
Wie klingt eine Gesellschaft, die sich auf Krieg einstimmt? Welche Wörter verwendet sie? Und gleicht sich der Sound aller kriegsertüchtigenden Gesellschaften?
Im Gespräch mit Roberto De Lapuente zeigt Konfliktforscher Leo Ensel, wie sich Militarisierung längst in unsere Alltagssprache eingeschlichen hat – von »wehrhaft« bis »nachhaltige Armeen«. Ein Interview über alte Parolen, neue Propaganda und die Macht der Worte.
De Lapuente: Herr Ensel, Sie haben allerlei Wörter und Redensarten zusammengetragen und sie in einem »Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit« veröffentlicht. Hat sich denn das Vokabular der Kriegstüchtigen vergrößert, seitdem Sie anfingen, deren Ausdrücke aufzuschreiben?
Ensel: Und wie! Ich habe seit Redaktionsschluss (1. Dezember letzten Jahres) schon wieder über 300 Schmetterlinge mehr in meiner Sammlung. Der Irankrieg brachte übrigens eine besonders reichhaltige Ernte. Aktuelles Beispiel gefällig? Bitte: »Dies sollte nie ein fairer Kampf sein, und es ist auch kein fairer Kampf. Wir schlagen auf sie ein, während sie am Boden liegen, und genau so sollte es auch sein.« Pete Hegseth spricht hier Klartext. – Oder um ein anderes Bild zu bemühen: Ich muss nur mein Segel hissen oder mein Netz auswerfen – Wind und Fische kommen von ganz alleine!
De Lapuente: Ist denn die Sprache der Kriegstüchtigkeit von der Sprache des Krieges noch zu unterscheiden?
Ensel: Beides soll jedenfalls darauf hinauslaufen, dass man, wenn es soweit ist, tüchtig Krieg führen kann!
»Ein Wort wie eine Promenadenmischung aus Habermas und Pistorius«

De Lapuente: Würden Sie sagen, dass viele der Wörter, die Sie da zusammengestellt haben, schon eine gewisse Kriegstradition haben? Anders gefragt: Wurden unsere Urgroßväter im Ersten Weltkrieg schon mit ihnen konfrontiert?
Ensel: »Wer töten will, muss sterben können.« Wissen Sie, wann und wo diese Überschrift gedruckt wurde? – In der ZEIT vom 21. Oktober 2025! »Moskau dem Erdboden gleichmachen« oder »weit in die Tiefe des russischen Raumes« sind ebenfalls nicht besonders originelle Formulierungen. Von der »tödlichsten Streitmacht in Europa« oder dem »Willen zum Kampf« war sicher auch zu früheren Zeiten schon die Rede. Wie ja auch das Wort »kriegstüchtig« nicht etwa eine Erfindung von Herrn Pistorius ist, sondern sich nicht zuletzt Anfang der Vierzigerjahre des vorigen Jahrhunderts hierzulande großer Beliebtheit erfreute. (Was ja auch kein Zufall ist, schließlich müssen wir uns ja laut NATO-Generalsekretär Mark Rutte »auf ein Ausmaß von Kriegen vorbereiten, wie sie unsere Großeltern und Urgroßeltern ertragen mussten«.) Einiges ist allerdings auch zeitgemäß etwas modernisiert: Wo man früher »Kein Fußbreit dem Feind!« brüllte, wird heute der NATO-Luftraum »Zentimeter für Zentimeter« verteidigt. – Es gibt sie also noch, die guten alten Aufmunterungs- und Durchhalteparolen.
De Lapuente: Was hat Sie beim Zusammentragen der Begriffe am meisten überrascht?
Ensel: In der Tat gibt es auch einen völlig neuen Sound. »Woke & wehrhaft« hat ja laut dem (ungedienten) Professor an der Münchner „Universität der Bundeswehr“ Carlo Masala die postmoderne Truppe zu sein. (Sämtliche Minderheiten der bunt-diversen Gesellschaft all inclusive.) Entsprechend ist nun von »queerfeldein marschieren«, »mehr Sichtbarkeit« oder von »in der Gesellschaft ankommen« die Rede. Äußerst beliebt ist übrigens auch ein oliv-grüner Öko-Sound: »nachhaltige Wehrhaftigkeit«, »Greening the armies«, »technologische Ökosysteme«. Also Militarismus mit Öko-Siegel: Nachhaltige Armeen, Panzer mit Hybridantrieb aus doppelt-grünem Stahl, Kasernen mit Solardach – alles für den klimaneutralen Atomkrieg! Auch um den Jugendjargon bemüht man sich sehr: »Absolut mega!« findet ein deutscher Hauptmann den Empfang seiner Truppe in Litauen und unser Verteidigungsminister nimmt doch tatsächlich in aller Öffentlichkeit das Wörtchen »geil« in den Mund! Gefragt ist nicht mehr der im Befehlston schnarrende Preuße, sondern der kommunikative Buddy mit Medienkompetenz – vielleicht sogar genderoffen und festivalerprobt. (Und für die Intellektuellen gibt es noch ein paar ganz besondere Leckerlis: »Diskurstüchtigkeit«, eine Promenadenmischung aus Habermas und Pistorius, sowie nichts weniger als schlichtes »Glück«! Denn: »Europa erlebt derzeit, historisch gesehen, etwas, das einem Glück gleicht. Wir haben wieder Feinde. Echte Feinde.« So Meisterdenker Peter Sloterdijk.) – Dazu kommt noch eine weitere wichtige Kategorie: Tausend Formulierungen, die (aus durchsichtigen Gründen) die Grenze zwischen Krieg und Frieden vernebeln. Da ist von einem »grauen Krieg«, von »hybridem Gesamttableau« oder schlicht von »irgendwas dazwischen« die Rede. Den Vogel allerdings schoss Generalinspekteur Carsten Breuer ab: Ihm zufolge befinden wir uns gerade in einer »dämmrigen Übergangszeit«!
»Meine Kinder sollen 100 Jahre alt werden«
De Lapuente: Hat Sie der Prozess der Recherche für Sprache nochmal sensibilisiert? Überhaupt: Ertappen Sie sich nicht dabei, das eine oder andere Wort aus Ihrem Lexikon selbst im Alltag zu verwenden?
Ensel: Das Ohr schärft sich in der Tat immer stärker. Dass mir in atemberaubendem Tempo immer mehr Fische ins Netz gehen, hat mit Sicherheit damit zu tun – und natürlich mit der Tatsache, dass die Lage selbst sich immer rasanter verschärft. Entsprechend radikalisiert sich auch die Sprache. – Ich selbst verwende keine dieser Formulierungen. Es reicht mir, dass ich mich tagtäglich mit ihnen am Schreibtisch auseinandersetzen muss!
De Lapuente: Welcher der aufgeführten Begriffe imponiert Ihnen am meisten dem Sinne nach, dass da jemand offenbar sein propagandistisches Handwerk meisterhaft versteht?
Ensel: Ein wahres Meisterwerk ist zum Beispiel »SAFE«, die Abkürzung für »Security Aktion for Europe« – eine neue kreative Möglichkeit der EU, sich via Anleihen Geld für die dringend erforderliche Aufrüstung zu beschaffen. Hier waren – Chapeau! – absolute Wort-Profis am Werk. Besonders gut gefällt mir aber auch die »Kaltstart-Akte« für Soldat-Sternchen-innen: Laut Wehrbeauftragter Eva Högl »eine gute Grundlage, um frühzeitig Regelungen für den Ernstfall zu treffen«. Testament, Patientenverfügung, Sorgerechtsfragen – all inclusive! (Passwörter zu Social-Media-Profilen und E-Mailfächern, Zugänge zu Bankkonten und Versicherungen oder Codes für Alarmanlagen an Haus oder Wohnung nicht zu vergessen.) Über den eigenen Tod nachzudenken, fällt zwar (laut Högl) schwer. »Jedoch ist eine gewisse Vorbereitung unabdingbar, um Familie und Freunde in schweren Zeiten zu entlasten.«
De Lapuente: Sie widmen Ihr Buch jungen Menschen beiderlei Geschlechts, die nach 2008 geboren wurden und ein Recht darauf haben, ihr Leben zu genießen. Sie haben in Ihrem Umfeld selbst junge Leute, um die Sie fürchten, Herr Ensel?
Ensel: Ja. Ich habe, wie beim »Kaukasischen Kreidekreis«, zwei Kinder – eine Tochter (16) und einen Sohn (15) – in Armenien. Schrecklicherweise wurden sie dort 2020 und 2023 schon in frühem Alter mit dem Thema »Krieg« direkt konfrontiert. Vielleicht werden sie in ein paar Jahren in Deutschland studieren. Ich möchte nicht, dass sie vom Regen in die Traufe kommen! Beide sollen 100 Jahre alt werden.
Leo Ensel: „Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit – Krieg heißt Töten“, Promedia Verlag, Wien 2026. 20,00 Euro
Dr. Leo Ensel („Look at the other side!“), ist Konfliktforscher und interkultureller Trainer mit Schwerpunkt „Postsowjetischer Raum und Mittel-/Ost-Europa“. Veröffentlichungen zu den Themen „Angst und atomare Aufrüstung“, zur Sozialpsychologie der Wiedervereinigung sowie Studien über die Deutschlandbilder im postsowjetischen Raum. Im Neuen West-Ost-Konflikt gilt seit 2014 sein Hauptanliegen der Überwindung falscher Narrative, der Deeskalation und der Rekonstruktion des Vertrauens.
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Ich denke es ist vorbei unsere Jugend will sterben.
War Zeuge als eine Horde Teenager-Jungs, alle sportlich fit gut, drauf, raspelkurzer militärisch korrekter Haarschnitt, vermutlich weil Mutti es so richtig findet für richtige Jungs, machten sich über einen Altersgenossen mit bunter Punkerfrisur lustig, der das sanft ignorierte, Mir kamen dabei verschiedene Gedanken: die haben sicher keinen Antrag auf Militärdienstverweigerung gestellt ? Der Bunte hoffentlich schon. Wenn die dann beim beim Bund in wenigen Jahren zeigen dürfen, was richtige Männer sind und dann das häufige Ende einer solchen Performance nehmen, winselnd irgendwo zu verrecken oder als Krüppel in einem Hinterzimmer gepflegt zu werden, ob sie dann immer noch große Fresse haben und sich über „Weicheier“ lustig machen ? Und weiter, müssen die einem dann leid tun, oder deren Mütter ?
Fragen über Fragen die mir kamen.
Zur Ergänzung: diese Jungs sollten sich den Spielfilm „Die Brücke“ (1959) von Bernhard Wicki anschauen. Mit welchem Pathos „verteidigten“ diese fanatisierten Jungs eine militärisch unwichtige Brücke. Bis auf einen starben alle.
Sobald den von Ihnen erwähnten wehrdienstgeilen Jungs die ersten Kugeln am Kopf vorbeifliegen oder die ersten Extremitäten um sie herumfliegen und/oder -liegen, wird es mit dem Heldenmut vorbei sein.
Sie werden heulen, nach Muttern schreien und sich in die Hose pinkeln.
Ich weiß, wie es ist, wenn auf einen geschossen wird. Zum Glück war es bei mir nur eine leichte Verletzung, aber es hätte im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge gehen können.
Ebenfalls noch in Ergänzung zum Beitrag von „Grottenolm“ ein Klassiker der Anti-Kriegsliteratur von Dieter Noll „Die Abenteuer des Werner Holt“ und der Film „Komm und sieh“ von Elem Klimow.
Die beiden Bände von Noll über Werner Holt las ich während meiner Armeezeit, wobei der erste Band besser ist als der zweite.
Werner Holt, Band 1, wurde verfilmt. Leider fehlen bei der DVD ca. 30 Minuten Film.
„Geh und sieh“; hier weiß ich nicht mehr, ob ich diesen Film je gesehen habe. Der Film soll heftig sein, ähnlich „Iwans Kindheit“.
Schade, daß keine deutsche Schule sich getraut, solche Literatur und Filme im Unterricht zu behandeln.
„jungen Menschen beiderlei Geschlechts, die nach 2008 geboren wurden und ein Recht darauf haben, ihr Leben zu genießen“
Mal abgesehen davon, dass es gesellschaftliche Konsens ist, hier an die Geschlechter sehr unterschiedliche Maßstäbe anzulegen, ist es nicht so, dass man sich ein solches Recht dadurch erwirbt, wie man selbst Anderen ,Schwächeren gegenüber auftritt, freundlich, nachsichtig, friedfertig, und nicht eine Frage des Geburtsdatums ?
Nana! Jetzt will hier schon Sprache, dass wir in den den Krieg ziehen. Gibt es denn keine psychopathischen Kapitalisten mehr, die uns in den Fleischwolf drehen wollen? Keine namentlich bekannten Protagonisten diesseits wie jenseits des Großen Teichs? Wer ist denn für die veränderte Sprache verantwortlich?
Ich habe während des Jugoslawienkrieges mir eine Reportage über den Beschuss von Sarajewo angesehen, indem ein junger Reporter das „Trommelfeuer“ beschrieb, unter dem Sarajewo läge.
Nun ist alle halbe Stunde eine Granate zwar schlimm genug, aber bei weitem kein Trommelfeuer.
Da ging mir auf, das der junge Mann überhaupt nicht wusste, was ein Trommelfeuer ist!
Da habe ich mich gefreut, das die junge Generation offenbar weit entfernt von militärischen Begrifflichkeiten ist, das sich also offenbar etwas verändert hatte….
Umso mehr schmerzt mich die Rückkehr und allgemeine Akzeptanz des militärischen Vokabulars.
Allein dessen Präsenz schon verändert etwas in den Köpfen, die ständige Benutzung derlei Begrifflichkeiten sorgt für den Eingang in den Alltag, schafft neue Selbstverständlichkeiten.
Das ist gefährlich, da tröpfelt reines Gift in die Köpfe der Menschen, aus Gedanken ergeben sich irgendwann Handlungen.
Ich kann das nur schwer aushalten!
Das Buch von Hrn Ensel ist wichtig und notwendig, wird aber nicht die Reichweite haben, die nötig wäre, um den Kampf um die Köpfe zu gewinnen!
Kein deutscher Staatsbürger sollte sich für diesen Staat oder die sog. ‚Westliche Un-Wertegemeinschaft‘, den z. B. die ÖRR propagandistisch unterstützen ( u. a. durch Propaganda-Formate wie https://www.ardmediathek.de/sendung/die-100-was-deutschland-bewegt/Y3JpZDovL25kci5kZS80OTU0 ) und für den diese u. a. stehen, auch durch tätiges Nichttun / Verschweigen ( NATO-Osterweiterung als eine Kriegsursache ), Verdrehen von ( vermeintlichen ) Tatsachen, in welchem Pazifistinnen und Pazifisten u. a. Gruppen systematisch straffrei diffamiert werden, zu welchem Dienst auch immer zur Verfügung stellen – womöglich noch sein Leben riskieren, welches deutsche Politik leichtfertigst aufs Spiel setzt seit dem Jahre 2001 bzw. dem 24.02.2022.
Ferner bin ich der Auffassung, dass Deutschland angesichts seiner Geschichte alles unternehmen muss, um friedenstüchtig zu werden bzw. eine Friedensbewegung zu etablieren. Deutschland ist wieder Waffenexport-Großmeister. Daher Stopp deutscher Waffenexporte ( direkt und indirekt ), Rüstungsfinanzierungen im Ausland usw. – https://aufschrei-waffenhandel.de/ .
Angesichts der Schuld Deutschlands für Krieg und Leid und Genozid im 20. Jahrhundert, sollte es die Neutralität nach Schweizer Modell anstreben. ASAP!
„Die schnellstmögliche Herbeiführung eines größtmöglichen Allgemein- / Weltwohles muss das oberste Ziel allen Denkens und Handelns in ziviler Bürgergesellschaft, Politik, Staat, Wirtschaft und Wissenschaft sein.“ ( RW ) – Davon sind wir jedoch sehr weit entfernt!
Literaturhinweise
Karl Dietrich Bracher: Die Auflösung der Weimarer Republik.
Ders.: Die deutsche Diktatur.
Ders.: Zeit der Ideologien.
Zu meinem Entsetzen kam mal im TV eine Sendung, in der Palästinenserfrauen ihren Stolz darüber geäußert haben, dass ihre Söhne als Märtyrer gestorben sind. Von Trauer hat man nichts gemerkt.
Und Sie glauben diese Frau hat ihre tatsächlichen Gefühle bekundet vor der Fernsehkamera? Sie hat gesagt, was von ihr gesellschaftlich erwartet wird in ihrer Umgebung. Bei den Palästinensern haben alle Toten Märtyrer und Helden zu sein und kein tragischer traumatisierender Verlust des eigenen Kindes.
Besonders stößt mir die Anbiederung an eine junge Generation und einen vermeintlich woken Zeitgeist auf. Ich werte es Verarsche und Respektlosigkeit.
Unabhängig von diesem, und bei berechtigten Kritik am politischen System, lohnt sich hier der Blick über den Zaun zur US Army. Natürlich erwartet man auch dort vom Soldaten, dass er Handwerker des Tötens ist. Drill und Respekt herrschen dort aber gleichermaßen. Vom Unterschied in der persönlichen Ansprache, kann man sich ein Bild machen, indem man den AFN einschaltet. Das Motto dort lautet Wertschätzung und dieses durchzieht das gesamte Soldatenleben.
Si vis pacem para bellum.
Leider kann man den Frieden nicht erklären, wie man einen Krieg erklären kann.
Zum Frieden gehören immer mehr als eine Partei, daher haben wir den Frieden nicht selbst in der Hand. Er kann erst in Kombination mit den Nachbarn entstehen. Wenn der aber heute schon Krieg führt ist Pazifismus eine Illusion.
Daher ist die bedingungslose Abrüstung ein Wunsch aus Utopia und würde das Gegenteil von Frieden bringen.
Willkommen in der Realität.
Ergo ist es eine Illusion zu glauben, beispielsweise mit Israel oder den USA, um nur 2 Beispiele zu nennen, eine Art Frieden anzustreben, da diese beide Länder von Anbeginn ihrer Existenz Krieg führen.
So lange unwissende Menschen keine Ahnung davon haben, wie es zu Krieg kam/kommt, kann natürlich die Kriegspropaganda erst so richtig Fahrt aufnehmen.
Vollkommen richtig: Frieden kann nur in Kombination mit dem Nachbarn entstehen. Nimmt man diesem eine Perspektive für Frieden bzw. einer diplomatischen Lösung eines Interessenkonflikts, kommt es in den meisten Fällen unweigerlich zu Krieg – so denn die nötige militärische Ausrüstung vorhanden ist.
Finden keine Verhandlungen auf diplomatischer Bühne statt, bleibt dem Nachbarn, dessen vitale Interessen bedroht sind, nur der Weg in den Krieg (siehe Russland – NATO in der Ukraine).
Finden diplomatische Verhandlungen wiedrum statt und währenddessen schlägt die eine Partei trotzdem los, weil sie kein Interesse an einer Verhandlungslösung hat (siehe Iran – Israel), kann auch die beste Diplomatie nichts retten.
Sie tun so, als ob es keinen Verhandlungen vor dem Ukrainekrieg gab.
Das ist falsch.
Sie verwechseln die Forderungen nach Verhandlungen mit einem Verhandlungsergebnis, dass für Putin, nach seinem Verständnis, zufriedenstellend gewesen wäre.
Nach ihrer Ansicht musst Putin Krieg führen, der arme Zar wurde quasi dazu gezwungen, weil niemand mit ihm gesprochen hat. Tatsächlich führt er Krieg, weil er sich mit diplomatischen Mitteln nicht durchgesetzen hat.
Er hält sich streng an Clausewitz, für ihn ist der Krieg einfach die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Da sind ein paar Hunderttausend Tote Russen und Ukrainer für ihn nur eine Randnotiz der Geschichte.
Hätte Putin vor 4 Jahren gewusst, was er heute über die Stärke der Ukraine weiß, er hätte nicht angegriffen.
Deshalb: Si vis pacem para bellum.
Im Fall von Iran-Israel gebe ich Ihnen recht, wenn kein Interesse an einer Verhandlungslösung gegeben ist und auch der Iran hat kein Interesse daran, kommt es unweigerlich zum Krieg. Für die Mullahs gilt immer noch das Ziel Israel in Gänze zu zerstören. Ich glaube nicht, dass ich mit jemanden verhandeln wollte, der meine physische Zerstörung plant. Siehe Israel-Doomsday-Uhr.
„Hätte Putin vor 4 Jahren gewusst, was er heute über die Stärke der Ukraine weiß, er hätte nicht angegriffen.“
NaJa, als gesichert kann man es nicht annehmen. Denn im 5-ten Jahr des Krieges hat er keinen seiner ursprünglichen Ziele nur ansatzweise erreicht, greift aber weiterhin an und bombardiert die Zivilbevölkerung. Mit Putins „Wissen“ generell ist das auch so’ne Sache. Er weiss von der Front nur das, was Gerassimow an ihn meldet, nämlich dass sich die Russian Army zwar langsam und in „inkrementell“ kleinen Schritten fortbewegt, aber dennoch stetig und unaufhaltsam in Richtung Kiev marchiere.
Ähem, gilt das nicht auch für Russland „Ich glaube nicht, dass ich mit jemanden verhandeln wollte, der meine physische Zerstörung plant.“? Wobei Russland immer zu Verhandlungen bereit war, aber vom höchstmoralischten Superwerte-Exzeotional-Westen mehrfach über den Tisch gezogen wurde. Hat nicht Uns Annalena die Ruinierung Russlands angekündigt, ja sogar attestiert, dass „wir“ Krieg gegen das Land führen? Und will die weitere Intelligenzbestie Kallas Russland nicht zerstückeln und dann neokolonial ausweiden und die Menschen turbokapitalistisch auspressen?
Genau, der böse Nachbar war es, der begonnen hat, das Brüderchen hat mich zuerst gehauen usw.. So entsteht niemals Frieden und die Spirale der Gewalt dreht sich munter weiter und die Kriegsspekulanten lachen sich ins Fäustchen.
Mal ein Gegenbeispiel, übernommen aus dem Wissensblock des Südwestrundfunk übrigens. Dort unter der Überschrift Soziale Verteidigung als Alternative zu Gewalt und Krieg
Was häufig übersehen wird: Zu Beginn des Ukraine-Krieges gab es zivile, gewaltlose Formen des Widerstands. Mitte März 2022 marschierte die russische Armee in der Stadt Slavutych ein. Als sie den Bürgermeister festgenommen hatten, hat sich eine wachsende Menge ziviler Bürger von Slavutych auf den Straßen gesammelt. Sie hielten ukrainische Symbole hoch, sangen Lieder und haben die russische Armee angelächelt, aber sie haben keinerlei Anstrengungen unternommen, Gewalt auszuüben.
Die russische Seite hat mit Schreckpatronen in die Luft geschossen. Das war eine erschreckende Aktion, aber die Demonstrantinnen und Demonstranten haben sich davon nicht beeindrucken lassen. Es gab Verhandlungen: Der Bürgermeister wurde freigelassen, die Bevölkerung wehrte sich nicht gewaltsam und ließ ihre Wohnungen auf Waffen durchsuchen. Dort gab es keine Toten.
Allerdings hat sich die Nachsicht der russischen Aggressoren, was machen die überhaupt in Slavutych, sehr schnell gelegt.
Finden Sie es normal sich zuhause von ein paar Hooligans überfallen zu lassen und dann auch noch dankbar zu sein, dass sie NUR in ihr Haus eingedrungen sind, NUR ihren Sohn festgehalten haben, vielleicht über mehrere Tage, NUR mit tödlicher Gewalt gedroht haben und glücklicherweise niemand gestorben ist.?
Dafür wären sie den Hooligans auch noch dankbar?
Ich nicht, das unterscheidet uns wohl.
Hools gilt meine Sympathie. Sie treffen sich aus freien Stücken an festgelegtem Platz zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung. Es geht dabei um nichts anderes und man hat sich darauf geeinigt, die Auseinandersetzung mit Fäusten zu auszutragen.
Wenn die Hools also plötzlich in meinen Treppenhaus stehen, werden sie sich ob der Irrtums entschuldigen, umkehren und leise die Türe schließen.
Ich würde ihnen natürlich dankbar sein, für die zvilisatorische Leistung, die eigene Neigung zur Gewalttätigkeit auf nichts und niemanden als auf sich selbst zurückzuführen. Wenn ich nochmal jung wäre…
Es ist nicht die Gesellschaft, die sich auf den Krieg einstimmt, es sind die Medien und die Politik. Die in einer soliden Mischung von Dummheit und Fremdbestimmtheit Aggressionen und Hass erzeugen und schüren.
Was haben wir nicht alles gehört über die Russen und über Putin, von links bis rechts, es fehlte keine Zuschreibung aus dem Arsenal der NS-Zeit. Auch kein Wunder, die Nachkriegsregierungen bedienten sich ja auch, wenn auch leicht abgeschwächt.
Das Martialische ist ein Merkmal von Friedenszeiten, von Zeiten, in denen die Folgen jener heroischen hohlen Phrasen keine sichtbaren Folgen aufweisen. In meiner Kindheit gab es noch traumatisierte Menschen, die nicht im Dunkeln sein konnten, deren Gehirnverletzungen sie unter Alkoholeinfluss zu Zombies machte, Menschen, denen Gliedmaßen fehlten, einen alten Mann ohne Augen, der Zündhölzer auf dem Markt verkaufte.
Wer aufmerksam im Internet unterwegs ist, der kann auch jetzt auf dies stoßen, eine junge Frau aus Gaza, ohne Hände, einen Zwanzigjährigen aus der Ukraine, ohne Arme, ohne Augen.
Es ist kein Zufall, dass der Krieg von denen gewollt wird, die sich sicher sind, ihm nicht ausgesetzt zu sein, die nur profitieren können.
Was wir haben, ist die organisierte Erbärmlichkeit in Medien und Politik, die glaubt, folgenlos, weil im Auftrag, Hass säen zu können. Denn ohne diesen Hass lässt sich die Gesellschaft nicht umformen, ohne ihn ist die verordnete Armut nicht zu rechtfertigen, lässt sich Gewalt nicht rechtfertigen.
Wer aber Gewalt rechtfertigt, rechtfertigt jede Gewalt, auch die in dieser Gesellschaft, in jede Richtung, nicht nur in die gewünschte. Die USA sind das beste Beispiel, jeder gegen jeden und Gott gegen alle. Da kann es nur ein böser Zufall sein, dass alle regierungstragenden Parteien die USA als Vorbild erachten.
Zitat: „Wie klingt eine Gesellschaft, die sich auf Krieg einstimmt?“
In meinen Augen ist diese Frage grammatikalisch/semantisch fehlerhaft gestellt, weswegen Analysen unscharf werden können. Ensel sagt ja sogar selbst, dass er keine dieser Formulierungen verwendet. Die Gesellschaft ist nicht der Handelnde. Man müsste stattdessen fragen, wie eine Gesellschaft klingt, die auf Krieg eingestimmt wird. Also passiv statt aktiv.
Wer bzw. welche Institutionen verwenden diese Sprache? Wer ist Motor der Kriegstreiberei, der hier mit immer höheren Umdrehungszahlen läuft, um in der Gesellschaft Kriegsakzeptanz zu erzeugen? Wer möchte Krieg und wer nicht? Über die verwendete Sprache entlarven sich die Kriegstreiber.
1986 veröffentlichte der US-amerikanische Theologe, Philosoph und Psychologe Sam Keen ein Buch mit dem Titel „Faces of the Enemy. Reflections of the Hostile Imagination“.
Das Buch erschien auch in Deutschland mit dem Titel: Gesichter des Bösen. Über die Entstehung unserer Feindbilder.
Sam Keen schreibt: „Lange bevor der erste Schuß fällt, wird durch Ideologie und Propaganda ein Bild des Feindes aufgebaut, das Haß und Aggression schürt und die natürliche Angst vor dem Krieg herabsetzt. Feindbilder setzten die Bereitschaft zur Gewalt herab – sie entmenschlichen den Gegner. Zuerst denken wir andere zu Tode und erfinden dann die Streitaxt oder die Raketen um sie auch tatsächlich zu töten. Die Propaganda geht der Technologie voraus.“
Keen schreibt weiter: „Wir finden von Generation zu Generation genug Entschuldigungen, einander zu hassen und zu entmenschlichen, und stets rechtfertigen wir uns mit höchstwohlklingender politischer Rhetorik.“
Vor rund 2.000 Jahren gab es mal einen pazifistischen, basisdemokratischen, kapitalismuskritischen Sozialrevolutionär, dessen Geburtstag in vielen „christlichen“ und „wertewestlichen“ Gesellschaften immer in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember gefeiert wird.
Ob er Wasser in Wein verwandeln und über das Wasser spazieren konnte, dass kann man als Physiker und Chemiker bezweifeln. Aber es geht hier nicht um Physik, Chemie und Mathematik.
In diesem „Buch der Bücher“ geht es vor allem um Politik, Psychologie, Ökonomie, Soziologie und Krieg: Im Buch der Bücher gibt es auch die Geschichte von Pontius Pilatus, einem gewissen Barabbas und dem Pessachfest. Ein Highlight des Festes besteht bzw. bestand in der Amnestie eines Gefangenen.
Zur Wahl stehen Barabbas und ein gewisser Jesus von Nazareth. Barrabas ist ein mehrfach vorbestraften Dieb, Räuber, Einbrecher, Serienmörder und Vergewaltiger. Dieser Jesus von Nazareth predigt Frieden, Freiheit und Nächstenliebe und kritisiert die Großbanken, die Rüstungsindustrie und den Kapitalismus mit seiner obszönen Einkommens- und Vermögenskonzentration.
Der römische Statthalter Pilatus weiß ganz genau, dass die hohen Priester diesen Jesus an ihn ausgeliefert haben, um einen lästigen Querdenker los zu werden und weil er seine Hände nicht mit dem Blut eines Unschuldigen beflecken will, überlässt er die Entscheidung der versammelten Menge und fragt: Wen soll sich heute begnadigen, Barabbas oder diesen Jesus von Nazareth?
Ein Hohepriester, der sich unter die versammelte Menge gemischt hatte, rief spontan und laut: Barabbas! Barabbas! Barrabas! Und die Menge rief: Barrabas! Barabbas! Freiheit für Barrabas! Tod dem Jesus!
Das ist rund 2.000 Jahre her. Ich bin mir sicher, die Geschichte würde heute (2026) nicht anderes ausgehen.
Noch irgendwelche Fragen?
Der damalige römische Kaiser Octavian Augustus, Adoptivsohn Caesars, war ein „divi filius“. Da war für einen zweiten Gottessohn kein Platz. So einfach ist das. Das war kein „Querdenken“, sondern Hochverrat. Pilatus hat lediglich römisches Recht umgesetzt. Durch die Amnesie eines anderen Angeklagten wurde darüber hinaus auch die Gepflogenheit zum Pessachfest erfüllt. Das diente dazu, die Bewohner in einem unbedeutenden Landstrich des Imperiums bei Laune zu halten.
Zum Wahrheitsgehalt dieser Geschichte sollte man auch bedenken, dass zusammengesuchte Textkompilationen von anonymen Autoren, die Kraft eines Dogmas im „Buch der Bücher“ aufgenommen wurden und keine nachvollziehbare Provenienz haben, keine belastbaren Quellen sind.
Der Stopp des russischen Ölexports über die Pipeline war übrigens ein sehr geschickter Schachzug. Die EU und insbesondere Deutschland hängen nämlich stark von kasachischem Öl ab. Dieses wird zwar nach wie vor geliefert, aber eben nur noch über russische Häfen. Sollten diese nun angegriffen werden, wird sich die EU die eigene Ölzufuhr kappen.
Real gesehen gibt es keinen Krieg, es existiert ein Umverteilungsprozess der kapitalen Herrscher für diesen „Krieg“ der real nur die Menschen verarmt und diese gefügig macht.
Eine Simulation wird niemals die Simulirendenden Personen oder Akteure in ihrer simulierten Welt, als eine Simulation präsentieren…!
Da das Subjekt Mensch vollkommen seine ‚Freiheit‘ der Demokratie sich untergeordnet hat, ohne zu erkennen was die reale Unterdrückung vorherrscht.