aviv auf. Seine Eltern emigrierten 1960 nach Frankfurt am Main. Nach seiner Rückkehr nach Israel im Jahr 1970 studierte er an der Universität Tel Aviv, wo er am Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas lehrte und das Institut für deutsche Geschichte leitete. Zuckermann ist regelmäßig mit Beiträgen für Hörfunk, Fernsehen und verschiedene Printmedien tätig. Im Westend Verlag erschien zuletzt »Gegen Entfremdung« (2021) über Erich Fried.

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