Warum unterscheidet sich die deutsche Sicht auf Politik und Gesellschaft oft so stark von der Wahrnehmung in anderen Ländern? Woher kommen bestimmte Denkmuster, Empfindlichkeiten und politische Reflexe?
Roberto De Lapuente spricht mit Noam Petri über deutsche Befindlichkeiten, politische Kultur und die Frage, warum viele Debatten hierzulande eine ganz eigene Dynamik entwickeln. Petri analysiert kulturelle Eigenheiten und politische Denkweisen und fragt, weshalb Deutschland oft anders auf gesellschaftliche Herausforderungen reagiert als seine Nachbar.
Noam Petri beschäftigt sich mit politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen und analysiert die Besonderheiten deutscher Debatten und Wahrnehmungsmuster.



Für einen erst 22-Jährigen (oder habe ich mich verhört?) ist dieser junger Mann wirklich erstaunlich gebildet und auch sprachlich sehr angenehm. Es fällt auf, dass er nicht in der typischen Jugendweise spricht, nicht so wie mancher andere nur in Floskeln redet und schon jetzt so etwas wie Sprachgewandtheit besitzt.
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Auch in inhaltlicher Hinsicht hat er mich überzeugt, obwohl da nun nicht viel Neues kam.
Die Formulierung „selbsthassender Universalismus“ für das Denken unserer selbsternannten „Elite“ ist allerdings eine überaus passende und gelungene Begriffsschöpfung.
Anmerkungen zum Gespräch/Video:
1. Selbstverständlich ist „Heimat“ 🏡🌳🏔️ nichts Verwerfliches, das gilt auch für die „Nation“. Das Problem dabei ist, wenn man mit romantischen Heimatfilmen wie in der Nachkriegszeit von einer Aufarbeitung der Vorkriegszeit und der Zeit des Krieges (in diesem Fall: der Zweite Weltkrieg) ablenkt, weil der Führer nicht alle, aber die Mehrheit der Deutschen verführt hat.
Das Problem mit der Nation ist, wenn man die eigene Nation über andere Nationen stellt oder/und das „Nationale“ missbraucht wird, um innenpolitisch ökonomische, soziale und gesellschaftliche Probleme zu „lösen“ bzw. gleichzuschalten.
Leute, die gendern und mit Regenbogenfahnen herumwedeln, glauben offenkundig, dass man damit bezahlbaren Wohnraum und armutsfeste Renten schafft. Das gilt auch für die Nationalisten mit der Deutschlandflagge 🇩🇪. Kann man damit seine Stromrechnung bezahlen? Mein Stromanbieter will jedenfalls Euro und keine schwarz-rot-goldenen Fähnchen.
2. „Den“ Liberalismus gibt es nicht, weil es darauf ankommt, was man darunter versteht und wer defininiert, was „Freiheit“ 🗽 ist. Die einen verstehen darunter Meiungsfreiheit, Pressefreiheit, die Freiheit vor Armut und den Schutz der Bürger vor einem autoritären gleichgeschalteten Staat. Andere verstehen darunter die Freiheit des Kapitals und das Recht, dieses Kapital/Vermögen ohne Rücksicht auf andere mehren zu können und immer reicher zu werden, mit anderen Worten: das juristische Faustrecht des ökonomisch Stärkeren.
Dieser ungezügelte neoliberale Kapitalismus ist auch die neue 🙏 Religion. Die Bischöfe nennen sich Wirtschaftsweise, die Priester/Pfarrer sind die neoliberalen „Wirtschaftsexperten“, der superreiche Billionär Elon Musk ist ihr Prophet bzw. „Gott“. Die Botschaft dieser neoliberalen Religion lautet: Wenn die Wirtschaft „frei“ ist und der Staat sich raushält, dann wird jeder, der die Ärmel hochkrempelt, nicht allzu dumm ist und fleißig und hart arbeitet, reich.
Der brillante Kabarettist Volker Pispers nannte das vor 20 oder 30 Jahren einmal die „Lüge des Neolilberalismus“ = Im Kapitalismus kann jeder reich oder sogar „superreich“ werden. ABER NICHT ALLE. Pispers: Den Unterschied zwischen „jeder“ und „alle“ intellektuell zu durchdringen, das schafft nicht jeder. Damit traf und trifft er den Nagel auf den neoliberalen Kopf.
Und was die Freiheit der Presse angeht: Schon 1965, also vor 70 Jahren, schrieb Paul Sethe, Gründungsherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ): „Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“ Heute sind es in Deutschland keine 200 mehr, sondern nur noch eine eine Hand voll. Und warum wohl gehört dem Elektroauto-Verkäufer Elon Musk auch die Plattform „X“ und Jeff Bezos aka „Mr. Amazon“ die Washington Post?
Zutreffend ist: Die GROSSEN Fragen werden nicht nur in Deutschland nicht gestellt, weil die oberen Zehntausend 💰 💷 💵 🏡🏰 🏯 🏛️ 🏎️ 🛻 🏍️ ⛵ 🛥️ 🛳️ ✈️ 🚁 (und dazu gehören auch die Eigentümer der privaten Konzernmedien und Plattformen = „Vierte Gewalt“) das nicht wollen. In Deutschland liegt es vor allem auch daran, dass der typische Deutsche ein Untertan ist. Das war im Kaiserreich von Heinrich Mann so und daran hat sich bis heute nur wenig geändert: Der Untertan ist ein Opportunist, der nach unten tritt und nach oben buckelt und dem Chef, dem Vorgesetzten, dem Führer usw. Honig um den Mund schmiert, damit er befördert wird und die Karriereleiter nach oben steigt. Wenn das nicht schnell genug geht oder der Untertan Angst vor dem sozialen Abstieg hat, dann sind die Arbeitslosen, die Behinderten, die Kranken, die Rentner, die Bürgergeldempfänger, die Migranten, die Geringverdiener usw. schuld daran.
Veränderungen werden kommen (müssen). Die kommen so oder so oder glaubt tatsächlich jemand, dass der neoliberale Kapitalismus alle Menschen auf diesem Planeten reich machen wird. Bleibt die Frage, wie friedlich das abläuft, wer welche Veränderungen wohin steuert, wer von den Veränderungen profitiert und wer sie bezahlt.
Bezüglich der Frage der Diskursqualität in den sogenannten Neuen Medien oder den Sozialen Medien:
Das ist, wie es in den herkömmlichen Medien auch schon war: die Bandbreite ist groß.
Es gibt jede Menge Seiten und Kanäle im Netz, auf denen tiefgründige, gut recherchierte Berichte und Analysen zu lesen sind, sowie Kommentarbereiche und Foren, in denen ein zivilisierter, informativer Austausch kontroverser Diskutanten gepflegt wird. Man muß sie nur frequentieren. Wer sich das Bildzeitungsgeschrei antut, das es unleugbar auch gibt auf x und telegram etc., ist selber schuld.
@umuntu
Ja, man findet im „Netz“ auch qualitativ hochwertige Berichte, Analysen, Kommentare usw. Wer will das bestreiten? Man muss allerdings danach suchen und sich auch dafür interessieren. Ich habe mir vor kurzem einige Videos des Autors und ehemaligen ARD-Journalisten Patrick Baab angesehen. Man muss nicht immer zu 100 Pozent mit dem übereinstimmen, was Herr Baab sagt, aber 95 Prozent sind auch sehr viel. Das kann ich von den sogenannten „Mainstream-Medien“, egal ob gedruckt auf Papier oder digital im Internet, nicht sagen.
Diese finanzkräftigen Mainstream-Medien (privat und öffentlich-rechtlich) bestimmen und lenken aber die öffentliche Debatte. Das machen sie mit vielfältigen Psycho-Tricks (Framing, Nudging, Priming, Cherry-Picking, Rabulistik, Emotionalisierung, Angst-Appelle, Schuldzuweisungen, Wiederholung, Gaslighting, Informationsselektion, Gruppendruck usw.) und online auch technisch (Ranking, Priorisierung, Feed-/Content-Filterung, Personalisierung, Shadowbanning usw.).
Man muss nicht lügen, um Menschen zu steuern und zu manipulieren. Wer da nicht mitspielen will, der wird dann gecancelt, diffamiert, diskreditiert usw. oder er bekommt eben keine Aufträge mehr. Wenn man dieses Spiel mitspielt, dann fällt man allerdings die Karriereleiter 🪜 🡅 💰 nach oben wie die ehemalige ARD-Journalistin, Politik-Bachelorabsolventin und „Fachfrau für Corona“ Sarah Frühauf und wird 2025 Referatsleiterin in einem Bundesministerium.
Nehmen wir z. B. den Krieg in der Ukraine. Ich bin mir sicher, dass die große Mehrheit der Bürger in Deutschland Verhandlungen mit Russland, ein schnelles Ende des Krieges in der Ukraine und Frieden will. Dazu muss man kein Freund und/oder Fan von Putin sein. Aber diese Forderung(en) findet man in den Mainstream-Medien nicht, dort wird permanent Stimmung gegen Russland gemacht, um den Krieg in der Ukraine zu verlängern. Der Krieg in der Ukraine ist nicht vom Himmel gefallen. Das gilt auch für den Ersten und den Zweiten Weltkrieg und alle anderen Kriege. Kritische Debatten dazu gibt in den Mainstream-Medien aber nicht.
Zur „Schuldfrage“: Einfachen Geistern, die alles glauben, was in der BILD (am SONNTAG, BILD der FRAU, AUTO BILD, SPORT BILD, COMPUTER BILD), FAZ, FOCUS, SZ, WELT usw. steht und die das nicht durchschauen, kann man das nicht vorwerfen. „Dumme“ sind zwar auch verantwortlich für ihre Taten/Handlungen, aber sie können nichts für ihre Dummheit, Journalisten, Lobbyisten, Kriegstreiber, Minister und Politiker, die andere für dumm verkaufen, schon.
Ein weiterer Unterschied zwischen den traditionellen Medien und den digitalen Medien: Es gibt auch heute noch Printmedien, die nur einmal wöchentlich/monatlich erscheinen. In den Online-Medien wird inzwischen aber jeden Tag eine neue Sau 🐷 oder Drohne 🛸 durch das Land gejagt. Was vor drei, vier oder fünf Tagen passiert ist, das haben viele schon wieder vergessen, es sei denn es immer wieder dieselbe Sau 🐷 bzw. 🛸, die durch das Land gejagt wird.