
… heute habe ich erfahren, dass du vor ein paar Wochen verstorben bist, und ich bin unendlich traurig über diese Wendung, auch wenn sie wenig überraschend war und uns der Krieg in deinem Heimatland schon seit Anbeginn entzweit hat.
Über Tote soll man nicht schlecht reden, aber du, mein lieber Freund, bist einen absehbar dummen Tod gestorben. Manche werden nun versuchen, deinen Tod zu heroisieren, aber das kann ich nicht zulassen. Ich kann daran absolut nichts Heroisches erkennen. Es soll ein warnendes Beispiel für andere sein. Wer das nicht erkennen kann, schickt wissentlich Menschen in den Tod oder gibt zumindest als Standpunkt zu erkennen, dass es ihm egal ist, wenn sich andere Menschen, womöglich gar ihre eigenen Freunde, freiwillig einer Situation aussetzen, in der ihr Gelingen nur darüber zu bewerkstelligen ist, dass sie andere Menschen töten. Im Krieg gibt es keine Sieger. Es gibt die Getöteten und Verletzten auf der einen Seite und die traumatisierten Überlebenden auf der anderen Seite. Soldatisches Töten traumatisiert den Soldaten, und dieses Trauma setzt sich dann im Freundeskreis und in der Familie weiter fort, mitunter über Generationen.
Serhiy oder Serhey
Und wofür das Ganze? Wie hast du dir den bestmöglichen Ausgang dieses Krieges, dessen Sieg unter deiner Mithilfe errungen werden sollte, vorgestellt? Gewonnen – und was dann? Als ob es einen so gewaltigen Alles-oder-Nichts-Unterschied machen kann, ob ein Mensch seinen Alltag unter den Bedingungen einer russischen oder einer ukrainischen Gesetzlichkeit zubringt; ob sein Gehalt, seine Besoldung, sein Honorar in Rubel oder in Hrywnja bezahlt wird; ob von dem Einsatz seiner Talente und seiner Arbeitskraft die russische oder die ukrainische (bzw. zunehmend die westliche) Oligarchie profitiert – die Gesetze des Marktes sind in ihrer abstraktesten Fassung hüben wie drüben dieselben –; ob man sich im Straßenverkehr an russische oder an ukrainische Verkehrsregeln halten muss; ob man als Bürger und empörter Untertan dem russischen oder dem ukrainischen Präsidenten Wahlfälschung und ein Klammern an der Macht vorwerfen darf; ob die Ländereien zuerst von russischen oder ukrainischen Bauern und Reitern besiedelt wurden – übrigens von beiden nicht, sondern von Skythen, Sarmaten, Alanen, Ioniern, Dorern, Goten, Hunnen, Awaren, Magyaren, Chasaren, Petschenegen, Kumanen, Polanen, Drewlanen, Chorwaten, Mongolen, Tataren, Wikingern (Waräger), Roma, Juden … und erst ganz, ganz, ganz am Ende auch von ein paar Russen und ein paar Ukrainern, als vorläufiges Endprodukt dieses Genpools. Read a book!
Nein, es kann den Leuten sogar und erst recht herzlich egal sein, welche Varietät des ostslawischen Dialektkontinuums sie sprechen (müssen?), ob die Kids in der Schule die Texte von Alexander Puschkin oder Taras Schewtschenko verweigern und ohnehin nur widerwillig lesen – warum nicht einfach beide, man versteht sich eh wechselseitig ohne besondere Anstrengung. In der Schweiz bekommt man es ja auch locker hin, den Aussprachefehler im Nachbartal zu dulden. Du hast dir von heute auf morgen eingeredet, dass es sehr wohl darauf ankommt, und hast mir von heute auf morgen die Kommunikation in unserer über Jahre etablierten Kommunikationssprache verweigert, hast so getan, als würdest du nicht mehr Sergej, sondern Serhiy oder Serhey oder so heißen, du hast deine Persönlichkeit ukrainisch neu erfunden, hast zudem so getan, als könntest du Russisch nicht mehr verstehen, hast dir lieber einen auf Deutsch abgewürgt, als zuzugestehen, dass die „Sprache des Aggressors“ überhaupt erst der geschichtliche Grund war, wie wir beide zueinander gekommen sind.
Fast wie Brüder
Du warst eingewandert und konntest kaum Deutsch, hast Mathematik studiert, weil du in Ermangelung von Sprachkenntnissen an jedem anderen Fach gescheitert wärst. Aktiv konntest du im Grunde nur Russisch reden – und später auch Ukrainisch, worauf du nach dem Maidan zunehmend Wert gelegt hattest, zunächst nur als Marotte, später mit zunehmender Verbissenheit. In der Mathematik warst du zwar ein sehr guter Denker, aber was nützen all die schönen Gedanken im eigenen Kopf, wenn du keinen einzigen davon lesbar zu Papier bringen kannst? Du hast gestrauchelt, warst zwar gewitzt, aber unverstanden. Ich habe dein Talent erkannt und habe mich deiner angenommen, habe es gefördert. Der erste Entwurf deiner Bachelor-Arbeit, den du mir stolz vorgelegt hattest, hätte ungelesen verbrannt werden können. Hätte ich ihn abgenickt, hätte ich dich sehenden Auges den Löwen zum Fraß vorgeworfen. Das konnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Also habe ich alles stehen und liegen lassen und dich für ein paar Monate bei mir einziehen lassen. Tagsüber haben wir Satz für Satz deine Bachelor-Arbeit diskutiert: „Junge, was willst du hier überhaupt sagen? … ich verstehe dich nicht … na gut, sag es mir auf Russisch … ah, wirklich kluger Einfall, ja das macht sehr viel Sinn, Moment, das drückt man auf Deutsch so aus … aber dieser Satz kann unmöglich eine direkt nachvollziehbare Schlussfolgerung aus diesem Satz hier sein, da fehlen vermutlich ein Dutzend Vermittlungsschritte … Vorschlag: ich schreibe diesen Part ins Reine und lese schon mal diesen Part, du überlegst dir bis morgen einen Beweis hierfür.“ Jeden Tag, acht bis zehn Stunden hockten wir in meinem zwölf Quadratmeter großen Zimmer über den Formeln.
Abends haben wir „It’s Always Sunny in Philadelphia“, „Legit“ und „Peep Show“ geschaut und nachts die Matratze geteilt. Ich habe dich in mein soziales Umfeld eingeführt und integriert und alle waren entzückt von dir. Wegen deines sympathisch verzausten Haares nannten sie dich „den Wikinger“, wenn sie über dich sprachen. Wegen unserer damals ähnlichen Physiognomie dachten die Mädels auf den Partys, wir seien Brüder, und wir haben diese Illusion ein Stück weit mitgemacht. In gewisser Weise habe ich dich als meinen knapp jüngeren Bruder empfunden.
Der Aufwand hat sich gelohnt. Du hast die Bachelor-Arbeit mit Bestnoten absolviert. Dass ich dir dabei geholfen habe, kann deinen Beitrag in keiner Weise schmälern. Die besten Ideen waren alle von dir, dafür verbürge ich mich. Ich habe mich bewusst zurückgehalten, um dir den Stolz auf die eigenen intellektuellen Leistungen nicht zu nehmen. Ich wollte dich wachsen sehen und du hast gefruchtet. Stattdessen habe ich meinen Beitrag allein darauf beschränkt, dir deine gedanklichen Ergüsse in mäeutischer Art durch penetrante Infragestellung noch des kleinsten Details zu entlocken, sie dann in eine sinnhafte sprachliche Form zu gießen und dir beizubringen, wie man selbst trockene mathematische Inhalte in einer ansprechenden Art aufbereitet.
Ein Überzeugungsversuch
Das Ganze war so erfolgreich, dass wir es für deine Master-Arbeit wiederholt hatten. Wieder Bestnoten. Du hast wieder zwei Monate bei mir gelebt. Vermutlich wären wir auch für deine Promotion so verfahren, aber du hast leider nicht verstehen wollen, dass dein zunehmender Nationalstolz mich angewidert hat. Das war der Grund, weshalb ich mich nie meldete, und wenn es in den letzten Jahren doch zu einer Kommunikation kam, ich entweder nur einsilbig reagierte, um es hinter mich zu bringen, oder mit einer Textlawine, um dich von der furchtbar blöden Idee abzuhalten, bewaffnet in den Krieg zu ziehen oder dich vom Geheimdienst anwerben zu lassen. Ich schrieb dir auf WhatsApp vergebens:
Ich halte deinen Plan, in den Krieg zu ziehen, für eine schlechte Idee. Wen willst du verteidigen? Die Leute? Es kann ihnen egal sein, ob sie von russischem, ukrainischem, europäischem oder amerikanischem Kapital ausgebeutet werden. Das Territorium und die Rohstoffe? Was kümmert dich das? Die Grenzen waren auch vorher schon willkürlich. Dann werden sie halt verschoben, na und? Von den Rohstoffen hast du eh nichts. Sie gehören irgendeinem Oligarchen, der nicht du bist.
Die Regierung? Was hast du mit ihr zu schaffen? Die Korruption des ganzen Apparats ist geradezu sprichwörtlich. Du bist ihr absolut nichts schuldig. Die Kultur? Bis auf ihren jeweils spezifischen Nationalismus unterscheidet sie sich von keiner anderen auf der Welt. Der Fortschritt in den Produktionsmitteln verändert sie eh super schnell und gleicht sie global aneinander an. Deswegen ist es mir auch egal, ob Burjaten ein eigenes Land [haben] oder in der russischen [Nation] aufgehen. Die Idee von „reinen“ Völkern ist eine nationalistische Ideologie. Die Freiheit? Es ist sowieso ein sehr abstrakter Begriff. Am Ende reduziert sich alles auf die Gesetze, die es hier wie da gibt. Und viel tun sie sich nicht. Nicht so viel jedenfalls, als dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen. Die Ukraine war seit dem Zerfall der Sowjetunion noch nie weniger autoritär als unter der jetzigen Regierung? Du setzt nur unnötig dein Leben aufs Spiel. […] Außerdem weißt du nicht, mit was für dunklen Kräften du dich einlässt. Da, wo du dich beworben hast, aus diesen Zirkeln wirst du keinen einfachen Ausstieg finden, wenn du es später bereuen solltest. Du wirst mit Informationen beladen und dann weißt du zu viel. Und ich glaube, du wirst dort mit so viel menschlichem Abschaum konfrontiert, der auch über Leichen geht, dass es dich schnell anekeln wird. Du bist zu zart dafür. Das ist ein Milieu, in dem man sich gegen andere durchsetzen muss. Oder aber du wirst lernen, das Spiel mitzuspielen, selbst verrohen und selbst zu solch einer Figur werden. Irgendwann wirst du dann selbst dafür verantwortlich sein, dass du Mittel zur Verfügung stellst, mit der andere Menschen für fremde Interessen, die nicht deine sind, umgebracht werden. Es […] wird später dein Gewissen belasten. Hilf lieber den Flüchtlingen hier, wenn du in der Angelegenheit aktiv helfen willst. […] Ich hätte nach dem Studium auch zum Frauenhofer Institut gehen können. Ich hatte dort Kontakte zu Freunden, die dort in der Entwicklung von Dual-Use-Produkten (zivil und militärisch) involviert sind/waren. Damit wollte ich nichts zu tun haben. […] Und du solltest dir auch wirklich mal überlegen, ob du das echt tun willst. Ich helfe dir lieber, hier einen Job zu finden. […] Keine Sorge, das wird mein einziger Versuch sein, dich zu überzeugen. […] Aber ich kann auch nicht gut schlafen, ohne wenigsten ein Mal versucht zu haben, es dir auszureden. Dafür bist du mir dann doch zu wichtig.“
Gehofft, dass der Krieg eher endet
Doch du nanntest das „Menschen helfen wollen“. Ich nannte das eine Dummheit. Leid zu verlängern, fremdes und eigenes, ist keine Hilfe, kann keine Hilfe sein. War der blöde Gandhi nicht mal aller Menschen und insbesondere dein Vorbild? Wo ist das hin? Und du hast doch schon viel geholfen. Dein Beitrag für die Menschen war doch nicht Nichts. Du warst nach meiner Übersicht sehr aktiv in der Wuppertaler Unterstützung von Geflüchteten. Das war doch ein wertvoller sozialgesellschaftlicher Beitrag. Wieso hat dir das nicht gereicht?
Schon von der ersten Stunde des Krieges an hast du davon geredet, du müsstest hin, die Heimat verteidigen. Zum Glück haben dich deine Lebensumstände daran gehindert. Du hattest erst einmal deine Promotion zu schreiben. Nur diesmal habe ich dir bewusst nicht dabei geholfen. A) Du wolltest nicht mehr Russisch mit mir reden. Dabei habe ich es durch dich überhaupt erst wieder gelernt. B) Je mehr ich dir helfe, umso schneller kommst du zur Promotion, umso schneller schreibst du dich ins ukrainische Militär ein. Ich habe auf die Zeit gesetzt und gehofft, dass der Krieg eher endet. Du aber wolltest die Mathematik, die uns einst so verbunden hat, zum Nutzen und Wohle einer Militärmaschinerie anwenden. Und ich hatte dir dabei geholfen, dich überhaupt so weit entwickeln zu können. Ich hatte ein Monster geschaffen, das weit über mich hinauswuchs. Das hat mich so sehr angewidert, dass ich, Perelman und Grothendieck folgend, mich zunehmend von zeitgenössischer Mathematik zurückgezogen und nur noch auf die Mathematikgeschichte verlegt hatte. Ich bin schließlich in die Juristerei gegangen. Mein fehlender Einsatz hat nicht verhindern können, dass du die Promotion auch ohne mich geschafft hattest, sogar „cum laude“, was umso mehr die vollständige Eigenständigkeit deines fachlichen Denkens unterstreicht. Es heißt, du habest einen Algorithmus erfunden, der den Aufwand zur parallelen Berechnung von bestimmten, häufig verwendeten Differentialrechnungen auf Supercomputern enorm reduziert. Positiv betrachtet könnte man sagen, dein Beitrag zur Welt war, Strom zu sparen. Daumen hoch! Ein dystopische Auslegung könnte hingegen sein, dass du es Big Tech noch günstiger gemacht hast, uns zu überwachen. Ich kann deine Arbeit und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen leider nicht beurteilen. Offenbar war die Abwesenheit meiner Hilfe Ansporn genug, in der Zwischenzeit deinen Mangel an Sprachkenntnissen zu beseitigen.
Nie mehr Menschen helfen können
Als wir uns im Frühjahr 2025 nach Jahren zufällig über den Weg gelaufen sind, fand ich es irritierend – aber gleichzeitig auch großartig –, dass du mich auf Deutsch zugetextet hast. Und du hast dich bei dieser zufälligen Begegnung spontan von mir überreden lassen, mit zur Party zu kommen. Es war ein netter Abend, das Kriegsende zeichnete sich ab, und ich war zuversichtlich, man würde bald wieder zueinander finden. Leider hast du nur davon erzählt, wie du dich beim ukrainischen Geheimdienst und in der dortigen Waffentechnologie beworben hättest. Dies war das letzte Mal, dass wir uns gesehen hatten. Aus der Ferne hatte ich noch versucht, dich auf einen anderen Pfad zu lenken. Habe dir mit der Bewerbung geholfen, Stellen für dich recherchiert, einen Karriereplan für dich gezeichnet. Wir haben dich zum Beispiel auf Führungspositionen beim DAAD in Kiew beworben. Meinetwegen, dachte ich, hilf der Ukraine, aber zivil, beim Wiederaufbau, doch halte dich fern vom Krieg. Und du hast eingewilligt. Aber in deinem Hinterkopf musst du einen ganz anderen Plan gehabt haben. Ja richtig, du wolltest Menschen helfen. Und nun wirst du es nie wieder mehr machen können
Was hast du denn auch anderes erwartet? Es hat doch gar nicht anders kommen können. Mögest du ein mahnendes Beispiel für andere werden. RIP. Ich werde dich sehr, sehr schmerzlich vermissen.
Folgend die Übersetzung der vorangegangenen Zeilen ins Ukrainische:
Я вважаю твій план іти на війну поганою ідеєю. Кого ти хочеш захищати? Людей? Їм може бути байдуже, чи їх експлуатує російський, український, європейський чи американський капітал. Територію і ресурси? Що тобі до цього? Кордони і до того були довільними. То що, якщо їх пересунуть? Тобі все одно нічого не дістанеться з ресурсів. Вони належать якомусь олігарху, яким ти не є.Уряд? Що ти з ним маєш? Корупція всього апарату просто стала крилатим виразом. Ти йому абсолютно нічого не винен. Культуру? Крім її специфічного націоналізму, вона нічим не відрізняється від будь-якої іншої у світі. Прогрес у засобах виробництва все одно дуже швидко її змінює і глобально зрівнює. Тому мені байдуже, чи мають буряти власну країну, чи вони зливаються з російською нацією. Ідея „чистих“ народів – це націоналістична ідеологія. Свободу? Це все одно дуже абстрактне поняття. Зрештою, все зводиться до законів, які є і тут, і там. І вони не дуже відрізняються. Принаймні не настільки, щоб за це варто було боротися. Україна з часів розпаду Радянського Союзу ще ніколи не була менш авторитарною, ніж за нинішнього уряду? Ти просто даремно ризикуєш своїм життям. […] Крім того, ти не знаєш, з якими темними силами маєш справу. З цих кіл, куди ти подав заявку, ти не зможеш просто так вийти, якщо потім пошкодуєш. Тебе завантажать інформацією, і тоді ти будеш знати занадто багато. І я думаю, що ти зіткнешся там з такою людською гидотою, яка також іде по трупах, що тобі швидко стане огидно. Ти занадто ніжний для цього. Це середовище, в якому потрібно утверджуватися над іншими. Або ж ти навчишся грати в цю гру, сам озвірієш і сам станеш такою фігурою. Зрештою, ти сам будеш відповідальним за те, що надаватимеш засоби, за допомогою яких інших людей будуть вбивати заради чужих інтересів, які не є твоїми. Це […] потім обтяжить твою совість. Краще допомагай біженцям тут, якщо хочеш активно допомагати в цій справі. […] Я теж міг би після навчання піти в Інститут Фраунгофера. У мене там були контакти з друзями, які займаються/займалися розробкою продуктів подвійного призначення (цивільних і військових). Я не хотів мати з цим нічого спільного. […] І ти повинен справді подумати, чи хочеш ти цього. Я краще допоможу тобі знайти тут роботу. […] Не хвилюйся, це буде моя єдина спроба тебе переконати. […] Але я також не зможу добре спати, не спробувавши хоч раз тебе відмовити. Для цього ти для мене занадто важливий“.
Meinem Gefühl nach würden die Meisten wehrfähigen Ukrainer lieber das Weite suchen, so sie denn könnten.
Das alles ist das Resultat von westlicher Propaganda und Missionierung für „Freiheit und Demokratie“ und gegen „russischer Diktatur“. Finanziert mit sehr, sehr viel Geld – staatliche Mittel aus USA und EU, dazu die vielen privaten Förderungen von NGOs, wie etwa von Soros. Die Macht des (großen) Geldes ist nicht zu unterschätzen. Der Einsatz von Geld und Propaganda ist das bevorzugte Kampf-Mittel des Westens. Danach folgt das Militär. Geheimdienste mischen von Anfang an mit.
Danke!
Mehr Worte braucht es nicht.
Verdammt ja, eingehender Text!
Wie lange wird’s dauern, bis der Einwand erfolgt „Ja, aber Putin!“ ?
ja leider wird die Antikriegspropaganda
nicht vom Kapital gesponsert,im Gegensatz zur Kriegspropaganda.
Ein gelungener Essay über den Sinn oder Unsinn des Krieges.
Ja wirklich gut. Das beste zum Thema kam aber von Remarque meiner bescheidenen Meinung nach.
„Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hingehen müssen.“ — Erich Maria Remarque
Es sollen immer Andere für die Eigeninteressen und Gier bluten und sterben. Sieht man ja an den Schreihälsen auf beiden Seiten. Keiner von denen meldet sich freiwillig, obwohl dienunrainische Armee wirklich jeden nimmt und die russische jeden Gesunden.
Die Worte des Autoren haben leider das Herz und den Verstand des Freundes nicht erreicht. Und auch dieser Text, den ich großartig finde, wird fast nur von Menschen gelesen werden, für die es evidenter Schwachsinn ist, für ein Vaterland zu kämpfen und zu sterben. Hier auf Overton viele, die das auf die Ukraine beschränken.
Angeblich soll mitlerweile eine Mehrheit der Deutschen nicht bereit sein, für das Land zu kämpfen. Wenn es stimmt, wäre es eine gute Entwicklung, auch wenn ich dem nicht traue. Die Hoffnung, dass Verstand und Anstand menschliches Handeln weltweit bestimmen, will sich einfach nicht erfüllen.
1211: „… es evidenter Schwachsinn ist, für ein Vaterland zu kämpfen und zu sterben“
So generell kann man das nicht sagen. Viele Länder im globalen Süden haben keine andere Möglichkeit um sich aus der Abhängigkeit vom reichen Westen zu befreien, als im Kollektiv mit dem Staat zu handeln. Die reichen wünschen sich ja die Vereinzelung (die individuelle Freiheit), denn so lassen die Menschen besser ausbeuten.
Vielen Dank. In etwa so wollte ich 1211 widersprechen, Du warst schneller. Meine Frage wäre eher aus der russischen Perspektive formuliert gewesen. Will man als Bürger der RF vom Westen ausgeraubt und unterjocht werden, oder will man lieber die sicher vorhandenen Verbesserungsmöglichkeiten als Teil einer souveränen Nation angehen?
Das trifft natürlich auf jedes andere Opfer westlicher Gier sinngemäß gleich, im Detail aber stark verschieden zu.
Wessen Souveränität? Das weiß „der Russe“, wie „der Deutsche“ oder sonstwer, am Schönsten ist’s vom eignen Adel ausgeplündert zu werden. Dessen Souveränität ist damit nämlich gemeint. Natürlich geht das auch in Kollaboration, was ohnehin das weiter verbreitete Modell ist. Was allerdings nicht so ganz geläufig ist. Gibt ja genug Wasserträger die auf dieser Erkenntnis lieber den Deckel halten.
Ich verstehe Deinen Einwand schon, aber die 1990er sind noch nicht so lange her, und die meisten erwachsenen Russländer können sich da entweder aus eigenem Erleben oder aus Erzählung etwas älterer Verwandter ganz gut daran erinnern.
Die Schlußfolgerung, daß die Ausbeutung durch den Wertewesten eine ganz andere Qualität hatte liegt dann nahe.
Den Russen ist doch in den 1990-er Jahren nicht „vom Westen“ das Fell über die Ohren gezogen worden, sondern von ihren eigenen Leuten!
Es handelte sich 1. um eine „ursprüngliche Akkumulation des Kapitals“ auf russische Art und das wurde später sogar _in dieser Formulierung_ beispielsweise von Irina Hakamada aus der unternehmerfreundlichen Nemzow-Partei zugegeben. Im „staatlichen“ Fernsehen. (Im übrigen post-sowjetischen Raum lief’s natürlich genauso.)
2. wurde die russische Wirtschaft in dieser Zeit „fit für den Weltmarkt“ gemacht, also voll in ihn integriert. Das bedeutete, dass sämtliche Betriebe, für die innerhalb dieses Weltmarkts aus verschiedensten Gründen (Produktivität, Lohnniveau, Marktsättigung etc.) kein Bedarf bestand – und das betraf große Teile der produzierenen Industrie – sterben mussten. (Kennen wir ja irgendwie auch aus Ostdeutschland). Mit entsprechenden Folgen für die Belegschaft.
3. ging’s auch aus politischen Gründen darum, Teile der Industrie zu vernichten. Das hat beispielsweise der „Chef-Reformer“ Tschubais erstaunlicherweise vor Kameras zugegeben. In Russland ist nämlich, anders als in der DDR, der Kapitalismus nicht auf Volkes Wille hin eingeführt worden, sondern die Leute wurden „von oben“ überrumpelt. Also bestand in den 1990-er Jahren die Gefahr, dass das Blatt gewendet werden könnte (bspw. als die Kommunisten die gefälschte Präsidentschaftswahl eigentlich gewonnen hatten).
Also ging’s für die Reformer u.a. darum, für den Fall der Fälle die Möglichkeit der Rückkehr zu einer autonomen, irgendwie staatssozialistischen Ökonomie zu erschweren. Man glaubt’s kaum, aber auch solche Gedanken beschäftigten die Hirne der „Reformer“ und man kann daran ablesen, dass der Weltmarkt bzw. „die Globalisierung“ auch einen zutiefst politischen Charakter besitzt.
Putins Aufgabe bestand ab Beginn der 2000-er Jahre einfach darin, den neuen russischen Kapitalismus zu konsolidieren, d.h. den Staat wieder funktionsfähig zu machen. Und er profitierte dabei von hohen Öl- und Gaspreisen.
„In Russland ist nämlich, anders als in der DDR, der Kapitalismus nicht auf Volkes Wille hin eingeführt worden, sondern die Leute wurden „von oben“ überrumpelt.“
Dann sind Sie vermutlich kein Ostler, denn dann wüssten Sie, dass auch die DDR-Leute „überrumpelt“ wurden.
Im Übrigen fehlt in Ihrer breiten Betrachtung die Rolle des übermächtigen westlichen Kapitals in diesem Prozess des Heranführens an den Weltmarkt, der wurde nämlich von eben diesem Kapital beherrscht.
Frage:
Vor der Aufteilung in West und Dritte Welt, lebten demzufolge alle Völker/Ethnien/Stämme etc. in immerwährendem Friede, Freude, Eierkuchen und wären zuvor niemals auf die Idee gekommen, für’s „Vaterland“(Habitat) in den Krieg zum eigenen Vorteil/oder Schutz zu ziehen?
Dann brachte der „Wessi“ also nicht nur „Glasperlen, Feuerwasser und Grippe“ mit, sondern führte weltweit erst die Grundidee und -befähigung zu kriegerischen Auseinandersetzungen in Kulturen ein, denen Gewalt und Vorteilnahme gegenüber Schwächeren absolut fremd waren und sind?!
Die Aussage von @1211 war m.E. allgemeingültiger Natur, die man sich nicht je nach aktuellem Geschehen oder Argumentationswilligkeit zurecht biegen, sondern in ihrer Komplexität betrachten sollte.
Kann aber irren 😬
Es ist schon ein Unterschied, für eigene Interessen in und mit einer Gesellschaft zu kämpfen, die in einer modernen Welt notwendigerweise auf ein Staatsgebiet beschränkt ist, oder für ein abstraktes Konzept namens „Vaterland“, das beliebig ausgelegt werden kann und de facto die Interessen der Eliten und nicht der „einfachen“ Bevölkerung bedient.
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@Bernd Neves + @Ach so
Ja ich weiß die Ausdrücke „Vaterland“ wie auch Nation, Volk, Staat, Familie usw. sind bei vielen Linken und Liberalen suspekt. Vermutlich weil sich Faschisten und Konservative dieser Begriffe bedienten. Übersehen wird dabei, dass es sich um Begriffe handelt, die das Kollektive des Mensch-Sein ausdrücken. Der einzelne Mensch ist nicht viel, erst das Kollektiv wird zu einer wirklich gestaltenden Macht. Was den westlich geprägten Liberalen ebenfalls suspekt ist. Anarchisten etwa sind eigentlich nur enttäuschte Liberale.
Aber es war das Kollektiv, das Zivilisationen und gesellschaftlichen wie auch technischen Fortschritt brachte. Und natürlich bedienen sich auch die Herrschenden dieses Macht-Faktor des Kollektivs. Wenn ich mit einem Küchenmesser jemand umbringe, dann ist nicht das Messer schuld. Das Messer ist nur das Werkzeug, so wie das Kollektiv (oder Vaterland) das Werkzeug der Herrschenden ist.
Die subsummierende Gleichsetzung der Begriffe „Vaterland“, „Nation“, „Volk“, „Staat“, „Familie“ (hier fehlt übrigens der wichtige Begriff „Gesellschaft“) als „Kollektiv“ ist irreführend.
Der Titel eines vom französischen Anthropologen Pierre Clastres verfasstes Buch lautet ins Deutsche übersetzt „Gesellschaften gegen den Staat“ und beschäftigt sich mit der Frage, warum indigene Völker Südamerikas weit verbreitet keine Staaten herausgebildet haben. Überraschende Antwort: weil sie nicht wollten! Zum gleichen Ergebnis kommen James C. Scott („Die Mühlen der Zivilisation“) im vorderen Orient, der Wiege unser Zivilisation, Graeber/Wengrow („Anfänge. Eine neue Geschichte der Menschheit“) und Andere. Auch interessant ist in dieser Hinsicht das erste Kapitel aus „Hybris und Nemesis“ von Rainer Mausfeld.
Das Konzept des Staates ist insgesamt demnach von Elitenherrschaft nicht zu trennen. „Staat“ ist das Ergebnis missglückter Machtbegrenzung durch Gesellschaften. „Staat“ ist der hierarchische Apparat, der sich über die Gesellschaft, das Volk, die Familien legt, mit einer Elite an der Spitze.
Und „Vaterland“ ist eins der Zauberworte, mit denen die Herrschenden die Mitglieder von vom Staat abhängiger Gesellschaften für ihre Zwecke einfangen, indem Sie die staatliche Machtstruktur und die ihr unterworfene Gesellschaft mit „Volk“ gleichsetzen und unverfroren als natürliches Kollektiv ausgeben.
Kurz gesagt: wer „Vaterland“ sagt, will betrügen.
Ah, noch jemand, der vom Anarchismus eine vage und unzutreffende Vorstellung hat, und mutmaßlich auch vom Liberalismus.
Vor allem hat Anarchismus sehr viel mit der Organisation von Kollektiven zu tun, schon immer. Aber anders, als man sich das im Liberalismus vorstellt.
„warum indigene Völker Südamerikas weit verbreitet keine Staaten herausgebildet haben. Überraschende Antwort: weil sie nicht wollten!“
Das ist witzig! Da es ja bedeutet: Weil sie keine Staaten bildeten, deswegen mussten sie sich in der Wildnis verstecken. Sonst wären sie ja von den angrenzenden Andenstaaten beherrscht worden. Denn der Macht der Staaten hatten sie nichts entgegenzusetzen, sie mussten sich dem entziehen durch ein Leben im Dschungel. Ein Nischen-Dasein, das heute nur noch künstlich durch Reservate erhalten wird – und natürlich von Romantikern und Idealisten wie Anarchisten angestrebt wird.
Im Übrigen wäre die kulturelle menschliche Entwicklung hin zu Zivilisationen ohne Staaten kaum möglich gewesen. Staaten und Eliten waren die Voraussetzung zur Bildung von Zivilisationen. Die Menschen mussten dazu bewegt werden mehr zu produzieren als für die eigene Existenz notwendig war. Der Mehr-Ertrag diente der Elite zum Machterhalt und zur Entwicklung der Produktivkräfte, aber auch für Kunst, Kultur und Wissenschaft.
Tja, Ausbeutung ist für Ausbeuter schon ’ne geile Sache. Für die Ausgebeuteten nicht, egal welche höheren Ziele damit angeblich verfolgt werden. „He Leute, wir unterwerfen euch und nehmen euch alles weg, wegen dem Fortschritt, wisst ihr, aber dafür haben wir ja ‚Zivilisation‘ und in ein paar Tausend Jahren Wissenschaft!“, muss ich mir die Wiege der Zivilisation etwa so vorstellen?
Aber in Wirklichkeit haben Sie ja den Grund genannt: Machtgier. Scheint für Sie ja in Ordnung zu sein.
Im übrigen muss man sich in einem so riesigen Gebiet wie z.B. dem Amazonasbecken nicht verstecken, ob man da überhaupt von der Existenz des Andenreichs überhaupt wusste, sei dahingestellt.
An den Forschungsergebnissen zur Eingrenzung von Macht bei „archaischen“, angeblich „primitiven“ Völkern ist jedenfalls nicht zu rütteln, dagegen wirkt auch Ihre Polemik, Ihr negatives Menschenbild und Ihr Zynismus reichlich hilflos.
Wenn man nur von seinen Wunschvorstellungen ausgeht, dann wird das nichts, dann bleibt am Ende nur Enttäuschung und blinder Aktionismus. Man sollte schon wissen wie sich Zivilisationen entwickeln haben – bis hin zum heutigen Stand des Kapitalismus. Auf dieser Grundlage kann man dann versuchen die Zukunft zu gestalten. In China macht das die KP, die dem Volk verpflichtet ist. Bei uns in der kapitalistischen Demokratie macht das die politische Elite, die dem Kapital verpflichtet ist.
Wenn man die Vergangenheit nicht kennt, wird man kaum die Zukunft positiv gestalten können. Zurück zu vorindustriellen Verhältnisse wie bei den Urwald-Völkern am Amazonas halte ich für eine Illusion.
+++!
Der „Nachruf“ ist tatsächlich überaus gelungen, doch wird dieser, wie Sie folgerichtig anmerken, von den Wenigsten in seiner Komplexität, und weit über dieses eine (spezielle) Thema hinaus, verstanden werden.
„Die Hoffnung, dass Verstand und Anstand menschliches Handeln weltweit bestimmen, will sich einfach nicht erfüllen.“
Das liegt vermutlich daran, dass für dieses evolutionäre Experiment (alt. Laborunfall) die dazu notwendige genetische bzw. kognitive Disposition sträflich außer Acht gelassen wurde. 🤷🏼♂️
Die geistigen Fähigkeiten hätte der Mensch schon, aber die Auswahlprozesse bringen gerade die Gierschlunde nach oben, weil diese alle Handlungsoptionen haben wogegen Menschen guten moralischen Charakters nur einen Teil der Handlungsmöglichkeiten haben und so im Wettbewerb folglich im Nachteil sind gegenüber denen, sie keine Einschränkung haben. Tja keine Ahnung wie man dieses Problem löst.
Ein Mann mit Bildungszugang bewirbt sich, um den Menschen in der Ukraine zu helfen, sich beim Geheimdienst und der Waffentechnologie ???!!! – Bei allem Mitgefühl für den Tod eines Freundes und bei allem Zorn über jedes junge Menschenleben, das, anstatt dem Leben zu frönen, für irgendeinen Dreckskrieg vergeudet und vernichtet wird: Da schwindet bei mir der Glaube an die menschliche Vernunft (hätte ich ihn je gehabt).
lustig, dass „wir“ immer noch klassenrassistisch denken: die gebildeten sind hilfreich und gut, die ungebildeten sind quasi tierisch, blutrünstig und triebgesteuert…
unsere Geschichten lernen: gerade Akademiker sind an vorderster Front wenn es um Unheil geht…
33 waren die Unis die ersten die sich freudestrahlend ‚Juden-frei“ bezeichneten, 90 anwktierten Akademiker Wessis gerne die Ossu- Jobs… und die Atombombe? bei den Abwürfen waren Akademiker vor während und danach ganz aus dem Häuschen -a la Mengele- die Wirkungen wissenschaftlich zu eroieren.
Zertifiziertes Bilden hat erschreckend oft nur was mit Macht-Konditionierung zu tun.
> lustig, dass „wir“ immer noch klassenrassistisch denken: die gebildeten sind hilfreich und gut, die ungebildeten sind quasi tierisch, blutrünstig und triebgesteuert…
Ich glaube das war nicht die Aussage oder Absicht des Vorposters. Leute ohne Bildungszugang haben es aber ggf. viel schwerer, nicht erfolgreich angelogen zu werden, sofern die Lüge nicht in irgendeiner offensichtlichen Weise mit der erlebten Wirklichkeit kollidiert. Daß Akademiker trotz vorhandener Möglichkeiten zu Bildung und Informiertsein völlig im Rudel aufgehen können stimmt allerdings. Das jüngste Beispiel begann aber 2020, man muss gar nicht bis 1933 zurückgehen, auch wenn das natürlich ebenso taugt.
Danke, arth, für die Richtigstellung. Deswegen sprach ich nicht von „Bildung“, sondern „Bildungszugang“.
Es sollte eher eine Infragestellung der aufklärerischen Hoffnung sein, der Mensch bräuchte sich nur seiner Vernunft bedienen, dann würde er frei und wirklich Mensch sein. Auch mir ist bewusst, dass Verführer wie Verführte Bildung haben können und konnten, wobei Bildung für mich auch nicht eine Frage des Schulabschlusses oder der akademischen Ausbildung ist.
Also ich habe oft den Eindruck, daß die ach so gebildeten oft verbildet sind und Bretter vor dem Kopf haben. Gefangen in den vielen erlernten Dogmen aus Schule und Universität. Nur wenige kommen da zu einer Selbstständigkeit im Denken. Sapere aude ist meistens nur frommer Spruch ohne Wirkung.
Bildung und Intelligenz sind sozusagen orthogonal.
Leider steht der Bildungsdünkel der Einsichtsfähigkeit oft im Wege.
Das war auch bei Corona im Frühjahr 2020 schon so.
Die Intellektuellen waren immer mit die Schlimmsten.
Es ist eben nicht nur eine Frage der Bildung, sondern, die des Weltbildes und der wirklichen Intelligenz, respektive der Konditionierung derselben.
Für uns 68er Autonome, war damals jeder, der zu den Bullen oder zum Militär ging einfach raus.
Und eben auch noch so ein paar andere…lächel
Ich, für meinen Teil, halte mich heute noch an diesen Kodex.
Verstand und der Wille ihn zu gebrauchen, ist keine Garantie dafür nicht irrational und wahnsinnig zu werden. Also wie hier den Beschluss zu fassen, für „seine“ Nation in den Krieg zu ziehen und zu sterben.
Eine niederschmetternde Erfahrung für den Autor. Schon darüber zu lesen tut weh.
Krieg darf nie Mittel der Politik werden, egal, was sie uns erzählen. Er tötet selbst dann, wenn keine Toten im wörtlichen Sinne zu beklagen sind. Und er tötet immer und vor allem – die Zukunft.
Frommer Wunsch entgegen der Realität.
Für die germanisch-angelsächsisch-normannischen Eliten(*) war Politik nie etwas Anderes als die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln (in Umkehrung zu Clausewitz). Kriege sind kostspielig, weshalb man erforderlichenfalls auf das Mittel der Politik ausweichen muss, bis man militärisch wieder bei Kräften ist. Der Weg, also der Kampf, ist das Ziel. „Ziele“ werden nur formuliert, um den Kampf zu rechtfertigen.
Francis Fukuyama hat das treffend reflektiert, als er das Nachlassen des „Thymos“ in den USA aufgrund des Endes des Kalten Krieges beklagte.
(*) heute das „Establishment“ in Europa und den USA. Auch Russland und die Ukraine führen ihre Ursprünge auf die Kiewer Rus, also warägische Herrscher, zurück.
++++ Wirklich tragisch und ein mahnendes Beispiel vielleicht lieber zwei Mal zu hinterfragen ob man wirklich gerade das „richtige“ tut.
So etwas ähnliches wird auch im Film „good will hunting“ am Ende thematisiert als Will Hunting ein „tolles“ Angebot vom MIK erhält, er aber diesen Arschgeigen lieber die Leviten liest.
Das tödliche Gift des Nationalismus.
In Deutschland wird es such schon fleißig in die Hirne gekippt. Hier trägt es den euphemistischen Namen „westliche Wertegemeinschaft“.
Das ganze könnte man jetzt noch steigern,indem man die Krüppel des Krieges zu Wort kommen lässt.
Manner ohne Beine,Arme,ausgeschossenen Augen,querschnittsgelähmt usw.
George Grosz lässt grüßen.
Danke! Möchte an „Krieg dem Kriege“ von Ernst Friedrich erinnern.
Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür. Faustregel: SAG NEIN!
Oder nen Film. Im Westen nichts Neues.
Mein Vater kam nach dem Krieg doch wieder nach Hause, deshalb existiere ich. Sein Auftrag an meine Mutter war, mir zu sagen daß, wenn es wieder soweit ist und mir einer den Befehl gibt zu schießen, ich mich um 180 drehen solle ehe ich abdrücke. Leider ist er an den Kriegsfolgen gestorben als ich 4 war.
Leider hat Darwin unrecht. Die Menschen, die sich begeistert um einen Platz im Schützengraben reissen, sterben nicht aus.
Da hast du recht! In Russland melden sich jeden Monat 30000 Freiwillige um in der Ukraine morden zu dürfen!
Fick dich! Und schieb dir deine Propaganda Scheisse dahin wo die Sonne nicht scheint du Arschloch.
Was ist denn daran Propaga?
Sowohl putin als auch Peskov haben bestätigt, dass sich jeden Monat 30000 Freiwillige zum Einsatz in der SMO als Soldaten melden! Und das Soldaten Mörder sind hat schon Tucholsky festgestellt!
@Tommy
+++
Ja. Andererseits ist die NATO der Angreifer, der in der Ukraine eine Bande von Faschisten gegen Russland aufgebaut hat. Gegen diese zu kämpfen kann ich daher noch besser verstehen als für sie.
Das sind Brüder, die wollen denen helfen wieder auf den rechten Weg zu finden.
Ein bewegender Text, der mich nachdenklich gestimmt hat.
In meinem persönlichen Umfeld habe ich es zum Glück nicht mit kampfeswilligen Kriegsbefürwortern zu tun, die man überzeugen möchte von einer tödlichen Dummheit abzulassen.
Dafür habe ich umso mehr mit Menschen im wehrfähigen Alter zu tun, die Rüstung und Krieg toll finden, aber selber nicht vorhaben hinzugehen. Denen empfehle ich dann gerne mal, wenn es mir zu bunt wird, sich freiwillig zum Fronteinsatz in der Ukraine zu melden, oder die Fresse zu halten.
Vielleicht sollte ich das in Zukunft lieber lassen. Wenn ich hier lese, wie sehr sich der Autor darum bemüht hat, dass sein Freund nicht in den Krieg geht, dann kommt es mir plötzlich verwerflich vor jemanden aufzufordern hinzugehen – selbst wenn man nicht damit rechnet, dass dies wirklich geschieht.
Nein! Du empfiehlst denen auch weiterhin selber Hand anzulegen, sagst ihnen, du würdest sie auch gerne sponsern und mit einem weißen Taschentuch zum Abschied winken. Wenn sie da verreckt sind oder verkrüppelt wurden, selbst schuld! Das müssen Viele denen direkt sagen und sie spüren lassen, dass sie dann nicht als Helden zurück kommen, in egal welchem Zustand, sondern als mordlüsterne, verachtenswerte Idioten. Wobei die Veteranen, die es dann einsehen, wenn auch zu spät. denen verzeihe ich auch. Selbst Ole Nymoen ist viel zu freundlich.
Das mag im persönlichen Umfeld mit falsch informierten jungen Menschen anders sein, die würde ich auch versuchen zu überreden, nicht anzutreten, aber Viele hier wie du selbst sagst, sind Sofa-Generäle. Denen kann man nicht deutlich genug machen, dass sie feige und niederträchtig sind und danach richtet sich ihre Ideologie. Je deutlicher man es ihnen sagt (ohne straffällig zu werden), um so besser.
Danke Garry!
Es gibt manchmal so Tage wie heute, an denen ich mich frage, ob nicht all der Hass langsam abfärbt, und ich immer mehr wie „sie“ werde – abgestumpft, zynisch und mental komplett abgefuckt. Dann fange ich an zu zweifeln. Jemandem die Erfahrung im Schützengraben langsam oder auch schnell zu verrecken als passende Option für die weitere Lebensplanung nahe zu legen ist brutal, und vor ein paar Jahren hätte ich mir solche Gespräche auch noch nicht vorstellen können.
Aber natürlich hast Du recht! Konfrontation ist die einzig sinnvolle Option. Ihnen unsere Verachtung zu zeigen ist der einzige Weg, vielleicht doch noch durchzudringen auf einer persönlichen Ebene. Alles andere ist hoffnungslos. Und wenn auch das nicht fruchtet, dann haben wir wenigstens unsere Würde bewahrt und nicht geschwiegen.
Immerhin kann man ja hoffen, dass es wirklich kein Leben im Jenseits gibt. So bleibt dem armen Kerl wenigstens dieser oberlehrerhaft-besserwisserische Tirade erspart. Natürlich muss der Autor nicht nachfragen, welche Motive den Mann bewogen haben, so zu handeln, er weiß es ja schon, ohne zu fragen. Oder er weiß, dass diese Motive, welche immer es sein mögen, ganz irrelevant und falsch sind, weil es nicht die sind, die ihn selbst zu Handeln bewegen würden, und nur diese sind richtig.
Ich kann nicht sagen, was mir mehr Ekel verursacht: diese in der gegenwärtigen Gesellschaft (die es freilich nach Mrs. Thatchers wohl zutreffenden Diktum gar nicht gibt) durchgehend anzutreffende Selbstgerechtigkeit oder die ebenso weit verbreitete vollständigeUnfähigkeit zur Empathie.
„… durchgehend anzutreffende Selbstgerechtigkeit“
… wie in Ihrem Beitrag.
@Bernd Neves
+++!
an wem oder was sind sie, amenophis, denn gescheitert, daß sie so pöbeln müssen???
Amenophis schreibt:
„Ich kann nicht sagen, was mir mehr Ekel verursacht: diese in der gegenwärtigen Gesellschaft … durchgehend anzutreffende Selbstgerechtigkeit oder die ebenso weit verbreitete vollständige Unfähigkeit zur Empathie.“
Ich spreche jetzt natürlich nicht für den Autor, sondern für mich als Biodeutschen.
Ich maße mir kein Urteil über den Autor an, und auch nicht über seinen ukrainischen Freund, denn
für den Nachkommen eines Tätervolks, der mit gänzlich anderen Traumata zu kämpfen hat als die Nachkommen eines Opfervolkes, ist unbedingter/unkritischer Patriotismus generell nicht ohne Weiteres nachzuvollziehen.
In Anlehnung an ein bekanntes Lied :
„Patrioten sind nicht alle gleich, als Soldat nicht und nicht als Leich“
Es wäre interessant zu erfahren, ob die Vorfahren des Autors und die seines Freundes gemeinsam in der roten Armee gegen NAZI-Deutschland gekämpft haben, und ob ihre Vorfahren Opfer deutschen NAZI-Terrors geworden sind.
Wir müssen wohl davon ausgehen, dass Bürger der ehemaligen Sowjetunion oft ein positives Verhältnis zu Armee und Wehrfähigkeit haben, und dass Patriotismus für diese eine Selbstverständlichkeit ist, weil sie letztlich der Armee ihres Heimatlandes verdanken, dass sie überhaupt geboren werden konnten ( was im übrigen – aus ähnlichen Motiven – auch für die Israelis gelten dürfte ).
Nachkommen von Sowjetbürgern schleppen vermutlich ein ähnliches Trauma mit sich herum wie die Nachkommen europäischer Juden, und werden also bei gewalttätigen Angriffen durch ein Kollektiv extrem getriggert und von ihrem Unterbewußtsein in einen u.U. irrationalen/fanatischen Verteidigungsmodus katapultiert.
Also nochmal :
Für den Nachkommen eines Tätervolks, der mit gänzlich anderen Traumata zu kämpfen hat als die Nachkommen eines Opfervolkes, ist unbedingter/unkritischer Patriotismus nicht ohne Weiteres nachzuvollziehen; das hat nichts mit Empathieunfähigkeit zu tun, sondern mit einer völlig anderen epigenetischen Ausstattung.
Ich vermute, dass die Vorfahren des Autors während der Nazi-Invasion von den sowjetischen Behörden deportiert wurden und im Exil in Kasachstan lebten. Sie nahmen während des Krieges an keinen militärischen Aktivitäten teil. Diese Annahme basiert auf Angaben der Herausgeber, die den Autor als Aussiedler bezeichnen.
Roman schreibt :
„…..Diese Annahme basiert auf Angaben der Herausgeber, die den Autor als Aussiedler bezeichnen.“
Ich möchte nicht über die Biographie des Autors spekulieren, vielleicht gibt dieser ja von sich aus noch ein paar Informationen zu seinen sowjetischen Vorfahren.
Ich finde es einfach sehr tragisch, dass die Nachfahren von Sowjetbürgern, die sicherlich – jeder auf seine Weise – gegen NAZI-Deutschland gekämpft und unter NAZI-Deutschland gelitten haben, in ein widernatürliches Feindschaftsverhältnis getrieben wurden.
In einem Beitrag der „Emma“ habe ich mal ein Interview mit einer Ukrainerin gelesen, Zitat :
„Ich bin Ukrainerin, mein Mann ist Russe, früher ( Anm.: zu Sowjetzeiten ) hat das keinen interessiert“
Wie konnte es nur soweit kommen, das die Angehörigen zweier Brudervölker, die sich bis 1989 ganz selbstverständlich ineinander verlieben und heiraten dürften, jetzt so einen immensen Hass aufeinander empfinden ?, ich kapier das nicht !
Der Sowjetstaat bewahrte die ethnische Herkunft seiner Bürger akribisch auf: in Geburtsurkunden, Reisepässen, Dokumenten der Kommunistischen Partei, des Komsomol und der Gewerkschaften sowie in Bibliotheksausweisen.
Heute pflegen viele ethnische Russen und viele ethnische Ukrainer durchaus persönliche Beziehungen. Der größte Streit entsteht, wenn eine Bombe auf Ihre Stadt abgeworfen wird und jemand anderes sagt: „Unsere Regierung bombardiert Sie, weil wir ein Brudervolk sind.“
Roman schreibt :
“ Der größte Streit entsteht, wenn eine Bombe auf Ihre Stadt abgeworfen wird und jemand anderes sagt: ‚Unsere Regierung bombardiert Sie, weil wir ein Brudervolk sind.‘ “
Die Kriegsursachen sind sicher vielfältig,
Für den westlichen Beobachter stellt sich die Historie so dar : Bis 1989 war das Verhältnis zwischen Ukrainern und Russen sehr eng und von gegenseitigem Respekt und Sympathie geprägt; der Begriff „Brudervolk“ ist deshalb für den „Westler“ naheliegend, wenn er das besagte Verhältnis mit einem Wort beschreiben will.
Wenn ich mit meiner Einschätzung des Verhältnisses zwischen Ukrainern und Russen bis zum Zerfall der Sowjetunion falsch liege, lasse ich mich natürlich gerne über die wahren Zustände damals aufklären.
Gibt es in diesem Forum noch weitere kompetente Stimmen zu diesem Thema ?
B.Hohl schrieb :
„In einem Beitrag der „Emma“ habe ich mal ein Interview mit einer Ukrainerin gelesen, Zitat :’Ich bin Ukrainerin, mein Mann ist Russe, früher ( Anm.: zu Sowjetzeiten ) hat das keinen interessiert‘ “
Ich muß mich beim Forum entschuldigen, denn ich habe falsch zitiert ( zum Glück nicht sinnentstellend ), das Zitat lautet korrekt :
„Geboren wurde ich zu Sowjetzeiten auf der Krim. Meine Mutter ist ethnische Russin, der Vater Ukrainer, damals war das egal.“
Nachzulesen hier :
https://www.emma.de/artikel/was-ich-meinem-land-wuensche-339567
Der Autor, ein kosmopolitischer Träger der großen russischen Kultur, drückt sein Bedauern über die Grenzen eines anderen Menschen aus, dessen Kultur jahrhundertelang unterdrückt wurde. Mir gefiel die Aussage des Autors, dass „Sergej“ der ukrainischen Regierung nichts schulde. Ich wartete schon auf den Satz, dass der Autor auch der deutschen Regierung nichts schulde. Leider fehlte dieser Satz.
Was wurde unterdrückt? Was ich momentan von ukranischer Kultur mitbekomme ist: Strassen nach Nazis umzubenennen. Waffen-SS Huldigung, Holodomor Legende, und Bandera Huldigung. Und ein absoluter Hass auf alles Russische. Das ist keine Kultur!
Ich habe kein Mitleid für Nationalisten, genauso, wie ich nur Abscheu für Opportunisten wie Maskenträger und Geimpfte empfinde.
Diese Leute sind Abschaum, egal welche Bildung sie genossen haben.
Wer das System nicht hinterfragt ™1974 und sich dagegen stellt wird immer ein potentieller Feind bleiben.
Wohl jede Woche einen neuen Namen? Wie wär’s mit „blinder Aktionist“ aka Anarchist?
Sie haben keine Ahnung über meine Aktionen.
Ich habe mehr Leuten in den Arsch getreten als jeder in diesem Forum.
Es ist mein 7. Nick, alles wegen meiner Ansichten bezüglich Israel, Bubis und Konsorten.
Und die sind sehr dezidiert. 😉
Schöner Text. Und trauriger.