Wer erzielt die Kriegsgewinne?

The British Army on the Western Front
Lt Ernest Brooks, Public domain, via Wikimedia Commons

Wer sich in den Vereinigten Staaten am Ersten Weltkrieg bereichert hat, erklärt Smedley D. Butler.

„Zur Hölle mit dem Krieg!“ („War is a Racket“ im englischen Original aus dem Jahre 1935) von Smedley D. Butler ist eine scharfe Kritik an macht- und wirtschaftspolitischen Interessen hinter militärischen Konflikten. Der Autor war selbst General und Kriegsteilnehmer. Durch seine persönliche Erfahrung als Soldat entlarvt Butler das Geschäft mit dem Krieg als interessengeleitetes, von Profitstreben getriebenes System – auf Kosten menschlichen Leides.

Ein Buchauszug.

Unsere kurze Teilnahme am Krieg hat die Vereinigten Staaten etwa 52 Millionen Dollar gekostet. Rechnen Sie sich das mal nach: Das ergibt 400 Dollar für jeden amerikanischen Mann, jede Frau und jedes Kind. Und wir haben die Schuld noch nicht beglichen. Wir bezahlen sie noch, unsere Kinder werden sie bezahlen – und die Kinder unserer Kinder werden wahrscheinlich immer noch für die Kosten dieses Krieges aufkommen müssen.

Die normalen Gewinne eines Unternehmens in den Vereinigten Staaten liegen bei sechs, acht, zehn und manchmal sogar zwölf Prozent. Aber Kriegsgewinne – ach! Das ist eine andere Sache – 20, 60, 100, 300 und sogar 1.800 Prozent! Es gibt keine Grenze. Alles, was der Handel hergibt: Uncle Sam hat ja das Geld. Holen wir es uns!

Reibach für die Pulverleute!

Bestellen Sie dieses Buch für Ihren Sohn, Enkel oder Neffen: Sagen Sie ihm damit, dass ein Krieg nichts ist, wofürt er bereitstehen sollte!

Natürlich wird das in Kriegszeiten nicht so rabiat ausgedrückt. Es wird in Reden über Patriotismus, Vaterlandsliebe und »wir müssen alle mit anpacken« verbrämt, aber die Gewinne springen und schießen dennoch in die Höhe – sie werden mit absoluter Sicherheit eingestrichen. Nehmen wir nur ein paar Beispiele:

Betrachten wir unseren Freund, die du Ponts, die Pulverleute – hat nicht einer von ihnen kürzlich vor einem Senatsausschuss sinngemäß ausgesagt, dass ihr Schießpulver den Krieg gewonnen hat? Wie haben sie im Krieg abgeschnitten? Sie waren ein patriotisches Unternehmen. Der durchschnittliche Verdienst der du Ponts für den Zeitraum von 1910 bis 1914 betrug sechs Millionen Dollar pro Jahr. Das war nicht viel, aber die du Ponts schafften es auszukommen. Schauen wir uns nun ihren durchschnittlichen Jahresgewinn während der Kriegsjahre 1914 bis 1918 an. Während des Weltkrieges betrug ihr Gewinn 58 Millionen Dollar pro Jahr! Fast zehnmal so viel wie in normalen Zeiten – und da waren die Gewinne schon ziemlich gut. Das ist ein Anstieg von mehr als 950 Prozent!

Oder betrachten wir eines unserer kleinen Stahlunternehmen, das so patriotisch die Herstellung von Schienen, Trägern und Brücken beiseiteschob, um Kriegsmaterialen herzustellen. Von 1910 bis 1914 betrug ihr Jahresgewinn im Durchschnitt sechs Millionen Dollar. Dann kam der Krieg. Und als loyale Bürger wandte sich Bethlehem Steel umgehend der Herstellung von Munition zu. Sind ihre Gewinne gestiegen oder ließen sie Uncle Sam ein Schnäppchen machen? Von 1914 bis 1918 betrug der Durchschnitt 49 Millionen Dollar pro Jahr!

Nehmen wir United States Steel. Der normale Gewinn in den fünf Jahren vor dem Krieg betrug 105 Millionen Dollar pro Jahr. Nicht schlecht. Dann kam es zum Krieg und die Gewinne stiegen. Der durchschnittliche Jahresgewinn für den Zeitraum 1914 bis 1918 lag bei 240 Millionen Dollar. Auch nicht schlecht!

Da haben Sie also einige der Stahl- und Pulverergebnisse. Schauen wir uns nun etwas anderes an: Ein wenig Kupfer vielleicht? Denn das läuft in Kriegszeiten immer gut.

Das Bergbauunternehmen Anaconda zum Beispiel. In den Vorkriegsjahren von 1910 bis 1914 lag der durchschnittliche Jahresgewinn bei zehn Millionen Dollar. Während der Kriegsjahre 1914 bis 1918 stiegen die Gewinne auf 34 Millionen Dollar pro Jahr an.

Oder Utah Copper. Durchschnittlich fünf Millionen Dollar pro Jahr in der Zeit von 1910 bis 1914. Während des Krieges schwollen die Gewinne auf durchschnittlich 21 Millionen Dollar pro Jahr.

Fassen wir diese fünf Unternehmen mal zusammen. Die durchschnittlichen jährlichen Gesamtgewinne des Vorkriegszeitraums 1910 bis 1914 betrugen 37.480.000 Dollar. Dann kam der Krieg und die jährlichen Durchschnittsgewinne dieser Gruppe schnellten auf 408.300.000 Dollar in die Höhe. Eine kleine Gewinnsteigerung von etwa 200 Prozent! Bezahlt durch den Krieg. Und sie sind nicht die einzigen.

1.700 Prozent!

Es gibt noch andere. Was ist mit Leder? In den drei Jahren vor dem Krieg betrug der Gesamtgewinn der Central Leather Company 3,5 Millionen Dollar. Das waren etwa 1.167.000 Dollar pro Jahr. 1916 erwirtschaftete Central Leather einen Gewinn von 15,5 Millionen Dollar – eine kleine Steigerung von 1.100 Prozent. Mehr nicht! Die General Chemical Company erzielte in den drei Jahren vor dem Krieg einen durchschnittlichen Gewinn von etwas mehr als 800.000 Dollar pro Jahr. Auch für sie kam der Krieg, und die Gewinne stiegen auf zwölf Millionen Dollar. Ein Sprung von 1.400 Prozent.

Die International Nickel Company – und ohne Nickel kann es keinen Krieg geben – verzeichnete einen Gewinnanstieg von durchschnittlich vier Millionen Dollar pro Jahr auf 73,5 Millionen Dollar pro Jahr. Nicht schlecht, oder? Eine Steigerung von mehr als 1.700 Prozent.

Die American Sugar Refining Company erwirtschaftete in den drei Jahren vor dem Krieg durchschnittlich 200.000 Dollar pro Jahr. Im Jahr 1916 wurde jedoch ein Gewinn von sechs Millionen Dollar verzeichnet.

Im Senatsdokument Nr. 259 des 65. Kongresses findet man einen Bericht über die Unternehmensgewinne und die Staatseinnahmen: Unter Berücksichtigung der Gewinne von 122 Fleischwarenhändlern, 153 Baumwollmanufakturen, 299 Bekleidungshersteller, 49 Stahlwerken und 340 Kohleproduzenten während des Krieges waren Gewinne von unter 25 Prozent die Ausnahme. So erzielten beispielsweise die Kohleunternehmen während des Krieges zwischen 100 und 7.856 Prozent auf ihr Grundkapital. Die Chicagoer Verpackungsbetriebe verdoppelten und verdreifachten ihre Gewinne.

Und vergessen wir nicht die Banker, die diesen großen Krieg finanziert haben. Denn wenn jemand Gewinne für sich verbuchen konnte, dann waren es die Banker. Da es sich bei ihnen um Personengesellschaften und nicht um Kapitalgesellschaften handelt, müssen sie den Aktionären keine Rechenschaft ablegen. Und ihre Gewinne waren ebenso geheim wie immens. Wie die Banker ihre Millionen und Milliarden gemacht haben, weiß ich nicht, denn diese kleinen Geheimnisse werden nie öffentlich, nicht einmal vor einem Untersuchungsausschuss des Senats.

Smedley D. Butler

Smedley D. Butler (1881 – 1940) war General des US-Marine-Corps und zweifacher Träger der Medal of Honor. Nach einer Laufbahn, die von militärischen Erfolgen geprägt war, wurde er aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen zu einem der schärfsten Kritiker des Krieges als Mittel zur Konfliktlösung. In seinen späten Jahren setzte Butler sich öffentlich gegen imperialistische Kriege und gegen den kriegstreiberischen Lobbyismus der Rüstungsindustrie ein. Krieg lässt Butler nur als Landesverteidigung gelten.
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8 Kommentare

    1. Inspektor Colombo hätte da noch eine Frage: Bei welcher Firma war der Führer der vereinigten politischen Christen und der beliebteste deutsche Kanzler, den wir seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hatten, beschäftigt?

  1. Der Blick auf die Gewinne, Profite und Kontostände dieser Leute ist aber kurzsichtig. Der Sinn des Ersten „Welt“krieges war die Neuordnung Europas, sprich die Schleifung und Fragmentierung der Großreiche, was auch gelungen ist. In Geld nicht auszudrücken.

    1. 1. Das eine (Neuordnung) schließt das andere (Rüstungsgewinne, Gewinn usw.) nicht aus.

      2. Auch akuell geht es auch um eine Neuordnung Europas (Ukraine, Russland) und die Neuordnung der Welt (Iran, Gaza, Grönland usw.). Auch dahinter stehen ökononomische Interessen und das sind nicht die ökonomischen Interessen der kleinen Leute und der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger.

      Wenn in Deutschland Milliarden Schulden gemacht werden (als „Sondervermögen“ getarnt), der Sozialstaat geschleift wird und die Hälfte des Bundeshaushalts für die Bundeswehr ausgegeben werden soll, um Deutschland „kriegstüchtig“ zu machen, wem nützt das dann? Der Zahnarzthelferin, dem Busfahrer, der Erzieherin, der Kassierin bei aldi, dem Paketzusteller, dem Dachdecker, dem Schlosser und den Leuten, die sich in Deutschland bei der Tafel anstellen, weil das Einkommen nicht für die Miete und das Essen reicht, nützt es sicherlich nicht oder?

    2. Das ist ja nur ein Auszug aus einem Buch. Am besten wäre es wohl, wenn du dir den vollständigen Text besorgst. Da stehen bestimmt noch mehr spannende Sachen drin.

  2. Ein wichtiger Aspekt des schriftlichen Wutanfalls von Smedley D. Butler geht ein bisschen unter, darum möchte ich ihn nochmal hervorheben:

    Ginge es diesen ganzen Leuten um „Patriotismus“, dann müssten die ihr Kriegsgerät, ihre Kriegskredite etc. mindestens zum Selbstkostenpreis hergeben (und dann hätten sie – im Gegensatz zu den Steuerzahlern, die ihr Geld und den Soldaten, die ihr Leben geben sollen, nur nichts verdient und gar nichts gegeben).

    Stattdessen bereichern sich diese „Patrioten“ am Krieg.

    Ich bin Pazifistin und ich war immer schon gegen kriegerische Gewalt, aber ich kann wirklich nicht im Ansatz nachvollziehen, wie man auch so dumm sein kann, dieses ganze Kriegsgequatsche vom Patriotismus, von dem, was man „verteidigen“ und was man dafür hergeben soll, gutzuheißen oder auch nur hinzunehmen.

    Ein Staat, der mich und/oder meine Liebsten zwingt, auf andere Menschen zu schießen und zu riskieren, dass ich verletzt oder getötet werde, hat spätestens in diesem Moment des Zwangs den Grund aufgegeben, wegen dem ich ihn überhaupt „verteidigen“ sollte. Da gibt es nichts mehr zu „verteidigen“.

    Sollen doch die Leute hingehen, die damit Geld verdienen wollen. Oder noch besser: Lasst die Rüstungsindustrie auf Selbstkostenbasis arbeiten, verbietet denen Gewinne und morgen bricht der Weltfrieden aus.

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