Generation Chillstand

Die Werte der Millenials, Diagramm.
Anne Fiedler, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Was wird die Generation Y der Welt hinterlassen? Eher nichts von Bedeutung, findet Milosz Matuschek, nicht einmal besonders viele Kinder. Dafür ein Datenmeer, das den Silicon-Valley-Konzernen zur Weltherrschaft verhilft.

Dabei gelten die Jahrgänge ab 1980, auch „Millennials“ genannt, doch angeblich als die smarteste Generation, die es je gab, als hochgebildete „digital natives“. Anstatt jedoch aktiv die Zukunft zu gestalten, verwaltet sie lieber den Status Quo, begnügt sich mit der Jagd nach Statussymbolen und Diplomen als bloßem Selbstzweck, spiegelt ihr „Selfie“ in der eigenen Filterblase aus Klicks und Likes.

Ein Buchauszug.

Wenn in Indien die Mahouts ihre Elefanten trainieren, binden sie die Jungtiere mit dicken Seilen an großen Bäumen fest. Die Tiere sollen sich so nicht losreißen und weglaufen können. Später verwenden die Elefantenführer für ein ausgewachsenes Tier von mehreren Tonnen Gewicht nur noch eine dünne Wäscheleine, ohne dass es flüchtet. Es reißt sich auch dann nicht los, wenn es Hunger oder Durst hat, obwohl die Schnur kein wirkliches Hindernis darstellt.

Outside the Box

Für die Generation der Jungen stellt sich wie für die Elefanten die gleiche Frage: Kann, wer zu Begrenzung, Scheuklappen, Miniaturdenken und Konformismus erzogen wurde, später überhaupt noch ausbrechen? Die erwachsenen Elefanten in unserem Beispiel versuchen nicht einmal, sich zu befreien, weil sie nie etwas anderes erlebt haben. Die Option liegt für sie schlicht außerhalb der vorstellbaren Reichweite, sozusagen »outside the box«. Sie leben in einem kognitiven Gefängnis, dessen Gitterstäbe sie weder sehen noch fühlen können. Nutzt es also überhaupt etwas, sich über die Missstände, wie sie im ersten Teil beschrieben wurden, Gedanken zu machen, oder ist das alles letztlich nur nutzloses Wissen, weil die Veränderung ohnehin außerhalb unseres Horizonts liegt?

In den letzten beiden Teilen haben wir gesehen, dass die Realität um uns herum einer Art Versuchsaufbau mit wiederkehrenden Mustern gleicht: Die Außenwelt ist festgelegt, die junge Generation befindet sich in einer Blase aus falscher Freundlichkeit und Konformismus mit inszeniertem Leistungswettbewerb, dem man sich unterwirft und in welchem man trotzdem von den Gatekeepern der Macht, der Ressourcen und Informationen immer nur auf später vertröstet wird.

Dieses hermetisch-dichte Gebilde ist atmosphärisch mit einem zeitgeistspezifischen, gleichförmigen Denken aufgeladen, es gleicht einer alchemistischen Phiole, in welcher wir nur die Elemente darstellen, die Objekte und nicht die Akteure. In einer Abfolge von Hypes und Krisen folgen wir wie bei in einem Akkordeon den Bewegungen, dem Wechsel der Moden und des herrschenden Tons. Der Einzelne bekommt dabei nur das zu sehen, was er sehen soll, die Kulisse des großen Schauspiels: Alle haben die gleiche Erziehung, die gleiche Bildung, die gleichen Informationen, die gleichen Produkte und die gleichen smarten Spielzeuge.

»Du bist toll, du hast alle Freiheiten«

Wie Nutztiere grasen die Massen auf den Datenwiesen der Welt und lassen sich dabei bereitwillig von großen Technologie-Konzernen melken. Wir sind sogar noch dümmer als die Kühe, da wir für das allerneueste Melkgerät auch noch bezahlen. Die Arbeitswelt wird als alternativlos präsentiert. Obwohl jeder Mensch frei geboren ist, liegt er in Ketten, wie es bei Rousseau heißt. Das Leben wurde zwar geschenkt, muss aber trotzdem verdient werden. Schnell lernt man, dass jeder Mensch etwa 40 Jahre im Hamsterrad der Lohnarbeit laufen muss, bevor er in die Freiheit entlassen wird. Lohnarbeit ist die geschickteste Form der Sklaverei und Ausbeutung. Anders leben zu wollen, scheint sinnlos zu sein.

Willkommen in der Matrix, könnte man sagen. Diese Geschichte ist letztlich immer die gleiche, man kann unterschiedliche Bilder dafür finden, egal ob Blase, Matrix, Zwiebel, Matroschka, Schneekugel oder Schachtel – es geht immer darum, den Einzelnen in einen vorbereiteten Mikrokosmos zu zwängen und zu sagen: »Du bist toll, du hast alle Freiheiten. Aber die Wände deiner Welt bestimme ich.«

Diese Erzählung ist uralt und sie funktioniert nach wie vor prächtig. Nichts anderes präsentierte bereits Platon in seinem Höhlengleichnis. Darin sind Menschen am Boden gefesselt und sehen die Realität nur als Schatten an der Wand, nicht die wahren Abläufe. Sie können sich nicht umdrehen und die Wahrheit erkennen, die der Projektion zugrunde liegt. Die Realität wird auf einen Ausschnitt verkürzt, bis alle irgendwann das Gleiche sehen, und sich denken: So ist es und nicht anders. Diese Verengung ist ein gewaltsamer Akt, es gibt kaum ein Herrschaftssystem, wo dies nicht der Fall ist. In der Demokratie wird das Bild der Wahrheit noch am »humansten« vermittelt. Statt zu Gewalt greift man zu medialer Manipulation, Softpowertechniken oder »nudged« den Bürger eben zu »vernünftigen« Entscheidungen.

Am Nasenring

Wie der Elefant im Beispiel merken wir die gefühlten Ketten des Alltags erst dann, wenn wir unseren Radius erweitern, die Grenzen nicht mehr akzeptieren, also »ungehorsam« werden. Bis dahin bewegen wir uns in einem bekannten Raum, der eine Illusion ist, der wir uns jedoch freiwillig unterwerfen. Der fiktive Radius der Außenwelt aus Bubble, Cargo Kult, Box und Loop wird jedoch erst mächtig, wenn wir ihn als Norm verinnerlicht haben.

Das mächtigste Element dieses Versuchsaufbaus, der Knackpunkt sozusagen, ist demnach nicht die Außenwelt. Diese kann noch so schlimm sein und wird doch nur in seltensten Fällen eine Revolution auslösen. Der Knackpunkt ist das Bewusstsein. »Die mächtigste Tyrannei«, so Allan Bloom, »ist diejenige, die es schafft, das Bewusstsein für Alternativen auszuschalten.« Das eigentliche Gefängnis, sowohl für den Elefanten als auch für die Millennials, befindet sich im Kopf.

Wir müssen erkennen, dass wir permanent eine Brille aufhaben, die uns wie bei Platons Höhlengleichnis eine bestimmte Sicht der Dinge vermitteln will. Ansonsten gäbe es die ganze Welt der Medien, der Werbung und der PR nicht. Facebook und Google, zwei der heute erfolgreichsten Firmen, sind nicht zufällig die am stärksten werbegetriebenen Unternehmen. Denn sie wissen, wonach wir handeln. Google und Co. ziehen uns am Nasenring durch die Manege. Wir sehen nur die Geschäfte bei Google-Maps, die an Google zahlen. Facebook spielt mit unserem natürlichen Drang nach Vernetzung, Resonanz und Kommunikation. Jeder möchte gesehen werden und mit anderen in Verbindung stehen. Für dieses Bedürfnis bezahlen wir mit unseren Daten und machen uns transparent.

Die Technik des »Priming«

Diese Schwachstellen des menschlichen Geistes sind seit etwa 40 Jahren in der Psychologie als »Behavioral Economics« oder Verhaltensökonomie gut erforscht. Im Jahre 2006 bekam Daniel Kahneman dafür den Nobelpreis für Ökonomie – als Psychologe. Diese Forschungen interessieren seit jeher Regierende, Nachrichtendienste oder große Unternehmen und sollten daher auch uns interessieren. In den Jahren 2007 und 2008 unterrichtete Kahneman eine Masterclass, an welcher unter anderem Jeff Bezos von Amazon, Larry Page und Sergey Brin von Google, Elon Musk von Tesla sowie hohe Kader von Microsoft, Facebook, Twitter und Wikipedia teilnahmen.

Besonders angetan waren die Herrschaften von der Technik des »Priming«. Dabei geht es darum, die Entscheidungsbasis des Menschen vorzuprägen, indem ihm immer wieder die gleiche Information zugespielt wird, zum Beispiel unbemerkt in Form von Flash-Smileys oder Nachrichten, die im Millisekunden-Tempo auf dem Bildschirm aufblitzen, um die Stimmung und das Verhalten des Nutzers zu beeinflussen. Sowohl die USA als auch Großbritannien engagierten den bekannten Verhaltensökonomen Richard Thaler, um sich erklären zu lassen, wie man die Bürger zu der (aus Staatssicht) richtigen Entscheidung »schubst«. Dieses Beispiel verdeutlicht einmal mehr, warum es so schwierig für die Generationen Y und Z ist, sich aus ihrer Situation zu befreien. Wie soll man etwas bekämpfen, was man gar nicht bemerken soll?

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7 Kommentare

  1. Ich kann das bestätigen.
    Mit 15 bin ich von der Schule geflogen und habe danach nicht wieder versucht eine andere zu besuchen oder mich zu irgendwas ausbilden zu lassen.
    Ich habe Deutschland ca 10 Jahre später verlassen um irgendwo am Meer zu leben.
    kein Beruf und kein Geld begleiteten mich.
    So musste ich mir immer wieder was neues einfallen lassen um zu überleben.

    Weitere 20 Jahre dauerte es bis ich durch Zufall mit den Naturwissenschaften in Kontakt kam,
    als alte Leseratte habe ich dann 20 Jahre lang alles verschlungen was mit Naturwissenschaften zu tun hatte.
    Immer noch war ich in einem Denkrahmen gefangen ohne es zu wissen.
    Erst als ich die etablierte Wissenschaft und deren Weltbild verstanden hatte dämmerte mir langsam …da stimmt etwas nicht
    angefangen hat es mit dem Märchen von den egoistischen Genen, der Verwandtenselektion nach Hamilton.
    Das konnte nicht stimmen……
    Später kam ich drauf das vieles nicht stimmt was gelehrt wird und das ich vieles einfach nicht denken sollte.
    Es dauerte Jahre bis ich begriff das die meisten Menschen die studiert haben für mich keine Gesprächspartner sind, weil sie in einem Denkrahmen gefangen sind den sie NICHT verlassen können.
    Sie sind manchmal in der Lage bei einem Thema ab zu weichen , aus zu brechen. Doch dann ist Schluss mehr können sie nicht verkraften.
    Es würde wohl ihr gesamtes Weltbild zerstören. Davor scheinen sie starke Angst zu empfinden.
    Meine Meinung: Hoffnungslos
    Wer studiert hat scheidet aus dem Spiel aus, diejenigen sind später nicht geeignet Stellen zu besetzen in denen Verantwortung übernommen werden muss.
    Eine wirklich neue Gesellschaft, sozial und gerecht, ist mit Menschen die durch ein Studium oder schon durch das Abitur gerahmt worden sind nicht möglich.
    Diesen Menschen dürfen wir keine Verantwortung zumuten.
    Sie würden uns genau so(ent)täuschen wie ihr Eltern.
    mfg bunnih

      1. Der ist in der Tat sehr interessant, aber ich glaube, auf eine andere Art und Weise, als du das annimmst.

        Zunächst einmal beansprucht er eine Allgemeingültigkeit, die er auf der Basis des Experiments nicht haben kann.
        Die getesteten Personen waren durchgängig Studenten und Studentinnen der Psychologie an einer Elite-Universität in den USA und an dieser war der Frauenanteil unter den Studenten in diesem Fachbereich bereits damals 75%.
        Elite-Universität meint in diesem Kontext, es handelte sich um eine Universität mit den zweithöchsten Studiengebühren für Psychologie in den USA.

        Nur mit diesen Informationen alleine (Universität, also Alterszusammensetzung, Fachbereich Psychologie, Frauenanteil, selektive Studiengebühren) versehen ist klar, repräsentativ für die Gesamtbevölkerung kann die Studie nicht sein.
        Dass sich eine „Reproduktionskrise“ von Ergebnissen psychologischer Studien eingestellt hat, sollte nicht verwundern, denn viele Studien kamen so zustande: Psychologie-Professoren testen ihre Studenten und (vor allem) Studentinnen.

        Was in der Berichterstattung über die Studie regelmäßig unterschlagen wird sind zwei Punkte:
        1. Zu der Gruppe derjenigen, die ihre Kompetenzen im Verhältnis zu ihren Testergebnissen völlig überschätzte gesellte sich eine weitere Gruppe, die ihre Kompetenzen signifikant unterschätzte. Eine Erklärung dafür liefert die Studie nicht (ich hätte aber eine Spekulation meinerseits zu bieten).
        D.h. es gibt nicht nur einen Dunning-Kruger-Effekt, sondern zwei, nur wird über den zweiten nicht berichtet.

        2. Vor einer Wiederholung des Tests erhielten die Probanden Nachhilfe u.a. in Logik und konnten dann sowohl ihre Testergebnisse verbessern, als auch ihre Selbsteinschätzung eher mit der Realität abgleichen.
        D.h. der Dunning-Kruger-Effekt ist durchaus „heilbar“.
        Hier ist die spannende Frage, warum man sich in der Berichterstattung darauf versteift, einen Mangel festzustellen, statt über die Mittel zu seiner Überwindung zu berichten und diese ggf. für die Schul-/Hochschulbildung verbindlich zu machen.

        Dieser letzte Punkt sollte eine Anregung sein, über die Psyche der Berichterstatter in den Medien zu sinnieren…
        Die Studie verrät uns nicht, wie die Geschlechterzusammensetzung in den Gruppen konkret ist, sondern sagt nur, der relative Geschlechteranteil sei gleich hoch. Das wäre als Aussage befriedigend, wäre der Männeranteil im Fachbereich 50%. Ist die Testgruppe repräsentativ für den Fachbereich zusammen gesetzt, dann beträgt dieser aber 25%. Von daher ist hier die Auslassung ausgesprochen vielsagend.

    1. Die meisten Menschen beginnen, dies wird im Artikel ja auch so gesagt, erst über das System nachzudenken, wenn es zu selbsterlebten Problemen kommt. Dies kann Arbeitslosigkeit sein oder Kinder und die dabei entstehenden Probleme und vieles mehr.

      Ich habe einen sehr guten Freund aus meiner Abiturklasse, dem sein Lebensweg lief beruflich richtig super. Der hinterfragt das System nicht. Er gibt maximal punktuellen Verbesserungsbedarf zu. Er vertritt auch die Ansicht, dass es jeder hier schaffen kann, wenn er sich anstrengt. Das es dafür im System gar nicht genügend Kapazitäten für nur „Siegertypen“ gibt und selbst wenn alle Abi mit 1,0 abgeschlossen hätten, es hier „Verlierer“ geben würde, weil es das kapitalistische System nicht anders kann, ist für ihn nicht akzeptierbar. Da kommt es zu Denkblockaden, gewollt oder ungewollt. Er schützt sich dort auch selbst und wird in seiner Umgebung bestätigt und bestätigt seine Umgebung. Sie haben diese Position verdient und redlich erarbeitet und andere strengen sich nur nicht genug an oder haben selbstverschuldete Handicaps.

      Die heutige Gesellschaft ist in ihrer Konsumblase gefangen und die meisten Menschen können dort nicht weiter denken. Damit wird hier sehr viel befriedet, abgelenkt und zur Mehrleistung in ausbeuterischen Verhältnissen angetrieben. Sollte dies nicht ausreichen, was es bei dem größten Teil tut, kommen Hartz4-Zwangsmaßnahmen hinzu. Der Journalismus verstärkt den Verklärungs und Ablenkungsprozess genau so wie die Zwangs- und Elendsmaßnahmen im System, bei gleichzeitiger Schuldverschreibung an den einzelnen. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen werden bewusst ausgeschlossen, damit es zu keinen „dummen“ Fragen kommt.

  2. „Während die IQ-Werte bis Mitte der 1970er Jahre kontinuierlich anstiegen, nahmen sie danach allmählich um knapp zwei Punkte pro Jahrzehnt wieder ab.“ Spektrum.de 01.01.2019 Wie sich das auswirkt, kann man schon beim Autofahren erkennen. Immer mehr Verkehrsteilnehmer blinken erst während des Abbiegens, wenn es nicht mehr nötig ist. Es gab Zeiten, da musste man niemandem erklären, dass man vor dem Abbiegen blinkt. Eine junge Dame, anpassungsbeflissen, stellte sich mir als “Studierende” vor. Sie sei nach wie vor eine Studentin, korrigierte ich sie. Beim Gendern verwende man “Studierende” nur als Pluralform. Früher gab es auch keine Gegendemonstranten, die Andersdenkende am Recht zu demonstrieren hinderten. Diese Menschen sind nicht intelligent genug zu erkennen, dass Gegendemonstrationen das Demonstrationsrecht ad absurdum führen.
    Was Solidarität ist, wird gar nicht mehr verstanden. Ich kenne eine Frau, die entlassen wurde, mit der Begründung, sie habe zu eifrig gearbeitet. Das konnte sie gar nicht verstehen. Ständig absolvierte sie unbezahlte Überstunden. Dass deshalb niemand mehr mit ihr zusammenarbeiten wollte, nahm sie nicht wahr.

  3. Plato ist mit seinem Höhlengleichnis noch heute ein grosser Verführer, sozusagen der Ahnherr aller Verschwörungstheoretiker. Wozu es führt, wenn man seine ungemein eingängige Höhle für real hält, erkennt man am Einfluss von Leo Strauss auf die u.s.-amerikanischen NeoCons. Ich will das hier gar nicht weiter ausführen, wens interessiert, solls googlen. Jedenfalls steckt hinter der Höhle keine aufklärerische Absicht, sondern ein autoritär-elitäres Menschenbild. Und wenn man, wie Matuschek, auf sie zurückgreift, schleicht sich dieses unbemerkt mit ein.

    Der Fehler steckt in der verabsolutierenden Tendenz und im generellen Setting. ‚Allen‘ werden von ganz Wenigen falsche Tatsachen vorgespiegelt, eine ganze Generation fällt drauf rein. Das ist natürlich Bullshit, divergierende Weltsichten gibt es wie eh und je, ebenso wie einen gerade aktuellen Zeitgeist, der oberflächlichem Denken seine Richtung gibt. Wir sind keine Elefanten und sitzen auch nicht wirklich in einer Höhle. Die erste Regel des Denkens – ein Bild ist ein Bild und nicht die Realität. ‚Ce n’est pas une pipe‘.

    Es ist sogar anzunehmen, dass Widerständigkeit zugenommen hat, denn viele Menschen gerade in den affluenten Ländern, sind einer weit weniger autoritären Erziehung – diesen Begriff muss man ganz, ganz wörtlich auffassen – unterzogen worden, als es früher der Fall war. Solche Bevölkerung eignen sich z. B. viel schlechter zur Kriegsführung, die wesentlich auf Entindividualisierung, Formung eines Kollektivganzen angewiesen ist. Allerdings haben die Individuen oft ein Problem damit, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden, wie die aktuell überbordende Woke-Welle zeigt. Durchaus berechtigte Anliegen werden hypertroph und damit pervertiert (was unterm Kapitalismus, dem grossen haltenden Umarmer, nahezu mit allem geschieht). Ein weiteres, davon zu unterscheidendes Problem, besteht in der Überbetonung des Moralischen, wer alles und jedes moralisiert, kommt zu falschen Schlüssen, behindert die Wahrnehmung der Realität (die es postmodernistischen Unkrenrufen zum Trotz, eben doch als Einzelne gibt). Obwohl das nicht Platos Problem ist, sind er und seine mythischen Welterklärungen ein unbrauchbarer Wegweiser. Das Problem des Rationalismus sind seine blinden Flecken, zumal im Ökologischen, wir dürfen ihn nicht verwerfen, wir haben nichts Besseres.

    1. „Das Problem des Rationalismus sind seine blinden Flecken, zumal im Ökologischen, wir dürfen ihn nicht verwerfen, wir haben nichts Besseres.“ Ich teile dieses Fazit, bin aber -genau aus diesem Grund – gegenüber den Wahrheiten der herrschaftlich finanzierten Naturwissenschaften skeptisch geworden. Die Corona-Debatte z. B. hat mich dahin geführt, Maßnahmen zurückweisen, die über die tradierten Praktiken der Hygiene und Wahrung körperlicher Distanz hinausgehen und sich auf bezahlte Hilfswillige aus dem Wissenschaftssektor („Experten“) beziehen. Beispiel: Es ist nicht so, dass die ungeschulten Bewohner mancher Länder nicht wüssten, dass sauberes Wasser besser ist als trübes. Eine Einsicht, die bei uns dazu geführt hat, dass viele unbesehen den Umkehrschluss für richtig halten und durchsichtiges Wasser für sauber halten. Die allgemein wirkenden Kräfte des Verstandes und das Erfahrungswissen der Vielen können zu einer den meisten Menschen wohl tuenden Praxis führen – die Denkergebnisse der korrumpierten Experten nur selten. Man sehe sich nur die Auslassungen mancher Kriegstreiber an. Das Erfahrungswissen reicht denen nicht. Die brauchen unbedingt Politikwissenschaftler.

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