Psychische Gesundheit oder die Pathologisierung der Identität

„Selbst- und Wunschdiagnosen – häufig ADHS oder Autismus betreffend – treten heute deutlich häufiger auf als noch vor wenigen Jahren", wird in einer Studie konstatiert. Hintergrund könnte die Durchsetzung einer gesellschaftlich noch nicht fixierten Norm für psychische Gesundheit sein.

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19 Kommentare

  1. Zu dem was in Palästina passiert:
    Das ist kein Journalismus (Es wird nur gesagt was ein Minister gesagt hat.)
    Das ist nicht Dada. Das ist das niedrige kulturelle, politische und sonstiges mit dem man okkupiert ist.
    In den Zeitungen wird nicht über den Völkermord berichtet. Die Juden werden nicht Juden genannt obwohl das Land für sie gedacht ist.
    Ein Kanzler sagt dass ein Völkermord kein Völkermord ist. Ein Präsident eines Landes sagt er hat keine Atombombe. Damit die Juden in den Ländern alle die sie kritisieren als Antisemiten diffamieren. Souverän ist ein Land nicht wenn nicht etwas für das Erfüllen der Genozidkonvention getan wird. Sondern nur betroffen auf den Boden geblickt wird wenn über annähernd hundert Jahre alte tote Juden gesprochen wird. Während die Juden in ihrem Land die palästinensischen Frauen und Kinder ermorden. Und die Friedhöfe der Palästinenser mit Bulldozern zerstört werden.

    Es sind mehr als eintausendzweihundert Kranke in Gaza gestorben weil das Militär die Schwerkranken nicht zur Behandlung ausreisen lässt. Es sind viertausend Krebskranke und viertausendfünfhundert Kinder unter den annähernd zwanzigtausend die dringend Behandlung in einem anderen Land benötigen. Jeden Tag gibt es Verletzte oder Schwerverletzte und Tote. Es ist an der Zeit die „Oh die armen Juden“ Masche abzulegen und die Juden für die Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Araber sammeln in in anderen Ländern die Gelder ein weil die Juden den Schaden nicht zahlen werden. Sprechen Sie mit anderen darüber. Tun Sie amerikanische Produkte nicht kaufen.

    Ein Werbebanner von Oxfam für eine Veranstaltung die in Harlem in den Niederlanden stattfinden wird. (“Don’t stop talking about Palestine.”)
    https://www.oxfamnovib.nl/zo-sluit-je-je-aan/kom-in-actie/agenda/71613-dont-stop-talking-about-palestine-haarlem
    Link zum Werbebanner für die Grafiker unter Ihnen die selber etwas machen wollen:
    https://assets.oxfamnovib.nl/images/transforms/_1040x586_crop_center-center_none/71858/Dont-Stop-Talking-About-Palestina-Patronaat-Haarlem-event-2026.avif

    Hier sehen Sie ein Bild vom Nachmittag wo ein Sprecher der Juden in den Vereinten Nationen das Wappen von Ansar-Allah hochhält und sich beschwert dass „Gott ist groß! Tod den USA! Tod Israel! Verdammt seien die Juden! Sieg dem Islam!“ drauf steht.

    Während u.a. in der West-Bank in, Masafer Yata, eine Gruppe von Siedlern angreifen und Frauen und Kinder verletzen, einhundertfünzig Schafe der Abu Aram Familie stehlen und die Krankenwagen nicht an die Verletzten lassen. Es ist auch mindestens zwei Palästinenser in der West Bank in den letzten 48 Stunden ihren Verletzungen erlegen. Z.B. hat man Mohammad Rajeh Nasrallah, 20 Jahre, in den Magen geschossen und er ist daran gestorben.

    Und in Gaza passiert u.a. folgendes: Anstatt sechshundert Lastwagen lässt man jeden Tag nur über einhundert Lastwagen von den Hilfslieferungen reinlassen. Die kommerziellen Lieferungen sind auch nur etwas über einhundert Lastwagen. Und daran tun die Juden auch einen Reibach machen mit den Gebühren für das Lastwagen-reinlassen. Obwohl alle Länder die Nahrungsmittel für die Palästinenser bezahlt haben. Nicht nur weil Krieg ist sondern weil die Palästinenser von den Juden eine funktionierende Wirtschaft nicht kriegen. Es ist am Montag Zainab Muhammad Musbah, 63 Jahre und am Dienstag ein Säugling erfroren. Damit sind seit Anbruch des Winters mehr als zehn Kinder erfroren.

    https://ibb.co/gF6hZQTS

  2. Man hält die Menschen in Angst, redet eine Katastrophe nach der anderen herbei, sperrt sie im Lockdown ein, geht an ihre Kinder, schliesst Schulen, redet den dritten Weltkrieg herbei, implementiert den totalitären Überwachungsstaat, führt die Reichsacht gegen Dissidenten wieder ein, …
    Woran kann es nur liegen, dass immer mehr Menschen sagen, das alles macht sie krank?

  3. Festgestellt wurde, dass junge Erwachsene zunehmend zu Psychologen mit der Erwartung kommen, eine bestimmte Diagnose zu erhalten …

    Nichts gegen Wunschdiagnosen!
    Früher bin ich mir selber oft blöd vorgekommen,
    aber seit ich weiß daß ich IDS hab‘ geht’s mir viel besser!

    1. IDS kann man allerdings nicht mit ADHS u. ä. vergleichen. Das ist eine klar definierte Krankheit mit auch körperlichen Symptomen. ADHS dagegen ist ein schwarzes Loch, das man fast nach Belieben füllen kann.

  4. Je mehr Aufmerksamkeit dem Thema Psyche zugemessen und je mehr Normalisierung der psychischen Erkrankungen entsteht, desto einfacher ist es doch, sich selber in eine psychische Ecke zu schieben und aus dieser Ecke heraus daraus Kapital zu schlagen – sei es alleine durch die Aufmerksamkeit, durch mediale Gelderziehlungsabsicht oder Krankschreibungen auf Allgmeinkosten.

    Ist doch auch schön, man kann es schlecht messen, kaum Daten bei Blut- und Urintests erheben, man muss es als Arzt „nachfühlen“. Und dann kommt der Faktor Zeit, denn die ist bei allen Ärzten knapp. Und es ist doch sooo ein schönes Gefühl, wenn man ausgedacht krank spielt und von allen bedauert wird. Den wirklich psychischen Kranken wird viel Spezialisierung und Therapie genommen, das ist die eigentliche Schande.

  5. Tatsächlich kann eine Diagnose sehr entlastend sein, da man einen möglicherweise sehr belastenden Teil von sich ein Stück weit entpersonalisieren kann: statt „ich bin“, „ich habe..“.
    Umgekehrt sollten diejenigen aufpassen, die hier nur „handfesten“ Krankheiten und Diagnosen das Wort reden – nur allzu leicht kann man sich in einer Situation wiederfinden, in der trotz heftigster Beschwerden eine Diagnose nicht gestellt wird oder nicht gestellt werden kann, was meistens als extrem belastend erlebt wird. Man befrage einmal Opfer der C-Injektion.
    Ohne Frage gibt es auch „Modediagnosen“, was aber nicht zwangsläufig heissen muss, dass sie ungerechtfertigt wären.
    Würden wir in der ICD die Maaz`sche „Normopathie“ finden, wären sicher 3/4 aller Deutschen auf einen Schlag krank. Sind sie es vielleicht?

  6. Wie waere es damit: Die kognitiven Ansprueche zur Meisterung des Arbeitsalltags wurden im Laufe der Zeit immer anspruchsvoller. Und je anspruchsvoller sie werden, um so schlechter schaffen es vom der Norm abweichende Menschen, auf dem Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Ich selbst gehoere auch zu Jenen. Trotz intensivem Bemuehen gelingt es mir nur schlecht, mich zu konzentrieren. Das fuehrte dazu, dass ich beim Arbeiten ungewollt immer ziemlich viele Fluchtigkeitsfehler machte .Nach ca. 20 Rauswuerfen wegeen Unfaehigkeit, dem herrschenden Leistungdruck zu genuegen – tja, was denkt ihr, was da wohl das Sinnnvollste fuer mich waere? Nun, ich liess mich psychiatrisch untersuchen. Einfach aus dem Wunsch heraus, doch noch irgendwie arbeitsfaehig zu werden. Meine Diagnose verrate ich hier nicht, da sie fuer mich irrelevant ist. Ich muss eben mit meinen Defiziten klar kommen, „Hab ich ein Problem, versuche ich es zu loesen. Kann ich es nicht loesen, mache ich kein Problem daraus.“ Dies hier habe ich nur geschrieben, um dazu anzuregen,, das Narrativ dieses Artikels eventuell kritisch zu hinterfragen.

  7. (Auch @Pessimistischer Optimist:)

    weil dies andeutet, dass nun eine positive Normierung der psychischen Verfasstheit ansteht, während zuvor die Abweichungen um eine nicht näher definierte Norm vorherrschten.

    Es ist einfach, die Betroffenen auf sich selbst zurück zu werfen und ihnen Schuld oder Phantasie zu unterstellen, um sich einen persönlichen Vorteil zu verschaffen. Aber dass die Veränderungen in der Gesellschaft seit Jahrzehnten hin zu Entsolidarisierung, Vereinzelung, diffusem Leistungs- & Kollektivdruck und Angst vor Ausgrenzung eine offensichtliche Tatsache ist und durchaus die Diagnose pathologisch verdient, kann schwerlich bestritten werden.

    Die gravierenden Vorteile liegen aber nicht beim auto-pathologisierten (von außen als „faulem“ oder „unfähigem“ bezeichneten) Individuum, sondern in den gewaltigen Profiten der Pharmaindustrie durch Dauermedikation und vor allem bei der fortschreitend verschnürenden Herrschaft: Wenn das Individuum in einer kranken Gesellschaft die Krankheit bei sich selbst verortet, nimmt es natürlich die unmittelbare Verantwortung erst einmal von sich, aber bringt sich gleichzeitig in den Zustand einer erworbenen Machtlosigkeit, „ich bin Krank und schwach und kann nichts ändern“.

    Auch wenn Herrschaft das nicht verursacht haben mag (was zu bezweifeln ist), so wird sie diesen Zustand doch unbedingt begrüßen. Und genau da ist der im Artikel beschriebe neue Aspekt der Umdeutung, die »positive Normierung«, hochgradig gefährlich und totalitär.

  8. Medienzeitalter und dann zurück in die Feudalzeit, das kann nicht funktionieren..
    Das schlimme dabei, abgesehen vom persönlichen Leid das oft damit verbunden ist, das der Gesellschaft damit enormes kreatives Potential verloren geht, denn gerade sensible Menschen trifft es da immer zuerst ..

  9. Wie viele junge Menschen sind zuletzt aus der Ukraine oder aus anderen Krisengebieten zu uns ins Land gekommen und werden nun statistisch miterfasst? Die Zunahme kann ja zum Teil auch am „Import“ psychisch Erkrankter liegen. Das meine ich nicht wertend, sehe lediglich die Möglichkeit eines statistischen Zusammenhangs. Meine ja nur… Wird immer alles gerne auf Corona geschoben. Lenkt aber vielleicht von anderen Ursachen ab. Gesellschaftliche Veränderungen, unsichere Zeiten, Angsterzeugung durch Entwerfen irrationaler Bedrohungsszenarien usw.

    Weiterer Gedanke, wurde ja auch im Beitrag angesprochen, allerdings schwieriges Thema: Eine konkrete Diagnose, beispielsweise ADHS im Erwachsenenalter, kann mitunter der Sinnstiftung dienen und als Erklärung für allgemeine Schwierigkeiten in der Lebensführung herangezogen werden. „Endlich habe ich meine Diagnose!“, wurde neulich mal in meinem erweiterten Bekanntenkreis verkündet. „Und? Was machst du nun?“ – „Wie bitte? Ich habe jetzt meine Diagnose, hat ewig gedauert!“ Diagnose als Erklärungsmodell und Entlastung, aber nicht verstanden als möglicherweise therapeutisch behandelbare Störung.

  10. Da ich selber ein Vater mit einiger Erfahrung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie bin, weiß ich: Eine Diagnose kann auch wie ein Todesurteil wirken! – Leider ist die Kinderpsychiatrie vor Kritik so stark geschützt wie kaum ein anderer medizinischer Bereich. Für die Erwachsenenpsychiatrie gab es Reformbemühungen, Weglaufhäuser, „Antipsychiatrie“.
    Der besondere Schutz, der für Kinder gilt (staatliche Obhut usw.), schützt leider auch die Kinderpsychiatrie vor kritischer Diskussion und Pluralismus.

    Dass Kinder gern die Diagnose ADHS oder Autismus haben wollen, halte ich für ein Märchen!

    Als ich mein eigenes Kind eine Zeit lang durch die Psychiatrien begleiten musste (mit einer anderen Diagnose) und dabei viele Kinder mit den genannten Diagnosen kennenlernte, fand ich nie eins, das die Diagnose ADHS oder Autismus gerne hatte.

    Ich gehe davon aus, dass jedenfalls die Leitungen der Psycho-Institute, die solche Märchen-Umfragen produzieren, selber Profiteure und Befürworter Psycho-Pharmaindustrie sind. Es handelt sich um ein milliardenschweres Business mit Verzweigungen in zahlreiche Branchen, Ritalin-Industrie usw., die darauf setzen, den Eltern eine bequeme Lösung zu bieten. Sich irgendetwas reinzupfeifen, um sich selber zu sedieren (= Psychopharmaka: Kreislauf runter bis an die Vitalitätsgrenze), das kennen die Eltern.

    Noch zu meiner Schulzeit gab es kein ADHS. Die Menschheit kam über Jahrtausende ohne aus. Die Dauermedikation und Dauersedierung von Kindern wegen einer Verhaltensauffälligkeit war nicht mit der ärztlichen Ethik zu vereinbaren.

    Der Kapitalismus frisst bekanntlich seine eigenen Lebensgrundlagen, und es ist erwiesen, dass er mit Kindern nicht gut umgeht.

  11. Letztlich einmal mehr die Verschwörung der Mittelmäßigen.
    Mittelmäßige Ärzte die mittelmäßigen möchtegern-Opfern mittelmäßige Diagnosen einimpfen, um sie aus ihrer Mittelmäßigkeit dirket in die Mittelmäßigkeit zu katapultieren.
    Ich habe kein Mitleid.

  12. Krank ist die Gesellschaft. Chronische mediale Reizüberflutung, Orientierungsverlust, Angstpropaganda sind meiner Meinung nach die Ursachen für die Zunahme psychischer Störungen. Nach welchen gerade dominierenden Modellen die Symptome klassifiziert werden ist Nebensache.

  13. Ich kenne Leute die geradezu süchtig nach Diagnosen sind. Auch für ihre Kinder. Sagt ein Arzt ihnen es sei alles im Normbereich sind sie fast verzweifelt und rennen zum nächsten Arzt solange bis irgendeine Diagnose gestellt ist. Das ist eine Form des Münchhausen by Proxy Syndroms wenn Eltern das auf ihren Nachwuchs projizieren.
    Für manche waren 2020-23 die tollsten Jahre ihres Lebens. Für Hypochonder zum Beispiel, Mit ins Stammhirn gerammten Teststäbchen in jedem Nasenloch.

  14. Die Generation meiner Eltern und Großeltern hat furchtbare Dinge erlebt, auch zum Teil furchtbare Dinge getan.
    Sie haben einen Weltkrieg erlebt, die Großeltern sogar zwei.
    Ich habe in diesen Generationen zutiefst verstörte Menschen kennengelernt, gebrochene Biographien, Traumatisierte.
    Die hatten aber keine Hilfe, hätten sie auch nicht angenommen, die Psychiatrie im Nachkriegsdeutschland war verbrannt, in nicht geringen Teilen durch ihre Beteiligung an der Euthanasie.
    Der psychisch Kranke war stigmatisiert, man sprach nicht von „Psychatrien“, das hieß Irrenhaus, Klappsmühle, Ballerburg, im günstigsten Fall Nervenheilanstalt.
    Die Auffälligen waren Spinner, Bekloppte, hatten einen Hieb oder nicht alle Tassen im Schrank.
    Da wollte sich niemand einreihen, das bedeutete gesellschaftliche Ächtung.
    Man hatte sich am Riemen zu reissen!
    Mein Vater hatte furchtbares erlebt, er und sechs weitere seiner 30 Köpfe starken Schulklasse waren die Überlebenden eines Fronteinsatzes gegen Kriegsende. Er war ein Aufsteiger, Bergmannssohn, Friseurlehre nach dem Krieg, gleichzeitig Abendgymnasium, Abitur gemacht, Medizin studiert, am Ende Chefarzt und Stadtverordneter.
    Workoholic, mit 48 war er tot.
    Er war Pazifist, Kriegsspielzeug war mir nicht erlaubt, er hat mir politische Literatur zu lesen gegeben, mich mit Tucholsky vertraut gemacht, auch mit den Schriften von Marx. Er ist nie mit uns in den Urlaub gefahren, immer allein
    Eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen ist, wie er mich an den Haaren hochzog, die Beine strampelten in der Luft und mit einem Kleiderbügel auf mich einschlug. Die täglichen Ohrfeigen habe ich gar nicht mehr gezählt, es gab Tage, wenn ich Sportunterricht hatte, ich nicht in die Schule durfte, da man sonst den grün und blau geschlagenen Rücken gesehen hätte. Das eine Mal, wo ich Hilfe suchte, hat man mir nicht geglaubt, die Lehrerin nicht, das Jugendamt nicht, keiner.
    Die Konsequenzen waren brutal, ich verlor einen Zahn, hatte mehrere Rippen gebrochen, behandelt wurde ich in seinem Krankenhaus, wo er Chefarzt war.
    Wenn Du was sagst schlag ich Dich tot wurde mir mit auf den Weg gegeben.
    Ich habe den Versuch nicht wiederholt, da war ich 13 Jahre alt! In der Familie wusste jeder Bescheid, niemand hat was unternommen, die Mutter nicht, die Grosseltern nicht, keiner! Seine Schwester, auch Pazifistin, auch Kriegstraumatisiert hat meinen gleichaltrigen Cousin ebenso behandelt.
    Er war hoch angesehen, Prügel waren bei Schulkameraden normal, keiner fand was dabei. Ich habe mein ganze Kindheit in Angst verbracht!
    Als ich 18 war, war er tot und ich frei. Das ist 48 Jahre her! Heute weiß ich, das mein Vater ein zutiefst verstörter und traumatisierter Mensch gewesen ist, der eigentlich Hilfe gebraucht hätte, diese aber nie erhielt und dies auch abgelehnt hätte, da sein Selbstbild dem entgegen stand, das von mir oben geschilderte gesellschaftliche Ansehen der Psychatrie stand dem ohnehin entgegen.
    Ich selbst brauchte 20 Jahre, einen Alkoholentzug und die Langzeittherapie, bis ich darüber überhaupt sprechen und das aufarbeiten konnte, darum kann ich das hier auch schildern!
    Der Artikel, der mich veranlasste, das hier offen zu legen, hat mich etwas befremdet, aber ich finde ihn gut!
    Zu meiner Zeit und der meines Vaters gab es einen Teil der Medikamente nicht, die Psychotherapie begann sich erst zu entwickeln.
    Nun weiß ich natürlich, das diese Dinge unerlässlich sind, schließlich habe ich selber in Psychiatrie und Gerontopsychatrie als Pflegefachkraft einige Jahre gearbeitet. Hinzu kommt, das ich 19 Jahre mit einer Frau zusammen war, davon 12 verheiratet, die schwer psychisch krank war, sie war bipolar, manisch depressiv, also eine sehr ernste Sache, ich habe drei Phasen bei ihr miterlebt, geschlossene Aufenthalte, das volle Programm. Die Dauermedikation mit Lithium und Tavor hat sie recht stabil gehalten und wir hatten schöne gemeinsame Jahre. Vor acht Jahren dann wurde sie instabil, da das Lithium abgesetzt werden musste, weil Lithium ein Salz ist und ihre Nieren begannen zu versagen. Eine Umstellung der Medikation funktionierte nicht wirklich, wir hatten oft Probleme, einen Platz in der Psychiatrie zu finden, da, wie mir mehrfach behandelnde Ärzte sagten, das die Wartezeiten so lang seien, da diese Plätze ständig von diesen Diagnosesuchern belegt waren, die von Herrn Rötzer im Artikel beschrieben wurden. Wenn sie nicht gerade akut psychotisch war, habe ich sie meist nicht ins Krankenhaus gekriegt, obwohl sie als Privatpatienten für alle anderen Diagnosen natürlich gerne genommen wurde. Ich habe mir manchmal die Finger wund telefoniert, es gab einfach keine freien Plätze.
    Nach ihrer letzten manischen Phase, als sie in die Depression umkippte, hat sie sich vor drei Jahren dann erschossen.
    Wie gesagt, das was her Rötzer da beschreibt, hat mich befremdet.
    Ich habe keinen Zorn auf diese Menschen, ganz im Gegenteil, mir war nur das Ausmaß nicht klar. Diese Menschen brauchen auch Hilfe, das glaube ich schon. Das psychische Erkrankungen zu nehmen, gerade Angststörungen und Depressionen wundert mich überhaupt nicht, gar nicht.
    Die gesellschaftlichen Verhältnisse, die unsicheren Lebensverhältnisse, die Ängste vor sozialem Abstieg, die steigenden Kosten, die ständige Angstmacherei der Medien und der Politik, die Nachwirkungen der Coronapolitik, für mich ein Staatsverbrechen, mache ich für das Ansteigen der psychischen Erkrankungen verantwortlich.
    Daher bin ich der Meinung, das wir mehr Psychtherapeuten, mehr Suchtberatungen und mehr Psychiatrieplätze benötigen.
    Wenn man Hilfe dringend benötigt und keine bekommt, weil es zu wenig Plätze dafür gibt, kann ich die Diagnosesuchenden nicht dafür verantwortlich machen.
    Mein Zorn richtet sich gegen die Politik, die Parteienoligarchie als Büttel des Kapitals, ja gegen das Kapital selbst, die für solche gesellschaftlichen Verhältnisse verantwortlich sind, die die Menschen an Leib und Seele krank machen!
    Die Menschen die Hilfe suchen, die Diagnosen suchen und die zu wenigen Plätze belegen, können nichts dafür.
    Persönlich noch mal, mir geht es gut, Mitleid ist überflüssig, dafür habe ich das hier nicht geschrieben. Der Artikel hat einen Nerv getroffen und ich mühe mich hier immer, möglichst Substanzielles zu schreiben.
    In diesem Falle danke ich Herrn Rötzer für seinen Artikel!

    1. Danke für den Beitrag. 👍
      Habe selbst etliche (Psycho)Therapien durch, primär Angststörung plus Suchterkrankung, einige Entgiftungen, Langzeittherapie, seit 20 Jahren rückfallfrei und clean. Ich arbeite in Teilzeit, strengt mich sehr an. Also von wegen „Lifestyle-Teilzeit“, ich verachte diese Figuren, die nicht wissen, wovon sie reden.

      Von meiner Mutter habe ich ein schweres Kriegstrauma „geerbt“, d.h. die Folgen von Bunkeraufenthalten bei Luftangriffen und Verschüttung in Form von Störungen neurotisch vorgelebt bekommen. Sowas sickert durch in die nächste Generation.
      Deswegen entsetzt mich diese Kriegstreiberei, Aggression und Lügerei so fürchterlich, die wissen alle nicht, was Krieg bedeutet, vermutlich aber ist es ihnen völlig egal. Ich bin sogar der Auffassung, das einige der heftigsten Kriegstreiber selbst mit irgendeiner Störung oder einem Trauma umherlaufen. Da bricht was auf, was ganz ungesund ist, wenn es bei Leuten mit politischer Macht geschieht, die keinerlei Widerspruch erfahren.

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