»Ein Krieg darf einfach nicht stattfinden«

Der Friede ist das Meisterstück der Vernunft. Zitat von Immanuel Kant.
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Wer Krieg führt, muss den Frieden danach bereits mitdenken – und darf den Gegner vor allem nicht mit jakobinischem Eifer vernichten wollen, wenn er ihn später als Verhandlungspartner braucht.

Im Gespräch mit Roberto De Lapuente erklärt Erich Vad, warum er den Ukrainekrieg für militärisch nicht lösbar hält, weshalb Europa aus seiner Sicht stärker auf Verhandlungen setzen sollte und welche historischen Vorbilder für einen möglichen Friedensprozess Orientierung bieten können. Zusammen mit Klaus von Dohnanyi veröffentlicht er diese Woche das Buch »Frieden – wie geht das?«.

 

De Lapuente: Sie sprechen sich – zusammen mit Klaus von Dohnanyi – in Ihrem neuen Buch für diplomatische Lösungen im Ukrainekonflikt aus. Es drängt sich aber zunehmend das Gefühl auf, dass Russland bzw. Waldimir Putin längst nicht mehr so verhandlungsbereit sind, wie sie es noch vor einem Jahr waren. Täuscht dieser Eindruck?

Vad: Ja, was dabei aber nicht gesagt wird:  Es gab immer wieder Angebote Russlands. Erst kürzlich zuletzt. Da wurde Gerhard Schröder als Vermittler ins Spiel gebracht. Aber Europa tut sich schwer, jemanden zu finden, der akzeptabel erscheint. Ein Stück weit ist es blamabel, dass wir offenbar keinen Europäer finden, der mit Russland über diesen festgefahrenen Krieg und einen möglichen Ausweg sprechen kann. Aber der Schröder-Einwurf hat wenigstens angestoßen, dass endlich über Verhandlungen und nicht nur über weitere Waffenlieferungen politisch diskutiert wird. Mit Blick auf die festgefahrene militärische Lage und das hohe Eskalationspotenzial bei den Deep-Strike-Operationen – sowohl in der Ukraine als auch in Russland – sehe ich durchaus eine wachsende Bereitschaft auf beiden Seiten, miteinander zu verhandeln. Hinzu kommt die neue russische Zielplanung, die inzwischen auch europäische Rüstungskonzerne ins Visier nimmt, weil bestimmte Waffensysteme unter Beteiligung europäischer Firmen produziert werden. Um diese Eskalation abzuwenden, wird die Bereitschaft steigen und weiter steigen müssen, miteinander zu reden und nach einem Ausweg aus dem Krieg zu suchen. Denn für diesen Krieg gibt es aus meiner Sicht keine militärische Lösung im Sinne der Ukraine..

»Frau Kallas ist als Vermittlerin nicht geeignet«

Erich Vad und Klaus von Dohnanyi haben nach ihrem gemeinsamen Bestseller noch ein Buch geschrieben. Seit dieser Woche im Handel! Erhältlich auch bei den Buchkomplizen!

De Lapuente: Im Buch erwähnen Sie auch Ronald Reagan und Michael Gorbatschow als Vorbilder politischer Führung. Welche heutigen Politiker sehen Sie überhaupt noch in der Lage, einen vergleichbaren Friedensprozess einzuleiten?

Vad: Reagan und Gorbatschow waren starke politische Persönlichkeiten und machtvolle Akteure. Solche Charaktere braucht es, um aus einem Kriegsszenario in den Frieden zu überführen. Reagan war zwar ein strammer Antikommunist, er hat die Sowjetunion als »Reich des Bösen« bezeichnet und den Westen im Kalten Krieg aufgerüstet. Gleichzeitig war er aber auch derjenige, der gemeinsam mit Gorbatschow den Kalten Krieg beendet hat – etwa bei den Gesprächen in Genf, Reykjavik und auf Governors Island in den Achtzigerjahren. Es gibt auch andere Beispiele. Yitzhak Rabin in Israel hat zum Beispiel nicht gesagt: »Mit einem Terroristen rede ich nicht.« So wie heute oft gesagt wird: »Mit den Russen oder mit Autokraten reden wir nicht.« Stattdessen hat er sich damals mit Jassir Arafat verständigt, und daraus entstand das Oslo-Abkommen. Oder nehmen wir Konrad Adenauer: Deutschland wurde 1955 Mitglied der NATO und sagte dem Bündnis zwölf Divisionen zu. Das war zehn Jahre nach dem Krieg mit der Sowjetunion ein weitreichender Schritt. Im selben Jahr flog Adenauer aber auch mit einer starken Delegation nach Moskau und legte den Grundstein für die neuen deutsch-russischen Beziehungen. Um aus einer Kriegslogik herauszukommen, braucht es solche starken politischen Persönlichkeiten. Und genau das ist im Moment ein Manko in Europa. Die politisch stark angeschlagenen, parteiischen „E3“ plus Selensky werden das ohne die politisch starken, unparteiischen Amerikaner nicht schaffen.

De Lapuente: Halten Sie persönlich Schröder für geeignet? Oder vielleicht den Papst? Ihnen fallen vermutlich auch nicht so viele Namen ein, die das übernehmen könnten, oder?

Vad: Personalpolitik ist nicht das Feld von Sicherheitsberatern und -analysten. Aber es muss jemand sein, der auch von der russischen Seite akzeptiert wird – nicht nur von der ukrainischen. Frau Kallas und Schröder sind als Vermittler also nicht geeignet, weil ihre Positionierungen in der Vergangenheit einer Vermittlerrolle entweder entgegenstehen oder sie als Person zu viele Widerstände evozieren. Man braucht jemanden, der konsensfähig ist, sowohl in Kiew als auch in Moskau.

De Lapuente: Sie nennen unter anderem den Wiener Kongress von 1815 als Vorbild, wie man eine Nation wieder in die internationale Ordnung integrieren kann – damals wurde Frankreich nicht wie ein Paria ausgestoßen, sondern wieder ins damalige Europäische Haus integriert. Metternich und Talleyrand waren Machtpragmatiker. Ist das, was wir heute erleben, einer Krise des politischen Pragmatismus geschuldet?

Vad: Da ist etwas Wahres dran. Damals war der Aggressor in Europa Frankreich – das revolutionäre und napoleonische Frankreich. Insofern ist der Wiener Kongress ein gutes Beispiel, denn man hat damals nicht gesagt: Die sitzen nicht mit am Tisch, weil sie alles verursacht haben, weil sie die Bad Guys sind. Nein, man hat Frankreich an den Tisch geholt. Der französische Staatsmann Talleyrand hat Frankreich in die Staatenordnung zurückgeholt. Die Ordnung, die aus dem Wiener Kongress hervorging, hielt im Wesentlichen bis zum Ersten Weltkrieg, also rund 100 Jahre. Das ist eine beachtliche Leistung. Etwas Ähnliches brauchen wir heute auch. Dieses historische Beispiel macht deutlich, dass man Frieden in Europa nicht gegen eine Nation – im aktuellen Fall wäre es Russland – organisieren kann. Man muss alle miteinbeziehen. Dazu gehört es auch, die russische Sicherheitswahrnehmung zu berücksichtigen, genauso wie die Interessen der Ukraine. Beides schließt sich nicht aus.

»Selbst wenn Putin der Teufel in Person wäre, müsste man mit ihm reden«

De Lapuente: Es wird aber häufig in den Medien und der Politik so dargestellt, als würde beides nicht zusammengehen …

Vad: Dieses Schwarz-Weiß-Schema bei der Befriedung von Konflikten bringt nichts. Man muss eine neue Ordnung in Europa finden, die die Ukraine berücksichtigt. Dabei stellt sich auch die Frage der NATO-Mitgliedschaft. Für mich war die angestrebte NATO-Mitgliedschaft der Ukraine der entscheidende Kriegsgrund. Und die hat Selensky 2019 trotz vieler Warnungen im Westen von Zbigniew Brezezinski über William Burns bis hin zu Wolfgang Ischinger sogar in der ukrainischen Verfassung verankert. Aber auch eine EU-Mitgliedschaft ohne vorausgehenden Friedensvertrag sehe ich kritisch, weil die Europäische Union mit Artikel 42 ebenfalls eine Beistandsverpflichtung hat. Wenn man die Ukraine unter den heutigen Bedingungen in die EU aufnähme, holte man sich den Konflikt mit Russland nach Europa. Das kann nicht vernünftig sein. Deshalb braucht es zuerst einen Friedensvertrag. Sinnvoller ist wohl das, was Friedrich Merz mit einer privilegierten Partnerschaft oder einem Assoziierungsabkommen ins Spiel gebracht hat, allerdings anders, als Merz es sagte, eben ohne die militärische Beistandsverpflichtung der EU. Diesen Weg könnte man zunächst gehen und dann sehen, wie sich die Lage weiterentwickelt. Das wäre auch eher konsensfähig für Russland. Und dann müsste man auch über beiderseitige Sicherheitsgarantien für die Ukraine und für Russland reden.

De Lapuente: Für Russland sind auch Truppenstationierungen in der Ukraine von Relevanz, um einen solchen Weg positiv bescheiden zu können …

Vad: Es sollte in dem Fall natürlich keine westlichen Truppenstationierungen in der Ukraine geben. Und auch die NATO sollte sich dort heraushalten. Neben der Korruption bis in höchste Regierungsämter und mangelnder Rechtsstaatlichkeit ist auch der Nationalismus der Ukraine eine Thema, das die Bündnisfähigkeit der Ukraine derzeit einschränkt. Dazu kommt, dass wir derzeit weit entfernt sind von einer politischen Gesprächs- und Kooperationspartnerschaft der Ukraine mit Russland, was natürlich kriegsbedingt nachvollziehbar ist. Es bleibt also ein großes Arbeitspaket. Aber genau darum geht es beim Frieden. Frieden ist Arbeit. Das zu betonen ist auch das Anliegen von Klaus von Dohnanyi und mir in unserem neuen Buch.

De Lapuente: Wie erarbeitet man sich Frieden?

Vad: Dazu gehören sicherlich militärische Stärke, das Berücksichtigen strategischer, machtpolitischer Rahmenbedingungen und geopolitischer Zusammenhänge. Es gibt aber auch eine innenpolitische Dimension. Wenn ich sehe, wie Russland in unseren Medien oft dämonisiert und mit einer entmenschlichenden Sprache dargestellt wird, wobei Russland Ähnliches mit dem Westen macht, dann ist das Teil eines Informationskrieges. Aus diesem Modus muss man herauskommen, bevor man über Frieden sprechen kann. Moshe Dayan, der spätere israelische Außenminister, hat das einmal treffend formuliert: »Wenn du Frieden willst, reicht es nicht, mit deinen Freunden zu reden – du musst mit deinem Feind reden.« Selbst wenn Putin der Teufel in Person wäre, was er als Mensch nicht ist, müsste man mit ihm reden. Sonst kommt man aus diesem Kriegsmodus nicht heraus.

»Wenn Mexiko russische Truppen ins Land holen würde, dann würden die USA sehr schnell reagieren«

De Lapuente: Sie haben den Ukrainekrieg auch immer als Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland bezeichnet– mittlerweile wird das von vielen Seiten so gesehen. Hätten die Russen eine andere Möglichkeit gehabt, die Missstände in der Ostukraine vor 2022 in den Griff zu bekommen?

Vad: Nein, die Russen mussten nicht zwangsläufig die Ukraine überfallen und einen militärischen Weg wählen. Das hatten sie anfangs auch nicht vor. Sie wollten keinen langen Krieg, sondern einen Regimewechsel in Kiew herbeiführen. Damit begann das Ganze – und dieser Versuch ist gescheitert. Daraus entwickelte sich der lange, zähe Krieg, der inzwischen ins fünfte Jahr geht. Aus ihrer strategischen Interessenlage heraus konnten die Russen eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine nicht akzeptieren. Selenskij hat dieses Ziel 2019 sogar in der Verfassung verankert. Das war aus russischer Sicht der Casus Belli. Darauf haben auch Leute wie Zbigniew Brzeziński, William Burns oder Wolfgang Ischinger hingewiesen. Ich war selbst beim NATO-Gipfel 2008 dabei, als Angela Merkel sagte, man dürfe diesen Weg auf keinen Fall gehen, weil er zu Krieg führen könne. Am Ende ist es genau so gekommen.

De Lapuente: Die Europäer und die Amerikaner wollten aber auch einen Regimewechsel in der Ukraine …

Vad: Die Unterstützung der Maidan-Bewegung durch die USA und Europa kamen dann noch hinzu. Russland betrachtete das als einen Putsch. Danach folgten aus russischer Sicht weitere problematische Entwicklungen: massive finanzielle Unterstützung von westlichen Staaten und NGO´S, allen voran die USA, militärische Aufrüstung, Diskussionen über Stützpunkte auf der Krim sowie Seemanöver vor der ukrainischen Küste. Ich habe amerikanischen Freunden einmal gesagt: Wenn Mexiko Mitglied einer von Russland geführten Eurasischen Union werden wollte, Militärmanöver am Rio Grande durchführen und russische oder chinesische Truppen ins Land holen würde, dann würden die USA sehr schnell reagieren. Das ist ein ähnlicher Mechanismus. Großmächte reagieren sensibel, wenn sie ihre Sicherheitsinteressen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft bedroht sehen. Das hat weniger mit Völkerrecht zu tun als mit geopolitischen Machtinteressen. Und Russland ist eine Großmacht und die stärkste Nuklearmacht der Welt. Die Vorstellung, Russland militärisch in der Ukraine besiegen zu können, halte ich deshalb für unrealistisch. Früher oder später kommt der Punkt, an dem man miteinander reden muss. Spätestens dann, wenn die Gefahr einer nuklearen Eskalation entsteht. Und eines müssen wir verstehen: Die Russen würden Nuklearwaffen einsetzen, wenn sie sich militärisch mit dem Rücken zur Wand sähen. Das ist aber derzeit nicht der Fall – und darüber kann man nur froh sein.

De Lapuente: Sie warnen vor einer »Kriegswirtschaft« in Europa. Welche wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen befürchten Sie konkret für Deutschland?

Vad: Man muss sehen, dass ein Krieg in Europa aus deutscher Interessenlage heraus keine rationale Option ist. Er darf einfach nicht stattfinden. Deutschland wäre nämlich Aufmarschgebiet und logistische Drehscheibe der NATO. Dass man sich auf den Ernstfall vorbereitet, um abzuschrecken und einen Krieg gerade zu verhindern, wäre an sich in Ordnung. Aber dass wir uns politisch und praktisch immer weiter in Richtung Krieg bewegen, halte ich für unklug. Dieses Sicherheitsproblem begleitet Deutschland im Grunde seit Jahrhunderten. Frühere Bundeskanzler haben die deutsche Perspektive in der Sicherheitspolitik immer mitgedacht. Denken Sie etwa an den NATO-Doppelbeschluss, bei dem Helmut Schmidt und Helmut Kohl eine wichtige Rolle gespielt haben. Oder an die Debatten über die Wintex-Übungen im Kalten Krieg. Damals stellte man sich aus deutscher Sicht die Frage: Was passiert, wenn die Abschreckung versagt und Deutschland zum nuklearen Schlachtfeld wird?

De Lapuente: Pazifismus als Lösungsansatz?

Vad: Nein, aber aus deutscher Perspektive kann Krieg nicht die Lösung sein. Das muss wieder stärker ins Bewusstsein der Politik rücken. Das hat gerade nichts mit Pazifismus zu tun. Ich bin Ex-General und habe keinen grundsätzlich pazifistischen Blick auf die Welt. Aber man muss sehen: Die USA haben viele Kriege geführt, allerdings so gut wie nie auf eigenem Boden. Für Amerika kann ein Krieg in Europa deshalb anders bewertet werden. In New York geht keine Fensterscheibe zu Bruch, wenn hier ein Krieg ausbricht. In Deutschland hingegen bliebe kein Stein auf dem anderen. Deshalb müssen wir in Deutschland anders über Krieg und Frieden nachdenken. Klaus von Dohnanyi und ich haben in unserem Buch versucht, diese Perspektive aufzuzeigen. Die zentrale Frage lautet zwar: »Frieden – wie geht das?« Darin steckt aber auch die Frage: »Krieg – wie geht das?« Und wenn man das aus deutscher Sicht betrachtet, kommt man zu dem Ergebnis, dass ein Krieg in Europa nicht im Sinne Europas sein kann.

»Wenn man Frieden erreichen will, muss man auch etwas dafür tun«

De Lapuente: Sie sagen, Europa müsse eigene strategische Interessen definieren. Was wären aus Ihrer Sicht die wichtigsten sicherheitspolitischen Interessen Europas im 21. Jahrhundert?

Vad: Das zeichnet sich ja bereits ab. Wir erleben einen Prozess der Europäisierung der NATO und einen starken Drang in Richtung einer Europäischen Verteidigungsunion. Hintergrund ist, dass die Amerikaner für viele Europäer zu einem unsicheren Kantonisten geworden sind. Deshalb gibt es die Tendenz, sich stärker unabhängig aufzustellen. Das ist allerdings ein längerer Prozess und nicht von heute auf morgen umzusetzen. Doch genau darin liegt die zentrale Frage für Europa: Wollen wir weiterhin die Rolle von Klientelstaaten spielen? J.D. Vance hat die europäischen NATO-Mitglieder einmal so bezeichnet. Man kann auch von Vasallen sprechen. Oder wollen wir vielleicht doch stärker in die Eigenständigkeit gehen?

De Lapuente: Also raus aus der NATO?

Vad: Klaus von Dohnanyi und ich haben die Bündnisfreiheit in unserem Buch diskutiert. Das wird in der aktuellen Debatte kaum angesprochen. Damit verbunden ist die Frage nach einer neuen Rolle Europas in der Welt. Warum entwickeln wir uns nicht zwischen den USA, China, Russland und dem globalen Süden zu einer eigenständigen politischen Größe? In vielen Bereichen, insbesondere militärisch, sind wir jedoch weiterhin auf die USA angewiesen. Wir dürfen aber nicht zulassen, dass die NATO zum Transmissionsriemen amerikanischer Interessen wird. Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis. Und wenn sie das nicht mehr ist, dann brauchen wir ein entsprechendes europäisches Verteidigungsbündnis.

De Lapuente: Was würden Sie jungen Menschen, jungen Männern jetzt empfehlen: Auswandern oder sich im Lande aktiv gegen Kriegsertüchtigung stellen?

Vad: Auswandern ist keine Option. Ich würde jungen Männern durchaus empfehlen, über eine militärische Ausbildung nachzudenken. Die kann nicht schaden. Das schließt aber nicht aus, dass man sich gleichzeitig für Kriegsverhinderung und Frieden einsetzt. Frieden erreicht man nicht allein durch Friedfertigkeit. Militärische Stärke gehört dazu. Wer glaubt, man könne allein durch guten Willen einen nachhaltigen Frieden schaffen, der liegt aus meiner Sicht falsch. Militärische Stärke ist notwendig, sie muss aber vernünftig und maßvoll eingesetzt werden, also auch politisch vernünftig, nicht bellizistisch geführt werden. Kritisch sehe ich dagegen die aktuelle Entwicklung mit den enormen Milliardenausgaben für Rüstung, bei denen man teilweise kaum noch den Überblick hat, was alles bestellt und geplant wird.

De Lapuente: Halten Sie den Pazifismus, wie er teilweise auf der Straße stattfindet, für naiv?

Vad: Nein, ich habe eher eine gewisse Sympathie für den Wunsch, der hinter den Pazifismus steht, gerade aus deutscher Sicht. Die Pazifisten argumentieren oft aus einer prinzipiellen Haltung heraus, was ich nachvollziehen kann. Aber wenn man Frieden erreichen will, muss man auch etwas dafür tun. Dazu gehört militärische Stärke. Ohne sie funktioniert es nicht. Ich bin allerdings auch kein Vertreter des viel zu einfachen römischen Prinzips »si vis pacem para bellum«, das immer wieder zu weiteren Kriegen führte. Entscheidend ist die Kombination: militärische Stärke auf der einen Seite und Dialog, Verständigung und Interessenausgleich auf der anderen Seite, so wie es auch in der Geschichte der NATO im Kalten Krieg der Fall war. Damals hat man sowohl auf Abschreckung als auch auf Gespräche mit der Sowjetunion und dem Warschauer Pakt gesetzt – und vice versa auf sowjetischer Seite. Diese beiden Säulen der sogenannten „Harmel-Doktrin“ gehören zusammen. Was wir dagegen heute erleben, ist eine starke, einseitige Fokussierung auf die militärische Seite, auf vermeintliche militärische Lösungswege mit Waffenlieferungen und einer zunehmend kriegsorientierten Debatte. Diese permanente Rede von »Kriegstüchtigkeit« halte ich für problematisch. Hier braucht es wieder mehr Ausgewogenheit zwischen Abschreckung und Diplomatie.

Dr. Erich Vad ist Brigadegeneral a. D. der Bundeswehr, Unternehmensberater, Publizist und Universitätsdozent. Von 2006 bis 2013 war er Gruppenleiter im Bundeskanzleramt, Sekretär des Bundessicherheitsrats und militärpolitischer Berater der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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38 Kommentare

  1. Polen dürfte also seinen Nachbarn Weißrussland überfallen weil die Mitglied der OVKS sind?
    Natürlich nur wenn Polen 2 Monate vorher ein entsprechendes Paper über den Tisch geschoben hat.

  2. Mutmaßlich sind es immer dieselben Kräfte aus Rüstungs-, Energie- und Finanzindustrie, die über ihre Macht und Verbindungen dafür sorgen, dass sich massenmedial gestützte Feindbilder entwickeln, die normale und ahnungslose Menschen mit Rassenhass vergiften bzw. mordlustig werden lassen, und die politische Rollenträger dann zum Anlass nehmen können, Kriege vom Zaun zu brechen. Das Tragische ist, dass zum Zweck der Profitmaximierung irgendein Anlass geschaffen werden m-u-s-s, der entsprechend ausgenutzt werden kann!

    1. Die im 19. Jahrhundert aufstrebende Stahlindustrie hat schnell herausgefunden, dass man einer wegen der aufwändigen Prozesse der Herstellung den Profit schädigenden volatilen Nachfrage, am besten mit einem künstlichen Absatzmarkt, nämlich Krieg, sozusagen „on demand“ begegnet.
      Dazu brauchte es nur eine willfährige, entsprechend „geförderte“ Politik, eine gehörige Portion Propaganda und eine geblendete Öffentlichkeit. Ingridenzien. die sich im Übrigen auch heute in fast nichts von den historischen Vorläufern unterscheiden.
      E voilà – fertig ist die Hausse!

  3. Alles klar: „unparteiischen Amerikaner“ … und „Zbigniew Brezezinski warnte“ .. ab da wurde es fast albern…

    Die Einen initiieren, befeuern und unterstützen bis heute ohne Unterlass diesen Konflikt, der andere hat die „theoretischen Grundlagen“, den Masterplan dafür entworfen. Von Wiesbaden aus wird der Ukraine Krieg geführt, Trump hat ALLE Sanktionen der Biden-Administration bestehen lassen. Die USA haben sich NICHT (NULL) aus dem Konflikt zurückgezogen.

    Der grundsätzliche Ursprung und die strategischen Grundlagen dieses Konfliktes, den man auch auf keinen Fall als isoliertes Ereignis betrachten darf, sondern mit Irak, Lybien, Syrien, Venezuela und Iran im Zusammenhang sehen muss , kommt hier nicht vor.

    BRD Sozialisierung und US-Softpower Einfluss über Jahrzehnte lassen auch hier nicht zu den richtigen Schlussfolgerungen kommen.

    Es ist kein Friede gewünscht. Es hätte längst Frieden erreicht werden können.

    1. Richtig, der Linksliberalismus mitsamt seinem Kulturkampf und seiner Wokeness ist aus den USA zu uns herübergeschwappt und ein Bündnis mit den wirtschaftlich Mächtigen eingegangen (was besonders gut an der Entwicklung der Grünen zu sehen ist). Beide Gruppen profitieren von einander und ergänzen sich gegenseitig, sie bilden eine gesellschaftliche Symbiose. Zudem erhalten die wirtschaftlich Mächtigen so eine Rechtfertigungsideologie durch die Linksliberalen.

  4. @“Wer Krieg führt, muss den Frieden danach bereits mitdenken – und darf den Gegner vor allem nicht mit jakobinischem Eifer vernichten wollen, wenn er ihn später als Verhandlungspartner braucht.“

    Wer den den nächsten Krieg führen will muss das nicht mitdenken da es sich um einen Atomkrieg handeln wird und kein Verhandlungspartner überleben wird.

    Wir haben nur jetzt die einzige Chance den Krieg zu verhindern und dafür benötigen wir jeden der bereit ist STOP und NEIN zu sagen!

    Wenn eir es jetzt nicht schaffen wird es zu spät sein!

    Führt Merz uns in den Krieg? | Sahra Wagenknecht & Salim Samatou
    https://m.youtube.com/watch?v=s3ZAM-j9BaQ&pp=ygUvRsO8aHJ0IE1lcnogdW5zIGluIGRlbiBLcmllZz8gU2FocmEgd2FnZW5rbmVjaHQ%3D
    .
    Energiekrise in Europa: Folgen des Verzichts auf russisches Gas – Garland Nixon
    https://m.youtube.com/watch?v=fLTahkrZpP8&pp=ygU-S2FubiBkaWUgRW5lcmdpZWtyaXNlIG5hY2ggRXVyb3BhIHp1csO8Y2trZWhyZW4_IEdhcmxhbmQgTml4b24%3D

    1. „Wir haben nur jetzt die einzige Chance den Krieg zu verhindern und dafür benötigen wir jeden der bereit ist STOP und NEIN zu sagen!“

      Es reicht völlig aus wenn Putin STOP und NEIN zu sagt.

      1. @Vende
        Spenden Sie bitte sofort Ihr gesmates Hab und Gut sowie ihr Privatvermögen an die Ukraine und melden Sie sich umgehend bei den Freiwilligen-Verbänden in der Ukraine um ihrZiel zu erreichen.
        Prost!

      2. Dann werden Israel und die USA mit absoluter Sicherheit jegliche, aber auch wirklich jegliche(!!) Eroberungs- und Vernichtungsfeldezüge im Nahen Osten und anderswo einstellen. Ehrenwort!

    2. „Wir haben nur jetzt die einzige Chance den Krieg zu verhindern und dafür benötigen wir jeden der bereit ist STOP und NEIN zu sagen!

      „Merz führt uns in den Krieg!“
      (Das Fragezeichen ist durch ein Ausrufezeichen zu ersetzen).

      Ich kann dem Kommentar nur voll zustimmen.

      Leider hat der größte Teil unserer Gesellschaft nicht begriffen, wie ernst die Lage ist.
      Während des kalten Krieges wäre kein deutscher Politiker auch nur entfernt auf die Idee gekommen, Angriffe auf Russland mit Langstrecken-Flugkörpern zu befürworten und diese auch noch gemeinsam mit einem russophoben Land in Deutschland fertigen zu lassen.

      Während unsere „Eliten“ Putin weiterhin dämonisieren, nimmt kaum jemand wahr, dass Putin einiger der Wenigen im russischen Machtapparat ist, der im Prinzip noch pro-Europäisch ist.
      Andere Stimmen, denen weite Kreise der russischen Bevölkerung zustimmen, fordern längst eine militärische Machtdemonstration gegen die europäischen Nato-Staaten, notfalls auch mit Atomwaffen.

      Hierzu empfehle ich das Interview mit Solowjow (2 Teile) in der Weltwoche, sowie eines mit Karaganov bei Glenn Diesen.
      Auch John Mearsheimer warnte bei Glenn Diesen vor möglicherweise kurz bevorstehenden russsischen Vergeltungsschlägen auf europäische Nato-Staaten wegen der westlich unterstützen Drohnenangriffe im russischen Hinterland.

  5. Nun, ich schätze die Meinung von Herr Vad sehr. Aber eine alte immer noch gültige Regel in der Arbeiterbewegung war: Bewegung und zwar auf der Strasse vor den Gebäuden der Macht. Kluge Bücher und Worte mögen helfen, aber wenn man Frieden will, dann muss man dafür kämpfen (so paradox es klingt, aber es geht auch gewaltlos, naja am Anfang … bis die Staatsgewalt zuschlägt oder so).

    Meine Empfehlung: Raus aus der warmen Stube, Menschen kennenlernen, gemeinsam Handeln. Wie hiess es noch auch gleich: Wenn mein starker Arm es will, stehen alle Räder still.

    1. Frieden? Stell‘ dir vor, es geht und keiner kriegt’s hin.

      Oh, zu kurz! Dann noch eben schnell das Original, vielleicht für die Jugend zum hinter die Ohren schreiben:
      Stell‘ dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.

  6. Im Hinterland der Ukraine werden Städte befestigt und Schützengräben gezogen. Das spricht dafür, dass Selenskyj und sein Gefolge eine russische Offensive befürchten. (Die Siegesmeldungen in den MSM über Geländegewinne der Ukraine sprechen auch dafür.) Dass Selenkyj zusammen mit den mächtigsten europäischen Politikern einen Waffenstillstand mit Einfrieren der Front fordert zeigt, dass ihm der Arsch auf Grundeis geht. Vor kurzem wurde noch ein Rückzug der Russen aus den besetzten bzw. befreiten Gebieten gefordert. Aber die Russen haben schlechte Erfahrungen mit Verhandlungen mit der Westen gemacht und wollen sich nicht wieder reinlegen lassen. Deshalb wollen sie erst verhandeln, wenn der ganze Donbass besetzt/befreit ist. Vielleicht darf es auch ein bisschen mehr sein. Weshalb sonst befestigen die Ukrainer Odessa ?
    Wir werden wohl noch in diesem Jahr den Frieden in der Ukraine erleben. Auch zwischen Iran und USA wird es wohl bald Frieden geben. Aber Israel und Iran werden wohl weiter Krieg führen, solange Netanjahu an der Macht ist, bis sie so ausgepowert sind, dass sie nicht mehr können.
    Aber für eine friedliche Weihnacht und Noruz wird es noch reichen.

    1. Sowohl Putin und auch Netanjahu geht es doch um ihren eigenen warmen Arsch, beide brauchen den Krieg um sich an der Macht zu halten um ihre geklaute Kohle zu schützen und sich vor dem Knast oder anderen Bestrafungen zu schützen.

      1. Ups, ist Vende ein neuer Troll, dem man hier nicht widersprechen darf und
        die Kommentare gleich „genullt“ werden? Schlimm genug das hier solche
        Kommentare wie der Obere von Vende nicht zensiert werden.

    2. Odessa ist Basis alle Seedrohneneinsätze. Auch wird der Nachschub hierüber geführt.
      Angriffe auf die Krim gehen von Odessa aus. Odessa wird also kurzfristig das wichtigste
      Ziel für russische Angriffe werden. Um für alle Male Ruhe zu erhalten, ist wohl auch die
      Einnahme von Odessa von Vorteil.

  7. Das kann den jungen Leuten also nicht schaden… Nun, das kann man so oder so sehen!
    „Ham se jedient?“, aus dem „Hauptmann von Köpenick“, ist das Erste, was mir in den Sinn kam, beim Lesen dieses Satzes.
    Vad hat ja in vielem Recht, aber als Ex-Militär kann er vom Prinzip der Abschreckung nicht abgehen.
    Ein Land, das ständig seine Bereitschaft für eine europäische Friedensordnung unter Berücksichtigung der Sicherheitsinteressen aller erklärt hat, das nach wie vor seine Bereitschaft zur Aufnahme der Energielieferungen erklärt hat, muss man nicht abschrecken, das ist doch Unsinn!
    Es ist doch hanebüchen, sich bei Konflikten nicht in die Denkweise des Opponenten einzufinden.
    So kann man keine vernünftigen, ernst zu nehmenden Verhandlungen aufnehmen, die man im Westen offenbar gar nicht will, geschweige denn, Krieg führen.
    Einen Krieg führen zu wollen, ohne das gegnerische Potential und dessen Willen richtig einzuschätzen, ist nie gut ausgegangen, der Iran zeigt das gerade überdeutlich.
    „Wir treten die Tür ein,“ soll Addolff angeblich gesagt haben, als es darum ging die Sowjetunion zu überfallen, anschließend erwartete er den Zusammenbruch, seine Generale auch!
    Die ganze Planung war geprägt von Selbstüberschätzung, Hybris, Unterschätzung der Möglichkeiten der Sowjets, des Raumes, der Logistik, ALLES.
    Nichts stimmte in den Annahmen.
    Das erinnert mich an : Heute!
    „Man greift Russland nicht an! Russland ist kein Land, sondern ein Kontinent!“, hat Zar Nikolaus II. gesagt.
    Auch der alte Fritz hat in Briefen an seinen Bruder Heinrich gewarnt, das Russland eine gewaltige Macht sei und das staatliche Interesse es erfordere. sich mit dieser gut zu stellen!
    Nun kann man über den alten Fritz sicher vieles behaupten, aber ein Narr war er nicht.
    Auch Bismarck nach der Reichsgründung bemühte sich um ein gutes Verhältnis mit Russland.
    Nun ja….Bismarck und Friedrich II. von Preußen gelten ja als Persönlichkeiten mit historischem Stellenwert, wenn ich dagegen Personen wie Merz, Wadephul oder Pistorius betrachte, nehme ich im Vergleich zu ersteren doch ein gewisses
    Gefälle wahr, möchte ich mal vorsichtig sagen.
    Mit diesen Leuten heute ist kein Staat zu machen, im Guten wie im Bösen nicht!

    1. @Wallenstein
      Dazu:
      „Die Antikriegsbewegung international vorwärts bringen“

      Über die zunehmenden Proteste gegen die Militarisierung in Europa und die am 20. Juni bevorstehende internationale Antikriegskonferenz sprach german-foreign-policy.com mit der Antikriegsaktivistin Kate Hudson.

      Hudson war Vorsitzende (2003 bis 2010) und Generalsekretärin (2010 bis 2024) der britischen Campaign for Nuclear Disarmament (CND) und ist heute ihre Vizepräsidentin.

      Zudem ist sie seit 2002 in der Stop the War Coalition aktiv, die die Konferenz organisiert.

      Hudson betont, die Hauptgefahr für den Weltfrieden liege zur Zeit nicht etwa bei Russland und China, sondern bei den Vereinigten Staaten und ihren westlichen Verbündeten.

      Die USA befänden sich wirtschaftlich im Abstieg und kämpften mit allen Mitteln dagegen an.

      Zudem befinde sich der Kapitalismus in einer tiefen Krise und habe dabei „ein extremes Modell“ hervorgebracht, das „durch extrem rechte Persönlichkeiten“ wie Donald Trump verkörpert werde – ein „politischer Albtraum“, konstatiert Hudson.

      Sie dringt darauf, die Antikriegsbewegung müsse sich ebenso international organisieren wie diejenigen, die die Militarisierung vorantreiben – Staaten und kapitalistische Kräfte –, und rät, gegen die Gefahr einer atomaren Bewaffnung Deutschlands frühzeitig anzukämpfen.“
      Quelle: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10431

  8. „Aber wenn man Frieden erreichen will, muss man auch etwas dafür tun. Dazu gehört militärische Stärke.“

    Um einen eigenständigen Standpunkt verteidigen zu können, braucht es nicht nur militärische Stärke. Für die Umsetzung einer souveränen Politik bräuchte man auch politische Souveränität, Kenntnis der eigenen Interessen und ökonomische Autarkie. Im Kriegsfall darf man nicht wie die Ukraine vom Wohlwollen eines Waffen-, Geld-,oder Informationslieferanten abhängig sein.

    Nichts davon trifft auf Europa zu, darum wünschen die USA eine Aufrüstung in Europa. Dann können sie uns ins Gefecht schicken.

    Aktuell rüsten wir und finanzieren einen kostspieligen Krieg, obwohl unsere Gemeinden nicht einmal ihre Pflichtaufgaben finanzieren können. Allein die Kosten der Aufrüstung führen uns doch an den Abgrund.

  9. Wenn man Russland ruinieren will, warum sollte man dann den Frieden wollen bevor Russland ruiniert ist? Dann macht auch Diplomatie keinen Sinn.

    Die Linksliberalen sehen in Russland ein autoritäres Regime, das durch ein westlich-liberales ersetzt werden soll. Eine weitere Gruppe, die die wirtschaftliche und finanzielle Macht innehat, die denkt weiter und hofft bei einem ruinierten und zusammengebrochenen Russland auf neue Freiheiten für die Vermehrungsmöglichkeiten ihres Kapitals. Beide zusammen bilden sie die schier unschlagbare westliche Herrschaftsstruktur. Die eine hat die ökonomische Macht und die andere (die liberale) hat die politische Ideologie für deren Herrschaft.

  10. Europäische Arroganz kommt vor dem Fall: Deutschland muss endlich aufwachen

    Chinesen warnen Deutschland und Europa: Ihr werdet ein verlorenes Jahrundert haben wie wir einst

    https://www.freiewelt.net/artikel/redaktion/politik/chinesen-warnen-deutschland-und-europa-ihr-werdet-ein-verlorenes-jahrundert-haben-wie-wir-einst/44280

    „China und Amerika essen die europäische Industrie bei lebendigem Leibe auf“, sagen die Chinesen.

    Doch in Europa und insbesondere in Deutschland denkt man immer noch, man könne die anderen Länder belehren, sei es zur Energiewende oder zur Feministischen Außenpolitik.

    China lacht. Amerika lacht. Europa verliert.

    Es ist Zeit für einen Politikwechsel in Berlin, damit das Problem endlich angegangen werden kann.

    Ein alter Spruch sagt es schon: DUMMHEIT UND STOLZ WACHSEN AUF DEM SELBEN HOLZ!

    Genau dies trifft bestens auf unseren Kanzler, Starmer und Macron zu und auch für die Führung der EU!!

  11. Das Dilemma der Vernunft besteht in der Diskrepanz zwischen real existierender gesellschaftlicher und real existierender individueller Vernunft.

    Gesellschaftlich wäre es zweifelsohne vernünftig, alles dafür zu tun, um Kriege zu verhindern oder, wenn man tatsächlich angegriffen wird, den Krieg möglichst schnell zu beenden. Jeder Weltkrieg hat bislang ein Ende gefunden, der Erste Weltkrieg nach rund vier Jahren, der Zweite Weltkrieg dauerte ein paar Monate länger.

    Auf der indivuellen Ebene muss man unterscheiden. Da gibt es auf der einen Seite die Zivilisten und Soldaten, die im Krieg sterben werden oder ohne Gliedmaßen und/oder mit einem „Dachschaden“ den Krieg überleben. Von dem Verlust an (materiellem) Wohlstand durch Aufrüstung, Krieg und Zerstörung wollen wir erst gar nicht reden.

    Auf der anderen Seite gibt es die Manager, die Lobbyisten und die Aktionäre der Rüstungsindustrie. Vernunft bedeutet hier: Gewinne machen und vom Krieg profitieren. Persönlich betroffen werden diese Manager, Lobbyisten usw. aber nicht, weil sie in der immer noch neutralen Schweiz wohnen oder eine Ferienvilla in Florida oder ein Ferienhaus in Kanada haben. Je länger ein Krieg dauert, desto länger profitieren sie davon. „Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hingehen müssen.“ (Erich Maria Remarque)

    Das gilt auch für Politikerinnen/Politiker und Journalistinnen/Journalisten, die rund um die Uhr gegen Putin und Russland hetzen, weil in der Ukraine angeblich die Freiheit und die Demokratie des Wertewestens verteidigt wird. Wurde die nicht 20 Jahre lang am Hindukusch in Afghanistan „verteidigt“ und dann hieß es plötzlich: Jetzt haben wir keine Lust mehr, das Land zu bombardieren. Jetzt suchen wir uns einen anderen neuen Kriegsschauplatz.

    Hier offenbart sich auch die widerliche Doppelmoral und die geradezu ekelerregende Heuchelei vieler Politikerinnen, Politiker, Journalistinnen und Journalisten in Deutschland, die den Krieg in der Ukraine immer als „unprovozierten Angriffskrieg“ Putins bezeichnen und scharf verurteilen. Beim Krieg der isrealischen Armee gegen die Palästinenser im Gaza schweigen sie dagegen oder beschönigen den Krieg als „Verteidung gegen Terroristen“ nach dem Motto: Jeder Palästinenser im Gaza, vom Neugeborenen bis zur 99 Jahre alten Oma, ist ein potentieller Terrorist und muss bekämpft werden. Wenn es nicht anders geht, auch mit tödlichem Ausgang.

    Das wird man ja nochmal sagen dürfen, ohne die AfD zu wählen und ohne in diesem „demokratischen“ Land vom Antisemitismusbeauftragten der Regierung als „Antisemit“ angeklagt zu werden. Oder ist das in der „besten Demokratie, die wir in Deutschland jemals hatten“, schon verboten?

    Gesetz zum Schutze der Meinungsfreiheit und der Demokratie:
    Paragraph 1: Wer die Politik der Regierung kritisiert, ist ein Feind der Demokratie und muss bekämpft werden.
    Paragraph 2: Die Politik der Regierung darf nicht kritisiert werden. Wenn man das tut, tritt Paragraph 1 in Kraft.

    ist das nicht ein logischer Zirkelschluss oder was ist das?

  12. Bei Anti-Israel-Demos erlaubt, bei Deutschland-Demo nicht

    Zu rhythmisch, zu militärisch: Polizei verbietet Trommeln auf Merz muss weg-Demo

    https://www.freiewelt.net/artikel/redaktion-hh/politik/zu-rhythmisch-zu-militaerisch-polizei-verbietet-trommeln-auf-merz-muss-weg-demo/44282

    Bis zu zehntausend Menschen versammelten sich am 8. Juni in Berlin, um gegen die Bundesregierung, die Massenmigration und die Ukraine-Politik zu demonstrieren.

    Deutschlandflaggen flatterten durch den Zug. Die Atmosphäre blieb ruhig – bis die Polizei den Rhythmus unterbrach.

    Absurder geht es kaum: Die Berliner Polizei verkündet per Lautsprecher, dass gleichmäßiges Trommeln nicht erlaubt sei.

    Offenbar löst schon der bloße Rhythmus bei den Behörden blanke Panik aus.

    Ein ganz anderes Bild hingegen liefert eine Anti-Israel-Demo.

    Man sieht Trommler vornweweg marschieren, laut, gleichmäßig, im Rhythmus trommelnd.

    Doch hier: Kein Einschreiten der Polizei, kein Verbot, kein einziges Wort. ALLES LESEN !!

  13. Die EU hatte vier Jahre Zeit um eine friedliche Lösung zu erreichen. Aber der Zug ist ist jetzt wohl abgefahren und eine Einigung ähnlich wie Eisenhower sie für Korea erreicht hat, nicht mehr möglich. Der Drohnenkrieg ins russische Hinterland ähneln den Angriffen mit der V2 auf London. Man versuchte damals die Moral der Briten zu brechen, was aber erfolglos blieb. Die Schäden waren erheblich aber am Ende irrelevant. So wird es wohl heute auch sein. Vermutlich werden die ukrainischen Männer im wehrpflichtigen Alter hier bei uns jeden Tag beten, dass der Krieg morgen vorbei ist und sie von den Sofakriegern der EU nicht an die Front geschickt werden. Dabei können wir ihnen helfen. Das ist alles. Die EU ist wirtschaftlich trotz allem immer noch sehr stark, aber militärisch und diplomatisch am Ende.

  14. „De Lapuente: Sie nennen unter anderem den Wiener Kongress von 1815 als Vorbild, wie man eine Nation wieder in die internationale Ordnung integrieren kann – damals wurde Frankreich nicht wie ein Paria ausgestoßen, sondern wieder ins damalige Europäische Haus integriert. Metternich und Talleyrand waren Machtpragmatiker. Ist das, was wir heute erleben, einer Krise des politischen Pragmatismus geschuldet?

    Vad: Da ist etwas Wahres dran. Damals war der Aggressor in Europa Frankreich – das revolutionäre und napoleonische Frankreich. Insofern ist der Wiener Kongress ein gutes Beispiel, denn man hat damals nicht gesagt: Die sitzen nicht mit am Tisch, weil sie alles verursacht haben, weil sie die Bad Guys sind. Nein, man hat Frankreich an den Tisch geholt. Der französische Staatsmann Talleyrand hat Frankreich in die Staatenordnung zurückgeholt. Die Ordnung, die aus dem Wiener Kongress hervorging, hielt im Wesentlichen bis zum Ersten Weltkrieg, also rund 100 Jahre. Das ist eine beachtliche Leistung. Etwas Ähnliches brauchen wir heute auch. “

    Da hat der gute Vad wohl vergessen was vorher passierte!?!?
    Napoleon wurde in Waterloo geschlagen, verhaftet und nach St. Helena deportiert, bevor man Frankreich wieder an den Tisch holte. Dementsprechend müsste Russland in der Ukraine geschlagen werden, putin verhaftet und nach Den Haag gebracht werden und dann kann man mit Russland über eine vernünftige Nachkriegsordnung verhandeln. Aber vielleicht ist ja das genau der Plan!

    1. „Als Koalitionskriege (unter Ausschluss des ersten Koalitionskrieges auch Napoleonische Kriege genannt) werden die von 1792 bis 1815 dauernden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und seinen europäischen Machtrivalen bezeichnet“ quelle wiki
      Seit wann führt Russland Krieg gegen die
      EU/Nato?
      Ich werde doch die ganze Zeit darüber informiert, dass Russland erst 2029/2030 die EU/Nato angreift bzw. ins Baltikum einmarschiert oder in Polen oder in Finnland. Was denn nun?

  15. Frieden ist kein Meisterstück

    „Frieden ist das Meisterstück der Vernunft.“ Der Satz klingt stark, aber genau darin liegt sein Problem. Er macht Frieden zu einem Idealzustand, den Vernunft irgendwann herstellen könne. So funktioniert die Welt nicht.

    Absoluten Frieden gibt es nicht. Nicht in der Natur, nicht zwischen Menschen, nicht zwischen Staaten und auch nicht in wirtschaftlichen Ordnungen. Was es gibt, sind Balance, Ausgleich, Spannung, Symmetrie, Asymmetrie, Stabilität und Instabilität. Diese Begriffe beschreiben die Wirklichkeit genauer als der abstrakte Begriff Frieden.

    Frieden ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann besitzt. Frieden ist die ständige Begrenzung von Unordnung. Er entsteht dort, wo Macht, Interessen, Angst, Konkurrenz und Abhängigkeit so eingehegt werden, dass sie nicht ständig in Gewalt kippen.

    Kant hat trotzdem einen wichtigen Punkt gesehen. In „Zum ewigen Frieden“ geht es um Recht, Verfassung, Staatenverhältnisse und eine Ordnung, in der Krieg nicht einfach als normales Mittel der Politik behandelt wird. Das bleibt richtig. Aber Kant bleibt unvollständig. Er beschreibt eine Rechtsordnung, nicht alle Ebenen, die eine solche Ordnung tragen müssten.

    Vor allem idealisiert er Frieden zu stark. Der Ausdruck „Meisterstück der Vernunft“ legt nahe, dass Krieg vor allem dort entsteht, wo Vernunft fehlt. Das stimmt nicht. Man kann unter bestimmten Bedingungen sehr vernünftig in einen Krieg ziehen. Ein Staat kann bei voller Klarheit zu dem Ergebnis kommen, dass Krieg notwendig geworden ist, weil alle anderen Ordnungsebenen versagt haben. Das macht Krieg nicht gut. Aber es zeigt: Krieg ist nicht automatisch Unvernunft. Manchmal ist Krieg die rationale Folge einer vorher beschädigten Ordnung.

    Der Satz „Ein Krieg darf einfach nicht stattfinden“ ist deshalb richtig, aber er reicht nicht. Er setzt eine Grenze. Er erklärt aber nicht, wie diese Grenze gehalten werden soll.

    Auch die Aussage, Frieden sei Arbeit, trifft nur einen Teil. Natürlich ist Frieden Arbeit. Man muss reden, verhandeln, vermitteln und stabilisieren. Aber Arbeit ersetzt kein Fundament. Man kann eine beschädigte Ordnung pflegen und reparieren. Wenn das Fundament fehlt, reißt dieselbe Stelle trotzdem wieder auf.

    Genau hier wird das Interview problematisch. Es spricht von Ordnung, Reintegration, Einbindung und davon, wieder in eine europäische Friedensordnung zurückzufinden. Aber welche Ordnung soll das sein?

    Die behauptete Ordnung hat nie wirklich existiert. Sie hat nur lange genug funktioniert. Sie wurde durch Macht, Gewohnheit, Abhängigkeit und strategische Schonung zusammengehalten. Das ist etwas anderes als eine tragfähige Friedensordnung. Man kann nicht in eine Ordnung zurückfinden, die es als echte gemeinsame Ordnung nie gegeben hat.

    Auch der Begriff Reintegration ist problematisch. Er klingt friedlich, enthält aber eine Hierarchie. Wer reintegriert, steht angeblich schon in der Ordnung. Wer reintegriert werden soll, steht draußen und soll wieder passend gemacht werden. Das ist anmaßend.

    Gerade bei Russland wird das deutlich. Russland kämpft erkennbar gegen genau jene Ordnung, in die es angeblich wieder integriert werden soll. Wer einen Akteur in eine Ordnung zurückführen will, die dieser selbst als Teil des Problems betrachtet, schafft keinen Frieden. Er verlängert den Konflikt. Das führt zu mehr Druck, mehr Widerstand und mehr Eskalation.

    Eine wirkliche Friedensordnung müsste nicht ständig reintegrieren. Sie müsste von Anfang an so gebaut sein, dass alle wichtigen Akteure in ihr vorkommen. Nicht als Geduldete, nicht als nachträglich Aufgenommene, sondern als reale Bestandteile der Ordnung.

    Deshalb liegt das Problem tiefer als auf der Ebene der Diplomatie. Das Sicherheitsdilemma ist real: Eine Seite sieht ihre Maßnahmen als Verteidigung, die andere als Bedrohung. Daraus entstehen Aufrüstung, Blockbildung, Gegenschläge und irgendwann Krieg. Aber das Sicherheitsdilemma ist nicht die tiefste Ursache. Es ist das Ergebnis einer tieferen Unordnung.

    Diese tiefere Unordnung liegt in Recht, Sicherheit, Anerkennung, Information, Kultur und vor allem Wirtschaft. Völkerrecht, Verträge, Diplomatie und Institutionen werden schwach, wenn die wirtschaftliche Grundordnung selbst auf Übervorteilung, Abhängigkeit und Manipulation beruht.

    Darum bringt die einfache Gegenüberstellung von Kapitalismus und Sozialismus nichts. Diese Begriffe sind zu grob. Sie sagen nicht, ob eine Geldordnung manipulierbar ist, wer Kredit erzeugen darf, wer eine Leitwährung kontrolliert, wer Verluste auf andere abwälzen kann und wie Staaten miteinander handeln sollen, ohne sich gegenseitig auszunutzen.

    Eine Friedensordnung darf keine bestimmte Binnenordnung zur Weltordnung erklären. Sie muss eine gemeinsame Grundlage schaffen, auf der unterschiedliche innere Ordnungen bestehen können. Ein Staat kann intern sozialer organisiert sein, ein anderer marktwirtschaftlicher, ein anderer stärker staatsorientiert. Entscheidend ist, dass keiner die gemeinsame Grundlage selbst zu seinem Vorteil verformen kann.

    Die tiefste Frage lautet also nicht: Kapitalismus oder Sozialismus? Die tiefste Frage lautet: Gibt es eine gemeinsame wirtschaftliche Grundlage, die für alle gleich gilt und nicht einseitig manipuliert werden kann?

    Hier kommt die Geldordnung ins Zentrum. Geld ist keine Nebensache. Geld ist Macht. Wer Geld erzeugen, entwerten, verteilen, blockieren oder als Reserveinstrument kontrollieren kann, besitzt Macht über andere.

    Sobald eine Währung Leitfunktion hat und zugleich von einem bestimmten Staat oder Währungsraum kontrolliert wird, entsteht ein strukturelles Problem. Wer die Leitwährung kontrolliert, kontrolliert nicht nur ein Zahlungsmittel. Er kontrolliert Reserven, Schulden, Zahlungsfähigkeit, Handelsräume und indirekt auch Ressourcen anderer Staaten.

    Wenn diese Währung entwertet wird, zahlen nicht nur die Bürger des Emittenten den Preis. Alle, die diese Währung halten, verwenden oder als Reserve benötigen, zahlen mit. Reale Güter, Energie, Arbeit und Rohstoffe wurden vorher gegen Geldansprüche abgegeben. Wenn diese Ansprüche später entwertet werden, findet ein Ressourcentransfer statt, ohne dass jemand offen Gewalt anwenden muss.

    Das ist Unfrieden in monetärer Form. Es braucht dafür keine Panzer und keine Besatzung. Der Zugriff läuft über die Geldordnung selbst. Ein privilegierter Währungsraum kann reale Ressourcen anziehen und die Kosten seiner eigenen Politik teilweise nach außen verlagern.

    Der tägliche Währungskampf zeigt, dass dieser Unfrieden nicht abstrakt ist. Währungen stehen ständig gegeneinander. Staaten, Zentralbanken, Märkte und Kapitalströme reagieren auf Zinsen, Schulden, Abwertung, Aufwertung, Reservestatus und politische Risiken. Das ist kein stabiler Frieden, sondern ein permanenter Kampf um relative Vorteile. Daraus entstehen Handelskonflikte, Schuldenkrisen, Sanktionen, Ressourcenpolitik, Blockbildung und schließlich Sicherheitsdilemmata.

    Deshalb reicht es nicht, wieder mehr Diplomatie zu fordern. Natürlich muss gesprochen werden. Aber Gespräche ersetzen keine Ordnung, die von allen getragen werden kann. Wenn der Westen eine Ordnung propagiert, die andere nicht als gemeinsame Ordnung erleben, sondern als westliche Machtordnung, dann ist diese Ordnung bereits gescheitert. Sie wird nicht mehr getragen, weil sie für viele nicht Frieden bedeutet, sondern Unordnung unter westlicher Führung.

    Wirtschaftstheorien müssen deshalb anders geprüft werden: nicht danach, welche moralisch sympathischer wirkt, sondern danach, ob sie Macht, Geld, Kredit, Manipulation und internationale Asymmetrie ernst nehmen. Theorien, die Geldschöpfung, Kreditexpansion oder staatliche Währungssteuerung als normale Werkzeuge behandeln, können innerhalb eines Staates stabilisierend wirken. Als Friedensgrundlage zwischen Staaten bleiben sie problematisch, wenn sie kein klares Veto gegen einseitige Manipulation enthalten.

    Eine tragfähige Friedensökonomie braucht deshalb eine gemeinsame Abrechnungsebene, die nicht einseitig kontrolliert werden kann. Sie muss überprüfbar sein, für alle nach denselben Regeln gelten, echte Werte von bloßen Ansprüchen unterscheiden und Manipulation nicht nur verbieten, sondern wirkungslos machen.

    Das löst nicht alle Konflikte. Staaten bleiben unterschiedlich. Gesellschaften können intern scheitern. Rohstoffe, Militär, Technologie, Infrastruktur und Kultur bleiben Konfliktfelder. Aber eine neutrale und überprüfbare Grundschicht würde einen zentralen Mechanismus beseitigen: die Möglichkeit, andere über die Geldordnung dauerhaft zu übervorteilen.

    Kant müsste also ergänzt werden. Frieden ist kein Meisterstück, das die Vernunft einmal hervorbringt, kein fertiger Zustand und keine Rückkehr in eine alte Ordnung, die es so nie gegeben hat. Frieden ist die dauernde Begrenzung von Unbalance. Seine Begriffe sind Balance, Begrenzung, Symmetrie, Ausgleich, Überprüfbarkeit und gemeinsame Regeln.

    Ein Krieg darf nicht stattfinden. Aber dieser Satz beginnt nicht erst an der Grenze, bei Truppenbewegungen oder beim Scheitern von Diplomatie. Er beginnt dort, wo Unfrieden strukturell erzeugt wird.

    Eine Welt, in der Staaten einander über Währung, Kredit, Reserveprivileg und wirtschaftliche Abhängigkeit dauerhaft übervorteilen können, ist keine friedliche Welt. Sie ist eine Welt, in der der Krieg nur noch nicht militärisch geworden ist.

    Wenn Frieden mehr sein soll als ein schöner Begriff, muss er von unten gebaut werden. Nicht als Idealzustand, nicht als Rückkehr und nicht als Reintegration in eine behauptete Ordnung. Sondern als gemeinsame Grundlage, die Macht nüchtern einkalkuliert und bestimmte Formen der Manipulation gar nicht erst zulässt.

    Kants Gedanke bleibt wichtig. Aber sein Werk bleibt an dieser Stelle offen. Frieden ist die fortlaufende Begrenzung der Mechanismen, durch die Unfrieden entsteht. Wer Frieden ernst nimmt, darf nicht nur Krieg ablehnen. Er muss die Strukturen beseitigen, die Krieg vorbereiten.

    1. Ein tiefschürfender und treffender Kommentar. Vielen Dank. Nur die eingebauten Links führen bei mir vermutlich nicht dahin wo sie sollten, sondern zu einem Stromanbieter.

    2. Ein schöner Kommentar, allerdings vor der Zeitenwende aus den Zeiten der Aufklärung. Zitat: „Wer Frieden ernst nimmt, darf nicht nur Krieg ablehnen. Er muss die Strukturen beseitigen, die Krieg vorbereiten.“

      Da sehe ich mir dann nüchtern die Evolution des „homo sapiens“ der letzten 10.000 Jahr an und stelle fest: Vor 10.000 Jahren hat sich die Sippe der Barbarossa mit der Sippe der Blondbärte verbündet, um die Sippe der Donnervögel mit Knüppeln und Steinen zu bekriegen. „Zivilisierte“, „aufgeklärte“, „gebildete“ und „kultivierte“ Menschen des 21. Jahrhunderts nehmen Überschallraketen, Drohnen und andere KI-gestützte Waffen aus dem Hause Thiel-Donaumetall oder von Heckler-Musk.

      Ich wünsche daher viel Glück bei der Umsetzung Ihres Projekts. Es mag etwas zynisch klingen, aber vielleicht erlebe ich es noch, dass sich die Menschheit komplett auslöscht. Es wäre schade, wenn sich der „homo sapiens“ vorher im Weltall ausbreiten würde und es dort Lebensformen gibt, die sich nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen im Namen des Kaisers, des Königs, des Führers, irgendeines Gottes, der Freiheit, der Demokratie, des Vaterlandes oder aus welchen Gründen auch immer. Viva la victoria definitiva!

      1. Das ist kein Aufklärungsoptimismus. Es stimmt nicht, dass seit 10.000 Jahren einfach alles gleich geblieben ist. Menschen führen Kriege, aber Menschen bauen auch seit Jahrtausenden bessere Ordnungen, um Gewalt, Willkür und Machtmissbrauch zu begrenzen. Seit Kant ist dieser Prozess deutlich weitergegangen.

        Kant hat Frieden selbst schon als Ordnungsfrage verstanden. Es ging ihm nicht bloß um gute Absichten, sondern um Recht, Verfahren, Verfassung und eine Ordnung zwischen Staaten. Genau daran muss man anschließen.

        Die offene Stelle liegt heute vor allem in der Geldordnung. Dort sitzt einer der stärksten Machtpunkte überhaupt. Wer Geld erzeugen, entwerten, blockieren oder als Leitwährung kontrollieren kann, hat Macht über andere. Solange Geld zentral kontrollierbar ist, bleibt Unfrieden im Fundament eingebaut.

        Deshalb ist die dezentrale Geldfrage entscheidend. Eine gemeinsame Geldordnung darf nicht von einem Staat, einem Block, einer Zentralbank oder einer Institution einseitig verändert werden können. Sonst ist sie keine gemeinsame Grundlage, sondern ein Machtinstrument.

        Dezentralität verhindert den zentralen Kontrollpunkt. Konsensmechanismen sorgen dafür, dass alle Teilnehmer sich auf denselben überprüfbaren Zustand beziehen können. Genau darum geht es: nicht um Hoffnung auf bessere Menschen, sondern um eine Ordnung, die Manipulation begrenzt.

        Man sieht dieses Prinzip längst an anderen Stellen. Eine Kommentarspalte braucht Regeln, Zeichenbegrenzung und Kommentarlimits. Das Internet funktioniert durch Protokolle, Standards, Dezentralität und gemeinsame technische Regeln. Es funktioniert nicht, weil alle gut sind, sondern weil schlechte Nutzungsmöglichkeiten begrenzt werden.

        Dasselbe Prinzip muss in die Geldordnung hinein. Solange die wirtschaftliche Grundlage manipulierbar bleibt, wird jede Friedensordnung darüber instabil. Dann können Staaten einander über Währung, Kredit, Reserveprivileg und Abrechnungssysteme übervorteilen, ohne offen Gewalt anzuwenden.

        Das ist keine Romantik. Das ist die Fortsetzung der Ordnungsfrage, die Kant längst gestellt hat. Frieden braucht nicht den besseren Menschen. Frieden braucht eine Ordnung, in der Macht nicht beliebig durchgreifen kann.

    3. Es gibt ein Völkerrecht für alle Staaten!
      Vielleicht sollte jeder Staat mal mit dem
      anfangen was ich für sehr wichtig halte.
      „Jeder Staat hat das Recht auf eigene Sicherheit – aber nicht auf Kosten der Sicherheit eines anderen Staates»“
      OSZE-Istanbul 1999
      @ Miri
      „Deshalb reicht es nicht, wieder mehr Diplomatie zu fordern. Natürlich muss gesprochen werden. Aber Gespräche ersetzen keine Ordnung, die von allen getragen werden kann. “
      Schön und gut aber wer soll das denn in
      EUropa federführend fordern, die Gespräche? Das politische Personal ist inkompetent und zwar in ganz EUropa!
      Die Ordnung, die von allen getragen werden kann gibt es nicht, kann es nicht geben weil
      die Staaten unterschiedliche Interessen haben, was die EU noch zusammen hält ist das Geld, das gegen „Reformen“ verteilt wird…….wie lange noch?
      Der Frieden in der EU wurde mit Geld erstmal „gesichert“ aber je mehr Staaten „eingeladen“ werden, desto grösser ist die Gefahr des Zusammenbruchs.
      Und der wirtschaftliche Zusammenbruch kommt…!
      Die Umverteilung von unten nach oben funktioniert nicht mehr, weil die da unten nix mehr besitzen.

      1. Genau das meine ich.

        Wenn Sie schreiben, „unten ist nichts mehr zu holen“, dann ist das nicht der Widerspruch zu meinem Kommentar, sondern der Beleg dafür.

        Unten ist nicht plötzlich keine Leistung mehr da. Die Menschen arbeiten weiter. Ihre Lebenszeit ist da. Ihre Arbeitskraft ist da. Ihre Produktivität ist da. In vielen Bereichen ist sogar viel mehr reale Leistungsfähigkeit vorhanden als früher.

        Das Problem ist nicht, dass real zu wenig da wäre. Das Problem ist, dass die Geldordnung die Realität verzerrt.

        Durch ständige Geldschöpfung, Kreditexpansion, Inflation, Vermögenspreisblasen und politische Rettungsprogramme entsteht ein falsches Bild. Oben sammelt sich Vermögen, unten kommt immer weniger an. Dann sieht es irgendwann so aus, als wäre „unten nichts mehr zu holen“. Tatsächlich wurde die Leistung vorher nur schon abgeschöpft, entwertet oder in falsche Kanäle gelenkt.

        Genau das kritisiert die Österreichische Schule: Geld und Kredit senden falsche Signale. Man erkauft sich Zeit. Man simuliert Stabilität. Man verschiebt Kosten in die Zukunft. Eine Weile funktioniert das. Irgendwann bricht das Bild mit der Realität zusammen.

        Und genau hier hängt es mit Krieg und Frieden zusammen. Eine Ordnung, die innen schon auf verzerrten Geldsignalen, Schulden, Abhängigkeit und Abschöpfung beruht, wird außen nicht plötzlich friedlich und stabil. Sie erzeugt Druck, Konkurrenz, Ressourcenkämpfe, Sicherheitsdilemmata und irgendwann Eskalation.

        Darum reicht es nicht, nur über Diplomatie oder Völkerrecht zu reden. Beides ist wichtig. Aber wenn die wirtschaftliche Grundlage selbst manipuliert ist, bleibt die ganze Friedensordnung instabil.

        Die Frage ist also nicht, ob unten noch etwas zu holen ist. Die Frage ist, warum trotz vorhandener Arbeit, Lebenszeit und Produktivität immer weniger unten ankommt.

        Das ist keine natürliche Knappheit. Das ist eine verzerrte Ordnung.

  16. Vad mag als eine vergleichsweise besonnene Stimme im ansonsten bellizistischen Chor erscheinen, aber er kann halt auch nicht aus seiner vom Militär geprägten Haut.
    Aussagen wie, Frieden sei eine Sache der militärischen Abschreckung, dass der Jugend eine militärische Ausbildung nicht schade ofenbaren zusammen mit dem Unterschätzen der Rolle der USA und der europäischen transatlantischen Rackets bei der Anbahnung und Aufrechterhaltung des Konflikts eine gewisse Begrenztheit seiner Analyse.
    Trotzdem ist es gut und wichtig, dass es authentische professionell erfahrene und damit glaubwürdige Stimmen aus dem militärischen Bereich gibt, die sich gegen die spatzenhirnige Kriegstreiberei von beispielsweise oliv-grünen Konvertiten wenden.

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