»Kulturelle Aneignung« – der reine Volkskörper

Wendelin Jacober, CC0, via Wikimedia Commons

Um Rassismus zu vermeiden, dürfen Inder also nur indische Figuren synchronisieren, nur Schwarze dürfen einer schwarzen Figur die Stimme leihen, während Weiße nur weiße Figuren synchronisieren dürfen. Woher kommt diese krude Logik?

Ein Auszug aus dem Buch »Schäm Dich! Wie Ideologinnen und Ideologen bestimmen, was gut und böse ist«.

Man ahnt es: Sie kommt aus der Welt der Social-Justice-Warriors. Der britische Bestseller-Autor Tom McCarthy erzählte einmal in einem Interview, wie schwarze Aktivisten gegen einen Preisträger des Turner-Preises protestierten. Der Grund: Der Preisträger kritisierte in seiner Kunst Gewalt gegen Schwarze in den USA. Das dürfe er aber nicht, so die Aktivisten, weil er ein Neuseeländer mit fidschianischen Wurzeln, also kein »echter« Afroamerikaner sei.

Die meisten Weißen sind rassistisch

Sogar Barack Obama wurde während seiner Amtszeit vorgeworfen, dass er eigentlich nicht »schwarz« sei, weil seine genetischen Wurzeln in Afrika lägen, weswegen er auch nicht für die Rechte von Afroamerikanern kämpfen könne.

Auch für diese rassistische Denkart hat sich die Antirassismus-Szene einen Begriff ausgedacht: »Kulturelle Aneignung« (Cultural Appropiation). Das Prinzip: Weiße dürfen sich keine Kulturgüter anderer Kulturen zu eigen machen, weil sie sonst die kolonialen Verbrechen der Imperialstaaten fortsetzten.

In diese Kerbe hieb die taz-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah vor einiger Zeit im Missy Magazin. Die Autorin beschreibt dort ihre Abscheu vor Menschen mit weißer Hautfarbe, während sie ein Musikfestival besucht. Die Veranstaltung sei ihr zu »weiß«, zu männlich, zu hetero und das Essen zu deutsch – und zudem seien die meisten Weißen rassistisch, weil sie Dreadlocks, Federschmuck, Kimonos und Turbane trügen. Und falls es doch exotisches Essen gab, sei es von Weißen serviert worden. Ergo: Nur Indigene dürfen Federschmuck, nur Japaner Kimonos tragen, nur Afrikaner afrikanisches Essen servieren. Jede Kultur soll also bei ihrem kulturellen Brauch bleiben. Durchmischungen sind nicht erlaubt.

Rastazöpfe sind nicht gleich Rastazöpfe

Die taz-Kolumnistin ist damit nicht allein. Nicht nur deutschsprachige Feuilletons nennen ihren Ansatz eine besonders »kultursensible« Methode. Auch die staatliche Bildung zog nach. So verbot ein Kindergarten in Hamburg das Tragen von Indianer- und Scheich-Kostümen zum Fasching. Eine Kita in Erfurt schaffte das Verkleiden zum Rosenmontag sogar komplett ab.

Auch Alice Hasters macht sich gegen die »Kulturelle Aneignung« stark. Sie schreibt, dass die Besucher von Techno-Festivals sich beim Tanzen nicht mehr gegenseitig mit Farben bewerfen dürften, weil so ein hinduistischer Brauch, das Holi-Fest, von Weißen missbraucht würde, und Möbel- und Kleidungshersteller sollten – wenn die Designer weiß seien und nicht in Westafrika lebten – aufhören, westafrikanische Prints anzubieten, weil sonst »koloniale Strukturen fortgesetzt« würden.

Auch die Antirassismus-Aktivistin Jasmina Kuhnke demonstrierte neulich auf Twitter, wie Menschen je nach Beschaffenheit der Gene mehr oder weniger Rechte haben sollen. Hier erzählte eine Userin, dass sie eigentlich »zu weiß« sei, um Rastazöpfe zu tragen, aber einen afrikanischen Vater habe. »Ist das dann erlaubt?«, fragte sie Kuhnke. Die Antwort: Kein Problem, solange der Vater »Schwarzafrikaner« sei. Es reicht also, wenn das Blut eines Menschen zur richtigen »Rasse« gehört, um afrikanische Flechtfrisuren tragen zu dürfen.

Wie die Identitären

Damit wird eine Form der Rassentrennung betrieben, die man eigentlich von der extremen Rechten kennt: der »Ethnopluralismus«. Keine Kultur ist mehr wert als die andere, lautet hier die Agenda, aber jede Kultur hat ihren eigenen angestammten Platz, an dem sie besser bleiben soll. Denn es darf zwischen den Kulturen keine Vermischungen geben.

Dieser Reinheitsgedanke stammt aus dem Dritten Reich. Die Nationalsozialisten wollten nicht nur das deutsche »Blut« »rein« halten, indem sie Juden, andere Ethnien, politische Feinde oder Andersdenkende als ansteckende Kranke, Ungeziefer oder Parasiten abwerteten, die die »Rasse« beschmutzen könnten. Sie wendeten ihre »Säuberungen« auch auf die Kultur an: Bücher wurden verbrannt, Kunst und Musik als »entartet« stigmatisiert, verkauft oder in eigenen Besitz gebracht.

Es ist unfassbar, wie dieser Wille zur kulturellen Säuberung fast 100 Jahre nach Hitlers »Mein Kampf« wieder en vogue wird – aber diesmal bei Aktivisten, die von der breiten Gesellschaft als »progressiv« gefeiert werden.

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10 Kommentare

  1. Zitat: „die man eigentlich von der extremen Rechten kennt“
    Alles wird in der heutigen politischen Landschaft ganz einfach, wenn man gedanklich „links“ und „rechts“ vertauscht. Alternativ kann man aufhören Nazis als Nazis zu bezeichnen. Es waren nationalSOZIALISTEN.

    In der Führungsebene von LinksGrün gibt es eine auffällige Häufung von Enkeln ehemaliger Nazigrößen. Die intelligenteste Außenminister*Innen aller Zeiten hat bei ihrer Antrittsrede in den USA ganz stolz über den Kampf ihres Wehrmacht-Opas gegen die Russen gesprochen.

    Deutsche Panzerhaubitzen kämpfen gerade genau dort, wo 1943 die Schlacht im Kursker Bogen stattfand. Und so wie Hitler vom kriegerischen Islam begeistert ist, sind es auch die linksgrünen. So wie Hitler vom „Haus Europas“ sprach, sprechen auch die Linksgrünen und so wie Hitler mit der SS eine europäische Armee gründete (in der SS kämpften Soldaten aus 30 Nationen), will auch die EU eine europäische Armee.

    1. Sehr guter Kommentar.
      Geschichte wiederholt sich, weil das ganze Thema nicht aufgearbeitet wurde.
      Wie es enden wird, werden wir in Kürze erleben.
      Man kann nicht von jetzt auf gleich vom Nationalsozialismus in eine Demokratie wechseln,
      mit den selben Menschen die vorher, bis auf wenige Ausnahmen, begeisterte Mitläufer dieser
      Ideologie waren.

      1. Es wäre natürlich eine ganz wichtige Diskussion, was von dem heute faschistischer Vergangenheit geschuldet ist und was auch ohne Faschismus (weiter-)geht, seine Geschichte fortführt, denn auch ohne Faschismus ist die imperiale Weltanschauung sehr präsent und ist deutlich älter als der Faschismus. Ich befürchte, dass Gendern, Respektinszenierungen und noch mehr Krieg kein Widerspruch sind und in dieser Koaliton auf die Spitze getrieben werden.

      2. Zitat:“Man kann nicht von jetzt auf gleich vom Nationalsozialismus in eine Demokratie wechseln,
        mit den selben Menschen die vorher, bis auf wenige Ausnahmen, begeisterte Mitläufer dieser
        Ideologie waren.“

        Aber die genannten Personen sind doch lange nach dem 2. Weltkrieg geboren. Sie sin ja eher Enkel von Nazis. Gibt es also doch das „Nazi-Gen“? Und das im Artikel beschriebene Phänomen der „Identitätspolitik“ ist ja aus den USA hier importiert. Und in den USA gab es sicherlich weniger Nazis als in Deutschland. Besonders unter den „Afroamerikanern“.

        1. In viele Fällen ist es so, daß die Enkelgeneration die Verhaltensweisen
          der Großeltern wiederholen dürfen.
          Probleme die nicht aufgearbeitet wurden müßen zwangsweise wiederholt
          werden. So lange bis die Lektion auch im Kollektiv gelernt wurde.

  2. Ist es rassistisch, wenn man beim Anblick einer Person grinst, die folgende Eigenschaften stolz zur Schau trägt?

    Ohne Lehrabschluss, aber mit abgebrochenem siebenjährigen Jura Studium – dafür aber Adipositav dreiplus
    Ansonsten irgendwo zwischen Gender und Divers, und mit einem grenzenlosen Geltungsbewusstsein

  3. Na dann kommentiere ich hier die Kritik an Ideologen besser nicht mehr, sonst bekomme ich bei der nächsten Ordensverleihung sicher Schwierigkeiten. Bin ja kein Ideologe.

  4. Also, immerhin habe ich von dem ganzen Mist nach 9/11, den Flüchtlingen, der Macht der Clans in manchen Städten, dem Grundgesetz Verbot, den Zwangsimpfungen und jetzt dem Ukraine Krieg endlich verstanden wie es möglich war, dass man zB in DE 1933 die Nazis gewählt hat. Eine weitere alte Frage die beantwortet wurde.
    So eine Einsicht räumt mit vielem im eigenem Kopf auf…. und dabei war das Verhalten all dieser Dummköpfe mit ihrer Wokeness und Cancel culture schon sehr hilfreich.
    Ich bin sicherre dies alles zu verstehen hilft vielen dabei sich von politischen Illusionen zu trennen. Leider ist Politik nicht die Lösung, Politik ist das Problem…

  5. Mich erinnert das an die Orthodoxen diverser Religionen, deren Leben durchzogen ist von Ver- und Geboten. Das hat den Vorteil entlastend zu sein. Man kann sich in nahezu jeder Lebenssituation an eine Verhaltensregel halten, muss selbst nichts entscheiden. So schafft man das Dezisionismusproblem aus der Welt, für alles gibt ein Rezept.

    Menschen haben zwar ein grosses Hirn, benutzen es aber nicht besonders gern. Da kommen Dogmen wie gerufen. Und dass man sich in der Folge allen, die sie nicht befolgen, diesen Sündern wider den heiligen Geist, überlegen fühlt, ist eine angenehme Nebenerscheinung. Denn sich über andere stellen ist wohl der beliebteste Sport überhaupt.

    1. Es zeigt aber auch, dass jede Hoffnung auf etwaige Verbesserung in der Zukunft nur eine (weitere) Illusion ist….

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