Helden der SPD und ihr Erfolgsrezept: Mehr Druck wagen

Die Sozialdemokratie verzweifelt: Immer weniger wollen sie wählen. Dabei gibt es Parteimitglieder, die beliebt sind und Wahlen gewinnen. Deren Attacken auf Bürgergeld-Empfänger und gegen Sozialbetrug fallen beim Wahlvolk auf fruchtbaren Boden.

mehr lesen

10 Kommentare

  1. Die SPD von 2026 steht nüchtern und bei Lichte betrachtet rechts von der CDU des Jahres 1966.

    Nur so am Rande: 1971 hat sogar die FDP (!) in ihrem Parteiprogramm einmal die kapitalistischen „Verwerfungstendenzen“ kritisiert. Von diesen Kritikern lebt allerdings niemand mehr. Das ist das ganz große Problem der Zeitenwende! Es kann sich niemand mehr daran erinnern. Das ist wie mit dem Krieg. An diesen Misthaufen kann sich auch fast kein heute lebender und aktiver Politiker mehr erinnern.

    Frage: Warum kritisiert die angeblich „soziale“ und „demokratische“ Partei der hart arbeitenden deutschen Bürgerinnen/Bürger nicht mal „Mitbürgerinnen“ und „Mitbürger“, die in einem Milliardenvermögen schwimmen, aber den Hals nicht voll kriegen und immer noch reicher werden müssen?

    Anwort: Weil die SPD schon lange keine Partei für die vielen Leute mit dem kleinen Geldbeutel ist, sondern eine Partei für die Leute mit dem großen Portemonnaie und den riesengroßen und milliardenschweren Brieftaschen.

    Außerdem: Geringverdiener gegen Arbeitslose, Asylbewerber, Flüchtlinge, Kranke, Behinderte, Rentner, Obdachlose usw. aufzuhetzen, das können die Sozialdarwinisten von der AfD und diese beiden „christlichen“ Parteien CDU und CSU viel besser. Dabei sollte man aber auch nicht vergessen, wer die Türen und Tore an den Grenzen geöffnet hat. Das war der „Engel“ von der CDU aus der ehemaligen DDR, die „Frau-Wir-Schaffen-Das“ oder etwa nicht?

  2. Die „gute“ SPD ist ein gesellschaftspolitisches Relikt aus der bundesrepublikanischen Vergangenheit. Frau Weidel sagte ja schon: „Sie ist nicht mehr die Arbeiterpartei, die Partei der Arbeiter und Arbeitnehmer. Sondern das ist die Alternative für Deutschland.“ Arbeiter -und auch Gewerkschaftler- wählen heute die AfD, weil sie ein marktradikales Programm, Abschaffung der Gewerkschaften und des Streikrechts, Abschaffung des Mietrechts, Steuersenkungspolitik für Bestverdiener etc wollen.

    1. Etwas gewollt primitiv?
      Es ist ja das Problem des parlamentarischen „demokratschen“ Spiels, als Alternative Pest oder Cholera anzubieten.
      Der Wähler hat nicht die sozialen Folgen einer AfD -Regierung vor die Nase gesetzt bekommen, sondern die fragliche Aussicht, mit der Partei wenigstens nicht mehr in Kriegsgefahr und wirtschaftlichen Niedergang leben zu müssen. Ob das dann nach einem Wahlsieg noch gelten würde, ist dahin gestellt.
      Es ist durchaus möglich, dass dann die Chrupallas, wenn sie sich nicht um 180° selbst drehen, abgeräumt werden.
      Die alltägliche Manipulation mit demokratischen Floskeln wirkt ausgesprochen gut.

  3. Die SPD ist seit über einhundert Jahren parteigewordener Verrat an denen für die sie sich vorgeblich einsetzen. Selbst der rückblickend glorifizierende Blick auf die Ära Willy Brandts blendet Tiefpunkte der Demokratie wie zum Beispiel den „Radikalenerlass” konsequent aus. Es gab das eine oder andere den Sozialdemokraten zugeschriebene Highlight. Die in der Retrospektive für kurze Zeit einer relativ hohen tatsächlich umgesetzten Chancengleichheit, verdankt sich bei Licht besehen einer unverdient großen Prosperität des deutschen Nachkriegs-Wirtschaftsmodells von transatlantischen Gnaden.
    Die Person Willy Brandts als Gegenmodell zum sonst allgegenwärtigen „alten Nazi” milderte mit seinem authentisch menschlich-angemessenen Gesten der Reue wenigstens ein wenig die Scham. Eine sehr kurzes Intermezzo der Würde im ansonsten bigotten Sumpf der gewöhnlich Deutschland repräsentierenden Opportunisten.
    Aber was hat das mit der SPD zu tun?

  4. Bei Archivierungsarbeiten stieß ich auf einen Artikel von Robert Kaplan, einer der einflussreichsten „Neocons“, später Stichwortgeber vieler „Libdems“, von 1997, zu dem der Link noch funktioniert:

    „Was Democracy Just a Moment?
    The global triumph of democracy was to be the glorious climax of the American Century. But democracy may not be the system that will best serve the world—or even the one that will prevail in places that now consider themselves bastions of freedom.“

    Darin geht es in maßgeblichem Umfang um „Brot und Spiele“, deshalb wollte ich den erst unter dem Fußball-Artikel plazieren, aber das Publikum von Björn Hendrig ist vielleicht eher geneigt, einen Blick hinein zu werfen.
    Luschtig fand ich, wie nahe der Mindset, den Kaplan damals vor sich her getragen hat, zahlreichen Ideologemen der Neo- und Postdingsdas der hier versammelten AFD-Groupies erscheint, wenn man die US-Spezifik ein wenig vom Text abzieht, aber das ist eher ein Treppenwitz.
    Egal, es ist ein nicht ganz unbedeutendes Zeitdokument, also:
    https://www.theatlantic.com/magazine/archive/1997/12/was-democracy-just-a-moment/306022/
    Kaplan war übrigens der Typ, der in den Nuller-Jahren über Gwadar geschrieben hat, nicht Kristol, wie ich neulich irrtümlich behauptet hab, den Afghanistan – Krieg in einen Pakistan – Krieg zu überführen, lag ihm besonders am Herzen.

  5. Ich komme aus einer Familie, die weitgehend im klassischen Arbeiter- und Gewerkschaftsmillieu verortet war und wo das Wählen der SPD, der Partei der sogenannten „kleinen Leute“, quasi Pflicht war. Auch Dieter Hildebrandt nannte die SPD einmal die Partei der „Mühseligen und Beladenen“.
    Seit der Agenda 2010 und dem Krieg gegen Jugoslawien ist diese Partei für mich toter als tot., da sie diese Linie ja ungebrochen fortsetzt. Vielleicht wird‘s irgendwann selbst für die 5%-Hürde nicht mehr reichen und das hätte sich dieser Verein mehr als verdient!

  6. Die SPD existiert seit vielen Jahren nicht mehr. Oskar ist deshalb ausgetreten. Er war der letzte Sozialdemokrat, der dort das Licht ausgemacht hat. Die Karrieristen, die die Pöstchen innehaben – ihr einziges Ziel – und dafür immer vor Wahlen links blinken, um die ist es nicht schade. Sie kosten nur Geld. Es wird billiger – oder, um es neoliberal zu sagen: effizienter – wenn die SPD endlich weg fallen wird. Das dauert, weil ihre Wähler mit der leeren Hülle SPD alt werden, die sie bis zum Erbrechen nach oben wählen, solange, bis einer am anderen altersbedingt verschieden ist.

  7. Naja, diese RotationseuropäerInnen würde ich mir nicht nur so als Opfer vorstellen! Erinnert Euch an Kosta, den von jungen Roma in Hagen so schwer verletzten ehemaligen Gastarbeiter, dass er sich davon nicht mehr erholt hat!
    Es sind eher die deutschen Bedürftige und die Familien der GastarbeiterInnen, welche von den Sozialbehörden gegängelt werden! Kein oder kaum Sozialer Arbeitsmarkt, TotalverweigerInnen fangen jetzt praktisch bei einem Verstoß an, pseudolegimierter Digitalisierungs- und Appzwang! Mediale Hetzkampagnen, welche angeblich die normale BezieherInnen nicht meinen, aber nur am Rande differenzieren, hauen da noch einmal richtig rein! Nicht UkrainerInnen, RotationseuropäerInnen oder Alltagsgewalttäter werden die neue alte Härte spüren, sondern der normale Mensch im Sozialleistungsbezug!

  8. Die SPD ist die Klientelpartei der Beamten- und Bürokratenkaste, welche sich mit den regelmäßig mit den Schwarzröcken verbündet, um den Sozialstaat auszuschlachten. Die soziale Ader schwillt verbal vor den Wahlen nur kurzfristig an um sich nach dieser in ihr Gegenteil zu verkehren. Die CDU ist da wenigstens ehrlich und sagt gleich klipp und klar, dass sie massive Opfer von der Grundbevölkerung erwartet, obwohl da nicht mehr viel zu holen ist. Wie dem auch sei – die Volkwirtschaft wurde erdrosselt und auch das ist schließlich eine Leistung, die es erst einmal zu vollbringen gilt.

    Da die Demokratie mittelfristig aber ohnehin durch das 4. Reich ersetzt werden wird, spielt aber auch gar nichts mehr eine Rolle, außer bis zuletzt große Volksreden zu schwingen und parteiübergreifend dem eigenen Personenkult zu frönen.

Schreibe einen Kommentar

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln : Bleiben Sie sachlich, respektvoll und beim Thema. Wir behalten uns vor, insbesondere Kommentare zu entfernen, die Beleidigungen, Spam oder persönliche Angriffe enthalten.

Pro Beitrag sind maximal 5 Kommentare (inklusive Antworten auf andere Kommentare) zulässig.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte schreiben Sie mindestens 100 und höchstens 10000 Zeichen.

0 / 10000 Zeichen