
Wie werden die heutigen Eliten zu Eliten? Was lehrt man sie? Wer legitimiert sie?
Oder werden sie eher anerkannt als legitimiert – und durch welchen Prozess? Werden sie im Stillen rekrutiert und initiiert wie die Mitglieder von Skull and Bones, dem Geheimbund der Yale-Studenten, von denen einige hohe politische Ämter bekleiden?
Ein Auszug aus Wollins »Umgekehrter Totalitarismus: Faktische Machtverhältnisse und ihre zerstörerischen Auswirkungen auf unsere Demokratie«.
In zurückliegenden Zeiten gab es auf derartige Fragen recht eindeutige Antworten. Mitglied der Elite wurde man auf dem Wege der Erbschaft. Im antiken Griechenland war das Wort für Aristokratie aristokratía oder Herrschaft der Besten (áristoi). Man ging davon aus, dass eine adelige Geburt mit einer »natürlichen« Begabung für militärische oder politische Führung oder hohe religiöse Ämter einherging. Die konkreten Fähigkeiten wurden durch Schulungen und Anleitung erworben. Jefferson zitierte später den Begriff áristoi, als er den Wert einer »natürlichen Aristokratie« pries, deren Mitglieder allein durch ihre Fähigkeiten herausragende Stellungen erreichten – was eine Gesellschaft voraussetzte, die Talent unabhängig von Reichtum oder Geburt begrüßte. In den Vereinigten Staaten des 21. Jahrhunderts folgt der Elitestatus jedoch selten aus Verhältnissen, wie sie der Autor Horatio Alger im 19. Jahrhundert in seinen Groschenromanen beschrieb, wo Personen bescheidener Herkunft durch harte Arbeit und Begabung zum Erfolg gelangen, Status und Reichtum erlangen, dabei aber niemandem verpflichtet sind.
Ein sich selbst erhaltendes Unternehmen
Man könnte Elitismus als das politische Prinzip definieren, das davon ausgeht, dass das Bestehen ungleicher Fähigkeiten eine unumstößliche Tatsache ist. Dieses Prinzip war grundlegend für die nationalsozialistischen und faschistischen Regime; es ist ebenso grundlegend für den umgekehrten Totalitarismus. Allerdings ist die »Tatsache« ungleicher Fähigkeiten nicht zufällig. Heute existiert in den Vereinigten Staaten ein in sich geschlossenes System, in dem Eliten produziert werden und die Institutionen, die sie hervorbringen, als »Elite-Institutionen« bestätigt werden, wodurch neuer Nachschub an vielversprechendem Material angezogen wird, der den besonderen Status der Institutionen weiter bestätigt. Eine kleine Anzahl von US-Institutionen wählt, fördert, trainiert und zertifiziert eine kleine Anzahl von Personen als außergewöhnlich talentiert und rechtfertigt somit Privilegien. »Elitäre« private berufsbildende Akademien, Colleges und Universitäten, darunter auch Bibelschulen und theologische Seminare, erfüllen die Funktion, nicht nur Eliten, sondern auch Autoritäten zu identifizieren und zu produzieren. Anders als an Community Colleges und vielen öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen werden an Elite-Institutionen die Geistes- und Sozialwissenschaften in den Vordergrund gestellt. Damit gelten diese Fächer als Ausweis der Überlegenheit, die ihre Studenten von denen an weniger bedeutenden Einrichtungen unterscheidet, die die »Arbeitsfähigkeit« betonen. Die Berufsausbildung der Eliten wird auf die hochkompetitiven Graduierten- und Fachschulen in den Bereichen Recht, Medizin, Wirtschaft, Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften verlagert, wo nicht nur qualifizierte Praktiker, sondern »Führungskräfte auf dem jeweiligen Gebiet« produziert werden. Auch wenn einige wenige staatliche Universitäten und gelegentlich sogar eine öffentliche High School das Rennen machen, stellt aufgrund der hohen Kosten der Besuch einer Elite-Institution eine Investition dar. Mit der Erwartung, dass es eine »Rendite« in Form einer prestigeträchtigen Karriere geben wird.
Der Elitismus funktioniert wie ein sich selbst erhaltendes Unternehmen. Der Schlüssel liegt darin, nicht nur erfolgreiche, sondern auch reiche Alumni zu produzieren, um den schier unersättlichen Appetit der Elite-Institutionen zu stillen, wo Geldbeschaffer so produktiv sind wie Wissenschaftler und die Finanzverantwortlichen der Universitäten Millionäre. Noch während ihrer Schulzeit werden die für die zukünftige Elite Auserwählten ermutigt, sich untereinander zu »vernetzen«, um sich später gegenseitig zu unterstützen. Academia ist außerdem ein privilegierter Ort, an den die Erfolgreichen als Ehrengäste und Dozenten zurückkehren. Dort tummeln sie sich mit den eifrigen Möchtegerns und sorgen für künftige »Kontakte«, Empfehlungsschreiben und Lebenslaufeinträge.
Nun sind zwar akademische Institutionen die Hauptproduzenten von Eliten, zugleich gibt es aber noch die Post-Postgraduierten-Phase, in der sie gepflegt und verfeinert und ihre Fähigkeiten genutzt werden. Vielversprechende Kandidaten werden an Denkfabriken, Institute und Zentren weitergeleitet. Dort erlernen sie die Kunst, »Politikvorschläge« zu entwickeln und die Argumente ihrer Gegner zu demontieren. Denkfabriken sind nicht am Vorbild von Platons nüchterner Akademie orientiert; sie sind keine Orte, an denen die Mitarbeiter die Freiheit haben, einem Problem in alle Richtungen nachzugehen und wo gegebenenfalls auch einmal Späne fallen dürfen. Vielmehr dienen die Denkfabriken und -zentren als ideologische Hilfstruppen, die mobilisiert werden, um die von ihren Sponsoren favorisierten Ziele zu fördern. Wie sich ein leitender Angestellter einer prominenten Denkfabrik ausdrückte: »Wir sind hier kein Promotionsausschuss, der gleiche Fristen bewilligt. Unsere Aufgabe besteht darin, konservative politische Entscheidungsträger mit Argumenten zu versorgen, um unsere Seite zu stärken.« Es gibt auch parteiunabhängige, käufliche »Zentren«, in denen Ex-Beamte Analysen oder Vorschläge auf Vertragsbasis verkaufen. Flankierend dazu gibt es die Stiftungen, die Denkfabriken unterstützen, Stipendien an ausgewählte Begünstigte vergeben und Projekte nach ihrem Gusto fördern. Stiftungen subventionieren eine Vielzahl von Anliegen, die vom liberalen bis ins reaktionäre Spektrum reichen. Liberale Stiftungen vergeben Preise an ausgewiesene Genies, während die extremeren konservativen Stiftungen von der Aussicht darauf erpicht sind, die Sexpraktiken liberaler Präsidenten zu untersuchen.
»So ganz schlecht kann das System nicht sein …«
Die Reproduktion der Eliten ist ein Beispiel für das Phänomen der »Rationalisierung«. Die Existenz von Eliten kommt nicht einfach so zustande. Ihre Hervorbringung ist systematisiert, vorausschauend geplant und zu einer Praxis verfeinert, die sicherstellt, dass diejenigen, die als »vielversprechendes Führungsmaterial« ausgewählt werden, auch das Zeug dazu haben, wodurch die Methoden der Auswahl bestätigt werden. Was wiederum dazu führt, dass das System, das dies ermöglicht hat, ewig fortbesteht. Man munkelt, dass die Eliten nachts, wenn sie sich im Spiegel betrachten, murmeln: »So ganz schlecht kann das System nicht sein …«
Der Elitismus ist wahrscheinlich in denjenigen Politikbereichen am stärksten ausgeprägt, die sich mit internationalen Beziehungen und Außenpolitik befassen. Das überrascht nicht, denn dies sind genau die Bereiche, in denen Parteilichkeit historisch gesehen angeblich tabu ist – sieht man von parteiübergreifenden Beschlüssen einmal ab. (»An der Landesgrenze hört der politische Streit auf.«) Historisch gesehen sind die Bereiche der Diplomatie, der Außenpolitik, des Krieges und des Friedens eine besondere Domäne, zu der sowohl die Opposition als auch die Öffentlichkeit nur dann zugelassen werden, wenn es politisch ungeschickt ist, sie auszuschließen, oder wenn es zweckmäßig ist, sie zuzulassen. Bezeichnenderweise wurde die Außenpolitik einst als Domäne der »Staatskunst« bezeichnet und war eng mit den sogenannten arcanae imperii, den Staatsgeheimnissen, verbunden. Sie verweisen auf eine Reihe besonders sensibler Angelegenheiten, die mit hohem Risiko, großen Gefahren und schnellem Handeln einhergingen und überlegene Intelligenz, Spezialwissen, lange Erfahrung und eine relativ freie Hand erforderten. Damit lagen die auswärtigen Angelegenheiten praktisch per Definition nicht nur »außerhalb« der Politik, sondern waren eine Domäne des Expertentums, in der Vorstellungen von Demokratie scheinbar keinen Sinn ergaben. In der Außenpolitik ging es ebenso wie im Militär um Machtpolitik, unvorhersehbare Gefahren – einschließlich der existenziellen Bedrohung der Nation selbst –, um komplexe Strategien und »das« nationale Interesse. Themen, zu deren Beurteilung dem Durchschnittsbürger die Erfahrung und Kompetenz fehlten. Die Vorbilder für diese Art von Erfahrungswissen, das qualifiziert ist, sich mit den wichtigen Angelegenheiten des Staates zu befassen, waren die »Weisen«, die von Präsident Kennedy während der Kubakrise und später von Präsident Johnson für die Vietnamstrategien zusammengerufen wurden. Obwohl es in der Kubakrise fast zu einem Nuklearkrieg gekommen wäre (der abgewendet wurde, weil sich Kennedy letztlich auf sein eigenes Urteil verließ) und der Vietnamkrieg eindeutig ein Fiasko war (in das man geriet, weil Johnson den Falken unter seinen Beratern folgte), führte keine der beiden Krisen zu einer Diskreditierung des Elitismus oder seiner Ansprüche. Zwei prominente Neocons sagten voraus, dass die Einsetzung »einer anständigen und demokratischen Regierung in Bagdad« »eine überschaubare Aufgabe für die USA« sein würde. Wie der zweite Irakkrieg bewies, steigert ein Scheitern lediglich die Entschlossenheit der Eliten und ihrer Verteidiger.
Während des ersten Irakkriegs jubelte George I.: »Gott sei Dank, wir haben das Vietnam-Syndrom ein für allemal überwunden.« Zum Syndrom gehörten nicht nur der Widerstand der Bevölkerung gegen eine abenteuerliche Außenpolitik und die wachsende Kritik an den »außenpolitischen Eliten«, sondern, was ebenso wichtig war, weit verbreitete Experimente mit spontanen »Teach-ins«, bei denen das Für und Wider außenpolitischer und militärischer Strategien von einfachen Bürgern, Studenten und Lehrern eifrig diskutiert wurde. Einer der Gründe, warum »die sechziger Jahre« weiterhin ein beliebter Prügelknabe der Neocons und Neoliberalen sind, ist, dass sie ein Jahrzehnt anhaltender politischer Volksbildung repräsentieren, das in der jüngeren amerikanischen Geschichte einzigartig ist. Die häufigsten Themen waren Rassismus, Außenpolitik, die Macht der Konzerne, Hochschulbildung und die Bedrohung der Umwelt – jedes Thema ist in der einen oder anderen Form eine Domäne des Elitismus. Staatliche Universitäten, wie die in Berkeley, Ann Arbor und Madison, spielten bei der Organisation von Antikriegsaktivitäten eine führende Rolle. Dass keine dieser Institutionen zum Zeitpunkt der US-Invasion im Irak 2003 durch Antikriegsagitation aufgerüttelt wurde, zeugt von der effektiven Integration der Universitäten in den korporativen Staat.




Elite vielleicht. Aber für mich sind die nicht intellektuell. Diese Leute verhalten sich nicht rational, höchstens gierig.
Wer das Geld hat, bestimmt. Der “Westen” ist im Wesentlichen eine Oligarchie. Habermas nannte die Transformation des Westens zur Oligarchie die “Refeudalisierung”. Der Prozess ist abgeschlossen. Es geht nur noch ums Geld – und darum, die Völker so zu betrügen, dass sie zwar gespalten bleiben aber möglichst keinen echten Aufstand machen. Dafür sind die zusammengekauften und längst gleichgeschalteten Massenmedien da, sowie der Staatsfunk. Letzterer bleibt über die Parteienkorruption auf Linie. Die Parteien gehören den Oligarchen, genau wie die NGOs auch. Die Medien haben die Hauptaufgabe zu verhindern, dass ein politisches Bewusstsein entsteht, oder gar ein Klassenbewusstsein. Medial abgebildet werden meist die Eliten-Darsteller, die Marionetten. Sie dürfen ein Leben für die Kamera führen, damit verschleiert bleibt, was wirklich passiert.