Von VW über Butscha bis zur Systemopposition

meistgelesenen Artikel im September
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Unsere meistgelesenen Artikel im September.

Gewerkschaften kümmern sich um Renditen, das BSW sortiert sich neu, Friedrich Merz und Wladimir Putin sitzen plötzlich im selben Boot – zumindest publizistisch – und der Ukrainekrieg bleibt ohnehin Dauerthema. Die meistgelesenen Overton-Artikel des September führen von Wolfsburg über Magdeburg und Butscha bis nach New York. Innen- und Außenpolitik lassen sich dabei immer schwerer voneinander trennen.

IG Metall: Alles gut, neun Prozent bei VW
Neun Prozent – das klingt zunächst nach einer stattlichen Lohnerhöhung. Doch Suitbert Cechura zeigt, dass es bei Volkswagen um etwas ganz anderes geht: Die Umsatzrendite soll von zuletzt rund drei auf neun Prozent steigen. Bemerkenswert ist für ihn vor allem, dass die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat den Zukunftsplänen zugestimmt haben. Die Transformation der Autoindustrie wird damit auch zu einer Geschichte darüber, welche Rolle eine Gewerkschaft eigentlich noch spielen will.

»Das BSW ist jetzt konsequent als Systemopposition aufgestellt«
Nach den Turbulenzen in Thüringen will das BSW einen Neustart. Im Gespräch mit Roberto De Lapuente erklärt Sevim Dagdelen, warum ihre Partei künftig stärker als »Systemopposition« auftreten soll, weshalb sie die Brandmauer für einen Fehler hält und wie das BSW mit der AfD umgehen will. Es geht aber auch um soziale Fragen, die Zukunft der Partei und Dagdelens eigene Kandidatur in Berlin.

Selenskij: »Der russische Luftraum wird faktisch geschlossen«
Der Drohnenkrieg soll nach Russland getragen werden – und nach den Worten Wolodymyr Selenskijs Auswirkungen bis auf den zivilen Luftverkehr haben. Florian Rötzer analysiert die ukrainische Strategie und fragt, welche Folgen eine weitere Eskalation haben könnte. Dabei geht es auch um westliche Unterstützung, Milliardenhilfen und die Gefahr, dass die europäischen Unterstützer Kiews immer tiefer in die Dynamik dieses Krieges hineingezogen werden.

Butscha neu aufgerollt
Butscha wurde 2022 zu einem der zentralen Symbole des Ukrainekriegs. Sabiene Jahn beschäftigt sich mit einer neuen russischen Untersuchung, die Angaben über einen Teil der auf einer Gedenkwand aufgeführten Opfer infrage stellt. Dabei prüft sie einzelne Fälle auch anhand ukrainischer Quellen. Die dokumentierten Tötungen in Butscha stellt der Beitrag nicht insgesamt infrage; er fragt vielmehr, wie belastbar die öffentlich verwendeten Opferkategorien und Zahlen sind.

Magdeburg sehen … und schämen
Kaum eine Landtagswahl wurde zuvor derart zur Schicksalsentscheidung für ganz Deutschland erklärt wie jene in Sachsen-Anhalt. Roberto De Lapuente beschäftigt sich mit dieser Überhöhung und mit dem politischen und medialen Umgang mit einem kleinen Bundesland, dessen 1,7 Millionen Wahlberechtigte plötzlich stellvertretend über die Zukunft der Republik befinden sollten. Was als Regionalwahl begann, wurde zur Projektionsfläche bundespolitischer Ängste.

Der Verrat, den keiner so nennen will
Das BSW ist in Thüringen binnen kürzester Zeit zerfallen, während Minister ihre Ämter behielten und die Koalition mit CDU und SPD fortgesetzt wurde. Günther Burbach fragt, wem gegenüber hier eigentlich politische Loyalität geschuldet war: der Partei, den Abgeordneten oder den Wählern, die 2024 für einen Kurswechsel gestimmt hatten. Der Fall wird damit zu einer grundsätzlichen Frage über Mandat, Regierungsverantwortung und politische Versprechen.

Lawrow erinnert an Putins Warnung: »Der Krieg wird völlig anders und sehr kurz sein«
Wie weit kann die Eskalation mit Russland gehen, bevor aus Abschreckung ein direkter Krieg wird? Florian Rötzer greift Äußerungen des russischen Außenministers Sergej Lawrow auf, der an frühere Warnungen Wladimir Putins erinnert. Im Zentrum steht ein Widerspruch: Russland wird einerseits als militärisch angeschlagen beschrieben, andererseits zugleich als unmittelbare Gefahr für Europa. Und über allem steht weiterhin das russische Atomwaffenarsenal.

Ab jetzt sitzen Merz und Putin im gleichen Boot
Nachdem die Bundesregierung Russland für eine mit Sprengstoff ausgestattete Drohne am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich gemacht hatte, sieht Roberto De Lapuente Friedrich Merz in einer politischen Eskalationslogik gefangen. Sein Gedanke: Wer einen russischen Angriff konstatiert, muss irgendwann erklären, welche Konsequenzen daraus folgen sollen. So geraten Merz und Putin auf sehr unterschiedliche Weise unter einen Rechtfertigungsdruck, aus dem beide nur schwer wieder herauskommen.

Der Nichtdiplomat Wadephul
Ein Außenminister trifft seinen russischen Amtskollegen – eigentlich müsste das in angespannten Zeiten als diplomatisches Signal gelten. Michael Silnizki betrachtet das Treffen zwischen Johann Wadephul und Sergej Lawrow am Rande der UN-Generalversammlung allerdings äußerst kritisch. Für ihn steht die Begegnung exemplarisch für eine deutsche Außenpolitik, die zwar wieder das Gespräch sucht, aber weiterhin kaum bereit scheint, von ihren bekannten Positionen abzuweichen.

Siegmund: »Wir holen unser Land zurück, es beginnt hier in Sachsen-Anhalt«
Der Erfolg der AfD in Sachsen-Anhalt rückt auch ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund ins Zentrum. Der Beitrag untersucht dessen Auftreten, seine Botschaft vom Zurückholen des Landes und die Frage, welche politische Entwicklung mit dem Erstarken der AfD verbunden sein könnte. Dabei geht es nicht nur um Protest, sondern auch darum, was geschieht, wenn eine Partei, die lange vom Image der Außenseiterin lebte, zunehmend zur normalen politischen Machtoption wird.

Die September-Liste erzählt damit auch etwas über die Themen, die unsere Leser derzeit besonders umtreiben: Krieg und Frieden, politische Repräsentation, der Zustand der Parteien und die Frage, wie viel von dem, was als alternativlos präsentiert wird, tatsächlich alternativlos ist. Zehn Texte, zehn Zugänge – und reichlich Stoff für Widerspruch. Welcher Beitrag hat Sie im September am meisten beschäftigt?

Redaktion

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Die Redaktion unseres Magazins: Florian Rötzer und Roberto De Lapuente.
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Ein Kommentar

  1. Was sich an der Auswahl zeigt, ist doch wohl die Tendenz bei Overton, sich mit inflationär anwachsenden „fabrizierten Narrativen“ auseinander zu setzen und den sich daraus ergebenden Geschichten, die in den MSM nicht erzählt werden. Die Vorsichtigkeit, mit der das unternommen wird – und vom Publikum oftmals als „naiv“, über „unterkomplex“ und sogar bis „verlogen“ bewertet wird –, ist weniger ein Zeichen für nachlässige Arbeit, als eine Warnung hinsichtlich des politischen und rechtsstaatlichen Zustands, der überall zu spüren ist. Das Forum kann da oft unter, nennen wir es „technischen Herausforderungen“ einiges beisteuern, ergänzen, korrigieren und die Sache abrunden. Auch wenn einige das anders sehen, das ganze Bild kann sich nur unter Einbeziehung der Betrachtung des Irrsinns einer Vollständigkeit annähern.

    Mich hat der Artikel »Butcha neu aufgerollt« doch am meisten beschäftigt, auch wegen des Fadens, den @Qana aufgemacht hat. (An dieser Stelle ein großes nachgereichtes Dankeschön.) Auch wenn mir die Schlussfolgerung nicht neu war, habe ich mir anschließend noch einige Gedanken gemacht, was denn „The British“ genau ist und fand den Hinweis auf das „untote Britische Imperium“ (YT) in einem Kommentar bei einem anderen Artikel faszinierend.

    Einen anderen hervorragenden Kommentar fand ich den von @Gracchus Babeuf unter RdLs Artikel »Deutschland, du Depp“«, der noch einmal eine ganz andere Leinwand aufgezogen hat, die die Timeline aufzeigt, mit der an den Fundamenten der Gesellschaft (hier Bildung) gekratzt wird.

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