Kriegsdynamik ist volatil, Eskalation führt zur Intensivierung

Die Kriegsdynamik ist nach einer Studie nicht vorherzusagen. Die meisten Kriege bleiben „klein“, aber weil es im Unterschied zu Bürgerkriegen bei zwischenstaatlichen Kriegen keine inhärente Begrenzung gibt, kann im Grunde jeder „kleine“ oder begrenzt gedachte Krieg, siehe Iran und Ukraine, plötzlich durch Eskalation zu einem großen werden.

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7 Kommentare

  1. Na ja, da lässt sich natürlich viel analysieren. Wirkt stellenweise auf mich so, als wäre Krieg ein unabhängiges Phänomen, das plötzlich auftaucht, dann auf die beiden Kriegsparteien einwirkt und sich in Folge dann zu etwas anderem entwickelt. Zu dies oder jenem, mit einer Wahrscheinlichkeit von x% zu einem Krieg plusplus, nach dem Gesetz von Parato könnte er schlimmer, wenn im Winter kein Schnee fällt, usw.

    Man könnte zum Krieg in der Ukraine auch salopp formulieren: Ein Krieg zieht sich insbesondere dann in die Länge und wird schlimmer, wenn eine Seite ihn nicht beenden will.

    Etwas ernsthafter und was noch ergänzt werden sollte: Je länger so ein Krieg dauert, desto höher werden die versunkenen Kosten. Dieses Prinzip bezieht sich ja nicht ausschließlich auf Geld. Zum Beispiel kann eine Trennung von einem langjährigen Partner allein schon deshalb sehr schwer sein, weil bereits viel Lebenszeit (=Kosten) investiert wurde.

    Je höher die in einem Krieg versenkten unterschiedlichen Kosten werden, desto psychologisch schwieriger wird es, ihn aufzugeben. Es wurden Milliardensummen versenkt, es sind schon so viele gestorben, man hat hundertmal gesagt, der andere darf nicht gewinnen, es droht Gesichtsverlust, sollte das nicht eintreten. Man hat sich selbst kasteit, den anderen sanktioniert und sanktioniert und abermals sanktioniert. Aber auch auf der anderen Seite ist der Einsatz inzwischen sehr hoch. Wobei ich das Gefühl habe, der Westen ist inzwischen klar überinvestiert, das bewegt sich in Richtung Selbstzerstörung.

  2. Im Fall des Ukrainekriegs hatte ich ganz an Anfang den Eindruck, dass er relativ schnell wieder hätte beendet werden könnte, später die Vermutung, dass sich nach etwa zwei Jahren abzeichnen müsste, ob er bald zu Ende geht, und seitdem, die Erkenntnis, dass er noch Jahrzehnte dauern könnte. Wenn offene Kriegswirschaft praktiziert wird, können Kriege aufgrund von ständigem Zufluss an Ressourcen theoretisch ewig fortgesetzt werden. Gut, man könnte einwenden, dass das Personal irgendwann knapp wird, aber die Afghanen sind ja auch nicht ausgestorben.

    Und da ist dann noch die Sache, dass der Mensch ein gewisses Bedürfnis an Stabilität hat. Es kann einen Krieg am Leben erhalten, gerade weil er zu einer Form von Stabilität wird, auch wenn man sich eigentlich etwas besseres vorstellen kann. Nur dauert es zuweilen sehr lang, bis die Einsicht reift, dass der Krieg für einen selbst gar keinen Sinn mehr ergibt.

  3. Über tatsächliche Eskalationen hat derweil Luca Schäfer unter dem für meine Begriffe etwas irreführenden Titel „Iran: Der neue Wirtschaftskrieg zielt auf Peking“ berichtet (ich denke, die Eskalation zielt auf die Heimatfront).
    Eher nebenbei ist darunter ein Bericht über eine kinetisch untermauerte Kriegserklärung Tel Avivs an Ankara um die Frage, wer die militärische Hoheit über Syrien habe. Der US-Botschafter in Ankara und US-Syrien-Gesandte Tom Barrack hat diese Kriegserklärung sehr buchstäblich ernst genommen, wie Nick Brauns in dem Artikel „Warnschuss“ für die Junge Welt berichtete, eine Darstellung, die gleichwohl klare anti-türkische Schlagseite hat.
    Ich werde den Geschichten vielleicht am Wochenende etwas nachgehen, bis dahin könnte mir das ja hier jemand abzunehmen versuchen.

  4. Zu dem was u.a. in der West-Bank und in Gaza passiert (21.08.2026):
    Das Militär erschiesst Fathi Zedan Khazem in seiner Wohnung vor den Augen seiner Familie. Der Sanitäter oder Ärzte wurden mehrere Stunden nicht an den Schwerverletzten gelassen. Das Militär hat zwei seiner Söhne vor vier Jahren ebenfalls im Zuhause erschossen (Jenin, die Söhne hatten Angriffe verübt). Das Militär hat einen Vierzehn-jährigen in den Rücken und in die Brust geschossen; der Verletzte wurde in ein Krankenhaus zur Behandlung gebracht (südlich von Jenin). Die Siedler haben am Vortag von der Jabara Brücke auf vorbeifahrende Kraftfahrzeuge mit Steinen geworfen (südlich von Tulkarm, keine Verletzten). Die Siedler haben in Al-Mughayyir, nordöstlich von Ramallah Steine auf Kraftfahrzeuge geworfen (Sachschaden, das Militär hat die Zufahrt eine zeitlang geschlossen). Die Siedler haben einen 45-jährigen Mann durch das Pfeffer-Spray sprühen im Gesicht verwundet (Shuafat-Viertel in Betlehem).
    Die Siedler haben in Sair, nordöstlich von Hebron Karim Sanad Shalaldeh, 17 Jahre erschossen. Eine grosse Gruppe von Siedler haben die angegriffen und geschossen. Ein Siebszgjähriger wurde angeschossen und ein Zuhause angezündet. Es wurde Muhammad Hamid, 16 Jahre, seit 2016 im Gefängnis, erneut am Herzen operiert. Die Familie soll für die Behandlung bezahlen. An seinem Geburtstag (13.08) wurde ihm ein Bein amputiert. Er hat sich die Krätze eingefangen und wurde nicht behandelt.

    Zu dem was in Gaza passiert:
    Das Militär hat Ibrahim Mohammed Kawar’a, 29 in der Qizan al-Najjar-Gegend, südlich von Kahn Younis erschossen. Das Rote Kreuz sagt der Verstorbene war in Handschellen und gefesselt. Das Militär hat Ahmed Ramzi Aql, 13 erschossen. Es wird auf die Zelte der Vertriebenen geschossen. Die Wohngebäude werden zerstört.
    Es wurden seit dem Waffenstillstand im Oktober mehr als 1.283 Palästinenser getötet und 4.284 Palästinenser verletzt (21 Tote und 36 Verletzte und/oder Verstümmelte seit letzten Samstag).

    Mitmachen bei der Einforderung der Menschenrechte für Palästina.
    Über den Völkermord sprechen.

  5. Das sind mir schöne Wissenschaftler.
    Viel Statistik wenig Hirn.
    Wie kann man einen Gegenstand wie Krieg untersuchen und die Urheber und ihre Interessen dabei unberücksichtigt lassen?

    Kriege brechen nicht einfach aus. Sie werden meist lange Zeit vorbereitet. Sie eskalieren wenn mindestens eine Seite das so will. Und sie werden erst beendet, wenn mindestens eine Seite am Boden liegt oder beschlossen hat, dass der Krieg zu viel kostet um weiter betrieben zu werden.

    Und dann noch eine Frage an diese „Wissenschaftler“.
    Woran machen sie denn eigentlich aus, dass wir uns nicht immer noch im 2. WK befinden?
    Ich erinnere mich nicht daran, dass es jemals Friedensverträge gab.

  6. Der Krieg, das unbekannte Wesen.

    Das ganze ist grober Unfug. Kriege fallen nicht als Naturgewalt von Himmel sondern sind die Folge von politischen Begehrlichkeiten, seien es strategische Vorteile, Zugriff auf Ressourcen oder beides. Im Hintergrund spielen noch die Krisen des Kapitalismus eine Rolle, die nach einer flächigen Zerstörung von Produktivkräften verlangen.

    Der Ukrainekrieg wie auch der Irankrieg beginnen nicht erst mit Ausbruch der aktuellen Kämpfe sondern bereits lange vorher.Gilbert

  7. Mal ausnahmsweise – weil’s so schön passt – was Zitierfähiges vom Entenkanal ntv.de

    POLITIK
    Jabloko-Mitbegründer
    Jawlinski: „Aber Tatsache ist, dass der Dritte Weltkrieg nuklear sein wird“
    21.08.2026, 18:24 Uhr

    (Erst einmal das Übliche (siehe auch RDL’s Putin-Traktat) aber dann: ÜBERRASCHUNG!
    Es geschehen noch Zeichen und Wunder!

    …03:34 min

    Frage Munz:Glauben die Russen Putins Durchhalteparolen noch? Gibt es hinter verschlossenen Türen Gespräche zwischen Russland und der EU über ein Ende des Ukrainekrieges, was wissen Sie darüber? Sind Sie an solchen Gesprächen beteiligt?

    Ja, ich weiß, dass solche Verhandlungen laufen. Nur ehrlich gesagt haben sie keine Perspektiven. Die Entscheidungen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und anderen europäischen Ländern sind nicht sinnvoll, sei es Diplomatie oder Politik. Denn so können nicht einmal Voraussetzungen für ernsthafte Verhandlungen über einen Waffenstillstand geschaffen werden.

    Und wie Sie jetzt sehen können, ist Trump aus dieser Geschichte ausgestiegen. Und nichts, was bei seinem Treffen mit Putin in Anchorage (Alaska) vereinbart wurde, funktioniert noch. Aber Tatsache ist, dass der Dritte Weltkrieg nuklear sein wird, sodass es keine Chance auf etwas Ähnliches wie nach dem Zweiten Weltkrieg gibt. Daher ist es auf jeden Fall notwendig, jetzt nach Kontakten zu suchen, ohne auf ein militärisches Ergebnis zu warten. Und es ist notwendig, auf jeder Ebene nach Kompromissen, einem Waffenstillstand und gegenseitigem Verständnis zu suchen. Zunächst einmal, um einen Atomkrieg zu verhindern. Ich möchte das ernsthaft betonen, denn das ist unsere gemeinsame Verantwortung für unsere Kinder und für die Zukunft. Das ist das Hauptproblem von heute. Erst danach werden wir uns damit auseinandersetzen, wie es begann, warum es begann, warum Russland in den 90ern solche Reformen durchführte, dass es sich in einer solchen Lage wiederfand, dass es jetzt so handelt. Es wird notwendig sein, später darüber zu reden. Aber heute müssen wir unbedingt einhalten, um nicht weiter auf den Atomkrieg hinzuzusteuern.

    Noch Fragen, Hauser?

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