Cordula Simon: »Nur durch Sprache wird die Welt nicht besser«

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Macht eine gewaltfreie, nicht ausgrenzende Sprache die Welt zu einem besseren Ort? Die Linguistik behauptet, dass dem so sei. Eine Linguistin meldet aber starken Zweifel an.

Ihr Name: Cordula Simon. Sie sagt, die Sprachpolizisten gründen ihr Weltbild auf eine irrige Linguistik und auf Studien, die gar keine Belege für die These hergeben, dass Sprache die Welt verbessern könnte.

Roberto De Lapuente sprach mit der Linguistin Cordula Simon.

Mag. phil. Cordula Simon, BA phil., Studium der deutschen und russischen Philologie und Gender Studies in Graz und Odessa. Lebt als freie Autorin, zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien. Wissenschaftliche Schwerpunkte: Medien, Linguistik, Propaganda, Fake News, Desinformation, Mediale Literarizität.

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Die Redaktion unseres Magazins: Florian Rötzer und Roberto De Lapuente.
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27 Kommentare

  1. Wenn man der Historie nachläuft, z.B. wo Rassismus her kommt, dann war immer das Interesse an der Ausbeutung zuerst. Aus dem Willen der Ausbeutung folgte die dafür nötige Sprache und Unterdrückung. Man fand, dass Afrika ein interessantes Ausbeutungsobjekt ist und deswegen konnte man den Menschen nicht mehr auf Augenhöhe begegnen.

    Erst die Gier, dann die Herabwürdigung, die die Gier moralisch rechtfertigt.

    Wer das ganze verkehrt, versteht die Welt nicht und wird sie auch nicht ändern.

  2. Kritik an dem ganzen gendersprachlichen Müll, 100%ig in Ordnung!

    Aber diese Dame nervt mich in dem Interview mit ihrem affig-zeitgeistigen Anglizismen-Gefasel („Move“, „Random shit happening“ etc.) ebenfalls ganz mächtig.
    Und Gender-Schwachsinn, oh Verzeihung, „Gender Studies“ hat sie auch noch studiert, ist ja großartig!

  3. Der Begriff „Sprachpolizei“ sagt es schon: es geht um Kontrolle und Schikane. Bei genauerem Hinsehen sind ihnen die betroffenen Gruppen eigentlich schnuppe. Manche werden sogar absichtlich und schwerkriminell ins Elend geschickt. Und man kann relevantere Fragen, z. B. zum Zustand der Demokratie und zu den Widersprüchen eines galoppierenden Raubtierkapitalismus, der jetzt zum Krieg greifen muss, um zu überleben, dahinter „woke“ und „mainstreamig“😉 zum Verschwinden bringen.

  4. Sprache generiert sich von innen heraus.
    Man kann sie nicht von außen aufoktroyieren.
    Diese Zivilisationskrankheiten, wie Gendern LGTBQI+ usw. im Verfügungswahn deutscher Regelwut, hat bereits ihren Höhepunkt erreicht, wenn nicht gar schon überschritten

    1. Sprache generiert sich von innen heraus. …

      Genau, darum lernt man eine Sprache ja auch ganz für sich allein im Kämmerlein,
      und vermeidet tunlichst, sie sich von außen durch Bücher oder gar andere Menschen aufoktroyieren zu lassen!

  5. Seit einigen Jahren wird ja Weissrussland überall Bellarus genannt, obwohl es ja eigentlich Belarus heißt, aber egal, derartige Detailtreue schert die Sprachwächter nicht. Heute ist im Deutschlandfunk ganz plötzlich nicht mehr von Friseurläden die Rede, sondern von Barbershops. Ein Barbershop ist ein Friseurladen!

    Was soll das? Habe ich da was verpasst? Geht es darum den französischen Einfluss zurückzudrängen? Wird dann das gute alte Portemonnaie demnächst „wallet“ heißen?

  6. Wodurch, außer durch Sprache, wird die Welt denn sonst noch besser, als sie ohnehin schon ist? Wir haben doch schon eine optimale Welt, die nicht mehr verbesserungsfähig ist.

  7. Leute, Aggression ist nun mal ein Zustand des menschlichen Gefühlslebens. Kann man das wegnehmen, ohne das Menschsein zu reduzieren? Wohl nicht.
    Nun ist, leider auf linker Seite, der Wunsch aufgekommen, das durch Sprachregelung zu versuchen. Jetzt ist doch wohl der Zeitpunkt, um festzustellen, dass das nicht klappt.
    Absehbar war auch, dass dies als Manipulationsversuch gedeutet werden würde. Und dass die politische Rechte davon profitieren würde. Das haben wir jetzt.
    Das Argument ist die Waffe, die einem der demokratische Staat lässt. Die gilt es zu pflegen. Wobei stets die anderen mit Geld versorgt sind, wir Linken nicht. Um überhaupt gehört zu werden, müssen wir besser sein.
    Das sollte doch das Resümee aus dieser Bruchlandung sein.

    1. Leute, Aggression ist nun mal ein Zustand des menschlichen Gefühlslebens.

      … der sich sehr wohl mithilfe von Sprache anstacheln lässt.

  8. Alles, was nicht im Duden steht, darf im Freistaat der Bierzelt-Seppl und -Huberts nicht gedacht und schon gar nicht geschrieben werden. Auch das Sitzen auf Bänken an der frischen Luft ist bei der nächsten Corona wieder verboten. Da sind die Bayern bekanntlich völlig humorlos.

    Stell Dir mal vor, ein Gendersternchen auf einer Lederhose – dann bedürfen die echt bayerischen Eier des sofortigen Schutzes der allerhöchsten Staatsgewalt.

    Und wenn einst die Münchner Lach- und Schießgesellschaft Witze drüber gemacht hat, damit ist heute Schluss! Verbot! Satire?? In Deutschland??? Da sei der Duden vor.

  9. Auch wenn Sprache die Realität nicht ändern kann, so gibt es doch ein Problem im Deutschen, das gelöst werden sollte, nämlich die Mehrdeutigkeit grammatisch maskuliner Personenbezeichnungen. Sie können für Männer stehen oder generisch für alle Geschlechter. Mein Vorschlag wäre, analog zum Suffix -in für Frauen ein eigenes Suffix für Männer einzuführen. Die suffixlose Grundform wäre dann eindeutig geschlechtsneutral. Siehe invers-gendern.de

  10. Die Gleichberechtigung der Frau misst sich an der Position der Putzfrau und der Küchenhilfe, sie musste sich daran, wenn Frauen endlich aufhören ihre berufliche Entwicklung für Kinder und Familie hinter anzustellen, sich hinter dem Mann einzureihen.

    Der berühmte Tomatenwurf von 1968 zielte so nicht nur auf das Patriachat, es traf auch die Frau aus der Arbeiterschaft. Er diente den bessergestellten und akademisch gebildeten Frauen auf ihrem individuellem Karriereweg, schuf ihnen Chancen, die es für sie vorher nicht gab.

    Solidarisch war er allerdings nicht.

    Die Gendersprachdebatte ignoriert wie gehabt die arbeitenden Frauen. Den KritikerInnen ist allerdings die in akademischen und staatlichen Bereichen erreichte Gleichstellung schon zu viel.

  11. „Den KritikerInnen ist allerdings die in akademischen und staatlichen Bereichen erreichte Gleichstellung schon zu viel.“

    – Grundsätzlich finde ich, dass Klaudies Beitrag genau richtig liegt!
    – Doch der Tomate von 1968 warf die hochschwangere Sigrid Rüger, die auf dem 2. Bildungsweg an die Uni gekommen war! Hier ist das nachgezeichnet (zwar Öffies, Deutschlandfunk, aber damals noch glaubwürdig):

    „Nun schlägt die Stunde von Sigrid Rüger: In grünem Kleid und hochschwanger greift sie zu den mitgebrachten Suppentomaten und trifft auf dem Podium Hans-Jürgen Krahl, den Cheftheoretiker des SDS.“
    Sigrid erzählt im Rückblick: „Nu war ja der Teufel los. Dieser Tomatenwurf, der war im Grunde genommen der Funken im Pulverfass. Weil ich habe gemerkt an den anderen Frauen, wie die aufgesprungen sind und wie die dazwischen gerufen haben und uns unterstützt haben, dass das jetzt endlich auf die Tagesordnung muss. Es wurde dann noch anderthalb Tage lang über das Verhältnis der SDS-Genossen zu ihren Frauen und zu den SDS-Genossinnen diskutiert. Das hat deutlich gezeigt, das war genau das Richtige.“
    https://www.deutschlandfunkkultur.de/der-befreiende-tomatenwurf-von-1968-beginn-der-neuen-100.html

    Sigrid Rüger (verheiratete Damm-Rüger) hat sich ihr Leben lang für die Berufsbildung von Frauen eingesetzt – das heißt: besonders für die der Arbeiterinnen! Sie arbeitete im Bundesinstitut für Berufsbildung, starb ziemlich früh an Krebs und hinterließ ein glasklares Resümee:
    „Ich habe diese Ausführungen übertitelt: ‚Entmystifizierung des Tomatenwurfs!‘ Das hört die Halina [Bendkowski] nicht so gerne, weil sie meint, das wäre ein Glanzpunkt unserer Bewegung gewesen, aber ich glaube, daß es schlecht ist, ein Ereignis, Personen oder eine ganze Bewegung zu mystifizieren. Das kann dazu führen, daß viele denken, der große einmalige Wurf bringt es, und man selber braucht nichts dazu zu tun, oder die Masse braucht nichts zu tun…
    Also mystifizieren ist nie gut und deshalb habe ich mich auch gegen die Mystifizierung des Tomatenwurfs und der Frauenbewegung in dieser Zeit gewandt. Ich möchte deshalb meine Ausführungen eher übertiteln: ‚Entstehung der neuen Frauenbewegung‘ oder etwas lockerer ‚Die neue Frauenbewegung war überfällig und die Tomaten waren überreif‘.“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Sigrid_Damm-R%C3%BCger

    – Mit Sigrid Rüger haben die Woken die Gelegenheit, ihre Begrenzungen zu erkennen und es künftig besser zu machen.
    – Mit Sigrid Rüger sagen wir: Der Kampf geht weiter!

    1. Ich wollte nicht die persönliche Motivation oder Integrität von Sigrid Rüger in Frage stellen. Dein umfangreicher Beitrag über Frau Rüger bestätigt aber meine Argumentation, dass das Ziel der individuelle, persönliche Aufstieg war, die bildungsferneren Berufswege von Frauen aber außer acht ließ. Die gesellschaftliche Emanzipation der Frau war nie das Ziel dieser Art des Feminismus.

      Mir ging es deswegen darum, dass der Tomatenwurf gemeinsam mit dem Anspruch „Wir sind kein Nebenwiderspruch“ den ab den siebziger Jahren in der Bundesrepublik dominanten, heutigen bürgerlichen Feminismus vom Typus einer Alice Schwarzer begründet hat.

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