„Ich schließe nicht aus, dass auch Europa wieder in den Kriegszustand zurückkehrt“

Moshe Zuckermann über die zerfallende Demokratie und den Faschismus in Israel, das Mitläufertum als tragende Machtstütze in Israel und im Nazideutschland,  die Militarisierung und die AfD.

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9 Kommentare

  1. „Aber die EU hat es nicht geschafft, zu einem Monolithen werden. Meine große Hoffnung liegt natürlich bei der EU, also bei Europa. Ich bin ja eurozentrisch ausgerichtet, sowohl kulturell als auch von meiner Sozialisation her, aber ich würde im Moment nicht allzu großes Vertrauen in Europa setzen. Ich glaube, die schaffen es nicht.“ (Zuckermann)

    Wie man dermassen naiv, oder soll ich sagen verblendet, sein kann, geht mir kaum in den Kopf. Europa ist doch die Wurzel des Problems, von da ist die letzten Jahrhunderte fast alles gekommen, was den Planeten zu einem explosiven Ort macht, was die Lebensgrundlagen nicht nur der Menschen zerstört. Und die EU ist der jüngste Versuch, ein Imperium aufzubauen, jetzt wo klar ist, dass jeder einzelne europäische Nationalstaat zu klein dafür ist. Wobei gerade die deutsche Elite träumt, indirekt, nämlich via haltende Umarmung, als Primus inter nicht so pares, zur bestimmenden Macht und schliesslich zur Weltmacht zu werden. Aber hoffentlich ’schaffen die es nicht‘. Sie sind schon wieder auf dem Weg, alles anzuzünden. Ihr vermeintlich übermächtige angelsächsische Offspring kommt von seinen europäischen Wurzeln nicht los und ruiniert sich selbst. (Ohne diese schreckliche Missgeburt, an deren Entstehung in ihrer heutigen Form nicht nur die Briten, sondern auch die Franzosen grossen Anteil hatten, irgendwie in Schutz nehmen zu wollen.) Die Beziehung zur zionistischen Kolonie ist komplex, ohne hier weiter drauf einzugehen, die Europäer unterstützen die dortigen Faschisten hemmungslos und foutieren sich um alle globalen Kodizes, die sie im Lauf der Zeit, als Zeichen ihrer angemassten moralischen Überlegenheit in die Welt gesetzt haben.

    Noch ein Wort zum Umstand, dass in Europa und insbesondere in Deutschland, die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges auf den Holocaust reduziert wird. Das liegt schlicht daran, dass dieser paradoxerweise sich eignet, um die bereits angesprochene angemasste moralische Überlegenheit zu demonstrieren. Gerade für die Deutschen ist er ein ideales Vehikel, um alle übrigen unsäglichen Schandtaten vergessen zu machen und erneut einen Feind im Osten auszumachen, diesen zu verteufeln, sich und den Rest des Westens bereit zu machen für den nächsten Weltkrieg. Wenn man z. B. die literarische Produktion Westdeutschlands durchstöbert, angefangen bei ‚Draussen vor der Tür‘, bemerkt man, dass es erst nur um eignes Leid, später um das jüdische geht, alles andere, insbesondere der Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion nicht thematisiert wird. Vergangenheitsbewältigung ist ein verräterischer Begriff. Man bewältigt primär den epochalen Fehlschlag, nicht die Intentionen. Inzwischen ist man damit, unter gütiger Mithilfe der restlichen Europäer und der westlichen Vormacht, weit gekommen.

  2. OFF

    „Wir sind mehr, wir sind stärker.“ ( Friedrich Merz zum Anschlag auf den CSD in Berlin )

    “ Wer ist wir ? Ich nicht !“ ( Gerhard Polt )

    1. OFF

      „Das ist die Drecksarbeit, die Israel macht für uns alle“ ( Friedrich Merz, 16.06.26 )

      Bundeskanzler Friedrich Merz hat den Tatort des Anschlags am Rande des Berliner CSD besucht und Blumen niedergelegt.

  3. Können Sie meinen Kommentar posten?

    Mitmachen bei der Einforderung der Menschenrechte für Palästina.
    Der Völkermord wird noch begangen.

  4. „Das Mitläufertum bzw. die stille Abfederung von dem, was in der Parteipolitik läuft, war immer ein Erbteil vor allem von den Rechten.“
    Das stimmt, ist aber kein Alleinstellungsmerkmal der Rechten. Es gilt für alle Gesellschaften mit Machtstrukturen. Ich kann ein Lied davon aus der DDR singen. Mein Großvater und mein Vater, wie auch ich, gerieten als Reste der Arbeiterbewegung aufgrund ihrer kritischen Haltung ins Visier der Mitläufer, die die DDR wie auch die SED dominierten.
    Wir wurden existentiell in den Abgrund getrieben, aber mein Vater entzog sich dem, nachdem er im Parteiverfahren seinen 2. Herzinfarkt erlitt und verstarb.
    Mein „Richter“ in einer Anstalt, die sich als Inkarnation des sozialistischen Bewusstseins verstand, und diese Aufgabe als Bewährung für höhere Weihen vollzog, war der 1. im Laden, der sein Parteibuch hinschmiss, der CDU beitrat und Karriere in der Treuhand machte.
    Welche Ironie der Geschichte. Ich schätze, dass 99 % der „bewussten Genossen“ nur aus Karrieregründen den Bewussten spielten, einfach Mitläufer waren.

    1. Karriere in der Treuhand

      Ein Ossi und Karriere in der Treuhand? Wer soll das gewesen sein? Nachdem die THA im frühen Frühjahr 1990 tatsächlich nur aus Ossi bestand (ca. 80 Leute) und zunächst (Frühsommer) Personal aus den DDR-Industrieministerien dort unterkam, war im Herbst ’90 kaum noch ein Ossi in einer Führungsposition, nach und nach konnte man fast jedem irgendeine Verbindung zum MfS nachweisen.

  5. Florian, warum fragst du nach der „Schuld“ deiner Mutter? Du kannst weder ihre Taten ungeschehen machen noch ihre Entscheidungen übernehmen. Die einzig wirklichen Fragen lauten: Lebst du heute wahrhaftig oder versteckst du dich ebenfalls hinter einer Herde? Übernimmst du Verantwortung für dich und das, was du in der heutigen Welt beeinflussen kannst? Erzähl uns doch mal davon, bitte!

    Zitat: „Aber es ist doch immer so, dass jedes Regime diese Mitläufer benötigt.“

    Dein Einwand passt gut. Aber nicht bloß jedes Regime, jede Gewaltordnung lebt von Menschen, die sich anpassen. Die Frage ist nicht, ob es Mitläufer gibt, sondern wobei sie mitlaufen. Wer nur den Mitläufer des Gegners zu erkennen vermag, hat den eigenen noch nicht gesehen.

    Jeder zeigt auf den Tyrannen. Kaum einer fragt, warum der Tyrann so viele Diener findet. Auch das Berliner Regime könnte nicht existieren ohne die vielen Millionen, die ihm tagtäglich eifrig zur Stange gehen. Oder die Stange an die AfD weiterreichen, die keinen Deut anders ist.

    Warum sprecht ihr also ständig über die anderen? Fragt lieber, wo ihr selbst heute mitlauft.

    Zitat: „Also, Widerstand und Proteste gibt es schon immer noch.“

    Schon. Immer. Noch. Wenn man das „noch“ extra so betonen muss, ist der Maßstab bereits gesunken!

    Und wenn die AfD erst einmal den vollmilitarisierten Polizeistaat übernommen hat, wird jeder Widerstand und Protest sofort im Keim erstickt.

    Damit die Greifer vom Kreiswehrersatzamt bei der Bussifizierung auch ja nicht mit Widerstand und Protest zu rechnen haben, ist das „Führen von Waffen und Messern“ auf jeden Fall bald überall verboten:

    https://mdi.rlp.de/themen/buerger-und-staat/verfassung-und-verwaltung/waffen-und-messerverbot-im-oepnv

    Noch zwei, drei Anschläge und sie bauen euch was in eure Autos ein! Dann werdet ihr nicht mal mehr über die Grenze kommen, wenn „plötzlich“ wieder Krieg ist.

    Zitat: „Dann ist Deutschland viel besser dran als Israel. Hier in Israel gibt es keine Massendemonstrationen, weder gegen den Krieg noch gegen die Pogrome, noch gegen die Tatsache, dass Kahanisten, also wirklich Neonazis oder „Judo Nazis“, wie man sie nannte, heute an der Regierung sind.“

    Weniger Gleichgültigkeit als anderswo ist noch keine Wachsamkeit. Außerdem – gibt es die Massendemos gegen Krieg, Armut oder Genozid etwa in Deutschland?

    „Diese Leute interessieren sich einfach nicht für die Palästinenser. Sie interessieren sich nicht für die Leiderfahrungen von diesen Leuten.“

    Die Leute in Deutschland auch nicht. Die meisten interessieren sich weder für palästinensische Leiderfahrungen noch für die der Russen, Griechen oder jener Leute vor ihrer eigenen Haustür, auf deren Kosten sie tagtäglich leben und wählen.

    Die Leute beweinen meist nur die Toten der eigenen Herde. Und oft nicht mal die. Man spricht immer groß vom „Mitgefühl“. Meist verliert man es noch vor der eigenen Haustür. Krokodilstränen sind schnell vergossen.

    „Wie lange, die dann dabei sind, ist noch mal die andere Frage, weil die Aussteigerquote relativ hoch ist. Die jungen Menschen merken, dass das doch nicht ist, was wollen.“

    Wer den Wehrdienst meidet, ist nicht automatisch ein Freund des Friedens. Manche fürchten bloß, dass der Krieg für sie nicht auf dem Siegertreppchen endet.

    Vor dem Ersten Weltkrieg wollten viele auch keinen Krieg – bis der Krieg als „Pflicht“, „Ehre“ oder „nationale Bewährungsprobe“ vermarktet wurde. Dann konnten viele nicht schnell genug in die Schlafwaggons nach Paris hüpfen.

    Glaubt ihr ernsthaft, morgen liefe es anders? Mit PR kann man alles verkaufne, ihr werdet schon sehen.

    „Die AfD will diesen Makel los und wieder ein stolzes Land mit unbefleckter Heimat haben. Da kommt ja auch das mit rein, dass wahrscheinlich viele von denen auch über Eltern oder Großeltern mit dem Nationalsozialismus zusammenhängen.“

    Genau so ist es. Aber zum einen ist die AfD nur Fleisch vom Fleisch der CDU. Und zum anderen liebt jeder Nationalist nicht die Wahrheit über sein Land, sondern bloß das Bild seines Landes.

    Die Mehrheit der Deutschen will über ihre Verantwortung weder nachdenken noch reden. „Damit habe ich nichts zu tun.“ „Davon weiß ich nichts.“ „Das sind die da oben.“ „Befehl ist Befehl.“ „Man hat es halt gemacht.“ „So ist die Zeit eben.“ …

    Ausreden, alles Ausreden. Man glaubt, einfach immer weiter machen zu können. Gerne auch auf Kosten anderer. Doch damit kommt man irgendwann nicht mehr durch:

    https://russiancouncil.ru/en/analytics-and-comments/interview/nuclear-germany-is-moscow-s-red-line/

    Erinnert euch der Worte Brechts:

    „Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.“

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