Patriotismus oder Kommunismus?

Wie aber kommt die Ware Arbeitskraft dazu, sich politisch als Parteigänger seines nationalen Kapitals und seiner imperialistischen Staatsgewalt zu verstehen und seine Unterwerfung unter beide damit zu besiegeln?

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2 Kommentare

  1. „Bewusstsein der Ware Arbeitskraft“: Eine Ware mit Bewusstsein, schon 1993, naja – KI ist auch so eine Ware, von welcher der Hype behauptet, sie habe Bewusstsein, obwohl bis heute niemand mit Bewusstsein sagen kann, was Bewusstsein ist und wo genau es steckt… Mit der Arbeit auch gleich die sog. lebenden Menschen, die sie verrichten, in eine Ware zu verwandeln – hmm, ich weiss nicht: Ist solche Sprache gut für einen Diskurs, der genau diese Menschen – letztlich jeden EINZELNEN – erreichen will, um sie zu unterstützen in ihrer Selbstermächtigung vor Mächtigeren, deren Schalten und Walten an längeren Hebeln sie in den realen Machtverhältnissen ausgeliefert sind und die auch Namen und Anschrift haben? In all den Jahren, die seit 1993 vergangen sind, hat dieser Diskurs für die realen Arbeiter nicht gerade viel erreicht, oder? Mit ihrer Macht geht es doch eher bergab, besonders seit das „kommunistische Experiment“ begraben wurde, in dem zwar auch nicht die real existierenden Arbeiter, aber immerhin die geopolitische, systemische Gegenmacht des Ostblocks unsere westlichen Arbeit“geber“ noch einigermassen in Schach zu halten vermochte. Seither triumphieren die nur noch, in West und Ost, und überall räumen Stück um Stück ab, was davor mit viel realem Blut erkämpft wurde, und so braucht inzwischen die Ware Kriegstüchtigkeit schon wieder die Ware Kanonenfutter, vorläufig noch Wehrdienst-Freiwillige genannt oder, wenn’s denn sein muss, auch Wehrpflichtige… Haltung zeigt sich vorab in der Sprache.

  2. [Dem bürgerlichen Staat] sind sie unterworfen, also in all ihren Tun in erster und letzter Instanz von ihm abhängig. Als Rechtsstaat diktiert er – per Gesetz – allen Gesellschaftsmitgliedern die Bedingungen ihrer ökonomischen und sozialen Existenz, von Geburt an bis zum Tode: so ist er Grundlage, Ausgangspunkt, Voraussetzung und Bezugspunkt jeglicher ökonomischen und sozialen Existenz, jeglicher Handlung, jeglicher Überlegung und Berechnung, jeglichen Gedankens.

    Einspruch, Euer Ehren, gegen die Aussage nach dem Doppelpunkt.
    Die gesellschaftliche Verrechtung ist Bezugspunkt aller Berechnungen des „vereinzelten Einzelnen“ (Marx, das Zitat ist auch ein scherzhaft bemeinter Seitenhieb), der auf sie die Freiheit seines Erwerbs-, Geschlechts- und geistigen Lebens zu gründen hat. Kriminelle Übergänge – beispielsweise – zu machen, steht ihm frei, deshalb sind „Handlung“ und „Überlegung“ an diesem Punkt fehl am Platze.

    Dafür scheint Henle auch ein Gespür zu haben, denn er wiederholt den Subsch anschließend auf leicht veränderte Weise:

    Dem „praktischen Bewusstsein“ (Marx) erscheint daher notwendig der moderne Staat als die universale Bedingung seines Daseins, ein Dasein ohne Staat unvorstellbar, undenkbar, unmöglich, utopisch.

    Nein, nein und abermals nein. Abweichung ist kein Vorrecht und kein exklusiver Gewinn eines „theoretischen Bewußtseins“, wie immer Henle diese zwei angeblichen Bewußtseine weaselwordmäßig „definieren“ will. Das „daher“ und das „notwendig“ sind ein Etikettenschwindel und eine linksidealistische Prahlerei. Das berüchtigte „notwendig falsche Bewußtsein“ ist einer der typischen Dialektinger von Marx aus der Zeit der philosophischen Selbstverständigung, auch wenn er später noch damit hausieren gegangen sein sollte, handelt es sich doch um einen Widerspruch: Entweder ist es „notwendig“, dann kann es nicht falsch sein, oder es ist „falsch“, dann kann es nicht notwendig sein. Henle schreibt das indirekt und phrasenhaft sogar selbst hin, nämlich in der Wahl des Wortes „erscheinen“. Eine „Erscheinung“ ist nämlich kein Gespenst, sondern eine Form des Gegenstandes, der erscheint. In solcher Form geht der erscheinende Gegenstand nicht unter, ganz im Gegenteil, erscheint er doch in ihr.
    Mein Gott Walter.

    Rhetorisch haltbar finde ich die Wahl des Wortes „notwendigerweise“ in Formulierungen dieser Art, damit ist semantisch klar gestellt, daß diese „Weise“ halt Form ist, nicht Sache. Was sowieso klar wird, wenn man den Zusammenhang nicht auf der abstraktesten Ebene vorstellt, sondern auf der Ebene der Ideologien und Apologien der bürgerlichen Verkehrsverhältnisse.

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