
Wenn sich etwas Größeres im Kleinen spiegelt und bewegt, wenn Marx ergo “alle bisherige Geschichte von Klassenkämpfen” bestimmt sieht und Lenin die Parlamente als “Tribüne” dieser Klassenkämpfe, dann sind Talkshows ihr ideologischer Infight.
Auch um jedes einzelne Wort. Dabei sollen widerständige Persönlichkeiten öffentlich domestiziert, TV-Zuschauer gedrillt und Begriffe systemgerecht eingeschliffen werden.
Daß wir Medienkritiker uns so selten der molekularen Innenarchitektur von Talkshows zugewendet haben, zeugt von kulturellen und psychologischen Defiziten.
Um nun nicht Vorurteile mit Vorurteilen zu kontern, soll hier zunächst chronologisch in die Anatomie des Talks vom 25. September 2024 eingestiegen werden, der wohltemperiert begann. In Sekunde 32 begrüßt ein warmherziger Lanz seinen Gast:
“Herzlich willkommen, Sahra Wagenknecht, ich freue mich sehr. Guten Abend!”
Zu derlei Überschwang hatte der Talk-Großmeister auch zweieinhalb gute Gründe:
- Für sein pausenlos rüdes Abwürgen der damaligen Links-MdB Wagenknecht am 16. Januar 2014 hatte er sich unter dem Druck einer Online-Petition mit über 150.000 Unterzeichnern öffentlich bei ihr entschuldigen müssen.
- Der Name Wagenknecht bürgt für hohe TV-Quote, wie kaum einer sonst.
- Oder eigentlich 2 1/2. Wer jetzt, in wahlkampffreier Zeit, Wagenknecht häufig einlädt, braucht es dann, kurz vor der Bundestagswahl nicht mehr. Nämlich dann, wenn die FDP wieder hochgesendet werden muss und eben nicht BSW und AfD. (Immerhin hatte die ARD das BSW vor der Europawahl von einer Parteientalkrunde auszuschließen versucht – bis zu einem gerichtlichen Einspruch).
Warum sich allerdings Sahra Wagenknecht gerade jetzt die vielen, sich kannibalisierenden und inflationierenden Talk-Einladungen antut, ist wohl auch mit dem Kampfgerangel um die Landesregierungen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg erklärlich.
Zunächst fragt Lanz, wie das BSW eigentlich mitregieren wolle. Dabei erspart er Wagenknecht die Frage, woher ihr Sinnesumbruch gekommen sein mochte, ausgerechnet bei einer, die in der Linkspartei noch empört gegen jegliches Mitregieren vor Mikros geschritten war.
Auch anderes aus der Vergangenheit erspart ihr der Talkmaster. Etwa, ob die Parteigründerin heute noch für die demokratische Enteignung bestimmter menschheitsfeindlicher Konzerne eintreten würde, wie es Wagenknecht und ihr Gatte Lafontaine in zumindest zwei Parteiprogramme von SPD und Linkspartei einst hineingeschrieben hatten. Im Verschweigen von solch “ollen Kamellen” aber kreuzen sich wohl die Schwammdrüber-Interessen des BSW mit der gesamten Talkrunde. Denn: würde Sahra Wagenknecht hier und jetzt für Vergesellschaftung eintreten, wäre bei Lanz ja ein enormes Tabu durchbrochen, nämlich daß frau/man in Deutschland für die Überführung von Konzernen in Gemeineigentum nach Art. 15 GG öffentlich werben kann und gleichzeitig enorme Prozente einfahren.
Jedenfalls begrüßte Markus Lanz seine Gegnerin Wagenknecht wesentlich schwesterlicher, als in Sekunde 2.29 den grünen Staatssekretär Kellner mit einem kargen “wunderschönen guten Abend”. Zuvor hatte er Sabine Adler vorgestellt, die frühere Pressesprecherin des Bundestages, die sich selbst 2012 das Prädikat ausstellte: “Mir fehlte das dienende Gen” – um aber danach wieder beim Deutschlandfunk zu dienen.
Adler zählt zu jenem, einst von Peter Hacks so benannten “Freiwild jagenden Rudel verwechselbarer Beaglehunde”, die aus dem medialen Nichts plötzlich in sämtlichen Talks und Interviews auftauchen. Wohl mit Hilfe des “nachrichtendienstlich medialen Komplexes” (andere nennen ihn ,,tiefen Staat“; dazu mehr: DD in UZ vom 9. August, S.13). Hierzu werden die ,,Jagdhunde“ unter verschiedensten Etiketten – mal als “Extremismusexpertin”, als “Parteienforscher”, “Terrorismusbeobachter” oder “Politikwissenschaftler” – eingeführt. Nur wohin? Und woher?
Ach, und dann war bei Lanz ja auch noch der Elektromotoren-Lobbyist Stefan Bratzel (“Autoexperte”), der aber erst spät, in Minute 56:39, die Runde mutig mit seiner Neuigkeit entzückte, daß “ein Putin nur Stärke versteht”.
Lanz, Adler, Kellner und Bratzel talkten gegen Sahra Wagenknecht solo, die dabei 103-mal unterbrochen wurde. 55-mal von Adler, 48-mal von Lanz. Wagenknecht selbst unterbrach eher vorsichtig tastend nur 12-mal – meist nachdem sie selbst unterbrochen worden war. Alle anderen wurden insgesamt achtmal unterbrochen. Viermal davon unterbrachen sie sich gegenseitig im Wettlauf, Sahra Wagenknecht doch bitte zuerst ins Wort fallen zu dürfen.
Was ist der Sinn von Talkshows im herrschenden System? Ein Thema aufzugreifen und solange zu zertalken, bis sein Kern vernebelt ist. Das erklärt auch die gebremste Fragelust von Markus Lanz gegenüber dem grünen Staatssekretär, bei dem nie nachgebohrt wurde. Etwa zu inhaltlichen Abweichungen der soeben zurückgetretenen Grünenspitze vom künftigen Kanzlerkandidaten Habeck bei Sozialstaatsfragen, Aufrüstung, Israel-Supports, Wärmepumpen, der Deindustrialisierung Deutschlands etc. Hingegen stellte Lanz Fragen von historischer Unvergänglichkeit wie:
“Wann, Herr Kellner, haben Sie vom Rücktritt von Lang und Nouripour erfahren?” (Minute 2:48).
Danach durfte der grüne Kellner, seinem Nachnamen gerechtwerdend, zwei Minuten lang und ohne jede Unterbrechung “von großer Überraschung und großer Dankbarkeit“ an die Zurückgetretenen schwabbulieren, ohne einen einzigen politischen Inhalt auch nur zu streifen. Tollkühn setzte der Talkmaster nach:
„Welche Rolle hat Robert Habeck bei dieser Entscheidung gespielt?” (4:33).
Worauf der Oberkellner großherzig preisgab:
„Die Entscheidung wurde in engsten Gremienkreisen getroffen“. (4:50)
Da aber, am Ehrgeiz gepackt, schoss Lanz die messerscharfe Frage hinterher:
„Woran sind die beiden tatsächlich am Ende gescheitert … Nouripour und Lang?“ (5:36)
Nach kurzer Nachdenkpause gab der Grüne schlussendlich doch das Staatsgeheimnis preis:
„Wir haben in Ostdeutschland Wahlniederlagen kassiert.”
Nun hatte Lanz grünes Blut geleckt:
„Sind die beiden verantwortlich oder die im Kabinett?“
Was den kellnernden Staatssekretärc erneut ins Fabulieren trieb, denn “grüne Klimapolitik” sei gar nicht für das Klima und mit dem Rücktritt sei ein “Raum der Möglichkeiten geschaffen worden für eine neue Aufstellung und für einen neuen Schwung und für eine Vorbereitung einer Bundestagswahl.” Um sofort wieder “grenzenlosen Dank und Respekt” vor der zurückgetretenen Grünenspitze zu jubilieren. (6:56)
Weil ja in großen Talkshows auch entscheidend ist, was nicht gefragt wird, wurden inhaltliche Differenzen zwischen Ricarda Lang und Robert Habeck unhinterfragt und unangetastet im Dunkel belassen. Einzig die einstige Bundestagsbedienstete und jetzige „Deutschlandfunk“erin Adler griff nun beherzt ein:
„Da wurde die Parteiführung geopfert, um den Weg für Robert Habeck als Kanzlerkandidat freizumachen“ (7:03).
Was Kellner die müde Binsenweisheit abrang:
“Robert Habeck ist als Spitzenkandidat, Vizekanzler eine der tragenden Säulen der Grünen“ (7:23). In zwei nicht enden wollenden Minuten grünen Sprachnebels pries der Staatssekretär unter anderem die “starke Frau Franziska Brandner” und dazu auch noch kurz das Vokabular der neuen Raketentüchtigkeit aufblitzen: “Das Team Habeck ist eine Startrampe!” (7:59)
Worauf sich Lanz aus dem Schützengraben wagte: „Wird es da eine Kursänderung geben? (9:59)
Aber Kellner konterte scharf: „Wir werden ein Wahlprogramm beschließen“ (10:10)
Kurz schien es, als würde Lanz aus seiner Reptilienhaut fahren:
“Muss man mit einem Riesenknall die Parteispitze rauswerfen, um den gleichen Kurs weiter zu fahren?“ (10:36)
Wofür er vom Grünen das fulminante Statement erntete.
„Das ist eine Chance“ (11:04)
Lanz ´ Sekundantin Sabine Adler interpretierte dann mit der atemberaubenden Erkenntnis, die Grünen könnten “allmählich und immer mehr mit der CDU koalieren”.
Nun aber huldigt die Adler dem Staatssekretär am Monitor, die armen Grünen hätten nun wirklich “Hetze, Häme, Hass”(12:35) auszuhalten, wozu selbst der E-Autolobbyist Bratzel am Talkrundenrand sich zu einer mitleidvollen Grimasse verleitet sieht.
Dann aber wandte sich Lanz der eigentlichen Verursacherin der geistig-moralischen Klimavergiftungen zu:
„Frau Wagenknecht… so ein Satz, wie `die Grünen richten mehr Schaden an, weil sie im Unterschied zur AfD regieren ´ …“(13:06)
Worauf der Talk, in Minute 13:43 mit Wagenknechts Antwort, zum ersten Mal politisch konkret wurde:
„… wenn man zum Beispiel den CO2-Preis erhöht, wo jeder weiß, das nützt nicht dem Klima, sondern sollte Haushaltslöcher stopfen.”
(Hier wäre noch eine weitere Grundregel für Talkshows aus der Großküche des nachrichtendienstlich medialen Komplexes einzufügen: wenn jemand substanziell widerspricht, muss schnellstmöglich in den abstrakten Nebel eines Nebenthemas umgelenkt werden.) Lanz:
„Es gibt noch so einen Satz von Ihnen: mehr als die Hälfte der Bevölkerung traut sich nicht mehr frei ihre Meinung zu sagen. Die Grünen sind die Haupttreiber (14:57) dieser autoritären Cancel Culture, die, ich zitiere wörtlich, totalitäre Züge trägt” (15:06).
Darauf zitiert Sahra Wagenknecht eine dies belegende Umfrage. Während ansonsten Talkmeister vor Meinungsumfragen geradezu niederknien, zumal der sie stimulierende “geheimdienstlich mediale Komplex” diese Umfrage-Institute oft auch steuert, überhört Lanz Wagenknechts Hinweis und referiert philologisch über das Wesen von halben Wahrheiten und ganzen Desinformation, um dann seine ganze, offenbar vorm hochrespektierten (“Ich weiß, Ihre Zeit ist knapp!” 23:55) Staatssekretär unterwürfig weggestaute Wut jetzt an die Frau zu bringen:
Dinge aus dem Kontext zu reissen – „Sie sind doch eine Meisterin darin.“ (15:40)
Das ergänzt Adler, weil Wagenknecht von der “dümmsten Regierung der Welt” gesprochen habe (16:01). “Geht es ein bisschen differenzierter!” Wagenknecht unterbricht zum ersten Mal: “Europas – habe ich gesagt”. Für die differenzierende Adler macht aber “Welt” und “Europa” keine Differenz”. Auf jeden Fall wolle Wagenknecht „gesellschaftliches Klima anheizen und vergiften.”
Dagegen Wagenknecht: „Habeck hat behauptet, wir werden von Putin finanziert… Wirklich eine Ungeheuerlichkeit.“ (16:49)
Da Habeck mit diesem Anwurf nicht mehr zu retten ist, gesteht Lanz seiner Gegnerin kulanterweise diesen Punkt zu. Um dann noch die Grüne Künast zu zitieren, Wagenknecht sei “die faulste Abgeordnete als auch Radio Moskau in einer Person” (17:07).
Dann will Lanz schnell “auf diesen Punkt mit dem Totalitarismus … Also jetzt ernsthaft? Sagt man irgendwie, diese Grünen sind sozusagen sowas wie eine totalitäre Partei?”(17:23)
Kleinlaut erwidert Wagenknecht:“ Ich habe nicht gesagt totalitäre Partei.“ (17:30). (Hingegen: die Bergpredigt meint: “Eure Rede sei: Ja! Ja! Nein! Nein!”)
Aber immerhin spitzt Wagenknecht den Talk jetzt präzise zu: Haldenwangs Verfassungsschutz wollte einen neuen Straftatbestand einführen: „die Delegitimierung des Staates“. Lanz pult sich zwischen den Zähnen. Weil “Delegitimierung des Staats” eigentlich zum Proviant jedes gescheiten Journalismus gehört. Und zu künstlerischer Satire (selbst bei Böhmermann und Welke – allerdings, bevor sie zu Staats-Comedians konvertierten). Scharfe Staatskritik also zum Straftatbestand machen zu wollen, wäre schon Totalitarismus pur. Wofür Wagenknecht sogar die Süddeutsche Zeitung zitiert (18:02).
Lanz muss sofort von dieser Brisanz wegkommen:
„Mir geht es trotzdem um eine Formulierung… Die Grünen sind die Haupttreiber dieser totalitären Entwicklung auch in der Coronazeit?” (18:29)
Das lässt sich Sahra Wagenknecht nicht zweimal sagen. Ihre Retourkutsche wird ein Glanzpunkt dieser Talkshow (18:33):
„Wer war am aggressivsten, um Ungeimpfte zu ächten, um Schulschließungen, Lockdown zu fordern? Auch die Grünen… Lauterbach, schlimm daß der Mann noch im Amt ist… Pandemie der Ungeimpften… Selbst das RKI hat gesagt, das war falsch…“ (18:46 bis19:06).
Schnell (19:07) bindet Lanz das Thema “RKI-Files” ab und holt sich Schützenhilfe von oben:
„Ich würde kurz Herrn Kellner fragen, was ihm durch den Kopf geht…“
Und dieser offenbart sofort, was da durch einen grünen Kopf so geht: “Als totalitär bezeichnen wir eigentlich Regimes wie Stalin oder Hitler.“
Woher soll ein Staatssekretär auch wissen, daß die prominenteste “Totalitarismus-Forscherin”, Hannah Arendt, von der „Banalität des Bösen“ gesprochen hatte. Also weit unterhalb von Kellners Messlatte “Hitler und Stalin”. Aber der setzt nun “Vergleichen” mit “Gleichsetzen” gleich und macht sein Gleichsetzen nur noch schiefer:
„Und dieser Vergleich ist sowas von ehrabschneidend und einfach eine Vergiftung des politischen Diskurses…“
Um dann die Nutznießer grüner Energiepolitik zu benennen:
„Die Menschen mit geringem Einkommen“ (20:01).
Diese Absurdität wird hier weder von Lanz unterbrochen, noch von Sabine Adler. Letztere wartet nämlich mit ihrer Kritik am Heizungsgesetz, bis sich der grüne Staatssekretär kurz darauf aus dem Monitor verflüchtigt hat.
Erst keilt Kellner weiter, das BSW würde von Putin finanziert (20:34). Da muss Lanz leider wieder widersprechen: “bevor es Frau Wagenknecht tut“ (20:58) … Das Ehepaar, daß diese fünf Millionen gespendet hat, hat mit dem Kreml gar nichts zu tun.“
Um dann aber umgehend auf ein anderes Thema zu lenken und “noch einmal Herrn Kellner zu fragen: geht da jetzt die Tür Richtung CDU auf?“ (21:32)
Es schließt sich ein völlig inhaltsleeres Gebrabbel über technische Koalitionsarithmetik von fast drei Minuten an, wofür Herr Lanz Herrn Kellner sehr herzlich dankt: “Ich weiß, Ihre Zeit ist knapp. Vielen Dank, daß Sie sich den Fragen gestellt haben; auf bald!” Worauf sich dieser mit obligatorischem “Sehr gerne!” verabschiedet (24:03)
Jetzt erst kritisiert Frau Adler (wohl, bevor es Frau Wagenknecht darf) das Heizungsgesetz und den soeben verabschiedeten Kellner:
„Also mit der Erwähnung der Wärmepumpe, also da habe ich wirklich Probleme, zu glauben … Dieses Heizungsgesetz hat derartigen Schaden angerichtet… genau für die Ostdeutschen, die sich endlich ein Haus bauen konnten und eben nicht mal 30.000 Euro für eine neue Heizung übrighaben, wenn die funktionierende noch im Haus ist“ (24:17 – 24:52)
Auch das lenkt Lanz sogleich um in einen knapp vierminütigen Tratsch, der an Regenbogenpresse erinnert: wer nämlich von den drei Regierungschefs in Brandenburg, Sachsen und Thüringen an welchem Ort und über welche Reiseroute mit Frau Wagenknecht zusammengetroffen sei oder zusammentreffen würde.
Lanz, der im Kölner Studio Hof hält, wirft nun Wagenknecht vor, in Berlin Hof zu halten und potenzielle Koalitionspartner anreisen zu lassen und stellt weitere Fragen von ähnlich welthistorischer Bedeutung nach den Reiserouten. Worauf Wagenknecht scheu anmerkt: „Was ist denn das für ein Niveau?“(26:18)
Dann bekennt sie sich zu einer „gemeinsamen Regierung (wohl mit den Blackrock-Parteien CDU und SPD), die sich nicht fünf Jahre lang bekämpft wie die Ampel, bis die AfD die absolute Mehrheit hat.“
Glaubt sie wirklich mit dem Motto “Wir alle Demokraten gegen die Höcke“ Leute wie Lanz und Adler, Merz und Pistorius milde stimmen zu können? Wenn es denen um den NATO-Sieg über Russland geht? Warum bleibt die so erfahrene und mutig Kämpfe durchgestanden habende Sahra Wagenknecht jetzt derart unverbindlich:
„Daß die Menschen sich Veränderungen wünschen und dringend auf Veränderungen warten“ (29:45).
Der linke Kolumnist Rüdiger Rauls hat jüngst die mangelnde Orientierungskraft des BSW so beschrieben: “Geht es dem Bündnis überhaupt noch um Inhalte, noch um die Schaffung von politischem Bewusstsein, das alleine die Garantie ist für einen nachhaltigen Wandel deutscher Politik im Interesse der einfachen Menschen? Im Moment scheint die Teilhabe an der Macht der bestimmende Antrieb geworden zu sein.”
Lanz führt das Geplänkel ab 30:23 in die entscheidende Attacke über:
„Sie haben die Riesen Hürde aufgebaut, die Stationierung der Mittelstreckenraketen – nicht mit uns“ (30:30)
Worauf ihm Adler mit der Unterstellung assistiert, das BSW würde sich wünschen, der Ukrainekrieg ginge „eigentlich bis zur nächsten Bundestagswahl“ (31:07)
Wagenknecht unterbricht Adler noch nicht einmal dort, wo er seine Unkenntnis bundesdeutscher Rechtslage offenbart, nämlich zur Raketenstationierung, „daß die jeweiligen Ministerpräsidenten da überhaupt keinen Einfluss darauf haben” (30:39) Obwohl seine Redaktion Gegenteiliges wissen muss, was selbst Wikipedia über das Verfassungsorgan Bundesrat schreibt, daß dieser bei jeglicher Gesetzgebung “mitwirkt” – also auch die MPs von Thüringen, Sachsen und Brandenburg – und sogar einen eigenen Ausschuss für Außenpolitik unterhält.
Aber Lanz und Adler sind jetzt in ihrem Element. Beim Eingemachten und Einmachen von Wagenknecht, also bei der medialen Kriegsertüchtigung, sodaß die Gefahr eines dritten atomaren Weltkriegs zur rhetorischen Lappalie schrumpfen soll:
“Glauben Sie das wirklich, Frau Wagenknecht, daß in Russland irgendjemand denkt, die NATO könne Russland angreifen demnächst?“ (32:27)
In dieser Sekunde blendet die Redaktion ein Wagenknecht-Plakat ein mit der Zeile: “Diplomatie statt Kriegstreiberei“. Auf diese Zeile also war vieles vorbereitet und nun verschärft Lanz die Gangart.
Wagenknecht versucht es zunächst noch mit einem kleinen Kotau:
„Ich verurteile diesen Krieg und ich habe keine Sympathie für Putin, um das noch mal sehr, sehr deutlich zu sagen. Trotzdem sollten wir uns in Positionen, wenn es um Leben und Tod geht, immer versuchen, auch in das Gegenüber hineinzuversetzen; verstehen, warum Russland die NATO als Bedrohung empfindet. Darum geht es doch nur.” (32:57)
„Nur?“
Will die BSW-Führerin dem geneigten Talkzuschauer damit suggerieren, daß Russland diese Bedrohung “nur empfindet”? So, als ob die Bedrohlichkeit der NATO nur eine subjektive Paranoia Russlands sei?
Lanz spürt diese Unsicherheit seiner Gegnerin und betätigt sich als Militärstratege, fragt, “warum Russland dann massiv von Finnlands NATO-Grenze Truppen abzieht”?
Dies widerlegt sie ihm souverän, weil nämlich Finnland „intelligenterweise“ noch gar keine US-Truppen zugelassen habe.
Aber, weil Lügen durch Wiederholungen wirkmächtig werden, unterbricht Lanz sofort, daß “diese Erzählung von der bösen NATO, die das arme Russland bedroht, nicht so richtig glaubwürdig“ macht (33:50).
Um dann vollends abenteuerlich zu werden:
„Das ist jetzt mein anderer Punkt, daß da sozusagen Nuklear-Sprengköpfe plötzlich wieder in Deutschland stationiert werden. Das ist so erst mal nicht richtig.“ (34:17)
Hier erlaubt sich Wagenknecht, ihn zu unterbrechen, aber mit gebremstem Schaum:
„Nein, daß wir zum Zielpunkt von russischen Nuklear-Sprengköpfen werden.“
Wenn sie schon unterbricht, warum erwähnt sie nicht den Fliegerhorst Büchel und das US-Logistikzentrum Ramstein? Und die zehn anderen Orte, wo die US-Nuklear-Sprengköpfe längst stationiert sind? Wer nicht angreift, hält im Boxkampf den Gegner nicht auf Distanz. Und also schlägt Lanz zu:
„Was sie dann auf Ihren Wahlkampfveranstaltungen … immer einfach unterschlagen und weglassen, ist, daß offensichtlich Russland schon aus dem Abkommen ausgestiegen ist und 64 Mittelstreckenraketen in Kaliningrad und Belarus stationiert hat”(34:50)
Wagenknecht will unterbrechen, schüttelt mit dem Kopf.
Aber Lanz hat seinen Flow:
“Warum fällt Ihnen das nicht ein? Empfinden Sie das nicht als Bedrohung? Wenn 64 nukleare Sprengköpfe russischer Bauart auf Europa gerichtet sind? Warum unterschlagen Sie das?“
Als Wagenknecht antworten will, unterbricht er sie sofort wieder.
Danach erst zitiert Sahra Wagenknecht den Bundeswehr-Oberst Richter, der widerlegt hatte, daß der Westen eine „Fähigkeitslücke“ gegenüber russischen Raketen hätte, worauf sie jetzt von Adler unterbrochen wird.
Daß Russland den Abzug angeboten hatte und der Westen dann dennoch seine eigenen Raketen stationiert hat, kann Wagenknecht eben noch sagen, wonach sie in 40 Sekunden (bis 36:20) fünfmal von Adler und Lanz unterbrochen wird. Frau Adler wischt den Bundeswehr-Oberst ebenso beiseite, wie die Abrüstungsvorschläge aus dem Osten:
“Russland rüstet doch immer auf, ungeachtet dessen, was der Westen tut”(36:32).
Nach einem längeren Vortrag von Frau Adler (36:20 bis 38:11) sucht Wagenknecht ihren Standpunkt zu verteidigen:
„Was wollen wir: neue Abrüstung oder in ein neues Wettrüsten?“(38:16) Und wird sofort wieder unterbrochen von Adler. Dann von Lanz zur Ursache der Raketen-Spirale, als Putins Rüstungsetat noch ein Zehntel von dem der NATO betragen hatte. Lanz:
“Gott sei Dank war Putins Armee damals schlecht ausgerüstet, Gott sei Dank!“ (38:42).
Dann geht es um vertane Friedenschancen und dann kommt Adler zu dem angeblichen Grund, warum die Verhandlungen von Istanbul zwischen der Ukraine und Russland unter britischem Einfluss abgebrochen worden waren:
“Das war wegen Butscha – sagt Ihnen das was?“ (39:02)
Zu anderen Zeiten hätte wohl Sahra Wagenknecht vielleicht einzelne CIA-“Fakten” zu Butscha angezweifelt. Aber Sahra Wagenknecht spürt man die Rücksicht auf potentielle Bündnispartner bei der bevorstehenden Friedenskundgebung am 3. Oktober oder bei den Koalitionsverhandlungen in den drei Bundesländern an. Zweifel zum Butscha-Narrativ wären für CDU und SPD in Thüringen wohl zu starker Tobak gewesen. Also belässt sie es dabei, die US-Chefdiplomatin Victoria Nuland zu zitieren, „daß es nicht Butscha war“ .
Nun schreitet Lanz energisch ein, weil wohl auch er “Butscha” als Abbruchgrund für die Istanbuler Verhandlungen nicht sonderlich weit traut. Nach Lanz` Lesart war nämlich „Istanbul gescheitert, weil Russland nicht bereit war, Sicherheitsgarantien für die Ukraine zu akzeptieren“.(39:57)
Wagenknecht möchte dies widerlegen, wird aber sofort wieder unterbrochen – und zwar von Lanz und Adler. Und beide unterbrechen sich in Minute 40:12 sogar noch gegenseitig, indem sie Wagenknecht unterbrechen. Als Sahra Wagenknecht in Minute 40:45 dies und die 12 aufgestöberten CIA-Basen auf ukrainischem Boden anspricht, versteigt sich Lanz gar zu der Groteske:
„Es waren keine CIA-Basen“.
Um dann sofort umzulenken auf die hängende linke Deckungshand seiner Gegnerin, auf die “Sicherheitsgarantien für die Ukraine”.
Dazu liefern dann Lanz und Adler im Duett längere Abhandlungen, bis Frau Adler plötzlich in Minute 41:41 etwas Entlarvendes rausrutscht :
„Aber das Entscheidende ist natürlich, daß ein solches starkes Bündnis wie die NATO die eigentliche Sicherheit für die Ukraine ist.“
Diese “eigentliche Sicherheit” rollt nicht nur den ganzen Talk auf, sondern das, was Adler will, was Lanz will, was der mittlerweile abwesende Ober-Kellner will, was der geheimdienstlich-mediale Komplex will (der Talkshows dieser Größenordnung mitbestücken lässt), warum Meinungsfreiheit in Deutschland allmählich auf ukrainische Standards gedrosselt wird. Und eigentlich auch, was das Pentagon seit 1990 will, weshalb der blutige Maidanputsch 2014 gegen Janukowitsch inszeniert wurde, warum Minsk II mit relativen Autonomiegarantien für Donezk und Luhansk von faschistischen Milizen und Scharfschützen des Selensky-Regimes zerfetzt und später eine US-Basis nach der anderen in der Ukraine ausgehoben werden konnten. War es dieses Versprechen der NATO, weshalb Selensky mit solch geschwollener Brust auf der Sicherheitskonferenz in München 2022, aber noch vor (!) dem russischen Einmarsch, neue Überschall-Raketen wie “Dark Eagle” gefordert hatte, die auch atomar bestückbar sein sollten?
Wenn also seit zehn Jahren allen Eingeweihten der Sprech von den “Sicherheitsgarantien für die Ukraine” nur gleichbedeutend mit NATO-Mitgliedschaft (oder zumindest NATO-Assoziation – statt OSZE oder UN) gewesen war, wenn also Frau Adler die Katze unbeabsichtigt aus dem Sack gelassen hatte, durfte und konnte es dann in Istanbul oder anderswo je einen Frieden mit Russland geben? War unter diesen Präjudizien die russische Armee 2022 nur einfach zu spät einmarschiert, weil sich Putin zulange von Obama und Merkel hatte einwickeln lassen? Vielleicht noch berauscht von den stehenden, parteiübergreifenden Ovationen nach seiner Rede im Bundestag am 25.9. 2001?
Jedenfalls hatte Selenskyj wenige Stunden vor dem Lanz-Talk die “Sicherheitsgarantien des starken Bündnisses NATO” als “Sieg-Frieden“ ausgerufen – passend zu dem Satz der Adler.
Dann unterläuft Sahra Wagenknecht in Minute 42:12 auch ein Lapsus mit der Behauptung, die Deutschen hätten bei Friedensverhandlungen zur Ukraine “relativ wenig zu melden.”
Ergo gibt Frau Adler ihrer Kontrahentin sofort „absolut recht“(42:13).
Womit sich dann aber dem Fernsehzuschauer die Frage stellt, warum das BSW gerade ein solches Bohei in Thüringen, Brandenburg und Sachsen für Frieden mit Russland veranstaltet, wenn die Deutschen sowieso dabei nur “relativ wenig zu melden” hätten. Und warum dann deutsche Friedensdemos?
Das Getänzel im Boxring geht jetzt bereits um einen Lucky Punch. Sahra Wagenknecht ist zu oft in den Seilen beim Wort: “Kriegstreiber”. Man ahnt allmählich, warum zuvor das Wagenknecht-Plakat mit der Zeile “Diplomatie statt Kriegstreiberei” redaktionell eingeblendet worden war.
Folgerichtig keift in Minute 42:32 die Adler, das Wort “Kriegstreiberei würde alle beleidigen, die für den Schutz der Menschen in der Ukraine eintreten“.
Sahra Wagenknecht hatte so oft in letzter Zeit Putin einen “Kriegsverbrecher” genannt, wohl auch als Futter für ihre künftigen Koalitions-Partner in Erfurt, Dresden und Potsdam. Ihr Glück bei der Box-Logik dieses Talks ist, daß bislang niemand nachgefasst hat, ob man einem “Kriegsverbrecher” – also einem wie Hitler – mit Diplomatie je hat beikommen können. Und das wieder Gas von ihm gewollt wird. Oder ist Putin vielleicht garkein Kriegsverbrecher?
Aber Lanz und Adler sind, um hier weiter zu fragen, zu besessen, Sahra Wagenknecht mit dem Wort „Kriegstreiber“ zu treiben. Grade noch darf sie einen Viertelsatz aussprechen und schon – weil die Raketen in Büchel von ihr nicht eingeführt wurden – kommt ihr die Adler wieder mit einer Geraden:
“Das ist Schutz, wenn ich Raketen-Abwehrsysteme liefere!”
Darauf folgen ein erneuter Anlauf von Wagenknecht für Waffenstillstand und wieder vier Unterbrechungen durch Adler, die dann behauptet, der chinesisch-brasilianische Friedens-Plan sei ja sowieso der russische Plan (43:07).
Dann zitiert Wagenknecht einen Satz daraus, wieder von Lanz und Adler unterbrochen. Die Adler, die eben noch dem brasilianischen Präsidenten die Übernahme des russischen Plans vorgeworfen hatte, übernimmt nun den Plan von Selenskyj als ihre eigene Vorstellung, nämlich eine Volksabstimmung in der Ostukraine – aber nicht unter russischer, sondern unter ukrainischer Waffengewalt. Und fügt in Minute 45:19 hinzu, weil Wagenknecht eine Volksabstimmung mit zuvorigem Waffenstillstand wolle: “Das ist die Legitimierung von Landraub, den sie vorschlagen“.
Als Wagenknecht Landräubereien der USA zitiert, etwa der Ölfelder Syriens (45:29), keift Adler, dies sei „Whataboutism“.
Sofort greift Lanz wieder ein und kommt wieder auf „Kriegstreiberei“ zurück:
„Denen, die jetzt Waffen liefern und jemandem helfen, sich selber zu verteidigen, zu unterstellen, daß die nicht an Frieden interessiert seien, finden Sie das okay?“ (46:19)
Statt mit einem klaren “Ja!” zu antworten, weicht Sahra Wagenknecht zur Seite:
“Ich unterstelle nichts“ (46:21)
Viermal nun ergötzt sich Lanz daran, die Wagenknecht an ihr “Kriegstreiberei”-Plakat zu erinnern und sich nicht zu einem “Ja!” dazu zu bekennen, sondern herumzueiern:
„Daß wir durch die Art, wie wir und wir sage ich jetzt, also der Westen, die USA, aber auch Europa, wie wir auf diesen Krieg reagiert haben … und auf diesen Überfall, in dem wir bisher alle Verhandlungsoptionen abgeblockt haben, anders als die Länder des Südens verlängern wir den Krieg und wenn wir den Krieg verlängern ist das nicht moralisch, sondern es ist…”
Wieder wird hinter ihr das BSW-Plakat mit dem Wort “Kriegstreiberei” eingeblendet.
Lanz will die Enge auskosten, in der seine Gegnerin sich vor ihren künftigen Verhandlungspartner in Thüringen wegduckt, die sie nicht “Kriegstreiber” nennen will. Jedenfalls jetzt nicht.
Lanz: “Mit dem Wort Kriegstreiberei haben Sie dann auch kein Problem… Das ist für Sie Kriegstreiberei?”
Wagenknecht: “Wenn ich die Kriegsgefahr erhöhe …”
Lanz unterbricht sie.
Darauf Wagenknecht: “Halten Sie sich doch nicht an dem Wort fest!”
“Doch” sagt Lanz und lässt das Wahlplakat wieder einspielen.
Sie beginnt einen Satz.
Er: “Frau Wagenknecht, die Bundesregierung, das sind Kriegstreiber?“ Statt eines geraden „Jawoll!“, gerät sie ins Stocken – und wir werden Zeuge der Seltenheit einer Finsternis, wo etwas Großes etwas Kleineres verdunkelt: die Koalitionsverhandlungen hängen wie Schlingpflanzen um Sahra Wagenknechts Flow. Und Lanz stößt sie weiter in den parlamentaristischen Morast und setzt nach: „Wie finden Sie sowas?”
Sie stockt erneut. (Es war wohl ein Fehler von Freud, das Oberbewusstsein “Unterbewusstsein” genannt zu haben).
Schon fällt er ihr wieder ins Wort, sekundiert von Frau Adler (50:25).
In ihrer Not schwindelt Wagenknecht (ähnlich wie bereits in Minute 46:19, wo sie auf den Vorwurf, “Kriegstreiberei” plakatiert zu haben, blauäugig behauptet hatte: “Ich unterstelle nichts!”):
“Ich beschimpfe überhaupt niemand.”
Darauf Lanz: “Sie beschimpfen die Bundesregierung der Kriegstreiberei.”
Wagenknecht: “Ich möchte nicht, daß wir im Krieg mit Russland sind. Russland…”
Schon unterbricht Lanz wieder: “Warum fällt Ihnen das nicht bei Putin ein?”
Das ganze Gehuddel geht bis Minute 52, wo sie dann endlich, endlich wieder in die Offensive kommt, weil Merz Taurus-Raketen liefern und Kiesewetter den Krieg nach Russland tragen will.
Da gibt Adler voll den Kriegsfalken: „Von dort aus werden die Langstreckenwaffen losgelassen, geschickt auf die Ukraine.” (52:56)
Adlers Gezeter verhilft ihrer Gegnerin aber wieder nach vorne. Der Atomkriegsgefahr gibt Wagenknecht jetzt eine konkrete Vorstellung. Sodaß Lanz der Adler wieder zur Seite springen muss. Er stößt noch ein paarmal in Wagenknechts offensichtliche Blöße, ob Bundesregierung und Kanzler “Kriegstreiber” seien? Hält dann eine Eloge auf Olaf Scholz und dessen Verhandlungswillen, aber:
“Sie beschimpfen Scholz als Vasallen-Kanzler. Er will doch das gleiche wie Sie?”
Als Wagenknecht nochmal einen atomaren Weltkrieg anspricht, kichert Lanz grimmig und unterbricht sie:
“Russland wollte in Ukraine einmarschieren, das ganze Land einkassieren.” (54:00)
Bei so viel Unsinn muss schnell die Adler Lanz wieder zu Hilfe kommen. Mit einer Lüge: In der Schweiz, in Bürgenstock, hätten sehr viele Länder verhandelt, aber Russland hätte nicht kommen wollen.
Wagenknecht korrigiert, Russland sei nicht eingeladen gewesen.
Dann folgt ein mehrminütiges Gezerre, wo Wagenknecht sich in die Enge treiben lässt.
Aber sie kommt bei 56:07 wieder in die Vorhand:
“Glaubt noch jemand daran, daß die Ukraine siegt? Also das ist doch völlig illusorisch.”
Statt sich ihren Stellungsvorteil sofort zu sichern, bietet sie aber eine Hand zur Versöhnung:
“Egal, ob man sich das wünscht und ob das moralisch geboten ist und völkerrechtlich angebracht. Das mag man alles so sehen und das ist auch so.”
Wie bitte? Das Aufatmen von Lanz und Adler am Monitor ist unübersehbar. Denn Wagenknecht lenkt ein, daß ein Sieg der Ukraine “moralisch geboten ist”!
Jetzt macht sich Lanz selber zum Talkgast und erzählt ellenlang (58:00 bis 59:40) „gruselige“ Einzelerlebnisse von der ukrainischen Front. Wie aus dem Nichts erscheint dazu im Hintergrund ein Foto von Putin.
Lanz: Die Kämpfer “werden in einen Fleischwolf getrieben … von dem Mann auf dem Foto!”
Hier rächt sich erneut, daß Sahra Wagenknecht auch in diesem Talk viel zu wenig über die Vorgeschichte des russischen Einmarschs, über den fortgesetzten Bruch von Minsk I und II durch Selenskyjs Nazi-Milizen und durch die NATO eingebracht hatte. Somit beginnt die Geschichte bei Lanz, wie bei jeder reaktionären Geschichtsschreibung mit einem willkürlich festgesetzten Gewaltereignis (z.B. zur Französischen und Russischen Revolution), hier erst mit dem russischen Einmarsch 2022.
Nach einer Stunde kommt dann Lanz zu dem vorgefassten Resümee, welches ihn als Diskussionsleiter disqualifiziert, aber als Infighter aus dem Boxstall “Nachrichtendienstlich-medialer Komplex” prämiert:
“Der Mann, der den Krieg beenden kann, ist dahinten (deutet auf Putin) und ich möchte nicht, daß Leute, die Selensky und der Ukraine helfen, ich möchte nicht, daß die in der deutschen Debatte als Kriegstreiber verunglimpft werden. Ich möchte das nicht. Ich finde das nicht in Ordnung. Sie plakatieren das. Lassen Sie uns das einfach so stehen lassen!” (1:00)
Wagenknecht eher kleinlaut: “Ich sehe eine große Gefahr für unser Land…”
Und der Moderator, bevor er sich dem Elektro-Auto-Lobbyisten zuwendet:
“Sie beschimpfen die Falschen. Das ist das Problem!”
Der Disput ist rum. Lanz darf mit sich zufrieden sein, vor aller Augen die wirkmächtigste Fighterin aus dem Friedens-Lager von ihrem „Kriegstreiber”-Vorwurf weitweg getalkt, die Anti-AfD-Brandmauer nachgebessert und etwas matt glänzendes Sprach-Perlmutt (“die NATO hilft nur, zu verteidigen”) ins imperialistische Innengewölbe geklebt zu haben.
Aber war das echt das Talent von Lanz? Oder die Einwirkung von Druckwellen aus Parlamentarismus und Thüringer Koalitionsanbahnungen? Daß für Wagenknecht Putin ein Kriegsverbrecher ist? Ein Sieg der Ukraine ihr moralisch geboten, aber illusorisch ist? Daß sie jetzt weder Ampel noch sonst jemand “Kriegstreiberei” unterstellt? Daß die Nazi-Milizen unter Selenskyj und deren Rolle gegen Minsk II weggeschwiegen blieben? Daß die Bedrohung durch die NATO “von Russland eher nur empfunden wird”?
Wagenknecht hat, ohne Tabus aus der Vorgeschichte von 2022 auch nur angesprochen zu haben, etwas von Weltkriegsgefahr und für Waffenstillstand durchbekommen. Sagen wir: vielleicht 60 Prozent ihrer eigenen Zielvorgaben. Aber früher wären es wohl mal 100 Prozent gewesen.
Wer eine Sache vom Wesentlichen her falsch anpackt, was Wagenknecht durch das Weglassen oder Fehlinterpretieren vob Putins Motivation für den (gemäßigten) Einmarsch in Ukraine zur Hilfeleistung für die Donbass-Republiken von Anfang an gemacht hat, erntet dann eben auch den Salat, den man selbst mitgesät hat.
Das Novum zu beabsichtigen, gewisse Waffen in Deutschand zu stationieren, welche dieses Land zur Zielscheibe machen, hätte Wagenknecht den vaterlandslosen Transatlantikern um die Ohren werfen können und diese als de-facto-Verbrecher an der Gesellschaft im verbalen Duktus gnadenlos bloßstellen sollen.
„Wer eine Sache vom Wesentlichen her falsch anpackt,“
Naja. Sie redet da zu 80% zu einem Publikum, das überwiegend auf MSM-Kurs ist. Frau Wagenknecht wird immer wieder in Areale gelockt, die sie bemerkbar meidet, weil sie weiß, dass sie stets auch für jene nachvollziehbar argumentieren sollte, die nicht so im Thema sind.
@Artikel
Ich fand auch die Seite „Die Propagandaschau“ immer witzig, aber das Problem ist, dass dieses Ironisieren und Witzeln nicht wirklich weiter hilf und immer spontihaft und etwas rat- und hilflos rüber kommt.
Wieso nicht eine Zwei-Spaltenlösung mit links dem Original-Zitaten und recht in trockenem Ton und informativ, was verbogen ist, was gelogen ist und was eigentlich noch viel schlimmer ist?
Hervorragende Analyse. Mehr davon! Medienkritik in der BRD ist noch weitgehend unterentwickelt. Diether Dehm liefert dankenswerterweise ein Musterbeispiel, wie das geht. Das ist natürlich sehr zeitintensiv. Es wäre noch zeitintensiver, wenn man zu jedem Punkt die entsprechenden Quellen verlinken würde.
BSW muss eine gewissen Eiertanz aufführen. Wenn sie Mehrheiten haben wollen, dann geht das nicht mit den wenigen Wählern, oft im Osten, die die wirklichen Zusammenhänge durchschauen . Da müssen auch Menschen abgeholt werden, die ein Unbehagen haben, die merken dass was schief läuft, aber gleichzeitig noch geistig in Narrativen der Staats- und Konzernpropaganda befangen sind.
Mal sehen , wie sie sich entwickeln. Leider zeigt die historische Erfahrung, dass sich Vernunft nie langfristig durchsetzt.
DDD ist ja bekanntlich „Intimfeind“ von Wagenknecht! Sie läßt ihn nicht ins BSW, sie kennt ihn gut!
Das Dumme ist, DDD hat in vielen recht, auch mit der Querfront. Für die Querfront gibt es viele historische Beispiele, vom antijapanischen Bündniss der KP China mit der Koumintang bis zur Regierungsbeteilingung einer kleinen Rechtspartei unter Tsipras in Griechenland.
Da DDD niemals Mitglied im BSW werden kann, hat er Vorteile. Er kann Dinge sagen, die eine Wagenknecht niemals sagen dürfte. Das sollte er intelligent tun, denn das ist er.
Sein Beitrag war nicht schlecht, aber zu lang.
In der Kürze liegt die Würze.
Nur so erreicht man „die Massen“. Wagenknecht kann das!
DDD? – Dieser dämliche Deutschlandfunk, Deutsche dienen Dänen, Dichter dichten Dächer …?
Dieser Dieter Dehm da. Es fehlt also noch ein D: DDDD
Dr.Dieter Dehm
Ok, auf den Dr. bin ich nicht gekommen. „Dehm“ wäre übrigens nur ein Buchstabe mehr gewesen, dafür eindeutig.
Das Format hat sich nicht geändert, 3 oder 4 gegen eine oder einen. Oppositionelle/n.
Anfangs werden sie kurz hofiert um dann anschließend vernichtet zu werden.
Nicht nur Lanz arbeitet ganz im Sinne seiner Herren.
Würden sie anders agieren wäre das schöne Gehalt, welches sich auf ca. 75000 Euro für 45 Minuten Sendung belaufen dürfte, futsch.
Darf man das schon Prostitution nennen?
Danke an Herrn Dehm für den Artikel.
Das Format zeigt auch, dass die Deutschen Demokratie nicht wirklich können. Zur Demokratie gehören nämlich solche Sekunkdärtugenden wie:
– andere Leute ausreden lassen
– sich selber in Frage stellen zu können
– lernbereit sein und
– Dinge auf den Punkt bringen und vertiefen.
In solchen Talk Shows kann man diese mangelnde Demokratiefähigkeit der Deutschen immer wieder bewundern. Zum Ausgleich werden wir aber bald kriegstüchtig sein.
Wenn du glaubst, dass deine Bulletpunkte Demokratie ausmachen, dann wird es nie Demokratie geben. Denn du verstehst offenbar die menschliche Psyche nicht. Leute, die in die Politik gehen, wollen Geld verdienen und nicht, nach einer Wahl arbeitslos sein. Wer Politiker ist, hat, wenn er ehrlich bleibt, nur sehr wenige Arbeitgeber, eigentlich nur einen einzigen. Und das ist leider auch das Problem, denn wer verzweifelt an seinem Job hängt, weil er keinen anderen adäquaten bekommen (wir reden ja von dem hypothetisch ehrlichen Politiker), der wird halt alles dafür tun, um ihn zu behalten. Kann ich voll verstehen. Und solange sich das nicht ändert oder man eine neue Idee hat, wie diese Leute auch nach ihrer Politikerkarriere entsprechend verdienen können, wird sich auch das System nicht ändern können.
Wir reden hier von den Journalisten. Die bräuchten sich nicht derart zu verhalten.
Journalisten haben selten Festanstellungen. Deren Beschäftigung ist prekärer als die der Politiker.
Das Format alle gegen eine(n) Oppositionellen soll ganz demokratisch durch Mehrheitsentscheid (;)) dem Zuschauer die richtigen und die falsche Position vorführen.
Eure Wirrness, jeder kann sich die Talkshow selbst ansehen! Hat der Autor Angst, dass man sich seine eigene Meinung bilden kann, wenn er jeden Dialogschnipsel der drei Wochen alten Sendung hier noch einmal durchmoderiert?
Hier ist der Link https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://www.zdf.de/gesellschaft/markus-lanz/markus-lanz-vom-25-september-2024-100.html&ved=2ahUKEwiQr7606oqJAxVvAtsEHRv4NrQQjjh6BAgbEAE&usg=AOvVaw2BsJKmikeknDAD7zNf9BFb
Im Gegensatz zu Ihnen gibt es auch Leute die sich solche Talkshows nicht (mehr) ansehen weil sie sonst kotzen müßten, von daher ist der Artikel von Herrn Dehm hilfreich.
Es ist schon sehr aufwändig, wenn man eine genaue Textanalyse machen will. Der Vorteil dabei, es gibt ein Skript.
In einem Videobeitrag gibt es das nicht. Man muss immer wieder hineinhören und mühselig die Passagen schriftlich aufbereiten. Erst danach kann eine Einordnung erfolgen, wobei dann noch Mimik und Gestik aus dem Video zu beachten sind. Nach dieser Grobstruktur ist eine mehrfache Überarbeitung nötig, um nicht seinen eigenen gewonnenen Eindruck Vorrang zu geben, sondern sachlich ohne Färbung einzuordnen,
Damit dürfte klar sein, dass man so etwas nicht aus dem Hut zaubern kann.
Hier gibt es eine gut ausgearbeitete Medienkritik, die man nicht abwerten sollte.
Ok, ich vergesse immer wieder, dass ich hier Besucher einer Anstalt bin.
Nicht Besucher. Insasse.
Das lange Gesprächsprotokoll bestätigt nur das Offensichtliche:: Europäische Politik wird heute in Washington und Moskau gemacht. Wir hier in Europa dürfen uns nur noch darüber streiten, welche Meinung zur Fremdbestimmung mehr Zeit im Rampenlicht bekommen soll. Lächerlich, diese Demokratie.
So ist es. Jedoch könnte der Deutsche sich ja einfach eine Verfassung geben, etwa unsere-verfassung.de , womit er die Politik nach Wunsch gestalten könnte. Jedoch zeigt jene Webseite auch schon das Problem, wenn nur 7k mit Ja stimmen. Ergebnis: Der Deutsche ist lächerlich. Er will im Käfig versklavt sein, begrüßt Peitsche und Nasenring.
Jedes Volk hat die Demokratie, die es verdient.
Das Problem bei solchen Talkshows ist, dass Leute, die die Probleme ansprechen, nicht mehr eingeladen werden und eine schlechte Presse bekommen. Sahra Wagenknecht hätte z. B. fragen können:
Sehen sie nicht, dass der Westen diesen Krieg verliert?
Wie lange wollen sie den Krieg denn führen?
Die NATO hat nach zwanzig Jahren den Ukrainekrieg verloren. Können wir uns dasselbe bei Russland leisten?
Glauben sie, dass der Westen das durchhalten kann?
Muss notfalls der Sozialstaat geopfert werden?
Wie weit wollen sie eskalieren?
usw. usw.
Das wäre dann ihr letzter Auftritt im TV gewesen. Aber sie benötigt diese Auftritte und bringt ihre „Gesprächspartner“ deshalb nicht in Verlegenheit.
„Muss notfalls der Sozialstaat geopfert werden?“
Selbstverständlich, ist bereits voll im Gang. Motto: „Wir können uns die Armen nicht mehr leisten“
Werdem Ansinnen nicht zujubelt ist Staatfeind
Glaube ich nicht, dass das ihr letzter TV-Auftritt gewesen wäre. Und selbst wenn, was nutzen den TV-Auftritte die für jeden erkennbar nur darin bestehen, Wagenknecht nieder zu quatschen, indem man sie nicht einen Gedanken ausführen lässt. Ich frag mich eh warum Sie sich das antut.
Selbst wenn Sie die Auftritt benötigt, wäre die Frage wofür? Für den Preis, dass sie vorgeführt wird?
Sie lässt sich doch vorführen. Die Frage ist, warum. Weil jeder der im TV vorkommt, wichtig ist. Jedenfalls funktioniert das. Warum sagt sie denn nicht mal, dass man sich nicht in jeden Krieg auf der Welt einmischen kann, und schon gar nicht in den Grenzkrieg zwischen der faschistischen Ukraine und „Putinrussland“ (damit sie nicht als Putinfreundin dasteht).
Hauptsache Öffentlichkeit damit man im Gespräch bleibt
Eine Rezension über eine Sendung von Lanz? Ist das jetzt euer ernst?????
Der Kerl ist ein ehemaliger Radio-DJ und Moderator von Volksmusiksendungen.
Warum ausgerechnet der eine Polit-Sendung moderiert, ist bestenfalls eine X-Akte.
Im schlimmsten Fall zeigt es die Verachtung der öffentlich-rechtlichen Sender für die Zuschauer
„Warum ausgerechnet der eine Polit-Sendung moderiert, ist bestenfalls eine X-Akte.“
Weil er der Großinquisitor der Nation ist. Lanz ist eine Lanze der Propaganda. Ihn
als Radio-DJ und Volksmusikkasper zu sehen, unterschätzt ihn gewaltig.
Die arme Sarah. Die Positionen ihrer Gegner sind bekannt, da tausendfach in die Köpfe gehämmert. Sie selbst bräuchte Zeit, um ihre abweichende Position zu erklären. Zeit, die sie nicht bekommt. Aber eben deswegen hat sie so hohe Einschaltquoten, weil die Leute eben diese Positionen hören wollen.
Sie müsste unbedingt darauf achten, dass sie die Angreiferin bleibt, auf die die anderen reagieren müssen. Clausewitz. Das ist nicht gelungen. Die Adler insbesondere hat sie in die Defensive gedrückt.
Um kompakt, aber trotzdem durchschlagend zu bleiben, müsste sie sich auf zwei Punkte konzentrieren. Die Umsetzung von Minsk II hätte einen sofortigen Waffenstillstand in der Ukraine bedeutet, denn als erstes hätte man einen 60 Kilometer breiten Korridor vereinbart, aus dem alle schwernen Waffen abgezogen werden. Dass das nicht passiert ist, ist eindeutig die Schuld des Westens.
Zweitens der Verweis auf das russische Angebot, ganz Europa atomwaffenfrei zu machen, nebst anderen vertrauensbildenden Maßnahmen. Dieser Vertrag liegt seit Ende 2021 vor und könnte immer noch angenommen werden. Ja, verdammt nochmal, Russland hätte nicht angegriffen, wenn das unterschrieben worden wäre.
Und last not least: sie hätte Butscha ruhig als Inszenierung bezeichnen können. Die Indizien sind ziemlich eindeutig.
Mein Rat an Sarah: Clausewitz lesen.
Angriff und Defensive?
Die liebe Sahra darf aber nicht übertreiben, schließlich will sie doch nicht meckernde Statistin auf einem Außenseiterposten bleiben, sondern mitregierungfähig sein. Genau das aber treibt sie in die Defensive. Sie darf ja keinem so richtig weh tun – vor allem nicht der SPD oder der CDU.
Letztlich ist das BWS noch längst nicht stark genug, um einen Politikwechsel herbei zu führen und weil ein starkes BWS ggf. noch Jahre braucht, um wirklichen Einfluss zu nehmen, kann es nur in einer Koalition wirksam sein, wobei sich manche Vorstellungen dann deutlich verwässern würden.
Leider fehlt es an einem Bündnispartner, der liberalkonservative Werte verkörpert, der zwischen BSW und AFD angesiedelt sein müsste, um die Probleme unserer Zeit krafvoll anzugehen.
„schließlich will sie doch nicht meckernde Statistin auf einem Außenseiterposten bleiben, sondern mitregierungfähig sein. “ Das ist Sahra Wagenknechts Grundwiderspruch. In so einem Scheißladen wie der bürgerlich-kapitalistischen BRD mitregieren zu wollen, erfordert eben Rücksichtnahmen, die ihre Gegner gnadenlos ausnutzen, um sie bloß zu stellen und klein zu machen.
„Genau das aber treibt sie in die Defensive.“ Richtig.
„Mein Rat an Sarah: Clausewitz lesen.“ Echt? Das hat sie doch längst. Wird man während der künftigen Koalitions Verhandlungen sehen können. Das BSW wird sich „gesund schrumpfen“ sich „anpassen“ und in die Familie Staats Pensionäre aufgenommen, wenn man verspricht brav zu sein….
Die Kunst der passenden Verdrehung, so könnte man die Vielzahl an Talk-Beeinflussungssendungen subsummieren. Statt Informationen unterschiedlicher Perspektiven zu liefern und die Bewertung den Zuschauern zu überlassen, werden bewährte PR-Maßnahmen manipulativ eingesetzt, um das Publikum in die „richtige Richtung“ zu beeinflussen. Dabei ist die Gesinnung und Meinung der „Moderator*innen“ eine entscheidende Größe. Sie moderieren nicht, sondern geben stets eigene Anschauungen und Bewertungen zum Besten. Das allerdings scheint auch im Journalismus Mode zu sein.
Wieviele Talksendungen gibt es eigentlich und wozu?
Welches Budget aus den Zwangsgebühren wird dafür verschleudert?
Wie viel betreutes Denken braucht man noch, um den „hier Lebenden“ vermeintliches „Mainstream-Denken“ unterzujubeln – und sind die „hier Lebenden“, wie Frau Merkel das Volk zu nennen pflegt, wirklich so unterbelichtet, dass sie weder die Absicht erkennen, noch dazu fähig sind, sich ein eigenes Bild zu machen?
Vielleicht gibt es sie aber doch, die Schweigespirale der stillen Mehrheit.
Dabei fragt man sich, warum sie denn so still und leise ist.
Damit sie aber so scheigsam bleibt, wie sie scheint, gibt es jetzt staatlich geförderte Meldestellen,
wie REspect, um unliebsame Meinungen im Keim zu ersticken. Nach GG verbotene Zensur findet dabei
selbstverständlich nicht statt. Es geht ja darum, Hass und Hetze zu verhindern, oder eben Äußerungen,
die den gesellschaftlichen Frieden beeinträchtigen könnten.
Vielleicht sollte man so einige Moderator*innen und Talkshow-Teilnehmer wegen ihrer Äußerungen dort melden.
Ist Kriegstreiberei nicht eine besonders gravierende Form von Hassrede und Hetze?
Gehört nicht die betriebene Desinformation im öffentlich rechtlichen Rundfunk, die sich unterhalb einer Strafbarkeit abspielt, auch eine meldepflichtige Angelegenheit, wo doch der im Alltag häufiger zu hörende Begriff „Dummschwätzer“, sogar strafbar sein kann?
Der deutsche Irrgarten treibt seltsame Früchte von behüteter Freiheit und Demokratie und keiner scheint zu merken, dass diese hehren Begriffe völlig ausgehölt werden.
Ich wünschte es gäbe mehr Politiker wie Frau Wagenknecht.Und weg mit den alten Zöpfen wie Scholz,Bärbock Habeck usw.Diese machen aus Deutschland das Armenhaus Europas.
Etwas zu viel Aufwand für ein bisschen deutsches “Infotainment”.
Substantieller wäre gewesen zu untersuchen wie und warum Debatten in Deutschland inzwischen am Zeitgeist vorbei geführt werden, und warum man nicht erkennt dass der Weltgeist ein anderer ist!
Wer nicht entsprechend seinem eigenen Kenntnisstand argumentiert, der lügt ein Stück weit. Wie ein Heiratsschwindler oder Ehebrecher muss man dann immerzu alles bedenken und mögliche Fallstricke erkennen.
Ich fürchte, ich wäre dafür nicht intelligent genug. Nein, ich fürchte niemand ist dafür intelligent genug.
Ich rate daher zu einer stringenten Argumentation, auch wenn es dann schwierig wird, in den Mainstream eingeladen zu werden.
Denn: Unstimmigkeiten fallen am Ende doch immer auf.
Wie fast immer, lenkt auch dieser Beitrag von eigentlichen Problem ab.
Die Wagenknecht wird nichts verbessern, sie betreibt bestenfalls Schadensbegrenzung.
Politik ist die Kunst des Möglichen, hat mal jemand gesagt.
Man kann natürlich auch von der großen Revolution träumen, die alles genau so ändert, wie man sich das in seinen eigenen sehr spezifischen Vorstellungen sich das so denkt. Revolution funktioniert besonders in Deutschland nicht. Die SPD wird eine Revolution wieder niederschießen. Und die App für de Bahnsteigkarte funktioniert sowieso nicht in der Digital-BRD. Die Tendenz zum Schisma besonders der Linken aller Arten hilft da auch nicht. Bleibt also nur der Pragmatismus.
Jede Wette, sie wird eine von „denen“. Wenn nicht hat sie keine Chance und wird mangels Mehrheit in einer Demokratie leicht von allem auszuschliessen sein.
Teilhabe an der Macht ist zu gross ein Preis, um ihn einer idealistischen Ideologie wie der Wahrheit zu opfern!
Die Intelligenteren unter ihren Wählern werden sich mit Grausen abwenden. Das Bsw wird am Ende eine weitere angepasste Partei im 5 – 10% Spektrum sein….
Im Westen wurde – um einen bekannten Ukrainer zu zitieren – die Idiotie zur Staatsreligion erklärt. Die Lanzens sind die Inquisitoren. Sie laden keinen Ketzer ein, den sie nicht hinrichten können.
OLLE KAMELLEN VON KARL MARX ?
Egal über was in einer Gesellschaft diskutiert wird, es ist immer ohne Sinn, wenn man außer Acht lässt, was die Grundlage des Lebens oder unseres Lebens ist: Die Ökonomie. Und dazu sagt Karl Marx in „Lohnarbeit und Kapital“:
„Der Arbeitslohn (Das ist die angegebene Seitenzahl in Bd. 6) ist die Summe Geldes, die der Kapitalist {9} für eine bestimmte Arbeitszeit oder für eine bestimmte Arbeitslieferung zahlt.
Der Kapitalist, so scheint es, kauft {10} also ihre Arbeit mit Geld. Für Geld verkaufen sie (die lohn- und gehaltsabhängig arbeitenden Arbeiter und Angestellten) ihm ihre Arbeit. Dies ist aber bloß der Schein. Was sie in Wirklichkeit dem Kapitalisten für Geld verkaufen, ist ihre Arbeitskraft (…)
Die Arbeitskraft {14} ist also eine Ware, nicht mehr, nicht minder als der Zucker. Die erste mißt man mit der Uhr, {16} die andre mit der Waage.“ (Band 6; S. 399 u. 400)
Egal wieviel ein Arbeiter oder Angestellter (auch weblichen) „verdient“ – „bekommt“ zu sagen wäre richtiger – und was mit diesem Geld gekauft werden kann, hat mit der Leistung des Arbeiters oder Angestellen (auch weiblichen) nichts zu tun.
Und dieses ganze Spiel eines einzelnen Kapitalisten spielt sich bei jedem Kapitalisten in jedem kapitalistischen Land auf diesem blauen Planeten ab.
Der Wert dieses Arbeitslohns ist mal mehr oder weniger wert. Es hängt von der Inflation ab, die das Geld entwertet. Die Gewekschaften handeln mal Beträge aus, die den Wert des Geldes über die Inflation heben und manchmal nicht – die Funktion der Gewerkschaften ist nie, die Gesellschaft, also den Kapitalismus abzuschaffen. Die Gewerkschaften haben aber nur begrenzten Einfliuss auf den Kauf der Arbeitskraft.
Und dann gibt es noch die Personen, die sich nicht in der Gewerkschaft organisiert haben – die sind auf Gedeih und Verderb dem Unternehmen ausgeliefert. Es sei denn, sie haben die Funktion, wo ihr Chef von ihnen verlangt, dass sie darauf achten, dass der Preis für die Arbeitskraft für die Berechnung des Wertes der Ware für das Unternehmen so niedrig wie möglich gehalten wird. Und die, die weder in der Gewerkschaft organisiert sind und auch keine leitende Funktion haben, die können sich abrackern oder HARTZ IV beantragen.
Aber wir in Deutschland oder Europa lebten relativ gut situiert, weil unsere Industrie billige Energie aus Russland bezogen hat, was nun die Konservativen der CDU, die Atlantiker der SPD, die neoliberalen Extremisten der FDP und der GRÜNEN und die LINKEN Kümmerer aus dem Osten verhindert haben.
Sollten mehr Wähler auf den Gedanken kommen die Ollen Kammellen von Karl Marx lesen wollen, um noch viele kapitalistische Insider-Infos bekommen zu wollen, dann ist hier wieder der Link:
http://mlwerke.de/me/me_zuoek.htm
Was Marx nicht erfassen konnte das der Staat als Ober-Ausbeuter durch willkürliche Steuern und Abgaben die Bühne betreten wird. Ich weiß nicht ob der alte Karl sich vorstellen konnte das von dem Ausbeuter-Lohn der Staat sich noch über 50% nimmt.
„Egal wieviel ein Arbeiter oder Angestellter (auch weblichen) “verdient” – “bekommt” zu sagen wäre richtiger – und was mit diesem Geld gekauft werden kann, hat mit der Leistung des Arbeiters oder Angestellen (auch weiblichen) nichts zu tun.
Und dieses ganze Spiel eines einzelnen Kapitalisten spielt sich bei jedem Kapitalisten in jedem kapitalistischen Land auf diesem blauen Planeten ab.“
Und solange sich jede Menge Arbeiter finden, die sich da nicht umdrehen und sagen Leck mich!, wird sich daran nichts ändern.
PS Bitte jetzt keine Aufzählung der Ausreden, die alle bekannt sind. Entweder sie tun es, oder sie tuns halt nicht, Dann täten sie ganz Recht prinzipiell immer das Maul zu halten, oder, welch ein Witz eure Proletarier doch sind: ausgerechnet SPD zu wählen.
😂 🤣 😂 🤣 😂 🤣 😂
Solche aufgedröselten Talkshows als Artikel halte ich für aufschlussreich. Bloß könnten die Schlüsse daraus noch etwas ausgeführt werden. Also etwas weniger dröseln und etwas mehr schließen und urteilen.
Das Problem bei Wagenknecht in Bezug auf den Ukrainekrieg war schon immer, dass sie davor zurückgeschreckt ist die Zwecke der Nato und der BRD offen zu auszusprechen. Stattdessen versucht sie ohne Kritik und Anklage auszukommen, indem Sie Verhandlungen und Diplomatie als Alternative vorschlägt. Statt klar zu sagen. Klar doch, der Westen inklusive der Brd-Regierung sind Kriegstreiber. Und das ist nur ein anderes Wort dafür, dass sie den Konflikt immer weiter eskalieren. Sie wollen Russland ruinieren und das nicht erst, seit Putin in die Ukraine einmarschiert ist, sondern umgekehrt er ist einmarschiert, weil der Westen eine tatsächliche Bedrohung für Russland darstellt, nicht nur gefühlt.
Alles andere ist westliche Propaganda.
Dieser infantile Schwachsinn dürfte inzwischen kaum mehr als russische Staatspropaganda in Russland funzen. „AK Beau Sejour“ schrieben in einem gebashten Artikel:
Das ist eine am Vorkriegsgeschehen, namentlich den diplomatischen russischen Initiativen, die NATO zum Verzicht auf die Ukraine, die USA, Deutschland und Frankreich zum Bau einer „Sicherheitsarchitektur“ für Europa zu bewegen, und Putins zwei Vorkriegsreden nachweisbare Tatsache. Jeder, der etwas anderes sagt, treibt Propagada oder lügt sich und anderen ideologisch in die Tasche. Auch „Ak Beau Sejour“ in der direkten Fortsetzung:
Denn die ukrainischen Proxies, die der Satz doch selbst als solche charakterisiert, „kämpfen“ nicht, schon gar nicht für „nationale Souveränität“, sondern geben Land und Leute als NATO-Vorposten her und ‚drein. Der Satz „Russland von der Weltbühne zu verdrängen … oder (?) gar(??) zu zerschlagen(!!)“ gibt schon in seinem Pleonasmus bekannt, wie albern er ist. Niemand, schon gar nicht NATO-Generäle, haben je beabsichtigt, das nuklear schwer bewaffnete flächengrößte Staatswesen auf dem Globus, das obendrein direkter Nachbar des bösen Hauptfeindes, China ist, zu „zerschlagen“. Das hat auch der vielgescholtene Zbigniew Brzezinski angesagt, den die Autoren fälschlich zur Berufungsinstanz nehmen und dabei so dümmlich waren, das selbst zu zitieren. Denn Brzezinski schrieb schon 1997, zu einer Zeit, als die USA „den Aufstieg Chinas“ noch als eine theoretische Gefahr betrachtet haben:
Das richtete sich erstmal primär gegen die EU und speziell Deutschland, denn die Russische Föderation war zu dieser Zeit aus eigener Kraft nicht einmal imstande, das eigene Territorium zuverlässig zu beherrschen, wie die Tschetschenien- und Dagestankriege bezeugen, in dessen Verlauf und nach dessen Ende die neuen zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Turkmenistan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan sich dem Westen angedient haben, wie Sauerbier, mit der Folge, daß Putin persönlich den USA und Europa für ihren „Afghanistankrieg“ 2004 eine Nachschublinie durch russisches Territorium angedient und die RF sie zu erklecklichen Teilen obendrein bezahlt hat, um wenigstens den gröbsten britisch, amerikanisch und türkisch gesponserten Terrorismus in Usbekistan, Kirgisistan und Tadschikistan von der Backe zu kriegen.
Nicht lange vor dem russischen Einmarsch hat ein Putsch in Kasachstan, das schon 20 Jahre lang mit israelischer, amerikanischer und türkischer „Hilfe“ gegen die RF aufgerüstet hat, dies Land endgültig in den chinesischen Orbit befördert.
Als „The Grand Chessboard“ 1997 geschrieben wurde, hat das realpolitisch ganz konkret dazu gedient, das zögernde WH zum vollen Eintritt in den Jugoslawienkrieg zu bewegen, was dem Department of State nicht gelungen war, wie man am Bosnienkrieg studieren kann.
Und es ist halt ebenfalls bloß albern, heute irgend welche amerikanischen Vollidioten zu zitieren, die im Whiskeyvollrausch von einer „Dekolonialisierung“ Russlands träumen.
Nach dem Einmarsch in die Ukraine ist umgekehrt inzwischen sonnenklar für jeden Russen, Deutschen oder Amerikaner, gleich welcher Couleur, daß der russische Versuch, der Verunsicherung und Bedrohung der Regionalmacht der RF durch die NATO mit Gewalt zu begegnen, grandios nach hinten los gegangen ist. Unterdessen umgeht selbst die BRI das russische Territorium und die RF muß ihre Rohstoffe für Äppel und Eier an China abgeben, um einen Krieg wenigstens weiter führen zu können, den sie nicht mal formell beenden könnte, denn eine klassische Eroberung der Ukraine endete in einer politischen und ökonomischen Vollkatastrophe.
Wenn nicht mal Schluss wird mit der ideologischen Zwangsveranstaltung, eine Feindschaft gegen die NATO mit einer Parteinahme für die RF siamesisch zu verschwistern, wird sie ersterben, wie ein gichtkranker Versuch zu einem 400m – Lauf.
So, so. – 1. Ist Baerbock ein Niemand oder Außenministerin der BRD? 2. wieso soll die Tatsache, dass Russland Nachbar von China ist, gegen die Zerschlagung oder Schwächung von Russland sprechen. Einen Verbündeten zu schwächen, ist doch auch eine Schwächung des Hauptfeinds China. 3. Natürlich wird selten offen von der Zerschlagung Russlands gesprochen, weil das ja nicht für die guten Absichten des Westens sprechen würde. So ein Zweck lässt sich schwer rechtfertigen. Stattdessen wird 24/7 von der russischen Bedrohung schwadroniert. Russland wird also als Feind definiert. Das eigene Interesse an der Zerstörung von Russlands Macht wird als seine aggressive Natur behauptet. So geht das ideologisch. Man muss Russland klein machen, um seine angeblich aggressive Natur zu bändigen.
Es dreht sich also alles um. Russland wird zur Bedrohung erklärt als sei es seine aggressive Natur, dass die Nato an die russischen Grenzen herangerückt ist. Im Übrigen gibt es durchaus einen Unterschied zwischen „zerschlagen“ und von der „Weltbühne verdrängen“. Das ist kein Pleonasmus.
„Nach hinten losgegangen“ ist eine Metapher, aber wofür?
Fragt sich bloß für wen. Die russische Wirtschaft wächst, während die deutsche schrumpft. Die Sanktionen sind „nach hinten losgegangen“.
https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/bizarre-entwicklung-steigen-russische-oeleinnahmen-oder-sinken-sie-li.2231440
Wer „sie“? Die Zwangsveranstaltung, die Feindschaft, die Parteinahme für die RF?
Sowohl als auch, du Vollpfosten.
Na das hat ja nicht lang gedauert, bis du dein übliches Niveau erreicht hast.
Ich schließe nicht aus, dass die rituelle Hinrichtung von nicht genehmigten Meinungen in solchen Sendungen mit ihrer sehr durchschaubaren Choreographie, trotzdem für die zur Schlachtung Vorgesehenen funktioniert. Und ich kann mir vorstellen, dass Politikerinnen wie Weidel oder Wagenknecht, die, unabhängig von dem was sie politisch vertreten, ihre medialen und politischen Gegner intellektuell in aller Regel meilenweit überragen, das auch kalkulieren.
Ist eine Annahme, die ich durch nichts belegen kann. Eine Spekulation. Aber ich habe meine Mutter, eine sehr alte Dame, die erstaunlich und erfreulich fit geblieben ist, nach einer solchen Sendung erlebt. Mutter ist überzeugte Kommunistin, wird dies sicher für immer bleiben und nie etwas wählen, was sie nicht wenigsten in Ansätzen mit ihren Überzeugungen in Übereinstimmung bringen kann. AfD sind Nazis und BSW Verräter. Aber nach einer Alle-Gegen-Weidel-Sendung war selbst sie, der man nicht den Hauch von Zuneigung zur Weidel unterstellen kann, regulär erbost, wie man mit der Frau umgegangen war. Sie konnte das übrigens sehr gut in Worte fassen und es klang gar nichts so anders als das, was der Autor beschreibt. Wenn das die Wirkung auf eine, ich sage mal, in ihren Überzeugungen gefestigt Frau ist, könnte es sein, dass es bei anderen Zuschauern ähnliche Reaktionen gibt? Es müssen jedenfalls nicht zwingend die Ergebnisse sein, die die offiziell lizenzierten Wahrheitsmedien erwarten. Zumal deren Aktionen, wie diese Propagandashow die irgendwas mit „Hundert“ hieß, immer infantiler und dümmer werden und ich mir nicht wirklich vorstellen kann, dass sie mehr als Genderasten und Wokeschisten, erreichen.
Wobei ich das nicht gering schätzen will Es bleibt dabei, dass man, wenn man sich auf die blödesten fokussiert, immer die Chance auf eine Mehrheit hat
Meinst du Wagenknecht macht das mit Absicht, um Parteinahme für das Opfer so einer öffentlichen medialen Hinrichtung zu erzeugen? Die Frage ist, ob eine so erzeugte Parteinahme von Dauer sein kann, wenn Wagenknecht ihre Argumente gar nicht mehr los wird.
„Es müssen jedenfalls nicht zwingend die Ergebnisse sein, die die offiziell lizenzierten Wahrheitsmedien erwarten.“ – Das stimmt.
Ob das funktioniert, weiß ich letztendlich auch nicht. Ich schreibe ja, dass ich es spekuliere. Deshalb mein Beispiel, wie es gehen kann. Aber klar, es gibt für alles ein Beispiel und für das Gegenteil auch.
Nur die beiden Frauen sind unbestreitbar klug und wissen, wenn sie sich in so einem Format präsentieren, sehr genau, was laufen wird. So eine Talkshow nach Amimuster dient einfach nicht dem Austausch von Argumenten. Wer die hören und lesen will, hat sehr viele andere Möglichkeiten. Die Show ist die Inszenierung eines Märchens: der Gute besiegt das Böse. Aber das muss mit der Horde geifernder Unsympathen, die sie in der Rolle der Guten besetzen, nicht zwingend gelingen. Ich kann mir vorstellen, dass die beiden Politikerinnen das kalkulieren. Andernfalls würde ich sie wohl einfach überschätzen. Auch möglich, klar.
„Nur die beiden Frauen sind unbestreitbar klug und wissen, wenn sie sich in so einem Format präsentieren, sehr genau, was laufen wird.“ Ja, das sind sie. Würde mich schonmal interessieren, warum Wagenknecht meint sowas machen zu müssen oder warum sie sowas machen will. Popularität, Pflichtbewusstsein gegenüber den benachteiligten Teilen des Volkes, deren Stimme sie sein will und denen sie Gehör verschaffen will. Oder dein Gedanke: sich ans Kreuz nageln zu lassen, um als Opferlamm Punkte zu machen. Vieles ist denkbar.
Es geht schon um Argumente, aber nicht mit dem Zweck etwas zu verstehen oder zu erklären, sondern darum mit den Argumenten Punkte beim Publikum zu machen. Von Lanz aus müssen die Argumente deshalb auch nicht korrekt sein. Sie müssen nur dazu taugen das Gegenüber in die Defensive zu drängen. Deshalb wird auch mit solchen Mitteln gearbeitet, wie dem Gegenüber ins Wort zu fallen, damit er seine Gedanken nicht ausbreiten kann usw.
Wahrscheinlich haben Lanz und Adler die Mission, die nach ihrer Ansicht von Wagenknecht verbreitete Desinformation zu unterbinden. Das ist schon eine Art Kreuzzug gegen das Böse.
Wagenknecht weigert sich noch zur Kenntnis zu nehmen, dass sie letztlich beim gesamtdeutschen Wahlverhalten NIEMALS die nötige Mehrheit besitzen wird, um das was getan werden müsste durchzusetzen.
Sie wird anfangen Kompromisse zu machen und irgendwann nicht mehr von den anderen Parteien zu unterscheiden sein. So funktioniert Demokratie nun mal. Wie Recht du hast interessiert kein Schwein, wenn du die nötigen Mandate nicht hast!
Zum Aufwachen: Die Serie von Migration, Corona, Impfen, Ukraine, Israel, Kriminalisierung der Meinungsfreiheit, ist nur der Anfang dessen, was in den nächsten Jahrzehnten ablaufen wird. SO wird es weitergehen, bei jedem neuen Thema. Die Blöden und Feigen werden IMMER die Mehrheit sein, die jede Minderheit problemlos tyrannisieren kann!
Fast wünscht man sich, dass Baerbock es zum Atomkrieg schafft… mit wneigerbwird sich der Augiasstall „Deutscher Staat“ nicht säubern lassen.
Was deine Erwartungen für die Zukunft betrifft, sehe ich es im Westlichen genau so. Und man braucht dazu weder Glaskugel noch andere außerordentliche Fähigkeiten. Es ist alles so offensichtlich und es gibt nur wenige Fragen, die offen sind. Eine, die sich mir stellt, ist, warum die politisch Handelnden, die doch oft Kinder haben, die auch von Menschen umgeben sind, die sie lieben, deren Schicksal ihnen am Herzen liegen sollte, so erkennbar unempfindlich gegenüber den Aussichten auf den Atomkrieg sind.
Die Außenlena wird sicher nicht den Krieg herbeiführen. Niemand wird sie auch nur nach ihrer Meinung fragen. Ich bin mir nicht mal sicher, ob sie auch nur das versteht, was sie selbst erzählt. Aber es muss doch innerhalb der politischen Klassen in Europa und Amerika Menschen geben, die zumindest über eine durchschnittliche Fähigkeit zur Erkenntnis verfügen und begreifen, dass alles Andere als bedingungslose Kriegsvermeidung Irrsinn ist.
Aber ok sieht so aus, als ob sein Wunsch bleibt und die Aussichten mies bleiben. Und schlechter.
Sarah Wagenknecht ist nicht zu beneiden. Sie muss einen gangbaren Weg zwischen Fundamentalkritik und Realpolitik, die etwas zum Besseren bewegen kann, finden. Das ist zwangsläufig ein Eiertanz. Allerdings sollte solchen lächerlichen Leuten wie Lanz, Adler und den olivgrünen Speichelleckern energischer in die Parade gefahren und in den Hintern getreten werden. Sie sollten sich nie sicher sein dürfen, dass ihnen rhetorisch nicht eins so übergebraten wird, dass ihnen ihr natoblaues Hören und Sehen vergeht. Nicht kalkulierbare aktive Überraschungsschläge sozusagen.
Immer, wenn die „Natoblauen“ überhaupt keine sinnergebenden Argumente mehr haben, berufen sie sich auf faktisch 100% auf Zement feststehende und niemals hinterfragbare weil real faktengecheckte Real News Fakten wie..:
– Brutkästen!
– Douma!
– Novitchok!
– Bergamo!
– MH17!
– Butscha!
…
Wer trotzdem fragt, stellt fest, Fragen sind jetzt justiziable Fake News! Außer Eiertanz geht da nichts mehr, auch nicht für Sarah, zumindest solange sie noch nicht Kanzlerin ist.
Die Auswahl Butschas als vorderste Informationskriegsfront entspräche aber einem Hills & Knowlton (London Office) Humor, would it not?
Kam außer 1211 sonst noch jemand auf die Plattitüde, daß es in solchen Showläufen ausschließlich um Haltungspunkte der zur Vorführung Vorgesehenen geht?
Und dabei ist selbstverständlich vorgesehen, daß SW punktet. Erstens führt das einen Teil lästiger mentaler Energien im Publikum ab, zweitens wischt es der AFD eins aus.
Mein Gott Dieter!
Der Artikel ist mir echt zu lang/langatmig. Ich bring es mal so auf den Punkt: Sie hat´s verkackt.
Warum sie gerade jetzt schwächelt, ist mir völlig schleierhaft…
Etwas radikaler darf man als Spitzenkandidat einer „Veränderungspartei“ schon sein, oder ist BSW das gar nicht?
Ich weiß schon, warum ich mir diese ganzen Talkshow-Runden nicht antue. Diese 4:1 Formate sind ja eben dazu da, die öffentliche Meinung zu formen. Dank Dieter Dehm wissen wir jetzt einmal mehr, dass die Beeinflussung funktioniert.
Seinen Spaghettitext zur Medienkritik zu adeln ist schon gewagt, im Wesentlichen transportiert er die Verwirrung aus der Glotze zum Overton-Leser, der sich die relevanten Stellen gefälligst manuell aus den Nudeln puhlen muss. Da bleiben Durchblick und Leselust auf der Strecke.
Auffällig ist die Penetranz, mit der Dieter Dehm mir zu verstehen gibt, er hätte sich an Stelle von Frau Wagenknecht besser geschlagen. Really? Ich habe immer noch das Interview vor Augen, welches DD in seiner YouTube-Reihe „MOATS auf Deutsch“ mit Hans-Georg Maaßen führte – nach dem Motto: Mit Rechten reden. Konkret redete da ein Opfer des Verfassungsschutzes mit dem dafür verantwortlichen Chef – hätte spannend werden können.
Stattdessen buk DD kleine Brötchen, entschuldigte sich gar im Voraus für manche Fragen, ließ den Maaßen stets ohne Nachhaken davonkommen und warf höchstens mal mit rhetorischen Wattebäuschen um sich. Am Ende dieses für DD peinlichen Schauspiels stand ein Maaßen, dessen konservativ-staatstragende Aura nicht den kleinsten Kratzer abbekommen hatte.
Von ausgerechnet diesem Dieter Dehm, der sich in seinem eigenen Format wenig souverän, streckenweise gar unterwürfig aufführte, eine gesalzene Kritik von Sahra Wagenknechts Auftritt beim Lanz aufgetischt zu bekommen entbehrt also nicht einer gewissen Komik. Der Kontrast zwischen seinen gelehrten Spaghetti und dem eigenen Auftreten anderswo verdirbt mir den Appetit.
Übrigens: Kaum lasse ich die Nudeln stehen, fallen schon die einschlägigen Foristen über den Fraß her, weil sie sich in ihrer Ablehnung Wagenknechts und des BSW bestätigt sehen. Dass das BSW den Dieter Dehm auf Abstand hält, könnte seinen Grund in genau solchen unerwünschten Nebenwirkungen seines Auftretens haben, die man durchaus als notorisch bewerten kann.
Mag ja sein, dass der Herr Dehm mit Maaßen zu sanft umgegangen ist in seinem Interview. Bloß ist das ja keine Kritik am vorliegenden Text. Der ist ja nicht deswegen schlecht, weil der falsche ihn geschrieben hat.
Ich habe übrigens dem Text auch zwischen den Zeilen nicht entnommen, dass Dehm der Ansicht sei, er hätte sich besser geschlagen, denn er hat ja erklärt, warum sich Wagenknecht Zurückhaltung auferlegt hat. Weil sie mögliche Koalitionspartner nicht vergraulen wollte.
Mehr Prägnanz und Urteil, statt dem peniblen Nachzeichnen des Verlaufs der Show hätte dem Artikel sicher gut getan.
@Krim
Da Sie den Maaßen erwähnen, der nur in meinem Post eine Rolle spielt, fühle ich mich mal angesprochen.
Sie haben Recht, das steht so nicht im Text. Eher führt sich Dehm als gestrenger Ringrichter auf, etwa in seinem Resümee:
100 Prozent? Das ist utopisch – Sendungen wie Lanz sind bewusst so orchestriert, dass die eine Person, die von den Vieren gebraten wird, keine realistische Chance hat. Diese Regie hat Dehm auch recht plastisch beschrieben. Wenn er, der er selbst als Talkmaster auftritt und sich bestens im Medienbetrieb auskennt, die Latte für Wagenknecht dennoch auf 100% hängt, geht es ihm darum, ihr einen Verriss dieser Zielmarke zuschreiben zu können.
„Zwischen den Zeilen“ finde ich allerdings eine ganze Reihe von Sätzen, in denen Dehm Wagenknecht nicht nur mit Attributen wie „scheu“, „kleinlaut“, „unverbindlich“, „kulant“ oder „stockend“ belegt, sondern sie obendrein belehrt, wie man es „richtig“ oder wenigstens „besser“ hätte machen müssen.
Bei diesen Untertönen in Dehms Text drängte sich mir unweigerlich dieses besagte Video auf, bei dem es der Dehm mit dem Maaßen nach allen Regeln, die er bei Wagenknecht anlegt, vollkommen versemmelt hat (und das, obwohl er selber als Gastgeber die Agenda bestimmen konnte und lediglich einen Kontrahenten vor sich hatte).
In einem Kommentar weiter oben haben Sie eine zentrale Frage aufgeworfen:
Diese empatische Position vermisse ich bei DD komplett, stattdessen weiß er genau, was Wagenknecht hätte besser machen müssen. Aus dieser demonstrativen Überheblichkeit leite ich meine Behauptung ab, er sei der Ansicht, „er hätte sich an Stelle von Frau Wagenknecht besser geschlagen“.
Nachfolgend habe ich noch ein paar Zitate aus Dieter Dehms „Spaghettimonster“ zusammen geklaubt, die zu meiner (nicht sehr netten) Sichtweise beitrugen:
Das ist der entscheidende Satz. Das sehe ich genauso. Es ist schon sehr seltsam, wenn man einen Hexenprozess der heiligen Inquisition dafür hernimmt, dem Opfer Haltungsnoten zu geben und sie dann daran blamieren will die Attacken der Angreifer nicht souverän pariert zu haben.
Ich glaube aber immer noch nicht, dass Dehm nur sagen will, dass er sich besser geschlagen hätte. Was er will steht ja eigentlich im Text. Er meint die Wagenknecht nimmt Rücksichten als Parteichefin wegen der bevorstehenden Koalitionsverhandlungen. Da finde ich, ist etwas dran. Wenn man nur das loswerden will, dann muss man das vielleicht ein oder zweimal im Interview nachweisen, aber man muss nicht das ganze Interview nachzeichnen. Also entweder Dehm hat das Dröseln übertrieben oder es ging ihm darum der Wagenknecht eins reinzuwürgen.
https://www.youtube.com/watch?v=0NMAJR9j_3k
In der „Anstalt“ wurde die Wagenknecht auch auseinandergenommen.
@Krim
Sicher tut sie das. Sowieso sind einige Positionen des BSW ziemlich seltsam, jedenfalls in der Form, wie sie von den Medien herumgereicht werden. Wenn Oskar Lafontaine von einer „europäischen Nato“ spricht, denkt er entweder an ein kontinentales Sicherheitsbündnis (merke: auch Russland gehört zu Europa), oder er tritt der großartigen Sevim Dağdelen ganz gewaltig vor’s Schienenbein.
Dies nur als Beispiel, wo ich Klärungsbedarf sehe. Deshalb schätze ich die Diskussionen bei Overton sehr, natürlich auch die redaktionellen Beiträge, wenn Sie mir zu mehr Klarheit und Durchblick verhelfen können. Vom hoch intelligenten Dieter Dehm hätte ich mir mehr Analytisches erwartet – zum Thema Talkshows hat er ja auch geliefert. Wagenknecht verteidigt und kritisiert er dagegen eher unterschwellig, man merkt: da wird’s auf der persönlichen Ebene schwierig.
Nun bin ich nicht an anderer Leute Beziehungsproblemen interessiert, wenn ich meine Position im politischen Raum klären muss. Unterschwellige ‚Befindlichkeiten’ stören dabei nur. Dies ist auch der Grund, warum ich die „Anstalt“ nicht mehr gucke: Was Uthoff und CvW sich zum Thema Covid geleistet haben, geht auf keine Kuhhaut. Das war keine Satire mehr, die haben aus allen Rohren unter die Gürtellinie gezielt und impfkritische Wissenschaftler persönlich niedergemacht.
Ohnehin hat jene Sendung zum russischen Angriff(?) auf die Ukraine, in der sie nur und ausschließlich Flachwitze über Putin brachten, mir gründlich den Appetit verdorben. Und als die Kabarett-Kollegin Christine Prayon wegen des regierungsfrommen Gleichschritts der Heute-Show und anderer Kabarettsendungen hinschmiss, trat ihr Kollege Uthoff in der „Kontext“ nochmal nach, statt sich solidarisch zu zeigen. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich Ihrem Link nicht folgen will.
„Ohnehin hat jene Sendung zum russischen Angriff(?) auf die Ukraine, in der sie nur und ausschließlich Flachwitze über Putin brachten, mir gründlich den Appetit verdorben.“ – Diese Sendung habe ich auch gesehen und konnte es nicht fassen. Dass diese Kabarettsendungen, die sich als kritisch verkaufen, den regierungsamtlichen Ideologien zu Corona und zum Ukrainekrieg dermaßen die Stange halten, hat mich wirklich negativ überrascht. Ich habe also Verständnis.
Aber immerhin wurde dort in dieser Sendung argumentiert. Auch wenn die Argumente zu prüfen wären, was ich mir im Moment auch nicht antun will. Das wäre auch so ein Aufdröselprojekt.
@Krim
Gewiss – aber wie? Ich hab mir den Sketch angetan: Darin wurde SW Faulheit im Bundestag vorgeworfen (zitiert nach einer Äusserung von Renate Künast). SW habe ein „Existenzmaximum“ (das waren ihre Bucherlöse), von dem aus sie das Existenzminimum und das Bürgergeld in der jetzigen Höhe kritisiere, zudem trete sie für härtere Sanktionen ein. Und natürlich sei sie gegen Migranten und unterscheide sich nur dadurch von der AfD, dass sie – „vermutlich“ – nicht mit dieser zusammenarbeiten wolle.
Der Sketch zielte darauf, SW bildlich in die rechte Ecke zu stellen. Früher sei sie links gewesen… was der am Ende links sitzende Max Uthoff sofort mit dem Vorwurf entwertete, damit habe sie lediglich die DDR-„Diktatur“ gutgeheißen.
Ich ordne die Sichtweise der „Anstalt“ als Grün ein. Und ich meine die „neuen“, olivgrünen Grünen: sattelfest beim Gendern, blind gegenüber den Banderisten, bellizistisch, woke – und vorgeblich links. Wer aus dieser Ecke gegen SW ballert, ist Gutverdiener, der nicht mit Migranten um Wohnraum konkurrieren muss und die explodierenden Energiekosten locker wegsteckt.
Eine klassisch linke Kritik am BSW nehme ich ernst. Eine „Anstalt“, die erkennbar die grüne Parteilinie vertritt, steht im Krieg „Arm gegen Reich“ (Warren Buffet) auf der falschen Seite – beim US/Nato-Krieg gegen Russland übrigens auch. Also herzlichen Dank für Ihren Link: Meine Fragen zum BSW bleiben zwar offen, zur „Anstalt“ jedoch habe ich keine Fragen mehr – oder doch: Was zur Hölle hat die Haltung der Kabarettisten um 180 Grad gedreht und sie zu systemtreuen Spaßmachern mutiert?
Der Punkt ist doch eher der: Wenn BRICS (wie das Adler zugibt) auf der Seite Russlands stehen, die USA nun (wie es Adler ebenfalls zugibt) einen Rückzieher machen und Deutschland (wie es Adler fordert) gegen Russland in den Krieg ziehen soll, kann dann irgend jemand (ausser Adler) ernsthaft daran glauben, dass von Deutschland dann irgend etwas (inklusive Adler) übrig bleiben wird?
Lanz ist immerhin einer der Wenigen, die W überhaupt einladen und auch andere die gelegentlich mal den mainstream angreifen, für ihr Buch über die wokeness hat er sie übrigens explizit gelobt, die geplante Sendung zum Thema insgesamt wurde wohl vom Sender kassiert.
Chrupalla wurde ähnlich angegangen, und bei beiden kann man davon ausgehen daß ihnen Lanz Vorgehen nützt und nicht schadet- beide wissen das auch und kommen daher gerne, wogegen auch nichts zu sagen ist.
Andere laden das BSW überhaupt nicht ein, wobei es auch unterhaltsam werden kann. Neben Chrupalla saß in der entsprechenden Sendung ein Vertreter des BSW, der auf die Frage von Lanz, ob eine Koalition mit der AfD in Thüringen denkbar wäre ohne Höcke an der Spitze, entgegenete, „die etablierten Parteien haben viel mehr mit der AfD gemensam als wir“- für einen Moment verlor der AfD-Mann seine professionelle Maske und schaute völlig belämmert auf den Mann vom BSW.
Worauf ich raus will, es gibt wahrlich schlimmere als Lanz, in allen Medien, auch dem Privatfernsehen und den Printmedien.
Wahrlich schlimm ist, dass es in der deutschen Medienlandschaft keine Besseren gibt – ausser bei den Alternativmedien.
„Was ist der Sinn von Talkshows im herrschenden System? Ein Thema aufzugreifen und so zu zerlegen und zu zertalken, bis sein Kern vernebelt ist“
findet man selten, daß das mal so deutlich geäussert wird. immerhin ist das der kern so ziemlich aller herrschaftsmedien plus politik sowieso im land, die sich fünf familien oder so aufteilen. evtl. sind es auch sechs oder sieben.
man wollte fast am ende anfügen: …und dann erst wird gewählt. hat das jeder verstanden?“
„Warum sich allerdings Sahra Wagenknecht gerade jetzt die vielen, sich kannibalisierenden und inflationierenden Talk-Einladungen annimmt, ist nur mit dem Kampfgerangel um die Landesregierungen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg erklärlich.“
Leider ist es längst nicht mehr so einfach….
Wagenknecht macht sich schlicht und einfach koalitionsfähig.
Um der Teilhabe an der Macht willen, beginnt sie in Gespächen bereits Zugeständnisse zu machen. Das BSW dürfte relativ schnell zu einer „normalen“ Partei werden. Es werden Kompromisse gemacht und das bedeutet, dass man sich beim BSW nicht im Klaren darüber ist, dass die Ursache des Erfolges des BSW mit der ursprünglichen Kompromisslosigkeit zusammenhängt. Viele derjenigen die nicht der Ampel anhängen, hatten die Schnauze voll von Schleimern, die sich für alles hergeben, was der rot-grüne Apparat will. Daher die vielen BSW-Prozente…
So wie Sarah jetzt klingt, wird ist es mit dieser Grössenordnung schnell wieder vorbei sein.
Natürlich ist es nicht Sarahs Schuld, dass die Demokratie nun mal nichts anderes ist, als die am wenigsten schlechte Staatsform. Ihre Koalition mit den Spiessbürgern, rechten oder linken, aber wird zum Rückzug aus der Politik vieler ihrer Wähler führen, und den ganzen Saftladen den alt-bekannten Deppen und Korrupten und Heuchlern überlassen
Man wird es ihr nicht verzeihen…. aber als Teil des Apparates wird sie „uns“ nicht mehr brauchen.
„Womit sich dann aber dem Fernsehzuschauer die Frage stellt, warum das BSW gerade einen solchen Bohei in Thüringen, Brandenburg und Sachsen für Frieden mit Russland veranstaltet, wenn die Deutschen sowieso dabei nur “relativ wenig zu melden” hätten. Und warum dann deutsche Friedensdemos?“
Warum sollte ich mir eine solche Frage stellen? Die beiden naheliegenden Antworten scheinen mir:
1. Wie das Beispiel Ungarn zeigt, kann man zumindest aus der NATO-Kriegstreiberfront ausscheren. Wäre schön gewesen, wenn wir das wie damals beim Irakkrieg schon frühzeitig gemacht hätten, aber besser spät als nie.
2. Schon die Drohung, dass Deutschland ausscheren könnte, würde Druck auf die USA ausüben. Und die könnte den Krieg beenden, auch wenn viele US Politiker es natürlich vorziehen würden, sich aus der Verantwortung zu stehlen, indem sie uns die Verantwortung für dessen Weiterführung übertragen. Das zumindest gilt es zu verhindern!
Realistisch erreichbar ist aktuell in Deutschland wohl nur 2. Unabhängig davon ob das BSW auch zu 1. bereit wäre, wenn das möglich wäre, scheint mir 2. ein ausreichender Grund für Demos und „Bohei“ zu sein!
Wagenknecht hätte klar sagen müssen, dass in erster Linie die US-Regierungen zu den führenden Kriegstreibern gehören und seit mindestens 2013/14 für den Kern des Ukraine-Konflikts verantwortlich sind.
Diesen etwas komplexen Sachverhalt in so einer oberflächlichen Regierungspropaganda-Talkshow darzustellen, ist selbst ohne Unterbrechungen nur schwer möglich, dafür bräuchte es schon eine längere fundierte Dokumentation. Diese Talkshows können einen zwar populär machen, aber irgendwann ist der Bullshitfaktor so groß, dass man sie besser meiden sollte.
+++
@Dr. Diether Dehm (DDD)
Nicht neu, Ihre medienphilologische Beschreibung der Antiwagenknecht-Front als hurtige proseminaristische Übung.
Aus meiner Sicht wär zu klären, was diese Wagenknechterei ausmacht und was auf der Oberfläche so ausschaut:
´n Gehüstel in der dt. Politmitte einer Partei neuen postmodernisch-medialen Typs nach dem Muster: je weniger wir sind desto besser solange Sahra uns führt und wir über die 5 Prozent Sperrklausel bei Wahlen kommen?
So ganz daneben liegen Sie nicht. Auch wenns DDD kaum begreifen wird:
Ein neuer Typ politischer Organisationen beginnt kenntlich zu werden, in Deutschland mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), in den Niederlanden zum Beispiel mit der Einpersonenpartei von Geert Wilders: die politische Partei als eine Art Unternehmen, bei dem sich Mitglieder bewerben müssen und das keine Mitmachdemokratie anbietet, sondern ein präzise designtes Weltanschauungsprodukt. Dann kommt es nur noch auf die eine charismatische Führerpersönlichkeit an. (NZZ 141024: https://www.nzz.ch/international/ein-neuer-politikertypus-das-scheitern-von-ricarda-lang-und-kevin-kuehnert-ld.1852521) Gruß,
Den Talkshow-Landser, der mit dem Sturmgewehr in nahezu jeden Satz eines mithilfe der Restrunde zu demontierenden Gastes fährt, halte ich schon lange nicht mehr aus. Nur dieses Protokoll zu lesen war mir dann sehr bald nicht mehr möglich.
Ich kann Ihre Gefühle nachvollziehen. Wir sollten Dieter Dehm jedoch zugute halten, dass er eben dieses Bild vom Talkshow-Landser gezeichnet hat – welches Sie auf einen prägnanten Begriff gebracht haben. Über Ihre Wortschöpfung bin ich allerdings böse gestolpert: ich buchstabierte sie als „Talkshow-Lanzer“.
Eine Meinungsoberhoheit zeichnet sich dadurch aus, dass sie definiert, was nicht ausgesprochen werden darf.
Und Meinungsoberhoheits-Unterworfene zeichnen sich dadurch aus, dass sie das nicht aussprechen, was nicht ausgesprochen werden darf.
Damit ist über Wagenknecht alles gesagt.
Diese Person ist durch pure Eitelkeit und und Selbstüberhöhung geprägt und getrieben. Wenn die die Wahl hätte, wie Luxemburg verfolgt und vielleicht gar ermordet zu werden oder statt dessen in Bedeutungslosigkeit und Vergessenheit zu geraten, sie würde wohl Ersteres wählen.
Lanz ist eine widerliche Type. Schleimend bei den Etablierten. Da hat er wtwas Gollzm-artiges. Aber er verwandelt sich in ein Gift und Galle spuckendes Etwas bei allen, die den vorgegeben Narrativen nicht zustimmen. Da gibt er den Kettenhund.
Solche Typen machten schon 33-45 Karriere. Er erinnert manchmal echt an Freisler.