Klassenzimmer

Deutschland, du Depp!

Wer ist schuld, dass die Kinder und Jugendlichen in Deutschland so schlecht lesen, schreiben und rechnen können?

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7 Kommentare

  1. Braucht die Politik, braucht das Kapital selbstständig denkende Bürger und Intelligenz? Es ist zu befürchten, dass es sich nicht um Versagen, sondern Zielstellungen handelt.
    Pisa & Bologna sind Messpunkte, inwieweit der dumme Michel schon gereift ist, um selbst die Gefahr seiner Vernichtung nicht zu erkennen fähig ist und im Idealfall als Notwendigkeit zu akzeptieren.
    Aber es ist auch beruhigend, denn so steht D. endlich wieder mal an einer Spitze, eben nur auf dem Kopf.

  2. Wer ist schuld, dass die Kinder und Jugendlichen in Deutschland so schlecht lesen, schreiben und rechnen können?

    Zielführender wäre die Frage nach der Ursache. Und die lässt sich leicht beantworten: Der liberale Kapitalismus ist (wie an so vielen gesellschaftlichen Mißständen) auch „schuld“ an der Bildungsmisere. Die Freiheit des Kapitals führte zum heutigen Neoliberalismus mit öffentlicher Armut bei gleichzeitigem privatem Reichtum. Da werden die finanziellen Mittel für staatliche Dienstleistungen immer knapper, sodass diese zunehmend privatisiert werden, also dem Kapitalverwertungsprozess zugeführt werden. Da geht es dann nicht mehr darum gesellschaftliche Bedürfnisse zu befriedigen, die Gesellschaft voranzubringen, sondern allein um kurzfristigen Gewinn auf das eingesetzte private Kapital.

    Deutschland hinkt hier in der Tat etwas hinterher, in anderen Ländern ist die Privatisierung im Bildungsbereich bereits weiter fortgeschritten. Allerdings wird damit die Bildung in der Breite mit Sicherheit nicht besser, denn viele werden sich Bildung nicht mehr leisten können.

  3. Wieso Arbeiter in den Bundestag, wenn es Studienabbrecher auch tun?
    Außerdem, dann könnte vielleicht ja mal die Umverteilung von unten nach oben thematisiert werden. Entschuldigt bitte, das geht gar nicht. Viel lieber diskutiert man über die siebte Schultoilette, nur für Queere mit Migrationshintergrund und irgendwie in der Nähe von weiblich… Ich frage mich, wie in den heutigen Zeiten, wo alles queer, queer feministisch und natürlich grundsätzlich nachhaltig und vegan sein muss, in einer Zeit, wo statt über die grundlegenden Ursachen der Umweltprobleme, die in meinen Augen in der extremen Ressourcenverschwendung liegen, die durch das System der immer schnelleren und immer gesteigerteren Produktion begründet ist, über Nebenschauplätze diskutiert wird. In einer Zeit, in der offen ein Krieg vorbereitet wird, der absehbar zur Vernichtung mindestens diesen Kontinents führen wird. In dieser Zeit dürfen Schülerinnen und Schüler nichts lernen über grundsätzliche Zusammenhänge. Es könnte ja sein, wenn sie Hinterfragen lernen, dass sie das dann auch tun. Und dass dann der Kaiser nicht mehr nackt durch die Menge gehen kann und alle seine tollen Kleider bewundert. Wer weiß, vielleicht ist das ja der Grund für die Bildungsmisere: Dieses System braucht nur tumbe Konsumenten, keine selbstständigen und freien Akteure.

    P.S. ich bin nicht gegen Queere, damit das klar ist, doch mir geht diese Gefühlsduselei von wegen wir sind ja so verfolgt, auf den Geist. Wie bitte soll ich einen Wildfremden anreden, wenn er queer ist, sehe ich ihm das an? Und was heute alles als sexuelle Gewalt bezeichnet wird. Da habe ich arge Probleme, einer Frau auch nur unverkrampft zu begegnen. Wir sollten die wirklichen Ursachen der Gewalt in unserer Gesellschaft diskutieren, und keine irgendwie geartete Schuldzuweisung manifestieren. Diese Gesellschaft ist gespalten. Das ist Fakt. Und eine Auswirkung davon ist Gewalt. Im öffentliche Raum und im privaten Raum. Ich hoffe, wegen gewisser Worte hier in dem Beitrag wird dieser Beitrag nicht gelöscht, denn ich habe keinerlei Absicht, Hass zu verbreiten, irgendwem zu diffamieren, aber Algorithmen scheinen oft das aus einem Beitrag zu lesen, obwohl es nicht beabsichtigt war. Und eine Löschung hat einen unangenehmen Beigeschmack. Den, dass man Meinungen nicht mal mehr diskutieren darf. Und das ist bekanntlich Zensur. Ich hoffe, die Person, wenn es denn noch eine ist, berücksichtigt das bei der Entscheidung.

  4. Wieder eines der dummen Probleme, dass man etwas nicht einfach kaufen kann.
    Der Verdummungsprozess ist doch eigentlich erwünscht, damit man viel unnötiges Zeug kauft.
    Man müsste jetzt nur die Marktlücke der fehlenden Bildung erkennen.

  5. Ich habe da so vage Erinnerungen. War da nicht was vor 6 Jahren? Da wurden doch die Kinder, sowieso schon mit einem maroden Bildungssystem konfrontiert, zuhause eingesperrt und vor Bildschirme gezwungen. Alleine zuhause, die Eltern rotierend um eigene wirtschaftliche und psychosoziale Probleme. Womöglich alleinerziehend im Homeoffice mit 2 Kindern im Fernunterricht in einer 40qm Bude.
    Die Kleinsten damals, heute von Sprachentwicklungsstörungen betroffen.
    Ach und jetzt gibt’s Bildungsprobleme?? Das wundert mich aber…..

  6. Wer Leistung mit PISA qualifiziert darf sich der Deckung des Kapitals erfreuen:

    Ken Jones et al.
    Schulbildung in Westeuropa: Die neue Ordnung und ihre Gegner.
    Palgrave Macmillan, 2008, 45 £.

    „Die Idee des Lernens um des Lernens willen ist fragwürdig“, bemerkte Charles Clarke 2003 als Bildungsminister. Die neoliberale Vision, die diese fragwürdige Pädagogik ersetzen soll, wird in diesem Gemeinschaftswerk eingehend analysiert. Am besten lässt sie sich vielleicht in einem Regierungsschreiben von 2005 zu den bevorstehenden Abschlüssen der Sekundarstufe II zusammenfassen: „Wir wollen den Arbeitgebern die Entscheidungsgewalt übertragen, damit sie maßgeblich mitbestimmen, welche Lerninhalte vermittelt werden und was die Abschlüsse im Detail beinhalten sollen.“

    Eine Reihe gängiger Irrtümer werden umfassend widerlegt, indem die Autoren die Auseinandersetzungen in Westeuropa um die Schaffung eines derart marktorientierten Bildungssystems beschreiben. Zunächst stellen sie klar, dass der Neoliberalismus keine Naturgewalt ist, wie viele seiner Befürworter uns glauben machen wollen. Vielmehr handelt es sich um „ein aggressives Programm, das sich bewusst das Ziel setzt, einen epochalen Wandel herbeizuführen“. Dies beinhaltet die Abkehr von einer früheren Generation staatlich orientierter Reformen, die eine umfassende und egalitäre Bildungsversorgung anstrebten.

    England spielte eine führende Rolle beim Abbau dieses im Großen und Ganzen fortschrittlichen Bildungserbes. Eine Umfrage unter dankbaren europäischen Arbeitgeberverbänden im Jahr 2000 bestätigte dies. Der zweite Mythos, der widerlegt wurde, ist jedoch, dass dies unvermeidlich gewesen sei: Es war vielmehr die Folge entscheidender Schläge des Thatcherismus gegen die Arbeiterorganisation. In Frankreich, wo der kollektive Widerstand stärker war, wurden viele Errungenschaften des „sozialen Republikanismus“ verteidigt.

    Dennoch verstärkt sich die Koordination zwischen den Staaten, um die Angriffe zu intensivieren. Ein OECD-Bericht von 1996 forderte die Regierungen auf, sich stärker auf ein effizientes Kosten-Nutzen-Verhältnis zu konzentrieren. Dieses zeichnet sich durch die Betonung eines fokussierten Unterrichts in Naturwissenschaften, Mathematik und Lese- und Schreibkompetenz sowie durch fächerübergreifende Kompetenzen aus, die die Lebens- und Berufskompetenzen der Erwachsenen fördern sollen. Das Programm zur internationalen Schülerbewertung (PISA) wurde ins Leben gerufen, um den Erfolg dieser Strategie zu messen. Wie die Autoren schreiben: „PISA beschrieb nicht einfach nur Fakten; es schuf sie und verlieh ihnen Bedeutung. Es diente dazu, das Schulwesen neu zu regulieren, indem es mit wissenschaftlicher Strenge eine Reihe von Zielen für die Schule festlegte, um die sich Reformprojekte gruppieren konnten.“ Die Ranglisten in England spiegeln diese normative Entwicklung wider.

    Was also erwartet uns in diesen „neuen Gebieten“ kapitalistischer Entwicklung? Die Autoren diagnostizieren fünf Formen der Privatisierung. Erstens gibt es das „Outsourcing“, die private Erfüllung zentral vorgegebener Ziele in den Bereichen Inspektion, Bewertung und Leistungsmanagement. Es ist erschreckend zu erfahren, dass zwischen 2004 und 2006 bis zu einem Viertel der Schulausgaben in England vom privaten Sektor abgewickelt wurden.

    Die zweite Form ist die Kommerzialisierung. Verkaufsautomaten mögen in Großbritannien aufgrund der Empörung über Fettleibigkeit zwar auf dem Rückzug sein, doch Gutscheine für Supermärkte, Schokolade oder Chipstüten in Schulen erziehen junge Menschen subtil zum Konsumverhalten und bringen sie in Einklang mit kommerziellen Interessen. Dasselbe gilt für Belohnungssysteme für Verhalten und schulische Leistungen, die interne Währungen einführen, um das Denken zu quantifizieren und zu formen. Die dritte Form, die „ergänzende Bildung“, beschreibt die Kosten von Aktivitäten und Ressourcen, die als sozialer Filter fungieren. Nachhilfe und der Zugang zu Software von zu Hause aus sind zwei Paradebeispiele.

    Privatschulen bilden die vierte Stufe, und es gibt hier mehr als genug Material, um Alan Bennetts Forderung nach der Schließung dieser elitären Bastionen zu stützen. Die letzte Kategorie ist die „Privatisierung von Einfluss“, die am besten durch das Akademienprogramm der New Labour veranschaulicht wird. Widerwillige Kommunen sehen sich mit dem Entzug von Fördermitteln konfrontiert, wenn sie sich weigern, die Kontrolle über die Schulen an eine bunte Mischung aus Einzelpersonen und Unternehmen, die sich als „Philanthropen“ ausgeben, abzugeben.

    Dieses Buch ist eine unschätzbare Kritik an dieser neuen Ordnung und gewinnt dadurch an Bedeutung, dass es den Widerstand berücksichtigt, der „Regierungen zweifellos zu größerer Vorsicht gezwungen und mitunter Zugeständnisse oder Verzögerungen erreicht hat“. Das bisherige Versäumnis der Neoliberalen, „Bildungsdienstleistungen“ in das Allgemeine Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen (GATS) aufzunehmen, ist ein Beleg für diesen Widerstand.

    Die Autoren würdigen das kollektive Bekenntnis zu einer alternativen Vision, wie sie die Bewegung des Weltsozialforums verkörpert. Diese Vision bleibt jedoch unnötig vage, da sie bereitwillig autonomistische Ideen über ein „neues soziales Subjekt“ (in diesem Fall den studentischen Arbeiter) aufgreift, das durch den „Informationskapitalismus“ geschaffen wurde. Dies übertreibt den Prozess der „Deindustrialisierung“ und lässt uns einem weiteren neoliberalen Mythos verfallen: der Annahme, historische Klassengegensätze hätten ihre Bedeutung verloren. Dies ist zwar nicht die zentrale Aussage dieser beeindruckenden und oft beunruhigenden Studie, doch einige kleinere Überarbeitungen in diesem Bereich würden ihr zu Bestnoten verhelfen.

    https://www.marxists.org/history/etol/newspape/isj2/2008/isj2-118/stone.html

    Es ist diese Ideologie der man hier opfert, einerlei ob man da bei den Medicis oder Adam Smith beginnt. Der Fleisch gewordene Kannibalismus. Weiterhin viel Vergnügen beim Unterbietungswettbewerb. Die Angelsachsen nennen es „Race to the bottom.“

  7. Hauptsache Italien und von dort auch das faschistische Bildungsideal beruhend auf Körperkultur, Militarismus und Antiintellektualismus. Bildung sollte der breiten Masse keine Aufstiegsmöglickeiten eröffnen sondern Standesgrenzen zementieren. Im westdeutschen Volkschulbetrieb der 60er Jahre wurde dies noch explizit so vorgetragen und in diesem Sinne auch Lehrplaninhalte ignoriert.
    Die starke Abhängigkeit der Bildungschancen von der Zugehörigkeit einer jeweiligen gesellschaftlichen Schicht verstößt gegen einen Passus in den Allgemeinen Menschenrechten. Dem zum Trotz hatte das Bundesverfassungsgericht die Rechtmäßigkeit dieser Bildungspraxis bestätigt.
    Eine weiter „Errungenschaft“ des italienischen Faschismus war es, dass nicht mehr in Regionalsprachen unterrichtet wurde. Hier sehe ich ein Äquivalent, wenn es um die heutige Unterrichtssprache und die tatsächlich gesprochenen Sprachen in Deutschlands Großstadtquartieren geht.

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