Macht eine gewaltfreie, nicht ausgrenzende Sprache die Welt zu einem besseren Ort? Die Linguistik behauptet, dass dem so sei. Eine Linguistin meldet aber starken Zweifel an. Ihr Name: Cordula Simon. Sie sagt, die Sprachpolizisten gründen ihr Weltbild auf eine irrige Linguistik und auf Studien, die gar keine Belege für die These hergeben, dass Sprache die Welt verbessern könnte.
Roberto De Lapuente sprach mit der Linguistin Cordula Simon.
Mag. phil. Cordula Simon, BA phil., Studium der deutschen und russischen Philologie und Gender Studies in Graz und Odessa. Lebt als freie Autorin, zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien. Wissenschaftliche Schwerpunkte: Medien, Linguistik, Propaganda, Fake News, Desinformation, Mediale Literarizität.




Die Gewalt ist dem Menschen immanent.
Man kann, indem man bessere Strukturen schafft, versuchen diese Einzudämmen.
Dies geschieht aber nicht durch eine aufoktroyierte Sprache von oben, denn, gerade Sprache mit ihren idiomatischen Redewendungen erschafft sich immer neu durch ihren kulturellen Austausch zwischen den Individuen.
Das Gendern ist sehr wohl aus dem universtären Umfeld herausgedrungen. Was mich daran nervt, dass man jeden Vortragenden zwingt, zu beliebigem Thema, durch seine Sprache eine Stellungnahme zur Frage des Genderns mitzuliefern und damit das Publikum zu spalten. Man es also immer Gegnern zu tun haben wird, völlig unabhängig von der Sache, die eigentlich zur Debatte steht.
Nicht minder nervig, wie das Gendern und damit oft einhergehend ist die Mode, Vokale langzuziehen und zu modulieren. Aus „ganz“ beispielsweise, wird dann ein gesproches „ga-anz“ und aus „ja“ wird „ja-a“.
Bin ja gespannt, ob man eines Tages die 360-Grad-Drehung bei „veralteten, rassistischen Begriffen“ schafft und am Ende wieder von vorne anfängt. In etwa wie folgt:
Man darf nicht „Mohr“ sagen, man muss „Neger“ sagen.
Ein paar Jahre später:
Man darf nicht „Neger“ sagen, man muss „Farbiger“ sagen.
Ein paar Jahre später:
Man darf nicht „Farbiger“ sagen, man muss „People of Color“ sagen.
Ein paar Jahre später:
Man darf nicht „People of Color“ sagen, man muss „BIPoC“ sagen.
Ein paar Jahre später:
Man darf nicht „BIPoC“ sagen, man muss „Mohr“ sagen.
Und so hat man sich einmal im Kreis gedreht und fängt vorne wieder an. Ein Perpetuum Mobile der politischen Korrektheit!
Wäre lustig, wird aber wahrscheinlich nicht passieren, Wokisten sind blöde und versuchen zwei widersprüchliche Ziele gleichzeitig zu erreichen: Unterschiedsblindheit (alle Menschen sind gleich usw. typisch linker Glaubenssatz) bei gleichzeitiger Bevorteilung vermeintlich diskriminierter „Minderheiten“ (die weltweit längst Mehrheiten stellen oder es zumindest bald werden und die uns in unseren eigenen Ländern ebenfalls zur Minderheit machen).
Da sich das gegenseitig ausschließt, müssen sie die (nach einiger Zeit wieder negativ belegten) Begriffe der normalen Menschen immer wieder verbieten und einen neuen Euphemismus für ihre in Geisel genommenen „Minderheiten“ erfinden.
„PoC“ und sowas hat sich m.E. aber nur noch in woken bzw. linksextremen „intersektionalistischen“ Kreisen durchgesetzt, es ist einfach zu gestelzt und albern, ein „Soziolekt“ sozusagen 🙂
Genau darum ginge es den Betreibern dieser Sprachschablonen aber, aus dem Thema kontinuierlich zu machen, ganz unabhängig von realer Unterdrückung oder etwa struktureller Chancenungleichheit.
Im Weiteren argumentiert man dann über geschichtliche Vorgänge, dass schwarzer Rassismus prinzipiell nicht möglich wäre.
Inwieweit das nun aber mit dem Gendern zu tun hat…
Gewaltfreiheit, allerliebst … als wenn das das Ziel gewesen wäre. Künstlich konstruierte Antagonismen über die sich dann die Machtunterworfenen, angeleitet von den jeweiligen Hirten, künstlich aufregen dürfen, um nur nicht daruf zu kommen, daß dieses Idiotensystem in seinen Grundzügen auf Gewalt gegeneinander aufgebaut ist.
Vlt. noch ein Buchauszug zur Thematik:
Die Schaffung einer ganzen Kaste von Beauftragten, die im Namen von Benachteiligten sprechen und an deren Stelle Vergünstigungen beziehen, ist eine effiziente Maßnahme zur Stabilisierung bestehender Benachteiligung und zur Sicherung wachsender Ungleichheit. Denn wenn in einer Gesellschaft die Einkommensunterschiede sich verschärfen, werden die Verteilungskämpfe härter. Da ist es – wie in jeder Herrschaftssituation – günstig, Kollaborateure heranzubilden. Man ermöglicht Leuten, die sonst meist vergleichsweise wenig Qualifikation innerhalb ihres jeweiligen Apparats aufweisen, einen gewissen sozialen Aufstieg und Zugang zu Kontrollfunktionen in ebendiesen Apparaten. Klarerweise werden die Kollaborateure bestrebt sein, dies ihren Gönnern zu danken. Und sie werden in klugem Eigeninteresse sämtliche Aufgaben und Anliegen, für die sie stehen, immer nur so weit betreiben und vorankommen lassen, dass sie selbst nicht überflüssig werden.
Mit großem Pathos stets gegen irgendeine Benachteiligung ins Feld ziehend – und dadurch jede gegen sie selbst gerichtete Kritik erstickend -, werden sie tunlichst dafür sorgen, dass diese Benachteiligung niemals gänzlich aufhört. Gleichbehandlungsarbeitskreise an Universitäten zum Beispiel geben vor, weibliche Wissenschaftskarrieren zu fördern, indem sie in die Ausschreibungstexte „Genderkompetenz“ als Anforderung hineinreklamieren. Das hat zur Folge, daß junge Wissenschaftlerinnen, um bessere Chancen zu gewinnen, sich verstärkt mit Genderthemen beschäftigen müssen. Dadurch aber vernachlässigen sie andere Fragen, und es wird in der Folge sowohl für Universitäten mit bestimmten inhaltlichen Zielsetzungen als auch zum Beispiel für Veranstalterinnen von Symposien oder Fernsehdiskussionen zu anderen gesellschaftlich relevanten Themen zunehmend schwieriger, überhaupt geeignete weibliche Expertinnen für solche Themen zu finden. Frauen bleiben dann weiter unterrepräsentiert. Umso notwendiger, können die Arbeitskreise dann rufen, ist unsere Tätigkeit.
So gelingt es, die in Schach zu haltende Gesellschaft mehrfach zu spalten: Die Beauftragtenkaste in den Verwaltungsapparaten von denjenigen, die für Produktivität sorgen müssen; einen Mittelstand mit hehren moralischen Gefühlen für ferne Benachteiligte und hohem, daraus entspringenden Distinktionsgewinn von einer Unterschicht, die sich solche Gefühle und den dazugehörigen verklemmten akademischen Jargon immer weniger leisten kann; eine Opfer- oder Interessengruppe von der anderen; die nach Gleichheit Strebenden oder faire Konkurrenz Fordernden von denen, die Sondervergünstigungen beanspruchen.
So wird unter dem Anschein von Emanzipation das Gegenteil bewerkstelligt: Sowohl Solidarität als auch Mündigkeit werden verhindert; Bestrebungen nach Gleichheit werden auf unbedeutendere, kleinere Problemfelder umgelenkt, und berechtigte Empörung wird durch peinlich genaue Sprachregelungen entweder stumm oder kleinlaut gehalten.
Gutgemeinte Worte werden böse
Die zwiespältige Rolle der Verwaltungs- und Vollzugsorgane postmoderner Politiken ist ein Grund für ihr wohl auffälligstes Merkmal: ihre gesetzmäßige Erfolgslosigkeit.
Drei oder vier Jahrzehnte massiver Frauenförderung in westeuropäischen Ländern haben höchstens höhere Frauenanteile in absteigenden Berufssparten wie Kunst, Kulturwissenschaften oder Psychotherapieberufen produziert, aber keine Angleichung der Einkommensniveaus. Regelnde Eingriffe zur Herstellung gendergerechten Sprachgebrauchs haben keine zufriedenstellenden Bezeichnungen hervorgebracht, sondern immer nur neue Unzufriedene: Schien kurzfristig das Binnen-I das geschlechtsneutrale Ei des Kolumbus zu sein, so fühlten sich bald die Transgenderpersonen übergangen, dann kam als vermeintliche Rettung der „underscore“, doch daß dieser eben am unteren Rand der Schriftzeile sitzt, erscheint inzwischen manchen als abwertend; darum muß an seiner Stelle nun unbedingt und definitiv ein Sternchen her. Aber ob dies nun die ideale Lösung ist, und ob es wohl immer die richtige Zahl von Zacken für das Empfinden aller Gruppen besitzt, muß noch abgewartet werden.
-Robert Pfaller, Erwachsenensprache – Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur, S. 27-29
Und den noch, weil … so wie die Agitprop niemals mehr neu ist, ist es auch mit der Aufklärung:
Die herrschende Klasse fördert Identitätspolitik und „Anti-Wokeismus“ aus genau denselben Gründen.
Caitlin Johnstone
17. Dezember 2022
Es ist eine interessante Zeit für Ablenkungsmanöver im Kulturkampf im Schatten des Imperiums. Derzeit finden keine wichtigen Wahlen statt. Die Corona-Maßnahmen der Regierung wurden größtenteils aufgehoben. Das Imperium führt einen extrem gefährlichen und sich ständig verschärfenden Stellvertreterkrieg mit Russland, der dringend genauer unter die Lupe genommen werden sollte. Man könnte erwarten, dass die Bevölkerung in dieser Zeit weniger untereinander und mehr gegenüber den Verantwortlichen wettert.
(…)
Es stimmt vollkommen, dass Identitätspolitik instrumentalisiert wird, um die Agenden des Establishments durchzusetzen und echten Widerstand zu unterdrücken. Ein besonders eklatantes Beispiel dafür lieferte 2016 die extrem aggressive Kampagne zur Wahl der ersten US-Präsidentin. Jeder, der auf ihre erschreckend schlechte Bilanz in Bezug auf Krieg und Militarismus hinwies, wurde als Frauenfeind beschimpft. Die gesamte Demokratische Partei ist im Grunde eine einzige große psychologische Operation, die darauf abzielt, jeden Versuch zu unterbinden, Einkommens- und Vermögensungleichheit, Armut, Kriege, Militarismus, den Einfluss von Geld in der Politik, Überwachung, staatliche Geheimhaltung, die Militarisierung der Polizei und alle anderen Kontrollmechanismen, die den Status quo aufrechterhalten sollen, zu bekämpfen. Gleichzeitig wird jeglicher revolutionärer Zeitgeist mit falschen Versprechungen, das Leben von Frauen und marginalisierten Gruppen zu verbessern, zurück in die Hände des Establishments gelenkt.
Es stimmt aber auch, dass man dem Establishment mit dem Einsatz von Energie im „Anti-Wokeismus“ genauso nützt wie mit dem Engagement in Identitätspolitik.
(…)
Erscheint es Ihnen nicht seltsam, dass die eine Hälfte der herrschenden Klasse die Hälfte der Bevölkerung auf Identitätspolitik fixiert, während die andere Hälfte die andere Hälfte zunehmend in Panik vor der „Wokeness“ versetzt? Wirkt es nicht etwas verdächtig, wie alle etablierten rechten Politiker den Anti-Wokeismus zu einem zentralen Bestandteil ihrer Programme machen, wie alle etablierten rechten Kommentatoren alles daransetzen, ihr Publikum in Panik vor der zunehmenden „Wokeness“ zu versetzen, und wie Elon Musk vom „Woke-Gedankenvirus“ spricht, genau wie liberal gesinnte Oligarchen sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen?
Das liegt daran, dass sowohl der Anti-Wokeismus als auch die Identitätspolitik denselben etablierten Agenden dienen – und zwar ganz bewusst. Je mehr die Menschen auf den Kulturkampf der etablierten Kreise fixiert sind, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie sich für Maßnahmen wie die Kürzung der Pentagon-Mittel oder die Rückforderung all dessen entscheiden, was ihnen die Reichen gestohlen haben. Die Zeit, die du damit verbringst, die andere Seite der kulturellen Kluft anzuschreien, ist Zeit, die du nicht damit verbringst, deinen Vermieter zu verspeisen, wie es Gott und die Natur vorgesehen haben.
https://caitlinjohnstone.com/2022/12/17/the-ruling-class-promotes-identity-politics-and-anti-wokeism-for-the-exact-same-reasons/
Es gibt nichts Neues unter der Sonne.
Die Zeit, die ihr Linken damit vergeudet, euch an Reichen abzuarbeiten, führt auch nur dazu, dass ihr am Ende doch noch Miete zahlt, statt ein Häuschen abgezahlt zu haben. Ein Leben in Frust und in Abhängigkeit von Leuten mit Macherqualitäten, die was aufbauen, statt herumzujammern, dabei waren die Möglichkeiten im Nachkriegs(west)deutschland vermutlich historisch fast einzigartig günstig, um sich was eigenes aufzubauen.
Auf „Kapitalismuskritiker vs. Spießbürger“ trifft das natürlich nicht zu…? Weshalb nicht? Weil ihr genauso die Wahrheit gepachtet habt, wie radikale Feministinnen oder denkbefreite, gutmenschliche Wokisten, Grüne, Religiöse?
So und jetzt kleb wieder dein überlanges Mausfeld-Geschwätz an meinen Kommentar, wenn ich dir schon so eine Vorlage liefere 😉
Soll ich mich nun geschmeichelt fühlen? Mein eigener Fanboy. Nebenbei bemerkt, du bist doch, was nicht erstaunen sollte, ziemlich verlogen. Du wolltest doch nicht mehr mit mir diskutieren. Macht nichts. Hab’s dir ohnehin nicht geglaubt.
Egal, die kapitalistische Möhre. Mein Haus, mein Auto, mein Rasenmäher und was nicht noch alles ist mittlerweile ziemlich in die Jahre gekommen. Und im Laufe der Zeit für immer mehr immer unwahrscheinlicher geworden, weil alles immer teuerer wird, weil dein Herrchen ja den Hals nicht voll bekommt.
Und nebenbei bemerkt, es zeigt auch auf wie hohl dieses System ist, das sich allein auf die Anhäufung von Ramsch als Lebensinhalt kapriziert.
Du hast wahrscheinlich auch noch eine Streckbank im Keller liegen und geißelst dich gerne selber, dem dunklen Mittelalter hängst du ja ziemlich offen nach.
Mein Haus, mein Auto, mein Fitnesstrainer meine Scheidung. Klopp dir einen drauf, Horst-Jürgen.
Die Sprache ist doch linguitisch sehr einfach zu hinterfragen, da die Sprache immer mit der kapitalistischen Ordnung einhergeht. Die Macht der Sprache wird gerne untergraben, für die Interessen der Obrigkeit.
Man kann also zu dem Entschluss kommen, das Sprache immer ein Instrument der machtpolitischen Situation entspricht. Ergo : dem Kapital
Die Experten der Linguistik verstehen viel über die Sprache,, aber möchten keinen Bezug auf die kapitalistischen Interessen vertreten. Denn es ist die Sprache, die. alles verändert.
Wann habt ihr euch, mit euren nachkömmlichen Familien Mitglieder ernsthaft unterhalten?, über daß was der älterliche. Geisteszustand ist?
„Gewalt ist dem Menschen immanent“ – Zitat Frank Hanebuth übrigens.
Lächel….ich wußte bis dato nicht einmal wer das ist.
Ich benutze diese Floskel seit, na seit wann…..genau ™1974 plus ou moin… ♫•
Ich kannte aber einen Ingenieur der bei denen war, dem hatte ich mal einen Holden V8 verkauft, der war sehr kompetent auch oder gerade auf der politischen Ebene.
Der hat in den 10Jahren den Absprung geschafft, neee, nicht von den Angels, aber von den Verhältnissen in Europa. 😉
Die Genderei und die Rede-/Vokabelverbote sind selbst eine Form der Gewalt. Es heißt nicht umsonst „Moralkeule“.
Rischtisch 👍
Die bessere Alternative zum Gendern: Inverses Gendern.
Kolleginnen sind Frauen, Kollegonnen sind Männer, Kollegen sind Alle.
https://sedimal.de/Offtopic/