
40 Wochen dauert es, bis ein menschliches Baby im Bauch der Mutter heranwächst. Anna Blix schaut sich diese Zeitspanne der menschlichen Schwangerschaft an und stellt parallel dazu in jeder dieser Wochen andere Lebewesen vor, die gerade ihre Nachkommen zur Welt bringen.
So hat das Bakterium E. coli sich innerhalb von 20 Minuten verdoppelt. Das Graue Riesenkänguru ist nur fünf Wochen schwanger, dann kommt das Baby in der Größe einer Bohne auf die Welt. Warum aber tragen wir als Menschen unsere Babys so lange in unserem Körper? Und gibt es einen Grund dafür, dass Schwangere sich häufig übergeben müssen? Gibt es vielleicht bessere Möglichkeiten zur Reproduktion? Ihr Buch „Runde 40 Wochen“ bietet evolutionären Trost für all die Schwierigkeiten einer menschlichen Schwangerschaft und zugleich eine Erklärung, wie wir bis hierher gekommen sind: als klügste Spezies mit der vielleicht ermüdendsten, aber nicht der schlechtesten Weise, uns zu reproduzieren.
»Schieben Sie mal die Hände hierhin, dann können Sie es gleich halten. Mit der nächsten Wehe ist es draußen.«
Die Stimme der Hebamme ist ruhig. Mein Partner hält meine Hand. Mein Körper spannt sich an, ich strecke mich. Dann ist er da und liegt auf meinem Bauch. Ein kleiner Junge. Er atmet zum ersten Mal, und die harte, kalte Luft, die er noch nie zuvor gespürt hat – weder innerlich noch äußerlich – bleibt nicht ohne Wirkung. Seine Haut trocknet zum ersten Mal im Leben, als wir das Fruchtwasser wegwischen, das ihn so lange umgeben und ihm Sicherheit gegeben hat. Die Nabelschnur pumpt aus der Gebärmutter noch immer Blut in ihn, wie eine Rettungsleine. Gleich wird sie durchtrennt werden, womit unsere neunmonatige Symbiose in eine neue Phase übergeht.
Der Parasit in mir
Er liegt auf meinem Bauch, er ist dreieinhalb Minuten alt und 3,5 Milliarden Jahre, ist Ursuppe und ein vollkommen neues Leben, das es nie zuvor gegeben hat. Er kann nichts, ist das hilfloseste Neugeborene aller Arten. Er erkennt meine Stimme, den Geruch der Milch und schafft es irgendwie, vom Bauch zu meinen Brüsten zu robben.
Er hebt das enorme Köpfchen, viel zu groß für den kleinen Körper, und starrt mich an, um meine Gesichtszüge zu erkennen. Dann öffnet er seinen Mund und legt seine Lippen an meine Brust, um trotz Vakuum und Unterdruck an meine Milch zu kommen. Er war neun Monate in mir, ab heute bin ich endlich davon befreit, ihm eine Wohnung zu stellen, doch die Kraft, mit der er an mir saugt, zeigt mir mehr als deutlich, dass die Sache noch nicht zu Ende ist. Mein Körper hat noch immer seinen Bedürfnissen zu folgen.
Trotzdem bin ich zumindest befreit davon, einen kleinen Organismus wie einen Parasiten in mir zu tragen, frei von den Nebenwirkungen, die mir dies bereitet hat.
Ich habe mich monatelang erbrochen, und mir war so übel, dass mir zeitweise vier verschiedene rezeptpflichtige übelkeitsstillende Medikamente verschrieben wurden. Meine inneren Organe sind neu arrangiert worden, Darm und Blase wurden aus Platzgründen einfach zusammengedrückt. Meine Haut hat sich so weit wie nur möglich gedehnt, und die Schwangerschaftshormone haben zu Verstopfung und vermehrtem Schlafbedarf geführt. Monatelang konnte ich mir die Schuhe nicht mehr binden, ich musste Stützstrümpfe tragen und habe beständig säureregulierende Tabletten gegen das Sodbrennen genommen. Damit ich meinen Nachkommen auch aus mir herausbringen kann, hat mein Skelett sich mehr und mehr gedehnt, sodass ich schließlich bei jedem Schritt Schmerzen im Becken hatte. Mein Körper hat damit die Bürden auf sich genommen, die üblich sind, wenn meine Art sich reproduzieren will.
Unterschiedliche Reproduktionslösungen
Wie es wohl wäre, wenn ich einfach ein Ei legen könnte, das mein Partner dann bis zum Schlupf ausbrütet? Oder wenn mein Baby so klein wäre, dass ich die Geburt kaum spüre und ich es danach in einem Beutel mit mir herumtragen würde, bis es groß genug für das Leben ist? Andererseits bleibt mir das Leiden der Tüpfelhyänen erspart, die durch eine längliche Klitoris in Form eines Penis gebären müssen, die so eng ist, dass 60 Prozent der Welpen einer Erstgebärenden sterben. Ich bin auch nicht im Skelett schwanger, wie das bei den Skorpionen der Fall ist, die schließlich, wenn sich der Nachwuchs unter den Platten tummelt, wie aufgeblasene Ballons herumlaufen. Ich muss nicht mucksmäuschenstill auf einem Nest sitzen, bis die Jungen schlüpfen, wie die Eiderente. Und ich hungere mich auch nicht wie ein Tintenfisch zu Tode, während ich auf meine Eier aufpasse, oder lasse mich wie manche Spinnen von meinen Kindern bei lebendigem Leibe auffressen.
Jetzt, da mein kleiner Sohn auf meinem Bauch liegt und sich aus eigener Kraft irgendwie zu meinen Brüsten schiebt, um den ersten Schluck Milch zu trinken, fühlt sich das alles richtig an. Mein Körper ist high von all den Hormonen, die beim Beginn der Geburt freigesetzt wurden. Sie haben meine Schmerzen gelindert und sorgen auch dafür, dass ich das kleine, schrumpelige Wesen, das aus mir herauskam, wirklich liebe. Das Gefühl, ein gesundes Baby geboren zu haben, erfüllt mich mit einem solchen Glück, dass die neun langen Monate damit in Vergessenheit geraten. Dabei habe ich mir während dieser Zeit immer wieder gewünscht, zu einer anderen Art mit einer anderen Reproduktionsmethode zu gehören, und nicht zulassen zu müssen, dass sich ein befruchtetes Ei in meinem Körpergewebe festsetzt, der Fötus meinen Blutkreislauf steuert und meinen Körper übernimmt.
Es gibt so viele Organismen, die genau zur gleichen Zeit auf die Welt kamen wie mein Kind, so viele Eltern, die sich aufgeteilt und unbefruchtete Eier ins Wasser gegeben haben, auf dass die Spermien diese selbst finden. Andere haben einen Kopf aus der Schale eines Eis ragen sehen, ihre Babys in der Rückenhaut oder im Beutel hüpfen gefühlt oder durch den engen Geburtskanal gepresst. All diese Arten befinden sich am äußersten Rand des Baumes des Lebens, jede auf ihrem eigenen Zweig. Ihnen gemein ist aber, dass sie Teil desselben Baumes sind und sich aus derselben, lebendigen Ursuppe, den ersten lebenden Zellen entwickelt haben. Wir alle haben lange genug gelebt, um Nachkommen in die Welt zu setzen, seien diese nun Menschen, Amöben, Seeanemonen, Hyänen, Eiderenten oder Kängurus. Im Laufe der Entwicklung haben sich die Organismen vor uns verändert, jeder in seine Richtung, und nun stehen wir hier mit einer Unzahl unterschiedlicher Reproduktionslösungen. Und von einigen dieser fantastischen Möglichkeiten, Kinder zu bekommen, wird in diesem Buch die Rede sein.“


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Kinderlosigkeit aus Sklaven-Moral, Antinatalismus, Askese oder nur elitäre Misanthropie?
Der Artikel ist eine Buchvorstellung über die Erneuerungen des Lebens.
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Ohje, da muss Mann aber schlucken oder eher rülpsen, wenn Frau sagt, was Kinder-Kriegen bedeutet.
Sie haben schon wesentlich bessere Texte geschrieben, sage ich mal sehr vorsichtig.
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@Altlandrebell @Ohein @AF
„Meine Herren, heute sehen Sie mich Gläser abwaschen
und ich mache das Bett für jeden!
Und Sie geben mir einen Penny und ich bedanke mich schnell
und Sie sehen meine Lumpen und dies lumpige Hotel
Und Sie wissen nicht, mit wem Sie da reden.
Und Sie wissen nicht, über wem Sie da reden.
Und an diesem Mittag wird es still sein am Hafen
Wenn man fragt, wer wohl sterben muss?
Und dann werden Sie mich sagen hören: Alle!
Und wenn dann der Kopf fällt, sag ich: Hoppla!
Und das Schiff mit acht Segeln
und mit fünfzig Kanonen
wird verschwinden für immer mit mir….
…. Seeräuber Jenny ist so Arm, die konnte noch nicht mal, Ein Paar unschuldige Rächer zeugen!“
Und vielen Dank für die Interessanten Antworten auf meine blöden Fragen. Das Leben setzt sich trotzdem, immer durch Egal wie die Lebensgrundlagen oder Umstände sind und noch werden.
Kleiner Nachtrag; https://de.m.wikipedia.org/wiki/Children_of_Men die Hoffnung stirbt zuletzt.
Bert Brecht finde ich ok, den Song der Seeräuber Jenny kenne ich gut gesungen von meiner Frau
(hier eine gute, wenn auch nicht so gute Fassung:
https://www.youtube.com/watch?v=6XcbzVtUapA ).
Durch meine liebe Frau habe ich auch PD James für mich entdeckt. Die Bücher von ihr würde ich stets jeder Verfilmung vorziehen.
Sehr schön geschrieben.
Ich hoffe, viele lesen das Buch.
Und schreiben sich seinen Sinngehalt hinter die Ohren.
In dieser kinderfeindlichen und kinderfolternden Gesellschaft.
Nicht zufällig bleiben Kinder, diese Ex-Symbionten, der Mutter lebenslang verbunden.
Verständlich, wenn Mütter gerne mal eine Auszeit hätten.
Aber sobald die Kleinen aufschauen …
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Lieber Altlandrebell,
kommentiert habe ich den Artikel von Anna Blix, die sehr nahegehend aus mütterlicher Sicht geschrieben hat. In ansprechender und nachvollziehbarer Weise.
Dass wir in einer „kinderfeindlichen/kinderfolternden“ Gesellschaft leben, ist kein „Argument gegen Kinder“, sondern ein Argument gegen diese Gesellschaft. Für diese Gesellschaft können Kinder nichts.
Kinder kommen auf die Welt, geplant, ungeplant. So lange die Welt existiert, wird das so sein, egal, wie viele Leute versuchen, das zu regulieren. Und da Kinder Kinder sind, metaphorisch Extremforscher in einer eher feindlichen Umgebung, sollten Menschen, die irgendetwas wie einen Hauch von Anstand verspüren, den Kindern helfen, sich zurecht zu finden.
Eine Verbundenheit mit Vätern kann – bei Anwesenheit des Vaters – selbstverständlich auch entstehen. Auch eine starke Bindung, je nach konkreten Verhältnissen auch eine (möglicherweise nur vermeintlich) stärkere Bindung.
Die Aufgabe von Vätern sollte sein, den Müttern mal eine Auszeit zu verschaffen. Auch Mütter wollen mal „schwoofen gehen“ können. Und wenn der jeweilige Vater einen Funken Intelligenz hat, sorgt er dafür. Dann kann er sich auch mal eine Auszeit gönnen. (Dafür gibt es eine Einrichtung, die sich „Babysitter“ nennt. In Großfamilien sind das meist Geschwister oder Cousins.)
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Lieber Altlandrebell,
für diese ausführliche Antwort erst einmal vielen Dank.
Ich habe nicht den Eindruck, dass unsere jeweiligen Ansichten sehr fern voneinander sind. Vielleicht ist unser jeweiliger Blickwinkel nur um 1 Grad (oder so) verschoben.
Wenn ich den Eindruck hätte, dass unsere Welt von Vernunft gesteuert würde, bzw. werden könnte, würde ich Ihnen vermutlich rundweg zustimmen.
Ok, das ist ein philosophisches Thema.
Es gibt Paare, die glauben, Kinder planen zu können. Mitunter kann eine solche Idee zu bizarren Auswüchsen führen.
Meine Meinung: Kinder passieren. Und allein für diese Frechheit, dass sie ungeplant passieren und sich wider alle Pläne entwickeln, gebührt ihnen voller Respekt und alle Unterstützung. Unabhängig davon, wer für sie juristisch zuständig ist.
Kinder sind – und werden es bleiben, so lange die (menschliche) Welt existiert – eine Gegebenheit. Und können dies und jenes werden (im Unterschied zu meinem Hund auch Kommunisten). Das ändert nichts daran, das „wir Altvorderen“ (ob selbst kinderlos oder kinderreich oder kindisch) für diese Gesellschaft verantwortlich sind, und nicht sie.
Es ist kein Verdienst, keine Auszeichnung „Kinder zu haben“, es ist so oder nicht so. Entscheidend ist die Frage, wie man mit Kindern umgeht.
Die hier herrschende Regierung will anscheinend (wieder einmal) Kinder zu Denunzianten ihrer Geschwister, Eltern und Großeltern machen und das katastrophale Schulsystem Richtung „Kriegstüchtigkeit“ ausbauen. Was diese Heinis nie verstehen werden: So „funktionieren“ Kinder nicht. Sicher, ein paar hunderttausend Kinder werden bei einem solchen Vorgehen (erneut) zu gravierendem Schaden kommen, nur die von diesen Menschenfeinden angestrebten Ziele werden nicht erreicht.
Es ehrt Sie – und ist mir sehr sympathisch – dass Sie Verwandten nichts einfach aufdrücken würden, Meine Erfahrung: So kommt es aber, schneller als man denkt.
„Wie wahrscheinlich ist es, diese Gesellschaft kurz- bis mittelfristig verändert zu bekommen? Sehr gering. Wie kann man es dann verantworten, …“
Die, die nicht in die Welt gesetzt werden, können nichts verändern. Wären alle in Ihrem hier gemeinten Sinne verantwortungsvoll, würden wir schlichtweg aussterben.
Gute Nacht.
Die Frage würde sich erübrigen, wenn sie nicht zugleich auch so bisschen wie eine Art Antwort wäre: Es ist Ihr erstes Kind?
Brüder,
ein wichtiger Text, schildert die Autorin doch das Wunder des Lebens! Kinder sind ein Geschenk Allahs, das wir täglich preisen und wertschätzen sollten. Vernehmt Sure 16:78 aus dem Heiligen Koran: „Und Allah hat euch aus euren Müttern geschaffen, ohne dass ihr etwas wusstet, und hat euch Gehör, Augenlicht und Herzen gegeben, damit ihr dankbar sein möget.“
Allgemein lehrt der Islam, dass Kinder eine Quelle des Segens, der Freude und des Trostes sind. Dabei ist es die Pflicht der Eltern, ihren Nachwuchs liebevoll zu erziehen, zu schützen und zu unterstützen, und die Kinder wiederum sollen ihre Eltern ehren und respektieren. Die Familie ist der Grundstein der Gesellschaft, in ihr werden die Werte des Zusammenlebens vermittelt und gelebt. So heißt es im Heiligen Koran auch in Sure 17:70: „Und Wir haben den Menschen Ehre verliehen. Doch der Mensch ist sehr undankbar.“ Dies unterstreicht, dass die Geburt eines Kindes ein Geschenk und eine Ehre ist, das wir als Gläubige dankbar annehmen sollten.
In Sure 4:36 wiederum steht: „Und diene Allah und setze ihm nichts zur Seite. Sei gut zu den Eltern und zu den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem Nachbarn, der ein Verwandter ist, und dem Nachbarn, der ein Fremder ist, und dem Freund zur Seite, dem Sohn des Weges und den Sklaven, die ihr besitzt. Allah liebt nicht den, der stolz und prahlerisch ist.“ Dies zeigt die Bedeutung von Familie und Kindern, da sie ein wichtiger Teil der Gesellschaft sind, den wir respektieren und unterstützen sollten.
Und der Prophet Mohammed (Frieden sei mit ihm) sagte: „Heiratet und vermehrt euch, denn ich werde stolz sein über eure große Zahl am Tag des Gerichts.“ Dieser Hadith betont die Bedeutung der Fortpflanzung, da Kinder ein Segen sind und uns im Jenseits belohnen können.
Daher möchte ich euch alle dazu aufrufen, Kinder zu bekommen und nicht kinderlos zu bleiben. Möge Allah uns allen helfen, dies zu erreichen und uns mit vielen gesunden und rechtschaffenen Kindern segnen. Habt auch keine Angst vor Armut oder Leid, denn Allah wird immer bei euch sein und euch in der Stunde der Not tragen. Lest Sure 6:151: „Und tötet eure Kinder nicht aus Furcht vor Armut. Wir versorgen sie und euch. Sie zu töten, ist eine gewaltige Sünde.“ Dieser Vers verbietet uns das Töten von Kindern aus Angst vor Armut und betont, dass Allah für die Versorgung der Kinder sorgt.
Friede sei mit euch!