Wirtschaftswachstum als essentielle Bedrohung

Julian Alden Weir, CC0, via Wikimedia Commons

An der »Wachstumsfrage« scheiden sich die Geister: Bewirkt Wachstum den von der Menschheit eigens herbeigeführten Untergang der Welt oder hält es ganz im Gegenteil die einzige Lösung für die Probleme der Weltgemeinschaft bereit?

Darüber diskutieren Katja Gentinetta und Niko Paech in der Streitschrift »Wachstum«, dem ersten Band unserer neuen Reihe »Streifragen«. Während Katja Gentinetta dafür plädiert, dass menschliches Handeln nicht einzig auf ein Überleben ausgerichtet sein darf, sondern sich vielmehr auf die größte Fähigkeit des Menschen rückbesinnen muss, die Welt durch seine Talente immer weiter zu verbessern, übt Niko Paech scharfe Kritik: Gerade das menschliche Streben nach Wachstum ist es, das unsere Welt ihrem Ende immer näher bringt, da die Menschheit durch ihre besinnungslose Ausrichtung an immer mehr Fortschritt und der dadurch ausgelösten Zerstörung kurz vor ihrem Ende steht. In dem heutigen Kommentar antwortet Niko Paech auf den Beitrag von Katja Gentinetta in der vergangenen Woche.

Green New Deal?

Der folgenreichste Irrtum, in den sich die menschliche Zivilisation jemals verrannt hat, entstammt nicht etwa grauer, von Aberglauben und Unaufgeklärtheit geprägter Vorzeit, sondern ist eine Kopfgeburt der Moderne, also eines Zeitalters der bedingungslosen Fortschrittsgläubigkeit. Demnach sei es möglich, durch Wissensvermehrung, Innovationskraft und technologische Perfektion aus dem materiellen Nichts einen Wohlstand zu erschaffen, der wundersamerweise selbst alles andere als immateriell ist.

Was derlei Allmachtsphantasien, die sich in Narrativen wie dem vom vermeintlichen Produktivitätszuwachs widerspiegeln, lange überdauern ließ, ist ein simples Faktum. Die komplexe Mitwelt verfügt über viele Pufferkapazitäten, zeitigt immense Verzögerungseffekte, physische Umwandlungen sowie räumliche Verlagerungen, hinter denen sich jene Effekte verbergen lassen, die von technisch-industriellen Prozessen ausgelöst werden. Die räumliche Verteilung ökologischer Ursache-Wirkungs-Beziehungen überfordert nicht nur die menschliche Wahrnehmungsfähigkeit, sondern erschwert eine empirische Erfassung der Nebenwirkungen des modernen Lebensstils. So ließ sich leicht darüber hinwegtäuschen, dass ökonomischer Fortschritt seit Anbruch der ersten industriellen Revolution nichts anderes als Raubbau sein konnte, somit früher oder später in Chaos umschlagen würde, wenn die Substanz, von der er zehrt, unwiederbringlich verbraucht ist.

Infolge einer besinnungslosen Ausrichtung an Wachstum und Technisierung hat die menschliche Zivilisation binnen kürzester Zeit ihre ökologische Überlebensfähigkeit eingebüßt. Von einem Mangel an Korrekturversuchen kann indes keine Rede sein. Allerdings unterwirft sich deren Gros einer strukturkonformen Logik, die zumeist als »ökologische Modernisierung«, »Green Growth« oder »Green (New) Deal« bezeichnet wird. In ihr offenbart sich eine vorgeblich geläuterte, nunmehr »nachhaltige« Steigerungsvariante, die zeitgenössischen Konsumgesellschaften als Alibi dafür dient, überfällige Anspruchsmäßigungen als unnötig zurückzuweisen.

Die erschöpfte Gesellschaft

Tüchtiger Innovationseifer, so lautet das Credo, werde einen Wirbelwind an technologischen Problemlösungen heraufziehen lassen, der alle Nachhaltigkeitsdefizite vorangegangener Innovationswellen rückstandslos wegoptimiert, ohne den Insassen der Komfortzonen zumuten zu müssen, ihre Handlungen reduktiv zu ändern. Aber lassen sich die Folgen früherer Modernisierungsrisiken durch das Eingehen weiterer Risiken tilgen? Kann Feuer mit Benzin gelöscht werden? Interessanterweise sind es gerade viele der fieberhaft entwickelten Effizienz-, Energiewende- oder Kreislauf-Lösungen, die den materiellen Raubbau sogar intensivieren, indem sie bislang verschont gebliebene Naturgüter und Landschaftsbestandteile einer »grünen«, nichtsdestotrotz industriellen Verwertung zuführen. Dies zeigt beispielsweise der geplante Windkraftausbau im Odenwald, der dessen vollständigen landschaftlichen Zerstörung gleichkäme, genauso eindrucksvoll wie die Tesla-Ansiedlung im brandenburgischen Grünheide, die Lithium-Förderung in Bolivien, die Neodym-Gewinnung in China, die Elektroschrott-Lawine, die sich über den afrikanischen Kontinent ergießt, oder die Wasserkraftprojekte in Brasilien, Island oder der Türkei.

Neben ökologischen Grenzen, die sich unüberwindbarer als je zuvor darstellen, decken die Lehman-Brothers- und die Coronakrise ökonomische Sollbruchstellen einer außer Kontrolle geratenen, zunehmend einsturzgefährdeten Wohlstandsarchitektur auf. Damit wird der Nachhaltigkeitsdiskurs um einen vormals kaum beachteten Aspekt erweitert: Resilienz als Fähigkeit der Gesellschaft, der Ökonomie, eines technischen oder sozialen Systems oder auch eines Individuums, (externe) Störungen zu verarbeiten, ohne die Überlebens- und originäre Funktionsfähigkeit zu verlieren. Eine dritte Fortschrittsblase, die ebenfalls geplatzt ist, betrifft den Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen Lebenszufriedenheit und dem Ausmaß an verfügbaren Konsum-, Mobilitäts- und Technikoptionen. Längst ist von einer überforderten oder erschöpften Gesellschaft die Rede.

Postwachstumsökonomik verneint systematische Vermehrbarkeit

Allerdings formieren sich inzwischen wachstumsskeptische Positionen unter Bezeichnungen wie »Bio Economy«, »Steady State«, »Degrowth«, »Décroissance«, »Decrescita« oder »Postwachstumsökonomie«. Sie widmen sich genügsamen Versorgungsformen und Lebensstilen, die das Ziel der ökologischen Überlebensfähigkeit mit jenem der Resilienz und einer erstrebenswerten Lebensqualität koppeln. Als kritische Wissenschaftsdisziplin, die sich diverser Theoriezugänge bedient, ist daraus die Postwachstumsökonomik hervorgegangen. Sie stützt sich auf die Gesetze der Thermodynamik und bildet einen Bereich der Pluralen Ökonomik.

Die Postwachstumsökonomik verneint eine systematische Vermehrbarkeit materieller Handlungsspielräume im endlichen System Erde: Jedes Mehr an materiellen Freiheiten wird zwangsläufig mit einem Verlust an nutzbaren Ressourcen und einer Zunahme ökologischer Schäden erkauft. Dies untermauert die Einsicht, dass ein sozial gerechter Zustand nur erreicht werden kann, wenn akzeptiert wird, dass die verfügbare Verteilungsmasse begrenzt ist. Denn wenn alles, was aus industrieller Spezialisierung resultiert, grundsätzlich nicht ohne ökologische Plünderung zu haben ist, bedarf der darauf gründende Wohlstand einer Begrenzung.

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15 Kommentare

    1. Eckart, das ist Unsinn. Das ist lediglich für den Kapitalismus so. Da treibt die Konkurrenz die beteiligten. Es wird noch zuwenig produziert. Schau doch mal in die Welt, wievielt Menschen gar nichts haben. Ansätze bei uns die Tafeln.
      Aber ohne Profit produzieren die gar nichts, dafür lassen die auch Menschen über die Klinge springen.
      Schau bei unseren Coronaimpfungen, da zahlt der Staat die Entwicklung und die machen Milliarden Profite in kurzer Zeit, aber als Benefiz abzugeben, kommt nicht in die Tüte. Dafür gibt es dann das Bundesverdienstkreuz.

      Es ist noch gar nicht so lange her, da hast du bestellt, was du brauchtest, da konnte es keine Überproduktion geben. Heute liefert Amazon schneller als, wenn du von Land in die Stadt fährst, um was zu kaufen. Ein Heer von Psychologen denken sich immer gelassenere Tricks aus, um dich weich für haben, haben zu machen.

      1. Viele Worte münden oft nur in Unsinn. Ein Beispiel macht das klar, wenn man z.B. diese wie Bausteine für eine möglichst >hochgewachsene< Friedhofsmauer nutzen würde.
        Keinem wird dieses Machwerk etwas nutzen, weil die, die drin sind nicht raus können – und die, die draußen sind, nicht rein wollen. Soviel dazu, was UNSINN ist.

  1. Das Problem ist die Überproduktion, die nicht mehr am realen Bedarf ausgerichtet ist. Die Produzenten produzieren ungebremst ins Blaue, für die Bücher, für die Anleger. Neue Kleidung oder frische Lebensmittel landen in der Tonne. Vermehrtes Wachstum ist unökonomisch und es wird die gesamte Wirtschaft nur noch mehr belasten, denn was zuviel ist, muss entsorgt werden. Zusäzlich sind Transportwege oft abenteuerlich: in China werden sehr viel Tomaten angebaut. Die Chinesen mögen keine Tomaten. Die landen in Italien am anderen Ende der Welt, in der Dose, oder im Glas. Ist das ökonomisch?

    1. Die Deutschen Industrie Bauern produzieren 50 Millionen Schweine. Wo landet die Gülle, wo kommt das Futter her?
      Genauso könnte gesagt werden, es ist Unterkonsumtion. Kein Geld, keine Ware.
      Die Guten „keine Profite mit der Miete“ Profite ist der einzige Grund weshalb das Kapital baut.

  2. Abgesehen davon, dass diese Auseinandersetzung so richtig zur Unzeit kommt – in Zeiten des rapide sinkenden Wachstums durch die Folgen der Russland-Sanktionen und der Zusammenbrüche internationaler Lieferketten. Wer aber einfach über „Wachstum“ schwadroniert ohne den Kontext kapitalistischer Akkumulation zu benennen, der redet wohl eher entweder biologistisch („Selbsterhaltung durch Selbstvermehrung“) oder – noch schlimmer – von einer Frage willkürlicher Entscheidungen „der Menschen“ für oder gegen Wachstum.

    1. Gab es denn vor dem Kapitalismus nicht auch Innovationen, um etwa die Nahrungsmittelproduktion zu steigern? Die neolithische Revolution hat die Sesshaftigkeit begründet. Ebenso die Verwendung von Metallen. Das alles war vor dem Kapitalismus.

      Sicherlich ist es auch nach meiner Meinung richtig, daß ein unbegrenztes exponentielles Wachstum einfach nicht geht. Das betriff auch die Bevölkerung. Denn auch die Ressourcen für die Nahrung etc haben physikalische Grenzen.,

  3. Im Augenblick outen sich die Grünen als Postwachstums Ökonomen. Es sollen Übergewinne abgeschöpft werden. Es müssen schon Übergewinne sei, denn, ja nicht an die Profite des Kapitals gehen.
    Auch sind die Obdachlosen die wahren Retter der Gesellschaft, nicht so oft waschen, keine Heizung oder Strom und als i Tüpfelchen kein Harzt IV weil keine Adresse.
    Älter Leserbrief.
    Postwachstum, was ändert sich?
    http://www.postwachstumsoekonimie.org/ Befreiung vom Überfluss
    Nico Paech und Werner Oncken organisieren schon seit Jahren Ringvorlesungen zur Postwachstumsökonomie. Immer werden interessante Aspekte der Postwachstumsökonomie beleuchtet, die von ausgezeichneten Referent_innen vorgetragen werden. Es ist eine verdienstvolle Aufgabe, sich gerade in der heutigen Zeit Gedanken um eine Alternative zum jetzigen Wirtschaftssystem zu machen. Paech zum Beispiel betreibt dies nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch mit Genossenschaftsarbeit.
    Thematisch wird immer wieder die Bürgerbeteiligung in den Vordergrund gestellt: So treffen sich die Postökonom_innen mit den Ratsparteien in Oldenburg, die sich ebenso für eine Bürgerbeteiligung starkmachen. Im Grunde wäre es eine fruchtbare Allianz, wenn die Parteien, die Universität und die Bürger_innen Debatten um die Zukunft Oldenburgs führten. Die berühmten „Väter“ sagen in Artikel 28 GG Absatz 2: „Den Gemeinden muss das Recht gewährleistet sein, alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung zu regeln.“
    Es erscheint mir daher wichtig, diese Debatten zu führen und auch einen Raum jenseits der Universität zu haben, wo dies stattfinden kann. Die Ansätze der Postwachstumsökonom_innen, ohne Wachstumsimperativ effizienter und auch ethisch vertretbar zu wirtschaften, sind für alle bemerkenswert.
    „Die lange gehegte Hoffnung, dass wirtschaftliches Wachstum durch technischen Fortschritt nachhaltig oder klimafreundlich gestaltet werden kann, bröckelt.“ (http://www.postwachstumsoekonomie.org, Stand: 03.03.2012)
    Im Aufsatz „Eine Ökonomie jenseits des Wachstums“ (In: Einblicke 49, Magazin der Universität Oldenburg) schreibt Paech: „Die Klima-, Ressourcen- und die aktuelle Finanzkrise belegen das Scheitern des auf Wachstum und Fremdversorgung basierenden Wohlstandsmodells.“
    Welche Struktur liegt dem benannten „Wohlstandsmodell“ zugrunde?
    Ist mit der Benennung der Fundamente „Wachstum“ und „Fremdversorgung“ das Wesentliche dieses Modells erfaßt? Profitieren alle gleichermaßen von und in ihm?Produktions- und Konsumtionsbedingungen: Wer produziert was? Es ist – bisher – nicht Sache der Bürger_innen der Kommunen, über die Warenproduktion zu bestimmen. Postwachstum daher nur, wenn deren Produkte profitabel sind. Produktions- und Konsumoptionsbedingungen gehen einher mit Investitionsbedingungen. Wer baut Fabriken?
    Paech dazu: „Absage an hohe Gewinnerwartungen“ Was wären denn niedrige? Warum überhaupt Gewinnerwartungen? Sind diese nicht eine Folge der von ihm kritisierten „Innovationsorientierung“ („EINE ÖKONOMIE JENSEITS DES WACHSTUMS“, 26)?
    Zudem ist das Postulat „Eigenarbeit, (urbane) Subsistenz, Community-Gärten, Tauschringe, Netzwerke der Nachbarschaftshilfe, Verschenk Märkte, Einrichtungen zur Gemeinschaftsnutzung von Geräten/Werkzeugen etc. würden zu einer graduellen De-Globalisierung verhelfen[,]“ bereits als mehr oder weniger deutliche Kritik der Trennung von Produktionsmitteln und Arbeitskräften zu deuten.
    „Die Alternative“ beachtet die Zwänge der Kapitalakkumulation und deren Konsequenzen für Arbeitnehmer_innen meiner Meinung nach noch nicht ausreichend. Sie geht lediglich von einer Kritik an den „Bumerangeffekten“ („EINE ÖKONOMIE JENSEITS DES WACHSTUMS“, 25) in einer expandierenden Ökonomie aus, laut derer eine eventuelle Ökologisierung der Produktion schnell neutralisiert wird.
    Konsumgesellschaft – Was soll damit gesagt werden?
    Bisher schwebt alles im luftleeren Raum. Wer ist es, der da was umverteilen soll?
    Die Postwachstumsökonomie findet sich durch eine Kritik an derzeitigen Produktions- und gesellschaftlichen Bedingungen, wie
    . Innovationsorientierung moderner Marktwirtschaften,
    . das gegenwärtige Geld- und Zinssystem,
    . hohe Gewinnerwartungen, ein auf globaler Arbeitsteilung beruhendes Modell der Fremdversorgung,
    . eine Kultur der bedingungslosen Steigerung materieller Selbstverwirklichungsansprüche
    definiert. – Wer aber ist das Subjekt dieser postulierten Änderungen?
    Eine genossenschaftliche Organisation wäre eine denkbare Lösung:
    Wenn sich in Oldenburg die Menschen zur Beratung der Bedarfe und Bräuche und der Umsetzung dieser Bedürfnisbefriedigung träfen, käme die Postwachstumsökonomie ein gutes Stück voran. Allerdings sollten die Bedarfe angemeldet sein/werden, und deren Deckung sollte organisiert werden. Die „Grundversorgung“, wie Essen, Trinken, Wohnung, Strom, Heizung, Schule, öffentlicher Transport, muss gesichert sein. Heute ist die – trotz Wachstums – nicht der Fall.
    Zumindest eine Investitionsneigung, die ausschließlich dem Zweck einer weiteren Profitmaximierung dient, ist in dieser Produktionsweise als gering anzusehen. Im Kapitalismus ist der Profit die treibende Kraft, von daher ist, umso mehr die Reproduktionsmittel (Lohn) gekürzt werden, der Profit höher.   Auf alle Fälle muss dem eine demokratisch getroffene Entscheidung zugrunde liegen. Auch sollte die Alimentierung nicht über den Bedarf hinausgehen.
     Paech allerdings nimmt Demokratie in der Postwachstumsökonomie nicht sehr ernst. Auch erklärt sich seine mangelnde Analyse der bestehenden Ökonomie, wenn er schreibt: „Auch in einer Postwachstumsökonomie werden Märkte, Unternehmen, Geld, Konsumgüter und technische Innovationen benötigt – aber fern einer Kultur der Maßlosigkeit. Denn schließlich macht die Dosis das Gift. Auch das ist Ökonomie.“
     Er erläutert nicht die auf Unendlichkeit angelegte Systematik des bestehenden kapitalistischen Systems, als deren Produkt die Finanzkrise gesehen werden muss. Auch in „regionalen Ökonomien“ muss weiterhin vom Prinzip der Profitmaximierung ausgegangen werden, selbst wenn Tauschringe oder andere lokale Netzwerke einen vermeintlichen Absatzmarkt schmälern könnten.
     Es ist den Postökonom_innen dafür zu danken, solche Debatten angestoßen und geführt zu haben. Nun sollte eine Intensivierung dieser Debatten erfolgen. Zur Lektüre seien daher Manfred Sohn „Der dritte Anlauf“, Alex Demirovics „Rätedemokratie und das Ende der Politik“ (Prokla 155)

  4. Laut dem römischen Kalender ist das Leben heuer 2022Jahre ‚alt‘ …
    Herr Putin hatte öfters von „1000“ jährigen Geschichte Russlands gesprochen, welch eine Diskrepanz!
    Was auch immer richtig sein mag, die Menschheit lebt immer noch. Die deutschen hatten sogar technische Produkte entwickelt, die ein ‚leben lang funktionieren‘, nur heuer selten noch gebaut werden.
    So lange der Mensch inplantierten Ideologien hinterher rennt, so lange werden heute die Alten den Jungen sagen welchen Schwachsinn sie hinterher laufen. Das dumme dabei ist, man vergass dabei die Einflüsterer vergangenener Zeiten…
    Somit ist die Existenz durch einer fortwährenden Simulation vorbestimmt, denn den absoluten Stillstand praktiziert keiner, um zu sehen was Evolution bedeutet…

  5. Wachstum aus der Ökonomie heraushalten zu wollen ist ein Beleg für fehlendes ökonomisches Grundwissen. Wachstum entsteht als unbedingte Voraussetzung aus dem Basiswirken des Wertgesetzes, dem Bewegungsgesetz des Kapitalismus. Der Wert ist das entscheidende Produktionsverhältnis und kann nur unter der Bedingung des Wachstums realisiert werden. Ein anderes Ziel hat der Kapitalismus nicht.
    Wenn man das Wachstum abschaffen oder einschränken will, muss man die Produktionsweise ändern, von abstraktem Reichtum zu Bedürfnissen.
    Alles andere ist kalter Kaffee.

  6. Der Behauptung, aus dem materiellen Nichts werde ein Wohlstand erschaffen, der wundersamerweise selbst alles andere als immateriell ist, kann man widersprechen. Die Big Tech Internetgiganten liefern einen immateriellen Wohlstand, wozu auch Leistungen wie der Überwachungskapitalismus gehören. Die Unterhaltungsindustrie liefert auch immaterielle Güter, die nur Gehirne nicht aber die Umwelt zerstören. Auch durch die Geldpolitik werden immaterielle Werte wie hohe Aktienkurse und Immobilienpreise geschaffen, ohne dass in Häuser oder Betriebe investiert werden muss. Es entstehen Blasen, die regelmäßig platzen. Gleichzeitig werden Sparer durch Inflation enteignet. Papst Franziskus meint, dass aus dem Planeten Erde ein „leeren Garten zum Vergnügen einiger weniger Auserwählter“ werde. Das ist vage und kulturkritisch. Aber richtig ist, dass es gar nicht um materiellen Wohlstand geht, der dazu in Bezug auf den Einzelnen durch das Bevölkerungswachstum reduziert wird. Es geht um Herrschaft. Kapitalkonzentration ist ein Herrschaftsinstrument. Und jedesmal, wenn im Blasenkapitalismus eine Blase platzt, wird die Zahl der Herrschenden reduziert und Herrschaft konzentriert.

    1. Das ist schon sehr komplex. Der Kapitalismus ist auf Spekulation aufgebaut, erst wenn auf dem Markt die Güter verkauft sind, ist der Kreislauf abgeschlossen. Bis dahin kann viel passieren.
      Analysten an der Börse sehen zum Beispiel die Profite in bestimmten Bereich höher als erwarten, das stürzen sich die sogenannten Anleger darauf. Das Materielle ist dann der erhoffte Profit.
      Wenn nicht gesehen werden kann, dass es reale Profite zu generieren gibt, wird nicht investiert. Da spielen einzelne Kapitalisten eine immer geringere Rolle. Die Mächtigen sind die Vermögensverwalter wie Blackrock,Vanguard,Fidelity Investments und State Street Global Advisors. Die verwalten mehr Geld als China und die USA umsetzen.
      http://www.guenther-sandleben.de/mediapool/57/574173/data/Wenn_die_Wirtschaft_aus_den_Fugen_springt_in_Nuss_Betriebsunfall.pdf

      1. Welche Macht haben Mächtige, die sich dem „automatischen Subjekt“ der Profiterzielung apriori beugen?
        Der Profit muss dabei nicht unbedingt unmittelbar aus einem arbeitstechnischen Ausbeutungsverhältnis stammen.

  7. Oberflächliches Geschwafel, es erinnert an das moralische Denken unserer Gut-Menschen Regierung, nur das Thema ist ein anderes.

    Der Wunsch und der Wille nach Wachstum basiert einerseits auf der stärksten bewussten Triebkraft der Menschen, der Habgier, und andererseits dem bekanntermassen am wenigsten schlechten System, der Demokratie.

    Wie wir an unseren sieben Einheitsparteien sehen können, haben sie alle dasselbe Programm, weil sie diese Programme nach dem ausgerichtet haben, das Wählerstimmen verspricht. Und nicht nach durchsetzbaren Zielen, sowas vergrault den Wähler, nur Grün versprach Erfolg. Von Merkel lernen, heisst Siegen lernen.
    Die Versprechungen sind längst im Müll verschwunden

    NUR Wachstum hat in Vergangheit und Gegenwart (CHINA!) ermöglicht, Millionen aus der Armut heraus zu bringen. Wer meint er könne Umverteilung gegen den Willen der Besitzenden durchziehen, der bräuchte schon eine gewaltige Revolution und ein Blutbad. Wie es bei den „erfolgreichen“ Revolutionen am Ende aussieht, und wer dort dann an die Macht gelangt, das kann man AUSNAHMSLOS an allen Revolutionen sehen.

    Schon der Beginn von allem was nach Aufstand aussieht, wird den Staat veranlassen mit militärischen Mitteln dagegen vorgehen. Frau Fäsers Verfassungsschutz hat bereits ein neues Beobachtungsobjekt mit dem Titel „Demokratiefeindliche und/oder sicherheitsgefährdende Delegitimierung des Staates“.
    Die Überwachung aller machts möglich…

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