Wie blickt Gabriele Gysi heute auf die sogenannte Wiedervereinigung? War es ein Aufbruch oder eher ein „Anschluss“ der DDR?
Journalist Roberto De Lapuente spricht mit Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Gabriele Gysi über persönliche Erinnerungen, politische Deutungen – und ein durchaus lebhaftes Gespräch.
Gabriele Gysi ist Schauspielerin, Regisseurin und Autorin. Sie arbeitete u. a. an der Volksbühne Berlin und an verschiedenen Theatern im In- und Ausland. Seit vielen Jahren ist sie freischaffend tätig und lebt in Berlin.
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Entschuldigung ihr zwei unterhaltenden Personen, ich habe wieder nicht in die Röhre geschaut.
Wenn etwas gespalten wurde, war das gespaltete Deutschland durch andere Kräfte, immer noch ein Deutschland.
Diese Kräfte die Deutschland gespalten hatten, hatten nicht eine Idee über die deutsche Gesellschaft, obwohl, diese zerschritten ist über Ideologie, aber menschlich ein Volk war.
Obwohl dieses Vereinigtes Deutschland nie über eine wiedervereinigtes Deutschland ein Referendum verübte, über ihre Verfassung, bleibt im Himmel stehen.
Auf gut oder wenig deutschen Akzent, wo oder wann wird Referendum über die deutsche ‚Nationalität‘ gehalten?
Welche deutsche Partei initiiert solch ein Referendum?
Wie können Ost oder westdeutsche über etwas befinden, das ideologisch zerstört wurde?
1. Hinterher ist man immer schlauer. Niemand kann die Vergangenheit ändern. Man sollte sie weder verteufeln noch verklären. Man sollte aber daraus lernen.
2. Die „Kehre“ hat mich tatsächlich überrascht und damit meine ich nicht die Tatsache, dass 1989 die innerdeutsche Mauer fiel und sich der Warschauer Pakt auflöste. Ich meine damit, dass ich damals ein paar Stunden lang geglaubt habe, dass wir jetzt von Marxisten (Chemnitz hieß sogar mal Karl-Marx-Stadt) überrannt werden, was aber nicht der Fall war. Es kamen viele „Trabbis“, aber keine Marxisten. Die Brüderinnen und Brüder in Ostdeutschland hatten vom Marxismus ungefähr so viel Ahnung, von Wissen und Verstehen wollen wir gar nicht reden, wie die westdeutschen Bürgerinnen und Bürger vom Kapitalismus.
3. Es gibt den Spruch: Die Revolution frisst ihre Kinder. Das kann man auch bei dieser „friedlichen“ Revolution sehen. Diejenigen, die immer Montags auf die Straße gingen als es noch gefährlich war, weil man nicht wusste, was dabei herauskommen würde, wurden zwar nicht „gefressen“, aber ein bis zwei Jahre später verschwanden die meisten von ihnen in der Bedeutungslosigkeit.
Hervorgekrochen und auf den fahrenden Zug aufgesprungen sind dann die schwarzen Engel, die Gaukler der Freiheit und andere Opportunisten und Duckmäuser des ehemaligen DDR-Regimes. Ein Kabarettist vermutete einmal, dass der schwarze Engel beim Fall der Mauer in der Sauna gewesen wäre. Jedenfalls wurde der schwarze Engel jahrelang wiedergewählt, nicht nur von vielen Westdeutschen, sondern auch von vielen Brüderinnen und Brüdern der ehemaligen DDR.
4. Feststellen kann oder muss man auch, dass die „Wende“ inzwischen geradezu ins Gegenteil umschlägt und von einem gleichgeschalteten sozialistischen System zu einem gleichgeschalteten kapitalistischen System führt. Es gibt zweifelsohne Punkte, bei denen die Kritik dieser „alternativen“ blauen Partei an den etablierten Parteien berechtigt ist. Was Ökonomie und das Soziale angehen, ist diese „alternative“ Partei keine Alternative und so schwarzbraun wie die etablierten neoliberalen Parteien. Die Vorsitzende dieser „alternativen“ Partei kuschelt in einem Interview sogar mit einem milliardenschweren US-Oligarchen und Sozialdarwinisten, der den eigenen Hals nicht voll kriegt, Adolf Hitler unwidersprochen als „Kommunisten“ bezeichnet und kein Problem damit hat, wenn Flüchtlinge im Mittelmeer ersaufen.