Wachstum heißt Entwicklung

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An der »Wachstumsfrage« scheiden sich die Geister: Bewirkt Wachstum den von der Menschheit eigens herbeigeführten Untergang der Welt oder hält es ganz im Gegenteil die einzige Lösung für die Probleme der Weltgemeinschaft bereit?

Darüber diskutieren Katja Gentinetta und Niko Paech in der Streitschrift »Wachstum«, dem ersten Band unserer neuen Reihe »Streifragen«. Während Katja Gentinetta dafür plädiert, dass menschliches Handeln nicht einzig auf ein Überleben ausgerichtet sein darf, sondern sich vielmehr auf die größte Fähigkeit des Menschen rückbesinnen muss, die Welt durch seine Talente immer weiter zu verbessern, übt Niko Paech scharfe Kritik: Gerade das menschliche Streben nach Wachstum ist es, das unsere Welt ihrem Ende immer näher bringt, da die Menschheit durch ihre besinnungslose Ausrichtung an immer mehr Fortschritt und der dadurch ausgelösten Zerstörung kurz vor ihrem Ende steht. In dem heutigen Kommentar kommt Katja Gentinetta zu Wort, kommende Woche folgt die Antwort von Niko Paech.

Wozu sind wir auf dieser Welt? Was macht uns glücklich? Und wie können wir unser Leben verbessern? Seit jeher will der Mensch mehr als nur überleben. Er will ein gutes und wenn immer möglich besseres Leben führen.

orexis, phronesis und techne

Die antike eudämonistische Ethik lehrt uns, dass das letzte Ziel des menschlichen Lebens, ja das gute Leben schlechthin, darin besteht, ein tugendhaftes Leben zu führen. Nach Aristoteles bedeutet dies, die uns Menschen einzigartigen Fähigkeiten bestmöglich zu nutzen. Menschliches Handeln ist Streben (orexis), und dieses Streben richtet sich nach dem höchsten Gut: der Glückseligkeit. Diese reicht weit über subjektive Glücksmomente hinaus. Nur wenn der Mensch seine spezifischen und seiner Natur entsprechenden Fähigkeiten – die Sprache, den Geist – einsetzt, um sich und sein Leben zu verbessern, vermag er die Glückseligkeit zu erlangen. Erst mit dem Gebrauch seines Verstandes gelingt dem Menschen seine Vollendung.

Ein gelingendes Leben – das lehrt uns nicht nur die Ethik, sondern auch unsere eigene Erfahrung – besteht im Wesentlichen darin, dass wir uns entsprechend unseren Möglichkeiten entfalten können, unseren Geist einsetzen und unsere Talente nutzen können, um für uns und für andere ein besseres Leben zu schaffen.

Die orexis, das Strebevermögen, attestiert Aristoteles allen Lebewesen. Aber nur beim Menschen geht es diese einzigartig fruchtbare Verbindung mit dem Verstand ein, woraus einerseits die Klugheit (phronesis) und andererseits die Kunstfertigkeit (techne) erwächst. Vernunft und Innovation sind es demnach, die unsere geistigen Fähigkeiten auszeichnen. Ihnen ist jener Fortschritt zu verdanken, der die Entwicklung und Erweiterung der Medizin, die Überwindung von Armut und Hunger, die Entdeckung der Welt, die Kommunikation über den ganzen Globus und vieles mehr umfasst. Die stete Steigerung des Lebensstandards gibt uns außerdem mehr Raum und Zeit, unsere geistigen Möglichkeiten auszuschöpfen und unserem Leben einen Sinn zu verleihen.

Wachstum bedeutet Fortschritt und Entwicklung

Diese Entwicklung ist ohne wirtschaftliches Wachstum nicht denkbar. Unser Streben nach einem besseren Leben treibt das Wachstum an, denn Wachstum bedeutet Entwicklung. Das wirtschaftliche Wachstum, das erst mit der Industrialisierung begann, setzte eine beispiellose technologische und gesellschaftliche Entwicklung in Gang, die zu einer bis dato ungekannten Verbesserung des Lebensstandards breiter Bevölkerungsschichten führte. Elektrizität, fließendes Wasser, Schutz vor Wind und Wetter, aber auch Arbeitsteilung, Bildung und Ausbildung, Rechtsgleichheit – das alles und noch viel mehr zeugen von dieser Entwicklung. Sie belegen unmissverständlich, dass das Wirtschaftswachstum auf das Leben der Menschen eine ungeahnte, hinsichtlich ihrer Dimension und Qualität nicht bestreitbare positive Auswirkung hatte und auch weiterhin haben wird.

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Wirtschaftswachstum nicht auch problematische Nebenwirkungen zeitigt, die behoben werden müssen. Hingegen sind weiteres wirtschaftliches Wachstum und technologische Entwicklung – beide Ausflüsse des menschlichen Geistes – überhaupt erst die Voraussetzung dafür, die entstandenen Schäden zu beheben und weitere zu vermeiden. Wachstum bedeutet Fortschritt und Entwicklung; es baut auf den Leistungen der Vergangenheit und setzt auf die Potenziale der Zukunft.

Wer das Wirtschaftswachstum kritisiert oder ablehnt, miss- oder verachtet diese Entwicklung. Die gängige Wachstumskritik verweist einzig auf dessen schädliche Nebenwirkungen, womit sie, durchaus beabsichtigt, das Wirtschaftswachstum als Ganzes diskreditiert. Ob Umweltschäden oder Klimawandel, Ungleichheit oder Stress, Kriege und Waffen oder Terror und Flucht: Diese und zahlreiche weitere Phänomene und Ereignisse werden als Beweise dafür angeführt, dass das Wirtschaftswachstum der Natur und dem Menschen schadet und folglich gestoppt, ja rückgängig gemacht werden muss.

Wirtschaftswachstum verbieten: Raub an denen, die noch keinen hohen Lebenssstandard haben

Indem Wachstumskritiker bisherige Errungenschaften, oft sogar deren bloßes Vorhandensein, unerwähnt lassen, ignorieren sie letztlich jene Grundlage, von der aus ihre Kritik überhaupt erst formulierbar ist. Um es in Anlehnung an Ernst-Wolfgang Böckenförde zu sagen: Die Wachstumskritik lebt von Voraussetzungen, die sie selbst nicht garantieren kann. Wer Verzicht predigt, kann dies nur aus der Warte der Saturiertheit tun, die ihrerseits ein Resultat des Wachstums ist. Und wer Wachstumskritik als Forderung nach ausschließlich »grünem« oder »nachhaltigem« Wachstum artikuliert, unterschlägt, dass dies ebenfalls Wachstum bedeutet und mehr noch: wirtschaftliches Wachstum bedingt. Gerade der Kapitalismus hat sich diesbezüglich als lernfähig und auch lernwillig erwiesen.

Wer das Wirtschaftswachstum anhalten oder gar verbieten will, beraubt all jene Menschen, die noch nicht über einen dem unseren vergleichbaren Lebensstandard verfügen, sämtlicher weiteren Entwicklungsschritte. Er entzieht ihnen damit nicht nur existenzielle Sicherheiten und alltägliche Annehmlichkeiten, sondern auch elementare Lebenschancen: die Möglichkeit, ein im aristotelischen Sinne gutes Leben zu führen und die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten zur Entfaltung zu bringen. Wachstumskritik ist im globalen Kontext gesehen – und jeder andere Kontext muss heute als unvollständig gelten – ein Wohlstandsphänomen. Nullwachstum ist etwas für jene, die schon alles haben.

Wirtschaftliches Wachstum schlägt sich in erster Linie in einer für den Menschen positiven Entwicklung nieder: einer Entwicklung, die seinen geistigen Fähigkeiten und Möglichkeiten gerecht wird. Dies lässt sich anhand zahlreicher Fakten dokumentieren. Es bedeutet jedoch nicht, dass die problematische Seite des Wachstums – Ressourcenverbrauch, Umweltschäden, Überkonsum und Klimawandel – ignoriert oder gar geleugnet werden. Allerdings können diese Probleme nur durch die Fortführung des Wirtschaftswachstums – und gerade nicht durch dessen Unterbindung – gelöst werden.

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29 Kommentare

  1. Wie das wehtut!!! Bar jeder Kenntnis, dass Wachstum immer nur eine Periode im Dasein eines Subjektes ist – Ludwig Erhard wies auch schon darauf hin – das auf Vergänglichkeit angelegt ist, will man hier ein grenzenloses Wachstum herbeireden. Pure Ideologie. Zuerst wird nicht geklärt, was wachsen soll. Dann wird behauptet, dass nur Wirtschaftswachstum das Weltelend verringern könne. Ja, mehr noch, man behauptet allen Ernstes, das das Elend, durch Wachstum hervorgerufen, gerade durch Wachstum zu überwinden wäre. Wer ist die Autorin Katja Gentinetta? Eine Philosophin, sagt Wikipedia. Dann soll sie mal studieren, wie Marx über Ökonomie philosophiert hat.

  2. Im obrigen Artikel wird ein System verteidigt, welches mehr Probleme als Antworten pruduziert.
    Katja Gentinetta bemüht in ihrer Argumentation Armut und blendet übermäßigen, unkontrolliert wachsenden Reichtum aus. Sie redet dort etwas schön, was nicht schön ist.

    Ein kleines Beispiel von mir persönlich: Vor ca. 5 Jahren diskutierte ich mit meinem Schornsteinfegermeister über die Feinstaubbelastung und deren negativen Folgen für Mensch und Umwelt durch meine damalige Pelletheizung. Ich sagte in meiner Naivität, dass es doch nicht so schwer sein könnte, einen kleinen Filter zu bauen, welcher direkt hinter der Pelletheizung (vor dem Schornstein) eingebaut wird und den Feinstaub und andere Schadstoffe heraus filtert. Da lacht der gute Mann mich aus und erzählte, dass es sowas seid mehreren Jahren gibt. Ein deutscher Bastler/ Ingenieur dies entwickelt und als Patent angemeldet hat. Da er es nicht selbst produzieren konnte, hat er dieses Patent an einen großen deutschen Heizungshersteller verkauft. Dort ruht dieses Patent gut bewahrt in einem Tresor.
    Der Lobbyismus der Heizungsbauer sorgt weiterhin dafür, dass die Richtwerte der Abgasmessungen verschärft werden und das Heizungen nicht älter als 30 Jahre sein dürfen. Damit sorgt man für eien regelmäßigen Austausch der Anlagen, für ein florierendes und anhaltendes Geschäft. So ein Filter würde dieses Geschäft mit neuen „modernen“ Heizungen zu höheren Preisen nur unnötig stören. Der dadurch entstehende Ressourcenvergeudung ist im kapitalistischen Akkumulationsprozess ein zu negierender Faktor, da einzig und allein Gewinne zählen.
    Frau Gentinetta`s Ausführungen blenden den alleinigen Drang zur Gewinnmaximierung aus. Die heutige Umweltpolitik der einzelnen Staaten ist einzig und allein dieser Gewinnmaximierung unterworfen. Dieser artikel ist oberflächig und passt in die heutige Zeit voller Propaganda.

    Das Land, welches zur Zeit den größten Fortschritt bei der Anwendung erneuerbarer Energien macht, ist China. Also eine staatlich gelenkte Volkswirtschaft. Kein reiner Kapitalismus.

    1. @Thalrecht
      Es liegen noch ganz andere Patente auf Eis. Verbesserung ist nicht erwünscht.
      Fakt ist, das z.B. in Elektrogeräte vorsätzlich Verschleißteile von schlechter Qualität eingebaut werden usw.
      Es geht nur noch ums Geld verdienen auf jeder noch so perfide Art und Weise.
      KAUFEN KAUFEN KAUFEN……………..

  3. Ein Planet wird geplüdert (Herbert Gruhl)
    Herbert Gruhl suchte in seinem 1975 erschienenen Buch nach den Ursachen der Plünderung der ökologischen Lebensgrundlagen der Menschheit, die er in der Wachstumsideologie (sowohl des Kapitalismus als auch des Kommunismus) sah, und empfahl Verzicht und Maßhalten anstelle einer Konsumorientierung. Eine große Bedeutung für die Plünderung des Planeten maß Gruhl zudem dem weltweiten Bevölkerungswachstum bei. Für umweltpolitische Maßnahmen wie etwa eine ökologische Steuerreform wurden hier Anstöße gegeben. Den technischen Umweltschutz und andere umweltpolitische Maßnahmen zu forcieren werde für sich allein genommen aber unzureichend bleiben. Es bedürfe einer „planetarischen Wende“, das heißt, der Mensch müsse „von den Grenzen der Erde ausgehend denken und handeln“.

    Die Erkenntnis hat es dem Menschen ermöglicht, sich von den Naturgewalten in mancher Hinsicht frei zu machen und immer mehr Naturkräfte in seinen Dienst zu stellen. Eine Hybris hat die erfolgreichen Völker erfaßt: sie halten nun alles für möglich. Stark zurückgeblieben sind bis zum heutigen Tage die Kenntnisse der Menschen über die Folgen ihrer Erkenntnisse. Jeder Überblick ging verloren, und gerade dieser wird von Jahr zu Jahr dringlicher. Eine Zuständigkeit für »das Ganze« ist nirgendwo auszumachen. Die Erfolge auf unzähligen Einzelgebieten haben jede Besinnung verdrängt und das Gewissen zum Schweigen gebracht. Nun ist Gott tot, die totale Produktion ist an seine Stelle getreten. So wie im Mittelalter alle Gedanken und Werke sich auf das Jenseits richteten, so konzentrieren sie sich heute auf den materiellen Zuwachs. Verdoppelung und nochmals Verdopp­elung ist das Ziel: exponentielles Wachstum………………
    https://herbert-gruhl.de/ein-planet-wird-gepluendert/

    1. Das ist richtig, wenn man mit Kommunismus die bisherigen politische Richtungen der KP zu einer „sozialistischen Marktwirtschaft“ meint. Es stimmt nicht, wenn man losgelöst von diesen Programmen sich bei Marx umschaut. Dieser definierte das Wertgesetz als das Bewegungsgesetz des Kapitalismus und erkannte, dass Kommunismus eine Produktionsweise als ökonomische Grundlage haben muss, die nicht den Wert hervorbringt, also ausschließlich auf den Bedürfnissen und deshalb auf der Assoziation freier Produzenten beruht.
      Das haben die KP nicht erkannt und vollzogen und sind deshalb, vielleicht auch durch die Weltlage gezwungen, vor diesem Schritt stehen geblieben. Die „sozialistische Marktwirtschaft“ ist Ausdruck dieser Verwirrung und des Unvermögens, die Werttheorie zu begreifen. Sie schufen nur eine spezielle Form des staatsmonopolistischen Kapitalismus, was sich auch in China zeigen wird, wenn die Phase der durchaus positiven kapitalistischen inneren Entwicklung den der übrigen kapitalistischen Hauptländer erreicht hat. Die Wogen der systemischen Widersprüche werden einen ähnlichen Weg erzwingen wie der der USA und EU. Es sei denn, die äußeren Bedingungen, USA, NATO und andere, sind nicht mehr so gefährlich, dass ein Übergang zur bedürfnisbestimmten Produktionsweise, den die Produktivkräfte schon seit einigen Jahren objektiv erfordern, auch angegangen werden kann und die KP Chinas oder andere gesellschaftlichen Kräfte das erkennen.
      Erst dann kann man eigentlich von Kommunismus sprechen.

      1. Zum OberstMeyer, Wert ist keine gesellschaftliche wie bei Marx, sondern eine biologische Kategorie. Wenn ein Bewusstsein auf die Realität blickt bildet es Begriffe, und biologisch gesehen hat alles das Wert, was Leben am Leben erhält. Also auch in der kommunistischen Gesellschaft und nicht nur im Kapitalismus und davor. So gesehen heißt die Produktion von Wert ganz einfach überleben.

      2. Ich stimme Ihnen zu. Leider wird immer „das Kinde mit dem Bade ausgeschüttet“. Marx hat den Fortschritt des Kapitalismus durchaus anerkannt. In seiner Analyse des Kapitalismus hat er auch das Gesetz vom „Tendenziellen Fall des Fallens der Profitrate“ entwickelt. Das springt heute jedem ins Auge.
        Davor ist auch China oder wer immer als Sozialistisch betrachte wird, gefeit.

  4. Wachstum, farbenfroh angestrichen, ist ein Euphemismus zum von Wert, Kapital und Geld unbedingt als notwendiges und objektiv zwangsweises Systemzubehör geschaffene Voraussetzung des Bewegungsgesetzes unserer kapitalistischen Warenproduktionsweise. Die führt systemisch zur Katastrophe.
    Dem eine positive Botschaft anzuhängen gleicht der guten Nachricht des Arztes, der den nach einem Unfall mit anschließender Ambutation erwachten Patienten mit der guten Nachricht aufmuntern will: Schlimm, aber im Nebenzimmer hat sich jemand für Ihre Schuhe interessiert.

  5. Ein guter Beitrag. Ich würde als Begründung allerdings nicht bei der Griechischen Philosophie beginnen sondern mir die Mechanismen der Evolution anschauen. Jeder Organismus tauscht sich mit seiner Umwelt aus und das nach dem ökonomischen Prinzip. Dieser Austausch hat den Zweck der Bestandserhaltung des Organismus. Die beste Gewähr gegen Schrumpfung und Untergang ist aber immer das Wachstum wie Nachkommen schaffen, Wissen und Subsistenz-mittel anhäufen. Das gilt, vor allem für den zweiten Teil, auch in der Geldwirtschaft. Dem flachen Denken der Wachstumskritiker entgeht, dass wir nur mit wachsendem Wissen überleben werden. Und dies wird ökonomisch materialisiert durch die Kapitalbildung. Die industrielle Revolution, die Entstehung der kapitalistischen Moderne ist mit der neolithischen Revolution, die den Übergang zur produzierenden Wirtschaftsweise darstellt, vergleichbar.

  6. Wachstum gibt es in der Natur, die uns alle überdauern wird.
    Trotzdem gibt es dort kein gesundes Wachstum, was andauert, endlos ist.
    Das einzige endlose Wachstum ist die Krebszelle, die ihren Wirt umbringt.
    Das permanente Prinzip in der Natur ist „Change“, Veränderung.
    Daran können wir nichts ändern und sollten es auch nicht versuchen.

    1. Wenn es in der Natur Wachstum gibt, dann wächst auch die Vernichtung, also das oder die vom wachsenden Leben. In der Natur strebt alles nach Anpassung.
      Die intelligentesten Tiere (sagt der Mensch) sind die, die Kooperationsfähig sind. Das ist der Orca im besonderen Maße. Der Kapitalismus als System eben nicht, da herrscht Konkurrenz und Egoismus und das auch so sein.

  7. Bissel was zum schmunzeln – oder nicht…

    https://journalistenwatch.com/2022/07/17/trost-zuspruch-sie/

    daraus: „Die Zuschrift, derentwegen ich vor Mitgefühl fast zerflossen bin, erhielt ich erst vor etwa anderthalb Wochen. „Lieber Herr Erdinger, ich habe das nagende Gefühl, daß mich meine Regierung Länge mal Breite verarscht und daß mich die Massenmedien belügen. Es macht mich traurig, so wenig wert zu sein, daß andere Leute glauben, sie dürften mich nach Strich und Faden verarschen und anlügen. Meine Lebensfreude ist dahin. Als es so weit gewesen ist, daß ich die Schlagsahne auf meinem Apfelkuchen vergessen habe, ohne daß es mich gestört hätte, wußte ich sofort: Jetzt ist die Zeit gekommen, Sie um Rat zu fragen. Ganz ehrlich, Herr Erdinger: Bin ich so dumm und so wenig wert, daß ich mich Länge mal Breite verarschen und anlügen lassen muß? Mit verunsicherten Grüßen, Ihre Kunigunde-Gundula Gause-Pause.“ – Schlagartig befand ich mich in einem moralischen Dilemma. Sollte ich Frau Kundigunde-Gundula Gause-Pause tröstenden Zuspruch zuteil werden lassen, indem ich sie anlüge und behaupte, sie bilde sich nur ein, daß sie verarscht und angelogen wird, und daß sie vor lauter Intelligenz lediglich ein wenig überspannt sei, was sich mit Baldriantropfen lindern ließe? Sie hatte mich schließlich angeschrieben, um Hilfe in ihrer persönlichen Not zu erhalten, und nicht, um die strukturellen Probleme der Medien- & Massendemokratie erläutert zu bekommen. War es da nicht meine Pflicht & Schuldigkeit, ihr ein fröhliches Lächeln ins Gesicht zurückzuzaubern, so daß sie die Schlagsahne auf ihrem Apfelkuchen nie wieder vergessen würde?“

  8. Zum OberstMeyer, Wert ist keine gesellschaftliche wie bei Marx, sondern eine biologische Kategorie. Wenn ein Bewusstsein auf die Realität blickt bildet es Begriffe, und biologisch gesehen hat alles das Wert, was Leben am Leben erhält. Also auch in der kommunistischen Gesellschaft und nicht nur im Kapitalismus und davor. So gesehen heißt die Produktion von Wert ganz einfach überleben.

  9. Ich bin ein wenig enttäuscht, dass sich kein einziger Kommentar findet der das hochfliegende, theoretische Geschwafel um ein paar Kleinigkeiten aus der Realität ergänzt… Das ganze ist ein typischer Pennäler Schulaufsatz der das pro und Kontrs abwägt und am Schluss beim sowohl als auch bleibt. Vielleicht könnte man das komplettieren?

    Wir Menschen sind ALLE neben ein paar möglichen positiven Eigenschaften habgierig, geizig, geil, aggressiv, gewalttätig, und dumm, und was dergleichen mehr ist. Und ganz netter Philosoph sagte dazu mal: Derjenige werfe den ersten Stein…
    Gut-Menschen und vor allem unsere politisch korrekten, woken Volldeppen ignorieren das prinzipiell.

    Nur mal als herausgepicktes Beispiel: Wenn es um die Armut in Dritte Welt Ländern, zB in Afrika, geht, würden besonders böse Menschen in solchen „Pseudo-Diskussionen“ die Frage einwerfen, warum es in dem ganzen Kontinent, in der ganzen Geschichte der Menschheit nicht ein einziges Land es jemals geschafft hat, einen funktionierenden Staat aufzubauen, der seinen Bürgern ein Leben ohne grosse Not ermöglicht hat… dieselbe Frage gäbe es auch zu islamischen Ländern.

    1. Muss doch auch, wenn nicht einmal Klassengesellschaft angemerkt wird.
      „„In der Agrikultur wie in der Manufaktur erscheint die kapitalistische Umwandlung des
      Produktionsprozesses zugleich als Martyrologie der Produzenten, das Arbeitsmittel als
      Unterjochungsmittel, Exploitationsmittel und Verarmungsmittel des Arbeiters, die gesellschaftliche
      Kombination der Arbeitsprozesse als organisierte Unterdrückung seiner individuellen Lebendigkeit,
      Freiheit und Selbständigkeit. Die Zerstreuung der Landarbeiter über größre Flächen bricht zugleich
      ihre Widerstandskraft, während Konzentration die der städtischen Arbeiter steigert. Wie in der
      städtischen Industrie wird in der modernen Agrikultur die gesteigerte Produktivkraft und größre
      Flüssigmachung der Arbeit erkauft durch Verwüstung und Versiechung der Arbeitskraft selbst. Und
      jeder Fortschritt der kapitalistischen Agrikultur ist nicht nur ein fortschritt in der Kunst, den
      Arbeiter, sondern zugleich in der Kunst, den Boden zu berauben, jeder Fortschritt in Steigerung
      seiner Fruchtbarkeit für eine gegebne Zeitfrist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden
      Quellen dieser Fruchtbarkeit. Je mehr ein Land (…) von der großen Industrie als dem Hintergrund
      seiner Entwicklung ausgeht, desto rascher dieser Zerstörungsprozeß. Die kapitalistische Produktionentwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses,
      indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.“ (KarlMarx)

      1. Das stimmt zwar, aber nur für diejenigen die sich selber in solche Abhängigkeits Verhältnisse begeben.
        Man sollte nie vergessen, dass Ausreden in der real existierenden Welt kein Schwein interessieren.
        Wer zB meint sich mit 20 unbedingt fortpflanzen zu müssen, ein Auto und eine Wohnung zu kaufen und dann eines Morgens in einer Krise, wie in der jetzigen Welt aufwacht, der muss chon mit dem Leben zurecht kommen, das ER sich zugelegt hat.
        Da helfen dann auch die gesammelten MEW nichts mehr…

        Was da beschrieben wurde, und was Du zitierst stimmt natürlich, geht aber am eigentlichen Problem vorbei, da es nur die Symptome sind. Entweder du akzeptierst deine Eigen-Verantwortung für Deine Entscheidungen und deren Konsequenzen und denkst VORHER über Deine Entscheidung nach, oder Dein Leben wird nun mal beschissen sein.
        Kant hat da sehr viel mehr Recht als Marx: Du musst Deine eigene, SELBSTVERSCHULDETE Unmündigkeit hinter dir lassen.
        Oben stehts schon mal: Ausreden interssieren kein Schwein

  10. Es gibt eine ganz einfache Entwicklung: Eine Spezies, die alles verbraucht, wird untergehen, weil nichts mehr da ist. So läuft die Natur. Auf den Menschen kommt es ihr nicht an.

  11. Leider wenig intellektuell, wenn ich anmerke, welcher Kommentar mir am meisten zusagt:
    Es ist „… Hauptsache, das Bein ist ab.“
    Nicht lustig eigentlich, aber ich habe gebrüllt vor Lachen…….; letztendlich ist ja auch dieser Kommentar keiner der allerelaboriertesten………., aber für MICH eindeutig die Quintessenz schlechthin..

  12. „Unser Streben nach einem besseren Leben treibt das Wachstum an, denn Wachstum bedeutet Entwicklung. Das wirtschaftliche Wachstum, das erst mit der Industrialisierung begann, setzte eine beispiellose technologische und gesellschaftliche Entwicklung in Gang, …Sie belegen unmissverständlich, dass das Wirtschaftswachstum auf das Leben der Menschen eine ungeahnte, hinsichtlich ihrer Dimension und Qualität nicht bestreitbare positive Auswirkung hatte und auch weiterhin haben wird.“

    Wachstum bedeutet nicht Entwicklung – Beispiel Natur. In der Natur sorgen zunächst, hochproduktive Primärgesellschaft aus niederen Pflanzen und Flechten dafür, dass sich eine Grundlage – hier Boden – für höheres Leben entwickelt. Darauf aufbauend kommen dann Sekundärgesellschaften ins Spiel, die aber aus dem Untergrund nicht mehr annähernd so viel Material entnehmen. Über die Zeit bilden sich Biotope und es entwickeln sich Pflanzen und Tiere, die die bereits vorhandenen Materialien recyceln und immer wieder neu verwerten.

    Die menschliche Ökonomie setzt aber nicht auf diesen Kreislauf, sondern vergrössert nur die Menge der Materialien, die später als Abfall in den Umweltmedien verbleiben. Dabei gibt es natürlich auch Produktentwicklungen und Fortschritt. Das System hört aber nicht auf, in gleichem Mass, in dem es wächst Abfälle zu produzieren.

    Und der Kapitalismus setzt allem die Krone auf, weil er eigentlich ein Umverteilungssystem darstellt, dass einigen Wenigen die Arbeitsleistungen der fossilen Energien zur Verfügung stellt, während die Mehrheit ausgeschlossen bleibt, kein Vermögen erwirtschaften kann und immer von der Hand in den Mund lebt. Wachstum wird diese Menschen nicht satt machen, solange dieses System herrscht.

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