
Während wohlhabende Eltern immer drastischere Mittel einsetzen, um den Erfolg ihrer Kinder zu sichern, wächst für viele andere die Armut.
Während die Kluft zwischen Arm und Reich größer geworden ist und die soziale Mobilität jeder wie auch immer ethnisch definierten Gruppe abgenommen hat, ist das Professional-Managerial-Class-Elternhaus (PMC) zu einem regelrechten Labor geworden, in dem immer aufwendigere und teurere Kinderbetreuungsgerätschaften und anspruchsvolle Erziehungsmethoden zum Einsatz kommen, zu denen inzwischen auch schlichtweg Bestechungsgelder und ausgeklügelte Betrugsstrategien gehören, die ihren Kindern um jeden Preis zum Erfolg verhelfen sollen. Der Fall Varsity Blues, der aufdeckte, dass reiche und superreiche Eltern dem College-Berater Rick Singer Hunderttausende von Dollar zahlten, um ihre Kinder durch die »Hintertür« der sportlichen Zulassung zum College zu bringen, ist nur das logische Ergebnis der Entschlossenheit der herrschenden Klasse, den »Erfolg« ihrer Kinder zu garantieren.
Der Klassenkampf von oben hat schreckliche Folgen für alle amerikanischen Kinder und ihre Betreuer, aber der Tribut, den er von den ärmsten Familien fordert, ist erschütternd. Kürzlich stellte das Urban Institute fest, dass Kinder das ärmste Segment der amerikanischen Gesellschaft sind: 22 Prozent der amerikanischen Kinder leben in Armut, und 38,8 Prozent der amerikanischen Kinder haben in ihrem Leben irgendeine Form von Armut erlebt. Die Zahlen für afroamerikanische Kinder sind sogar noch düsterer: 38,8 Prozent der afroamerikanischen Kinder leben in Armut und 75,4 Prozent von ihnen haben schon mal in Armut gelebt.
Während PMC-Elternbücher die außergewöhnlichen Maßnahmen anpreisen, die Elite-Eltern ergreifen, um den »Erfolg« ihrer Kinder zu garantieren, lobte D. W. Winnicott ganz herkömmlich hingebungsvolle Mütter dafür, dass sie mit ihren Säuglingen eine Beziehung aufbauen, die einer erstaunlichen Mehrheit von Menschen die geistige Gesundheit gibt, um Spiel, Kreativität und Erfahrungsreichtum genießen zu können. Winnicott hatte eine umfassende, geschlechtsneutrale Vorstellung der Bezugsperson; der Kürze halber verwende ich jedoch seinen Begriff der »ausreichend guten Mutter«, wenn ich seine Ideen erörtere. Während sie lernt, sich um einen Säugling zu kümmern, liebt die »ausreichend gute Mutter« ihr Baby, geht aber nur unvollkommen auf seine Bedürfnisse ein; reagiert nur unvollkommen auf seine Bedürfnisse; eine ausreichend gute, aber nicht perfekte Bezugsperson beginnt, sich an die wachsende körperliche und emotionale Fähigkeit ihres Babys, Frustrationen ertragen zu können, anzupassen, indem sie manchmal nicht sofort auf die Forderungen des Babys reagiert. Diese notwendigen Misserfolge spiegeln die Vertiefung der Mutter in andere Aufgaben wider und stellen für das Baby Gelegenheiten dar, eine gesunde Frustrationstoleranz sowie eine beginnende Erkenntnis von sich selbst und anderen zu entwickeln.
Der Reichtum der Kindheitserfahrungen
In seiner Einleitung zu The Child, the Family and the Outside World, veröffentlicht im Jahr 1964, schreibt Winnicott:
Ich versuche, die Aufmerksamkeit auf den immensen Beitrag für den Einzelnen und die Gesellschaft zu lenken, den die hinreichend gute Mutter mit ihrem Ehemann an der Seite zu Beginn leistet und den sie einfach dadurch leistet, dass sie sich ihrem Kind widmet. Ist dieser Beitrag der hingebungsvollen Mutter nicht gerade deshalb unerkannt, weil er immens ist? Wenn dieser Beitrag anerkannt wird, folgt daraus, dass jeder, der gesund ist, jeder, der sich als Person in der Welt fühlt und für den die Welt etwas bedeutet, jeder glückliche Mensch, in unendlicher Schuld gegenüber einer Frau steht. Das Ergebnis einer solchen Anerkennung der mütterlichen Rolle wird nicht Dankbarkeit oder gar Lob sein. Das Ergebnis wird eine Verringerung der Angst in uns selbst sein. Wenn unsere Gesellschaft die volle Anerkennung dieser Abhängigkeit, die eine historische Tatsache im Anfangsstadium der Entwicklung eines jeden Individuums ist, hinauszögert, muss eine Blockade der Leichtigkeit und der vollständigen Gesundheit bestehen bleiben, eine Blockade, die von einer Angst herrührt.
Aus dieser Passage geht klar hervor, dass Winnicott die Pflege von Säuglingen als ein soziales und öffentliches Gut ansieht, zu dem jede Bezugsperson in den frühesten Tagen eines Säuglings beiträgt. Die Bezugspersonen dürfen mit ihrer Liebe und ihrem Verzicht auf Schlaf und Libido für das von ihnen abhängige Kind nicht geizig sein: Ihre Großzügigkeit gibt dem Kind ein unveräußerliches Vermächtnis an Sicherheit und Furchtlosigkeit, wenn es sich den Herausforderungen des Aufwachsens in einer ungewissen Welt stellt. Die gestresste und beraubte Bezugsperson, die die Rückzahlung fordert oder die Schulden des Kindes berechnet, ist eine, die Furcht und Angst einflößt, ein Zustand, den unsere heutige Welt, die von finanzieller Sparsamkeit und ökonomischem Sadismus geprägt ist, nur zu gut kennt.
Obwohl es heute schwer vorstellbar ist, dass es eine Zeit gab, in der der Reichtum der Kindheitserfahrungen als öffentliches Gut angesehen wurde, ist es dennoch erst 60 Jahre her, dass Winnicott seine psychoanalytischen Theorien auf der Idee der kollektiven und gegenseitigen Verantwortung für Schutzbedürftige und die sie Betreuenden aufbaute. Winnicotts Optimismus von 1964 über die Überwindung von Ängsten sollte für uns heute gleichermaßen inspirierend wie besorgniserregend sein, wo die Angst vor dem Absturz und die Angst vor dem Versagen allgemeine Zustände zu sein scheinen. Im Großbritannien der Nachkriegszeit begrüßte Winnicott die Umverteilung des sozialen Überschusses, die es einer möglichst großen Zahl von Briten ermöglichen sollte, den Reichtum und die Gesundheit seiner eigenen privilegierten Kindheit zu erleben. Er gibt offen zu, dass seine glückliche Kindheit es ihm ermöglichte, seine Fähigkeit zur Beobachtung, zum Einfühlungsvermögen und zum Spiel zu erweitern. Diese Qualitäten und Fähigkeiten sind Teil des menschlichen Vermächtnis, das jedes Baby auf diesem Planeten verdient. Winnicott vertrat stets die Ansicht, dass die Unterstützung der Bezugsperson eines Babys eine soziale und kollektive Verantwortung ist. Die unspektakuläre infrastrukturelle Unterstützung für eine ausreichend gute Elternschaft ist der ausreichend gute Staat, ein sozialdemokratisches System der umverteilenden Unterstützung für jene Menschen, die sich um die bedürftigsten und hilflosesten Menschen kümmern. Wenn die ausreichend gute Mutter als kulturelles und kollektives Erbe und soziales Gut geschätzt wird, können wir beginnen, eine Gesellschaft aufzubauen, in der Abhängigkeit nicht gefürchtet oder dämonisiert wird. Wir können damit beginnen, eine Welt zu schaffen, in der glückliche Eltern und eine stabile Kindheit ein kollektives Gut sind und kein Kind jemals auf Erfolg getrimmt werden muss.




Warum in die USA schauen wenn das Elend vor der Türe liegt?
Die OECD, wahrlich keine kommunistische oder „links-grün-versiffte“ Orgaisation beklagt seit langem, dass dasdeutsche Schulsystem die soziale Herkunft reproduziert. Arme Kinder haben immer weniger Aufstiegsmöglichkeiten.
(Allen, die jetzt kommen „Ich habe es auch geschafft“: Wann wart ihr in der Schule? Ei. Einzelfall sagt nix zur Statistik.)
Wer das Geld hat schaut auf Privatschulen, die so privat garnicht sind, sondern bis zu 90% vom Staat finanziert werden.
Es gibt 2 Gründe:
Geld, bei Bildung wird immer noch gespart
Struktur, die Segregation in der 4. Klasse banchteiligt (schon in der Auswahl, wo Lehrer armen Kindern schlechtere Chancen einräumen) und bringt schlechtere Ergebnksse als ein gut organisiertes System bis zur 10 Klasse wie z.B in Finnland.
Insbesondere bürgerliche halten an der Struktur fest und betreiben damit schon über die Kinder Klassenkampf.
Damit schaden sie allen. Den Kindern und der Gemeinschaft. Talente werden verschleudert und weniger talentierte stehen dann für die wichtigen Dinge zur Verfügung.
„Wer das Geld hat schaut auf Privatschulen, die so privat garnicht sind, sondern bis zu 90% vom Staat finanziert werden.“
Klingt erstmal unglaublich ist aber nun Mal soziale Marktwirtschaft.
https://www.fes.de/news/privatschulen-in-deutschland-neue-studie-zu-trends-und-leistungsvergleichen
Zitat aus den Artikel
„Wenn ja, wer zahlt das Schulgeld? Auch das wird deutlich: Private Schulen sind nur bedingt privat, denn ihre Kosten werden weit überwiegend vom Staat finanziert. Sie haben einen grundsätzlichen Anspruch auf Subventionierung, der von den Ländern erfüllt wird.“
Andere Stilblüte (Kampf im Klassenzimmer):
Auf Gymnasien werden auch s.g. Tablet-Kinder akzeptiert. Diese dürfen, meistens mit einem Apple-Tablet ausgestattet, ihr Mitschriften auf dem Tablet verfassen.
Die mündliche Mitarbeit generell wird mit 50/50 bewertet gegenüber schriftlichen Arbeiten.
Die Lehrer sind nicht in der Lage den „Tablet-Kindern“ ihren Vorteil in der mündlichen Mitarbeit nachzuweisen, den sie durch die Benutzung des Internetzugangs auf dem Tablet haben. „Wir machen doch nur unsere Mitschriften“ … und nutzen ChatGPT um mündliche Antworten gegen zu können.
Mein Kind in Klasse 12 sieht das, möchte sich aber aufgrund des sozialen Drucks dazu nicht öffentlich äußern und möchte auch nicht das ich das tue gegenüber der Schulleitung.
Die Tablet-Kinder erreichen immer ein bis zwei Noten besser im mündlichen als Nicht-Tablet-Kinder.
Es geht hier gar nicht um die Finanzkraft, sondern um die totale Umnebelung des Lehrkörpers, unfähig zu erkennen, das Geräte auch über mobilen Internetaccess verfügen, selbst wenn WLAN nicht verfügbar.
Der Bildungspakt, der Tablets für Schulen zur Verfügung stellen soll ist nichts weiter als ein Konjunkturprogramm für die Anbieter (Apple etc.)