Oh my fuckin‘ God

In Minneapolis wird am 7.1.2026 die 37jährige Renee Good von Mitarbeitern der Einwanderungsbehörde ICE erschossen. Beide politischen Lager erklären den Fall in ihrem Sinne.

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29 Kommentare

    1. Glaubt irgend jemand, das wäre im Adenauer-Ranzstaat anders?
      Da gibt es für die uniformierten Todesschützen im Normalfall auch Sonderurlaub und eine Beförderung, dem Opfer stellen sie womöglich noch die Rechnung für die Kugel aus.

  1. Auf dem Video ist zu sehen., wie die Frau nach rechts einschlägt, um wegzufahren und nicht um jemandn anzufahren. Die Interpratation, der schwachkopf hätte in Notwehr gehandelt, ist was für Minderintellektuelle. Also für das amerikanische und europäische Volk.

  2. Auf dem von der Seite aus gefilmten Video sieht man, dass die Fahrerin das Steuer rechts einschlägt. Aus der Sicht des Polizisten, der *vor* dem Auto steht, sieht das aber anders aus. Der sieht den Wagen auf ihn zukommen. Der hat das für einen Angriff gehalten und überreagiert. Schrecklich.

  3. Die Ammis haben in den letzten 3 Monaten mindestens 180 Menschen ermordet
    ohne Anklage und ohne Verfahren in freien Gewässern und in Venezuela. Dazu
    noch tausende im Iran in Syrien und im Jemen. Es tut mir nicht leid es sagen zu
    müssen: Wenn die sich gegenseitig umbringen, ist mir das allmählich scheiß egal.

  4. Also, ich hatte mir ein Video angesehen, und da sah es für mich recht klar aus. Die Frau wollte an dem Schützen vorbeifahren, um zu verhindern, dass ein anderer ICE-Beamter sie aus dem Auto holt. Zuvor schien ein weiterer signalisiert zu haben, dass sie die Straße frei machen solle.

    Wie auch immer: Mit Selbstverteidigung kann man das Verhalten des Schützen nicht erklären. Er hat mindestens einmal durch das Seitenfenster geschossen, und ein Schuss wurde anscheinend abgegeben, als sich das Fahrzeug schon von ihm wegbewegte. Wie sich Menschen unter Schock verhalten, mag unterschiedlich sein. Aber der Schütze steckte nach dem Abfeuern der Schüsse seine Waffe ins Holster und ging scheinbar seelenruhig in Richtung des „Fluchtwagens“, der an einem Mast oder einem anderen parkenden Auto zum Stehen gekommen war.

    Und selbst wenn stimmen sollte, dass Renée Good eine Aktivistin war, die die Straße absichtlich blockierte, finde ich die Äußerungen der US-Regierung ziemlich abstrus. Dass der Fall in naher Zukunft ordentlich aufgearbeitet wird, scheint mir äußerst zweifelhaft. Auf politischer Ebene bekam der Schütze ja quasi einen Freispruch von höchster Regierungsebene. Denen ist zuzutrauen, dass sie dem Schützen auch noch einen Orden für seine Tat verleihen. Echt gruselig.

    Eine halbwegs neutrale rechtliche Einordnung wird man nicht leicht finden. In einer eh angespannten Lage ist der Fall sofort zum Politikum geworden, bei dem sich wohl auch renommierte Juristen lieber zurückhalten. Für mich sieht es mindestens nach Totschlag aus. In den USA würde man das Äquivalent dazu wohl als Mord zweiten Grades bezeichnen.

  5. Dieses, für die offizielle USA anscheinend normale Verhalten fordert doch jeden Rechtschaffenden US Bürger dazu auf, aus solchen Knilchen wie denen vom ICE, Zielscheiben zu machen. Genau wegen solcher Übergriffe gibt es ja das US Waffenrecht um solche staatlichen Terroristen abzuwehren.

  6. In den USA werden jährlich ungefähr 100 Polizisten im Dienst getötet. Da liegen die Nerven blank. Ich frage mich, warum diese Frau sich der Kontrolle entziehen wollte. Hatte sie Angst, weil sie unter Drogen stand oder betrunken war und befürchtete den Führerschein zu verlieren? Dann ist es durchaus möglich, dass sie die Gewalt über ihr Fahrzeug verlor oder absichtlich auf einen Polizisten zusteuerte, der ihr im Weg stand, damit dieser auf die Seite springt. Wenn eine Person sich so verhält, entsteht natürlich bei den Polizisten der Verdacht, dass sie gravierende Gründe dafür hat, weshalb sie diese Person nicht entkommen lassen wollen, weil vermuten, dass diese wahrscheinlich gefährlich ist.
    In dem Artikel wird suggeriert, dass die Frau eine liebevolle Mutter war und sich der Kontrolle entzog, weil sie ihr Kind rechtzeitig aus der Schule abholen wollte. Ich finde, dass das ein ziemlich schlechter Witz ist.
    Dass Bekannte der Frau empört sind und von Polizeigewalt reden, ist in den USA inzwischen normal. Dass manche Politiker das ausnützen, um ihr Unbehagen am Präsidenten und seinen Anhängern auszudrücken, ist ebenfalls normal. Die Retourkutsche der Polizei und der angegriffenen Politiker darauf lautet, dass das Opfer eine Terroristin sei. Das ist auch normal.
    Schaut man die Statistiken an, entsteht der Eindruck, dass die USA immer noch Wildwest sind.

  7. Alles was recht ist, aber die Notwehr ist kaum zu rechtfertigen.

    Aber etwas anderes. Liest eigentlich niemand X? Dort ist Minnesota wegen einer Geschichte in der Debatte, die aussieht, als ob sie ein Rechtsextremist erfunden hätte. Dort leben 100.000 Somalier, die Geld vom Staat erhalten und sich selbst verwalten dürfen. Nun ist da jemand durch die Kindergärten gelaufen und hat kein einziges Kind gefunden. Ein Bürogebäude zur Verwaltung war völlig leer. Verdacht ist, dass die Gelder nach Somalia transferiert werden, zur dortigen Islamistenregierung. Volumen sechs Milliarden und in einem Jahr. Gouverneur Tim Walz reagiert unbeholfen auf die Vorwürfe. Die Presse berichtet nicht. Aber jetzt hat sich Elon Musk eingeschaltet und damit kann das Thema nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden. Er will wissen, dass es in anderen Staaten noch ärger sei.
    https://x.com/GlockfordFiles/status/2008620605030215972

    Trump will nun die Somalier abschieben, mit dem ICE. Aktivisten in Minnesota versuchen nun, dem ICE Gewaltakte unterzuschieben, um das zu verhindern. Was nun mit obigem Vorfall gelungen wäre.

    Aber das fällt schon auf, dass die hiesige Presse nur den Vorfall berichtet und über den Betrug kein Wort verliert.

  8. Was man sagen kann dem Polizist gings mehr darum sie zu stoppen als das er sich bedroht gefühlt hat. Allerdings genau das war auch seine Aufgabe. Beide Seiten haben nicht adäquat gehandelt. Schlecht gelaufen. Wenn Polizei in den USA mit Waffe um dich rum steht hält man besser an, das ist allseits bekannt. Aus meiner Sicht taugt der Fall nicht wirklich für irgendwas.

    > Die hätten sie per abfotografiertem Nummernschild (in einem Video ist zu sehen, dass dies bereits geschah) ausfindig machen können

    Allerdings hast du in USA keine Meldepflicht. Insofern kann man das schlecht mit Deutschland vergleichen. Da jemand aufzustöbern ist nicht leicht.

    1. Allerdings hast du in USA keine Meldepflicht. Insofern kann man das schlecht mit Deutschland vergleichen. Da jemand aufzustöbern ist nicht leicht.

      Die Kfz-Zulassungsbehörden in den USA haben auch die Adressdaten. In D wird eine Halterabfrage auch nicht über das Einwohnermeldeamt gemacht, sondern über das Kraftfahrt-Bundesamt oder die Zulassungsstellen.

  9. Es scheint mir nicht unerheblich zu sein, darauf hinzuweisen, dass dieser Totschlag in einem größeren Kontext stattgefunden hat. Es ist aus dem Text nicht ersichtlich, ob die Beamten der Bundesbehörde da nur rumlungerten oder auf dem Weg zu Mc – friss&stirb – Donald waren. Leider musste ich daher auf andere Medien und Wikipedia zurückgreifen, wobei Wiki (deutsch) noch die sachlichste Darstellung der Ereignisse bot.

    Da ich mich für innenpolitische und gesellschaftliche Themen des einzigen „shithole“ Landes der Welt nicht interessiere, konnte ich die Zusammenhänge nicht wissen. Wiki weiß es:

    „Am 6. Januar 2026 kündigte das amerikanische Heimatschutzministerium die bis dato größte Operation in der Metropolregion Minneapolis–Saint Paul an und erklärte, es werde 2.000 Bundesbeamte einsetzen. (…) Vor Ort war auch Heimatschutzministerin Kristi Noem. In einem auf dem Kurznachrichtendienst X veröffentlichten Video ist Noem mit einer schusssicheren Weste in Saint Paul zu sehen, (…).[3]
    Hintergrund des Einsatzes waren Medienberichte über den Verdacht auf großangelegten Betrug im Bereich der Kinderbetreuung (…).

    Der Einsatz erfolgte gegen den erklärten Willen lokaler Amtsträger. Der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, bezeichnete den Einsatz im Vorfeld als einen „Krieg“ gegen seinen Bundesstaat.[3]

    Und das ist m. E. eine wichtige Info bezüglich des Vorfalls. Der Totschlagsvorwurf ist insoweit berechtigt, als dass der erste Schuss zwar noch mit einer Bedrohungslage erklärt werden kann, aber der zweite und dritte Schuss nicht mehr.

    Um die allgemeine Stimmungslage während des Vorfalls annähernd zu begreifen, braucht es die Information, dass die Landesbehörden in Person des Gouverneurs Walz die Ankündigung der Bundesbehörden ICE und der Heimatschutzministerin Noemi, in Minnesota eine großangelegte Razzia durchzuführen, öffentlich als illegitim bezeichnet haben. Unter diesem Aspekt könnte das unkooperative Verhalten der Frau insoweit erklärbar sein, als dass sie die Bundesbehörde nicht als legitimiert ansah und in Folge die Zusammenarbeit (Kooperation) verweigerte, die sie normalerweise jeder polizeilichen Anweisung gegenüber aufbringt. Und der Beamte neben der Tür fordert sie unmissverständlich auf, zu stoppen.

    Weder gebe ich der Frau Renée Good damit eine Mitschuld, noch entlastet das den Schützen.

  10. @Torwächter

    Wie würde denn der Nachtwächter reagieren – hä, wenn er hinterm Lenkrad gesessen wäre und von ein paar vermummten Gestalten angehalten und dumm angemacht worden wäre. Ach, übrigens … das Fahrzeug stand, als der „Gesetzeshüter“ – auf dem screenshot (wohl der Moment … ) sieht man nur seine Beine als er glaubte, mehrfach ins Gesicht, den Kopf der Frau schiessen zu müssen, in einem Abstand von – nun derNachtwächter dürfte wissen, wie weit es sein dürfte, wenn der neben dem Aussenspiegel auf den Lekradführenden anlegt. Und da dürfte es womöglich kein Zufall, wenn der oder die Person „neben der Kappe“ – aus ganz anderen Gründen als die vom besserwissenden Nachtwächter.gemutmaßten – mit oder ohne Restbewußsein aud den Lenker knallt mit dem Kopf und sein/ihr rechter Fuss – völlig unprovoziert ? – das Gaspedal bedient. Dumm gelaufe, natürlich. Einfach blöd, dass es ein Wischmob-Filmchen geben darf, auf dem der ganze Ablauf wie auch diverse Fahr-, Stand und Rollstrecken angesichtig sind. Und wie der Schützuenkönig in aller Ruhe voller Stolz davon stapft.

    Nein, wundern über den grassierenden Schwachsinn der Nachtwächters braucht sich niemanden. Ähnliches hatte ich schon mal in einem ähnlichen Fall, ebenfalls in Gods own land. Der Nachtwächter wird doch nicht ‚Helge‘ mit Vornahmen geißen. Ein solcher hatte nämlich einen ähnlichen Duktus anzubieten. Zeichnete übrigens verantwortlich dafür, dass ich seit einiger Zeit auf OM ‚rumlungere und nerve‘, weil ich selbst virtuell nicht im Dunstkreis solcher ******** verweilen möchte.

  11. AP zitiert eine offizielle Verlautbarung des Krankenhauses, Good sei dreimal in den Kopf getroffen worden. Es gab eine Pause zwischen dem ersten, und den drei folgenden Schüssen. Der erste ging durch die Windschutzscheibe, sodaß der Schütze möglicherweise nicht sehen konnte, wo er getroffen hatte (Kopf oder Schulter), er wechselte die Position, um auf Sicht zwei Kopfschüsse anzubringen. Das ist unzweideutig vorsätzlicher Mord, und Leute, die dies verwischen, wie Jödicke oder die Redaktion, sind Helfershelfer „after the fact“, period.

    1. Sorry, es waren insgesamt drei, nicht vier Schüsse, wie irrtümlich getippselt.

      Grade noch erfahren, daß der Täter und die an der Tat mittelbar beteiligten Mordbuben kurz danach verabredet in ihre Karren gestiegen und von dannen gerauscht sind – das ist ein Bekenntnis zum Mord, obendrein!
      Anzunehmen, daß sie auf Befehl des Täters handelten, der sich wiederum auf eine Dienstanweisung berufen hat.
      Das legt den Verdacht nahe, daß der Mord auf Befehl von oben geschah. Nicht unbedingt mit Good als Ziel – nur irgendwer. Die direkte Fortsetzung in Portland deutet ebenfalls in diese Richtung.

      Wie unterbindest du einen Bürgerkrieg?
      Indem du die Initiative ergreifst, bevor deine Feinde sich ausgekäst haben. Der Rest ist die seit rund 10 Generationen erprobte, bewährte und ausgefeilte „Shock and Awe / Fear“ – Strategie zweckfreier Brutalität.

  12. Solche Vorfälle in den USA sind Legion, das passiert immer wieder und wird auch weiterhin passieren!
    Wen wunderts?
    Wir reden hier von einem Land, in dem es mehr registrierte Schusswaffen als Einwohner gibt, von den unregistrierten gar nicht zu reden!
    Ein Land, in dem man mit 16 Jahren Autofahren und eine Schusswaffe besitzen darf, aber mit 18 Jahren erst Biertrinken erlaubt ist.
    Wenn irgendwo eine Naturkatastrophe geschieht, rückt zunächst einmal keine Hilfstruppe wie bei uns das THW an, sondern die schwer bewaffnete Nationalgarde.
    Die häufigste Todesursache bei jungen Männern ist erschossen zu werden!
    Die NRA und ihre Lobbyisten quatschen dauernd dummes Zeug wie das die Waffe nicht das Problem sei, sie sei ja nur ein Werkzeug, sondern der Schütze, der dann natürlich immer ein Psycho, ein Terrorist, Schwulenhasser etc. pp. sei und natürlich stets ein bedauerlicher Einzelfall!
    Klar!
    Nach einem der regelmäßigen Schulmassaker wurden Stimmen aus dieser Richtung laut, unter anderem natürlich auch von Trump, das die Lehrer sich bewaffnen sollten, um solche Täter „auszuschalten“, wie man immer so schön sagt.
    Bewaffnete Sicherheitsleute gibt es auch in Krankenhäusern, Bundeswehrchirurgen mache Praktika in Notaufnahmen wie z.B. in Chicago, um die Versorgung von Schusswunden zu erlernen.
    Schusswunden sind kein Spaß, habe auf der Intensivstation selber mal eine Frau mitversorgt, die von ihrem Ehemann in den Kopf geschossen wurde, ein sog. erweiteter Selbstmord, er war sofort tot, sie verstarb in meinem Beisein.
    Ich bin nun weiß Gott in Notfallmedizin gut ausgebildet und weiß was zu tun ist!
    Als meine eigene Frau sich erschoss und ich vor Eintreffen des Notarztes mit der Reanimation begann ( und ich bin professionell ausgerüstet!) hatte ich null Chancen, was mir während dessen auch schon klar war!
    Der armen Frau in Minneapolis in den Kopf zu schießen, gar noch mehrmals ins Seitenfenster, v.a., wenn man dann auch noch die Fahrerin leicht hätte ermitteln können, ist durch nichts zu rechtfertigen!
    Mir reicht schon völlig, wenn die Polizei hier anfängt rumzuballern, vor nicht allzu langer Zeit haben die ein 12 Jahre altes behindertes Mädchen in Bochum erschossen, weil sie ein Messer in der Hand hielt ; angeblich ist unsere Polizei ja deeskalativ geschult und Taser haben sie ja nun auch inzwischen, was soll man da sagen?
    In den USA werden ja schon Kinder an das Dreckszeug heran geführt, auf Waffenmessen werden für Kinder adaptierte Schusswaffen verkauft, in pink für Mädchen!
    Und WAS für Waffen da erworben werden können!
    Sturmgewehre werden als hervorragend geeignet zur Selbstverteidigung beworben!
    Die Amis haben eine völlig kranke Gesellschaft!
    Wie ich über diese Nation denke, habe ich hier schon zur Genüge kommentiert!
    Da wiederhole ich mich jetzt nicht, aber eine Nation, die in Bezug auf Waffen so tickt, wie die Mehrheit der Bevölkerung, hat es auch nicht besser verdient!
    Ganz gewiss wird es nicht dabei bleiben!
    Sorry, aber ich bin sehr aufgeregt beim Schreiben, Reizthema für mich!

  13. Hier ein gutes Video.
    Vor allem sollte man kurz vor dem ersten Schuss auf die Reifen des Fahrzeugs achten.

    Die Frau wollte eindeutig nach rechts wegfahren. Der Beamte hat mehr als offensichtlich die Lage völlig falsch eingeschätzt. Das ist auch an den nächsten paar Sekunden zu erkennen. Er feuert durch die Seitenscheibe aus nächster Nähe.
    Unfähig und völlig überfordert, der Typ………..

    https://www.youtube.com/watch?v=N9C-ubG6wrQ

  14. Ein paar Groschen zu…

    … im Westen nichts Neues.

    Ich habe weder Zeit noch Nerv, deswegen sei die Arbeit delegiert – pardon: outgesourced – und zitiert aus: Gruen, Arno (1987): Die Normalität des Wahnsinns, dtv.

    Die Mörder mit gutem Gewissen

    (…)

    Die Sackgasse der Triebtheorie kann man verlassen, wenn man erkennt, daß Sublimation die wirklichen Ursprünge der Destruktion und Aggression nicht im mindesten berührt. Sie lenkt sie nur in Richtungen, die im Augenblick akzeptabel wirken – wie zum Beispiel im Geschäftsleben, wo dann der unbarmherzige Konkurrenzkampf tobt. Der einzige Weg mit Destruktion umzugehen, besteht darin, der Hilflosigkeit ins Gesicht zu blicken, aus der sie entstanden ist.

    (…)

    Außerdem begünstigt die Sublimationstheorie eine Art von Reformismus, der die Realität der Gewalt mit Nachsicht und falschem Verständnis verharmlost. Wenn es nur darum geht, die Neigung zur Gewalt auf harmlosere Ziele umzulenken, bleibt die Frage nach dem Bösen ausgeklammert: Beherrschen wir es, oder beherrscht es uns?

    Wie weit verbreitet die Vorstellung ist, daß das Böse uns in der Hand hat, dafür sind die Ereignisse um die Gefängnisrevolte im amerikanischen Attica am 9. September 1971 ein sprechendes Beispiel. An diesem Tag überwältigten eintausenddreihundert Männer, die Hälfte der Häftlinge des Gefängnisses, etwa drei Dutzend Aufseher und Gefängnisangestellte und hielten sie während vier dramatischer Tage, in denen sie verhandelten, als Geiseln fest. Auf Befehl des damaligen Gouverneurs des Staates New York, Nelson A. Rockefeller, eroberte die Staatspolizei am 13. September das Gefängnis.

    Die Hintergründe und der Hergang sind ausführlich dokumentiert (…).

    Der Gouverneur ordnete an, das Gefängnis zu stürmen, nachdem er sich standhaft geweigert hatte, an den Verhandlungen für eine friedliche Einigung teilzunehmen, obwohl diese Verhandlungen von einem Bürgerkomitee unter Leitung des für das Gefängniswesen zuständigen Kommissars der Staatsregierung geführt wurden. Sofort nach der Niederschlagung der Revolte verkündete der Gouverneur, daß die Staatspolizei und das Gefängnispersonal „ausgezeichnete Arbeit“ geleistet hätten. Ergebnis dieser „ausgezeichneten Arbeit“ war, daß neunundzwanzig Häftlinge und zehn Geiseln getötet und neunundachtzig Menschen verwundet waren. Eine offizielle Untersuchung der Ereignisse führte dieses Blutbad auf die wahllose und unverantwortliche Schießerei im Gefängnis zurück.

    Ich will hier die politische Verantwortung des Gouverneurs beiseite lassen und mich nur mit der Handlungsweise der Männer befassen, die das Gefängnis stürmten. Sie waren ganz offensichtlich damit beauftragt, die Geiseln zu befreien, und sie hatten den Befehl, Schießereien zu vermeiden, es sei denn, sie hätten sich selbst oder andere vor Angriffen schützen müssen.

    Die Häftlinge verfügten über zwei Tränengaspistolen sowie über Schlagstöcke und Messer. Die angreifende Polizei – tausend Mann – war mit Schrotflinten, Pistolen und Gewehren bewaffnet. Auf fünfundvierzig Meter Abstand befeuern Schrotflinten einen Kreis von über einem Meter Durchmesser. Diese Schrotflinten waren ganz offensichtlich nicht dazu geeignet, die Bedrohung durch eine einzelne Person abzuwehren. (…)

    Was ist von Menschen zu halten, die ein Gefängnis mit Schrotflinten erstürmen, obwohl sie wissen, daß die Geiseln, die sie befreien wollen, von den Häftlingen umringt sind? Wie paßte die Wahl der Waffen mit dem Ziel der Aktion zusammen?

    Tom Wicker, Journalist der „New York Times“, schrieb drei Tage später, daß „die sichere Überzeugung, daß ein Angriff die Häftlinge veranlassen würde, alle achtunddreißig Geiseln zu töten, jene nicht beeindruckte, die die Gewehre in der Hand hatten – sie wollten einfach hinein“. Und genau das war es: Sie wollten hinein und töten! Sie verfielen in eine Raserei, völlig unabhängig von ihrem Auftrag, die Geiseln zu befreien und die Revolte von weitgehend unbewaffneten Menschen zu beenden. Sie waren besessen von dem Gerücht [dass die Geiseln kastriert worden seien, Anm. Altlandrebell], es spornte sie an, und es war nichts weiter als der Ausdruck ihrer eigenen Destruktivität, projiziert auf Menschen, die sie für minderwertig und verachtenswert hielten.

    Man muß sich vor Augen halten: Der Kriminelle steht im Gefängnis Leuten gegenüber, die sehr schlecht bezahlt werden, kaum eine Ausbildung haben und auf den unteren Sprossen der sozialen Leiter stehen. Doch sie sind mit Autorität ausgestattet, was jemand, der sich wegen seines niedrigen sozialen Status minderwertig fühlt, als besondere Gunst empfinden muß. Damit hat sich die Gesellschaft selbst in eine widersprüchliche Position begeben. Sie möchte diejenigen, die sich gegen das Gesetz vergangen haben, bestrafen, aber sie möchte nicht den Preis dafür bezahlen, der für ein Gefängnissystem erforderlich wäre, das diesen Menschen zur Rehabilitation verhelfen würde. Daher hat letztlich die Gesellschaft selbst die Tragödie von Attica zu verantworten.

    (…)

    Sie [die Wärter, Anm. Altlandrebell] waren zwar in der Position, andere herumkommandieren zu können, aber selbst nicht weniger Gefangene in diesem Gefängnis. Die Frustration ihres Jobs hatte natürlich ein Ventil: den Kriminellen, der sozusagen per Gesetz minderwertiger als sie selbst war. Wenn man bereit ist, gehorsam zu sein, weil Gehorsam zum Sinn des Lebens geworden ist, dann wird der, der offiziell als der Schwache deklariert ist, zum Sündenbock, an dem man die eigene Wut austoben kann. Der „Schwache“ ist hier der Kriminelle, der Rebell, der Außenseiter, der gar noch darauf besteht, menschlich behandelt zu werden.

    Das Ereignis von Attica zeigt anschaulich, was Nicht-Autonomie hervorbringt: Wut und Zerstörung in einem solchen Ausmaß, daß die Taten in keinem Verhältnis mehr stehen zu Anlaß und Zweck. Wir sehen hier im Rohzustand, was gewöhnlich verschleiert bleibt: daß die durch den Gehorsam hervorgerufene Abhängigkeit unter dem Mantel angemessenen Sozialverhaltens Rache nimmt. Beim Töten der Häftlinge, die als Untermenschen gelten, dürfen sich die Mörder im Recht fühlen. Entsprechend erwarten sie auch Belobigung, und der Gouverneur sparte nicht damit. Solche Politiker legitimieren praktisch blanken Mord.

    Damit wird der Grundstock gelegt für mehr Gewalt. Denn das Schuldgefühl, das zwangsläufig durch solche Gewalttätigkeiten entsteht, muß unablässig durch verstärkte Aktivitäten abgewehrt werden. Die schreckliche Geschichte von Attica lehrt, was Gehorsam und Konformität aus dem Menschen machen.

    Zur Gewalt neigt nicht nur der Kriminelle. Sie ist in allen Menschen gegenwärtig, die in einer Welt leben, deren Fundament die Gehorsamsbereitschaft ist. Wenn wir uns selbst nur dann lieben dürfen, wenn wir gehorsam sind, fühlen wir uns als rechtschaffene Menschen, wenn wir in anderen den Ungehorsam töten, der einst unser eigener war. Wir brauchen Feinde, nicht nur um uns selbst vor unserem alten inneren Feind zu schützen, sondern auch um die wachsende angestaute Wut abzureagieren.

    Und während wir das Leben hassen und verachten, halten wir uns für gütig, großzügig und menschfreundlich. Wahr daran ist nur, daß wir uns bemühen, „anständig“ zu erscheinen, also den Erwartungen zu entsprechen, denn nur dann können wir uns selber lieben.

    Das einfach als Gedankenanreger / Erinnerungshilfe. Damit ist dann auch eigentlich alles gesagt. Und ob Sie nun New Yorker Staatspolizei damals mit Nationalgarde und ICE heute vergleichen wollen oder das Zitierte en bloc auf den im Artikel geschilderten Mord „Vorfall“ beziehen, auf Flintenuschi, den Verrat und Verkauf von Herrn Maduro, auf schMerz, Frankensteinmeier, die deutsche Pegizei, Sde Teiman, Cecot, Frau Wagenknecht, die findet, „dass mancher Bürger, der sich wegen seiner dunklen Hautfarbe in bestimmten Regionen unseres Landes nicht mehr sicher fühlt, vielleicht über den einen oder anderen zusätzlichen Polizisten auf der Straße ganz froh wäre“ (aus: Die Selbstgerechten), oder allesamt zusammen, bleibt Ihnen überlassen. Ich kann mich wirklich nicht um alles kümmern, schon gar nicht 2026. (Hinweis @ Two Moon – Putin wird am oder vor dem 20. Februar sterben, weil Saturn-Neptun-Konjunktion. Die ist für Russland immer toxisch. Schreiben Sie da schon mal die Analyse zu fertig – und vergessen Sie bei Gelegenheit nicht wieder, dass mein Merkur in Schütze steht und eine Kuspe ist (8. / 9. Haus). Sonst fragen Sie wieder, warum ich so vehement bei manchen Themen wie Kindern oder Fahrrädern aufzutreten scheine.)

    BTT: Es ist völlig klar, dass weder in Attica noch in Minneapolis die Wahl der Waffen mit dem (vorgeblichen) Ziel der Aktion zusammenpasste. Und es ist klar, dass die pösen aufrührerischen Häftlinge von damals und die pösen Demonstranten genauso wie die pösen Ausländer von heute, den Bütteln, um nicht Unsicherheitskräften zu schreiben, nun mal als nichts anderes gelten denn Schmutzaffen. Oder wie Gruen es noch passender ausdrückte: als Untermenschen. Die sind der Andere. Der Feind. Und der Feind muss knallhart gezüchtigt und bekämpft werden. Der muss weg, denn er stört, schmerzt und ist die eigene Frage als Gestalt. (Auch wenn er einem verdammt ähnlich ist. Woke sind schließlich auch nichts anderes als Rechte.)

    Doch Hautfarbe, Herkunft, Religion, politische Partei sind letztlich schlicht egal – es reicht, dass jemand in welchem Punkt auch immer keiner von „uns“ ist, ein Außenseiter, Rebell, Krimineller. Oder das was die herrschende Klasse, ihr Staat, ihre Wasserträger und Büttel dafür halten. Die werden euch alles nehmen, weiß @ Motonomer und so ist es auch – inklusive eurer Leben, wenn ihr blöd im Weg steht. Nur ist daran nichts neu und das war – Stichwort Attica – auch schon vor 1974 bekannt. Genauso wie die Erwartung – besser: Sucht – nach Belobigung. Und wie in Attica gab es die natürlich auch in Minneapolis:

    I want every ICE officer to know that their president, vice president, and the entire administration stands behind them. To the radicals assaulting them, doxing them, and threatening them: congratulations, we’re going to work even harder to enforce the law.

    — JD Vance

    Sowie:

    „This was an attack on federal law enforcement. This was an attack on law and order. This was an attack on the American people,“ Vance said of the shooting that occurred on Jan. 7. „Nobody wants to see a tragedy, but it’s a tragedy of the far left.“

    Vance claimed that the agent involved „nearly had his life ended“ during an incident in June when he was dragged by a protester’s vehicle, resulting in 33 stitches, while implying that the experience could account for his reaction to shoot Good.

    „She was there to engage in the obstruction of a legitimate law enforcement operation. There is an entire network that is trying to incite violence against our law enforcement,“ Vance said. „It’s ridiculous, it’s preposterous, and part of our investigative work will be to get to the bottom of it.“

    (…)

    When asked if he was preempting any official investigation by drawing such conclusions, Vance replied, „What you see is what you get in this case. You have a woman who was trying to obstruct a legitimate law enforcement operation. You have a woman who aimed a vehicle at law enforcement and pressed on the accelerator. I can believe her death is a tragedy, while also recognizing that it’s a tragedy of her own making.“

    Quelle: hier

    Wie sagte es Gruen: Solche Politiker legitimieren praktisch blanken Mord.

    Darüber hinaus können Sie natürlich auch den größeren Kontext wählen – und sich erinnern, dass weder Trump noch Vance Mauern, Polizei oder die Illegalisierung von Menschen erfunden haben. Sondern hier schlicht ein weiteres Mal zeigen, dass sie einfach nur ganz normale Kinder des Westens im Allgemeinen und der Vereinigten Staaten im Speziellen sind. Wie schrieb Gruen im Weiteren? Ah ja:

    Die Reagan-Administration erklärte jedoch Menschen aus El Salvador und Guatemala zu illegalen Ausländern und gewährte ihnen als Flüchtlingen keinen Schutz vor politischer Verfolgung und Folter.

    In diesem Prozeß spielte der Richter Earl H. Carroll eine besondere Rolle. Er teilte die Auffassung der amerikanischen Regierung, daß in El Salvador und Guatemala kein Bürgerkrieg herrsche und daß deshalb Flüchtlinge von dort nichts anderes als illegale Ausländer seien. Entsprechend untersagte er noch vor Prozeßbeginn alle Vorlagen der Verteidiger, die mit Menschenrechtsverletzungen zu tun hatten. (…) Damit hatte der Richter alles verhindert, was die Verteidigung zugunsten der Angeklagten hätte vorbringen können.

    Womit man dann wieder mal bei B. Traven angelangt ist:

    Aber das Recht ändert sich infolge wechselnder Verhältnisse. Es gibt nichts, was nicht einmal Recht gewesen ist. Man darf das Recht nur nicht einpökeln wollen und erwarten, dass es in hundert Jahren noch immer Recht, vielleicht gar dasselbe Recht sein werde.

    — B. Traven, Das Totenschiff, S. 391

    Tja – eben nichts Neues im Westen und wenn Sie die 70er und 80er nicht unter einem Stein verbracht haben, sollten Sie, werte Mitforisten, das Ganze als sehr bekannt empfinden – oder auch so was hier:

    Ein Lüneburger Gericht entscheid, daß Türken keinen Anspruch auf Asyl haben, obwohl sie in ihrer Heimat die Folter zu erwarten haben. Dies begründete das Gericht damit, daß in der Türkei die Folter sich aus traditionellen Einstellungen erkläre. Und weiter, daß die Folter in diesem Land eine ganz selbstverständliche Maßnahme der Sicherheitsbehörden zum Schutz des Landes sein könne. Solche Traditionen könne man nicht einfach zurückweisen.

    Mhm, „Traditionen“! So wichtig! AfD-Wähler zücken bereits fleißig den Bleistift (beziehungsweise Copy und Paste).

    Wie war das doch gleich mit: „Wir haben so viel aus der Vergangenheit gelernt!“ Oder: „Früher war alles besser in Deutschland!“? Das war schon vor 40, 50 Jahren dieselbe verlogene Scheiße wie heute. Die Lösung verriet Traven freilich auch schon vor 100 Jahren:

    „Wir leben nicht auf Erden, um zu gehorchen, um untertan zu sein und noch dafür mißhandelt zu werden. Nein, Kameraden, wir leben auf Erden, um in unserer Person und als Mensch frei zu sein. Das Leben ist zu kurz, als daß wir es wegwerfen können für Ideen anderer und für das Bimmbelbammel derer, die uns führen wollen, um uns zu beherrschen. Aber wenn wir frei sein wollen, ihr Muchachos, dann müssen wir uns unsere Freiheit täglich neu verdienen. Wer auf seiner Freiheit ausruhen will, der hat sie nicht eine Woche lang, dann ist sie ihm auch schon wieder genommen. Wenn ihr einst frei sein werdet, Camaradas, so kann ich euch sagen, daß ihre eure Freiheit verliert am selben Tage, an dem ihr sie feiert und euch in eurer Freiheit sonnt. Glaubt nicht, daß ihr Freiheit habt, wenn ihr glaubt, sie sei euch nun durch Gesetz und Konstitution und, was weiß ich, durch was sonst noch alles verbrieft und besiegelt hier auf Erden, was nicht jeden Tag neu geschrieben und neu besiegelt wird. Traut niemals einem Führer, wer es auch sein mag, was er euch auch versprechen mag, wo er auch herkommt. Frei bleibt nur der von euch allen, der sich selbst vertraut, selbst täglich neu um seine Freiheit kämpft und seien Freiheit niemand zur Aufbewahrung gibt. Ihr alle seid frei, wenn ihr jeder frei sein wollt und euch kommandieren laßt. Laßt euch nicht kommandieren und gehorcht niemand. Sorgt euch nicht um die Freiheit eurer Nachbarn, sorgt euch um eure eigene Freiheit zuerst.. Und wen jeder von euch frei ist, sind auch alle anderen frei, und kein Finquero und kein Politico und kein Cientifico kann euch in die Monterias schicken.“

    — B. Traven, Die Rebellion der Gehenkten, S. 257 f.

    Zurück nach Minneapolis. Das ganze Phänomen von Entseelung, Mord und sonstiger Gewalt ist nicht neu – ganz einfach, weil das System nicht neu ist. Es ist auch nichts daran „mehr“ geworden, es hat einfach nur hier und da andere Ausprägungen angenommen oder das Internet ermöglicht es nun alles in Echtzeit mit einer Schüssel Chips auf dem Schoß zu verfolgen und sich 24/7 Crime Porn reinzuziehen. Allenfalls wird bei dem Ganzen von Jahr zu Jahr etwas oder mehr als nur etwas „ein wenig schlechter“ (Houellebecq).

    Was „wir“ hier bei diesem „Fall“ mal wieder beobachten können, sind schlicht das Zusammenkommen des Gegenrevolutionären (Harcourt – für die bürgerlichen Mitleser, andere können auch pöse Jungs und Mädels wie Lenin oder Luxemburg zücken) und der allgemeinen gesellschaftlichen Normopathie und Belliphilie: Ein krankes System bringt einfach massig kranke, entseelte Leute hervor, die das kranke System wiederum erhalten, mehren und zu stärken suchen. Hüben wie drüben, ob in den USA oder – mit etwas Verzögerung oder gewissen Schleiern und regionalen Anpassungen – hier in Europa. Der westliche Steingarten bleibt die Hölle auf Erden – zumindest, wenn man zu den „Wahnsinnigen“ zählt, die bei dem ganzen Irrsinn nicht mehr mitmachen. Oder den Wagemutigen, die mal hier und da ein Jota aus der Heerde auszutreten wagen (und sei es nur für einen Moment, für ein Thema oder gar bloß einen Satz!).

    Ansonsten ist es natürlich einfach auch ein gesellschaftliches Problem, da hat Gruen durchaus recht, denn es änderte sich eben nur etwas, wenn die Masse daran etwas ändern wollte und sich ihrer Fähigkeiten und Potentiale bewusst würde.

    „Der Besitz und das Eigentum sind hier in dieser Nachbarschaft fester begründet als zuvor. Es hat sich nur der Name des Besitzers geändert. Und ich kann dir sagen; Camarada, morgen oder übermorgen werden sich die neuen Besitzer hier mit ihren Machetes gegenseitig zerfleischen, eben des neuen Besitzes wegen, bis einer oder keiner übrigbleibt, sich des neuen Besitzes zu erfreuen. Wer den Revolver gewinnt, wird wahrscheinlich der neue Patron werden, und wer die Schrotflinte hat, der neue Mayordomo. Und die noch übrigbleiben, werden wieder Peones sein.“

    „Dann hatte doch die Revolution hier keinen Zweck.“

    „Hier nicht. Bei diesen Leuten ist die Revolution zu leicht gewesen und zu rasch gegangen. Das tut Revolutionären niemals gut. Sie wechselten die Äcker und die Schweine. Was aber das Wichtigste ist, die Ideen, auf denen das ganze System aufgebaut ist, diese Ideen wurden hier nicht geändert, nicht einmal berührt, ja, nicht einmal begriffen. Das System bleibt dasselbe. Gestern war der Herr hier Don Chucho, heute Eusebio, morgen Florencio. Es sind immer wieder Herren da, und weil Herren da sind, darum sind auch Knechte da. Im Grunde hat sich hier nichts geändert. Sie haben nicht einmal ein Körnchen Dankbarkeit für uns, die wir ihnen geholfen haben. Sie werden dich und mich verhungern lassen, nur um nicht ein Stück Schweinefleisch für sich weniger zu haben.

    — B. Traven, Die Rebellion der Gehenkten, S. 323

    Aber für Belletristik und Utopien ist es jetzt wirklich nicht die Uhrzeit. Zumal das Lesen von Büchern auf Parkbänken wie Utopien ja einfach nicht normal sind – sondern was für Spinner und Wahnsinnige. „Normalität“ dagegen – das wollen „wir“ doch alle! Was auch immer man darunter versteht, noch die größte Antisozialität ist ja „normal“. Es gilt: Wenn schon Peitsche, dann wenigstens mit Reisefreiheit und Konsum. Und brennen soll bloß das Haus des Nachbarn, insbesondere wenn er ein Schmutzaffe ist. Aber Hauptsache: Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein, bei uns gibt es Eintracht und Geschlossenheit über allem! Über allem eben die bleierne Friedhofsruhe der besten Gesellschaft aller Zeiten. 🤷‍♂️

    In diesem Sinne:

    Einmal muß auch Dachau wieder normal werden.

    — Heinrich Wiesner, Sprecher des Bayerischen Innenministeriums, 1981

    PS: Tun Sie mir bitte einen Gefallen – wenn Sie Leute in psychischen Ausnahmesituationen erleben, rufen Sie NICHT die Polizei. Sondern 112. Zumindest, wenn Ihnen das Leben des betreffenden Menschen lieb ist oder sie noch Reste eines menschlichen Selbst in sich verspüren sollten.

  15. Auch aus dem Videomitschnitt, der angeblich die Version der faschist. Massenmörder und Kinderficker stützt, geht eindeutig hervor, daß dem Gestapomörder keinerlei Gefahr drohte.

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