
Was, wenn es in manchen Sprachen gar kein Wort für »Berg« gibt? Und was, wenn unsere Wahrnehmung von Raum nicht nur von der Welt, sondern von unserer Sprache geformt wird? Eine Reise in die überraschende Verbindung zwischen Landschaft, Denken und Sprache.
Denn jeder Sprachraum hat eine einzigartige Vorstellung von Zeit, Raum, Farbe und sogar Geruch. Auf einer spannenden Reise rund um den Globus erklärt der Kognitionswissenschaftler Caleb Everett in seinem Buch „1000 Sprachen, 1000 Welten“, was uns die sprachliche Vielfalt über die menschliche Kultur verrät und wie sie unser Verständnis vom Menschsein bereichert. Das Buch wurde vom New Statesman als eines der besten akademischen Bücher des Jahres 2023 gekürt. Ein Auszug.
Merkmale der lokalen Umgebung können eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung dessen spielen, wie Menschen über den Raum sprechen. Die Tatsache, dass die Yupno den Raum und das Vergehen der Zeit vor dem Hintergrund von »bergauf« oder »bergab« beschreiben, verweist auf die steilen Hügel, auf denen sie leben. Wir könnten diese Beobachtung wie folgt formulieren: Von Hügeln umgeben zu sein erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen einen geozentrischen Raumbezug verwenden. Aber auch dies ist eine zu einfache Folgerung, und zwar aus einem Grund, der Sie vielleicht überraschen wird. Nicht alle Menschen sprechen von »Hügeln« oder stellen sich Hügel überhaupt als eigenständige Einheiten vor.
Denken Sie an das Laotische, eine Sprache, die von Millionen von Menschen gesprochen wird. Nick Enfield, ein Linguist an der Universität von Sydney, hat jahrelang Laotisch studiert. Seine Arbeit zeigt, dass Sprecher dieser Sprache sich mit Begriffen auf die umgebende südostasiatische Landschaft beziehen, die sich nicht direkt ins Englische oder andere europäische Sprachen übersetzen lassen. Beispielsweise gibt es im Laotischen kein Wort für »Berg«. Stattdessen wird das Wort phuu2 (das Symbol »2« bedeutet einen fallenden Ton) auf bergiges Gelände bezogen.
Hier sind einige von Enfields Beobachtungen: »Eine Landform, die auf Englisch als einzelner Berg bezeichnet werden kann … kann auf Laotisch mithilfe einer komplexen numerischen Klassifizierungsphrase bezeichnet werden. Daher bedeutet phuu2 nuaj1 nii4 »dieser Berg« (wörtlich »diese Einheit bergigen Geländes«). Dies deutet darauf hin, dass es in der laotischen Vorstellung kein »Ding« gibt, das dem englischen »Berg« entspricht. Es gibt auch keine eindeutige Übersetzung für »Hügel« in dieser Sprache. Es gibt einen laotischen Begriff, der sich auf sehr kleine Hügel bezieht, aber auch auf kleine Erdhügel und sogar auf Termitenhügel. Vielleicht kommt Ihnen das seltsam vor, aber denken Sie einen Moment darüber nach, was wir »Berge« und »Hügel« nennen.
Sprachen beziehen sich auch auf unterschiedliche Weise auf andere Elemente der umgebenden Landschaft
Berge in einem bestimmten Gebirge unterscheiden sich nicht genau voneinander: Sie sind geografisch miteinander verwoben. Möglicherweise gibt es einen Gipfel mit mehreren kleineren Gipfeln um ihn herum, die alle auf derselben konischen Landmasse liegen. Nicht jeder Berg fällt in eine flache umliegende Ebene hinab, und die Profile der einzelnen Berge unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Ausprägung erheblich. In manchen Fällen können Berge, beispielsweise viele Vulkane, als einzelne Individuen erscheinen, die vor einem flachen Gelände stehen. Dies ist jedoch in der laotischen Landschaft nicht wirklich der Fall und auch nicht bei den meisten Bergen in Gebirgszügen, in denen Sockel und Gipfel miteinander verbundene Falten auf der Erdoberfläche darstellen. Der Punkt, an dem ein »Berg« zu einem »Hügel« wird, ist von vornherein nicht genau definiert, ebenso wenig wie der Punkt, an dem ein »Hügel« zu einer »Aufschüttung« wird. Den Landschaften selbst fehlt es an klaren Unterteilungen im physischen Raum, daher gibt es in einigen Kulturen Begriffe wie phuu2, die sich auf bergiges Gelände und nicht auf deutlich getrennte Berge beziehen.
Sprachen beziehen sich auch auf unterschiedliche Weise auf andere Elemente der umgebenden Landschaft. Im Laotischen gibt es beispielsweise zwei Wörter für Dschungel: Ein khook4 ist ein Dschungel mit Bäumen, die einen gewissen Abstand zueinander haben, und ein dong3 ist ein Begriff für tropische Wälder mit dicht stehenden Bäumen. Offensichtlich beziehen sich Sprachen auf unterschiedliche Weise auf ihre geografische Umgebung, und diese Ungleichheit kann Einfluss darauf haben, wie Menschen etwas über den Raum lernen, der sie umgibt. Stellen Sie sich laotische Kinder vor, die in der Ebene neben bergigem Gelände leben. Sie sehen einen deutlichen Höhenunterschied zwischen der Ebene und den ineinander verschlungenen Gipfeln. Sie können die Gipfel unterscheiden, aber vielleicht ist der auffälligere Unterschied derjenige zwischen den dunkelgrünen bewaldeten Gipfeln und den hellen grünen Grasflächen, die für die Landwirtschaft genutzt werden. Irgendwann hören sie das gesprochene Wort phuu2.
Sie haben keine Möglichkeit zu unterscheiden, was dieser Begriff bedeutet; alles, was sie haben, ist ein Etikett. Während des Spracherwerbs erkennen sie, wie diese Bezeichnung in Interaktionen verwendet wird, und konstruieren ihre Bedeutung aus diesen Interaktionen. Sie erkennen immer mehr, dass der Kerngedanke des Begriffs sich auf das umgebende bergige Gelände bezieht, so wie ein Tzeltal-Lernender nach und nach die Konzepte erarbeiten muss, auf die sich Bezeichnungen wie ta alan und ta ajk’ol beziehen. In ähnlicher Weise entwickeln englisch- oder deutschsprachige Kinder die Begriffe links, rechts und Berg. Während unsere Sinne, die allen Bevölkerungsgruppen gemeinsam sind, uns möglicherweise für bestimmte Arten der Entschlüsselung unserer räumlichen Umgebung prädisponieren, helfen die Bezeichnungen unserer Muttersprache dabei, bestimmte räumliche und physische Konzepte zu konkretisieren, die für Kinder mit zunehmendem Alter natürlich erscheinen. Wir können andere Konzepte lernen oder unsere Sprache anpassen, um auf leicht unterschiedliche Konzepte zu verweisen. Ich kann »bergiges Gelände« sagen und zumindest grob vermitteln, was mit phuu2 gemeint ist. Ein Sprecher der laotischen Sprache kann phuu2 nuaj1 nii4 sagen, um sich auf einen einzelnen Berg zu beziehen. Eine solche lexikalische Anpassung ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die grundlegenden lexikalischen Bausteine der Kommunikation über Landschaften in Sprachen wie Laotisch und Englisch unterschiedlich sind.
Für diese Art von Verb gibt es keine Übersetzung
Diese Tatsache wurde in den letzten anderthalb Jahrzehnten durch andere Studien verdeutlicht. In einer vor 15 Jahren veröffentlichten Sonderausgabe der Zeitschrift Language Sciences berichtete beispielsweise ein großes Team von Wissenschaftlern über eine Reihe von Erkenntnissen, die sie nach jahrelanger Untersuchung der Begriffe für Landschaften in mehreren gefährdeten Sprachen gewonnen hatten. Diese Sprachen wurden nicht zufällig ausgewählt; sie sollten eher eine Vielzahl von Sprachfamilien und Ökologien repräsentieren. Die Sprachen waren Marquesan (gesprochen auf einer Insel im Pazifik), Kilivala und Yélî Dnye (beide gesprochen auf verschiedenen Inseln östlich von Papua-Neuguinea), Seri (gesprochen in Sonora, Mexiko), Chontal- und Tzeltal-Maya (gesprochen in Zentralamerika), Jahai (gesprochen in Malaysia), Laotisch und Haiǁom.
Diese Sprachen werden von Menschen gesprochen, die auf Inseln, in Regenwäldern und Wüsten beheimatet sind, und sie offenbaren unterschiedliche Arten, über Landschaften zu sprechen. Sie zeigen, dass viele scheinbar grundlegende Landschaftsbegriffe, einschließlich »Berg«, möglicherweise nicht sauber in andere Sprachen übersetzbar sind. Um es mit den Worten zweier Autoren dieser Zeitschriftenausgabe auszudrücken:
»Berg«, »Klippe« und »Fluss« setzen die Existenz solcher Dinge voraus. Sie scheinen real genug zu sein, dass man hier vernünftigerweise universelle Konzepte in Betracht ziehen könnte. Aber eine der zentralen Botschaften dieser Sammlung ist, dass wir eine Überraschung zu gewärtigen haben – es gibt keine direkten Äquivalente für diese Begriffe, beispielsweise in der Sprache Yélî Dnye.«
Beispielsweise bedeutet das Wort mbu im Yélî Dnye eine »konische Erhebung« und kann zur Bezeichnung eines Berges oder Hügels, aber auch eines Sand- oder Erdhaufens verwendet werden. Während wir uns im Englischen vielleicht metaphorisch auf einen »Berg aus Dreck« beziehen, kann sich »Berg« selbst nicht auf konische Formen beziehen, die sehr klein sind. Mbu ist mit keinem englischen Landschaftsbegriff perfekt übersetzbar.
[…]
Interessanterweise können Sprachen auch unterschiedliche Verben und nicht nur unterschiedliche Substantive verwenden, um kulturell wichtige Landschaftskonzepte zu integrieren. Sprecher von Yélî Dnye haben Verben wie paa, was »auf einer ebenen Fläche gehen« bedeutet. Für diese Art von Verb gibt es weder im Englischen noch in den meisten (vielleicht allen) anderen Sprachen eine Übersetzung. Es verdeutlicht die Tatsache, dass Sprachen auf manchmal unerwartete Weise Landschaften integrieren. Die ausgeprägten Erhebungen auf Rossel scheinen dabei zu helfen, intransitive Verben wie paa, kee (»aufsteigen«) und ghii (»absteigen«) zu bilden. Die beiden letztgenannten Begriffe lassen sich problemlos in viele Sprachen übersetzen, darunter auch ins Englische. In der Yélî-Dnye-Sprache gibt es auch transitive Verben, die Landschaftsobjekte einbeziehen, Begriffe wie vy:uu (»einen Hang hinaufsteigen«) und ‚nuw:o (»einen Hang hinabsteigen«) sowie km:ee (»etwas einen Hang hinauftragen«) und ghipi (»etwas einen Hang hinuntertragen«). Das Gelände von Rossel und die umliegende Landschaft generell sind auf einzigartige Weise in die Yélî-Dnye-Sprache integriert. Sprachen kodieren häufig lokal relevante Landschaftskonzepte.
Anm. d. Ü.: Es gibt im Deutschen keine entsprechende Tonhöhenkennzeichnung. Die Zahl 1 bedeutet einen tiefen Ton, 2 einen fallenden Ton, 3 einen steigenden Ton, 4 einen hohen Ton. Ich danke Frau Dr. Silpsupa Jaengsawang, Universität Hamburg, für diese Auskunft




Schon vor Jahren wurde im Zusammenhang mit dem Roman „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ darauf hingewiesen, daß die Inuit viele verschiedene Worte für die verschiedenen Arten von Schnee haben. In der Südsee kann man hingegen auf ein Wort für Schnee verzichten …
Genau das wollte ich auch grad schreiben 😉
Sprachen sind schon faszinierend. Auf der anderen Seite gibt es menschliche Verhaltensweisen die unabhängig von Sprache sind, Sprache ist also wiederum nicht alles.
Sprache würde aus dem einzigen Nutzen geschaffen, sich mit anderen auszutauschen. Je mehr verschiedene Aspekte es gibt, um so mehr Notwendigkeiten, diese zu artikulieren. Es ist schließlich lebensnotwendig, zu wissen, dass die Beutetiere sich dort oder anderswo befinden, dass eine Flut heute kommt, oder erst morgen, oder dass Raubtiere in welcher Zahl sich in der Nähe befinden, und wie weit weg, wo Wasserquellen sind …
Nachher kamen andere Begriffe, wie Korntypen, essbar/ giftig, gefährlich, ungefährlich, weit entfernt, nah… hinzu. Dann, beim Sesshaftwerden über Qualität von Lebensmitteln auch letztlichabszrskte Begriffe. Somit ist jede Sprache Auseinandersetzung mit der Umwelt. Und daher automatisch erhaltenswert. Denn die Art der Auseinandersetzung und Umsetzung in Sprache sagt etwas über die Denkweise aus.
@Gunther: ….und dann kam Annalena die Außenerwählte und warf die Errungenschaften
der Sprache um 25.000 Jahre zurück…….
M. E. n., liegt die Symbolik der Sprache darin, daß, ‚gewisse‘ Kulturen ihre vorherrschenden Kasten durch die Höhe bestimmen.
Als Beispiel möchte ich anführen, Hochdeutsch wird in den Niederrungen gesprochen, aber das ist Linguistik falsch, da die deutsche Sprache aus den höher gelegenen Gebiete entstammt und das niederdeutsch aus den niederen gelegenen Regionen entstammte. Diese unterschiedlichen Spracheneigentschaften zwischen hoch und niedrig, sind allesamt begründet, über ‚deren Herrschaft‘.
Die hochdeutsche Sprache wird definiert aus Regionen, die total gesehen flach sind und haben nichts gemeinsam mit der realen ursprünglichen Sprachentwicklung.
Versttehe ich nicht.
Kann das o.g. Beispiel mal auf „hochschwanger“ und „niederträchtig“ transponiert werden?
Ein Hochdeutsch kommt aus der Höhe und nicht aus den Niederrungen!
Eine ‚gute‘ Kaste aus einigen Religionsschichten, entstammt aus höher gelegenen Regionen und die unteren sind unterhalb.
Wenn man diese Kasten anschaut, wer kommt woher?
Die Kasten sind wohl mehrheitlich defamiert, aber spielen immer noch eine große Rolle im täglichen Leben..
Also hochschwannger oder Niederträchtigkeit, hat nichts gemein, da das eine, eine Situation ist, das andere eben eine andere ist.
Simplifiziert : Das duale System, beherrscht das Subjekt.
die Russen kennen 2 Arten von rot, die altgriechen kannten kein blau und die Spanier unterscheiden 2 Arten von sein.
kein Fazit.
Und die Deutschen kennen keine Art von Peinlichkeit.
@Kuki-Dent: Och doch, die Annalena die Vergangene und der Friedrich der immer noch
da ist, sind den Deutschen schon peinlich.
So, na ja…
Universell ist nur die Musik.
Bilder und Sprache bilden die erste virtuelle Welt.
Mit Bildern und Worten wird nicht die reale Welt miteinander ausgetauscht sondern lediglich das Konstrukt davon.
Und je nach Landschaft und Kultur unterscheidet sich dieses Konstrukt.
Sprachen kann man eigentlich nicht übersetzen.
Was ist mit der Mathematik?
@Kuki-Dent: Ja, hätten Sie doch einmal die Schule nach der 3. Klasse besucht, dann
wüßten Sie was Mathematik ist !!!
Nein, ich hatte Besseres zu tun als mich zu langweilen.
@Kuki-Dent: Da haben Sie aber etwas verpasst. Ab der 5. Klasse wurden
die Mädchen interessant. Und dank der dann gelehrten Trigeometrie, kann
mich heute keiner mehr mit falschen Angaben der Raummeter beim Holzmachen
besch……
@Arthur Dent
(Hier mein ausgelegtes Handtuch zum Thema)
In der Mathematik befindet man sich ohnehin schon in einem stark formalisieren und klar definierten Konstrukt.
In der Mathematik existiert die Welt nicht mehr. Sie wird zum reinen Abstraktum. Sind Symbole und Definitionsbereiche festgelegt und klar definiert, unterliegt der Rest der reinen Logik.
Der Satz wonach die „Sprache der Natur“ aus Mathematik besteht, bedeutet nicht, dass die Natur einen eingebauten Rechenschieber hat.
Es bedeutet, dass Sprache abstrahiert und Mathematik eine sehr hohe Abstraktionsebene ist. Die Mathematik stellt die Symbole bereit nach denen wir greifen, wenn wir davon reden Natur zu begreifen.
Im Gegensatz zur Mathematik, bleibt Musik erlebbar. Sie ist real.
Musik ist das Zusammentreffen realer Ereignisse die sich zu einem erlebbaren Ganzen verbinden. Musik benötigt keine kausalen Zusammenhänge. Auch völlig unzusammenhängende Ereignisse können in der Musik zu einem Ganzen assoziiert werden.
Und obwohl wir Musik recht genau mathematisch beschreiben können, sobald Strukturen wie Rhythmus und Harmonie erkennbar werden, so bleibt die minimalste Abweichung von der exakten Formel, gerade das, was sie für uns so wertvoll macht.
Kurz gesprochen:
Musik ist universell verständlich und direkt erlebbar, während mit Sprache lediglich abstrakte Konstrukte übermittelt werden. Und das gilt im ganz besonderen Maß auch für die Mathematik.
@Trux: Mathematik ist nicht erlebbar? Wenn ein Ingenieur die Statik eines
Bauwerks richtig berechnet hat und es dann mit filigranen Stützen, Wänden
und Decken statt mit massigen Bögen und turmartigen Pfeilern trotzdem
den Elementen widerstehen kann, ist das doch schon ein wirkliches Erlebnis.
Ohne etwas Mathematik hört sich Musik nur noch wie „Freejatz“ an. Dazu
gehören auch Stücke, in denen mit einer Axt ein Klavier in kleine Stücke
zerlegt wird. Schlagzeuger ballern nicht wild auf die Trommeln drauf los,
jedenfalls nicht die Guten. Die Takte sind mathematisch strukturiert. Wenn
Sie natürlich nur Musik mit Blockflöte und Maultrommel machen wollen,
kann man wie Kuki-Dent die Schule schon nach der 3. Klasse sausen lassen.
Man mag sich an der Reinheit und der Schönheit von geistigen Konstrukten erfreuen und wenn man Mathematik anwendet, dann ergibt sich natürlich auch wieder etwas reales und erlebbares daraus.
Die Mathematik selbst bleibt dabei aber immer virtuell.
In der Natur gibt es kein unendlich und auch keine geometrisch idealen Figuren.
Ich empfehle den alten Gödel, Escher, Bach.
Mathematik ist musikalisch, Musik ist mathematisch.
Die Beispiele bei denen sich Musik und Mathematik begegnen sind vielfältig. Aber Musik ist genauso wenig Mathematik wie ein Kreis einem Quadrat entspricht.
Denn genauso wenig wie es gelingt Musikinstrumente für alle Tonarten gleichzeitig exakt zu stimmen, ist es möglich einen Kreis in ein flächengleiches Quadrat zu überführen.
Bei beidem geht es um völlig unterschiedliche Prinzipien.
Der Kreis symbolisiert das bloße Sein ohne Unterscheidung, während das Quadrat die Dinge von ihren unterschiedlichen Aspekten her betrachtet.
Und entsprechend würde ich formulieren wollen, dass alles was real ist aus Musik besteht, während Mathematik lediglich eine Abstraktion dieser Welt auf jeweils einer definierten Ebene darstellt.
Alle widerspruchsfreien axiomatischen Formulierungen der Zahlentheorie enthalten unentscheidbare Aussagen. [K. Gödel, Behauptung VI]
Sehr gut bei Douglas R. Hofstadter.
ISBN 3-423-30017-5
@ Träumer
@ jjkoeln
Beschäftigt euch bitte mal mit dem pythagoreischen Komma.
https://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoreisches_Komma
wow, danke!
Des Einen Musik ist des Anderen Krach. Oder „I don’t like your music“ („The Busters“).
Schöne Analyse von Sprachvokabeln.
Die deutsche Sprache übrigens gehört auch einmal untersucht – da fällt doch auf, dass viele Begriffe seit 1871 aus dem kriegstreiberisch-propagandistischen Sprachgebrach in den sogenannten zivilen Sektor vorgedrungen sein dürften – „In Stellung gehen“ z.B. – heute allgemein als in eine Anstellung gehen bezeichnet, aber der ursprünglich militärische Begriff schimmert da noch durch.
Übrigens sind auch viele Vokabeln aus den beiden deutschen totalitären Diktaturen – der NS-Diktatur sowie der SED-Diktatur – in die normale Alltagssprache eingegangen.
Längst vergessen der eigentliche Ursprung, die Herkunft vieler deutscher Sprachvokabeln, aber wie gesagt dies wäre eine eigene Untersuchung sicher mal mehr als wert.
Gruß
Bernie
@Bernie: Zum Glück haben Sie keine Beispiele für die Wörter, die aus der NS- Diktatur
übernommen wurden, gebracht. Damit könnten Sie schnell den „Höcke“ machen und
verklagt werden. Adolf hat bestimmt auch einmal geäußert: „Ich gehe zum Klo!“. Das
auszusprechen könnte sich heute, bei einem Aufenthalt z.B. in einer Gaststätte in der Grüne
und SPD´ler verkehren, sehr nachteilig auswirken.
@Träumer
Sie würden sich wundern was da für Wortvokabeln auftauchen würden.
Heutzutage sind es viele harmlose alltägliche Worte, deren ursprüngliche Bedeutung längst in Vergessenheit geraten sein dürfte.
Gruß
Bernie
As I sad: https://blog.fdik.org/2026-03/s1774783191.html
Wie fast immer ein ketzerischer Kommentar …
Caleb Everett, was würdest Du dazu sagen, wenn ich Dir hinwerfe: Es gibt keine „Landschaften“? „Landschaften“ sind „no thing“, weil sie keine Grenzen haben, es sei denn, ich setze welche willkürlich hinzu.
Anders ist es mit Orten. „Orte“ sind ein Ding, weil und insofern das unbestimmte Substantiv seinen denotativen Gehalt aus der Mitteilung bezieht: „Dort ist jemand, es war jemand dort, oder es wird jemand dort (gewesen) sein.“ Jemand, der weiß, wie man dort hinkommt und was dort zu finden ist.
Ich kam auf die Idee, weil ich das Wort mbu im Yélî Dnye in diesem örtlichen Sinne zu verstehen geneigt bin – vorbehaltlich besserer Kenntnis von Land und Leuten, versteht sich. Deine Beschreibung hört sich an, als beziehe mbu seinen denotativen Gehalt aus einer räumlich orientierenden Rede, elementar einer Wegbeschreibung.
Und das erinnerte mich an eine Verwendung der Bezeichnung „Orte“ im Passagen-Werk Walter Benjamins, die etwa dem entspricht, was ich oben geschrieben habe.*
„Landschaft“ ist ein gottverdammt oder teuflisch christliches Wort geworden, ein Landesherrenwort … Wenn es denn je ein anderes gewesen ist.
* Es kann auch sein, daß ich Benjamin zuschreibe, was ich selbst gegen seine Verwendung des Wortes „Landschaft“ eingewendet hatte – vor ca. 20 Jahren – ich erinnere mich nicht mehr genau.
Erstmal wäre interessant, welches Wort der englischsprachige Autor denn für »Landschaft« verwendet hat, vermutlich landscape, muss aber nicht sein.
Dann ist die Beurteilung, dass Landschaft/landscape ein territorialer bzw. possessiver Begriff ist (…schaft & …scape), naheliegend und bezeichnet eine ureigene europäische Eigenschaft, naja, eine eigenartige Krankheit, auf Dinge zu blicken. Jedenfalls wäre hier die »Grenze« beim Begriff »Landschaft« eingepreist, also durchaus ein „thing“, oder?
Ich denke, „grenzenlose Landschaft“ ist eher ein neuere Sichtweise und Verwendung: „Als Forscherin für Wüsten-Insekten war sie oft in trokenen Landschaften unterwegs“
Aber für genaueres müsste der Grimm befragen werden, dazu habe ich gerade keine Lust.
PS: Sorry für die enttäuschende Antwort, ich bin natürlich nicht Caleb Everett 😉
„… also durchaus ein „thing“, oder?“
Erwischt, ich habe geschummelt und auch über das originale Englisch weggebügelt, weil mein Wortschatz in den zugehörigen Wortfeldern arg begrenzt ist. Auch im Deutschen ist er nicht sonderlich aktiv. Mich hat aber die Fixierung auf „Landschaft“ geärgert, als ob indogermanische Sprachen nicht eine Fülle von Differenzierungen bereitstellen. Da gibt es Marschen, Geest, Heide, Moore, Buschland, Gestrüpp, Hügelketten, Bergketten, Spitzen, Plateaus, Geröll (-hänge, -wiesen), Wälder sind „dicht“ oder „licht“, oder man stapft (!) durch Unterholz, man kraxelt oder klettert hinab wie hinunter. Hinzu kommt, die Erwartung wörtlicher Äquivalente ist völlig albern, wie Trux richtig sagte, ist „Übersetzung“ abseits sehr elementarer Sprachfiguren stets eine Übertragung, schon syntaktischer Unterschiede halber, man denke nur daran, daß ein Fahrrad oder Motorrad im Englischen nicht „geschoben“, sondern „gegangen“ wird (walked), eine Übertragung vom und ins Französische ist noch komplizierter, weshalb ich die zugehörigen aktiven Kenntnisse mangels Praxis fast komplett verloren habe.
Kurz: Das Geschwafel des Artikels nährt den Verdacht, das Thema sei das, was im Titel figuriert, ein pfäffisches „Menschsein“, zu dessen Ausmalung Leute hergenommen werden, die (noch) keine „Menschen“ sind, sondern das, als was sie sich verstehen, wie vor 20 Jahren beispielsweise noch „Friesen“, „Dithmarscher“, „Oberfranken“ im scharfen Unterschied zu „Unterfranken“, usw. usz, um nur die zu nennen, die ich längere Zeit „vor Ort“ kennen gelernt habe.
Alles unwichtig, ich weiß, aber ich langweile mich grad ein bißchen und wollte v.a. die Erinnerung los werden, daß Orte ohne zugehörige Leute allenfalls Gegenstand für Aliens und Astronomen sind.
Der Begriff »Berg« macht ja auch im Deutschen eine interessante Entwicklung durch und ist wegen seiner Polysemie für den Vergleich mit anderen Sprachen fast nicht mehr brauchbar:
– Bergbau: Damit sind erstmal keine gewaltigen Anhäufungen oder die ganzen Gewerke rund um den Berghof gemeint, sondern eine Tätigkeit, die in die Erde (ursprünglich in den Berg) geht (siehe Saarland, Ruhrgebiet usf.)
– Bergleute: sind selten Menschen, die auf oder an einem Berg leben, und auch nicht jene, die bei der versuchten Besteigung des Mount Everest dort geblieben sind
– Bergschlag: ist kein gewalttätige Handlung eines Berges
und
bergen: bedeutet jemanden (sowohl vom Berg, als auch der Tiefsee) nach einem Unfall zu retten
So, genug Unfug für heute…
Anscheinend werden Postings jetzt spezifisch geblockt? (auch ohne „verdächtige“ Links)?
„Und was, wenn unsere Wahrnehmung von Raum nicht nur von der Welt, sondern von unserer Sprache geformt wird? “
Das literarische Geschwätz dazu ist idiotisch. Nehmen wir mal was politisch-konkretes:
Alle reden vom Treibhauseffekt. Also muss es wohl einen Treibhauseffekt geben. Aber was soll das sein? Es hat anscheinend etwas mit einem Treibhaus, also Gewächshaus, einem Pflanzenaufzuchtraum mit Glasbewandung – zu tun.
Wenn wir in so ein Treibhaus gehen, machen wir die Erfahrung, dass es darin oft wärmer ist als in dessen Umgehung. Oft auch feuchter. Andere besondere Effekte sind dort nicht auffällig.
Warum ist es in einem Treibhaus wärmer als in der Umgebung? Weil es ein abgeschlossener Raum ist aus dem Wärme nicht durch Konvektion, also Luftbewegung, entweichen kann. Andererseits dringt aber Umgebungswärme, insbesonder IR-Strahlung der Sonne, leicht durch die dünnen Wände ein. (In einer Blechgarage in der Sonne ist es auch wärmer als in dessen Umgebung, es hat also nichts oder nur wenig mit der Durchsichtigkeit des Wandmaterials zu tun.)
Der Treibhauseffekt ist also ein höheres Wärmeniveau als die Umgebung, und zwar aufgrund der Verhinderung von konvektiver Wärmeabfuhr.
Nun wird aber der Begriff „Treibhauseffekt“ im Zusammenhang mit Klima und dem Wärmehaushalt des Planeten benutzt.
Wo soll da der Wärmeaustausch durch Konvektion verhindert sein? Was soll denn ein „Treibhausgas“ sein, denn der Treibhauseffekt wird nicht durch Gase bewirkt – sondern durch Wände und Decken, durch die Umhausung eines Raumes.
Das führt zu der Erkenntnis, dass der Begriff „Treibhauseffekt“ ein künstliches Produkt der PR-Industrie ist. Die Leute gingen davon aus, dass ein unterschwelliges Modell für die angebliche Erderwärmung geschaffen werden muss, und dazu nutzten sie das bekannte Phänomen des warmen Treib- bzw. Gewächshauses.
Jeder der davon redet und davon hört assoziiert mit „Treibhauseffekt“ eine Temperaturerhöhung, obwohl in dem sachfremden Zusammenhang mit Atmosphäre-Vorgängen nirgendwo etwas eine Rolle spielt, was in einem Treibhaus eine Rolle spielt.
Indem das Wort „Treibhauseffekt“ in unsere Köpfe implantiert wurde, wird damit eine Assoziationskette aktiviert die unbedarfte Menschen zu dem Gefühl bringen: „Natürlich muss sich da die Erdatmosphäre erwärmen, es ist doch wie im Treibhaus.“ dabei hat da gar nichts irgend etwas mit einem Treibhaus zu tun.
Wir werden mit künstlichen, in PR-Fabriken ausgeheckten Wortschöpfungen für dumm verkauft. Und billigste, lächerlichste PR-Agenten (leider auch richtige Profis) werden bezahlt oder einfach nur benutzt und sind hier und überall unterwegs, uns diese Denkverdummung einzureden.