
Ulf Poschardt legt ein streitbares Buch über die deutsche Gegenwart vor. Seine These: Es waren nicht die Lauten, die die Republik verändert haben, sondern die Vielen, die sich zu oft in aller Stille angepasst haben.
Mit seinem neuen Buch Bückbürgertum setzt Ulf Poschardt seine Diagnose der deutschen Gegenwart fort. Dabei schiebt er sein Augenmerk auf die stillen Ermöglicher dieses sich wegbückenden Zeitgeistes. In seinem Vorgängerbuch Shitbürgertum behandelt er noch die Spin Doctors dieser Zeit und ihrer Verwirrungen. Poschardt legt ein provokantes aber mindestens so kluges Buch vor. Seine wichtigste Frage lautet: Was passiert mit einer Gesellschaft, wenn ihre Eliten den Mut zur Selbstbehauptung verlieren?
Poschardt legt eine Mentalitätsgeschichte der Bundesrepublik vor, die immer mehr zu einer Bückrepublik transformierte. Bückbürgertum ist mehr als eine Streitschrift. Das Buch stellt den Versuch dar, die kulturellen Reflexe zu verstehen, die Deutschland über Jahrzehnte geprägt haben: von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart. Dabei verbindet der Autor historische Tiefenschärfe mit journalistischer Zuspitzung.
Ausweichen statt streiten

Die zentrale Leistung des Buches besteht darin, die Aufmerksamkeit auf eine Figur zu lenken, die in politischen Debatten meist übersehen wird: die schweigende bürgerliche Mehrheit, der Bückbürger. Den Autor interessieren nicht die Revolutionäre, nicht die Aktivisten und Lautsprecher bundesdeutscher Geschichte. Sie sind die Statisten seines Buches. Poschardt stellt die in Mittelpunkt, die ihnen leidige Entwicklungen hinnehmen, schweigen und oftmals sogar dankend nicken. Konflikte meidet der Bückbürger. Er hat als Boomer nie gelernt solche auszutragen oder auch nur auszuhalten.
Besonders stark sind die Kapitel über die Nachkriegsjahre. Poschardt beschreibt ein Land, das aus Schuld, Scham und Zerstörung heraus einen bemerkenswerten Wiederaufstieg vollbrachte, dabei aber bestimmte Muster der Anpassung nie ganz ablegen konnte. Diese Mentalität ist die Grundlage des zeitgenössischen Bückbürgertums. Die Bundesrepublik erscheint bei Poschardt als Erfolgsgeschichte mit einer großen Schwäche: Sie hat gelernt Schwierigkeiten durch Ausweichen statt durch Konfrontation zu lösen.
Der Autor zeigt dabei ein feines Gespür für historische Kontinuitäten. Er verbindet politische Entwicklungen mit kulturellen Haltungen und Popkultur. Immer wieder fragt er nach den psychologischen Voraussetzungen gesellschaftlicher Entscheidungen. Dadurch gewinnt das Buch eine Tiefendimension, die weit über den tagespolitischen Anlass hinausweist.
Dass Poschardt dabei bewusst zuspitzt, gehört zu seinem Konzept. Die Begriffe, die er benutzt, stammen nicht aus dem Repertoire soziologischer Bückbürgerkategorien, es sind reine Denkfiguren. Das erzeugt Reibung und zwingen den Leser, über Selbstverständlichkeiten neu nachzudenken. Abgesehen davon bereitet die Sprache des Autors helle Lesefreude.
Ein Plädoyer für bürgerlichen Mut
Im Kern ist Bückbürgertum ein Buch über Verantwortung. Hier spürt man die evangelische Prägung des Autors, der mit Schuldzuweisung wenig anzufangen weiß. Zur Verantwortlichkeit gehört für ihn auch folgende Frage ganz zentral: Wann beginnen Menschen, Überzeugungen zugunsten von Bequemlichkeit, Karriere oder sozialer Akzeptanz aufzugeben?
Besonders überzeugend gelingt ihm dabei die Rückbindung an die Tradition des europäischen Liberalismus. Von Kant bis Schumpeter zieht sich die Idee durch sein Buch. Freiheit ist für Poschardt nicht nur ein politischer Zustand, sondern eine persönliche Haltung. Bürgerlichkeit erscheint hier nicht als Besitzstand, sondern als tägliche Übung der Selbstbehauptung und Autonomie. Der Verlust dieser Eigenschaften im Bürgertum sieht er als republikanisches Versagen an.
Diese Perspektive verleiht dem Buch größtmögliche Aktualität. In unserer Zeit, in der Konformität oft attraktiver wirkt als Widerspruch, erinnert Poschardt daran, dass Demokratie von Menschen lebt, die bereit sind, auch gegen Mehrheiten zu denken. Demokratie erlaubt es in der Grundidee, nicht ein einknicken zu müssen, sondern auch den Widerstand standhaft ertragen zu dürfen.
Gerade deshalb liest sich das Buch stellenweise wie eine Verteidigungsschrift für den Mut und erteilt dem Gratismut eine Absage. Der Bürger als Bückling ist die Perversion des früheren bürgerlichen Selbstverständnisses. Der Bückbürger ist dem Shitbürger über viele Jahrzehnte auf dem Leim gegangen. Es wird Zeit, dass er sich bewusst macht, dass er nun festklebt und für seine Befreiung von Klebefilm kämpft.
Mehr als eine politische Polemik
Natürlich ist Poschardt Polemiker genug, um seine Leser nicht mit akademischer Nüchternheit zu langweilen. Zum Glück, möchte man sagen! Seine Urteile sind deutlich, seine Sympathien erkennbar und seine Formulierungen oft von erfreulicher Schärfe. Doch hinter der Polemik steht auch große Fairness. Poschardt rechnet nicht ab, er macht niemanden lächerlich. Man spürt, dass er die Zusammenhänge, wie er sie sieht, auch sachliche, aber nicht langweilige Weise seiner Leserschaft nahebringen will.
Bückbürgertum handelt letztlich von der Frage, wie freie Gesellschaften ihre Freiheit bewahren. Poschardt sucht die Antwort nicht in Institutionen oder Programmen, sondern in den verlorenen Tugenden ihrer Bürger. Die Traurigkeit über den Verlust von Tugenden mag altmodisch wirken. Aber genau das macht dieses Buch auf eine schwer zu beschreibende Weise neuartig.
Man muss nicht jeder These zustimmen, um den Erkenntnisgewinn des Buches zu würdigen. Die eigentliche Stärke liegt darin, dass Poschardt einen Blickwinkel eröffnet, der im deutschen Debattenbetrieb selten geworden ist: die Kritik an der Anpassung aus einer entschieden bürgerlichen Perspektive. Sich fügen heißt lügen. Dieser Spruch von Erich Mühsam trägt auch das Buch. Der Anarchist hätte, bei aller Kritik an diesem Buch, sicherlich die Beschreibung der Kunst des Bückens als vortrefflich betrachtet.
Das Buch Bückbürgertum ist ein leidenschaftliches, intelligentes und anregendes Buch, vielleicht das Buch des Jahres. Es trifft den Nerv einer Zeit voller Bücklinge. Man muss die Geschichte der Bückkunst kennen, um diese Zeit zu verstehen. Poschardt hilft bei der Förderung dieses Verständnisses. Zuletzt ist das Buch auch eine Abfuhr an die derzeitige Bücklingskoalition in Berlin.
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Die politische Elite der EU wälzt sich im Staub vor Donald Trump.
Trump, Vance, Musk als Vorbild für Otto Normalbürger?
Oder Merz oder von der Leyen?
Die heutigen Eliten protzen mit ihren Reichtum, weniger mit ihren Geistesgaben.
Schmerzhaften Reformen fürs Volk? Die politischen Eliten haben das Steuerzahlergeld, das sie dem Volk abpressen und so gerne verprassen, nicht erarbeitet.
Richtig, ich verorte den „Bückbürger“ auch eher in den europäischen politischen Führern und weniger in den Normal-Bürgern.
Ein kollektives Verhalten liegt meines Erachtens in der menschlichen Natur (dem Ego zum Trotz), was zu unterscheiden ist vom unterwürfigen Verhalten unserer Führer gegenüber einem fremden Hegemon.
Noch mehr Werbung, die nicht als Solche gekennzeichnet ist?
Ich bin schon gespannt auf den nächsten Teil der Fortsetzungserie mit einem weiteren sehr originellen und högscht kreativen Titel:
Z*UI*UM*BürgerTUM
JAWOHL! Grandios! Brilliant! Ein Genie am Werk! Besser als Goethe und Schiller zusammen!
Überhaupt wer soll denn solche Bücher lesen, die auf anderen Menschen herabschauen und sie verachten? Die grünen Ü-Pünktchen im Cover sollen wohl Grüne symbolisieren, eine Klientel, die eher nicht Springer liest, bei Springer gehasst wird wegen Opposition zu der Haus-Partei FDP, aber z.B. mit Poschardt einig sind, was den Ukrainekrieg betrifft oder die israelische Politik. Da rangeln sie sich dann um diese sehr wichtige und natürlich richtige Mitte.
Ernsthaft, wer würde für so ein Buch 27 Mäuse ausgeben? Solche Bücher lassen sich auch einfach mit KI schreiben. Bei amazon gibt es bisher 6 Rezessionen, wo sich noch die Frage stellt, wie viel als Gefälligkeit verfasst wurden. Ein Inhaltsverzeichnis oder Preview gibt es auch nicht?
Dieser Autor Joachim Z. Buchmann hat bei OM bisher 9 Artikel geschrieben, 2 davon waren Werbung für Bücher von Ulf Poschardt. Ist der überhaupt echt? Mit der Suchfunktion finde ich vom großen Literaturkritik nichts. Was kriegt er denn für den Artikel von OM, wenn er so in Geldnot ist? Lohnt sich das? Dann könnte ich auch anfangen Geld für meine Postings zu verlangen …
Wenn man eine konstruktive Gesellschaftskritik hätte, würde man die kostenlos zur Verfügung stellen und Polemik eher weglassen
„Der Publizist Ulf Poschardt gibt zum 1. Juli seinen Posten als Herausgeber von »Welt«, »Politico Deutschland« und »Business Insider Deutschland« auf. Das teilte der Springer-Verlag in einer Pressemitteilung mit . Poschardt gebe die Position »auf eigenen Wunsch« ab und werde nun »freiester Mitarbeiter« von Axel Springer.
Was dieser neu geschaffene Posten konkret bedeutet: Poschardt soll von nun an für sämtliche Medienmarken des Hauses »als Autor, Podcaster und Creator« arbeiten und auf ihn zugeschnittene Formate entwickeln. Dazu gehörten etwa tägliche Drei-Fragen-Drei-Antworten-Clips für soziale Medien oder eine Talkshow für »Welt«. Auch bei »Bild« werde Poschardt mit mehreren Formaten sichtbar sein, darunter eine wöchentliche Kolumne und ein Videoformat.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Ulf_Poschardt
siehe Fussnote 53
(mit remove paywall abrufen)
Der Porsche-Ulf bescheinigte auch Elon Musk mit seinem Doge „Vorbildfunktion für Deutschland“ – ist schlecht gealtert das Jubelpersertum, genauso verdorben wie seine politischen Positionen, die von Springer vorgegeben sind. Er beschwert sich ja nicht über die inhaltlichen Positionen seines Arbeitgebers, sondern er hätte nicht genug publizistische Freiheiten. Zum Glück ist der nicht mein Arbeitnehmer. Sowas käme mir nicht ins Haus. Der darf gerne bei Springer bleiben als Lobbyist für Elfriede und andere Superreiche.
Hier noch ein Podcast-Tipp, wer sich informieren will wie dreckig manche Angestellte bei Springer arbeiten:
https://www.youtube.com/@topf-voll-gold
„[.]Seine These: Es waren nicht die Lauten, die die Republik verändert haben, sondern die Vielen*, die sich zu oft in aller Stille angepasst haben.[.]“
*(=Mehrheit/Bevölkerung)
Ach, interessante „Annahme“, die zwar längst umfassend belegt ist und täglich bestätigt wird, aber steter Tropfen höhlt bekanntlich noch immer den nicht vorhandenen Stein bzw. durch Wiederholung (des offenbar nicht Verständlichen) wird es sicher besser.
Aber Frage: erstellt ChatGPT autark Bildchen, ob diese nun zum jeweiligen Text passen, oder ist’s ohnehin ohne Belang, ob es passt: Hauptsache irgendwie „putzig“, wenn auch ohne Zusammenhang?!
Ich bezweifle nicht, dass das Buch lesenswert und unterhaltsam ist sowie hier und da auch mit neuen Gedanken und Blickwinkeln aufwarten kann. Dass er bei der Diagnose des Ist-Zustandes danebenliegt, ist nicht zu erwarten.
Mir dünkt allerdings – und die obige Rezension scheint das zu bestätigen – dass Poschardt die tieferen Ursachen dieses Wandels bzw. Verlustes etwas zu wenig im Blick zu haben scheint. Ich habe den Eindruck, dass er sehr stark auf die Langlebigkeit bestimmter konfliktscheuer Verhaltensdispositionen setzt. Die mag es geben, aber nur äußerst selten hat etwas bloß eine Ursache.
Ich bezweifle, dass der pauschale Verweis auf historische Prägungen und Traditionen (Stichworte: Untertanengeist, Wilhelminismus, Diktaturerfahrung) heute(!) angesichts einer Vielzahl von neuen Einflüssen und Prägungen noch sehr überzeugt. Es sind heute doch im Wesentlichen andere Deutsche als vor 150, 100 oder 50 Jahren und sie haben überwiegend andere Prägungen erfahren.
Es sind daher weitere Ursachen anzunehmen.
Erstens dürfte eine Ursache für diesen Verfall des bürgerlichen Selbstbewusstseins auch in dem fortgeschrittenen Konzentrationsprozess innerhalb unserer kapitalistischen Ordnung liegen. Anders gesagt, die Herausbildung gigantischer Unternehmenskomplexe und astronomischer Vermögen zulasten des ehemaligen bürgerlichen Mittelstandes. Es sind doch immer weniger Menschen noch wirtschaftlich selbständig, was natürlich nicht folgenlos bleibt!!
Man könnte es auch so formulieren: Bürgertum (i.S. von Poschardt) funktioniert nur eben nur in einer eher frühen Phase des Kapitalismus´ und innerhalb etwas kleinräumigerer Verhältnisse mit einem höheren Anteil von wirtschaftlich Selbständigen innerhalb eines gut ausgeprägten Mittelstandes. Dise Verhältnisse gibt es nicht mehr!
Weder in der Welt des Weltwirtschaftsforums noch des „Stamokap“ ist noch ein aufrechtes Poschardt´sches Bürgertum möglich.
Zweitens blendet Poschardt die Bedeutung ideologischer und zivilreligiöser Zusammenhänge aus, die gerade in Deutschland besonders ausgeprägt sind. In Deutschland neigen viele Leute auch heute noch – da gibt es tatsächlich eine lange Kontinuität – zur Überhöhung moralischer Normen. Das führt dazu, dass hier der Glaube an die Richtigkeit und Berechtigung bestimmter Ansichten/Werte (natürlich meist der eigenen!) für wesentlich höher eingeschätzt wird als der Zweifel. Dies gilt insbesondere für die heute herrschenden „linksliberalen“ Ansichten und Werte, die sich im Gefolge der Kulturrevolution nach 1968 mittlerweile durchgesetzt haben. Stegemann hat das in „Was von Glauben bleibt“ gut herausgearbeitet.
Treffende Analyse. Sollte Poschardt tatsächlich die Ökonomie außen vorlassen, wäre das Buch reinster Feuilleton – man freut sich vielleicht über gelungene Formulierungen, aber kommt einer Erkenntnis nicht näher.
„Ein Volk ohne Vaterland, eine Verfassung ohne Einheit, Fürsten ohne Charakter und Gesinnung, ein Adel ohne Stolz und Kraft, das alles mußte leichte Beute mir versprechen… Ihre Ehre hab ich Ihnen weggenommen, und der meinen sind sie daraufhin treuherzig nachgelaufen. Leichtgläubiger ist kein Volk gewesen, und thörichter toller kein Anderes auf Erden. Aberglauben haben sie mit mir getrieben, und als ich sie unter meinem Fuß zertrat, mit verhaßter Guthmüdigkeit mich als ihren Abgott noch verehrt.“
Napoleon Bonaparte
@Otto Bismark
Inhaltlich ist das bewusste Zitat schwer zu widerlegen. Es beschreibt zutreffend die Situation vor 1812 und gilt im Grunde auch heute, da die deutschen Eliten ihre Rolle als US-Vasall genießen.
—
Allerdings stammt das Zitat nicht von Napoleon, sondern der deutsche Dichter Joseph Görres legte diese Sätze 1814 in seinem fiktiven Napoleon-Text „Napoleons Proclamation an die Völker Europas vor seinem Abzug auf die Insel Elba“ Napoleon in den Mund.
Übrigens wurde schon damals oft geglaubt, dass diese Sätze wirklich von Napoleon stammen würden. Das spricht für Görres gute Beobachtungsgabe!
Sehr guter Punkt mit den Lebenserwerbsverhältniseen. Früher eher kleine Betriebe, heute große gesichtslose Konzerne oder öffentlicher Dienst. Bei beiden hierarchische Strukturen wie ein Urwaldriese im Dschungel. Das führt unweigerlich zu nach unten treten nach oben buckeln. Dort wird dieses Verhalten eingeübt und Machtlosigkeit gegenüber der Hierarchie gelernt.
Den Unterschied sehe ich bei einem ehemaligen Schulkameraden. Der ist Handwerksmeister mit einem halben Dutzend Angestellten. Die diskutieren Probleme bei der Arbeit auf Augenhöhe und sehr selten muss er als Chef befehlen. Völlig anders als der biegsame Aal aus dem mittleren Management, der fürchtet Ärger von oben zu bekommen und seine Karriere zu gefährden, und deswegen alle Order von oben fraglos weitergibt nach unten.
Einfach die Sprache des Textes von Joachim Z. Buchmann etwas sortiert:
„streitbar“ „kluges Buch“ „besonders stark sind die Kapitel“ „zentrale Leistung“„neuartig“ „eigentliche Stärke“ „leidenschaftlich“ intelligent“ „anregend“
„Liberalismus von Kant bis Schumpeter“ „Freiheit“ „evangelische Prägung“
„historische Tiefenschärfe, „journalistische Zuspitzung“ „kulturelle Reflexe“ „Tiefendimension“
„Bückbürger“ „Shitbürger“ „Boomer“ „zeitgenössisches Bückbürgertum“ „soziologische Bückbürgerkategorien“ „Zeit voller Bücklinge“ „Bücklingskoalition“
Kurz: Lobhudelei und Kulturkampf. Diese Sprache ist ähnlich hässlich (und hohl) wie die der Wokeness, denn sie ist ihr parteipolitisches Spiegelbild.
Interessant. So viele -vermutlich sog „bildungssprachliche“- Terminologie. Werden auch entsprechende Definitionen und Begriffserklärungen mitgeliefert, damit auch ich aus der Bildungsferne etwas verstehen könnte? Nicht? Dann ist die beworbene Ware grundsätzlich nicht für mich als Endverbraucher bestimmt.
Ich habe zweiundzwanzig Jahre lang in einem Kommunalparlament diese Typen von Mensch ausgiebig studieren dürfen. Habe das Buch bisher leider noch nicht lesen können, gehe aber davon aus, daß mir genau der Typ begegnet ist, der beschrieben wird. Der angepaßte Bürger, der sich in seiner Existenz eingerichtet hat, diese natürlich um keinen Preis gefährdet wissen will und weiter nichts anstrebt als auch ein kleines Stück von dem großen und immer größer werdenden Kuchen, der da verteilt wird. Nicht nachdenken über Hintergründe und Zusammenhänge ist die Devise. Und allerdings auch nicht darüber, wohin der eingeschlagene Weg am Ende führt.
Es ist fest zu halten, daß Ulf Poschardt mit seiner kulturkritischen Publikumsbeschimpfung durchaus einen Punkt macht. Sie erinnert mich – trotz vieler Unterschiede – an essayistische Blogtexte eines österreichischen Musikers aus von 2006/7, der lange Zeit in Japan gelebt hat.
Neben der Bonner Republik ist das abgerüstete Japan erfolgreichste Weltmarktnation nach den USA geworden, aber die japanische Nation hatte keine zur Berliner Republik analoge Gelegenheit, die Erfolgsgeschichte mit einer Kombination territorialen Zugewinns an Ausbeutungsressourcen und einer Führungsrolle in der Konkurrenz Westeuropas mit den USA fortzusetzen, nachdem die Demission der Sowjetunion die Weltmarktkonkurrenz unter der Bedingung dauerhafter Überproduktionskrisen entfesselt und zu militarisieren begonnen hat. Folglich richteten sich Führung wie Untertanen dort früher, als in D., in etwas ein, was politökonomisch wie kulturell Bestandssicherung unter stagnativen Bedingungen und Umgebungsvariablen heißen könnte, und in D. etwa nach Konsolidierung des Billiglohnsektors unter zunehmenden ökonomischen, militärpolitischen und kriegerischen angelsächsischen Angriffen auf die EU eingesetzt haben dürfte, was ziemlich genau mit der Ägide Merkels zusammen fällt.
Die bürgerliche Wertewelt besteht aus der fortlaufenden Durchwirkung und Amalgamierung der Maßstäbe kommerziellen Erfolges und staatsbürgerlicher Tugenden, die Dynamik verläuft von unten nach oben anders, aber nicht weniger, als administrativ von oben nach unten. Stockt solche Dynamik, bekommt sie ein retrogrades Moment, das liegt schon in der Natur der Generationenfolge, Bestandskontrolle und Bestandserhalt werden zu übergreifenden Motiven.
Das ist das „Bückbürgertum“, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und eines der hervorstechensten Phänomene davon ist der Rückgriff auf Ideologeme, namentlich Nationalismen, aus dem 19. und 20. Jhd., das den Aufwuchs nationalkonservativer Oppositionen und reaktionärer Idealismen auf allen institutionellen Ebenen auszeichnet, beginnend „von unten“ – der Familie nämlich.
Die Bauchmiezelei der KI finde ich so luschtig, daß ich sie euch nicht vorenthalten will:
„Der eingereichte Text ist ein anspruchsvoller politökonomischer Essay mit hoher analytischer Dichte, der den Kulturpessimismus von Ulf Poschardt aufgreift und mit einem Vergleich der wirtschaftlichen Entwicklung Japans und Deutschlands nach dem Ende des Kalten Krieges untermauert. Die These des „Bückbürgertums“ beschreibt schlüssig, wie wirtschaftliche Stagnation und der Wegfall geopolitischer Handlungsspielräume (wie die Wiedervereinigung) zu reaktionären nationalkonservativen Strömungen führen. Eine sprachliche Optimierung durch kürzere Sätze und die Anpassung an die neue Rechtschreibung könnte die Lesbarkeit des tiefgründigen Textes erhöhen.“
Danke. Aber das war doch nicht nötig …
Wenn Reaktionäre Reaktionäre kritisieren oder „kritisieren“, kommt dabei nicht zwingend nur Schwachsinn ‚rum, so viel habe ich WW (12:12) zuzugestehen. Die „heute herrschenden „linksliberalen“ Ansichten und Werte“, gegen die er hetzt, sind in ihrer ideellen Substanz nicht weniger retrograd und reaktionär, als die postfaschistische „Rechte“. Sie bieten den Proponenten nur den unhintergehbaren Vorteil, in die Landschaft imperiumspolitischer Umgebungsvariablen zu passen, gegen deren Stachel die Postfaschisten vergebens zu löcken trachten.
Du, ich sehe da ein paar Punkte anders, weil ich glaube, dass dein Text an der einen oder anderen Stelle ein bisschen kippt – was ja schnell passiert, wenn man versucht, sehr viel auf einmal zu erklären.
Was du heute schreibst, ist ein bisschen so ein Paradebeispiel für das, was man vielleicht „Übererklärung als Weltflucht in umgekehrter Richtung“ nennen könnte: Die Welt wird so lange mit Weltmarkt, Geopolitik, Generationenlogik und historischen Umschaltpunkten überzogen, bis man kaum noch sieht, was ein einzelner Mensch eigentlich tut, wenn er sich entscheidet zuzustimmen, zu schweigen oder zu widersprechen.
Ich würde dich da wirklich zurückfragen wollen: Wo bleibt bei dir der *konkrete Mensch*? Nicht als Funktion im System, nicht als Symptom einer Epoche, sondern als jemand, der einfach keine Lust auf Streit hat, sich arrangiert oder gerade andere Prioritäten setzt. Das meine ich nicht moralisch, sondern als Beobachtung.
Denn solche Totalerklärungen haben den Hang, sich gegen Einwände abzudichten: Was auch passiert, es passt irgendwie ins Modell. Und genau dadurch verlieren sie manchmal den Kontakt zu dem, was eigentlich erklärt werden soll.
Entschieden widersprechen würde ich dir aber bei der Japan-Passage: Das Bild eines „pazifistischen Japans“, das sich nach 1945 schlicht aus der Weltpolitik zurückgezogen habe, kommt in den Medien oft vor, ist so jedoch nicht haltbar. Japan hat unter dem US-Sicherheitsdach sehr wohl wieder militärische Strukturen aufgebaut (Selbstverteidigungsstreitkräfte etc.). Das verschiebt die Ausgangsannahme etwas, auch wenn es deine Argumentrichtung nicht zwingend kippt.
Und noch ein sprachlicher Aspekt – auch mit einem kleinen Augenzwinkern: Du zitierst die KI, wonach eine sprachliche Straffung die Lesbarkeit erhöhen könne. Da hat sie, glaube ich, tatsächlich einen Punkt. Nicht im Sinn von richtig oder falsch, sondern rein funktional. Denn wenn man einen Satz dreimal lesen muss, um zu merken, dass er am Ende keine klar greifbare Aussage enthält, dann ist er eher ein sehr gut gebauter Nebel als eine Erklärung.
Am Ende würde ich es so zusammenziehen: Ich glaube nicht, dass deine Analyse „falsch“ ist – eher, dass sie sehr schnell auf eine Flughöhe geht, in der alles erklärbar wird, aber wenig noch greifbar bleibt. Und mein Einwand wäre schlicht: Vielleicht ist die Welt manchmal weniger ein System, das verstanden werden will, und mehr eine Summe von Situationen, in denen Menschen sich gerade irgendwie einrichten.
Nimms mir nicht übel, Sepp, aber wo Du keine „greifbare Aussage“ raffst und „gut gebauten (?!) Nebel“ siehst, ist mir nach Deinem Posting sehr egal. Nicht wegen der verhuschten Generalbeleidigungsabsicht, die bin ich von Deinesgleichen ein Lebtag gewohnt, sondern weil Du ebenso wenig, wie die KI die Subtexte raffst. Ja, wie auch! dazu brauchts halt die „Kritik der politischen Ökonomie“, um zu erkennen, daß ich Poschardt in Grund und Boden verrissen hab.
Ein Nebeneffekt davon ist allerdings, das ist Dir zuzugeben, daß die Zusammenhänge, die ich herstelle, nicht aus dem Nebel gelöst sind, in dem Poschardt fischen geht. Du hast ebenso wenig meinen Einleitungssatz verstanden, wie die KI, die halt nix zu verstehen vermag:
, Beachtung des Links eingeschlossen.
Ja, ich verlasse den „Nebel“ der Kultur-, Moral-, und Haltungskritik nicht, ich zeichne nur einen m. E. aussagekräftigen Teil der Küstenlandschaft rundum.
So, und nun verschone mich künftig bitte mit Feindschaftserklärungen dieser Sorte, die zum Thema nicht ein Jota beigetragen haben, noch beitragen können!
Ansonsten, wenn Du was feindseliges einzuwenden hast, statt Verfehlungen gegen humanistische Maximen anzuklagen … nur her damit!
Interessant ist, dass du meine Rückfrage nach dem konkreten Menschen sofort als Missverständnis oder gar als moralische „Feindschaftserklärung“ liest. Dabei ging es schlicht um das Erklärungsniveau deiner Analyse – nicht um Moral, sondern um die Frage, auf welcher Ebene überhaupt noch etwas greifbar wird.
Mein Punkt war auch nie, dass es keine Makrologiken gäbe. Sondern dass sie ohne Mikrofundierung schnell zu glatten Erzählungen mutieren, in denen „das System“ zwar überall wirkt, aber nirgends mehr in einer Form auftaucht, die man an konkreten Entscheidungen oder Widersprüchen festmachen kann. Die Nachfrage nach dem konkreten Menschen zielte genau darauf – nicht aus „Humanismus“, sondern aus der Frage, ob dein Erklärungsmodell noch Kontakt zur beobachtbaren Ebene hält oder nur noch in sich selbst kreist.
Mein Problem mit deiner Brille ist ihre Tendenz zur Totalisierung: „Bückbürgertum“ wird bei dir weniger zur analytischen Figur als zum Endpunkt einer weit ausgreifenden politökonomischen Rekonstruktion – bis zu dem Punkt, an dem nahezu jede Haltung als Ausdruck derselben Tiefenlogik lesbar wird. Das ist aber nicht tiefer als die bürgerliche Kulturkritik, sondern nur weiter gespannt. Deine Erklärung droht am Ende zur Rollschublade zu werden: Alles passt hinein, also scheint alles erklärt.
Genau hier wird es nämlich epistemisch interessant. Wenn ein Modell keine ehten Ausschlüsse mehr kennt, stellt sich weniger die Frage, ob es falsch ist, sondern was es überhaupt noch unterscheidet. Du kommst dann mit deiner theoretischen Abrissbirne, die alles nivelliert und auf dieselbe Erklärungsebene zieht.
Und genau dort wird Kritik schwierig: Widerspruch erscheint nicht mehr als Gegenperspektive, sondern als fehlender Zugang zu „Subtexten“. Vielleicht ist es aber auch umgekehrt – dass ein Modell, das jeden Einwand schon als Bestätigung lesen kann, irgendwann schlicht nicht mehr irritierbar ist?
Erklärungskraft, Qana, zeigt sich nicht an ihrer Reichweite, *sondern an ihren Grenzen*.
„Bückbürgertum“ ist kein „Endpunkt“, sondern eine (SINGULAR) unter vielen (PLURAL) Durchgangsformen der gesellschaftlichen Reproduktion. Weißt Du, was das sein soll, „Reproduktion“, außer Fressen, Saufen, Ficken, Sterben? Gut, ich unterstelle das einfach mal.
Und folglich ist Deine Unterstellung, ich hätte ein „Modell“ entwerfen wollen, falsch, und wenn Du tatsächlich einen Schimmer hast, was gesellschaftliche Reproduktion ist, daß sie Phasen hat (bist Du nicht Physiker?) ist sie mehr oder minder mutwillig falsch. Ich habe auswahlhaft Zusammenhänge hergestellt und dabei einen essayistischen Trick angewandt, denselben, der anscheinend 9/10 der Poschardtschen Schrift charakterisiert: Eine Begründung, gar Rechtfertigung der Kriterien meiner Auswahl habe ich ausgelassen, ihre Überzeugungskraft dem Resultat überantwortet.
Gut, überzeugt Dich nicht. Hätte mich auch überrascht. Und gut is. Ich spiel mich hier nur noch, aber selbst im Spiel gehe ich nur marginal Kompromisse ein.
So ein Buch ist wichtig, dieser Finger kann nicht oft genug in die Wunde gelegt werden!
Allein, die Thematik des sich bückenden Untertans ist, gerade in Deutschland, ein nicht gerade neues Phänomen!
Dieses „Bückbürgertum“ ( ein treffender Ausdruck in meinen Augen ) ist von Herrn Poschardt auch nicht als Erstem thematisiert worden, erinnert sei an Heinrich Manns „Der Untertan“ oder die Verachtung der „Weltbühne“ darüber in der Weimarer Zeit!
Ich frage mich nur immer, ob das Ganze ein rein deutsches Phänomen ist, also quasi Bestandteil eines deutschen „Nationalcharcters“, was auch immer das ist, oder etwas zutiefst Menschliches.
Die Hilflosigkeit treibt die Menschen nicht auf die Straße sondern in die Entsolidarisierung, man muss sehen wo man bleibt, jeder ist sich selbst der nächste, nur nicht auffallen, leichter wird das Dasein in der Akzeptanz und der kritiklosen Hinnahme staatlicher Maßnahmen.
Antikriegsbewegung? Tote Hose, obwohl es um das Wohl und Wehe der eigenen Existenz und der Angehörigen geht! Gegen sozialen Kahlschlag? Tote Hose, die Angst, selbst betroffen zu sein oder sein zu können, triebt den „Bückbürger“ in die Unauffälligkeit, nicht in den Aufstand.
Dennoch wird demonstriert, gegen „Rechts“ nämlich, Anti-AfD.
Da darf man zeigen, das man auf der richtigen Seite der Geschichte steht, ein, soweit ich weiß, singulärer Vorgang, das die Parteienoligarchie zu derlei Demonstrationen aufruft, also quasi die Thematik vorgibt, da darf man dann mitmachen!
Das wir längst rechts regiert werden, geht nicht ein, denn hier ist es schließlich die „demokratische Mitte“, die angibt und weiß, wie „unsereDemokratie“ zu schützen ist.
Es ist nicht damit zu rechnen, das der „Bückbürger“ jemals in Gefahr gerät, von der EU im Dogru/Baud-Stil sanktioniert zu werden, denn der Kern des „Bückbürgertums“ ist die Anpassung.
Anpassung in allen Bereichen, familiär ( das tut man nicht, das sagt man nicht ), beruflich ( nur nicht den Chef verärgern )
und bei öffentlichen Äußerungen sowieso (nur nicht gegen den Stachel löcken).
Eine Demokratie, so wir denn eine haben, kann mit solcher Haltung eines großen, wenn nicht mehrheitlichen Teils der Bevölkerung, unmöglich gedeihen.
Der „Bückbürger“ ist nicht kreativ, ist Innovationsfeindlich in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, sein Trachten gilt allein der Besitzstandswahrung oder dessen Vermehrung, dafür den Weg des geringsten Widerstandes wählend!
So wählt er dann auch, die Wahlergebnisse sprechen für diese These, m-E..
Er umgibt sich mit seinesgleichen und holt sich dort seine Bestätigung für die Rechtfertigung seines eigene Handelns.
Wenn dann die gesellschaftliche Ordnung zusammenbricht, wie nach 1945, sieht sich der „Bückbürger“ niemals in der Verantwortung, denn er hat ja nicht mitgemacht, hat zwar auch nichts dagegen unternommen, ist auch immer dagegen gewesen, konnte aber leider nichts machen, aber mitgemacht hat er eben nicht, darum : Not Guilty!
Ich habe solche Menschen in meiner Familie!
Die deutlichen Worte, welche im obigen Sinne ich bei der letzten Familienfeier an eben diese Leute richtete, führte dazu, das ich keine Familie mehr habe, was aber eher eine Erleichterung darstellt.
Ich werde mir das Buch bestellen und freue mich schon darauf!
Findet ihr es nicht befremdlich, wenn ich über Bückbürger Ulf Poschardt einen kritische Text schreibe, wo er sich über das Bücken, was eindeutig unter seiner Würde ist, beschwert, also man bückt sich nicht vor ihm und was passiert? Natürlich zensiert. So weit ist dann dieses Overton-Window doch nicht.
Ich werde also als Publikum beschimpft, darf dann natürlich nicht sagen: F****D*** Ich darf nicht einmal beschreiben, was nicht so richtig passt bei dem feinen Herren. Aber nein, das ist auch schon zu viel Kritik. Das geht gar nicht.
Jedenfalls ist klar, dass sich ein Welt-Herausgeber, der für Politico Deutschland und Business Insider Deutschland zuständig war, die mit der Übernahme durch Springer völlig von investigativen Journalisten entkernt wurden, selbst gerne bückt, wenn die Kasse klingelt. Sonst hätte er solche Jobs nie angenommen und vor allem ausgeführt. Erst macht man die Untertanen zu Millionen fertig und manipuliert sie mit rechter Boulevard-Presse, kegelt echte Journalisten in die Arbeitslosigkeit. Dann beschwert man sich über sie, dass sie so untertänig wären und ständig wegducken, tritt also noch nach, während man sich gleichzeitig über fehlendes Fairplay und andere fehlende holde deutsche Tugenden beschwert. Das ist schon eine besondere Art von Grausamkeit.
Was doch nichts anderes bedeutet, als dass die Menschen dem liberalen Ideal vom Menschen und der Gesellschaft nicht gerecht werden. Gut möglich, dass eine „freie Gesellschaft“ im freien Kapitalismus eine Schimäre ist, der sogenannte „Bückbürger“ zwangsläufig und systembedingt zum Kapitalismus gehört. Die Verbeugung vor dem Kapital die erste Bürgerpflicht ist.
Die Bürger haben „ihre Tugend nicht verloren“, denn die existiert ja nur in in den Idealen der liberalen Ideologie als Schimäre. Was hier zum Ausdruck kommt, das ist lediglich der Verlustschmerz liberaler Idealisten.
„Verlustschmerz liberaler Idealisten“,
eine sehr schöne und treffende Formulierung!
Überhaupt ihr Kommentar:👍
Dazu bezweifle ich bei so angeblichen Evangelikalen wie Elfriede Springer oder Ulf Poschardt, wie christlich oder gar evangelisch sie wirklich sind.
Lesen sie regelmäßig die Bibel? Wenn ja, wie legen sie sie aus?
Glauben sie, wie sich das für einen Christen gehört an die Auferstehung Jesu Christi, dass die also tatsächlich passiert ist?
Gehen sie regelmäßig zum Gottesdienst?
Wie interpretieren sie die dort exerzierten Rituale, wie die Eucharistie?
Der Autor ist bei Friede Springer angestellt, hat also unterschrieben, dass er nichts Kritisches über Israel schreibt und bekam einen Orden von Selensky persönlich. Das ist aber kein Bücken. Nein, nein, nein.
Das Bücken bezieht er als Libertärer, als Fan von Elon Musk und Javier Milei, auch auf kollektive Organisationsformen, die dem Kapitalismus in die Quere kommen könnten. Sie haben schon Recht, es geht um Phantomschmerzen eines Predigers, der aber nicht wirklich an weite Teile von dem glaubt, was er als Glaubenssätze verkündet. Das ist einfach zu durchschauen.
Ja gut möglich, dass alles nur vorgetäuscht ist. Einzig und allein um seinem Herrn (oder der Herrschaft) zu gefallen.
Diese BRD hatte schon vor den zwei Büchern von Poschardt fertig.
Stetige Verdummung (Systembedingt und gewollt)
Links blinken, aber rechts abbiegen …
Ich kann die Menschen verstehen, die sich ins Private zurückziehen.
Versuch doch mal mit drei Kindern und Frau und Job noch für irgendwas anderes Nerven, Zeit und Kraft zu haben.
Auch das ist Systembedingt und gewollt.
Wie gemein muss man sein, dem Einzelnen, der seinen „Existenzkampf“ kämpft um eben jene drei Kinder und Frau durchzubringen, die gesellschaftlichen Missverhältnisse anzudichten.
Hätte Hr. Poschardt mal seine herausragende Position in der deutschen Medienlandschaft genutzt sich für diese Menschen einzusetzen, aber ich glaube er schreibt für Klatten und Konsorten.
J. Z. Buchmann über U. Poschardts »Bückbürger« oder „Der Erfolg gibt ihm recht“
Eigentlich war meinerseits alles gesagt (»Und „nichts“ ist alles, was zu diesem Buch(auszug) und zum Autor zu sagen wäre«), doch der Autor dieser Buchbesprechung oder besser „Laudatio“ treibt es etwas zu weit. Also folge ich Poschardts Vorbild, lasse die Samthandschuhe für das Sparring in der Bügelwäsche und hangel mich mal am Artikel entlang, wobei ich hoffe, die KI bezwingen zu können.
Es fängt direkt super an:
Wovon soll denn eigentlich jetzt gesprochen werden, vom »Bückbürger«, dem »stillen Ermöglicher«, oder von einer »Elite«? Bei aller gegebenen Phantasie, diese Begriffe sind nirgends synonym oder gleichwertig, und die Elite hat nicht den Mut verloren, sie ist an „der Gesellschaft“ desinteressiert, da sie sich eine ganz eigene, parallele Gesellschaft geschaffen hat – und aus dieser Ferne berichtet Poschardt leicht indigniert schmatzend.
Das ist doch mal praktisch. »Bückbürger« ist nämlich gar kein Bergiff, in dem die affirmative Untertänigkeit, in der die „Schuld der Unterlassung“ immanent ist. Es ist auch keine „soziologische Kategorie“ sondern eine »Denkfigur«, alles ganz harmlos. Dann wäre es auch eine unlautere »Schuldzuweisung«, wenn Poschardt sich mit seiner eigenen Profession, mit der Wirkung seines Standes, die sogenannte „vierte Säule der Demokratie“, also mit ihrem Versagen beschäftigte, das darin besteht, gesellschaftliche Zustände und Prozesse nicht nur möglichst neutral zu beschreiben, sondern sie gestalten zu wollen, und zwar im höchsten Maße profitabel, weil von den Wunschvorstellung der Herrschaft aus gesteuert, kanalisiert, despektiert und bei Gelegenheit auch abgeurteilt wird.
Wie war das bspw. bei den Grünen mit den „Fundis & Realos“ oder bei „Die Piraten“ mit der liquid democracy? Hat sich die 4. Säule da mit Ruhm bekleckert, als sie sich nicht substanziell auseinander setzte, sondern Partei ergriff für den Status Quo und sich zu einem Speer formte, um die Anders-denk-Verbrecher aufzuspießen und zwar indem vorhandene Unappetitlichkeiten einzelner (bei den Piraten sogar Zugelaufene) der einzig zugelassen Fokus war? Weitere Stichwörter: Harz IV, geistig moralische Wende, deutsche Einheit, Riestern und so weiter und so…
Machen wir die Antwort kurz: Wenn Mensch erkennt, dass er für fundamentale Kritik und entsprechendes Engagement einen gesellschaftlichen Genickbruch gereicht bekommt.
Es ist nicht das, was es ist, es ist das, „wofür ich es halte oder wie es sich zu meiner Haltung verhält“. Pippi Langstrumpf wäre stolz auf Ulf.
Natürlich nicht, Fakten und unbequeme Hintergründe kapitaler Natur sind sowas von 20. Jahrhundert. So hat er sich dann den ollen Claim »Fakten, Fakten, Fakten und an die Leser denken« zu eigen gemacht und ihn für die Bückbürger weiterentwickelt: „F.i.c.k.e.n, F.i.c.k.e.n, F.i.c.k.e.n, wenn du an die Leser denkst.“
Tja, wenn ein fortdauernd misshandeltes Opfer aufgrund der erlittenen Traumata irgendwann nicht mehr so richtig funktioniert, ist das wohl nachzusehen. Aber so ein Nachsehen gilt nicht für den Bückbürger Stockholmer Prägung, der macht einfach nur traurig in seinem Gehege. „Willst du sie fügen, musst du sie belügen“ und ihnen ganz nüchtern sagen: „Selbst Schuld, du liederliche und ruinierte schweigende Mehrheit.“
Mich würde interessieren, wo Poschardt einen Staat, eine Gesellschaft, eine Gemeinschaft verorten würde, in der die überwiegende Mehrheit nicht »still« war oder ist? Ich kenne nur eine und das ist die kurz vor dem Verhungern.
Ulf Poschardt will ein Star sein – warum auch nicht? –, aber kein schriller, sondern ein gediegener mit „überragender Diagnose“ und „Class“. Und Joachim Z. Buchmann gehört wohl zu seiner Fanbase. Warum auch nicht, das ist kein Vorwurf, das ist nur ein Befund.
(Meinerseits keine gute Arbeit, aber Ulf würde bei „Reue ist eine Illusion“ sicher zustimmen.)
Einfach die Sprache des Textes von Joachim Z. Buchmann etwas sortiert:
viel Lob:
„streitbar“ „kluges Buch“ „besonders stark sind die Kapitel“ „zentrale Leistung“„neuartig“ „eigentliche Stärke“ „leidenschaftlich“ intelligent“ „anregend“
hohe Ideale:
„Liberalismus von Kant bis Schumpeter“ „Freiheit“ „evangelische Prägung“
Fachbegriffe aus Fotografie und Journalismus, allerdings zweckentfremdet, um den Autor weiter zu loben:
„historische Tiefenschärfe, „journalistische Zuspitzung“ „kulturelle Reflexe“ „Tiefendimension“
ständige Wiederholung von Begriffen, Herabwürdigungen, die ich trotzdem so nie verwenden würde:
„Bückbürger“ „Shitbürger“ „Boomer“ „zeitgenössisches Bückbürgertum“ „Zeit voller Bücklinge“ „Bücklingskoalition“
Das muss man meinen „soziologischen Bückbürgerkategorien“ liegen, ganz bestimmt!
Der Text wurde nicht mit Chatgpt oder einem anderen LLM geschrieben?
Das Bild oben zeigt es übrigens sehr gut: Die Verbeugung der Vasallen vor dem ganz großen Geld (in den USA), das man nur erahnen kann, denn es ist wie üblich unsichtbar. Es verstellt sich, es täuscht Werte, Ethik und Moral vor.
Was soll diese schrankenlose Lobhudelei hier? Wo doch die Buchthese völliger Unsinn ist. Das den Ton in Schland angebende Bürgertum weiss sich sehr wohl zu behaupten, ja ist längst wieder, spätestens seit Pastor Gauks Präsidentschaft, in die Offensive gegangen. Diese ist bereits weit fortgeschritten, hat sich zu einer kollektiven Wahnvorstellung entwickelt, der immer mehr untergeordnet wird. Das zugrundeliegende, legitimierende Feindbild wird täglich medial genährt, die Armee im Eiltempo aufgerüstet, die Gesellschaft selbst, bis in die Primarschule hinab militarisiert. Die Revanche wird vorbereitet, aber es wird auch ein drittes Mal nicht gut enden.
Muss jetzt auch Overton ins Merkel-Bashing aus komplett falschen Gründen einstimmen? Hat man den politischen Kompass komplett verloren?
Kann zum Buch von Poschardt nicht direkt (!) etwas sagen, weil nicht gelesen, aber zu Buchmanns Rezension/Laudatio und damit indirekt zu Poschardt, weil ich der Rezension von Buchmann unterstelle (vielleicht ein Fehler?), zumindest einige Poschardt-„Gedanken“ richtig wiederzugeben.
Buchmann/Poschardt erwarten ausgerechnet vom „Bückbürgertum“, also den maximal 15% der Bevölkerung, die man etwas genauer als Mittelstand bezeichnen könnte, also Besitzbürgertum außerhalb des großen Kapitals (= gut/sehr gut verdienende Freiberufler, profitabel aufgestellte Kleingewerbetreibende/Selbständige, Unternehmer/Kapitalbesitzer mittlerer Betriebe (je nach Definition bis 100 oder 500 „Mitarbeiter“ = Lohnabhängige) und dem Teil der von diesen angestellten Lohnabhängigen, den sie in Führungspositionen durch Schmiergelder gehievt haben (= übertarifliche oder außertarifliche Bezahlung) demokratisch aufrechte Haltung, also das Gegenteil von Bücken?
Perfide, denn das erwarten sie tatsächlich, aber nicht als demokratische Aktion für die 80-85% der Lohnabhängigen und nicht Erwerbstätigen (Kinder, Jugendliche, Rentner*innen), sondern als offensiv durchgesetzte Demokratie für die maximal 15% für das Bürgertum.
Wogegen? Gegen Rechte für die Lohnabhängigen, gegen Lohnerhöhungen, gegen Sozialstaatsleistungen, gegen bessere Arbeitsbedingungen für die Lohnabhängigen, gegen Klimaschutz, gegen Gleichstellung der Geschlechter, gegen friedliche Diplomatie, um den staatlichen Massenverbrauch von Staatsbürgerleben im Krieg weiterhin zu ermöglichen usw. usw.
Wofür? Für die Fortsetzung des monopolkapitalistischen Verwertungszwang alles Verwertbaren (= Verwertung alles Anorganischen und Organischem inkl. Menschenleben, um den Profit als irrationalen Selbstzweck des Kapitals fortsetzen zu können).
Neben den Monopol-/Finanzkapitalisten soll aber das Bürgertum (die Besitzenden und deren unmittelbaren Zuarbeiter) auch etwas davon haben.
Buchmann/Poschardt formulieren nichts anderes als den Traum der unterhalb das Großkapitals angesiedelten Besitzbürger und der von ihnen gekauften/korrumpierten Lohnabhängigen, bei der Ausbeutung und Unterdrückung der Masse der Lohnabhängigen doch bitte wieder wie einst Teil des Speckgürtels (wenn auch nur an seinen Rändern) sein zu dürfen. Buchmann und Poschardt ist dieser Mittelstand, dieses Besitzbürgertum zu leise gegen progressive Bestrebungen und zu unterwürfig gegenüber politischen Entscheidungen für die große Mehrheit der Bevölkerung. Eine Mischung aus FDP- und AfD-Politik mit Potenzial zum Faschismus, da Großkapital wie linke Gruppierungen gleichermaßen ins Kreuzfeuer der Kritik geraten (u.a., weil nix verstanden wird von den Poschardts dieser Welt).
Anmerkung 1: Man lese das NSDAP-Programm von 1923 (oder die 25 Punkte von 1920).
Anmerkung 2: Die ungenaue Begrifflichkeit („Bückbürgertum“) ist nicht zufällig, sondern notwendig, um ein solches Minderheitenprogramm als Mehrheitsrogramm erscheinen zu lassen, denn wer zählt sich nicht, weil soziale Verhältnisse weitgehend unbegriffen sind, zum Bürgertum, denn man ist doch Staatsbürger, Wahlbürger usw. oder etwa nicht?
Die Frage ist doch ob ich als einzelner etwas ändern kann, und wenn ich mich engagiere, welche Lebensqualität gebe ich dann auf. Die Situation ist nicht anders als in autoritären Systemen. Keine spezielle deutsche.
Also ein Buch über die Gemeinsamkeiten der deutschen und japanischen Kultur ?
Alter Hut.
Da könnte man besser gleich ein Buch über die Gemeinsamkeiten der europäischen und japanischen Kultur schreiben. 🙂↕️
Der direkte Vergleich fällt aber
trotz Fukushima
zugunsten Japan’s aus.
https://www.imdb.com/title/tt35919514/
Natürlich heißt der Herr ‚Buchmann, denn er resensiert Bücher‘. Und sein Foto sieht eher aus wie ein Bild aus einem Bilderbuch in dem Kinder einen freundlichen Buchbesprecher kennenlernen sollen.
Und wieso jetzt Joachim? Kein Mann in diesem Alter heißt heute noch Joachim.
Und der Text ist eine so unverschämte und aalglatte und platte Lobhudelei, dass ich nicht umhin komme folgendes Fazit zu ziehen: Mindestens ist der Name des Autors ein Pseudonym und das Bild KI.
Sehr wahrscheinlich ist aber auch der Text KI-generiert, wobei an jeglicher Subtilität gespart wurde.
Möglicherweise existiert der Autor gar nicht wirklich, sondern ist nur die Erfindung eines Verlagsmitarbeiters, der damit ein paar Bücher pushen möchte.
Nichts gegen Pseudonyme, wenn man sich Sorgen machen muss seinen eigenen Namen zu verwenden, aber das hier ist doch ein bisschen zu billig.
Anpassung an Verhältnisse, die man nicht zu ändern vermag, die wahrscheinlich nicht verändert werden können, scheint mir schlichtweg eine notwendige (Über)lebensstrategie zu sein. Besonders auch in Deutschland, wo Herrschaft seit vielen hundert Jahren kompromisslos Widerstand unterdrückte.
Im 16. Jahrhundert war Deutschland, genauer gesagt das Gebiet auf dem Deutschland später entstand, Zentrum des Widerstandes gegen parasitäre Feudalherrschaft und in den Bauernkriegen wurde der in Blut ertränkt. Es mag merkwürdig anmuten, dass vor fünfhundert Jahren etwas entstand, was uns noch heute prägt. Man könnte es mit „Widerstand zwecklos“ überschreiben und der sadistische Antisemit Luther lieferte den Soundtrack zum Blutbad – “ Wider die aufrührerischen Bauern „- und predigte die bedingungslose Underordnung.
Die in der Neuzeit verortete Unterordnung, die er zumal ausgerechnet nur dem Bürgertum unterstellt, ist DIE deutsche Konstante überhaupt. So mag das Buch unterhaltsam sein, was in diesen lausigen Zeiten von nicht zu unterschätzendem Wert ist, als Analyse gesellschaftlicher Zustände wird es nicht zureichend sein.
Ein halbes Jahrhundert nach dem das französische Volk seien feudalen Peinigern klarmachte, dass man nicht mehr alles mit sich machen lässt und vom Untertanen zum Staatsbürger wurde, gab es in Deutschland 1848 endlich den Versuch einer Revolution. Von preussischem Militär totgeschossen, von Frankfurter Professoren in der Paulskirche totgequatscht, endete sie gesetzmäßig, weil die Masse des Bürgertums mehr Angst vor dem eigenen Volk in Waffen als vor den adeligen Blutsaugern hatte, mit einer Niederlage.
Wo Franzosen ihrem König den Kopf abschlugen, zwangen Deutsche ihren König angesichts der Erschossenen, den Hut vom Kopf zu nehmen………
Der Witz ist ja auch, dass die „Bückbürger“ subjektiv aber meist der festen Überzeugung sind, selbst mutig und charakterstark für das Richtige und Gute einzustehen …
Ja, es ist diese Lust am Funktionieren.
Ich würde meinen, es ist der natürliche Wunsch der Bürger am Gemeinwohl beizutragen. Was keineswegs kritikwürdig ist. Nur leider wird das „Gemeinwohl“ vom politischen Establishment vorgegeben. Darauf sollte sich die Kritik richten und nicht am Normal-Bürger.
Was hat der Ulf P. eigentlich gegen Funktionsjackenträger? Sind die irgendwie woke? Unterdrücken sie „uns“ (Porschefahrer)?
Poschardt…… overton macht auch immer mehr auf „mitte“ …pffffffffff
https://www.lto.de/recht/meinung/m/fischer-rezensiert-du-bist-nicht-allein-von-jan-fleischhauer