Gedanken zum Krieg

FotothekBot, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Entspannungspolitik Willy Brandts ist am Ende, ein neues Zeitalter der Aufrüstung und Eskalation hat begonnen. „Von deutschem Boden darf niemals wieder Krieg ausgehen“, sagte Brandt einst – heute werden weitere Waffenlieferungen in die Ukraine damit begründet, dass deutsche Waffen Menschenleben retten.

Wie lässt sich das erklären? Oskar Lafontaine sieht die Gründe dafür auf der anderen Seite des Atlantiks. Weil die Amerikaner es so wollen, kappen wir die Energieversorgung zu Russland, fahren die deutsche Wirtschaft an die Wand und steuern auf eine Eskalation des Ukrainekriegs zu. In seinem Buch analysiert er die deutsche Abhängigkeit von den USA und fordert: Nur eine eigenständige europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik kann den Frieden langfristig sichern. Ein Auszug.

Bereits in der Schule lernten wir, wie wir zum Krieg eingestellt sein sollten. Da hieß es mit den Worten des Dichters Horaz: »Dulce et decorum est pro patria mori.« – »Süß und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben.« Wir sollten darüber einen Aufsatz schreiben. Als ich aufgefordert war, dazu Stellung zu nehmen, erinnerte ich mich an die Geschichte meiner Familie: Mein Onkel, dessen Vornamen mir meine Eltern gaben, ist 1941 200 Kilometer vor Moskau gefallen; mein Vater ist im April 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, von einem US-Soldaten erschossen worden, als er auf dem Weg zu seiner Familie war. Bei dieser Familiengeschichte war es mir schon als Schüler nicht möglich, diese These des Horaz anzunehmen, dass es süß und ehrenvoll sei für das Vaterland zu sterben. Den Sinn dieses Sterbens konnte ich mir damals nicht erschließen. Und er erschließt sich mir noch immer nicht. Welchen Sinn hatte es, in Hitlers verbrecherischem Krieg sein Leben zu opfern? Der Zweite Weltkrieg führte zu 60 Millionen Toten.

Wer will denn eigentlich Krieg?

Ich habe daher auch immer Verständnis gehabt für diejenigen, die sich allen Kriegen oder dem Krieg an sich verweigert haben. Damals gab es ein berühmtes Lied von Boris Vian, »Le Déserteur«, welches ich in meiner Jugend gerne gehört habe. Es gab einen französischen Innenminister der Vierten Republik, der dieses Lied während des Algerien-Krieges verboten hatte, sein Name war François Mitterrand. Dennoch bin ich überzeugt, dass dieses Lied viele junge Leute zu Kriegsdienstverweigerern machte.

Ich hatte auch immer eine große Sympathie für Kriegsdienstverweigerer und habe sie auch bis zum heutigen Tage noch. Ein Held meiner Jugend war der ehemalige Boxweltmeister Mohammed Ali, der, als er in den Vietnam-Krieg eingezogen wurde, schlicht und einfach gesagt hat: »Ich gehe da nicht hin, warum soll ich diese Menschen erschießen, sie haben mir nichts getan.«

Der Vietnamkrieg prägte meine Einstellung zum Krieg nachhaltig: die Verbrechen, die dort begangen worden sind, der Einsatz chemischer Waffen, drei Millionen Tote! Damals ging eine ganze Generation auf die Straße, um gegen diesen Krieg zu protestieren! In diesem Zusammenhang drängte sich meiner Generation die Frage auf: Wer will denn eigentlich Krieg? Es ist eine entscheidende Frage, denn ich bin ganz sicher, dass kein sibirischer Bauer mit einem ukrainischen Bauern Krieg führen will – warum sollte er auch? Wir lernten sehr schnell, dass es nicht die Völker der Welt sind, die Krieg wollen, sondern stets eine kleine Minderheit. Das gilt auch heute noch für den Ukrai­ne-Krieg. Es gelingt zwar hin und wieder über die Medien, eine Mehrheit der Bevölkerung für den Krieg aufzustacheln. Man denke zum Beispiel an das August-Ereignis des Ersten Weltkrieges, bei dem die Bevölkerung so aufgeputscht wurde, dass die Mehrheit freudig in den Krieg zog und selbst die Dichter und Denker den Krieg bejahten, Thomas Mann beispielsweise, der vom Krieg als einer »Reinigung« sprach und ihn einen »Ausstieg aus der satten Friedenswelt« nannte, oder Max Weber, der den Krieg »groß und wunderbar« fand und dass es »herrlich« sei, ihn noch zu erleben, aber »sehr bitter«, nicht mehr an die Front zu dürfen. Aber auch die haben nach einiger Zeit das Grauen des Krieges erkannt und anders geredet.

»Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen«

Bei dem Nachdenken über den Krieg stellt sich früher oder später die Systemfrage – eine hochaktuelle Frage und ich muss mich hierzu gar nicht auf irgendwelche Säulenheiligen des linken Spektrums berufen. Ich berufe mich auf Papst Franziskus, der einmal gesagt hat: »Diese Wirtschaft tötet.« Er meinte unsere kapitalistische Wirtschaftsordnung und unsere Wirtschaftsweise mit ihren Eigentumsstrukturen. Ich halte diese Analyse des Papstes für richtig. Ich selbst beantworte die Frage so, dass wir in der Welt mehr und mehr Systeme des Oligarchen-Kapitalismus haben, also Staaten, in denen eine Minderheit große Vermögen anhäuft und die Politik in zunehmendem Maße prägt. Dieser Oligarchen-Kapitalismus führt notwendigerweise zum Krieg.

Ein Kronzeuge dieser Analyse ist der ehemalige Präsident der USA, Dwight D. Eisenhower, der in seiner Abschiedsrede am 17. Januar 1961 vor dem Einfluss des militärisch-industriellen Komplexes in den USA warnte: »Wir in den Institutionen der Regierung müssen uns vor unbefugtem Einfluss – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – durch den militärisch-industriellen Komplex schützen. Das Potential für die katastrophale Zunahme fehlgeleiteter Kräfte ist vorhanden und wird weiterhin bestehen. Wir dürfen es nie zulassen, dass die Macht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unsere demokratischen Prozesse gefährdet.« Mittlerweile beherrscht der militärisch-industrielle Komplex Senat und Kongress in Washington und sorgt dafür, dass sich die USA ständig im Krieg befinden und zum größten Waffenlieferanten der Welt wurden.

Der französische Sozialist und Pazifist Jean Jaurès sagte einmal: »Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen.« Ich halte diesen Satz nach wie vor für richtig, habe ihn oft zitiert in vielen Reden und er wurde im Grunde genommen nicht widerlegt. Alle Staaten, die von Oligarchen geprägt werden – das gilt im Osten wie im Westen –, führen Kriege. Wir hatten viele völkerrechtswidrige Kriege, das dürfen wir nicht vergessen. Ich halte es für eine Überlebensfrage, dass wir energisch gegen Kriege vorgehen, aber: Wir müssen mit gleichem Maßstab messen! Überall! Sonst werden wir niemals Frieden auf der Welt erreichen.

ALLE Kriegsverbrecher müssen nach Den Haag gebracht werden

Wenn ich heute an diese Verbrechen im Krieg in der Ukraine denke, dann empfinde ich Mitleid und Zorn. Aber ich denke eben auch – und auch da empfinde ich Mitleid und Zorn – an den langjährigen Krieg im Jemen. Ich kann mich nur wundern, dass jetzt darüber nachgedacht wird, Energie nicht etwa von Russland zu beziehen – Russland wird Putin überleben und dann immer noch unser Nachbar sein –, sondern dass man jetzt von den Golfstaaten Energie beziehen will, die diesen verbrecherischen Krieg seit Jahren mit Unterstützung der USA führen. Über 300.000 Menschen sind dort bereits ums Leben gekommen, darunter 80.000 Kinder. Die Vereinten Nationen weisen regelmäßig darauf hin, in welch schlimmen Verhältnissen Millionen Menschen im Jemen leben. Wenn ich an diesen Krieg denke, dann frage ich mich: Warum muss das sein, warum lernt die Welt nicht dazu?

Ich bin dafür, dass wir Kriegsverbrecher vor den Internationalen Strafgerichtshof bringen – aber dann bitte alle! Alle, die in der Politik für völkerrechtswidrige Kriege Verantwortung tragen! Sonst werden wir auf dieser Welt keinen Frieden finden. Nur wenn wir mit gleichen moralischen Kriterien an alle diese Fragen herangehen, wenn wir den Grundsatz beherzigen »Was du nicht willst, das man dir tu, das füg’ auch keinem anderen zu«, werden wir vielleicht dem Frieden in dieser Welt ein Stück näher kommen.

Ähnliche Beiträge:

Sei der erste, der diesen Beitrag teilt:

36 Kommentare

  1. eine neue Einschätzung von Gordon Hahn, mit dem, wenn nicht überraschenden, so doch beunruhigenden
    Fazit, dass u.U. bald NATO-Truppen in der Westukraine stationiert werden:

    „(…) It cannot be excluded and may even be likely that should Kiev appear to be losing the war that Polish forces, NATO or some ‘coalition of the willing’ will move military forces into western Ukraine up to the Dnepr but do so without attacking Russian forces. This would force Russia to cease much of its military activity or risk attacking NATO forces and a larger European-wide war. This or something like it is probably already being considered in Washington. (…)“.

    https://gordonhahn.com/2022/11/22/the-russian-winter-offensive/

    Wenn das halbwegs realistisch ist, sollte den Nachrichtenredaktionen im ganzen Land klar werden, dass sie mit ihrer Arbeit am Feind, Risiken beschwören, die sie nicht mehr kontrollieren können.

    Was wir bisher hatten waren lediglich einzelne Nebelschwaden. Der dicke Nebel des Krieges, der, bei dem man keine 2 Meter sieht, steht uns möglicherweise erst noch bevor.

    1. Das mit dem dicken Nebel ist mE längst eingetreten. Nur zur Erinnerung: Die „Arbeit am Feind“ ist keine Erfindung, die erst mit der russischen Intervention in der Ukraine über Europa gekommen ist, aber das ist bekannt. Verfestigt hat sich das Urteil, der Feind ist ein Risiko gegen den man vorgehen muss mit allen zu Gebote stehenden Mitteln. Das ist keine Stammtischeinschätzung sondern praktizierte Staatsräson also Grundlage für politisches Handeln. Das Ergebnis sieht entsprechend aus: Militärische Aufrüstung ohne wenn und aber, Stärkung der Kampf- und Zerstörungskraft und Planspiele, wie man den anderen mit den frisch geschaffenen Mitteln am geschickesten fertigmacht. Auf dieser Ebene agieren die Nato-Alliierten. Russen schädigen ist das salopp gesagte, von allen geteilte Ziel. Ich weiss, das ist nix neues. Aber die Härte und blutige Rücksichtslosigkeit mit der freiheitsliebende Staatsbürger und ihr frei gewähltes Oberkommando ganz selbstverständlich (nicht nur in „unserer“ Ukraine) vorgehen ist doch bemerkenswert: Als ob sie ein unwidersprechliches Recht darauf haben eine hierzulande definierte Ordnung überall auf dieser Welt durchzusetzen. Und wer das Recht auf seiner Seite hat, der hat auch die Moral (zB den richtigen Werte-Kanon) dafür. An dieser gut betonierten und hochgerüsteten Brandmauer arbeitet sich der Kreml ab. Die Schwelle zum Weltkrieg ist bereits überschritten auch wenn er praktisch „nur“ als Stellvertreterkrieg stattfindet.

      1. Als ob sie ein unwidersprechliches Recht darauf haben eine hierzulande definierte Ordnung überall auf dieser Welt durchzusetzen.

        Jepp, genau das ist die dahinterstehende Ideologie. Die hat auch einen Namen, die „regelbasierte Ordnung“ („rule-based order“ im Original).

        Früher hieß das mal „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“. Heute ist das deutsche Wesen in der Welt einen Schritt zurückgetreten, robbt sich aber beharrlich wieder nach vorne. In Europa sind die Deutschen schon wieder die Zampanos, nähere Auskünfte erteilen beispielsweise die Griechen.

        Die noch unangefochtenen Chefs der „regelbasierten Ordnung“ sind die USA, wir Deutschen schwimmen da so seitlich im Windschatten im Kielwasser mit, zum eigenen Vorteil. Entscheidend ist, dass „wir“, die regelbasiert Ordentlichen, die sogenannten Regeln definieren, auf der die Ordnung basieren soll. Und zwar weltweit!. Diese Regeln ändern sich hin und wieder, je nach Bedarf der aktuellen Machthaber.

        Das internationale Recht (Völkerrecht, selbst Vertragsrecht) ist außer Kraft, es wurde ersetzt durch diese „regelbasierte Ordnung“. Danach wird heute gehandelt vom Westblock (den Ostblock gibt es ja nicht mehr, aber sein Gegenstück immer noch, und zwar in ausgeweiteter Form).

        Und daran wird die herrschende Ordnung zerbrechen.

        1. Andererseits gibt es, nur im Rahmen der Ukraine natürlich, wiederum diese klitzekleine Relativierung aus dem Munde von BJ heute:

          „Vorwurf von Boris Johnson: Deutschland wollte schnelles Aufgeben der Ukraine –
          Der britische Ex-Premier erhebt schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung. Auch Frankreich und Italien ernteten für ihre Haltungen vor Kriegsausbruch Kritik.“

          https://www.berliner-zeitung.de/news/vorwurf-von-boris-johnson-deutschland-wollte-schnelles-aufgeben-der-ukraine-li.289969

          was mich nun interessieren würde: wer hat wem wie gedroht, dass man die Vorsicht, katastrophaler Weise, über Bord warf.

          Zufällig wurden ja die Friedensverhandlungen 48 Stunden nach Kriegsausbruch wohl nicht aufgegeben.

          old Europe vs. new Europe?
          oder ein freundlicher Anruf aus Washington?

          und wenn BJ genug getrunken hat, vielleicht klärt er uns auch gleich liebenswürdiger Weise über die genauen Vorgänge zu NS1+2 auf

          p.s. nach wie vor halte ich „Angst“ vor den USA für einen festen Bestandteil des deutschen Lavierens in „international affairs“ wenn die eigenen Interessen denen der USA entgegenstehen.

          p.p.s. interessant, der originale Artikel über BJ bei CNN, auf den sich die BZ bezieht, lautet etwa anders:
          “ Boris Johnson claims France was ‘in denial’ before Russia’s invasion of Ukraine“ – also hier wird Frankreich an erster Stelle angeführt und es wird aufgehängt an der Invasion, was die Franzosen noch schlechter aussehen lässt

          (der Inhalt bleibt aber im Grunde derselbe)

          https://edition.cnn.com/2022/11/22/europe/boris-johnson-ukraine-invasion-europe-comments-intl/index.html

          1. Im ersten Moment waren die Reaktionen sicherlich unterschiedlich, von „oh jetzt sind sie tatsächlich einmarschiert“ über „endlich haben wir sie am Haken“ bis „das wird ihnen noch leid tun.“ Es war sicherlich die Leistung der US-Administration den unterschiedlichen nationalen Einschätzungen (mag sein, dass sogar die Bundesregierung sich gefragt hat, was nu) eine Generallinie zu verpassen hinter der sich alle Nato-Allierten dann doch schnell versammeln konnten. Die kriegserfahrene Führungsmacht hatte sicherlich alle Handlungsvariationen für den Fall einer russischen Intervention in der Schublade und hat sie beizeiten weitergeleitet. Dazu gehörte nun einmal das Aus von NS 2 ebenso wie die Abkopplung der EU vom russischen Pipeline-System. Der politische Wille aus der Sonderoperation stufenweise eine große Nato-Sache zu machen stand mE ebenfalls schon lange auf der Agenda. Was bislang fehlte war der passende Anlass – eine verläßliche ukrainische Führung, die seit acht Jahren den EU- und Nato-Beitritt gegen alle inneren Widerstände auch, und vor allem, militärisch herbeiführen wollte, war ja bereits im Amt. Dass Europa in dieser machtpolitisch definierten Lage einen Beitrag (sprich Opfer bringen) leisten muss gehört mE ebenfalls zum einkalkulierten Preis. Wenn im Ergebnis rauskommt, dass den Nachfolgerstaat der Sowjetunion eine weitere ökonomische wie militärische Schlappe ereilt, also ein zweites Mal nach Jelzin beinamputiert die Weltbühne verlässt, dann kann auch Europa wieder auf eine Welt blicken in der es ein bißchen nach ihren Maßstäben zugeht, schließlich war man am Niederringen ordentlich beteiligt (und kein Bremsklotz wegen ausbleibender Gas und Öllieferungen).

  2. Wann kommt mal wieder eine aktuelle Lageeinschätzung von Jacques Baud?
    Diesem unabhängigen Experten, der uns im Sommer so sachlich die Situation in der Ukraine erklärt hat.
    Der könnte mal wieder die Nebelschaden wegpusten, damit hier alle klarer sehen.

  3. Lafontaine ist Politiker und wird es daher immer vermeiden, eindeutig Stellung zu beziehen. Der Begriff Oligarch wurde mit der kapitalistischen Transformation Russlands wiederbelebt. „Die russischen Oligarchen sind Unternehmer, die während Gorbatschows Periode der Marktliberalisierung ihre Geschäfte begannen.“ „Es wird allgemein angenommen, dass es in Russland seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zwei Generationen von Wirtschaftsoligarchen gibt: die Jelzin-Oligarchen und die Putin-Oligarchen.“ (Wikipedia) Lafontaine setzt den amerikanischen Kapitalismus mit der russischen „Oligarchenkapitalismus“ gleich und folgert, zwei Oligarchensysteme bekämpfen sich notwendigerweise. „Dieser Oligarchen-Kapitalismus führt notwendigerweise zum Krieg.“ Damit ist er fein raus. Nur ist das alles totaler Quatsch. Ich frage mich, warum Oligarchensysteme sich bekämpfen sollten. „Oligarch“ Trump war doch ganz begeistert von Putin, und wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er sogar die Nato aufgelöst. Tatsächlich besteht in den USA ein Globokonzern-Kapitalismus der internationalen Konzerne, auch wenn es einige Oligarchen gibt, und in Russland besteht ein Unternehmer-Kapitalismus, auch wenn es da Aktivitäten von Globokonzernen gibt. Die russischen Unternehmer werden als Oligarchen diffamiert, seit es Chodorkowski nicht gelang, sich im Auftrag der Globokonzerne mit Hilfe einer Bank, die er aus dem „Nichts“ schuf, die russischen Energieressourcen unter den Nagel zu reißen, und er stattdessen im Knast landete. Es besteht also ein Gegensatz zwischen dem Kapitalismus der Konzerne, deren wirtschaftliches Agieren auf purer Macht beruht, und dem Kapitalismus der Unternehmer, die mit Konkurrenz und Innovation ihre Gewinne erwirtschaften. Jedes Land, das seine Ressourcen nicht den Globokonzernen ausliefert, wird so brutal wie möglich bekämpft. Das gilt für Irak, Libyen, Venezuela, Iran und natürlich auch für Russland, gegen das der ganz große Krieg vorbereitet wird.

  4. Es ist ja ganz prima, dass der Herr Lafontaine sich an das Schicksal seiner Familienmitglieder in WK II, den Vietnamkrieg und die bekannte Warnung von Eisenhower erinnert. Sogar den Jemen-Krieg hat er bereits zur Kenntnis genommen!

    Als militärisch-industriellen Komplex erwähnt er nur den in den USA, wegen Eisenhower. In Europa hat er einen solchen wohl noch nicht entdecken können. Immerhin scheint ihm klar zu sein, dass die Notwendigkeit von Kriegen der kapitalistischen Organisationsform der Gesellschaften innewohnt. Das hat er gemerkt, aber den Schluss, dass man folglich diese kapitalistische Organisationsform überwinden muss, will man Kriege endlich mal verhindern, den zieht er nicht.

    Er will „energisch gegen Kriege vorgehen“ sowie alle Kriegsverbrecher vor den Richter bringen und meint, wenn man mit „gleichen moralischen Kriterien an alle diese Fragen“ heranginge, sei der Frieden auf der Welt möglich. Aha.

    Kein Wort von ihm zu den deutschen Interessen an diversen Kriegen.
    → Weiß Lafontaine gar nicht erst, dass der deutsche militärisch-industrielle Komplex massiv am Jemen-Krieg verdient und am Ukraine-Krieg sowieso? Was glaubt der wohl, warum eine Strack-Zimmermann dreimal täglich öffentlich mehr deutsche Waffen in der Ukraine fordert? Wegen der Menschen in der Ukraine? Nein, die werden erst vom Ende dieses verdammten Krieges profitieren. Von seiner Weiterführung profitieren die Rüstungsunternehmen.
    → Was glauben Lafontaine und seine Fans eigentlich, was damit gemeint ist, dass Deutschland nun eine „dienende Führungsrolle“ (der deutsche Witzekan Vizekanzler) einzunehmen gedenkt, unter freundlichem Applaus der USA? Jener USA übrigens, die uns gerade wirtschaftlich plattmachen wollen. Trotzdem weigern sich Habeck, Lindner und Konsorten, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Warum?

    Die deutschen Machthaber setzen darauf, im Schatten der USA eigene nationale Interessen durchzusetzen. Auf Kosten der Bevölkerung, na klar, das ist ja schon immer so. „Internationale Wettbewerbsfähigkeit“ ging hier schon immer vor bürgerlicher Wohlfahrt, siehe „Hartz IV“. Man setzt nun mal wieder darauf, dass die deutsche Wirtschaftskraft ausreichen wird, die aktuellen Verwerfungen ausreichend abzufedern (in kanzlerhafter Kindersprache „Doppelwumms“ genannt) und andere Länder hinter sich zu lassen. Dazu gehört auch die Aufrüstung der deutschen Streitmacht mittels „Einfachwumms“ zuzüglich zu dem halben Wumms, der jährlich ohnehin ins Totmachen investiert wird.

    Es wird immer so getan, als sei Deutschland die Geisel der USA und würde all die kriegerischen Entscheidungen nur treffen, weil es dazu gezwungen sei. Auch Lafontaine erweckt hier diesen Eindruck. Aber das stimmt nicht, es ist vielmehr so, dass die deutschen Machthaber im Kielwasser der USA mitschwimmen und von dort aus höchst national(istisch)e Ziele verfolgen. Damit sind sie ein wesentlicher Störfaktor nicht zuletzt auch in Europa, das zunehmend seinen Gründungskonsens der nationenübergreifenden Politik aufgibt zugunsten nationalen Hauens und Stechens.

    Solange Lafontaine, Wagenknecht & Co. das nicht verstehen, bzw. endlich mal zugeben, ist von denen auch kein Schritt in Richtung Frieden zu erwarten. Da kann er Horaz kritisieren, so lange er will. Der ist schon tot.

    1. Es ist richtig, dass es auch in Deutschland Kräfte gibt, die an diesem Krieg, dieser Entwicklung profitieren. Aber dies als deutsche Interessen heraus zu stellen und als wichtigste Kausa zu verkaufen, entspricht nicht meinem Verständnis von deutschen Interessen, welche auf freien Handel ihrer vielen Hidden Champions und großen Industriekonzerne beruht, also nicht Finanzmonopolitistisch bestimmt ist.

      Die Politik in Deutschland wird durch eine starke Einmischung und Druck von Seiten der USA bestimmt. Diese Einmischung gibt es seit vielen Jahrzehnten und hat heute zu einer totalen Abhängigkeit, personeller Kaperung von politischen und wirtschaftlichen Posten bei gleichzeitiger journalistischer Gleichschaltung geführt.

      Ein Artikel der dies sehr gut dokumentiert hat Thierry Meyssan auf voltairenet Anfang Oktober bereits geschrieben. Sie zeigen die Zwänge die BK Scholz in Bezug auf Washington ausgesetzt ist, auf. Doch die vielen Fehler haben alle Budeskanzler und deren Regierungen nach 1990 gemacht, so dass die Situation für Berlin heute so ist, wie sie ist.

      https://www.voltairenet.org/article218171.html

      „Während die internationale Presse die Sabotage der Nord Stream-Gaspipelines wie eine Lokalnachricht behandelt, analysieren wir sie als Kriegshandlung gegen Deutschland, die Niederlande und Frankreich.

      Es ist besonders schwierig, das Übel zu verstehen, das die Europäische Union gerade heimgesucht hat und aller Wahrscheinlichkeit nach ihren wirtschaftlichen Zusammenbruch verursachen wird, weil die EU selbst einige der für ihren Bankrott notwendigen Entscheidungen getroffen hat.“

      Wer die Agressivität der USA auch gegen sogenannte Verbündete nicht beim Namen benennt und die Installation von Personen, Institutionen und durch Einkauf in deutsche AG´s nicht mit benennt, sieht zwar die Verursacher vor Ort, aber nicht den Ursprung der Missere.

  5. Oskar L. schreibt wie er spricht und spricht wie er schreibt. Stilistisch legt er immer großartige Leistungen hin, die Menschen ansprechen und berühren.

    Der große, revolutionäre Schubs ist sein Buch eben so wenig wie der Stuhlkreis seiner Frau: Aufstehen und wieder hinsetzen, je nach Tagesform und Rücksicht auf die Verlustängste der Angesprochenen.

    Es muss knallen in Deutschland, sonst tut sich nichts !

    Sicher lassen sich seichte Bücher aus Prominentenhand gut versilbern.

  6. Erinnert ein wenig an die Salbadereien eines Franz Alt. Captain Obvious immer zuvorderst, garniert mit einigen Kalenderblattzitaten, streichelt über die Oberfläche, kratzt nicht einmal an ihr, von analytischem Durchdringen gar nicht zu reden. Zeitverschwendung.

  7. Es gibt eine deutsche Partei die meine Ansichten zu diesem Krieg vertritt.

    Auszug aus der Erklärung von Teilnehmern des 22. Internationalen Treffens der Kommunistischen und Arbeiterparteien, Havanna, 28./29. Oktober 2022:

    „Die Völker der Welt sind Zeugen einer raschen Verschärfung der allgemeinen Krise des Kapitalismus. Unfähig, die wachsenden Widersprüche zu bewältigen, wird der Imperialismus immer gefährlicher für die Menschheit. Er greift immer häufiger auf Provokationen und Konflikte zurück. Es droht ein neuer Weltkrieg und der Einsatz von Atomwaffen.

    Praktisch wird der Krieg als bewaffneter Kampf von Klassen, Nationen oder Staaten seit 2014 geführt, als die Kiewer Nazis eine Strafaktion gegen die Bevölkerung des Donbass begannen: Menschen wurden getötet, weil sie ihre Muttersprache Russisch sprechen wollten, sich weigerten, Kollaborateure des Hitler-Nazismus als Helden anzuerkennen, sowjetische Denkmäler zu zerstören und ihre Verbindungen zu Russland zu kappen.

    Heute nutzen mehr als fünfzig von der US-geführten NATO organisierte und gelenkte Räuberstaaten die ukrainischen Anhänger der Verbündeten Hitlers, der Bandera-Bewegung, um eine faschistische Expansionspolitik gegenüber Russland zu betreiben. Die vereinten politischen, finanziellen, wirtschaftlichen und militärischen Ressourcen des Weltkapitals einschließlich menschlicher Ressourcen in Gestalt von Söldnern sind für die Unterdrückung und Zerstückelung Russlands eingesetzt worden. Es wird eine für das Großkapital charakteristische Aufgabe, die Ausschaltung von Konkurrenz und die Neuaufteilung von Einflusssphären, gelöst, vor allem in Europa. Das Ziel ist die Errichtung einer weltweiten Hegemonie des US-Imperialismus im 21. Jahrhundert unter aktiver und offener Nutzung des Faschismus.

    Kommunistische und Arbeiterparteien unterstützen den gerechten antifaschistischen Kampf der arbeitenden Menschen des Donbass, der von den russischen Streitkräften unterstützt wird. Wir wenden uns gegen den US-Imperialismus, der in seiner Außenpolitik faschistische Methoden anwendet und unter direkter Beteiligung der NATO faktisch einen Krieg führt, der darauf abzielt, Russland mit Hilfe des bürgerlich-nationalistischen ukrainischen Marionettenregimes zu besiegen.

    …“

    Solidnet-Parteien, die unterzeichnet haben:

    Kommunistische Partei Aserbaidschans, Kommunistische Partei Brasiliens, Neue Kommunistische Partei Britanniens, Deutsche Kommunistische Partei, Kommunistische Partei (Italien), Sozialistische Arbeiterpartei Kroatiens, Kommunistische Partei Maltas, Sozialistische Partei Lettlands, Libanesische Kommunistische Partei, Kommunistische Partei Pakistans, Palästinensische Kommunistische Partei, Rumänische Kommunistische Partei, Kommunistische Partei der Russischen Förderation, Russische Kommunistische Arbeitspartei, Neue Kommunistische Partei Jugoslawiens, Partei der Kommunisten Serbiens, Syrische Kommunistische Partei (Vereinigt), Kommunistische Partei der Ukraine, Ungarische Arbeiterpartei

    Leider hat diese Partei keinen Einfluss bzw. wenn man diese Partei wählt, kann man auch zu Hause bleiben, weil genau so viel ist diese Stimme wert.

    1. Die meisten Menschen sind eben der Meinung, dass diese Erklärung, wie du sie zitiert hast ,Unsinn ist. Daher gibt es für so etwas keine Mehrheit.
      Das nennt sich Demokratie und ist keine perfekte Regierungsform aber weit aus besser als totalitäre Regierungen wie in Russland, die gerade ihr Land verheizen um sich mit den Zaren früherer Jahrhunderte zu messen.

      1. Was ist an der deutschen Demokratie, wo seit dem Jahre 1949 immer das selbe raus kommt, anders als an der russischen, wo die Wahl auch nur eine Richtung gewinnt, aber immer hin, die KPR zugelassen ist und relativ viele Stimmen bekommt. Mir erschließt sich der Unterschied nicht.

        Und was ist das für eine Demokratie in der USA, wo man Millionen haben muss, um als Senator gewählt zu werden und als Präsident der Wahlkampf diesen Kandidaten eine Milliarde kostet? Du kannst mir das bestimmt erklären, @Ottono.

        1. „Mir erschließt sich der Unterschied nicht.“
          Das kann ich dir beim besten Willen nicht erklären.

          Du müsstest in einem totalitären System leben und dort genauso kritisch sein wie hier.
          Dann wüsstest du es auch ohne Erklärung.

          Demokratie ist nicht perfekt. Hat niemand behauptet.

          1. Also unsre Demokratie ist perfekt; Jedenfalls meint das das Bundesverfassungsgericht im Mauerschützenprozess, BVerfGE 95, 96 Rz 136: „Art.103 Abs. 2 GG hat als Regelfall im Blick, daß die Tat im Anwendungsbereich des vom Grundgesetz geprägten materiellen Strafrechts der Bundesrepublik Deutschland begangen und abgeurteilt wird. In diesem Normalfall bietet das unter den Bedingungen der Demokratie, der Gewaltenteilung und der Verpflichtung auf die Grundrechte zustande gekommene und damit den Forderungen materieller Gerechtigkeit prinzipiell genügende Strafrecht die rechtsstaatliche Anknüpfung für den von Art. 103 Abs. 2 GG gewährten absoluten und strikten Vertrauensschutz“

            1. Von Perfekt steht da nichts, auch wenn du den Unsinn 20 x wiederholst und heute Nacht noch davon träumst.

              Aber ich freue mich, dass du mitdenkst.

          2. Nur wenn du was als totalitär bezeichnest, ist so etwas vielleicht in deiner Blase totalitär, hat aber noch keine Allgemeingültigkeit.
            Also Butter bei den Fischen.
            Gibt es verschieden Parteien und sind die zur Wahl zugelassen?
            Gibt es oppositionelle Medien?
            Welche Meiden wurden verboten und in wie weit ist das ein Unterschied zu den Medienverboten hier? Politische Gefangene hier (Assange, Reitschuster) und dort (Nawalny), wo ist der Unterschied?
            Darf man in RF demonstrieren und unter welchen Bedingungen?
            Welche sind die Strafen für unangemeldete Demonstrationen in Deutschland und in Russland?

            Du , @ottono, schwatzt nur in wertewestlichen Phrasen ohne Belege! Also ein Märchenonkel.

            1. Darf man in RF demonstrieren und unter welchen Bedingungen?
              Unter der Bedingung, dass man dann direkt seinen Einberufungsbescheid in die Hand gedrückt bekommt.

              Aber es ist egal was ich schreibe, das ändert bei dir nücht.

              Du müsstest in einem totalitären System leben um klug zu werden.
              Dir das zu erklären kann ich echt nicht leisten. Sorry. Ich bin genauso wenig perfekt wie die Demokratie.

              1. „Unter der Bedingung, dass man dann direkt seinen Einberufungsbescheid in die Hand gedrückt bekommt.“

                Belege deine Märchen. Bringe Quellen.

                Bei einem Treffen mit Müttern von Militärangehörigen am 25. November und Wladimir Putin wurden Probleme besprochen.

                Kannst du mir erzählen, wann sich Merkel oder Scholz oder Lauterbach sich mit ihren Kritikern getroffen haben?

                  1. Aha, du warst also bei dem Treffen mit den „Soldatenmüttern“ dabei und kannst deshalb so ehrlich berichten. Du bist mit deinen Topinformationen eine echte Bereicherung!

                    Weil sich Putin versteckt, nimmt er auch regelmäßig an öffentlichen Befragungen teil. Zuletzt im Valdeiclub. Nochmals meine Frage, wo erlebst du so etwas bei westlichen/ deutschen demokratiegestählten Demokratien. Oder sollte ich es als das bezeichnen, was der Westen wirklich ist eine Finanzoligarchie.

                1. Treffen mit Müttern? Hahaha !!! Kremltreue Beamtinnen, Funktionärinnen regierungsfreundlicher Bewegungen und Abgeordnete von Einiges Russland. Aber die wurden sicherlich von der NATO dahingeschickt!

          3. @Ottono
            „Das kann ich dir beim besten Willen nicht erklären.“
            Hier bist du mal ehrlich, denn die Unterschiede zwischen einer westlichen Demokratie und deren Nachteile sind nicht besonders anders oder gar besser als in der RF.

            „Du müsstest in einem totalitären System leben und dort genauso kritisch sein wie hier.“
            Ich bin in der DDR aufgewachsen und habe am 09.Oktober an der ersten großen Demonstration in Leipzig teilgenommen, als keiner vorher wusste, wie der Abend enden wird. Was hast du in dieser Richtung in deinem Leben schon riskiert?
            Heute weiß ich aber auch, dass die DDR zum heutigen System einige Vorteile hatte und die Verlogenheit der heutigen Politiker in der Bundesregierung und ider Journalisten in den MSM ist genauso groß wie damals in der DDR. Schaue dir die gerade verabschiedeteGesetzgebung zum §130 an und erkläre mir, warum die Bundesrepublik kein repressiver Staat gegen Opposition und anders denkend ist?

            1. Oskar,
              du kannst aufgrund deiner eigenen Erfahrungen mit am besten beurteilen, mit welchen Hohlphrasen Politiker Wähler zu ködern versuchen und/oder Ergebenheitsadressen an ihre Weltanschauung verschicken.
              Wohlstand für Alle versprechen die meisten, aber niemals in der Form, dass die Führer wie redselige Kapitäne bei Problemen als letzte von Bord zu gehen bereit sind bzw. sich hintenan stellen, wenn die Früchte ihrer Politik verteilt werden.
              Hätten wir aber wirklich eine christlich-jüdische abendländische Philosophie in der Tat und nicht nur reklamierend, würde man feststellen, dass Moses das gelobte Land nie beschritt, dass Jesus von seinem (nichtleiblichen) Vater als dem guten Hirten redete, vor dem man sich lt. der Genesis nicht fürchten muss.
              Das Totalversagen der Kirchen und nahezu aller Philosophien und der dabei mangelnde Versuch einer gründlichen Revision ist die Basis solcher Verlogenheit.

      2. Ottono,
        die meisten Menschen haben keine substantielle Meinung, weil ihnen die Basis der grundsätzlichen Kenntnis fehlt, um sich überhaupt ein darauf basierendes Urteil erlauben zu können.
        Das ansozialisierte Vorurteil als qualifizierte Meinungsäußerung souveränen Charakters zu definieren, zeigt nur die Definitionsschwächen solchen Kriteriums auf.

    2. Mengel,
      den Einfluss solcher Parteien über die Hürde parlamentarischer Mehrheiten erreichen zu wollen, dürfte wohl nicht nur für die nächste Zeit ein unrealisierbares Unterfangen darstellen.
      Zuerst muss es darum gehen, den interpretatorischen Beissreflex gegenüber solchen Ansichten zu zügeln.
      Schon dieses Unterfangen ist angesichts des antrainierten Schwarz-Weiß-Denkens jenseits substanzieller Erkenntniskultur aufklärerischen Charakters schwer genug.
      Der Leitspruch der Aufklärung lautet nämlich auch heute wieder:
      Riskier deinen Kopf, den eigenen Verstand konsequent und aufrichtig zu gebrauchen!

      Kant hat es nur etwas zu leger formuliert, um nicht der Zensur zum Opfer zu fallen und weiterhin als Staatsphilosoph durch zu gehen.

  8. Sicherlich kann man Lafontaine und Wagenknecht vorwerfen, sie sprechen die eigentlichen Ursachen des Krieges nicht an, aber was würde die totale Wahrheit bringen? Das sie noch weniger medienpräsent wären (besonders Sarah Wagenknecht) und sich eine (halbwegs) Stimme der Vernunft noch weniger in der Öffentlichkeit präsentieren könnte.

    Radikalforderungen stellen ist einfach, wird aber keinen Erfolg haben. Aber auch kleinere Forderungenzu stellen und umzusetzen, ist eine Möglichkeit auch heute Verbesserungen für eine breite Schicht der Bevölkerung zu erreichen.

  9. Wer Profite generieren will, braucht sich um den Frieden nichts zu scheissen, wenn er vom Unfrieden nicht unmittelbar und damit negativ betroffen ist.
    Er findet temporär immer wieder seinem Frieden im „make money“.

    An einem umfassenden Frieden sind die meisten Friedensapostel genauso wenig interessiert wie die Apologeten der Freiheit an allgemeiner Unabhängigkeit.
    Diese Heuchelei der Verlogenen zu durchschauen und ihnen gehörig in die Eier zu treten, wie dies schon ein Jesus bei der Tempelreinigung gemacht hat, wäre der Anfang aller effektiven und nicht nur gut gemeinten Ratschläge.
    In Bezug zum Papst ist anzumerken, dass auch dessen Religion getötet hat und weiterhin indirekt tötet, weil sie sich nicht konsequent den (bedürftigen) Menschen widmet, sondern sich Glaubensgrundsätzen jenseits von Erkenntniskategorien unterwirft.
    Da verhielt sich der angebliche Erlöser schon anders.
    Der Vatikan steht vor dem gleichen Problem wie die Hohen Priester.

    1. Hi Luck,

      Christentum, realer Sozialismus, westliche (angebliche) Demokratien scheitern am Ende immer an weniger als ein Prozent der Menschen, welche an den Hebeln der Macht sitzen und in Namen ihre Götze immer autiritärer werden, so dass sie zum Nachteil der unteren 70% handeln.
      Die Priester von ihrer Kanzel und die Journalisten sind die Propagandisten der mächtigen und verscherbeln für wenig Geld ihre Seele.

  10. Auffällig ist aber, dass es zumindest in Westdeutschland verdammt ruhig ist, dabei sind die Geschehnisse alarmierend. Jetzt heißt es, wir müssten auf Kriegswirtschaft umstellen und Klingbeil spricht sich als erster dafür aus. Kriegswirtschaft heißt, wir befinden uns im Krieg. Es ist nicht unser Krieg, wir laufen im Kielwasser der USA mit. So lange keiner aufmuckt, läuft das alles wie gewünscht. Irgendwann finden wir uns im Krieg wieder. Und sollten die Russen ins Handeln kommen, wird kein Protest mehr gehört.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert