
Erwartung, Hoffnung, Ängste – das ist das Spannungsfeld in dem sich die Ärztin Dr. Sophia Wilk-Vollmann bewegt, und zwar als Notfallärztin und Soldatin in internationalen Einsätzen sowie als ästhetische Medizinerin in ihrer Praxis in Berlin.
In Mali und Afghanistan hat sie Menschen geholfen, die traumatische Erlebnisse durchlebt haben und nicht mehr in der eigenen Haut stecken möchten. In der Berliner Praxis betreut sie Patientinnen und Patienten oft über Jahre und nimmt so teil an deren Leben. Sophia Wilk-Vollmann hinterfragt gängige Schönheitsideale und kämpft gegen die Stigmatisierung von jenen, die sich für ästhetische Behandlungen entscheiden. Mit Offenheit, Präzision und Tiefe schildert sie die eindrücklichen Geschichten ihrer Patientinnen und Patienten, vom stereotypen Alphamännchen bis hin zur genderfluiden Transperson.
Der Pragmatismus in diesem anderen Leben in einem anderen Land hat meine Selbstwahrnehmung im Hier und Jetzt verändert. Mein Look schien etwas zu behaupten, das man vorher nicht in mir gesehen hatte. Ich liebe dieses Platinblond. Ich kam mit Menschen eines ganz anderen Typs in Kontakt, die weniger an klassischen Rollenbildern hingen und mehr an der Person interessiert waren. Sobald ich mich ein Stück von dieser Standardoptik entfernt hatte, verschoben sich auch die Erwartungen und Zuschreibungen. Mit einem anderen Look verändert sich nicht zwingend der eigene Kern, aber die Art, wie man gelesen wird. Und damit auch, wer sich angesprochen fühlt.
Dann sieht man plötzlich diese sehr kuratierte Form von »natürlich«. Ultra-traditionelle Typen, Make-America-Great-Again-Frauen mit ihren immergleichen Haaren, immergleichen Lippen, ohne Tattoos, eingenäht in die immergleichen unifarbenen Kostümchen. Looksmaxxing-Männer, die mit Bone Smashing und Pumper-Attitüde versuchen, ihr fragiles Ego hinter einer polierten Eitelkeit zu verstecken. Ein neues Normschön bis zur Entsättigung. Das kommt nicht von ungefähr. Ästhetik ist eine Zugehörigkeitserklärung. Und manchmal auch eine Eintrittskarte in politische Gefilde, die sehr genau wissen, welches Bild von Männlichkeit und Weiblichkeit sie dulden und welches nicht. Man gibt Frauen Flügel und schneidet sie ihnen gleichzeitig ab. Je mehr Wimpern, Nägel, Extensions und hochhackige Schuhe sie als Ausdruck ihrer Selbstbestimmung kaufen, desto stärker schränken sie ihre Bewegungsfreiheit ein. Männern erzählen wir, dass Kinn und Kiefer sie zu Alphas machen. Sei kein Beta. Bloß kein Omega. Sei stark. Stark. Sei das, was Frauen mit Nägeln, Extensions und High Heels wollen. Ich kann in hohen Schuhen nicht laufen. Ich rede schnell, ich denke schnell, ich gehe schnell. Ich brauche eine Frisur, die gewaschen werden darf. Lange Gelnägel können vielleicht die Hand eines Autokraten auf einem Golfplatz halten, aber nicht die Hand eines Verwundeten im U-Bahnschacht. Je konservativer und radikaler eine politische Strömung, desto klarer die Linie zwischen Mann und Frau. Religiöser Fundamentalismus lebt von dieser Trennung.
Heroinschick in neuem Gewand
Gerade Frauen regulieren wir mit erstaunlicher Konsequenz. Mal sollen sie stark sein, aber bitte nicht bedrohlich. Schlank, aber nicht krank. Begehrenswert, aber nicht selbstbestimmt. Und wenn ein Trend daherkommt, wie dieser fast zerbrechliche Neunziger-Look, Heroinschick in neuem Gewand, tun wir so, als sei das einfach nur die neue Mode. Als hätte es nichts mit Kontrolle zu tun. Wir nennen es Ästhetik. Wir nennen es Disziplin. Wir nennen es Selbstoptimierung. Und übersehen, wie schnell daraus ein kollektives Aushungern wird. Der Körper magert ab, die Kraft sinkt, die Stimme nur noch ein Flüstern. Reproduktionsfähigkeit, Zyklus, Gesundheit – das alles sind Kollateralschäden im Namen eines Ideals, das angeblich zufällig entstanden ist.
In männlich geprägten Systemen gehört dieses Regulieren fast zur sozialen Ausbildung. Kompetenz darf nur in der richtigen Dosierung auftreten, als Mischung aus Durchsetzungsfähigkeit und Gefälligkeit. Nur nicht zu laut. Nur nicht zu präsent. Nur nicht zu emotional. Wir sind die »Zu«-Frauen, die ihre Wertigkeit rechtfertigen und für ihre Akzeptanz kämpfen müssen in einer Welt, die von und für Männer gebaut wurde. »Zu« wird zur Grenze für alles Mögliche. Wer nicht passt, ist zu laut. Zu hysterisch. Zu – ja was denn? Zu viel Mensch? Die Grenze verschiebt sich erstaunlich selten zugunsten derer, die sie ständig austarieren müssen. Wie denn auch, wenn die Kraft in den ausgehungerten Ärmchen fehlt, um die Gewichte in die Waagschale zu hieven?
Wer nicht der Norm entspricht, leistet mehr. Während andere einfach nur da sein dürfen, muss sie, die aus dem Raster fällt, erklären und abfedern. Sie schweigt, wo andere laut werden, und beweist, dass ihr Platz hier kein Zufall ist. In Systemen, die auf Effizienz und Durchhaltevermögen beruhen, wirken Weichheit und die Gnade für sich selbst wie Störfaktoren. Also lernt man, sie zu kontrollieren. Und dann sind da die »Zu«-Frauen, die es trotzdem geschafft haben. Zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und biologischen Realitäten, zwischen Karriere- und Reproduktionsfenstern, die sich nicht endlos verschieben lassen. Manche halten das aus. Andere nicht. Das Aussehen, das sie sich antrainiert und angebastelt haben, wird zu einem Bestehen in der Gesellschaft, in der man einfach nur noch die Vorstellungen auf sich prasseln lässt. Aus Aussehen und Bestehen wird Überstehen. Und manchmal reicht die Kraft gerade noch dafür, nicht umzukippen.




„In Mali und Afghanistan hat sie Menschen geholfen, die traumatische Erlebnisse durchlebt haben und nicht mehr in der eigenen Haut stecken möchten.“
Nett, dass die Täter auch Ärzte schicken, die das wieder zusammenflicken, was sie selbst angerichtet haben.
btw…was kommt nach der Werbung für Schönheitsoperationen ? Ein Flyer von Prothesen-Müller, Filiale Hamburg und ein Ratgeber „Amputieren-aber richtig“?
Das, Herr Mick, ist der Trick, den nicht so viele durchschauen.
Man kann einen Krieg führen, dabei vieles zerstören, das schließt die Gliedmaßen von Menschen ein, und damit riesige Gewinne machen. Nach dem Krieg kann man Riesengewinne damit machen, dass das Land wieder aufgebaut wird und die Kriegsversehrten Prothesen und Rollstühle bekommen.
Der olle Joe Schumpeter nannte das mal die „schöpferische Kraft der Zerstörung“. Unschön an dieser schöpferischen Kraft ist die Zerstörung, das sind die Trümmerhaufen, der materielle Wohlstandsverlust, die Umweltschäden, die Leichenberge, die Kriegsversehrten, die Witwen, die Witwer und Waisen. Heute noch werden in Deutschland Bomben-Blindgänger gefunden, obwohl der Zweite Weltkrieg inzwischen mehr als 80 Jahre zurückliegt.
Das ist beim Diebstahl eines Autos nicht anders. Die einen beklagen sich darüber, wenn ihr Auto geklaut wird, weil es ökonomisch schlecht für sie ist, wenn das Auto gestohlen wurde. Ökonomisch schlecht ist es auch für die Versicherung, wenn das Auto teil- oder vollkaskoversichert war und die Versicherung den Zeitwert ersetzen muss.
Aber es ist gut für das Wirtschaftswachstum, gut für die Autohersteller, die Zulieferer, die Werbeindustrie, die Werbung für neue Autos macht, gut für die Aktionäre von Audi, BMW, Mercedes, VW, Honda, Toyota, Ford, Opel, Ferrari usw. und gut für den Autohändler, wenn sich die Bestohlenen ein neues Auto kaufen.
Mit den Flügeln ist das so eine Sache.
Manche verlieren ihre Flügel und bekommen sogleich neue und noch größere Flügel.
Beste Beispiel Keir Starmer, kaum aus drm Amt geworfen, Rücktritt ist eine schönere Umschreibung dafür, wird er nun wohl NATO-Generalsekretär wie der Observer schreibt.
Anderen wie Baud schneidet man die Flügel ab und lässt sie sbstürzen.
Der Artikel bezieht sich auf Frauen, also wäre doch ein viel besseres Beispiel Ursula von der Leyen. Von der Staatskanzlei in Hannover über 2 Bundesministerien hin zur Kommissionsvorsitzenden in Brüssel, und überall Nepotismus, Korruption und Totalversagen.
Wen versucht Frau Wilk-Vollmann zu überzeugen? Sich? Oder andere?
Aber Sie scheint eine positive Frau zu sein: Für den notwendigen Krieg, für den (zu) verheerenden Körper, für die (zu) optimierte Schönheit. Oder ist es der Krieg gegen den Körper und gegen die Schönheit, den Sophia erklärt? Erklären will, für und gegen alle in der Berliner Republik der vollkommenen Selbstverwertung, die nicht mehr fragen, „warum und wozu“, sondern „wie weit“, und „wer jetzt“ ist als nächstes zu bezwingen.
Das Buch-Cover ist ein absolut treffendes Bild der kognitiven Dissonanz dieser Gegenwart: Die priesterliche Bluse (oder das ostasiatische Kampfhemd), locker in den Bund der Kampfhose verbracht, die überdimensionierte Spritze als Monstranz vor sich haltend, sich von dieser zentrieren und spalten lassen, das asymmetrische Gesicht betonend und doch in makelloser Haut, glatt gebügelt, befreit von allen Poren. Ästhetik als Camouflage der Gewalt nach innen und nach außen.
Sie kritisiert die Unterwerfung und Reduzierung der Frau in ihre Verwertbarkeit als Dekors, die Verengung des Mannes zu einem Willen der Macht mit kantiger Kampfvisage vor Versagensangst – sie kritisiert zu recht und ist selbst gleichzeitig die postmoderne Trinität eines regime of appropriability, des heiligen Anscheins – und der elaborierten Kommerzialisierung dieser, als Entrepreneurin einer privaten »Akademie für verantwortungsvolle ästhetische Medizin«.
„Die Welt ist wie sie ist, doch euch gebe ich gewissenhafte Äußerlichkeit und mir äußerlich ein gutes Gewissen.“
Noch lernen wir nichts über die Ursachen von Gewalt, die Feminismus notwendig machen, und den Kriegseinsatz zum Sehnsuchtsort der Selbstaufgabe glorifizieren, aber bei ihr kann jeder lernen, Botox verantwortungsvoll zu spritzen und Haut zu wienern. Bis hierhin ist sie ein return on invest der Plutokratie. Vielleicht gibt das Buch mehr her.
Mich lässt dieser Text frag-und ratlos, aber auch einigermaßen unberührt zurück. Auch ist ihm nicht zu entnehmen, warum die Autorin denn nun unbedingt „gegen die Stigmatisierung von jenen (kämpft), die sich für ästhetische Behandlungen entscheiden“.
Mir fällt da nur ein Grund ein: mit dem Einwerben für mehr Akzeptanz dieser Art der Selbstverstümmelung, für mehr zukünftige Patientinnen zu sorgen. Für Behandlungen, die nicht nur die Standardbehandlung, einbetoniertes Dauergrinsen und groteske Schnabel-Schnuten durch Schlangengift enthält, sondern die operative Totalentstellung auf Lebenszeit.
Meine Empfehlung:
https://www.youtube.com/watch?v=LNlrGhBpYjc
Die ästhetische Chirurgie hat nach meinem Dafürhalten nur dann eine Legitimation, wenn es medizinisch klar indizierte Gründe für Eingriffe dieser Art gibt. Alles andere ist Geldschneiderei – auf Kosten natürlicher Schönheit und Ästhetik. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Schmusen mit Plastik schön ist. Oder soll uns das auf den Transhumanismus vorbereiten? Ohne mich.
„In männlich geprägten Systemen“ – Gähn.
Nach mehreren Jahrzehnten in realexistierend Feminismus.
Die Herrschaftsstruktur – oder gerne auch Frauschaftsstruktur – interessiert sich letztlich einen Dreck ob sie Weiblein oder Männlein ausbeuten für ihre Zwecke.
Und die Spaltung der Gesellschaft an der Chromsomenlinien war sicher nützlich dazu.
Spannend wird die Frage, wie die westliche Oligarchie mit ihrem Kriegswunsch es schaffen wird, die Kurve von Jahrzehnten des Männerbashings und „neue Männer braucht das Land“ hin zum Heldentod an der Ostfront als Vorbild zu bekommen.
Frauen schneiden sich selbst die Flügel ab, wahrscheinlich in dem Irrglauben, sie könnten die intrasexuelle Konkurrenz damit ausstechen. Meine Tochter (wird dieses Jahr 14) trägt die Nägel lang, ich necke sie immer und sage, sie müsse die mal wieder schneiden, was sie vehement ablehnt. Ich kenne keinen Mann, der auf lange Fingernägel steht, es ist unpraktisch bis gefährlich. Vielleicht gibt es Männer die auf „hochhackige Schuhe“ stehen, Fetische gibt es ja eine Menge, bei mir löst so ein Outfit eher unangenehme Vorurteile aus. Und gerade die deutschen Frauen sind eher locker drauf, es hat einen Grund, weshalb man Osteuropäerinnen und Russinnen oft auf den ersten Blick erkennen kann, dort ist dieses Herausputzen sehr viel normaler…
Ja, ähm, räusper, das sehe ich jeden Tag auf der Straße… wo lebt die Frau? Vielleicht sollte ich einen Umzug in Erwägung ziehen.
Sachlichkeit und Kompetenz wird unter Profis sehr geschätzt, insbesondere unter Männern. Natürlich kämpfen Frauen da manchmal mit Vorurteilen (die es nicht ganz grundlos gibt), aber wenn sie was draufhaben, wird der Geschlechtsunterschied vollkommen nachrangig. Wenn sie allerdings anfangen, ihre Weiblichkeit vor sich herzutragen, dann disqualifizieren sie sich selbst…
Gääähn.
Frauen reden am liebsten über … Frauen.
Und noch lieber über die Benachteiligung und die Handicaps von Frauen.
Denn Frauen sind immerbenachteiligtm und sie sind immer handicapiert.
Gääähhhn.
Können wir mal den Sender wechseln?